Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1693 (31.10.1923)
- Date
- 1923-10-31
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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tm v- _ Bühne und Kunst. Ae Musste BurMeateraffäre. 9tate Verhandlungen mit den Damen Bleibtreu und MedelSky? — Eingreifen des Bühnenverbandes. Wie verlautet, ist neuerdings eine Vermittlungsaktion im Gang«, welche die Erhaltung der großen Künstlerinnen Blerbtreu 'und Medelsky für das Burgtheaterensemble bezwecken. Wir registrieren diese 'Nachricht mit Genugtuung. Kein Kunstfreund wird wünschen können, daß in dieser Sache wirklich das letzte Wort gesprochen ist. Aber daß das Verhalten des Burgtheaterdirektors und auch der Verwaltungsbehörden zumindest weniger Schuld trägt als die Geschäftigkeit eines Advokaten, der die Künstlerinnen Bleibtreu und Medelsky schlecht berät, Und die Brunnenvergiftnng bestimmter Blätter, scheint jetzt doch schon fcstzustchen. Höchst unklug allerdings war es, den beiden Damen die Abschiedsovcrtwnen des Publikums vorzuenthalten, wie es anderseits höchst unklug von den beiden Künstlerinnen und ihren Einbläsern war, Forderungen nach einem förmlichen Gastspiel- Vertrag mit dem Burgtheatcr zu stellen, welche die Verwaltung schon deshalb nicht bewilligen kann, weil eine Reihe prominenter Künstler des Burgtheaters mit gleichen Forderungen gekommen wäre. Ferner verlautet, daß auch der Bühnenverein eingreift. Die Verweigerung einer Abschiedsvorstellung für die beiden Künstlerinnen gibt ihm Anlaß da-zu. Künstlerinnen, die so lange Jahre an einem Institute wirkten, haben einen Anspruch daraus, sich vom Publikum zu verabschieden, und der Bühnenverein tritt in die Schranken, um den beiden Damen dieses Gewohnheitsrecht zu wahren. Ae kröffnungsvorftellung der Mische» Mhne. Morgen Donnerstag, den 1. November. Mit Schalem Alejchembeginnt die Jüdische Bühne ihre Wirksamkeit in Wien, also unter günstigen Auspizien. Man führt das Bolksstück „S t e m p e n i n" des gütrgen und weisen Humoristen auf. Der Kern des Ensembles besteht aus den besten Kräften der ehemaligen Freien jüdischeil Volksbühne, me ganz hervorragende künstlerische Erfolge in Wien und auf Gastspielreisen im jüdischen Osten erzielt Hai. Es wirken mi!: Die Damen Beil, D c u:sch, Grast Weint raub, Gärtner, Markow a, Meise ls und W e i ß b e r g sowie die Herren Bel I, Isaak Deutsch, K l i n ge r, K a tz, M e st e l, C. P o d z a m c z e, Jonas R e i ß m a nn und Waldberg. Die Vorstellungen finden bis auf weiteres im adaptierten Theatersaale des Hotel Stefanie statt. Das jüdüche Publikum hat jetzt Gelegenheit, ein Ensemble, das sich nicht nur bewährt hat, sondern Bewunderung für jüdische Schauspielkunst auch bei nichtjüdischen Kunstfreunden erregte, durch häufigen Besuch der Vorstellung-n;u ehren und zu fördern/ Vier Jahrhunderte englischer Kunst. In L o n d o n wurde soeben in der königlichen Kunstakademie eine Ausstellung cröfsnel, welche Werke der englischen Kunst vom 12. bis zum Bceinn des 10. Jahrhunderts umfaßt. Diese bemerkenswerte Ausstellung gibl einen Ueberblick über das gesamte künstlerische 'Sännen 'n England ,n den Jahr hinderten der reisen Gotik imd der ttühen Rennaissance. Man hat jetzt Gelegenheit, die Rolle Englands gegenüber der Bedeutung Frankreichs und der Niederlanoe in' jenen Jahrhunderten der Kunstschöpfung zu prüfen. Tcs Ergebnis ist für England überraschend günstig. Die Ausstellung bleibt ven ganzen Monat November