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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-30 · Heft 1692 (30.10.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1692 (30.10.1923)
Date
1923-10-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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arvr. xoroo W(V«> s/iiiisuCTg xcntntv VkorrgerrzieNürra. 30. Oktober 1923 Seit« 8 Plenarversammlung der rionWchen Bezirkssettion Leovoldstadt. Morgen. Mittwoch, priizife 8 Uhr abend«. findet im Restaurant B a r s ch a k, 2. Bezirk, Große Schiffgasse 3, eine Plenarversammlung der Bezirkssektion Leoßoldstadt statt. Tagesordnung: 1. Die politische Lage im Zionismus. (Referent OVerVaurat Stricker.) 2. Wahlen zum Parteitag. 3. Eventuelles. Vollzähliges Erscheinen der MUgiredee ist Pflicht. Dieners Abschied. Kine antisemitisch- Rede bei der Rektorsfeier der Universität. Die Jnaugurationsfeier an der Wiener Universität reitet. Charakteristisch in diesem Zusammenhänge ist die Tatsache, daß, während in Deutschland gegenwärtig Bor- - stöße gegen den Achtstundentag unternommen werden und hier selbst die Svzialistenpartei über die Ausdehnung der Arbeitszeit mit sich reden lassen will und sich nicht mehr ausbodungen hat, als daß die Neuregelung nicht durch eine Regierungsverordnung, sondern durch ein ausdrückliches Gesetz erfolge, sich die antisozialistische italienische Regierung gerade jetzt, entschlossen hat, den A ch t st n ndentag gesetzlich sestzulegen. Besser als durch diese Tatsache kann wohl der Unterschied zwischen der wirtschaftlichen Lage der Siegerstaaten und derjenigen der besiegten Länder nicht beleuchtet werdet:. In dem Grundstein des Gebäudes wurde ein Dokument eingemauert, das die Devise enthält: „Wenn du den Frieden willst, übe die Gerechtigkeit." Diese Devise sollte nicht eingemauert, sondern an allen Staatskanzleien, weithin sichtbar, eingemeißelt werden! Antisemitische Flisristenhetze in Litauen. Die antijüdische Hetze der litauischen Faszisten dauert unvermindert fort. In mehreren Städteil wurden wieder sämtliche Schilder der jüdischen Geschäfte mit Teer beschmiert, jüdische Grabdenkmäler demoliert und jüdische Bethäuser mit Kreuzen bemalt. Das Organ des litauischen Schützenverbandes, das aus S t a a t s g e l d e r n erhallen wivd, befleißigt sich einer antisenlitischen Tonart, die man als direkte Pogromhetze bezeichnen kann. Die jüdische Sejmfraktion wird diesbezüglich bei der Regierung intervenieren. König Hussein von Hedscha« für eine Regierungsänderung in PMstim. Aus London melVetJ. C. B.: Der Londoner Bevollmächtigte des Königs H u s s e i n von Hodschas, Dr. Naji el Assil, bemüht sich, eine Aenderrnng des Entwurfes des Fr eundschastsv er träges zwischen Großbritannien und Hodschas zu erzielen, wobei er Paläst i n a als die H a u p t s chw i c r i g k e i t auf dom Wege zu einer Verständigung betrachtet. Einom. Vertreter der Reuter- Agentur erklärte Dr. Naji el Assil: „Unser neuer Vorschlag, den wir augenblicklich in London unterbreitet haben und der hier der Prüfling unterliegt, sieht die möglichst rasck)e Errichtung einer Regierung i n P a l ä st i n a voraus, die die e i n h e im i s che Bevölkerung repräsentieren und das größte mit der bekannten Politik Großbritanniens vereinbartiche Adaß an Unabhängigkeit besitzen soll. Ich bin der Meinung, daß der Vorschlag in gleicher Weise den Wünschen der Engländer, Finden und Araber entspricht." Kn arabischer Kongreß in Mekka. Jerusalem, 26. Oktober. (I. C. B.) Der a r a b i s ch e K o n g r e ß i n M e k k a hat die Forderung aufgestellt, 'daß sämtliche arabischen Länder ihre volle Freiheit erhalten und sich zu. einer arabischeil Konföderation zusamnlenschtießen. Gleichzeitig hat der Kongreß