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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-04 · Heft 1697 (4.11.1923) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1697 (4.11.1923)
Date
1923-11-04
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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M. IM Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung. 4. Novernber 1923 Seite 7 Jer iMfmSnnWe Geist der Labakregie Ab heute krhöhung der Labakfabrikate. Schr geehrter Herr SeNonschef Dorrek! Bor nicht allzu langer Zeit hatten Sie die Liebenswürdigkeit, sich zu einem meiner Kollegen zu äußern, daß die Zigaretten nicht nur besser, sondern auch billiger werden würden. Ich stand dieser Mitteilung gleich von vornherein skeptisch gegenüber, und tatsächlich habe ich jetzt weder von dem einen noch vom anderen etwas bemerkt. Nichtsdestoweniger erregte Ihre Mitteilung damals bei mir und bei Tausenden von Rauchern lebhafte Freude. Nicht nur deshalb, weil wir die Hoffnung hatten, billiger und besser zu rauchen, sondern vor allem darum, weil ich nur sagte: „Gott sei Dank, es gibt in Oesterreich doch noch einen staatlichen Betrieb, der es endlich einsieht, daß ein Geschäft nur kaufmännisch geleitet werden kann." Gin Blick in die gestrige amtliche „Wiener Zeitung" zeigte mir, wie recht ich damit hatte, Mißtrauen in Ihre Versprechungen zu setzen. Denn die ganze erste Seite dieses Zeitungsorgans ist von Ihren Mitteilungen ausgefüllt. Und zwar sprechen Sie diesmal mit Ihren Kunden hauptsächlich in Zahlen. Denn ab heute werden die Fabrikate, die unter Ihrer weisen Leitung hevgestellt werden, nicht etwa besser, wohl aber teuerer. Und zwar recht beträchtlich. Geradezu aus dem Hinterhalte haben Sie das Publikum mit dieser Preiserhöhung überfallen. Ich sehe also, daß ich mit meiner Meinung, in die Oesterreichische Tabakregie werde kaufmännischer Geist einziehen, bitter unrecht gehabt habe. Das von Ihnen geleitete Unternehmen ist genau so wie das Telephon, die Post und die Eisenbahnen eine Behörde, und Sie, sehr geehrter Herr Sektionschef, sind genau so eine Obrigkeit, die nur Untertanen und keine Kunden kennt, wie Ihre verehrten Kollegen von den anderen Fakultäten. Wenn ich in ein gewöhnliches Geschäft gehe — in eines, das von keinem Sektionschef geführt wird — und es paßt mir etwas darin nicht, so gehe ich weg, ohne etwas zu kaufen. In Ihrem Geschäft, Herr Dorrek, kann ich das nicht, denn Sie haben ja das Tabakmonopol fiir Oesterreich und ich bin für Sie nicht Kundschaft, sondern ein Wesen, dem Sie zu befehlen haben und mit dem Sie nur durch Erlässe, Verordnungen und Tariferhöhungen verkehren. Ich muß kuschen, weil ich bei Ihnen kaufen m u ß, und weil Sie das wissen, so behandeln Sie Ihre Kunden so. Ich muß das nehmen, was Sie mir gnadenweise ablassen, urtb den Preis zahlen, den Sie mir vorschreiben. Ich habe mich geirrt, wenn ich annahm, die Tabakregie werde in ein kaufmännisches Unternehmen umgewandelt werden. Würde irgendein Privatunternehmen in diesem Geiste geführt werden wie unsere staatlichen Betviebe, so würde man darüber lachen. Ueberdies würde das Unternehmen wahrscheinlich sehr bald pleite gehen. Ich weiß, Sie werden sagen: „Der Abbau, die Ersparungsmaßnahmen, die hohen Produktionskosten sind schuld." Ich mit meinem bescheidenen Untertanenverstand allerdings, und mit mir Tausende von Rauchern, sind der Meinung, daß ein kaufmännisch geleitetes Unternehmen mders aussieht. Die Preiserhöhung ist nicht aller Weis- Kn PogrouM in Lowtetdiensten. Wie SotwjeMäUer melden, wurde der chomalige Mitarbeiter Petilftwas, General Tintiinnyk, nach