geöffnet. Reinhardts Aktionsprogramm im Josefftadter Theater. Vor seiner Abreise nach Amerika, wo Max Reinhardt „Mirakel" in Szere setzen wird, weilte der berühmte Spielleiter einen Tag in Wien'und hat das Programm für die ersten Vorstellungen im Theater in bcc Josefstadt, das er bekanntlich leitet und das jetzt .rmgebaut wird, festgesetzt. Es werden in der ersten Zeit zur Aufführung gelangen: Hofmannsthals Lustspiel „Der Schwierig e", Slrindberas „Tr<rumspi eI", ferner „Kabale u n d, L i e b e" und Geräldys „L a i m e r", wcltyes Stück bekanntlich am 13. November ein Ensemble der Comedie srancalse 'm Rabnund-Dheater zur Darstellung bringt. Aus den Theatern. Overntheater. Kammersänger S l e z a k ist pon semeni Urlaub zurückgekehrt und tritt Freitag den 2. November als Othello zum ersten Male wieder auf. Herr Slezak wird vorläufig vier Monate (vom November bis Marz) im Opernthehter tätig sein. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr, „Hamlet". Akademietheater. Morgen, yaS Uhr, „Wölfe in der Nacht". In den Kammerspielen findet heute die 26. A n ff ü h r u n g der dreiaktigen Komödie „Schwarz und Weiß" mit Hermann Thimig und Traute Karlsen statt. Volksoper. Heute „D i e F l e d e r m a u s". — Morgen, 2 Uhr nachmittags, „D e r E v a n g e l i m a n n" mit Erik Schmedes a. G. V-,8 Uhr abends „N h e i n g o l d". Carl-Theater. Morgen, '/«3 Uhr, bei ermäßigten Preisen „D e r M ü l l e r u n d s e i n K i n d" in den Hauptrollen dargestellt von Mitgliesern des D e u t s ch e n Volkstheaters. — Sonntag den 4. November, nachmittags, „Polend lut". In der Renaissancebühne tanzt Niddy Jmpe- 1 o v e n als Abendvorstellung (Beginn Vs8 Uhr) folgendes Programm : Beethoven: II. Satz der Mondscheinsonate, Brahms r Wiegenlied, Drei ernste und drei heitere Tänze zur Musik von I. xS. Bach, Hartl: Der gefangene Vogel, Chopin : Schalk, Haydn r Ro okopuppe, Schubert: Wurstlpuppe, Englert: Münchner Kaffeewärmer. — Der nächste Tanzabend Mody Impekoven an der Renaissancebühne findet Samstag den 3. November statt. An der NeuenWienerBühne beginnt das Gastspiel Albert und Else Bassermann Mittwoch den 7. November mit einer Aufführung von Hans Müllers Schauspiel „Der Schöpfer". Johann Strauß-Theater. Samstag findet die 50. A u f f ü h r u n g der Operette „Ein Märchen aus Florenz" in der Premierenbesetzung statt. Wiener Moraenzeitung. 31. Oktober 1923 Nr. 1693 Mitteilungen aus dem Publikum. Moritz Sonnenblum und Frau II., Wolfgang Schmälzlgasse 22/18 laden hlemit alle Verwandten, Freunde u. Bekannten zu der am Donnerstag den 1. November um 11 Uhr vormittags stattfindenden Beschneidung n^D rpTD ihres Sohnes höflichst ein. J)it etqsitc flirr.,. I deckt seinen Bedarf an 583 I I ANZÜGEN. RAGLANS,WINTERROCKEN I I Im bestrenommierten Schneiderateller H I Z. KATZ, V., Nariahilfferftr. 96 1 preis»! Gcprttndet 1906. Feinte SauarbeitI j ~ i susi un— i isiam iiixm mammmmmm■■w.u—aaiu—uejuai—e«fj——siuse muu-isiui Schuhwarenhsus Herren-, kanten-, Kinderschuhe Moderne LuxuaausfOhrun^ 391 Konkurrenzlos« Prelne ZaCilungsGrSeichteriinjjQn PELZW1REH aller Art, für Damen u. 