den Beschluß gefaßt, eine Konferenz einzuberufen, an welcher Vertreter sämtlicher arabischer Herrscher teilnehmen sollen. In einer besonderen Resolution fordert 'der Kongreß die arabische Bevölkerung aus, die englischen, französischen und jüdischen Waren zu boykottieren. Keine Teilnahme der Manie Zsraelite Universelle an der Zewish Agency. Der Jüdischen Pressezentmle wird ■ von ihrem Pariser Korrespondenten gemeldet: Die Zionistische Organisation bemüht sich gegenwärtig, eine Teilnahme der großen jüdischen Korporationen Frankreichs an der- Iew i s h A g e u c y im Sinne der Beschlüsse des letzten Zionisteubongresses zu erlangen. Das Zentral ko ml t e e d'e r 2tII t a nte Israelite hat nun in feiner letzten Sitzung geschlossen, einem Vorschlag in dieser Richtung : c i u e Folge zu geben, da die Alliance in ihrer bisher ci;-.genommenen neutrale« Haltung dem Zionismus gegenüber verharren wolle. Das zentrale Konsistorium der französischen Juden habe bisher hat gestern unter großer Anteilnahme der wissenschaftlichen Welt stattgefunden. Die völkischen Chargierten fehlten. Der..abtretende Direktor Herr Diener, jetzt Prorektor der philosophischen Fakultät, benützte seine Abschiedsrede zu einer großen Kundgebung der Sympathie für das Hakenkreuztum. Er gedacht« des übermäßig starken Zuzugs von j ü d i s ch e n H ö t e t n aus O steuropa, der angeblich den deutschen Charakter der Hochschule gefährdet,..und-erinnerte an die im Vorjahr an der Hochschule stattgehabten-Krawalle, die sich an einen „Zwischenfall anher Hochschule.für Welthandel-anknüpften". Soweit wir uns erinnern, hat Herr Diener diesen Zwischenfall, der ihn nicht das geringste angina, zum Ausgangspunkt einer Reihe von Aeußerungen genommen, in denen er sich ganz auf die Seite der Angreifenden stellte. Weiters erwähnte der Bericht des 'Diener „die Denkschrift der deutschen Studentenschaft put ihrem radikal-antisemitischen Programm", ohne zu sagen, daß diese deutsche Studentenschaft nur die Minorität an der Hochschule ist und nicht einmal unter ihren eigenen Konnationalen eine nennenswerte Position besitzt. Der Bericht fahrt dann fort: i „Auf dem Zweiten deutschen Hochschultage traten am > 21. Jänner im Senatssaale unserer Universität die Rek- ’ toren und die Vertreter der deutschen Studentenschaft sämtlicher Hochschulen Oesterreichs sowie zahlreiche Professoren der Wiener Hochschulen zu einer gemeinsamen Beratung und gegenseitigen Anssprache zusamnlen. Es wurde eine Einigung über jene Forderungen erzielt, welche die Rektoren ihren 'Professorenkollegien, be'zw. Senaten zur Annahme empfehlen zu können glaubten. Ein viel u m st r i.t t e n e r Punkt blieb allerdings die Frage der von der deutschen Studentenschaft erstrebten Einführung des N u m e r u s clausus für jüdische A u i* Diese Maßregel hat nicht die Zustimmung deakademischen Senats gefunden, doch sind wir überzeugt, daß das von uns allen angestrebte Ziel, den Zuzug u n e rw u n s ch t e r E l e m e n t e von der Universität abzuhallen, auch die vom akademischen Senat beschlossene Verschärfung der Aufnahmsbedingungen für alle Hörer aus den östlichen Staaten Europas erreicht werden wird. Aus diesen Staaten werden außerordentliche Hörer überhaupt nicht, ordent-. "che nur dann ausgenommen werden, wenn sie an Staatsghmnasien studiert haben, deren Studiengang zumindestens dem an österreichischen Gymnasien gleichwertig ist. , Die deutsche Studentenschaft, die dank der Besonnenheit und dem Verantwortungsgefühl ihrer Führer sich davon zurückhielt, die Forderungen nach dem Numerus clausus durch frieden sstören de Demon!l^^kionen zu unterstützen, wie sie sich an den Universitäten Prag, Budapest, Klausenburg und Bukarest abgespielt haben, darf mit der Tatsache rechnen, daß