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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-31 · Heft 1693 (31.10.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1693 (31.10.1923)
Date
1923-10-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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WM, Dcrrvvory Wtenee Morgenzeitung« 31. Oktober 1923 ©eile'5 Sesterreich. Set Restftimmeuhandel. Gestern hat der Landbund bei der HanptwahlbehZvde Protest Men tzie bnvgenländische Wahlkreis- Behörde «eingelegt, welche entischiMn hat, daß der Wahl-- Vorschlag des LandbunÄes im Burgenland, da nicht genügend echte Unterschvisiten darauf vorhanden waren, ungültig war. Durch diese Entscheidung erhalten bekanntlich dl-s; Landbündler kein Mandat und ihre Reststimmen im Wahlkveiisverband Steievmavk, Kärnten und Burgenländ gehen verloren. Sollte die Beschwerde bei der Hauptwahlbehövde, die . noch diese Woche crliedigt werden wird, erfolglos sein, so will >der LanAbund znm Berjvssungsgerichtshof gehen. Bisher steht der Mandatshandvl im WahUwisverband Steiermark, Kärnten, Burgenland so, daß auf die Christlichsozialen. Sozialdemokraten und Großdeutschen je zwei Mandate entfallen dürften. Wie die „Wiener Zeitung" verlautdart, wird der Bundcsrat nunmehr aus fünfzig Mitgliedern bestehen; davon entfallen auf Wien 12, Niede.rösterveich 10, Steierinark 7, Oberösterreich 6, Kärnten 3, Tirol 3, Burgenland 3, Salzburg 3, Vorarlberg 3 Mitglieder. Jet chtWchnaüonale Kurs. Republik Jukel. Der mederösterreichische Landtag hielt gestern unter vem Vorsitze des Präsidenten Jukel eine kurze Sitzung ab. Es wurde der Einlauf zur Verlesung gebracht, irr welchem sich unter anderem eine Anfrage der Abgeordneten O f e nb ö ck und Genossen betreffend - den Abbau der Invalid e n ä m t e r bei den Bezirkshauptmannschaften Niederöstcrreichs befindet. In der Anfrage wird ausgcfnhrt, baß Invalide abgebaut würden, während sich derzeit noch bei den Bezirkshauptmannschaften Niedcrösterreichs insgesamt mehr als 30 Oberoffizierc, eine Reihe von h oh e n S ta at sp e ns i o ni st en und zwei Studenten in Vertrags st ellung befänden. Weiters wenden sich die Abgeordneten W e i n h o f e r und Genossen in einer Anfrage gegen die Praxis in Angelegenheit der H eimatrech tsverl eih un g bei der Landesregierung von Niederösterreich (im übertragenen Wirkungskreis), da derlei Ansuchen um Einbürgerung, wenn es sich um Tschechen und Nichtkatholiken handle, ohne jede weitere Begründung abgelehnt würden. \ Nach Verlesung des Einlaufes wurde die Sitzung geschlossen. Nächste Sitzung Mittwoch den 7. November. Ile Llouidationrverhandlungen mit Ungarn. Budapest, 30. Oktober. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die ungarischen Mitglieder der zur Regelung der zwischen Ungarn und Oesterreich schwebenden finanziellen Fragen gebildeten Subkommissionen haben heute dem Leiter der ungarischen Delegation Baron Josef Szterenyi über das Ergebnis der gestrigen Verhandlungen Bericht erstattet. Die Verhandlungen mit den österreichischen Delegierten sind in den genannten Subkommissioneu vormittags abermals ausgenommen worden und werden auch heute nachmittags fortgesetzt. Zn Ehren der österreichischen Delegation gibt Finanzminister K a l l a h heute ein Souper. Ungarn. Bertagong des Parlamentes. w Budapest, 30. Oktober. (U. T. K. B.) Der Antrag Nes Präsidenten, nach der heutigen formalen Sitzung das Haus zu vertagen, fand lebhaften Widerspruch. Abg. Szilagyi schlug vor, die nächste Sitzung bereits morgen aibzuhakten. Abg. Eckhardt schloß sich den Ansführungen und dem Anträge des Vorredners an. Ministerpräsident Graf Beichten wies den Vorwurf, die