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Vor einigen Monaten erregte die Verhaftung des 22jährigen Studenten Julius Haczek und seines Vaters Max Haczek wegen einer ganzen Anzahl von Betrügereien großes Aufsehen. Gestern standen Vater und Sohn vor einem Schöffensenat unter Vorsitz des Hofrates Dr. C z e r n Y. Die Anklage erzählt, daß der junge Haczek im Herbst TM.in Freistadt in Oberösterreich seine Gymnasialstudien. fortsetzte. Er trat zu der Tochter eines pensionierten GymnasialPröfessorS, Anna Z a u n m ü l l e r, in Beziehungen, und als er ,im Sommer 1921 nach Wien zurückkchrte, folgte ihm seine Braut. Später inskribierte Julius Haczek an der HochsHule für Welt-< Handel, doch machte er von seiner Inskription sehr wenig Gebrauch, sondern widmete sich mehr der lohnenderen Beschäftigung des Geschästemachens. Da es aus geradem Wege nicht recht ging, so tat er es auf krummem, um sich das Geld für seinen verschwenderischen Lebenswandel zu verschaffen. Schon in Freistadt hatte er es verstanden, den Eltern seiner Braut 60.000 tschech. K. herauszulocken/ die er allerdings später zurückerstattet hat. Dagegen hat er die übrigen Verwandten der Zaunmüller, die im Sommer 1928 seine Gattin wurde, förmlich ausgeplündert und im wahrsten Sinne des Wortes an den Bettelstab gebracht, Hein erstes Opfer war eine Tante seiner Braut, Theresia S a t t I c r, in' Linz. Unter allerlei Vorspiegelungen entlockte Julius Haczek der Frau ihr ganzes Vermögen. Auch der Onkel seiner Gattin, Franz F r e u d e n t h a l e r, fiel den Betrügereien des jungen Haczek zum Opfer. Er flunkerte dem Mann von Transaktionen mit dem tschecho-flowakischen Großindustriellen Julius Regenstreif vor. Der Herr Regenstreif existierte aber ebensowenig, wie die angeblichen Millionenldepotz bei Schweizer Banken. Freudenthaler übergab dem Haczek nicht nur sein ganzes Barvermögen im Betrage von 400.000 K., sondern auch alles, was irgendwie von Wert war Alle auf diese Weise erworbenen Beträge hinterlegte Julius Haczek in einem Wiener Bankhaus«, wo sie zum Teil von ihm, zum Teil von seinem Vater abgehoben und für eigene Zwecke verwendet wurden. Als Sicherstellung bükam Herr Freudenthaler eine von dem sagenhaften Regenstreif ausgestellte Zessionsurkunde über 500.000 tschech. K., die später auf zwei Millionen tschech. K. und schließlich auf zwei Millionen Schweizer Franken erhöht wurde. Natürlich waren auch diese Urkunden falsch. Von dem so erlangten Golde lebten die Hazeks, Vater und Sohn, und in kurzer Zeit war von dem Geld nichts da. Cs fanden sich neue Opfer. Freudenthaler, der damakd Stenerverwalter in Wien war, ließ sich aus den Rat des jungen Haczek abbauen und stellte ihm die ganze Abfertigungssumme zu weiteren Spekulationen zur Verfügung. ES waren 16 Millionen. Auch die Amtskollegen Freudenthalers, Leo Herder, Maximilian Milonig, Wilhelm Schulz und Egon Caffon, ließen sich abbauen und steckten ihre Abfindungssummen sämtlich in das Geschäft des Haczek, zusammen 67,600.000 K. Freudenthaler allein beziffert seinen Schaden auf etwa 200.000 Goldkronen, was ungefähr jetzigen zN'ei bis drei Milliarden entspricht. Unter den Geschädigten Ci befindet sich noch ein Verwandter dev Frau Haczek, Siegmund Zaunmüller, und der Damenfriseur Josef Herrn. Aus dem Verhör. Nach Verlesung der Anklageschrift verfügt der Vorsitzende, daß das Verhör 'des Julius Haczek in Abwesenheit seines Vaters durchgeführt wird. Auf die Frage, ob er sich schuldig bekenne, antwortet Julius Haczek: Ja, aber nicht in vollem Umfange der Anklage. — Vors.: Bekennen Sie sich im Falle Therese Sattler schuldig? — Angekl.: Ja. — Vors.: Und im Faktum Freudenthaler? — Angekl.: Ja, aber nur teilweise. Julius Haczek ^gibt an, daß ev schon frühzeitig auf die Idee gekommen sei, Geschäfte zu machen, um sich eine Häuslichkeit gründen zu können. Zuerst machte er Lebensmittelgeschäfte