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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-01 · Heft 1694 (1.11.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1694 (1.11.1923)
Date
1923-11-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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0C8, TCM** »cwmwbb / xowntt wwt&nnttmttg* i. Nov«mber 1923 Seite s>- Tschecho-Slowakek. -eneraldebatte Wer dar Exppose Lr. Benesch' Prag, 31. Oktober. In der heuigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde die Generaldsärtte über das gestrige Expose Dr. Benesch' eröffnet. Ms erster Redner sprach der kommunistische Abgeordnete Kreibich und verlangte eine wohlwollende Neutralität der Dschecho-Slowakei für den Fall des Ausbruches einer proletarischen Revolution in Deutschland. Sodann erklärte Abgeordneter Mayer im Namen der deutschen Arbeitsgemeinschaft, die Ausführungen Dr. Benesch* nicht zur Kenntnis nehmen zu Wunen. Die Arbeitsgemeinschaft werde in s ch ä r s st e r Opposition zur Regierung verharren, da die äußere Politik der Tschecho-Slowakei in ihrer letzten Phase vollständig unter den Einfluß Frankreichs geraten sei. Ungarn. Bethlen Wer Lar ExposS Lr. Benesch'. Budapest, 31. Oktober. Ministerpräsident Graf B e t h l e n gab gegenüber einem Vertreter des Ungarischen Telegraphen- Korrespondenzbureaus seiner Befriedigung daMer Ausdruck, daß der tschechoslowakische Minister des Aeußern Dr. B e n e s ch in seinem ExposS neuerdings die Notwendigkeit einer Politik der Rekonstruktion und eines Zusammenarbeiten? der kleinen Entente mit Ungarn betont habe. Ohne sich in eine Polemik einzulassen, müsse er jedoch bedauern, daß Dr. Benesch auch ungarische innerpolitische Parteifragen gestreift habe. Was speziell die Frage der sogenannten Emigranten betrifft, so habe in jedem einzelnen Falle das zuständige ungarische Gericht Über die Schuld oder Straflosigkeit der heimkehrenden politischen Flüchtlinge zu entscheiden. Ragt» Mt feine Semifffott zurück. Budapest» 31. Oktober. Wie halbamtlich gemeldet wird, htt Justizminister Dr. N a g y nach einer Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Grafen B e t h l e n sein Demissionsgesuch z.urückgezo gen. Die Anleihe. Budapest» 31. Oktober. Die Verhandlungen über die ungarische Anleihe werden Mitte nächster W o ch e in Budapest beginnen. Die Delegierten des Völkerbundes sowie der Delegierte der Reparationskommission treffen am 6. November in Budapest ein. Sie Privatbahnen drohen mit Betriebseinftellung. Budapest» 31. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung^.) Die Privatbahnen stellten mit Rücksicht auf ihre m i ßliche materielle Lage das Verlangen an die Regierung, den privaten Eisenbahngesellschaften Steuer» und sonstigeErleichterungen zu gewähren, da andernfalls die Privatbahnen genötigt wären, ihren Betrieb gänzlich »inzu st eilen. Passive Resisten; der Glrobramte«. Budapest» 81. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die Beamten des G i r o- und K a s s e n v e r e i n e s find wegen unerfüllter Gehaltsforderungen in passive Resistenz eingetreten. Rundschau. Ae Beratungen der Zionistische« Aktion«« komiteer. Ans London wird uns gemeldet: Die Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees wurde Freitag den 26. Oktober im Zentralbuveau in London eröffnet. Präsident des Aktionskomitees Dr. Cha je 8 erklärte in seiner Eröffnungsrede, daß die Sitzung aus Wunsch der Exekutive zusammengetveten sei, weil die Exekutive mit dem Aktionskomitee über