durchgcfühvter llnterfuchiuinig in den Soiwsetdienist übernommen. Wie bekannt, hat dieser General aktiven Anktil an den Indens chlä chterei en in der Ukraine gchabt. Vor der lbebermahme seines Dienstes hat Tiutliunyk den Sowjetbehövden sein ganzes Archiv übergäben. Kredithilfe für die Hansbeützer. Die Gemeinde Wien plant, so berichtet das „Nenigkeits- Weltblatt", im Verein mit der Zentralsparkasse und einer Reihe von sozialen Institutionen, wie Unfallsversicherungen, Krankenkassell usw., eine Kreditaktion einzuleiten, um es vermögenslosen Hausbesitzern, denen es schwerfällt, Kredite aufzunehmen, zu ermöglichen, die notwendigen H a u srcparaturen vornehmen zu lasseu. Mildes Wetter andauernd. Das Wetter hat sich etwas verschlechtert. Gestern morgens war es allgemein trüb, inr Gebirge nebelig, in Tirol, Salzburg und Obevösterreüch schwache Ragen. Tagsüber klärttv cs vielenorts vorübergehend auf. Voraussage: Veränderliche Bewölkung, leichter Regen nicht ausgeschlossen, zeitweise föhniges Aufklären, vor allem mildes Wetter andauernd. Me Lebeusmittelmiirtte. - Dli>e Flvilschprieijse haben sich ilrn allgsiueimen nicht wesvutmh, veränlderit. billiger wurde -tot der GroßnmMhalle tmt Kleinhandel nur Rin'dfleW mittlerer und minderer QuaMät um je 1000 K. pro Kilogramm. Die hohen Prelle für, Kalibklelilsch haben eine woltere VevtMusMng um 1000 bis 2000 K. pro Kilogramm erfahren. Die Zufuhren an GchMgÄ nehmen nrevklich zu, doch sind die Preise für alle GeAügckavtvn noch viel zu hoch. See- Uche kamen im Laufe dieser Woche in dreimal so großer Menge als in der Vorwoche an, doch fanden sie bei einem Prelis von 16.000 bis 17.000 K. pro Kilogramm keinen entsprechenden Msiatz. Obst. Gemüse Md Kartoffeln Meiden im Preise nnverändert. Eine Neuheit auf dem NaischmarA bildeten itMnwUsche heit Ende. Ja, Herr Dorrek, es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich Ihre Schulweisheit nichts träumen läßt. g—d. Die Erhöhung der Tabakfabrikate. Ab heute wird der Preistarif für die Erzeugnisse der Oesterreichischen Tabakregie in einen allgemeinen Tarif und in einen speziellen eingeteilt. Die im allgemeinen Tarif enthalteneil Rauchsortelr sind in jeder Tabaktrafik erhältlich, während die im Spezialtarif angeführten Sorten nur in den Spezialitätentrafiken zu kaufen sind. Die Erhöhungen beziehen sich sowohl auf den allgemeinen wie auch auf den Spezialtarif itttb Luxnsranchwareu. Allgemeiner Tarif. Zigarren. Regalitas. Trabucos . Britanica. Operas. . Virginier . Kuba-Portoriko . 2600 K. . 2000 „ . 2000 „ . 1800 „ . 1600 „ . 1500 .. Brasil-Virginier . . . 1200 K. Vortoriko. 800 „ Gemischte Ausländer . 600 „ Kleine Inländer. . . 500 „ Cigarillos. 400 „ Zigaretten. Harun mit Korkbelag . 550 K. Anubis. 500 „ Aegyptische III. Sorte . 600 „ Memphis. 500 „ Mirjam mit Goldbelag 430 „ Divia mit Goldmnndstiick 450 Jttssuf mit Golddruck . 400 „ „ „ Rotdnick . . 350 .. Damen mit Kartonmundstück. 300 K. Sport mit Golddruck . 350 „ „ „ Rotdruck . . 300 „ Drama dünn (neu) . . 250 „ dick. 200 „ Film. 200 „ Azur.150 „ Ungarische.100 „ Auch Pfeifentabake und Schnupftabake werden entsprechend teurer. Spezialtarif. Zigarren. Regalia Favorita . . 3000 K. Operas especial . . . 3000 „ Trabucos especial . . 2800 „ Regalia. 2600 „ Prensados ..... 2600 „ Regalia Btedia . . . 2400 „ Brevas. Portoriko especial Havanna-Virginier Virginier especial Anfantes Senoritas 2100 K. 2000 ., 2000 „ 1800 „ 800 „ 800 „ Zigaretten. Khedive. 800 S Dames mit Kartonmundstück . 400 , Nil mit Korkbelag . . 800 Zigarettentabake (Parallelschnitt). pro Karton zu 100 8 Sultan flor .... 88.000 K. Superfein Türkischer 80.000 „ Feinster Türkischer . 