Regierung wolle durch die längere Vertagung der Beratungen der Nationalversanuntung gewissermaßen eine Diktatur Einfuhren, zurück. Während der Bu Vast e st e " Verhau >d l u n g e n des Finanzkomitees des Völkerbundes tonne nicht gleichzeitig eine Tagung der Natwualversammlung abgehalten tverden. Unter große m Lärm der äußersten Rechten und der äußersten Linken sagte Graf Bethlen, die Sozialdemokratische Partei habe sich diesmal zum Sprungbrett der Rassenfchützler, die die Auslandsanleche Hinte rirciiben wollen, hevgegeben. Der Lärm nahm solch? Dimensionen an, daß der 'Präsident die S i tz u n g für kurze Zeit u n t e r b r e ch e n mußte. Umsetzung feiner Rede erklärte sodann der Ministerpräsident, er werde in der Anleihefrage unter keinen Umständen erniedrigende Bedingungen annehmen. Es sei völlig falsch, wenn man behauptet, daß hinsichtlich der Bedingungen bereits ein g e- Heimes Abkommen getroffen worden wäre. Auch die Frage der Kontrolle fei noch nicht erledigt. Ter Ministerpräsident stimmte dem Antrag des Präsidenten zu:, worauf sich das Haus auf unbesi immte Z etil vertagte. Demission des ZaMminiftets. Budapest, 30. Oktober. Während der Heutigen Sitzung oer Nationalversammlung ereignete fich ein Zwischenfall, der die Demission des Justizmi nistv Nagh zur Folge chatte. Abgeordneter Szilagh i hatte feiner zum Tagesordnungsantrag des Präsidenten gehalterten Rede unter anderem erklärt, daß Ungarn mit erner anderen Finanzpolitik und einem anderen Finauzmvnister auch ohne Ausländsanleihe auskommen könnte, worauf Justizminister N o g \) ei ne zust i m m e n de Be m e rku ng rnachte. Dieses Verhalten des'Justigministers erregte in der Rrgierungspartei Aufsehen und der Justizminister sah sich deshalb veranlaßt, dem Ministerpräsidenten seine Z) ** Mission zr. unterbreiten. In politischen Kreisen glaubt man jedoch, daß Ministerpräsident Graf Bethlm die Demission nicht annchmen und eine Beilegung des Zwischenfalles versnihen werde. . Der Justizminister Emil Nagt), der feine Demission eingereicht hat, bleibt vorläufig bei seinem Entschluß, obwohl von verschiedenen Seiten die größten Bemühungen im Zuge sind, nm den Justizminister von feiner Demissiousäbsicht abzubr.ngon. Der Mlketbunddelegiette. Budapest, 30. Oktober. (Uug. Tel.-Korr.-Bur.) Der Generalsekretär des Völkerbundes Sir Eric Drummond ist heute aus Bukarest hier ciugetroffeu. Polen. Jas Budget 1824. Warschau. 30. Oktober. Der Finanzmtüister hat dem Sejm das prov sostsche Budget für das Jahr 1924 vorgel^gt. Di«' ordentlichen Einkünfte betragen 913,404.001, die außerordenilichen Einkünfte 198,965.311, somit die Gesamteinnahmen 1.112,388.312 Polnische Gulden, bszichungAveise Goldfrwlkon. Die ordentlichen Ausgaben belaufen sich auf 957,406416, die außerordentlichen Ausgaben auf 131,183.200, die Gesamtausgaben somit auf 1.088,589.616 polnische Gu'deu. Der Voranschlag wüst somit einen Uebcrschuß von 23,779.696 polnischen Gulden auf. Die Monftmttion des Kabinetts. Warschau, 29. Oktober. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Rekonstruktion des Kabinetts ist durchgeführt. Wie bereits gemeldet, wurde Korfanty zum Vizepremier, Dmowski zum Außenminister ernannt. An die Stelle des aus dem Kabinett geschiedenen Unterrichtsministers Glombinski wurde der Redakteur des nationaldemokratischen Lemberger .Hetzblattes, Prof. Stanislaw G r a b s ki ernannt. Das Finanzministerium befindet sich nach wie vor in den Händen des Nationaldemokraten Kucharski. Bezüglich des Portefeuilles für Auswärtiges wurde auch die Kandidatur des Pariser Gesandten Grafen Z a m o j s k i namhaft gemacht. Im letzten Augenblick wurde diese Kandidatur fallen gelassen und an seiner Stelle Dmowski ernannt. Wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, ist Graf Z a m o j s k i aus der Nationaldemokratischen Partei ausgetreten und den Kvnservatibdü beigetreten. Der Numerus clausus in Warschau. Warschau, 29. Oktober. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Bei der letzten Inskription an den hiesigen Hochschulen wurde der N u nie tu § claus u s d e facto angeführt. In beit Verzeichnissen der nicht aufgenommenen Hörer befindet sich bei einer ganzen Reihe jüdischer Hprer die Klausel: „I n f o l gedesNn m e ru s c l r u s u s n i ch t aufgenommenl" Der Senaismarschall für eine „Bildungskommission". Aus Warschau meldet man uns: Der Senaismarschall Trompczynski propagiert die Wiedererrichtung der „Bildungsksmmission", eine. Institution, die vor 150 Jahren gegründet wurde. Senatsmarschatt Trompezynski regt die Wiedererrichtung dieser Kommission als zentrale Behörde für das gesamte Unterrichtswesen acc, nub zwar sollen ihr Vertreter der Regierung, der Etternvereine sämtlicher Koüsessionen und Bürgerklassen angehören. Mndschs«. Bomt Law gestorben. London, 30. Oktdber. (Havas.) B onar Law, der vor einigen Tagen an einer septischen Lungenentzündung erkrankt war, ist heute gestorben. Bonar L a w, Baldwitls Vorgänger als englischer Ministerpräsident, hat un Mai dieses Jahres seinen Abschied genommen und den Rest feiner Tage auf dem Krankenlaoer verbracht. Er stand seit fast 23 Jahren im Politischen Leben Englands und leitete von 1911 bis 1921 die Unionistische Partei. Im Krieg trat er als Kolonialminister irr das Koalitionskabinett Asqniths ein nub gehörte dem Kabinett Lloyd George als Schatzminister bis zum Jahre 1921 an Im Herbst 1922 wandte er.sich offen gegen Lloyd George, dem er hauptsächlich die bedrohliche Wendung im türkischen Konflikt zum Vorwurf machte. Der bekannte offene Brief Bonar Laws an die „Times" hatte den Bruch der Konservativen mit dem Kabinett, den Rücktritt EhamberlgrnS rlnd in wei!>erer Folge auch Lloyd Georges Sturz zur Folge. Bonar Law übernahm am .25. Oktober 1922 den Vorsitz im. Kabinett und trat mit einem Programm hervor, das eine Politik, der Ruhe und Stetigkeit, Wohl in deutlich akzentuiertem Gegensatz Hu feinem^ Vorgänger, verhieß. Das Unterhalts wurde aufgelöst und die Wahlen brachten dem neuen Kabinett eine große konservative Mehrheit, aber gleichzeitig auch einen Sieg der Arbeiterpartei. Die Folge war, daß Bonar Law im großen und ganzen die Politik Lloyd Georges fortführen müßte. Er liquidierte die Verhandlungen mit Irland und es gelang ihuc auch, in Lausanne den freundschaftlichen Frieden mit der Türkei^ äbzulschließen. Dagegen konnte er weder der Arbeitslosigb it und Wohnungsnot steuern noch in;• der Reparationsfrage bic; Initiative für England sichern. Als der Ri'hrkonflikt mit voller, Schürfe ausbvach, war Law bereits ein kranker Mann, der fern von England auf einer Seereife Heilung suchte. Im Mai trat er von seinenr Amt zurück. Bonar Law nxir 1858 in Kanada als Sohn einer schottischen Familie geboren, ist somit im 65. Lebensjahr gestorben. In seine Amtszeit als Ministerpräsident fällt unter anderem auch die neuerliche Bekräftigung der BaHonr- Deklaration durch Lord Eurzon. Kanada etteilt sechstausend Flüchtlingen kinwandeningsbewilligung. Aus London wird uns gemeldet: Nach einer Nach, rieht aus M o n t r e a l ist es den Bemühungen des jüdischen Parlamentsmitgliedes von Kanada Jacobs gelungen, bei der kanadischen Regierung die Giniwanderungsbewilligung für sechstausend Flüchtlinge, die sich in Beßarabren befinden, zu erwirken. Die tütkische Republik. Angora, 29. Oktober. Die Nationalversammlung hat mit Stimmenmehrheit die Republik proklamiert