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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-28 · Heft 1690 (28.10.1923) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1690 (28.10.1923)
Date
1923-10-28
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Dfolto) 192I> &i. im Las Aktionsprogramm des Burgtheaters. Die nächste Premiere im Burgtheater wird Bernhard Shaws Melodrama „Der T e u f e l s s ch ü l c r" sein. Dann folgt , «ine. Neueinstudierung von Calderons „D e r R i ch t e r von Zalameü" und im Dezember die deutsche Uraufführung von Franz M o l n a r s neuestem Stück „D i e rote Mühle". — Im Akademietheater findet kommenden Mittwoch die Erstaufführung von Thaddäus Rittners „Wölfe in der Nacht" statt. Die nächste Premiere an dieser Filialbühne der Burg wird Eugen Heltais Komödie „Die kleine Konditorei" sein. — Im November werden die Sonntagnachmittagsvorstellungen im Burgtheater und Akademietheater ausgenommen. — Die Premiere von C a ld e r o n s „U e b e r a l l e m Zauber L i e be" findet im Großen K o n z e r h a u s s a a l als Vorstellung des Burgtheaters am 3. November statt. Die musikalische Leitung hat Alfred Rose. Ferner wirkt das Ballett der Staatsoper mit. Die Angelegenheit der Burgschauspielerinnen Bleibtreu and Medelskh. Ter Bundestheaterkommissär gab in Angelegenheit des Ausscheidens der Schauspielerinnen B l e i b t r e u und Medelskh aus dem Burgtheater, über das wir gestern berichteten, «in umfangreiches C o m m u n i q u e aus. Es enthält das Schreiben des Bundesthcaterkommissärs an den Advokaten der beiden Künstlerinnen., in welchem er sich gezwungen sah, ihre Wünsche als undurchführbar zu bezeichnen. Die beiden Künstlerinnen verlangten: Die sofortige Pensionierung (36 Millionen jährlich), eine siebcnmonatige Gastspieltätigkeit mit einem Aufrrittshonorar von 8,000.000 K. pro ' Abend, zumindest viermal im Monat, 84 Millionen insgesamt, also ein G e s a m 1 h o n o r a r von 120 Millionen bei nur fiebenmonatiger Tätigkeit und bloß viermaligem Auftreten im Monat. — Der Bundesiheatcrkommissär betont ferner, daß beide Künstlerinnen auch bisher ein höheres Honorar hatten als Frau Wohlgemuth und daß die ihnen bewilligte Vertraoslösung ein Akt größten Entgegenkommens sei. Ueberdies wird eine Veröffentlichung des Briefwechsels der Künstlerinnen mit Direktor H e rterich angekündigt. — Es ist abzuwarten, was diese Briefe enthalten, um urteilen zu können, ob es wirklich nicht möglich war, diese hervorragenden Kräfte dem Burgiheater zu erhalten. — Es verlautet, daß Max Reinhardt beide Künstlerinnen für das Theater in der Iosefstadt gewonnen hat. Borlesung Perez Märkisch. Ter jüdische Dichter Perez Märkisch, dessen lyrische Dichtung von besonderer eigenartiger Volkstümlichkeit ist, liest heure Sonntag um 7 Uhr abends im jüdischen Arbeiterheim. 2. Be;.. Blumaueraasse 1, aus eigenen Dichtungen vor geladenen Gästen. Märkisch , wird den Abend mit einem Vortrag über die Situation in der modernen jüdischen Literatur einleitenz. Einladungen zu dieser Veranstaltung sind in der Kanzlei des jüdischen Ärberterbeims erbältlich. - Aus den Theatern. B.urgthealer. Morgen (Montag), 7 Uhr, „D a s Wlntermärche n". Akademietheater. Morgen (Montag), h.ilb 8 Uhr, „Erster Klasse". „Die Medaille". ' Volksoper. Heute, halb 3 Uhr nachmittags. Sironi-Ballette. 