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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-28 · Heft 1690 (28.10.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1690 (28.10.1923)
Date
1923-10-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Skr. 1694 Wien. Sonntag Wiener Morgenzeitung. 23. Qkober 1923 Seite 3 Lschecho-Slowalei. Ae Mittehr des PMdenten MasM. Prag, 27. Oktober. (Dschecho-ffow. Preßbttvean.) Präsident Masaryk ist heute vormittags hier eingettoffen. Polen. Bor einer neue« Koalitionsregierung? Warschau, 27. Oktober. (Del. der „Wr. Morgenzeit>t,ng".) In der letzten Gejmsitznug teilte Abg. D i a m a n t in einer Rede mit, baß Mmisterpräsi'dent Witos an die linken Parteien hevangetreten pi und ihnen die Dchassung einer Koalitionsregierung angeboren habe. Obzwar ein offizielles Cominnniqne diese MiMikrng denrentiert, sind die hiesigen politischen Kreise von der Richtigkeit der Angaben des Abg. Diamant übevzeugt. Auch Roman Dmowski, orr das Außenministerium übernahmen wird, soll Witos erklärt haben, daß er nur im Falle eines Koalitionskabinetts imstande wäre, das Portefeuille eines A u s; e n m i nisters zu übernchmen. Innerhalb der Regiernngsmajorität sind in den letzten Dagen recht scharfe Konflikte entstanden. Grund hierzu bol das Gefetzesprojekt des Finanzministers Kncharski über die Valorisierung der Stenern. Die Witas- Gruppe, der ausschließlich Bauernd'yu.i irrte a-n-zchören, tritt offen gegen die Balorifi-eruitg der Steuern aus/ Einen nicht minder oppositionellen Standpunkt nimmt auch die Dnban o w i c z - Gruppe ein. Einige Führer der Nationaldemokrcit.'n verh>andeln beoens mit den Sozialdemokraten über die Bildung eines Koal i t i o n s kabinetts .Die Sozialdemokraten mären geneigt, in ein KoalirionÄabinett einzu treten, jedoch nur linier der Bedingung, daß Witos diesem nicht angehört. Auch der Sejmmarschall Rataj hat sich offfziell an die Sozialdenvkra.en und an die Wyznvolenie-Gruppe mit der Anfrage gewendet, welche Stellung sie zur Bildung eines aus Zente'.nn nno deit linken Parteien bestehenden Koalltiorts kabinetts emnchmen würden. Welchen Erfolg diese Verhandlungen haben werden, ist derzeit noch unbestimmt. Jeden falls ist das Bestreb er, zu erkennen, angesichts der katastrophalen Lage eine Koalition heabcizlisühron. Sas Wische Schulwesen. Lin abgelehnter Subventionsantrag des Indischen Klubs. Warschau, 28. Oktober. (Tel. der „Wr. MorgenghittMg".) In der letzten Sitzung der Unterrichtskominffsion kam der D ring l i ch k e i tsa n t ra g des Jüdischen Klubs über - die st a a t l i ch e Subventionierung des jüdischen Schulwesens zur Behandlung. Der Referent Rabbiner Dr. Lew i n wies daraus hin, daß unter allen Polen bewohnenden Nationen die Jtlden am meisten im Schulwesen benachteiligt seien. Es gebe bis heute in ganz Polen ferne Staatsschule, welche den kulturellen Interessen der Jitdenhejt entspreche. Daher seien die Juden genötigt gewesen, eigene Volksschulen zu errichten. Es gäbe unter den jüdischen Elementarschulen drei Typen, die von den orthodoxen Juden erhaltenen Schulen, in denen das Hauptgewicht auf [f 3Vi£nJ. JVildptettnarkk 2t Oft I *JH&deles jns^JUa^£cmit jR&bes, Mestumes.Jflcmteauxi Seogomns et^oterrures iTelefon 05373. kl Mitgebrachte Stoffe werden zur^Verarbeitung angenommen die jüdische Religion gelegt werde, ferner die von der Zionistischen Organisation und von der Tarbuth erhaltenen Schulen, welche besonders den nationalen Charakter betonen und dem Unterricht in der h ebrätschen Sprache großen Platz einräumen, jedoch alle übrigen Gegenstände in polnischer Unterrichtssprache lehren, und endlich