Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-11-02 · Heft 1695 (2.11.1923) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1695 (2.11.1923)
Date
1923-11-02
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980777--16650-3003583
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

M 1695 Wien, Freitag Pest—Komarom—Ghör—Hegyeshalom auf elektrischem Betrieb nmgeändert. Die M. A. V. erhöht übrigens, um nicht aus der Ueüung zu kommen, wieder einmal die Tarife, und zwar Personenfahrten um 30, Frachtsätze um 10 bis IM Prozent. Ihrem Beispiele folgend, haben die Budapester Lokalbahnen (Bizinallinien) die Tarife mit der Begründung, daß die Kohlcnpreise gestiegen sind und die Angestellten Lohnaufbesserungen erhielten, ab 16. Oktober schon um 30 Prozent aesteigert. Nengrüildungen und sonstige Nachrichten. Als eines der ersten Zeichen der Wohnungsbauaktiou ist die Gründung der „Omke", Häuserbau A.-G., zu registrieren, die sich mit einer Milliarde Stammkapital konstituierte, welches jedoch anläßlich der ersten Generalversammlung gleich auf 3,3 Milliarden erhöht wurde. Die Firmen Jeremias Baruch nub F Wodianers Söhne führet: die Geschäfte als Aktiengesellschaften weiter. lieber die Llohd Bank sind zwei interessante Neuigkeiten zu berichten, und zwar der Ankauf des Palais' Drechsler, das einst Eigentum eines Bcamteuvereines war, weiters eine Stiftung im Betrage von 15.000 Dollar; die Zinsen dieses Betrages sind teils zur Belohnung sich! besonders auszeichnendcr Beamten, teils für Studienreisen bestimmt. In der „Coucordia"--Tampfmühte mittete in der 9,'acht vom 12. aus den 13. d. ein großes Schadenfeuer, dem' 20 Waggons Getreide und Mehlprodukte staatlichen Eigentums zum Opfer fielen. Tie Theksche Möbel- und Klaviersabrik veranstaltet ans Anlaß ihres 50jährigen Bestandes eine Ausstellung ihrer Erzeugnisse. Die Leipzigersche Zuckerfabrik hat den Betrieb ausgenommen. Man glaubt, daß dies die hohen Zuckerpreise beeinflussen dürfte, nachdem die Fabrik sich dem Kartell nicht anschloß. Der englische Zwirutrust errichtet in Bae eine Fabrik, die noch int Lause des Winters in Betrieb gesetzt werden soll. _ Neuerliche Beteiligung amerikanischen Kapitals i« Sesterreich. Hin amerikanisches Bankhaus tritt in den Konzern der . Merknrbank. Wie wir erfahren, sind die Vechaitdlnngen des Generaldirektors der Mestkurbank, Schwarz, in N-Äv-Uork wegen Beteiligung amerikanischen Kapitals an dem Konzern der Mcrknr'bank zum erfolgreichen Abschluß gelangt. Das amerikanische Hans übernimmt einen Mienp osten der Merkurbank selbst und der dieser Ban? n ahe st e h e n d e n Nnternethmungen. Ler Leberschub im voluische» Budget. Aus Warschau wird uns berichtet: Das polnische Budget für 1924, das der Finauzmimstcr dem Sejm vorlegte, weist eilten Ueb er schuß von fast 2 4 Millionen S ch iv e \ z e r Frank c n, bezw. Polnischen Gulden ans. Selbst ein flüchtiger UMMick über die Lage der Polnischer: Finanzen muß bei der Feststellung eines iUeberschusses im Budget Ueberraschung Hervorrufen. Dieser Uelberschuß ist nun dMlrch erzielt worden, daß die Umrechtnung in GMgjulden, rcsp. Schweizer Franken, zu dem am 1. Jänner 192 3 gellenden Kurs des Franken, der damals 10.000 Polnische Mark betrug, erfolgte. Vergegenwärtigt man sich nun, daß der Franken heute einen Kurs von mehr als 300.000 Po litischen Marl Ijoit, so ist sofort zu erkennen, daß der Neberschuß sich in Wirtlichkeit in ein Defizit verwandeln Wiener Morgenzeitung. i 2. November 1923 7 muß. Denn die Einnahmen gehen ja in Wirklichkeit nicht in GMguldeu, sondern