68.000 „ Feiner Kir .... 60.000 „ Nil ohne Mundstück . . 700 K. Princesas mit Kartonmundstück .450 pro Karton zu 100 a Feiner Pursitschan . 52.000 K. Feinster Herzegowina (Feinst.'Bulgarischer) 44.000 „ Das Bekanntwerden der bevorstehenden Erhöhung hatte sofort einen Ansturm auf die Tabaktrafiken zur Folge, die den Ansprüchen des Publikums natürlich nicht gerecht werden konnten. Schon in der letzten Woche wurde es übel vermerkt, daß man in vielen Trafiken nicht die verlangte Anzahl Zigaretten bekam. Der unvorbereitete Preisüberfall erregte im Publikum großen Unwillen. Orangen, die im Großhandel 15.000 K. pro Kilogramm kosteten. Butter unverändert. Eier etwas billiger. A:vf den Mä-Men kosteten frische Eier 1700 bis 1850 K., gelenchtM 1900 K., MMn 1650 K. pro Stück. CBOJKO WIEN Orig. Pariser Modelle in Kostümen, Strassen« und Abendkleidern, Milntein und Pelzen. I., KÄRNTNERSTRASSE NR. 34 Eingang Maysedergasse 2. * * Jüdischer Schulderem. Die Generalversammlung de§ Jüdischen Sch-ulvermns findet Donnerstag den 8. d. um 6 Uhr abends im Festsaale des Jüdischen Realgymnasiums, 2. Bez., Castellezgasse 35. mir folgender Tagesordnung statt: 1. Tätigkeitsbericht des abtreteniden Ausschusses. 2. Finanzbericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Wahl des neuen Ausschusses. 6. Statutenänderungen. 6. Festsetzung des Mitgliedsbeitrages. Die ordentlichen Vereinsmitglieder werden ans diesem Wege zur Generalversammlung eingeladen und um pünktliches Erscheinen gebeten. Sollte d:e 'Geneialversammlung wegen zu geringer Beteiligung nicht zustande kommen können, so wird dieselbe im Sinne des 8 27 des Vereinsstatuts für denselben Tag, eine Stunde später, d. i. um 7 Uhr abends, einberuien, und wird diese neuerliche Generalversammlung ohne Rücksicht auf die Anzahl der erschienenen Mitglieder ^beschlußfähig sein. * Jüdisches Mädcheuabendheim. Im jüdischen Mädchenakitfofyeim, 2. Bez.. Obere Donanstraße 91, 2. Stiege, 1. Stock, werden noch Mädchen im Alter von 14 bis 20 Jahren ansgenommen. Es werden Kurse abgehalten in Schneiderei. Mo-- distrrei. Handarbeiten, Hebräisch, Englisch. Literatur, Kulturgeschichte usw. Ausnahme täglich, mit Ausnahme von Freilag, von halb 7 bis dreiviertel 9 Uhr abends im Heim. * Der Streik in der jüdischen Mensa. Auf Grund einer Einigung mit der Gewerkschaft ist der Streik des Personals der Mensa judaica gestern beendet worden. Die normale Ausspeisung aller Kollegen wird bereits morgen wieder ausgenommen. * Der Streik bei der Wach- und Schlieszgesellschast beende:. Zwischen der Wach- und Schließgesellschaft und den streikenden Pächtern ist es zu einer Vereinbarung gekommen, ans Grund welcher der Streik der Angestellten beendet wurde. Die Wächter konnten ihre Forderungen nur zum Tvile durchsetzen. Es wurde ein neuer, bis zum Jahresende gültiger Vertrag geschlossen. * Das Heldendenkmal der Universität. Durch die Korrespondenz Wilhelm wird folgende' Notiz versendel; Der akademische Senat inib die deutsche Studentenschaft der Universität Wien veranstalten am Freitag den 9. Ö. um 6 Uhr abends in der Aula der Universität eine Tot nif e i-e r, verbnnden mit der Enthüllung des von Professor M ü l l n e r ansgeführten Heldendenkmales zu Ehren der gefallenen Helden der Universität Wien. Das Programm ist folgendes: Scharlied: „Ich hütt' einen Kameraden", Vorsprnch von 'Schriftsteller Dr. Robert Hohlbaum. Lied der Sängerschaft: „Ghibellinncn": „Kein schön'rer Tod ist in der Welt". Enthnllnug des Tenkmales durch den Rektor magmsieus Doktor Johannes Döller. Lied der tSängerschaft „Ghibellinnen": ° ,Mir treten pnt Beten". Totengedenkrcde, gehalten