die von der jüdischen Arbeiterschaft erhaltenen Schulen, welche jüdische Unterrichtssprache haben. Nach Artikel 109 der Verfassung se i d e r Staat verpflichtet, die Schulen der nat i o na le n M i nderheite n zu subventionieren, wenn er nicht selbst Minderheitsschulen errichtet. Das Referat gipfelte in dem Antrag, daß die Regierung aufgefordert werde, ständige Subventionen allen jiidischen Volksschulen zu gewähren, welche dem Typus einer Elementarschule entsprechen. Der Antrag rief eine ausführliche Debatte hervor, in welcher die Rechts- und Linksparteien in seltener Uebereinstimmung sich gegen die Subventionierung des jüdischen Schulwesens anssprachen. Zn erwähnen ist, daß der Vertreter der polnischen Sozialdemokraten gegen die Subventionierung der jüdischen Volksschulen sprach, mit der Begründung, eine solche Unterstützung würde den jüdischen „Separatismus" fördern. Damit aber etwaigen jüdischen Wählern Sand in die Augen gestreut werde, fand der sozialdemokratische Deputierte am Schluffe seiner Rede, es wäre eher angänglich, die jüdischen Mittelschulen zu subventionieren. Auch der ablehnende Standpunkt des Vertreters der Wyzwolemie-Gruppe, der am weitesten links stehenden bürgerlichen, beziehungsweise bäuerlichen Oppositionspartei, verdient hervorgehoben zu werden, weil er damit [Traget Schuhe! begründet wurde, daß die Juden kein Volk, sondern nu> eine Religion und eine Rasse, seien, daher brauchten st kein nationales Schulwesen. Der Antrag dei Jüdischen Klstbs wurde abgelehnt. Deputierter Le w i n meldete ihn als M i n d e rhe i t s a n t r a g für dai Plenum an, was jedoch der Vorsitzende der Kommission vorläufig ablehnte, bis er über die geschäftsordnungs mäßige Zulässigkeit eines solchen Mindevheitsantrage: die Entscheidung des Sejmpräsidenten und der Geschäfts ordnungskommission eingeholt habein Würde. Rücktritt der Lemberger Woiwoden tzrabowrti Lemberg, 27. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung". Der Rücktritt des durch seine antisemitische Amts führung bekannten Woiwoden Grabowski scheint nur doch Ernst werden zu wollen. Bor.einigen Tagen traf hier ch höherer Beamter des Jnnenmimstcrinms aus Warschau ein der gestern dem Woiwoden ein ans unbestimmte Zeit Xautcatbcj Urlaubsdekr et einhändigte und die Amtsgeschäfte den ehemaligen Hosrat der Statthalterei Zimny übergab. Di' Nachricht, die in weiten Kreisen der Öffentlichkeit begreifliche. Aufsehen erregt hat, wird mit gewissen Verpflichtungen h Verbindung gebracht, die bei Bildung der gegenwärtiger Regierungsmajorität seitens der Rechtsparteien gegenüber de? Witos-Partei eingegangen wurden. Rußland und Polen. Warschau, 27. Oktober. (Tel der „Wr. Morgenzeitung". Nach hier ein getroffenen Meldungen soll Trotzky.cmf de' letzten Konferenz der svwjetruffischen Metallarbeiter in ein?) längeren politischen Rede über die gegenwärtige internationale Lage erklärt haben, daß Rußland nicht die Ab sich habe, einen Krieg gegen Polen zu führen. In der Außenkommiffion des Sejm wird die Oppo siition die Verlesung des authentischen Textes.dieser Rede ver langen, da die halbofsizielle Ostagentur die Rede falsch wiedergegeben haben soll. Es verlautet, Trotzkh habe in seine) Rede erklärt, Rußland werde, falls Polen die Forderungen Sowjetrußlands bezüglich ..des Tranfitverkchres über Poler nicht a-miehme, entsprechende Konsequenzen ziehen. Poler müsse eine Brücke zwischen Rußland und Deutsch, land bilden. Rußland wolle keinen Krieg führen, es werde jedoch seine Isolierung von Deutschland nicht dulden. Emissionsbank und Verkauf von EtaatsMem Warschau, 27. Oktober. (Tel. der ,Mr. Morgenzeitung".) In den