sowohl Rektor als auch Senat stets bestrebt waren, den deutscher Charakter und das wissenschaftliche Niveau unserer Universität jederzeit mit allen ihnen zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln aufrechtzuerhalten." Herr Diener akzeptiert also alles, was ihm die Drahtzieher des Fremdenhasses vorschreiben. Was wird geschehen wenn etwa die Warschauer Universität mit der Repressalie des Numerus clausus für Deutsche antworten wird, wie es ja auch beabsichtigt ist? Herr Rektor Diener stellte schließlich seinem Vorgesetzten Blumauer ein Wohlverhaltungszeugnis aus. Dann hielt Herr Döller seine Antrittsrede über „Das Alte Testament im Lichte neuerer Funde". Unter den Anwesenden, die sich die Rede des Diener anhören mußten, befanden sich der Bpndespräsident H a i n i s ch, der Kanzler D r. Seipel und Polizeipräsident Schober. ZU dieser Frage noch nicht Stellung genommen, doch sei angesichts der Haltung der französisch-jüdischen Kreise dem Zionismus gegenüber eine ablehnende Stellungnahme. zu diesem Projekt zu erwarten. Kabinettskrise in der MM. Angora. 28. Oktober. (Havas.) Die Nationalversammlung hat die Demission des Kabiuetts angenommen. Mau glaubt, daß I s m c t Pascha das Präsidium des neilen Kabinetts übernehmen werde. Tagesbericht. Fort mit dem Paßvifnm. Die Bnrermkraten wehren sich. Der Bevölkerung Oesterreichs winkt die Erfüllung eines langgehegten Wunsches: Unter den vielen „Höllen", von welchen unser Vaterland seit dem Ende des Kriegesumgeben ist, soll die „Hölle von Lundenburg" aufgehoben werden. Doch, halt! So weit sind wir vorläufig iwch nicht, denn die Bureaukraten auf dem Ballhausplatz haben in dieser Angelegenheit auch noch ein Wort mitzureden. Und sie finden, daß die Aufhebung des Paßvjsums im Verkehr mit der Tschecho-Slowakei aus Rücksicht,für das notleidende Deutschland nicht möglich sei. Da alle Argumente, mit welchen sie bisher die Aufrechterbaltung des Visumzwauges begründet haben, durch Ziffern mtb Tatsachen einwandfrei widerlegt wurden, legen sie mm eine neue Walze ein, um die Menschein in den Paßmaueru festzuhalten. Wie sie sich seit jeher gegen alles, was mit wirklicher Freiheit zusamme«hängt, gewehrt, haben, so sind sie natürlich auch gegen die Freizügigkeit. So haben sie sich nun auf ein neues Lied eingestellt und wollen der Bevölkerung das sentimentale Stückchen vom „deutschen Brudervolk" Vorspielen. Auch diese neue Phrase wird vor dem stürmischen Verlangen der gesamten Bevölkerung nach Aushebung des Paßzwänges nicht gut standh alten können. Es scheint sich hiev mehr um beit Versuch zu handeln, dem „gelernten Deutschböhmen" zu einem Siege zu verhelfen, und die Trautenäuev nrid Egerer Mentalität, die alles ablehnt, was vom sogenannten „tschechischen Erbfeind" kommt, scheint in den Hirnen der österreichischen Aktenmenschen zu spuken. Denn was hat der Vorschlag der Tschecho-Slowakei, das Paßvisum fallen zu lassen, mit Deutschland, das vorläufig in dieser Angelegenheit überhaupt nicht in 'Diskussion kommt, zu tun? Das Argument, daß die deutsche Not zahlreiche A rb e i t s l o s e nach. Oesterreich treiben könnte, ist hinfällig. Denn erstens gibt es außer dem Paßvisum noch andere Möglichkeiten, dies zu verhindern, und zweitens hat es sich gezeigt, daß trotz des Paßvisums viele Arbeitslose nach Oesterreich kommen. Ueberdies ist es sicher ein weit übertriebener Optimismus, anzunehmeu, daß unser noch in den Saniernngswehen liegendes Oesterreich bereits ein' wirtschaftlicher Anziehungspunkt sein könnte. So weit sind wir leider noch nicht, und darum ist die Vorsicht unserer Regierenden hier duächauI nicht am Platze. Von der österreichischen Kaufmannschaft, von der Industrie, der Presse, auf dem Polizeikongreß, kurz von der gesamten