in Polnischen Mark ein -and die Ausgaben m-iilssen sich im Zusainuwnhaug mit der durch den Sturz der polnischen Valuta heworgerufenen Preissteigerung und Verteuerung der Lebenshaltung ebenfalls erhöhen. Daher sind wohl die Ziffern des polnischen Budgets für gänzlich wertlos an-zuschen. Volkswirtschaftslehre als Unterrichtsgegenstand an Mittelschulen. Das Bundesministermm für Unterricht hat mit einem kürzlich ergangenen Erlaß (Zahl 7689-4) gestattet, daß vorn nächsten Schuljahr ab an denjenigen Mittelschulen Wiens, an denen sich wenigstens 16 Schüler der beiden obersten Klassen zu einem (wöchentlich zweistündigen) nichtobligaten Lchrkurs über Volkswirtschäktslehre melden und denen ein geeigneter Lehrer zur Verfügung steht, versuchsweise ein solcher Kurs eingerichtet werde. Dabei wäre es auch zulässig, daß zu einem solchen Kurs die Schüler mehrerer benachbarter Anstalten vereinigt würden. Bezüglich des Lehrstoffes für diese Kurse wird bemerkt, daß unbeschadet der durch die Knappheit der verfügbaren Unterrichtszeit gebotenen Sparsanckeit in der Stoffauswahl im ganzen neben der Darstellung der wirtschaftlichen Tatsachen und Vorgänge selbst jedenfalls auch ihre Voraussetzungen und Auswirkungen in den Lebensformen mW den gegenseitigen Beziehungen der Menschen und Menschengrrrppen in die Darstellung einzubeziehen ist, so daß die „Volkswirtschaftslehre" (wie es sa auch in der wissenschaftlichen Literatur vi-Äsach der Fall ist) dem Begriff der „Wirtschaft»- und Gesellschaftskunde" in den Lehrplauennvürfeu für die neuer! Qberschulwpen uahekommt. Wiederbelebung der Schwarzen Meer-Häfen. Aus Moskau wird gemeldet: Die staatliche Schwarze Meer-Dampfschifffahrt mietete für die Getreideausfuhr 266 zum größten Teile englische Schiffe mit 228.000 Tonnen. Nach neunjähriger Unterbrechung beginnt wiederum der- Schiffsverkehr der Schwarzen Meer-Häfen mit jenen des Fernen Ostens und mit London. Eisenpreiskonvention zwischen der Alpine und der tschecho-slowatischen Eisenindustrie. Zwischen der Alpinen Adontangesellschaft und den tschecho-slowakischen Werken schweben seit einiger Zeit Verhandlungen wegen des Abschlusses einer Preiskonvention, deren Zustandekommen bereits als wahrscheinlich gilt. Für die Tschecho-Slowakei kommen bei dieser Preiskonvention hauptsächlich die Exportpreise in Betracht. In den Beratungen wird auch eine Bestimmung über die A b s a tz g e b i e t e getroffen werden, um -den heftigen Konkurrenzkampf in der letzten Zeit abzuschwächen. Besonders in Jugoslawien und teilweise auch in Bulgarien sind die österreichischen und tschecho-slowakischen Berkaussbestrebungen bis jetzt in heftiger Konkurrenz gestanden. In diesem Absatzgebiet bewegt sich der Konkurrenzkampf fast nur zwischen den österreichischen und tschechischen Lieferanten, da sowohl die Belgier, >vc>lche in der letzten Zeit aufgetreten sind, als auch die Eng-, länder wenig Erfolge erzielten, ihr Hauptinteresse wegen der durch die Ruhrbesetzung entstandenen Berhälnisse auch in anderen Ländern zuwandten. England, Belgien und Frankreich bearbeiten heute in intensiver Weise die ehemals deutschen Absatzgebiete, namentlich in den überseeischen Lärvderu. Die jugoslawische Deflationspolittk. Wie der Zagreber „Morgen" meldet, wurde irr der letzten Sitzung des Berwaltungsäusschnsses der Rationalbank beschlossen, die Frage der Wirtschastsikredite in der nächsten' am 6. November stattsinden- -den Sitzung in Beratung zu ziehen. Int Zusammenhang damit soll auch die Frage erörtert werden, ob weiter an der Deflation festzuhatteu ist. Ilm diese