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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-26 · Heft 1688 (26.10.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1688 (26.10.1923)
Date
1923-10-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette 9 Wien. Frerta-, Die Rernerung überlerstL da^ Nuhrgcbiet > nicht seinem Schicksal. Hagen, 25. Oktober. In einer Besprechung über die Sage im besetzteil Gebiet, au der der Reichskanzler mit den Reichsmi ul st e r n für die bese tz t e n Gebiete und des Inncrn, der Preußische Ministerpräsident und Verirrter der politischen Parteien sowie der Wirtschaftskreise aus den verschiedenen Teilen des besetzten Gebietes iciIiKil>mcu, erklärte Dr. Stresemaun.mit allem Nachdruck, daß die Neichsregieruug nicht im entferntesten daran denke, das besetzte Gebiet seincm.Schicksal zu überlassen. Alle in dieser Hinsicht bestehenden Befürchtungen sind absolut unbegründet. Zn den s e p a r a t i st i sch cn Versuch e n' bemerkte der Reichskanzler, daß nach wie vor die Zurückweisung solcher vaterlandsloser Bestrebungell erwartet werden müsse. An die Darlegirngen des Reichskailzlers schloß sich eine mehvstündige Aussprache. Bor allem wurde dabei von den Vertretern des besetzten Gebietes auf die mit der ungeheuren Erwerbslosigkeit ititb Lebeilsmittclnot für das besetzte Gebiet verbundenen Gefahren hingewiesen und die Schaffung eines wertbeständigen ZahIumittels für dieses Gebiet als besanders dringlich bezeichnet. Die Vertreter der Reichsregierung sagten möglichste Hilfe zn. Eül v o rläufige's wertbeständiges Zahlungs-, mittel wird »ach Mitteilung des Vorsitzenden der. Rheinischen Städte-Bereinigung voll dieser mit Genehmigung der Reichsregierung geschaffen werden. Ferner wurde mitgeteilt, daß die P a r t e i e n des besetzten Gebietes zur Sicherung einer ständigen engen Fühlungnahme untereinander llnd mit der Rcichsvegierung und zur Mitwirkung bei den notwendigell Verhandlungen auf wirtschaMchem Gebiet bereits einen Ausschuß von 15 Mitgliedern eingesetzt haben. Das separatistische Bayern gegen die reichstreuen Pfälzer. München, 25. Oktober. Wie verlautet, hat die bayrische Staatsregierung gegenüber den Bestrebungen des Reichstagsabgeordneten Hoffmann und Genossen folgerrden Standpunkt eingenommen: 1. Den Beamten wird verboten, sich einer verfassungswidrigen (?) Regierung in der Pfalz zur Berfiigung;u stellen. 2. Die bayrische Staatsregierung wird alle Rechte ihrer Beamten lvahren. Finanzielle und wirtschaftliche Unterstützung sowie alle änderest bisherigen Subventionen unterbleiben gegenüber einer pfälzischen Republik. Diese Maßnahmen treten in dem Augenblicke in Kraft, in dem eine verfaffungswidrige Regierung in der'Pfalz ausgerufen wird. Ein Zehn - Milliarden - Brotpricks. Berlin, 25. Oktober. Der Preis für ei n e n Laib Brot ist für Berlin von heute ab auf 10 Milliarden erhöht worden. Begründet wird die Erhöhung mit dem weiteren Steigen der Mehlpre'rse. 5V0-Milliarden-Notenl Berlin, 25. Oktober. Infolge der ungeheuren Geloentwerrung der letzten Tage und des dadurch gesteigerten Bedarfes an Zahlungsmitteln ist die Reichsbank gezwungen, die frühere Reichsbanknote zu 5000 Mark mit einem Ueberdruck auf den neuen Wert von 5 00 Milliarden Allark erhöht in Verkehr zu bringen. Tie Reichsbank beabsichtigt, demnächst Billionenscheine auszugeben. Die Anforderungen an die Reichsbank überstiegen heute alles bis her schon Da gewesene. Es wurden für nicht weniger als e i n e T r i l lion Zahlungsmittel gefordert. Die Reichsbank konnte diesen Anforderungen nicht genügen und mußte scharfe Repartierungen vornehmen. Im übrigen sind Maßnahmen getroffen worden, um die R o i e n P r o d ü k t i o ft von kommender Woche an auf 4 00.000 Billionen, also nahezu eine halbe T r r l l io n, zu erhöhen. Streikverbot in Berlin. Berlin, 25. Oktober. (Wolfs.) Vom Befehlshaber im Wehrkreis 3 (Berlin imfr Brandenburg) ist ein Verbot de.r Aufforderung zur Arbeitseinstellung in lebenswichtigen Betrieben ergangen. Als lebenswichtige Betriebe sind auch sämtliche Noten» d r u ck e r e i e n anzusehen. Die Buchdrucker haben heute mit drei Fünftel der abgegebenen Stimmen