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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-27 · Heft 1689 (27.10.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1689 (27.10.1923)
Date
1923-10-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Skr. 1689 Men, Samstag Wiener Morgenzeilung. 27. Oktober 1923 .Sette Ä Nach den neuen Bestimmungen sollen zwölf Befvkdungsgruppen gebildet werden. Sie ist übrigens gleichfalls auf dein V e r w e n d u n g s p r in zi P aufgebaut und sieht aus Gründen der Wirtschaftlichkeit die Gewährung von Tantiemen und Prämien an das Personal vor, soweit dieses an Verbesserungen und Ersparnissen im -Betrieb aktiv mitgearbeitet , hat. Man denkt dabei hauptsächlich auch an Ersparnisprämien für den Verbrauch und für den Einkauf von Kohle. Gleichzeitig mit der Einführung der neuen Besoldungsordnung. die noch im Laufe dieses Jahres zur Einführung gelangen soll, ist' eine Regelung der Titelfrage beabsichtigt. Me unteren Kategorien fotlen Hilfsbeamte, die mittleren Beamte und die oberen Oberbeamte heißen. Ungarn. Ae höhere Shre eines Ministers. Budapest, 26. Oktober. Der Budapest«! Strafgerichtshof verhandelte heute den Prozeß, den Justizminister Dr. N a g y gegen den Redakteur des Montagblattes „A Reggel", Lazar, wegen Verleumdung angestrengt hat. Dieser hatte im vergangenen Sommer den Minister in einem Artikel beschuldigt, -dem Mg. Friedrich vertrauliche Daten über die GratiSaktienaffäre zur Verfügung gestellt zu haben. In der heutigen Verhandlung erklärte Lazar, er habe sich inzwischen davon überzeugt, daß seine Behauptungen nicht der Wähch°.it entsprechen. Er halte es daher für seine moralische Pflicht, dem Minister um Entschnl'digung zu bitten. Da Dr. N-agh erklärte, daß er als Privatperson sich mit dieser Abbitte begnügen würde, in seiner Eigenschaft als Minister jedoch auf einer gerichtlichen Genugtuung bestehen müsse, verurteilte der Gerichtshof den Angeklagten zu sechs M on a t e n Gefängnis und 300.000 St. Geldstrafe. Polen. Aenderungeu in der Regierung? Beuche«, 26. Oktober (Wolfs.) Nach einer Meldung der „Oberschlesischen Grenzwacht" finden seit einigen Tagen in Warschau wichtige politische Beratungen statt, an denen u. a. Dwowski und Korfanty, der aus Paris znruckgekchrt ist, teilnchmen. Heute sei eine A e n d erung im Kabinett beschlossen worden. Dwowski soll das M i n i st e r ium d e s Ae u ß e r n, Korfanty das Ministerium für Handel und Industrie -übernehmen. -er Miktritt der Außenministers. Warschau, 26. Oktober. (Del. der „Wiener Margenßeitnng") Es. steht bereits fest, daß Außenminister Seyda seine Demission gegeben hat. Wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, soll bereits in den nächsten Tagen die Ernennung des Leaders der Nationaldemokratischen Partei Roman Dwowski zu dessen Nachfolger erfolgen. Paßzwang in Polen! Warschau, 26. Oktober. (Tel. der „Wiener Morgenzeil-ung.") In der letzten Sejmsitzung wurde über ein Gesehesprojekt des Innenministers, betreffend die Paßpslicht für alle Einwohner Polens beraten. In der Debatte erklärte Abg. P u 1 i k, daß durch diese Einrichtung, die von Rußland übernommen und nur für das ehemalige Kongreß-Polen galt, weitere 16 Millionen der Willkür von Polizeiorganen ausgeliefert würden. Wenn die Regierung einige Tausend ihr unangenehme Einwohner aus diese Weise aus Polen wegbringen möchte, so solle sie sich anderer Mittel, bedienen. Abg. Grünbaum erklärte, daß durch diese Verordnung die Unifizierung der Gesetzgebung eingeleitet werden soll. Statt in Kongreßpolen den nach russischer Art cingesührten Paßzwang auszuheben, wolle man