nächsten Tagen wird der Finanzminister dem Sejm den Gesetzentwurf über die Schaffung einer Emissionsbank mit einem Grundkapital von 120 Millionen Gold, Silber und anderen Pretiosen .vorlegen Die Bank würde nur 300 Millionen emittieren. Dein Direktorium sollen nur vom Staatspräsidenten, ohne Einflußnahme des Sejm, ernannte Personen angchören. Zur Deckung des Staatsdefizits sollen Staatsgüter, wie Wälder, Salzgrn'ben und dergleichen, verkauft werden. Diese Verkäufe sollen durch speziell organisierte Mtiengesettschafien dnrchgeführt werden. Auf diese Weise will man, da bisher die Bestrebungen auf Erlangung einer Ausländsanleihe keinen Erfolg hatten, zu einer Sanierung der Finanzen gelangen. Ein Teil des Kabinetts tritt auch für die Einführung einer Finanzdiktatur. ein. Der Sejm soll nach >ö st erreich! s ch c in Muster der Regierung Vollmachten erteilen. Diese Forderung Am besten u. billigsten fSchiffmann II., TaborstraBs 48 Telephon 47*1-79 En gros En detafit Sie amerikanisch-iMsche WeKbersetzuW. Von Sigma. Die amerikanlsche Judenheit hat ein Weck v-.tl'. rächt, auf das sie stolz sein kann und um das die viel älteren, jüdischen Gemeinschaften in Europa allen Anlaß haben, sie zu beneiden. Sie hat eine Uebersetznng der Bibel herausgegeben, die in wissenschaftlicher, stilistischer und nicht zuletzt in typographischer Beziehung eine vollendete Leistung darstcllt. Die Englisch sprechende Judenheit hat somit ein Ereignis zu verzeichnen, das Berufen ist, tu der Geschicht.l ihres geistigen und religiösen Lebens geradezu Epoche zu machen. Nicht als ob es etwa an englischen Bibelübersetzungen gemangelt hätte, aber es mangelte an einer jüdischen Bibelübersetzung ins Englische, die auf der Höhe der neuesten wissenschaftlichen Forschung stände nüd zugleich popnl ä r wäre, im besten Sinne des Wortes den breiten Massen der Gebildeten durch Ausstattung, Umfang und Stil zugänglich. Die Jewish Publication Society unteritahm es schon im Jahre 1892, dent Bedürfnis zu entsprechen und setzte ein Heransgeberkomitee ein. Es wurde ittdessen immer klarer, daß dieser Weg ein sehr langwierigen und beschwerlicher war, und daß es Jahrzehnte dauern, müßte, bis das Gesamtwert das Licht der Welt crblickctw würde. Im Jahre 1903 wurde Dr. Salomon Sch echt er, Professor der rabbinischen Literatur und Sprache an der Universität Cambridge in England, als Präsident des Jewist) Theological Seckinary of America nach New-Uork berufen, und in diesem Manne gewann die jüdische Welt» in den Bereinigten Staaten eine ganz ausnchmlich hervorragende Kraft. Dr. Salomon Scheck)ter war einer der vielseitigsten ffidischen Gelehrten der letzten Generation, er beherrschte meisterhaft alle Gebiete der jüdischen Literatur, hat sich als Editor alter Autoren sowie als Essayist bekannt gemacht. Berühmt wurden feine Genizah-Funde, von denen der wichtigste wohl der hebräische Bew Sira war. Allein Schechter, dieser galizisch-rumän-ische Jude, den ein glückliches Schicksal frühzeitig über Deutschland nach England, dann nach Amerika entführte, galt in der anglosächsischen Gelehrten- :tltd Schriftstellerwelt als einer der glänzendsten und gediegensten englischen Stilisten. Das Komitee konstituierte sich neu und wählte den Professor Schechter zu seinem Vorsitzenden, und im Jahre 1908 faßte die Jewish Publication Society of America im Verein mit der Central Conference of American Rabbis den Beschluß, die Bibelübersetzung nach einem veränderten Plan zu vollenden. Anstatt jedes Buch einem besonderen Uebersetzer zu übertragen und dann die einzelnen Arbeiten von einem Herausgeberkomitee revidieren und untereinanider in Einklang