Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-10-28 · Heft 1690 (28.10.1923) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1690 (28.10.1923)
Date
1923-10-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980772--16592-3003520
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

VÄe 4 . Men. Sonntag . —•■i—W-i ■■■'■■<..- "'** ■ ULmpft jedoch Finan-Mmilsters Kucharski, der erklärt hat, doG ek im Talle der Cinsichrung einer Finanzdiktatnr die DemiBon Überreichen würde. Ler Eiseubahuerstkrik. Warschau, 27. Oktober. Der Streik der Ersennangesteilten ist noch nicht beendet. Dennoch verkehren frte Auge, speziell im Fernverkehr, beinahe iwttimL Bloß im inneren Verkehre sind einige Züge eingestellt worden. Die verbreiteten Gerüchte über die M i l i t a r i s i e r u n g v e r Eifenbahnen sind völlig grundlos. Das Kriegs» Ministerium har bloß, wie üblich, die zn Militärübungen ein» berufenen Reservisten, die Eisenbahner sind, dem Eiseickahndienst zngeteilt. Die jüngst unterbrochenen Unrerhandl u ngen jollen heilte wieder ausgenommen werden. Wim Neue Siedlungen. Aus I e r u s a l e m schreibt man uns: Der k>lM N a r i o n a l so n ds seinerzeit gekaufte Boden wird kurzer Zeit, jedenfalls noch in diesem Jahre, voll besiedelt hi«. Die neuen Siedlungen, welche in diesem Jahre angelegt werden sotten, werden entweder noch jetzt im Herbst oder — fails der Kcre u Hajessod nicht zur richtigen Zeir die Mittel bercilstellen kann — erst zu Pessach in Angriff genommen werden. Das letztere bedenret natürlich den Verlust eines vollen Wirtschaftsjahres. In Aussicht genonlmcn sind in diesem Jahre drei neue Familiensiedlungen «Roschawe Owdim), wovon eine für gesetzstrene Juden bestimmt ist und vermutlich in der Nähe von Tiberias angelegt werden dürfte. Ein tveiterer Noschaw soll in der Nähe von Balfouria und ein dritter in Unter-Galiläa geschaffen werden. Hand in Hand damit soll auch die kooperative A n s i c d l u n g in Form der K w u z o t h fortgeführt werden. Tie neuen Noschawe Owdim sollen Heuer gegen L0 Familien aufnehmen, die Kwupth zirka 100 neue Siedler. Rundschau. Lar smerikanische Alkoholverbot und die fremden Schiffe. London, 27. Oktober. Das Reuter sch e Bureau mekrer aus Washington: Nach Blättermeldungen hat Großbritannien den amerikanischen Vorschlag betreffend Ausdehnung des Rechtes zur Durchsuchung fremder Schiffe nach Alkohol innerhalb einer Grenze von zwölf Meilen angenommen. Die amerikanischen Vorschläge sind in einem Vertragsentwurf enthalten, der nicht nur das Recht zur Durchsuchung regelt, sondern auch vorschlägt, daß gewiss« Alkoholvorräte an Mird von Schiffen, die sich in amerikanischen Gewässern befinden, vor den gefttzliclzen Bestimmungen geschützt fein sollen. Wegen schlechter Amtsführung verhaftet. Madrid, 20. Oktober. (Havas.) Wegen schlechter Amtsführung ist eine Anzahl von früheren Bürgermeistern, GememÄerälen, Sekretären und Gemeindeangestellten verhaftet worden. Mehrere der Verhafteten haben Selbstmord begangen, so der Poilizeiinspektor von Madrid, der sich im Augenblicke seiner Verhaftung entleibte. _ZBfcney Morgenzettuns. _ Stto Bau« über die MemWfche Revoluüsn?) So nahe uns auch zeitlich die Ereignisse stehen, die Bauer in seinem neuesten Buche schildert, so mutet der Stoff doch hsute schon historisch an. Vielleicht liegt dies daran, daß der Zerfall Oesterreichs der Abschluß eines langen Prozesses war. Bauer schildert diesen Zerfall mit genauer