das Verhalten der Zionistischen Organisation anläßlich des Vorschlages der enMchen Regierung zur Schaffung einer Ar ab Agency beraten wollte. Hierauf ergriff das Wort Dr. Weizmann, der erklärte, die Sitzung habe nach seiner Auffassung zwei Aufgaben. Erstens müsse das Aktionskomitee Stellung nehmen zu der aktuellen politischen Lage, zweitens müsse der Arbeit spil a n für die nächsten sechs Monate besprochen werden, weil die Mitglieder der Exekutive bereits in der nächsten Zeit sich in verschiedene Länder zerstreuen werden, er selbst am 2 4. November nach Amerika geht und das Bedürfnis habe, vor seiner Abreise sich mit den Mitgliedern des Aktionskomitees über die kommende Arbeit a-uAzuifprchen. Bezüglich der politischen Lage 'berichtete Dr. Weizmann über die Informationen, die er während seines kurzen Aulfenthailtes m London eircholen konnte. Auls den Vorschlag. einer A r ab Agency hat die Zionistische Organisation bisher nicht geantwortet; da indes die Araber den Antrag bereits abgeleh ut haben, sei im Augenblick die Angelegenheit nicht von großer praktischer Bedeutung. Doktor Weizmann setzt dann auseinander, in welchen Linien sich nach seiner Meinung die zionistische Antwort bewegen könnte. Dr. Feiwel berichtete namens der Exekutive über den Plan der Durchführung des Beschlusses des IS. Kongresses bezüAich der Erweiterung der Jewish Agency. Die Exekutive hat Richtilinien ausgearboitet, die eine Arbeit Ser Kampf um den Rumems clausus. Die Men« UniversiM. In dem Tages oryan der Hakenkreuzler begründet, ein Herr ver. eom. Sepp Paper,, derzeit Vorsitzender der „A. B. S.", den Beschluß'der völkischen Studenten, bei der diesjährigen Re.ktorsfeier nicht in Wichs zu erscheinen. Er tut das, der Bedeutung der Sache entsprechend, in furchtbar aufgeregten Worten: „Schweren Herzens", „kerne andere Möglichkeit, „durfte nicht geschehen" usw. Wohl wäre es möglich gewesen, die 'jüdischlibevalen Körperschaften mit Gewalt an der Teilnahme zu hindern, aber dies — und hier beginnt Vas Interessante für die nichttvichsiragends OeffenEchkeit — „wäre geeignet gewesen, das leidlich gute Einvernehmen zwischen de.m Akadennschen Senat einerseits und der deutschen Studentenschaft andererseits gänzlich zunichte zu machen. Dieser Zwist durfte nicht heraufbeschworen werden, schon deswegen nicht, weil dadurch die Stellung jener Professoren, die bis nun, ungeachtet der Besudlung durch die jüdische Presse, aufrecht zu ihren deutschen Stutz le n t e n g e st a n d e n sind und die stolz darauf waren, deutsche Professoren an einer deutschen Hochschule sein zu dürfen, ganz ungeheuer erschwert worden wäre und außerdem es der deutschen Studentenschaft in Hinkunft unmöglich gewesen wäre, auf gesetzmäßigem Wege ein Farbverbot für Körperschaften deutschfeindlicher Tendenzen d u r ch z u s e tz e n. Wir wissen, daß dieses Ziel sehr schwer zu erreichen sein wird. Noch stcht der Akademische Senat auf dem Standpunkt, -aß es nicht angängig sei, der deutschen Studentenschaft eine bevorzugte Stellung einzuräumen, wie sehr auch einzelne Mitglieder die Berechtigung einer solchen Stellung zur Gänze anznerkennen geneigt sind. Noch zählt mau offiziell volksfeindliche, fremde Elemtene zu Angehörigen de.s deutschen Volkes und räumt ihnen von Staats wegen vollkommene Gleichberechtigung ein. Was Wunder, wenn sich unter solchen Umständen die deutschen Studenten fragen: Wie lauge noch? — Wie lange noch werden wir gezwungen sein, selbst auf ein. Recht verzichten zu müssen, wenn wir nicht wollen, daß