bringen zu lassen, sollte das ganze Werk die gemeinsame Arbeit eines Uebersetzerkomitees sein. In dieses. Komitee wurden gewählt^ Dr. Salomon S ch c ch t e r, Dr. Cyrus Adler, Doktor Josef Jacobs als Vertreter der Jewish Publication Society of America; Dr. Kaufmann Köhler, Dr. David P h i l i p s o n, Dr. Samuel S ch u l m a n n als Repräsen- .tanten der Central Conference of American Rabbis. Diese sechs Männer wählten als siebenten deg Professor Dr. Max L. Mar g olis und er wurde zugleich als Hauptherausgeber bestellt. Zum Vorsitzenden dieses Uebersctzerkomitees wurde Dr. Emus Adler gewählt. Derart waren in dem Komitev die drei großen aincrikartischen Lehrstütten für die Wissenschaft des Judentums repräsentiert: Das Jewish Theolog i c a l S c nt i n a r y o f A ttt c r t c a durch Dr. Schechter, das H e b r e w Union College durch Dr. Kaufmattn Köhler, das D r o p s i e C o l l eg e s o r Jewish and Cognate Learning durch Professor Max L. Margolis. Während der Jahre 1908 bis 1915 wurden nun sechzehn g e m einsame Sitzungen abgehaltcn, von denen jede mindestens zehn volle Tage dauerte. Jeder Punkt wurde gründlich dnrrhgesprochen und die Ansicht der Mehrheit dem Manuskript einverleibt. Von Zeit zu Zeit waren Stlbkontitees an der Arbeit, um offen gelassene Fragen durch-! zuberaten: ihre Entscheidungen wurdm» dem Uebersetzerkomitee unterbreitet, welches darüber abstimmte. Bevor das Manuskript in Druck gegeben wurde, wurde es nochmals untersucht, um alle Vorschläge und Aenderüngen,' die im Laufe der sieben Jahre gemacht wurden, miteittander in. Einklang zu. bringen. Die erste Korrektur des Gesamtwertes wurde jedem Mitglied zur Revision zugesandt. Alle vorgeschlageneir Verbesserungen wurden registriert, und diejenigen, aus die sich eine Mehrheit einigte, wurden beibehalten. Gegen 300 Fällen welche weder Prof. Margolis, ttoch der Vorsitzende. Cyrus Adler, die Verantwortung übernehmen wollte, wurden auf der letzten gemeinsamen Sitzuitg, die im Herbst 1915 abgehalten wurde, nochmals durchberatetz. Daraus wurde eine zweite Korrektur hergestellt, von Margolis und von Adler sorgfältig mit der ersten verglichen, kleine Verschiedenheiten Und Abweichungen wurden ausgeglichen, wobei die einzelnett Uebersetzer brieflich um Rat gefragt wurden. Außerdem wurden mehrere Korrekturen gelesen und noch in jedewt Stadium der Drucklegung die Uebersetzung mit der Nrschrift verglichen. Häufig wurden ganze Abschnitte umgesetzt, nur um das typographische Bild schöner zu gestalten. „Jede Maßnahme'wurde ergriffen, um die Edition von jeglichem Gesichtspunkt ans anziehend zu machen. Keine Arbeit, keine Kosten wurden gespart." Jakob H. Schiss hatta der Gesellschaft für den Bibelfonds das nette Sümmchen von 50.000 Dollar zur Verfügung gestellt. Derart vereinigte das Uebersetzerkollegittm in sich die Repräsentanten aller religiösen Richtungen int Judentum, die wissenschaftlich vorzüglich für ihre Aufgabe ausgerüstet waren. Vor allen Dingen brächten sie eine gediegene Kenntnis des Hebräischen in allen seinen Entwicklungsphasen mit, hatten die Kenntnis dieser Sprache nicht erst in späteren Jahren mit Grammatik und Wörterbuch in der Hand erworben, sondern sie gleichsam mit der Muttermilch eingesogen. Mit der Bibel waren sie von. Kindesbeinen an in der Ursprache vertrant. Tie alten jüdischen. Kommetttare, die Hoinilien des Talmud und des Midrasch, waren die steten Begleiter ihrer Studien gewesen. Und auf dieser Basis baute sich bei ihnen der tnodern wissenschaftliche, krittsche - Apparat ans. Das ermöglichte ihnen, auf eine unveraleickliche

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