Kenntnis der slawischen Literatur, insbesondere der Entwicklung der Wfallstendenzen in den slawischen Provinzen. Ebenso vermag er infolge seiner eigenen führenden Anteilnahme daran die Entwicklung der Ereignisse in Oesterreich in fesselndster Weise därzustellen. Natürlich geschieht dies von seinem Parteistandpunkt aus, über den inan mit chm nicht rechten kann. Dennoch muß ein objektiver Leser feststellen, daß in diesen! Buche wie in dem über die russische Revolution, das er vor zwei Jahren schrieb, eine gewisse Zweideutigkeit gegenüber der Frage des Bolschewismus herrscht. Bauer beweist, daß btepr für Oesterreich ruinös gewesen wäre wegen des Widerstandes der Bauern, der Abhängigkeit Oesterreichs von der Entente bezüglich der Ernährung, der finanziellen Hilse usw. Er sagt aber damit nur, daß die Ausrichtung der „Diktatur des Proletariats praktisch nicht möglich gewesen wäre, ohne sich aber klar darüber auszusprocheu, ob er ein Gegner solcher Diktatur und ein Anhänger der Demokratie sei. Dadurch wird dis Verdienst der Sozialdemokratie, Oesterreich vor e.nern EintrgS-bolfchewismus bewahrt zu haben, sehr geschmälert. Bauer spricht auch gar nichts über den völligen Zusammenbruch des sozialdemokratischen Internationalismus und Pazifismus be: Kriegsausbruch, und das tviderstandslose Milgehen der österreichischen Sozialisten erklärt er nur aus der Begeisterung des Proletariöls für den Kanipf gegen den Zarismus. In Wirklichkeit hat aber die österreichische Sozialdemokratie durch Jahre den Krieg ohne innere Verneinung mitgemacht und mai: erinnert sich noch der täglichen Zergliederung der strategischen Lage, durch sozialistische Mitglieder des Kriegspressequarticrs. Sehr iveuig staatsmännisch sind auch die Ansichten Bauers über die deutschböhmische Frage. Er, der in der entscheidenden Epoche Staatssekretär des Aeußern gewesen ist, bedauert es. daß die österreichische Regierung den Sudetendcutschen keine Kriegshil.se leisten konnte (Seite 120), obzwar er doch vermöge seiner Stellung genau wissen mußte, daß die Entente Teulschböhmen dem tschechischen Staate zugesagt hatte. Aehnlich muren seine damaligen eifrigen Bestrebungen an, Oesterreich an Deutschland anzugliedern, wo doch jedes Kind wissen mußte, daß die Entente dies nie zugeben würde. Seine Bemühungen, Italien für . den Anschluß zu gewinnen — worüber er stürzte —, waren sicher auch nicht so poÄtisch einwandfreier Natur, wie er sie schliert. Er beschuldigt Bauern und Bourgeoisie, aus Angst vor dem Bolschewismus gegen den Anschluß gewesen, zu sein — obzwar gerade die Deutschnationalen und die Bauern Tirols und Salzburgs dafür gewesen sind —, sagt aber einige Seiten später (157) selbst, daß das Bürgertum dem nationalen Ideal gewonnen war. In dem Abschnitt über die Finanzfragen und di« Kronenentwertung kann Bauer es natürlich nicht unterlassen, antisemitische Töne anzuschlagen und von galizischen Auden und einer „schmutzigen jüdischen Bourgeoisie" (Zitat nach Engels) zu sprechen. Von Aktualität sind oie Ausführungen Bauers über dir Sanierung. Daß die Inflation, die Folge des ungeheuren *) Otto Bauer: ,Me österreichische Revolution", Wiener VolksbuchhaMung, 1823. Mchtiaut-Pelzinodelle Pchk kchll. ÖMlität, MWer Mfäjtung! ID. Karl« 7 (Man Wen: MjSoti 54=3=91) Me: IX. IMi 11. Sei.Stele Il ion« Weise aus allen jüdischen Quellen, bis zurück zu den ent entlegensten, und aus allen außerjüdischen in gleichem Maße zu schöpfen und die Wahrheit