den umgekehrten M-eig gehen. Nach längerer Debattewurde der Antrag ans Uebergang zur Tagesordnung mit 175 gegen 173 Stimmen abgele.hnt. Das Gesetzesprojekt wurde sodann nach der ersten Los" na der V e rw a l t u n g s k o mmission überwiesen. Streiks. Warschau, 26. Oktober. (Tel. der. „Wiener Morgenzeitung".) Während im Kohlenrevier von Domlbrowa die Unterhandlungen mit den Grubenarbeitern, wie erwartet wird, zu einer Verständigung führen dürften, breiten sich die Streiks aus anderen Wirtschaftsgebieten aus. Die Arbeiter der L o d z e r Textilindustrie haben beschlossen, den allgemeinen Streik zu proklamieren und sich an andere Fachverbände mit der Bitte um einen Sympathiestreik zu wenden. Der Eisen b ahnerstreik gewinnt an Ausdehnung. Er hat bereits auf Lodz übergegrifsen, so daß der Zugsverkehr Lodz—Warschau Unterbrochen ist. Der Verkehr der Züge K r a k a n—W arschau ist durch den Streik der Krakauer Eisenbahner unterbunden. Die Landeseifenbahndivektion bereitet die M i l i» tarisreruug der Eisenbahnen vor. Das Personal der Krakauer Postdirektion ist in den Ausstand getreten «nd es besteht Grund zur Annahme, daß der Poststrük sich ausdehnen werde, da der Zentralverband der polnischen Postbeamten den Anschluß an den Eisenbahnerstreik in Erwägung zieht. Für heute neue Demonstrationen angekündigt. — Pirner gegen Döller. Die vom Rektor Dr. Döller am schwarzen Brett der Wiener Universität angeschlagene Mißbilligt! ngskundgelmng ist von den. nationalsozialistischen Studenten mit einem Werbungsa-ufruf beantwortet worden, der, mit dem Hakenkreuz geziert, just neben dem Anschlag des Rektors angebracht wurde und das Zulassungsvisum der Uwiversitätsbehörde trägt. Die Ruhe wurde gestern nicht gestört, doch sind für heute anläßlich des Samstagbummels der völkischen und katholischen Couleurverbindungen neue lärmende Demonstrationen angesagt. Der Rektor Doktor Döller, der gestern vormittags mit den: Bundeskanzler Dr. Seipel übel' die Vorgänge an -der Universität konferierte, erklärt, daß er entschlossen ist, die Ruhe der Vorlesungen zu sichern. Die völkische Studentenschaft dagegen verharrt auf ihrem Standpunkt, keine Juden als Lehrer oder Hörer zu dulden und sie will dies -durch Demonstrationen bei der für Montag mittags angesetzten Rektorsinauguration dolunrentieren. Bei dieser Feier will der ab tretende Rektor Diener den von ihm programmgemäß, zu erstattenden Jahresbericht zu einer völkischen Kundgebung benützen und so seinen Widerspruch gegen Döller offen darlegen. Einer Stu-dentenubordnung gegenüber erklärte, der Ünierrrchtsnliuister Dr. Schneider, -daß er -das Vorgehen der nationalistischen Studenten ans das schärfste mißbillige, daß er aber nur daun einschreiten könnte, wenn ihm von einer der beteiligten Gruppen eine Beschwerde zuginge. Die Abordnung uvgievte weiter die schon längst vo-n der Regierung zugesagte Umwandlung des Garnisousspitals 1 in ein Studentenheim. In -diesem Spital sind trotz aller Wohnungsnot elf Wrange-l- Offiziere und hakenkreuzlerifche Institutionen untergebracht. Der Minister konnte jedoch keine erschöpfende. Auskunft erteilen, weil diese Angelegenheit nicht in seine Kompetenz falle, sondern Gegenstand interministerieller Beratungen sei. Eine zweite Abordnung erschien beim Rektor der Universität Dr. Döller, der gleichfalls seiner schärfsten Mißbilligung über die Vorgänge am Mittwoch Ausdruck gab. Im übrigen gab er den Studenten -den Rat, ruhig die Stellungnahme des akademischen Senats abzuwarten, die sehr eindeutig ausfallen werde. Um die für Samstag neuerlich zu befürchtenden Krawalle an -der Universität zu verhindern, .wird