7 Uhr abends „Carmen". Im Deutschen Bolkstheater gelangt Samstag den 8. November neu inszeniert Raimunds Zaubermärchen „Ter Verschwender" mit Konradin Kreutzers vollständiger Musik zur Ausführung. Für Donnerstag den 1. November wilrde als Nachmittagsvorstellung (halb 3 Uhr) Grillparzers Trauerspiel „Die Ahnfrau" in teilweiser Neubesetzung angesetzt. In den K a mme r spi el en gelangen zugunsten der deutschen Künstlerhilfe morgen Montag (Beginn 7 Uhr) die Vorstellungen „Komtesse M i z z i" und „Schöne S e el e n" in der bekannten Besetzung der Hauptrollen mit prominenten Künstlern zur einmaligen Wiederholung. Im Raimund-Theater spielt heute und morgen Loopoldine Konstantin Molnars Komödie „F a s ch i n g". Dienstag den 30. d. tritt Willy Thaller als Lüftchen in dem Schwank „Zwei glückliche Tage" sein Engagement an. Neue Wiener Bühne. Albert und Else Bassermann, eröffnen am 7. November ihr Gastspiel in Hans Müllers Schauspiel „Der Schöpfer". Johann Strauß-Theater. Donnerstag gelangt als Nachmittagsvorstellung bei ermäßigten Preisen „Die F ö r st e r ch r i st e l" mit Mimi Marlow zur Aufführung. Heute nachmittags wird „Die Fledermaus" gegeben; viertel 8 Uhr abends geht täglich „Ein Märchen aus Florenz" in Szene. ' Ter erste Tanzabend Niddy Impekoven an der Renaissancebühne findet Donnerstag den 1. November als Abendvorstellung statt. Vollständig neues Programm. Die beiden Tanzabende werden Samstag den 3. und Dienstag den 6. November wiederholt. , Wochenspielplan des B u r g th e a te r s. Sonntag den 28. d., 2 Uhr nachmittags, „Geschäft ist Geschäft". 7 Uhr abends, „Improvisationen im Juni". Montag „Das Wintermarchen". Dienstag „Die versunkene Glocke". Mittwoch „Improvisationen im Juni". Donnerstag „Hamlet". Freitag „Geschäft ist Geschäft". Samstag „Improvisationen im Juni". Wochenspielplan des Akadem ie th e at er s. Sonntag den 28. d., halb 8 Uhr, „Quality Street" („Im stillen Gäßchen"). Montag „Erster Klasse". „Die Medaille". Dienstag „Der Raub der Sabinerinnen". Mittwoch, zum ersten Male, „Wölfe in der Nacht". Donnerstag „Wölfe in der Nacht". Freitag „Unterwegs". Samstag „Wölfe in der Nacht". Wochenspielplan des DeutschenVolkstheaters. Sonntag den 28. d., halb 3 Uhr nachmittags, „Großstadtluft" (Tr. Crusius: Dr. Rudolf Tyrolt): 7 Uhr abends, „Man kann nie wissen". Montag „Der Fremde". Dienstag „Familie Schimek" (Zawadil: Dr. Rudolf Tyrolt). Mittwoch „Das verschnörkelte Gitter". Donnerstag, halb 3 Uhr nachmittags, „Tie Ahnsrau", 7 Uhr abends, „Lolos Vater". Freitag „Familie Schimek (Zawadil: Dr. Rudolf Tyrolt). Samstag, neu inszeniert, „Der Verschwender". Wochenspielplan des Raimund-Theaters. Sonntag, 28. d., halb 3 Uhr, Wiener.Kammeroper, „Carmen". 7 Uhr abends, „Fasching (Gastspiel Leopoldine Konstantin). Montag. „Fasching". Dienstag,, züm ersten Male, „Zwei glückliche Tage". Mittwoch „Zwei glückliche Tage". Donnerstag, halb 3 Uhr nachmittags. Wiener Kammeroper, „Fidelio", 7 Uhr abends, „Die Sache Makropulos" (Gastspiel Leopoldine Konstantin). Freitag „Fasching" (Gastspiel Leopoldine Konstantin). Samstag, 3 Uhr nachmittags, „Komödie der Irrungen", „Geschwister". 7 Uhr abends. „Die Sache Makropulos (Gastspiel Leopotdine Konstantin). Wochenspielplan der Neuen Wiener Bühne. Täglich bis einschließlich 6. November. 7 Uhr abends, „W. U. R.". Mittwoch den 7. November, 7 Uhr abends, Gastspiel Albert Bassermann, zum ersten Male „Der Schöpfer", Schauspiel von Hans Müller. Wochenspielplan 'der Renaissancebühne. Täglich bis einschließlich 31. b., halb 8 Uhr abends, Gastspiel Claire Wallentin-Ernst Pröckl „Liebe". Donnerstag Tanzabend Niddy Impekoven. Freitag „Liebe". Samstag Tanzabend Niddv Impekoven. Diener An Rsman von SchalomAsch beginnt am 1. November in unserem Blatte zu erscheinen. In dem Bestreben, unseren Lesern die Kenntllis der lebendigen Werte des jüdischen * Schaffens zu vermitteln, haben wir weder Mühe noch Kosten gescheut, um eines der jüngsten Werke des