den Streik beschlossen. Die Vertreter der Gewerkschaften umd der Sozialdemokratischen Parte« nahmen gegen diesen Beschluß Stellung und lehnten es ab, in die Streikleitung emvzutreten. Die Strerklertuing sucht -mit den Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei zu einer Einigung.zu gelangen. Wahrscheinlich werden morgen in den einzelnen Betrieben Abstimmungen über die Frage des Streiks stattfinden. „Fudenhenschaft in Beutheu." Eine Provokation der Pogromifien? Breslau, 25. Oktober. (I. C. B.) Der Borslaue der deutschen Partei i» Schlesien hat eine Eingabe an das Wehrkreiskomm an do 8 zu Händen des Generals v. Horn gerichtet, in welcher Schritten wird, daß die in letzter Zeit in Beuchen sich häufenden Exzesse gegen Juden durch völkische Organisationen organisiert sind. Weiterhin wirdhe-» lumptet: „Unter Weisung der Schupo hat sich nunmehr eine - bewaffnete und gut bezahlte Judengarde ^bildet, hie sogar im ' Besitze der „Polizeipfeife" ist. und hie mit Hakenkreuz versehenen. StraßengäugLr belästigt und bedroht. Eine Jüdin wagte es, zu bchaupten, daß ihr „Anhang" bei Zohllmg von zwei Millionen 30 Christen töten iotinfcc," Wiener MoENgeitunft.__ In der Eiugab-.' wird auch darüber geklagt, daß bei Boltischen Hauödllrchsuchuilgell [taltfinbcu, „wodurch die Iudcu ermiltitzt lverden, das deutsche Empfindell mit Fußen zu treten". Die Eingabe schließt: „Wir' glaube», daß diese kurze Darstellung genügt, um zu zeigen, wie stark di« Jndenherrschaft in Beuthell ist, und sind überzeugt, daß das dortige Kommando ciugreist, bevor die kochende d e >l t s ch e B o l k s s e c l e z u r Selbsthilf« schreitet." llnterzetchnct ist die Eingabe von dem Vorstand der Deutschen Partei, Bergassessor v. Damm. Re deutsche Krise und die Weltkrise. Mn hat oft hie Frage erörtert, ob der Einfluß der inneren Politik bestinlulend a-nfdic äußere oder 'das Uillgekehrte der Fall ist. Der objektive Beobachter kann nur konstatieren, daß bei aller Wichtigkeit der inneren Berhältmsse, und speziell dtzr Stacke der einzelnen politischen Parteien für die Beziehungen der . Völker und Staaten zueinander, in letzter Linie doch die äußere Politik fast immer der elüischeidentbe. Faktor ist. Die heutige Lage Europas und die Zriisammensetznng der Parlamente sowie die zahlreichen ungelösten Probleme sind ja in letzter Linie doch eine Konsequenz des Weltkrieges sowie .der folgerrden in-neremNmmÄzungsn. Da aber diese keine einzige der verschiedenen europäischen Streitfragen nationaler, religiöser und wirtschaftlicher dtatur lösten, so ist die Weltkrise, die, zum Weltkriege führte, chronisch geZvorden u>rd kanrr jeden Moment -wieder akut werden. Die momentane Gefahr droht von Berlin, i&if die deutsche Frage endgültig gelöst werbe,t wird, kann niemand mit Sicherheit voransbesftrnmen.' Dies hängt von verschiedenen Faktoren. der inneren und äußeren Politik ab. Nur eines scheint gewiß: Das alte zentralistische Preußen- Deutischland der Hohenzollern — die SchöpftlNg Bisnrarcks — gehört der Vergangenheit an. Die großpreußische Politik, welche die Teu>t>sch-Oesterreicher aus Tenischta-nd hinausdrängte, sich einerseits mit dom zaristischen Rußland' und andererseits anit dem /Mischen Erbfeind" solidarisch gegen den demokratifchen Westen erklärte, den österreichisch-ungarischen Dualismus und die ans ihn, basirende magyarische .Herrschaft über die ungari- 'schen Deutschen, Rmnäiren und Slaiven stützte, hat vor fünf Jahren zier Zertrümmerung des Donauveiches und . nun zur Zeltrmnmer>ung Terchchlands geführt. Aber die deutsche Krise droht auch alle übrigen mitteleuropäischen, ostenro-päischen und balkonischen Fragen, ja sogar eine Reihe' von asiatischen und aftikanifchen Problemen auszurollen. In Paris wird ..ernstlich wieder die Frage der Doiwulonföderation erörtert, in Rom dagegen 4>ie Bildmvg echtes katholischen bayvisch--ösiierttichifch-ungarWen Staatsgobildes. Französische und polnische Blätter bringen wieder Meldungen über russische Rüstungen an der Westgrenze. Andererseits gährt es neuerlich in Albanien und Mazedonien, und auch aus Bulgarien, Griechenland und Jugoslawien laufen — nicht immer verläßliche — Nachrichten über Rüstungen