Fragen der gedeihlichsten Lösung zuzusühren, wurden alle Handels- und Gewerbekammern aüfgesordert. dem Bevwaltungsausschuß Angaben -betreffend die ersor-dMicheu Kredite und ihre Ansichten über die Währungspolitik zu übermitteln. Eine Bukarester Dollaranleihe. Die Stadt Bukarest wird nach der. „Ag. Ec. et- Fin." zu Bauzwecken beim Bankhaus James Steward in New-Aork eine Anleihe von 10 Millionen Dollar aufnehmen, die durch die städtischen Einkünfte garantiert wird. Die Pflaumenernte in Serbien und Bosnien. Zufolge der Statistik des Handelsministeriums wurden in dev Zeit von: 16. bis 30. September in Serbien 6,600.000 Kilogramm, in Bosnien 2,500.000 Kilogramm trockene Pflaumen von den Marktkonnnissionen der Wägrcng unterworfen. Aus Serbien wurden in dieser Zeit ins Auslaß 1,500.000 Kilogramm ausgeführt. Den Berichten der Marktkom-missionen Mfolge wurden 160.000 Kilogramm Pflaumenmus ausgeführt, was eine verhältnismäßig kleine Menge darstellt. Aus den Dörfern laufen unterdessen weitere große Mengen von Pflaumen ein, und besonders in Bosnien gelangen noch erhebliche Mengen zur Wägung, so daß die heurige Ziffer die vorsährige bei weitem überschreiten wird. Neue englische Kohlenselder. Wie das Reuters che Bureau meldet, sind in N o t t i n g h a m s hire in einer Tiefe von 9000 Aards u c n e K o h l e n f e l d er angebohrt worden. Man erwartet ei«e Produktion von 5000 Tonnen täglich. Die Felder befanden sich vor dem Kriege im Beisitze einer deutschen Gruppe. Die Bilanz des amerikanischen Stahltrustes. Aus New» Uork, 30. Oktober, wird berichtet: Der heute veröffentlichte Ausweis der United States Steel Corporation gibt dir Einnahmen für das dritte Quartal des laufenden Jahres mit 47,054.000 Dollar an gegen 47,859.000 Dollar im zweiten Quartal 1923, 27,469.000 Dollar im dritten Quartal 1922 und 18,918.000 Dollar int dritten Quartal 1921. Der Reingewinn nach Abzug der Zuwendungen an den Mgn-nMonds, der Abschreibungen und Eruenernngcu stellte sich auf 38,929.000 Dollar gegen 34.828.000 Dollar, im Vorquartal, 16,297.000 Dollar im dritten Quartal 1922 mvb 10,774.000 Dollar im dritten Quartal 1921. Die Divideudener'kläruug -brachte wie bisher 1,76 Dollar auf die Vorzugsaktien und 1,25 Dollar auf die Stammaktien. Rach Abzug der Zahlungen für die Dividende bleibt ein Surplus von 0,849.000 Dollar gegen ein Surplus von 7,205.000 Dollar im Borquartal, ein Defizit von 1,3)0.000 Dollar im dritten Quartal 1922 und ein Defizit von 0,98 1000 Dollar int dritten Quartal 1921. Bon den Warenmörttrn. Baumwollgarne. Die Stiuunnng war fester, Preise zogen um 2 bis 3 Punkle gegen die Vorwoche an. Es notieren: Nr. 5/10 Benaalkops pro Dezember-Jänner Nr. 10 —.68 Dollar, Nr. 16 Ha Surat Nr. 16 -.80 Dollar, Nr. ,20 -.84 Dollar, Nr. 16/24 Halb Amerika —.92 Dollar, Nr. 16/30 Nein Amerika -.99 Dollar, Nr. 36/42 Mittel Amerika 1.14 Dollar, Nr. 42 Mittel Amerika 1.16 Dollar pro .Kilogramm ab Fabrik erklusie Packung. Bamnwollzwirne. Auch in diesen Gattungen stellen sich die Preise um 2 Punkte höher, man notiertNr. 