Bevölkerung wird seit geraumer Zeit gebieterisch die Aufhebung der Paßtvrtur gefordert. Die Schäden, d-ie das Paßvisum für den Reiseverkehr, für unsere Volkswirtschaft, für die öffentlichen und privaten Interessen bedeutet, sind an dieser Stelle bereits mehrmals besprochen worden. Trotzdem finden die Herren auf dem Ballhausplatz immer Ein« wände, um die Aufhebung des Visumzwanges zu hintertreiben. Diesmal kommt der Vorschlag von außen, aus einem Lande, mit dem wir durch tausenderlei wirtschaftliche und politische Fäden verknüpft sind. Auch diesmal will man die günstige Gelegenheit, sich endlich einer geradezu mittelalterlichen Formalität zu entledigen, nicht ergreifen Die Nichtausnützung''dieser Gelegenheit bedeutet eine schwer» Schädigung der'Interessen der österreichischen Bevölkerung unddie Verantwortung dafür fällt auf die Bureau traten, die sich vermessen, unsere Angelegenheiten selbstherrlich vertreten zu wollen. Sine Hilfsaktion für die notleidenden Fnden in Lentfchland. Der Mische Verein Tikwath I eh u da hat unler dem Eindrücke unserer Nachrichten über die JudeMusweisungm m Bayern di« Initiative zu einer Hilfsaktion für du notleidenden Juden in Deutschland ergriffen. Unter der Not '■;t Deutschland haben zahlreiche Juden zu leiden, denen nach Kräften zu helfen jüdische Wicht ist. Hand in Hand mit dem Verfall der deutschen Verhältnisse geht aber auch ein bedrohlich verstärktes Aufflammen des I u d e n h a s s e s, der in M ü nche n bereits Regierungsprogramm geworden ist und durch die Ausweisung zahlreicher jüdischer Familien gezeigt hat, was sich die Juden in Deutschland unter einem Regime der Reaktion zu versehen haben. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß rechtzeitige und ausgiebige Hilfe not tut, um den Opfern reaktionärer RegierungswilKür, den jüdischen Opfern der deutschen Rot beizustehen und ihre Leiden zu lindern. Bisher sind folgende Spenden eingelaufen: Sammlung in der Vorstandssitzung des TikwathJehuda ' 1,000.000 K., Dr. Alfred Löwy, Josef Werner, Moritz Weinstock, LuÄw. Haller, Friedr. Nagler, Karl Schwarz, Adolf Grnberg, W. Wagfchal je 200.000 K., Leopo'ld Prertz, Mendl Roth, Leo Hollenberg, Theod. Ritt, K. Lauer je 100.000 K. Zusammen 3,100.000 K. Der Verein Tikwath Je!huda wendet sich an die jüdische Oeffentlichkeit mit der Bitte, seine Aktion tatkräftigst zu untevstützen und ihm raschest Spenden zuzuführen. Zu deren lieber nähme ist der VereiuSöbmann Dr. Alfred Löwy, 9. Bez., Mserstraße 32 (Clearing Nr. 86.689), bereit. Auch die „W iener Morgenzeit« ng" nimm! Spenden entgegen, welche regelmäßig in unseren Spalien ausgewlesen werden. Kn Keren Hafeffod-Konnril in Amerika. Das amerikanische Keren Hajessod-Direktormm hat den Beschluß gefaßt, einen ,Mtional Keren Hajessod-Couucil" zu bilden, und zwar entsprechend dein in verschiedenen Teilen des Landes laut gewordenen Verlangen der Keren Hajessod- Zeichner, die sich an der Verwaltung des Keren Hajessod- Councils beteiligen wollei,. Er soll zusaimnengesetz: sein aus 100 bis 120 Mitgliedern, die, jedes -von fl 300 Zeichnern oder der Majorität von 800 Zeichnern, gewählt werden. Die neilgebildet« Körperschaft wählt Uiln die Hälfte des Direktoriums, während die andere wie bisher von den 'beteiligten Organisationen ^wählt wird. Man ist der Ansicht, daß diese Einrichtung, die den Zeichnern selbst die Kontrolle über die Verwaltung des Keren Haflssod verschafft, und dadurch auch ein größeres Vemiitwortlichkeitsgefühl, die Keren Haflssod-Adbeit um ein bedeuteudes fördern wird, indem sie mehr und wehr Interessenten gewinnt. hi.’fflMDH kaufen Waren Im besten u. billigstem^ tm [fitaSchiffmann IL Taborstraße 4& Telephon 47-1 -71 En gros En r'

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