volkssvemde Elemente an demselben Rechte Anteil haben dürfen? Deutsches Volk Oesterreichs! Wann endlich wirst du es der Mühe wert finden, deinen Söhnen ihre deutschen Hochschulen wieder zu geben?" Wenn man aus dieser geschwollenen Ausdrucksweise 'bjett Kern herausschält, so ergibt sich wieder eine Bestätigung für die Tatsache, daß hinter den Hetzereien des Wichsstuderttentnrns einige Professoren stecken, denen ein Krawall am Montag recht ungelegen geköm-men wäre. Herr D i ener tat übrigens, wie gemeldet, was in seinen Kräften stand, um die kulturelle Rückständigkeit der ostjüdischen Studenten zu Gehör zu bringen. Die Ostjuden wollen studieren, die Völkischen chargieren. Das scheint ebenso wichtig zu sein wie das Farbverbot (ein Ostjude hätkf Favbenivevbot geschrieben) für Körperschaften deutschfeind licher Tendenzen. Wiederaufnahme der Vorlesungen des Pro^ fessors Kappelmacher. Professor Kapp el ma ch er hat am Montag sei« Kolleg über Spätlatein wieder ausgenommen. Um Störungen zu vermeiden, hatte man die Vorsichtsmaßregel getroffen^ daß nur inskribierte Höver zu der Vorlesung Zutritt hatten. Das Auditorium bereitete. Professor Kappelmachey eine herzliche Ovation. Vor dem Hörsaale hatte sich eine Gruppe deutschvölkischer Studenten angesammlelt, die die Wiederaufnahme der Vorlesungen des Professors Kappel« machet abfällig kritisierten. Doch kam es zu keinem Zwischenfall.- Professor Kappel-Macher hat gestern fein Kolleg fortgesetzt. Bon der Bodenkultur. Der volkswirtschaftliche Schriftsteller Dr. Siegfried' Strato sch, zweiter Präsident des Vereines zur Unterstützung der Hochschule für Bodenkultur, hatte von ■bicfc.r Anstalt das Ehreudoktovat erhalten. Da er den bekannten, das Judentum beschimpfenden Beschluß der Kraut- und Fäkalienprosessorenöffentlich rügte, hat ihn mm der Verband der deutsch-arischen Studenten schriftlich aufgefordert, feine mit der Hochschule in Verbindung stehenden Würden niederzulegeu. Weshalb hat Herr Stra-. kos ch das nicht sofort nach der Publikation des Numerus clausus-Beschlusses aus eigenem getan? Die Hetze in Warschau. Warschau, 30. Oktober. (I. C. B.) Das eigens zur Bekämpfung des Numerus clausus eingesetzte akademische Zentralkomitee erließ einen Aufruf an die polnische akademische Jugend, in welcher der bisherige Kampf, für den' Numevus clausus geschildert und die Versicherung abgegeben wird, daß der Kampf mit allen Kräfte n bis zum Erfolg weitevgefuhrt werden wird. Die Studentenschaft wird aufgefordert, in der bisherigen Stellung auszuharren und di« polnischen Hochschulen zu ,verteidigen". Jndensperre an der LemVerger Universität. Lemberg, 31. Oktober. (Tel. d. ,Wr. Morgenzeituirrg".) An der medizinischen Fakultät her hiesigen Universität wur«. den im gangen 46 neue Hörer ausgenommen, obwohl für 150 Höver freie Plätze vorhanden sind. Unter den Aufgenommenen befindet sich kein einziger Jude.. (Wie man sieht, ist auch Vie Berufung ans den Platzmangel für die polnischen Studenten, mit welchen der Numerus clausus ste.ts begründet wird, hinfällig. Anscheinend haben sich polnische Studenten nicht in genügender Anzahl gemeldet und man hat eS voryegogen, die Platze unbesetzt zu lassen, statt jüdischen Studenten dm Zutritt zu ermöglichen.) ZionMche Bezirlsiettiou, Wie», II. Heute 8 Uhr abends, IX. Berggaffe 33, im Cafe Metropol Pleumverfammluni .Tagesordnung 1. Wahl der Parteltagsdelegintm r. Sventunlia vor allem in zwei Richtungen vorsehen: einerseits Heranziehung der organisierten Judenschasten der einzeilnen Länder