anzunehmen, wo sie sie ftmden. Es war daher eine Tat von geistesgeschichtlicher Bedeutung, daß die erlesensten Fachmänner, die repräsentativen Geister einer mehr als drei Mlllionen zählenden jüdischen Gemeinschaft sich zusammengetan haben, um in gemeinsamer) langjähriger Arbeit eine Bibelübersetzung zn schaffen. Es ist diesmal nicht das Werk eines einzelnen, sondern der Ge^ famtheit, vertreten durch ihre feinste Auslese. Im Judentum geboren und erzogen, von jüdischer Tradition durchtränkt^ verkörperten diese Männer das jüdische Bewußtsein in feiner vornehmsten Gestalt. Tabei waren sie mit dem gesamten Fachwissen unserer Zeit ausgerüstet, und sie traten an die Arbeit! heran, beseelt von dein absoluten Willen zur Wahrheit und mit jener Liebe und Ehrfurcht, ohne die ein derartiges WerÄ nimmer gedeihen kann. Sie haben darum nicht nicht nur dev Judertbeit, sondern auch der nicht jüdischen Welt eine roertvolle Gabe dargebracht, die diese nichtjüdische Welt denn auch dankbar begrüßt hat. So sehr wir uns mit den amerikanischen Juden über bas große und schöne Werk freuen, welches sie vollbracht haben, so können wir nicht umhin, einen schweren Mangel, d?u es aufweist, nachdrücklichst zu tadeln: Es fehlt der Bibel der hebräische Urtext. Eine jüdische Bibel sollte aber einem jüdischen Hanse niemals ohne den hebräischen Urtext dargeboten werden! Ein Jude darf nie daran gewöhnt werden, dir Bibel lediglich in einer anderen Sprache, ohne den hebräischen Urtext, vor sich zu haben, auch wenn er ihn nicht versteht. Daß er ihn nicht versteht, ist ein bitterer Mangel, und der Jude soll lernen, dies als eilten Mangel zn empfinden. Für die Nichtjuden ist die Bibel, mag sie ihnen noch so heilig und teuer sein, ein rezipiertes, ein angenommenes, ein von außen hereingekommenes Brich, es wird, wenn auch nie ganz, zn ihrem Eigentum« dadurch,, daß sie es in ihre Sprache übersetzen. Für uns Inden ist die Bibel vlkU t jü-ch. sie iL — diesmal hat der Schar recht — mit Israel identisch. Wir sind mit ihr geworden und gewachsen und sie mit uns. Wir sind ohne einander gar rücht denkbar. Sie gehört zn uns in der Sprache, in der sie entstandeit ist, zu eurer Zeit, als diese Sprache unsere lebendigej Volkssprache gewesen ist, in der wir denken und fühlen lernten, in der unsere Urahnen ihre ersten Gedanken und Gefühle kleideten. In jeder anderen Sprache, mag sie uns noch? so nahe und lieb und traut sein, erscheint uns die Bibel wie in einen fremdartigen Nebelschleier gehüllt. Für Bibelwerke, die „nackt" erscheinen, besteht die Gefahr, daß sie, sich an die Stelle des Urtextes setzend, schließlich in den Abgrund des Nichts versinken und die Bibel überhaupt mit sich reißen, wenigstens für die Kreise, in denen die Uebersetzungen allein herrschend werden. Uebrigens, jede Uebersetzung veraltet mit der Zeit, der Urtext allein bleibt ewig jung. Zu ihm muß nian immer wieder! zurückkehren, und unser Streben muß sein, den Weg zu! ihm immer offen zn halten. Jeder Jude muß in der Lage sein, den Gang zn den Quellen jederzeit zu unternehmen. Jeder Jude bringt von Haus aus eine gewisse Kenntnis des Hebräischen mit. Ist es ein Bibelleser und hat neben der Uebersetzung den Urtext vor sich, so frischt er immer! wieder seine hebräischen Kenntnisse ans, er kann sich sogar angeregt fühlen, sie zn erweitern. Bekommt cr aber nie-! mals den Urtext zu Gesicht, entwöhnt er sich mit der Zeit sogar vom Anblick hebräischer Buchstaben und