berühmtesten Erzählers der heutigen Generation in der jüdischen Literatur zum Abdruck in der „Wiener Mvrgenzeitung" zu erwerben. Es ist uns möglich geworden, die autorisierte Uebersetzung von Schalom A s ch' populären Roman unferen Lesern darznbieten, noch bevor er in Buchform erscheint. „Onkel Moses" ist der Typus des kleinen jüdischett Fabrikanten, des Kleiderkonfektionärs in New-Iork, bei dem die ans ihrer alten Heimat ansgewandertcn; noch „grünen" Inden ihren Lebensunterhalt finden. Die Konfektivnswerkstätte ist ihre neue Heimat geworden und doch bleiben sie mit der alten Heimat verbunden. Ihr Brotherr ist ihr „Onkel"; ein patriarchalisches Verhältnis, in den kapitalistischen Unternehmcrgeist eingeordnet, herrscht zwischen dem Arbeitgeber und denen, die für ihn arbeiten. Und beide leben eigentlich noch immer in der alten Heimat, ihre glücklichen Stunden sind von Erinnerungen an ihr früheres Leben ausgefüllt. Bis dann das Schicksal, das Amerika heißt, sie erfaßt, bis die Kluft zwischen der alten und der neuen Heimat, welche durch die Illusion der Sehnsucht solange überbrückt war, offen klafft und nur denen nicht zum Abgrund wird, welche Kraft haben, sie zu überspringen. Die bis zum Weltkrieg sich mit jedem neuen Ein-- wanderungsstrom erneuernden Anfänge des jüdischen Amerika sind es, welche der Dichter meisterhaft ersaßt und gestaltet hat. Der Roman „O n k e l M o s e s", ein dichterisches Abbild des jüdischen Ueberganges in der neuen Welt, wird, wie wir hoffen, unseren Lesern als wertvolle Bereicherung ihres Wissens um die Vielfältigkeiten des jüdischen Lebens eine willkommene Gabe sein. » Die Geschwornenliste für das Jahr 1924. Die Denzeich-. mfiie aller Personen, die znm Amt eines Geschwornen. ober Schöffen berufen werden können, liegen bis einschließlich ö. iKovember tat den Kanzleien der Bezirksvertretungen für die im Bezirk wohnhaften Personen zur allgemeinen _ Einsichtnahme und Mr Einbringung von Einwendungen auf. Mutter und Tochter und sechs Zimmerherren in einem Zimmer. Die Private Klara Katz hatte ihrem Zimmerherrn Iisrael Reiser das .möblierte Kabinett wegen, dvvngemden Eigenbedarfs gekündigt, weil sie nur noch ein Zimmer habe, in dem sie, ihre 15jährige Tochter und sechs Z i m m e rherren wohnen. Sie stehe im Begriff zu h.'iraten, und um wicht die sechs Zimmerherren obdachlos zu machen, ziehe sie es vor, nur dem einen Zimmerherrn des Kabinetts zu kündigen. Sie legte die Bestätigung des Rabbiners, über das, bereits stattgefundene Aüfgelbot vor und der Bräutigam bestätigte, als Zeuge, daß er nur dann heiraten werde, wenn das Kabinett geräumt wird, denn er wolle nicht als neunter in das schon von acht Personen bewohnte Zimmer einziehen, und noch daM als Ehemann. Das Bezirksgericht L-eopolldstadt erklärt,e die Kündigung für w i r k s a m. weil die bevorstehende Heirat durch die Bestätigung des Rabbinats erwiesen, sei und man einem Eih.paar nicht zumuten könne, in ein Zimmer, in dem sechs Zimmerherren wohnen, einzuziehen. Gegen dieses Urteil 'brachte der gekündigte Kaibinettbewohner mit der Begründung, daß in einem Zimmer, in dem schon acht Personen wohnen, auch noch eine nennte Platz finden könne, die Berufung an das Zivillandesgericht ein. Der Berufungssenai (Vorsitzender Hofrat Dr. Glasier) gab der Berufung feine Folge und bestätigt,e das erstrichterliche Urteil. Dieses Elendsbild eines jüdischen Massenguartiers, übrigens nur eines von vielen hunderten, mag dazu dienen, das von politischen Hetzern so gern verbreitete Märchen, die Juden hätten unter der.Wohnungsnot nicht zu leiden, zerstören. Di« ‘ Tatsache, daß neun Personen in zwei enge Räume