der alkademische. Senat eine Kundmachung erlassen, worin den Studenten die Ausrechterhaltuug der Disziplin anbesohlen wird, widrigenfalls schärfere Maßnahmen ergriffen werden nmßtsn. Ans Grund der Erklärungen des Unterrichtsministers und des Rektors wird sich >der Deutsche Studentenbund, eine unpolitische Organisation', nun mit einer Beschwerde an das Ministerium .wenden und die Disziplinavuntersuchung gegen die SchuMrageNden im Sinne, der akademischen Gesetze verlangen. Der völkische Radau an der Hochschule für Bodenkultur. Donnerstag hätte die feierliche Einsetzung des neuen Rektors der Hochschule für Bode nkult.u r Hofrat Dr. Karl Hoffmeister stattfinden sollen. lieber Forderung der Studentenschaft mußte die Feier abgesagt werden. Hierzu erfährt die „Reichspost": Die Studentenschaft >hat in Erfahrung gebracht, daß für das Wintersemester s -e ch s Ostju d e n inskribiert >haben und verlangt die Rückgängigmachung dieser Einschreibung. Eine Deputation der Studentenschaft erklärte die Inauguration des neuen Rektors nicht eher zuzulassen, als ihre Forderung vom Rektorat erfüllt wurde. Um Auseinandersetzungen und Ausschreitungen zu v-echrndern, wurde, die Inauguration v e rf ch ob en. Die Inskription der Juden ist auf einen neuen Beschluß des Professorenkollegimns, Juden aus dem Auslände n u r d a n n a u f z u n e h m e n, tvenn sie mit Auszeichnung maturiert haben, hin erfolgt. Diester Bedingung entsprechen die sechs Ostjuden. . Ovationen für Rektor Heiderich. Der Rektor der Hochschule für Welthandel Hofvat Pvolfessor Dr. Franz Heiderich feierte am Donnerstag feinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlasse sprachen die Vertreter der jüdischen und slawischen Hörerschaft ge* stern mittags in der Rektoratskanzlei vor. Die Mischen Vertreter überreichten eine Denkschrift folgenden Wortgutes: „Die Vereinigung der jüdischen Hörer an >der Hochschule für Welthandel erlaubt sich Euer Magnifizenz zum 60. Ge-buvtstag die wärmsten, aus vollem Herzen kommenden Glückwünsche darzubringen. Wir bitten Eure Magnifizenz, dessen eingedenk zu sein, daß ungeachtet .des immer wivderkchrLnden Vorwurfs, daß di« Juden sich in erster Linie dem Gelderwerb zuwenden und einer materialistischen Weltanschauung uachhäugen, .sich gerade immer unter jungen jüdischen Leuten Idealisten, Märtyrer ihrer Überzeugung, Fanatiker der Wissenschaft gefunden halben. Wir, die Bereinigung jüdischer Höver an der Hochschule für Wel-thandel, sehen mit Bewunderung zu Euer Magnifizenz auf, die in einer Zeit, da Menschentum und Menschen'wert fast nur vom materialistischen Gesichtspunkte gewertet werden, ausschließlich der exakten Wissenschaft lebt. Wir wünschen und hoffen, daß Eure Magnifizenz nicht nur unseren Studienweg zü Ende begleiten wird, sondern auch noch durch Dezennien hindurch Äas Licht der Wissenschaft über junge Leute leuchten lassen werde, die. so wie wir gewillt sind, Wissen U!«d Wissenschaft höher zu werten als die Erwerbung mvterieller Güter. Für die Vereinigung der jüdischen Hörer 'der Hochschule für Welthandel: Zdenko Rabl, Haus Kolba n." In feiner Antwort erklärte Rektor Heiderich, -daß er so wie bischer unter den Studierenden: keinen. Unterschied hinsichtlich Konfession und Rasse kennen werde und daß es sein Bestreben ist, nicht Rektor einer einzelnen Studiengruppe, sondern der ganzen Studentenschaft zu fern. Die feierliche. Einführung des Rektors Heiderich in sein Amt findet Dienstag um 12 Uhr mittags im Festsaal der Hochschule für Wel-thandel statt. Der abtretende Rektor Hofrat Dr. Grunze! -wird seinen- Jahresbericht erstatten und Hofrat H e i -d e