in den den Verhältnissen dieser Länder entsprechenden Formen, andererseits Benützung der bestehenden Keren Hajessod- KomiteeS in denjenigen Ländern, in denen deren Leistung bereits ein beträchtliches Resultat ergaben habe. Die folgende Debatte, an der sich viele Redner beteiligten, nimmt zu Einzelheiten der Vorlage Stellung, ohne jedoch zu einem Abschluß zu gelangen, da infolge des SabbadaNfangs die Sitzung unterbrochen werden mußte. Besondere Erwähnung verdient die ErKävung mehrerer Redner, die, auf dem Kongreß Gegner der Beschlusses über die IMG Agency gewesen waren, daß im gegenwärtigen AugeMick, nachdem der Kongreß den Beschluß gefaßt hat, nicht mehr um da- Prinzip gekämpft werden dürste, sondern aus dem Boden des Kongreßbefchlusses ein Weg der Durchführung von allen gesucht werden muß. Lr. Weizmann—Prststvenl der gevistz Agency. In Paris fand vor kurzem eine Veranstaltung statt, in tvelcher Dr. Weizmann als Redner anstrat. Die Einladungen bezeichneten ihn als Präsidenten der Jewish Agency. Es ist das erste Mal, daß Dr. Weizmann in offizieller Eigenschaft alS Präsident der Jewish Agency figurierte» nachdem daS Palästina-Mandat in Kraft getreten ist. Krupp neuerlich beurlaubt. Düsseldorf, 31. Oktober. Krupp hot sich heute nach Ablauf des chm gewährten Urlaubes bei der hiesigen GefängnisdiEüm wieder gemeldet: Es wurde ihm neuerlich ein siebentägiger Urlaub erteilt. Aenwahleu ln England? Svmrsea, 90. Oktober. In seiner hier gehaltenen Rede würdigte Premierminister Baldwm die Verdienste Bonar Laws. Er sprach sodann über die Notwendigkeit, die Industrie gegen Konkurrenz zu schützen. Cr bemerkte hierbei daß eine große- Eisenbahngesellschaft beschlossen habe, eine bedeutende Summe zum Ankauf von Material zu widmen, -um der Arbeits-' losigkeil zu stmern. Die Hilfsmittel, die er gegen die Arbeitslosigkeit Vorschläge, seien unerläßlich. * Der Premierminister erklärte weiter, er glaube, der Völkerbund werde nicht ferne Kraft zeigen können, .so lange «r nicht alle Großmächte umfass«. Schließlich-bemerkte der Redner, daß er im gegebene» Zeitpunkt an die Wähler appellieren werde. Ahenadiew ermordet. Ein neu« politischer Mord in Sofia. Sofia, 31. Oktober. (Bulg. Tel.-Ag.) Der ehemalig- Minister Ghenadiew wurde gestern abends, als er sich nach Hause begaben wollte, e r m o r d e t. Der ehemalige Berliner und Konstantinvpeker Gesandte, bevollmächtigter Minffter Geschow, der sich in -der Begleitung Ghenadiews befand, -wurde schwer verwundet. Die Behörden ha'ben eine eingehende Untersuchung zur Emierung der Mörder eingeleitet. * - Ghenadiew, von Beruf 'Advokat, gehörte dem Ka» brnett Radosla wow als Minister des Aeußern bis zum Eintritt Bulgariens in den Weltkrieg an. Wege:: seiner rusiophilen Tätigkeit -wurde er im Jahre 1017 vvr das Kriegsgericht gestellt. Der Prozeß erregte großes Aufscheu, da Ghenadiew sich -weigerte, vor dem Gerichtshof zu erscheinen. Er wurde -in Abwesenheit zu lebenslänglichem Kecher verurteilt, durch Sol'daten i-m Unionklub verhaftet und a-bgeführt. Nach Kriegsende setzte ihn das Ministerium Malinow in Freiheit, doch blieb GhenadiM dem polirischen-Leben-fern. Er ist 60 Jahve M geworden. Aus der neuen Mrkei. Aus Konstantinopel wird berichtet: Die -Angoraregierung richtete an hie Oberkommissäre Frankreichs, Englands und Italiens-eine Note, in -welcher -diese Reglerungcu Atnbesten u. billlastenSm "aftSchiffmann S" ■ - —-- - - II., TaborstraBe 48 Talephon 47«f «70 Kn gros Kn deiail

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