zusammengepfercht leben müssen. wideÄegt mehr als aste Worte die Lüge, welche die Hetzplakate ohne Unterschied der Partei im Wahlkampf in di« Bevölkerung zu tragen versuchten. Früchterl. Weil der M-e'hrmann Josef Doubek bei der Ausrückung seinen Mantel vergessen hätte und sich aus der Einteilung entfernte, um diuses zur Erringung 'des Sieges in einem eventuellen. Kriege so notwendige KleidunMtück m holen, ist er nach der Ansicht seines Haulptmdnnes Kurt F e chner ein ,^rüchterl". Der H.'rr Hauptmann war über das Verbrechen des Doubek beim Rapport so entsetzt, daß er eS guiaisi als eine persönliche Schmach anfcch, diesen Mann bei seiner Kompagnie zu haben. Früchterl ist sicherlich kein Kosenamen, und der Wchrmann DvubeL faßte dieses Wort auch durchaus nicht so auf, wie etwa das Vorgesetzte Bataillonskommando. das d.'r Anschauung ist, „Fvüchterl" sei eine ebenso neckische und liebenswürdige Bezeichnung wie etwa ,-Schätzer.'". Der Wehrmiann Doubek fühlte sich beleidigt, «und dr e-r bei seinem Vorgesetzten Kommando feine Genugtuung erhalten 'konnte, so klagte er den Hauptmann Fechner auf Ehre nbeleidiigung. Denn Doubek ist im Gegensatz zu allen mMärilschen Autoritäten der Anschauung, daß Früchterl ein Mensch mit liederlichem Lebenswandel. unzuverlässigem Charakter und sonst nicht gerade rühmlichen Eigeüschaften sei. Bei der vorgestrigen Verhandlung erklärte der Vertreter des Hauptmannes, er habe mit dem Ausdruck nur das unmilitärische B.'nshmen des Klägers kennzeichnen wollen. Der Ton beim Militär könne uicht so sein wie in einem Mädchen- Pensionat. Er selbst sei von seinen Vorgesetzten schon mit ganz anderen Ausdrücken bedacht worden. (Was schließlich Privatfache des. Herrn Hauptmannes ist.) Der Richter beschloß,-den Akt der Staatsanwaltschaft abzutreten, da, wenn ein strafbarer Tatbestand seitens des Angeklagten überhaupt gr- «eiben sei, das Verbrechen dsr Pflichtverletzung im Dienste Vorlieben wück*. Gestempelte Krone ---- 6.0079 Centimes. Auszahlung Wien — v. 0078% Centimes. In Zürich notierte 27./10. 26710. die österreichische Krone ...... 0.0078'/, s 0.0078»/» die österr. gestempelte Krone . . . . 0.0070 0.0079 die tschechische Krone. 16.55 16.55 die Mark ...... pro Milliarde 0.065 0.08 Holland . . 218.50 218.60 New-Aork. 560.75 561.50 London.. . 25.25 25.22 Paris. 83.32 82.65 Mailand. 25.40 25.22 Belgrad. 6.40 6.50 Bukarest .. 2.62 2.65 Sofia . 6.30 5.30 Budavest. . 0.0302 0.0302 Warst; >-:> ....... 0.0001Vs , O.OCIOI Vs Tie Wiener Börse hat eine schwarze Woche hinter sich. Sämtliche Wertpapiere haben mehr oder minder empfindliche Kursein büßen erlitten. Es ist fast kein Gebiet, das von diesen Kursrückgängen verschon', geblieiben wäre. Milliardenverluste sind den einzelnen Börsenspekulanten, di« auf das weitere Stcigen der Papiere hofften, erstanden. Glaubte man an einem Tage, der Tiefstand der Kurse sei erreicht, so wurde er a»n nächsten Tage durch einen neuerlichen Kurssturz >übertroffen. Die triste Sti.tnnl.nng war allgemein. Alle möglichen Ursachen wurden hierfür angegeben. Die Wirren in Deutschland wurden ins Kalkül gezogen. Gerüchte über einen Regierungswechsel tauchten auf. Man befürchtete, der jetzige Finanzminister Dr. Kienböck werde gehen und ein anderer, nicht so kapilalsfrenndücher Minister an seine Stelle toeten. Auch von einer schwarz-roten Regiernngskoalition wuride gemunkelt. Alles Gründe, die Wohl imstande wären, die Stimmung der Börse merklich Kl beeinflussen. Doch gar bald war man sich klar, daß die Mrven in Deutschland wohl große Gefahren in sich bergen, daß aber die österreichische Wirtschasr dadurch nicht allzu sehr tangiert würde. Ja, einzelne