vom cand. rer. pol. Walter Kolbe. Ein Stollen von ^Deutschland, Deutschland über alles". Akademischer Ovchesterverein: Bruckner: Streichquartett, Adagio. Ein Totentanz, verfaßt von Dr. Wolfgang Scholz: ,/Des Todes und des Lebens Reigen", aufgeiführt unter der Leitung des Bnrgsch auspialers H ö b l i n g und unter Mitwirkung von Frau Osten und doultscher Studenten. Znm besseren Verständn.s unserer Leser wollen wir die dieser Notiz enthaltenen völkischen und daher tmverständlichen Ausdrücke ins Deutsche übersetzen: „Scharlied" heiß: Chor, und „Stollen" -Strophe. Den v ölkischeir Sprachreiinigern sind übrigens einige Untevlassnugei: unterlaufen, sie haben die Worte Programm, Quartett und Adagio stchen gelassen. Wir schlagen ihnen vor, statt Programm „Vortragsfolge", statt Quartett „Vierspiel" und statt Adagio „Getragenes" zu wählen. * Ausscheiden Bösels aus den Hammerbrotwerken? Wie das „Weltblarl" von verirauenswürdiger Seite erfahren haben will, trage sich der Bankier Bose!, der bekanntlich vor drei Jahren einen größeren Akticnposten der Hammetbrotwerke an sich brachte, mit der Absicht, aus dein Unternehmen a u szuscheiden und sein Geld zurückzugiehen. Die Hammerbrotwerke hatten in Holland eine Brrkriegsschuld von einer Million holländische Gulden für Getreidelieferrngen zu decken, und mußten, um sich zu sanieren, unter finanzieller Beteiligung Siegmnnd Bösels die Nniwandlung in eine Acktiengesellschaft vornchmen, der auch im Berwalrurgsrate der Gesellschaft eine entsprechende Vertretung crhie.':. W'i: das „Weltblatt" weiter berichtet, würde der Wtiengcscllsckost, falls Bösel aus seiner Absichr bestell, nichs anderes übrig bliben, als die Fabriksanlag zu veräußern. In intimen Kreisen werde sogar schon von einem Verkaufspreis von 3 6 Milliarden Kronen gesprochen. * Milchpantscher. Au' Grund von Anzeigen wirgegenwärtig eine polizeiliche Untersuchung gegen die „Ge r m a n i a"- Diolkerei (Inhaber: Ot.hmar und Anna B r u n rt m it I l e r), 14. Bez., Holochergasse 35, geführt; die Anzeige geht dohin, daß schon sei: 1920, also zu einer Zerr, da bereits strenge Vorschriften Geltung haben, bis in die jüngste Zeit Mlchpantschereien in aroßeni Ausmaß geübt wurden. Die „Germania" ist einer der "größten Betriebe, sie ha: im verflossenen Jahr drei Millionen Li:er verkauft. Die llnrersuchnug ist noch nicht abgeschlossen. * Lodzer Antisemiten wollen keine Zamenhos-Gasse. Im Lodzer Stadtrat brachten die antisemitischen Vertreter den Antrag ein, die nach dem Erfinder des Esperanto, Dr. Z amen Hof, benannte Gasse in Konarskygasse nmzntaufen. ^Die jüdischen Stadträte Doktor Schweig und Bioler bekämpften diesen Antrag und führten aus, der Jude Dr. Zamenhof sei Bürger der polnischen Republik gewesen und habe Polen Ehre gemacht. Ter Stadt Präsident Zigarskh trat für den antisemitischen Antrag ein. Da er sich auch sonst in reaktionäre:: Reden erging, entstand große Aufregung unter den liberalen Vcr tvetern. Endlich wurde beschlösse::, die Frage auf die Taget ordnung der künftigen.Sitzung zu setzen. VERSTEIGERUNG Kunstwerke und Mobiliar aus Schloss Planken warf h ferner eine hochwertige Sammlung aus Privatbesitz: Gemälde, Miniaturen, Steingläser, Porzellan, Antiquitäten Telephone: 67-3-05, 67-2-39 I., Tuchlauben Nr. 8 Besichtigung: Nur noch heute, 4. ds. (10-6). Auktion: 5. bis 9. Nov. in Leo Sohldlofs Kunstauktlonsbaus, Wien Telephone: 67-3-05, 67-2-39 Wir locken Sie nicht duroh falsche Anpreisungen, sondern bieten erstklassige 0flF" QualllSlsstoffe zu wirklich billigen Preisen Tuchhaus zum Hirschen .. ..

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