und Mustafa Ke mal Pascha zum Präside n ten gewählt. Jsmet Pascha hat die Kabinettsbildung übernommen. Deustchlands Ende mit Militärmufik. Berlin, 30. Oktober. (Tel. der ,/Wiener Morgen, zeitung") Von sozialdemokratischer Seite w e, r d e n h e u t e viel schär se re Angriffe gegen den N e: ch s k a n z l e r gerichtet. Der „Vorwärts" bezeichnet die gestrigen Vorgänge in Dre sd enals ..'inen m i l i 1 ä r i s ch e n S k a n da l, eine innenpolitische und außenpolitische Katastrophe, und als eine Feier von Deutschlands Ende mit Militärmusik. Auch gegen den Reichskommissär Dr. Heinze werden heftige Angriffe gerichtet. Ktupp wird endgsilttg steigelaffen? Paris, 30. Oktober. Der Düsieldofer' Berichterstatter der „Chicago Tribüne" behauptet, daß Krupp übermorgen von Essen in ldas Gefängnis zurückkehren werde. Es verlautet -jedoch, daß das Urte i l gegen ihn a u f ge h o b e n -werden soll, wenn bis Donnerstag cndgüt.tige Abmachungen mit der Jngenieurunssion unterzeichnet seien. Tagesbericht. Dar ssidische Etziehungsptoblem in Amerika. 400.000 jüdische Kinder ohne jüdische Erziehung. lieber Einladung von Louis Mars hall fand kürzlich in N e w - A o r k eine Konferenz von mehreren hundert jüdischen Teilnehmern statt, um den Bestand des Jüdischtheologischen Seminars sicherzustellen. Louis Mars hall führte in einer Rede aus, die jüdische 0rziehung bilde gegenwärtig das brennendste Problem des amerikanischen Judentums. Etwa 400.000 jüdische Kinder wachsen gegenwärtig in Amerika ohne jüdische Erziehung auf, und wenn hier nicht bald und gründlich Wandel geschaffen werde, so würde eine Generation heranwachsen, welche dem- Judentum ganz fremd gegenüberstünde. Darum hänge die Zukunft des ameribklnischen Juden-- tums von der Lösung dieses Problems ab. Der Fonds von e i n e r M i l l i o n D o l l a der für das Jüdisch-thcologische Seminar aufzubringen sei, könne nur einen Anfang bilden, und man dürfe nicht ruhen und müsse alle Anstrengungen machen, um diese Frage einer Lösung znzuführen. Die Konferenz beschloß, im November mit der Sammelaktion einzusetzen. Hochschule und Fudenftage. Eine Rede des rumänischen Arbeitsministers: „Die Hochschule kann nicht die Lehrftätte der Jmmoralität und der politischen Kriminalität sein." Aus Jassy wird uns berichtet: Dieser Tage stand hier ein Bankett zu Ehren des Bürgermeisters C. T o m a statt, um ihn für seine großen Verdienste um die Entivicklmrg und den Wiederaufbau der Stadt zu feiern. Ter Hauptredner . am Festabend war Arbeirsminister Märzes cu, der in seiner Rede sagte, daß die politischen Verhältnisse ihn zwingen, nicht nur von der baulichen Emtwicklung, sondern auch von der Notivendigkeit des intellektuellen und moralischen Wiederailfbanes der Stadt Jassy zu.sprechen. Es sei kein Zweifel, daß jene Bewegung, welch« von der ältefteit Universität des Landes ausgegangen ist, der Vergangenheit der. Stadt Jassy .unwürdig ist. Alle, ohne Unterschied der Parteistellnng, sind wir darin einig, daß die Politik aus den Hochschulen verbannt werden muß, denn die Schuld an den Vorgängen der letzten Monate trägt ausschließlich die Politik innerhalb der Mauern der Universität. In der Universität darf nur eine Politik, die reine Universitätspolitik, Platz finden. Eine Bildung, ivelche die Hörer mit der Wissenschaft der Faust versieht, anstatt ihnen Verstand und Charakter auf den Lebensweg mitzugcben, kann weder eine Universitätsbildung sein noch das Kriterium der rnnüinischen Bildung abgeben. Nie und estenu.bil iAM> kaufen UlareeitSff Sie im lim chiffmann II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gro» En dttaii) HHR mm

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