besonders .fcharsisinnig sein wollende glaubten, in einer Zerstückelung Deutschlands »in für Oesterreich nicht sehr ungünstiges Moment zu seihen, weil dann Dsutschösterreich in der Reihe der deutscheil Kleinstaaten eine sehr wichtige Rolle spielen würde. Also, DeMschlaUd war es sicher nicht, das in erster Reihe die vchementm Kursstürze in Oesterreich verschuldete. Die Befürchtungen über den Rogierutngslwechsel waren durch eine halboffiziöse Erklärung ebenfalls bald verschelucht. Eine schwarz-rote Koalition und damit eine ausgesprochen kapitalsfeindliche Wirtschaftspolitik war damit in weite Ferne gerückt, wenn auch, wie schon seinerzeit an dieser Stelle erörtert wurde, weder die ChristliHsozi'alen noch die Sozialdemokrat>eil, weder geme>msam noch einzeln irgeMvie wesentlich zur Wiederherstellung der österreichischen Wirtschaft, beziiehimgswöise zu einem großzügigen Aufbau derselben beitragen würden. Neben diesem marktpsychologischen Momentan s,piekten aber auch manche Gründe technischer 2l-rt mit, Wie das Ausbleiben der Aufträge aus dem Ausland, 'namentlich aus Deutschland. Flaue Börsen in Budapest Mid Prag, die die tschecho-»slowakischen u.nd Budapester Kapitall'isten M Abgaben veranlaßten, halfen mit. Der Kurssall der polnischen Mark hat Ebenfalls das seiuige zum Kursfall beigetragen. Petwlaum« werkle kamen ans den Markt. Es ist allerdings «in Paradoxon, daß zur Zeit des Sinkens enter Währung, wo doch gewÄhnIlich gesteiigertes Interesse für Effekt vniwerte sich knudblt, in diesem Falle die Effekten des betreffeivden Landes Einbußen erlitten, trotzdem doch gerade — um beim Beispiel der Ptztroleumwerte 'zu bleiben—dirse nunmehrdie Dollarrechnungzum großen Dell eingesi'chrt Mld sich in ihrer Protmftioskalkulation von der heimischen Währung vollkomnlen emallzipiert haben. Vielleicht haben devifcutlechnische Gründe hier mitgewiAt. Bei dom Sinken der Währung und den strengen Devisenvorschriften tvar der Verkauf von cheimi>sch«n Effekten das relativ einfachste Mittel, um sich fremde Währungen zu verschaffen, was aber andererseits das Anbot auf km Wiener Markt verstärkt hat. All diese Momente hüben zwar auch zur Beeinflussung des Marktes das i'hrige beigetragen. Eines der wesentlichsten aber wurde nicht berücksichtligt. Es ist dies der Fall Wilke und seiner Epigonen. In diesen Fällen äußert sich nicht so sehr die Krankheit des Wirtschaftslebens als vielmehr die Krankheit einer Wirtschaftsorganisation, die hier ihre Folgen gezeitigt hat. Vielleicht ist die Bövsenlbaisse der letzten Tage auch nichts anderes als ein gvwisser Ausfluß gewisser Fehler in der Wirtschaftsorganisation, die bei tadellos funktionierenden Wirtschaftsfaktoren nicht Vorkommen sollten. Nicht das ist die Hauptsache, daß dieser junge Mensch mit gebügelten Hosen, der als Börsenprokurist eines angesehenen Bankinstituts überall Kredit genoß, die Gläubiger um zirka 30 Milliarden geschädigt hat. Der Wiener Markt mit seinen Riesengewinnen des letzten Halbjahres könnte solche Verluste noch ertragen. Weit betrüblicher sind die Umstände, unter welchen diesem deutscharischen Prokuristen, entgegen allen Noruten einer soliden Geschäftsführung, der Kredit förmlich aufgedrängt wurde, daß ein solcher Jüngling, dem noch nicht einmal! der Flaum richtig gewachsen war, sich int Kreditwege zehntaus-eride schtverer Börsenpapiere zu Spekulationszwecken verschaffen konnte. Daß es niemandem eingefallen ist, daß ein so junger Mensch unmöglich genügende Markterfahrung haben kann, um tatsächlich * immer so viel verdienen zu können, hcch « Kost Mtos feite .*^±**Br-«**K aassasssas

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