von Obrrösterveich nach Wien, was er übrigens auch schon während seiner Gymnasialzeit getan hatte, dann „kaufte und verkaufte ich mit meinem bescheidenen Kapital, das ich mir erworben hatte, Valuten und Börsenpapiere". Er habe auch die anderen Beträge, die er um diese Zeit erhielt, in seine Geschäfte hineingesteckt. — Vors.: War das erfolgreich? — Angekl.: Ziemlich. — Vors.: Haben Sie Ihrem Vater erzählt, daß die Braut sehr reich ist, und warum? — Angekl.: Ich habe in einer Atmosphäre gelebt, wo nur Geld galt, und da wollte ich sie emporheben. — Vors.: Hat Ihr Vater gefragt, woher Sie das Geld haben? — Angekl.: Ja, ich habe gesagt, von Regenstreif.-Er wollte mir auch Geld geben, aber ich habe es damals noch nicht genommen, erst so vom Mai an. Min Vater hat mir Geld gegen 20 Prozent monatlich geliehen. — Vors.: Wann haben Sie ans dem Depot des VaterS, den 32 Millionen bei Halfon, die für Regenstreif hinterlegt waren, die ersten Abhebungen gemacht? — Angekl.: Im Juli, vor der Hochzeit. — Vors.: Ist es dem Vater nicht ausgefallen, daß Regenstreif das Geld, das er angeblich für seine Geschäfte benötigte, nicht behob, sondern daß es in drei Monaten von Vater und Sohn aufgeftessen wurde? — Angekl.: Ich weiß nicht. Das Verhör mit Max Haczek. Der zweite Angeklagte, Max Haczek, erklärt sich nicht schuldig. Sein Sohn habe ihm von dev Existenz eines Textilindustriellen Regenstreif erzählt und hinzugefügt, daß er mit diesem Mann verschiedene gewinnbringende Geschäfte mache. Die Art, wie er diese Geschäfte schilderte, habe den Eindruck der Glaubwürdigkeit gemacht. — Dorf.: Sie haben sich aber sogar selbst an seinen Geschäften beteiligt. — Angekl.: Ich habe das nicht bedenklich gefunden, denn mein Sohn hat von dem Industriellen Regenstreif gesprochen und auf die fertigen Geschäfte hingewiesen. — Vors.: Später hat Ihnen Ihr Sohn aus diesen unklaren Geschäften mit dem angeblichen Regenstreif zehn Millionen tschechischer Kronen zediert. — Angekl.: Ja, aber das war nicht wegen eines Geschäftes. sondern ein Geschenk. Zur Sprache gelangt dann der Verkauf der dem Franz Freudenthctber gehörenden Bilder. Der Angeklagte erklärt, sein Sdhn habe chm, als er ihn ans dem Semmer-ing besuchte, eine Phorographie des Ebristusbildes gezeigt und ihm mitgeteilt, das sei ein Geschenk des Onkels Fr-eudenchAer, der diese Form gewählt habe, «m den vorauslsichtlich großen Steuern zu entgehen, die er beim Verkauf zahlen müßte. Mein Sohn- 'bar mich, einen Käufer für das Bild zu suchen. Ich erwiderte, daß ich auf Grund meiner Bezichungon bei Castiglionr und Basel anfragen lassen werde. Tags darauf bot ich durch eine Mittelsperson Herrn Bosel das BM an. Er ließ mir sagen, daß er das Bild zu kaufen gedenke. Späterhin stellte sich heraus, daß die Mittelsperson durch das Telephon irrtümlich einen Kaufpreis von 100 Millionen anstatt 300 M ill i o n e u verstanden hatte; dadurch kam das Geschäft nicht zustande. .In längerer Darstellung erklärt der Angeklagte, vom Vorsitzenden und Staatsanwalt aus das Ungllaulbwürdige »erwiesen, daß er von den Schwindeleien seines Sohnes nichts geahnt haben soll, daß er guten Glaubens gewesen ist. — Vors.: Ist Ihnen nicht ausgefallen, daß, ckbwohl Ihr Sohn im Sommer angeblich Millionen, später Milliarden besessen hat, Sie ihm Geld nach Italien und. an die Ostsee schicken mußten? — Angekl.: Das war von seinem Depot, das er nur aus Generosität aus meinen Namen hat schreiben lassen. Sodann wurde die Verhandlung auf heute vertagt.