Ivird ihm! ihre Gestalt fremd, so daß er jedes Interesse an der Sprache der Bibel verliert, so wird ihm unfehlbar früher oder später! auch das Interesse am Inhalt verschwimmen und schließlich ganz abhanden kommen. Die schönsten .Kommentare! werden hier nichts nützen. Die Uebersetzung tötet am Ende sich selber. Darum ist es tief zu bedauern, daß auch die Amerikaner den Fehler begangen haben, die Uebersetzung ohne den Urtext herauszugeben. Er Hütte den Umfang des Bandes nicht einnial auf das Doppelte gebracht, und auch! die Kosten hätten sich wohl nicht ins Unerschwinaliche erhöht. Welleicht holen sie es noch nach . . I ."SB. Mber 1923 ..M. My Staatsdefizits, nicht zu-letzt verursacht wurde durch di« Loben» mitirlzuschüsse, gibt zwar Bauer zu, doch wollt«, wie er schreibt, die Sozialdemokratie in deren Abbau nur gegen Sicherung de! „Reallohns" der Angestellten und der Arbeiter willigen. Das «ine Hypertrophie dieser Klassen am Marke des Staates zehrt» und die Sozialdemokratie sich niemals bereit fand, an einer energischen Abbau der Staatsangestellten zu schreiten, darübe? sagt er nichts. Der Kampf der Sozialdemokratie gegen die Sa; nierung unter ausländischer Kontrolle ist aber nicht zu recht fertigen, wenn diese Partei nicht di« Kraft hatte, die Radikal' kur durchzuführen. Daß Bauer «inen Plan für die Sanierunz hatte (von seinen! unglückseligen Einfall, in Oesterreich di, Markwahrung sinzuführen, abgesehen), ist ganz richtig, ‘ «J handelte sich aber nicht um einen P l a n,son dern darum, daß ohne eine „Anleihe von Autors t ä t", wie Banderlip schon früher richtig gesagt hatte, BeamtonaNbau und andere Erfordernisse de, Sarnerung nicht durchgeführt worden wären, auch nicht vor einer sozialdemokratischen Regierung. Nicht zu rechtfertige: ist es auch, daß die Sozialdemokratie ihren Plan zur Valirtsto rung der Zwangsau'.e.he nur lau verfocht und ihn einfach mr Mapuität niederstiviniLu ließ. Hier hätte eine energische Oppo sition von der Zahl und Macht der Sozi-^demokratie, die st cs gegen die Sanierung von außen wendete, viel energischer rtt rücksichtsloser auftreren müssen. Den Mangel an wirkliche- Energie, die ökonomische Sanierung zu erzwingen, hat du Sozialdemokratie e^enttch schon zur Zeit gezeigt, wo sie \\<i die Vorherrschaft v. Oesterreich hatte. In vielen Fragen de: Erhöhung der Machtstellung des Proletariats (Betriebs-, äw Sbldatenrätc, Sozialisierung usw.) war sie stark genug, uu alles 'ourchzusetzen, was nr wollt«, es ist daher nicht «inzuichen warum sie cs bei den wirtschaftspolitischen Fragen nicht sei» konnte und schon die Vermögensabgabe zu einer halben Maß. rogel gestalten ließ, die Beschlagnahme der Devisen, die aut ihrem Programm stand, niemals durchsetzte u. a. m. Baue? gibt übrigens selbst zu, daß der Appell der Sozialdemokrat:, an die Massen, um sie gegen den Genfer Vertrag aufzustacheln ergebnislos geblieben war. Merkwürdig ist, daß er dieser Aufruf den sozialdemokratischen Arbeitermassen als einen Dev such hinstellt, das — deutschnationale Bürgertun gegen die Demütigung des nationalen Stob zes zu mob 11.