r i ch sodann einen Vortrag über,Mesen und wissenschaftliche Stellung:der Wirtschaftsgeographie" halten. Die Polizei und dev akademische Boden. Wir hatten vor kurzem Gelegenheit, einen höheren -Poliz-eifunktionär 'über die Autonomie. der Hochschulen zu .befragen, insbesondere ab es irgend ein Gesetz gibt, .welches der Polizei das Betreten des akademischen Badens ausdrücklich verbietet. „Nein, ein solches Gesetz gibt e.s nicht und hat es niemals gegeben. Die Autonomie der Universität ist lediglich ein historisches Recht, 'das aus der Zeit datiert, da Re Universität -noch ihre eigene Gerichtsbarkeit hatte. Diese Tradition hat sich bis auf die heutige Zhit erhalten und die Behörden haben sie aus Taktgefühl geachtet und geschont. Eine Vorschrift, die es den Polizeiorganen verbietenwürde, den Boden der Universität zu betreten, gibt es, wie gesagt, nicht, und die Sicherheitsbehörde würde sich im Falle de-r Nottvendigkeit natürlich auch gar nicht abhalten lassen, ihre Pflicht zu tun." Eine ähnliche Auskunft erhielten wir auch im Unterrichtsministerium. . Da liegt die Frage na-he, warum man nicht einfach mit dem ganzen Plunder verstaubter, akademischer Hoheit aufräumt und sich noch immer an die Tradition klammert. Schon vor dem Kriege war die Universität der Schauplatz wüster ^z-esse und «ach dem Frieden ist sie es noch viel mehr gsworden. Eine kleine Gruppe von Schreiern und nationol-chanv i nistischer Krakeelern. benützt den akademischen Boden zu rüdester JNdenhetze und macht den Ort, 'der eine Stätte, der Bildung und der Kultur sein sollte, zum Herd nationalistiisch-koNfessioneller Ra'daupolitik. Das kanr nicht so weiter geduldet werden. Ein so hohes außerordentliches Vorrecht, wie di? Autonomie der Universität, muß erst verdierrt werden. Früher hatte der Rektor für solche Fälle eine stattliche Anzahl von Pedellen als Universitätspolizei zur Verfügung. Heute sind die Pedellen Schuldiener, daher muß eben eine andere, dazu h\ rechtigte Gewalt aus dem sogenannten akademischen Boden Ordnung machen. Sentimentalität ist da nicht mehr a-w Platze. Rumänien. Reue Unruhen an der Mausenburger Universität. Ans Bukarest meldet I. C. -B.: An der Universität Kla-n s-e nb u r g kam es in den allerletzten Tagen zu Schlägereien zwischen rumänischen und jüdischen Studenten. Zwei jüdische Studenten erlitten so schwere Verletzungen, daß sie in das Krankenhaus nbersührt werden mußtet». PalMm. Jerusalem, 25. Oktober. (I. C. B.) „El Marmel" verzeichnet wieder die Nachricht, daß König Hussein von H e df ch a s demnächst in T r a n s j o r d a n i e u eiutressen mm-Mi wird. Die Zeitung fordert dio arabische Exekutive zur Zurückhaltung' in den Unterhandl-nngen um der Palästina-Regierung auf, dwm-it 'den zu erwartenden Schritten König Husseins nicht vor ge griffen werde. Reibungen zwischen den arabischen Harteien. Jerusalem, 25. Oktober. (I. C. B.) Die i-n Haifa -n'- scheinende arabische Zeitung „Annaphir" teilt mit, sie habe ein von den Dorfältesten aus 16. arabischen Dörfern unterzeichnetes Schriftstück erhaw-n, in welchen! -di-. Nnrc-rzeichner erklären, daß sie die muselmanische nationale Vereinigung nicht als i h r -e 'De r t r e t u n g auer-ke-uuen. Die Zeitung ab el Makde s" klagt darüber, daß unter den Arabern Disharmonie herrsche, und ständig Differenzen auszutragen sind, während die Juden, Zionisten und Nichtzionisien -alle einig sind.'Die Zei-rn-n-g greift die -vor kurzem gegründete a -r a b i s ch e P arte i an und fordert alle Araber zur Einigkeit auf. II., TaborstrüSe 48 Tolepho:? 47-1-79 iPOS Sn «äeiall

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