10/12 Bengal und dreifach pro Dezember- Jänner —.72 Dollar, Nr. 16/2 Iia Surat —.85 Dollar, Nr. 20/2 -.95 Dollar, Nr. 20/2 Amerika 1.05 Dollar. Nr. 30/2 1.14 Dollar, Nr. 40/2 Prima 1.30 Dollar pro Kilogramm ab Fabrik exklusive Packung (trocken, mittel, naßscharf 1 KabelWttms Aufschlag pro Kilogramm). Sie Devisenkurse. Berlin, 1. November. (Detnsenknrse.Mmsterdan: 51.870,000.000 (28.137,000.000), Belgien 6.683,000.000 (3.651,000.000) Olm« stiania 19.150,000.000 (11.172,000.000), Kopenhagen 22.943,000.000 (12.569,000.000), Stockholm 35.312,000.000 (19.152,000.000\ Italienische 6.005,000.000 (3.252,000.000), London 598.500,000.000 (824.188,000.000), Netv-Nork 129.675,000.000 (72.319,000.000). Paris 7.840,000.000 (4.209,000.000), Schweiz 23.741,000.000 (12.868,000.000), Spanien 17.756,000.000 (9.676.000.000), Wien 1,885.000 (1,017.000), Prag 3.950,000.000 (2.115,000.000), Budapest 7,480.000 (3,930.000), Sofia 1.247,000.000 (678,000.000), Belgrad 1,596,000.500 (860,000.000). Berlin» 1. November. (Notenkmse.) — Noten: Dollar 129.675,000.000.— (72,319,000.000.-), Pfund 598.500,000.000 (324.188,000.000), Italienische 6.005,000.000 (3.252,000.000j, Polnische 80.000.— (39.000.—), Tschechoslowakische 3.940,000.00 (2.115,000.000), Oesterr. gestempelte 1,885.000 (1,017.000). Belgrad» 1. November. (Devisenkurse.) London 368.— bis Paris 503 bis New-York 8600.- bis (Senf 1627 — bis , Saloniki —.— bis , Mailand -.-bis—.-, Prag -.-bis Berlin*) 0.0015 bis —, Wien 0.01205 bis —, Bukarest 41.— bis —, Sofia 79.— bis —.—, Budapest bis —.—, Brüssel 430 — bis —Amsterdam —.— bis —, Warschau —.— bis *) pro Mllion. .'■ ' HttffWtftM, 31. Oktober. (Devisenkurse.) Lende« H.541/4 Ifl »erlitt 0.015* bis Pari» 15.17'/, »i» —Schweiz 45.85 bis Wien 0.0036V, it« Kopenhajttt 44.10 bi» —Stockholm «7.82'/, bi, , Christiani« 88.80 bi, New-York 257.75 bi, «rttsiel 13.02»/, bis Madrid 34.50 bis Italien 11.55 bis —, Budapest —bi, —, Hrlfinzfn, 6.85 bi» Pra, 7.55 bi, * Pro Million. / Coimlgin 1934. BaHLruck verboten. J. Ladytchnikoff-Verlag, Berlin. (I, Fortsehnne») Onkel Mojes. Roman von Schalom Asch. Vom Adeev ^hev strich ein ikühlev Mnd Äber dkie Wtlliamsbuvg-brüü-e und tvng den grün-lich fmchteu MceveShanch den hei-den Fußgängern: entgegen; sie Mvten enticn salzigen Geischmack im Mnnde — und Vater und Tochter bekomm Hunger. Der Wind zertzauste Maschas Haar und zerrte an ihren: zu kurzen Kleid, ans dem ihre hohen, schön geformten Mädchenbeine zu weit hinaussähen. Mascha kämpfte mit den: Wind; ba'ld zog sie ihr Kleid herab, n-m Hre Füße zn bcribevgien, bald zog sie es wieder empor, um ihre nackten Arme gu bedecken. Und die Freude daMer, daß der Vater schon morgen zur Arbeit gehen ic-ttic, trieb sie eilig heim zur Mutter . . . Als Vat-er und Tochter in die HopkinLstreet Hamen, war es bereits dunkel. Warmes Gaslicht l-euchbete aus den Läden. Vor den Kmotheat-ern -und vor den ,Mefrorenies- Salons" standen Kinder und sahen mit gierigen Augen zu, wie „Boys" und „Girls" hineingingen und sich „Pleafnre" machten. Einige von den Kindern eMnntien in Aarott Melnik, welcher, von feiner Tochter Mascha geführt, durch die Straße ging, ihren Vater und liefen ihm mit Geschrei und den: lärrnenden Nnf: ,/PaPa!" nach. Mascha beruhigte sie mit Winken und ein paar Worten, und -da sie Angst haltender Vater körnste ihr noch vor der Haustür entwischen, hielt sie sich sehr -nahe an ihn. Ader je näher Aaron Melnck der Haustür kam, desto sicherer wurde seine Rückkehr sowohl für ihn als auch für seine Tochter Mascha-. Bor der Haustür saßen in: warmen Adend die Frauen, einige von ihnen halbwegs gewaschen und angeMeidet, und warteten auf ihre Männer, die von der Arbeit kaum:. Die Nachbarn, welche an den Fa-miliEWel-egenheiten jedes Hausbewohners ein gegenseitigeK leibhaftes Interesse Mhmen, wußten seltzstvwiWMich alle von Aavov MchM Krcht j vor Frau und Kindern und sahen nun mit großen: Interesse und zu ihrer allergrößten Zufriedenheit, daß Mascha den Vater heimführte; und als wollten sie damit das Mädchen w ihre FmulengemelNschaft anfnehmen, nickten sie ihr Zrffrieden