(iercu! Mit solcher fast jesuitisch anmutenden Wendung wird d« Mißerfolg der sozialdemokratischen Führer bei den Arbeitern zr beschönigen versucht. Aehnlich ist es mit dem Argument, daß di« Sozialdemokratie den Kampf gegen Genf nicht mehr mit vollen Nachdruck führen konnte, seit Mussolini ans Ruder gekommen ist! Innere Verwicklungen in Oesterreich hätten diesen zum Einmarsch bewegen können. Innere Verwicklungen, wenn die Sozialdemokratie ihren Sanierungsplan der Selbsthilfe an Stelle des Genfer Planes gesetzt hätte! Bauer sagt zwar, dies wäre parlamentarisch nicht möglich gewesen,,weil die Sozialdemokraten in der Minorität waren. Aber er verschweigt, daß die Sozialdemokraten die Macht gehabt hatten, durch parlamentarische Mittel den Genfer Plan zu stürzen, wo dann den Parteien nichts übrig geblieben wäre, als in irgend einer Form den Plan Bauers zu akzeptieren. Bauer kann eben nicht zugeben, daß die Sozialdemokraten den Genfer Pakt nicht stürzen konnten, weil sie dazu nicht die nötige Kraft und Selbstsicherheit gehabt haben, namentlich weil die Massen nicht mitgiugen und niemand in Oesterreich mehr glaubte, daß selbst die Sozialdemokraten es auf sich nehmen werden, daß Odium der harten Spar- und Abbaumaßnahmen aus sich zu nehmen. Dies cinzugestehen, hindert ihn die Sucht, alles, was er und seine Partei getan hat, als gut und richtig hinzustellen und den bösen Gegnern wie -der Macht der Verhältnisse die Schuld zu geben, daß die Partei ihre Absichten nicht durchsetzen konnte. Eine geisttge Potenz wie Bauer hätte es nicht nötig, Rechthaberei zu treiben, und seine Partei wäre stark genug, um auch Fchler und Mißerfolge zugeben zu können. Im Schlutzkapitel stellt Bauer dar, daß die gegenwärtige Periode der Reaktion nur eine Uebergangszeit zwischen zwei revolutionären Prozessen sei. Er, der früher immer zu beweisen gesucht hatte, daß Oesterreich als selbständiger^ Staat nicht existieren könne, glaubt das noch heute und hofft deshalb auf ein Fiasko der Sanierung. Dann werde wieder ein Vorstoß des Proletariats möglich sein, und vom Verhalten des Bürgertums wird es abhängen, ob cs zum Bürgerkrieg oder zn einem auf dem Boden der Demokratie ansgefochtenen Kampf kommen werde! (Dennoch kommt bei Bauer eine gewisse Sehnsucht nach einem neuen Koalitionsregime zum Ausdruck.) Bauer gibt zwar zu, daß die Volksrepublik keinen Klassenstaat darstellt. Trotzdem wird sie gesttirzt werden durch eine neue Revolution, die dann die sozialistische Ordnung bringen wird. Die Welt hat gerade genug von allen Gewaltmethoden von links und rechts. Es ist daher zu wünschen, daß die englischen Arbeiter ein Beispiel geben, wie man mit friedlichen Mitteln und auf dem Boden der Demokratie die sozialen Fragen löst. Die ewige Verherrlichung des Klassenkampfes an sich und der Revolution als Panazee, das Liebäugeln mit diktatorischen Gewaltmethoden, wie sie Bauer als gelernter Btarxist nicht aufgeben kann, ist nicht geeignet, den Boden für das Kommen des „volksversöhnenden" und „menschheitsbefreieuden" Sozialismus zu bereiten. Eine Partei, die immer nur vom Machtkampf spricht und ihn unaufhörlich betreibt, darf sich nicht wundern, wenn Gewalt gegen Gewalt gesetzt wird. In Ungarn, Bayern und Italien Ware wohl niemals die Reaktion so stark geworden, wenn die Sozialisten in diesen Ländern nicht eine einseitige und überspannte Machtpolitik getrieben hatten. Es kann deshalb die marxistische Sozialdemokratie von. der Schuld daran, daß es heute so trüb in der Welt ausschaut, nicht freigesprochen werden. Immerhin muß nran zugeben, daß in Oesterreich die Sozialdemokratie sich große Derdienste um die friedliche Ueberleitung des alten in das neue Regime erworben hat. worüber Bauers Buch erschöpfenden Aufschluß gibt. " Ad. Em. —d

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.