mit Blicken und Mienen zu, welche Anerketwung «für das gute Werk ausdrückten, «das Mascha getan hatte, indem sie den Vater zuvückbvachte. In der traf Aaron seine Frau Rosa mit dem kleinen Kirtd auf dem Aru:, das zu wisien schien, daß es der einzige Sohn nach den vier Töchtern war, die Aaron mit seiner Frau gezeugt hatte, und daher eigensinnig der Mutter Arme nicht einen Altgenblick verlassenwollte. Rosa, welche mir ihren dreißig Jahren ixt§ Aussehen einer Frau in den Vierzigern -hatte, besaß -r:ur noch eine:: einzigen lleberrest ihvev Jugend; -das -waren ihre dichten schwanen Haare, 4velche mit ihrem jugendlicher: Glanz so gar nickst zu Rosas gealtevt-eru Gesicht, ihren schlecht gewordenen gelben Zähnen paßten, die da und dort aus ihren: Munde hervorlugten. Sie ivar verbittert u-nd böse von Not und Unglück und litt physisch darunter, daß sie den ganzen Tag das Kind auf den Arnren halten mußte. Jetzt warf sie einen böseti Blick auf ihren Ataun: Da schau her, er ist schon da. Das Juwel hat sich also doch gefunden! Rosa wollte lwch etivas saget:, doch die kleine Mascha sprang herbei, rrahm das Kir:d von: Art:: der Mutter, ttnd sagte: Mama, schweig'; willst bw nicht schweigen? Warum soll ich schweigen? Er geht durch, der brave Mann? sagte Rosa fester und rnutiger, da sie vor: der Last des Kittdes befreit war, das; sie der: gatl-zen Tag auf den .Händen gespürt hatte. Er kann gehen; lver hat detm nach ihn: geschickt? Mama, der Vater geht doch schon morgen in die Arbeit, Onkel Berl hat ihrn ritte Stelle verschafft, schlveig' doch. - Das Wort. „Arbeit" ein iv;uHi d.:-> Eis tind Rofas Ton änderte siK, So, er lvird also arbeiten gehen, er wird mich schon nicht mehr mit meinen Würmchen hungem lassen, ei, «i, das nenne ich Klugheit! ries Rosa gutnrütig-ironisch. Aber Aaron wollte seiner Frau keine:: Gefallett tu».' Die tägliche Not, welche das -Leben ihnen schuf, chatte in den Herzen des Mannes nnd der Frau soviel Erbitterung gegeneinander angesammelt,, daß es ihre einzige Freude Lvar, einander kränken Zu können. Doch diese Feindschaft hinderte sie nicht, fünfzehn oder sechzehn Jahre miteinander zu leben und Kinder zu haben. Diese Feindschaft schier: geradezt: der Kitt 31t sein, welcher ihr Leben zusammenfügte. Als nun Aaron sah, daß die Augen seiner Frau t:acb den Worten feiner Tochter ruhiger wurden, kränkte ihn das. Die Mutter kant: ja arbeiten gehett, sie kann die Ktmsi nicht? Warum muß ich es tun? rief er aus dem Winkel hervor, in den er sich gesetzt hatte. Wozu hast dt: ihn nach Hause gebracht? schrie Rosa ihre Tochter an. Ich schlage ihm dcu Schädel an der Tü'' ein. Hinaus aus meiner Wohnung, sofort hinaus ans meiner Wohnung! Mascha stand verzweifelt da. Sie suchte ein Mittel, tun die Situattou zu reiten, lies deshalb von einen: zum anderen und flehte mit ihren Kinderangetl und mit aufgehobenen Händen: Mama, schtvcist doch, ich bitte dich. Vater, schweig' doch, ich bitte dich. Was werdet: ^die Nachbarslente sagen? In ihre-m flcincn Köpfchen flog eilt Gedanke auf: Der Pater ist hungrig und müde und die Mütter ist htmgrig und müde. It: der Wohnuttg ist es finster und traurig, deshalb streiten sie miteinander. Könnte ich det: Tisch decket: und das Abendessen anftragen und wäre es hell im Zimmmer, so würden sie nicht streiten. Rasch zündete sie das Gaslicht an, das kleine Zimmer wurde hell. Und wirklich, als es hell wurde, hörten Mann und Frau zu streiten ans. Beide schämtet: sich im Lickst vor den Augen des K-ndl's. » <L«" «tMÄWBU

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.