sowie neue Krisen und Mmpfe nationaler' sowie sozialer Mtur ein. Diese. Momente müssen uinsa bedenklicher stimmen, als sowohl in Asien und Afrika die Panafta tische u-nd Panaethiopische Strömung imnrer stärker wird u^nd bereits den Italiemrn M Tripolis sowie ifen Spaniern m Marokko sehr nnangenehnre Lebenszeichen gegeben hat. Da nun Italien durch sein Korfnäbenteuer — ebensowie durch seine schwankende Politik sowohl in der deutschen, wie in allen anderen europäischen Streitfragen — stets wachsendön, Mißtrauen in London und Paris begegnet, so möchte man nun .zur Abwechslung in Ron, ein italienisch' spanisches Bündnis. Dieses soll die ErgäiMmg eines Gehei'Mvertrages zwischen Italien und dem albanischen Komitee in Kossowo bilden. In diesem verpflichtet sich Italien, die Vergrößerung Albaniens im Norden auf Kosten Jugoslawiens moralisch und materiell zu unterstützen. Als Gegenleistung fordert Italien die Ueberkassung des .Hafens von Valona und fernes Hinterlandes. Auf diese Weife will Italien mit Hilfe Spaniens sich die Herrschaft über -das Mittelländische. Meer und mit Hilfe Al- 'baniens — eventuell auch Bulgariens — über den Balkan sichern. Alle diese Beftvebungen ignorieren einerseits Rußland und andererseits die Türkei, die jetzt wieder als Schirmherr nicht nur den. Mohamlnedanern des Balkans, sondern auch Asiens und Afrikas gilt. Wohl ist in Asien noch nicht die Kluft zwischen den Mohammedanern und den anderen Konfessionen, zwischen China und Japan überbvückt. Im Gegenteil, in China wächst die Strörmurg gegen den japanischen JncherabiHmus und äußert sich vielfach im wittschaftilicheu Boykotit japanischer Erzeugnisse; aber trotzdem wächst der Panalsiatismus, 'das Streben nach Emanzipation Asiens von der Vorherrschaft der -Weißen Rasse, seit den letzten türkischen Erfolgen lawinenartig. -Parallel dani-it geht von den Vereinigten Staaten von Nordamerika aus die allafrikanische Betvegn-ng mit der Devise.: Afrika den Afvikamrn. Ihr Mhver ist Markus Gawey, ein Vollblutneger. Er wo Mt sich an die farbigen Truppen tu den franMschen Kolonien und am Rhein. Er erklärt: „Der Neger hat imr einen Wunsch, daß rm-mlich alle fremden Rassen den afrikanischen Boden verlassen. Wir ' müssen uns unserer Bedrücker entledigen." Garvehs Se,rdibotew bilden Gehe imb-üude in ganz Afrika und -durchqueren, den. schwanen Erdteil mit dieser Parole. So drohen die Worte Lloyd Georges sich zu beiwahrheften, daß die -Mnfchheit neuen Kriegen und Revolutionen entgegenM. 26. Oktober IM m Sine neue Bersaiüer Konsereni. Im Dezember. 8-n.don, 24. Okober. (Wolfs.) Nach BMWldMD gen sind wichtige Verhandlungen zwischen den Allttrrtttz iw Gange, uw eine Konferenz der Staate«, tili den Versailler Vertrag unterzeichnet haben, im Dezember nach Paris einznbernfen. Eine derartige Konferenz würde sich, wie verlautet, mit den miteinander zusammenhängenden Fragen der Reparationen und der interalliierten Schulden befassen. Auf der Konferenz würde jede Nation direkt vertreten sein, so daß die Zusammenkunft« folgende Vertreter umfassen würde- P o i n e a r e (Frankreich), B a l d w i n (Großbritannien), Hughes (Vereinigte Staaten), M u s s o'l i n i.(Italien), I s h i l (Japan), T h e u n i s (Belgien), Mackenzie K i n g (Kanada), General S m u t s (Südafrika), M a s s e Y (Neuseeland) und B r u e e (Australien). Es bestehe die Absicht, unabhängig von der Reparationskommission und dem Völkerbund zu handeln, aber technische und andere Sach' verständige Deutschlands von hohem Ruf würden daran teilnehmen. Baldwins Erklärung am morgigen Tage werde vielleicht der Erwartung Ausdruck geben, daß die Konferenz zu einem nicht fernen Zeitpunkte zusammentretM lverde. Der ehemalige Schatzkanzler Mac Ken na erklärte in einer in der Handelskammer von Belfast gehaltene» Rede, England iverde niemals mit Gleichgültigkeit die e rzwungene Verarmung großer Nationen und die Zerstörnng ihrer Industrie mitmachen. Die Hanptursache für die Fortdauer der Unordnung sei die französische Besetzung des Ruhrgebietes gewesen. vom Standpunkt der Reparationen gesehen, sei diese Politik von katastrophaler Erfolglosigkeit gewesen. Es sei klar, daß die Franzosen die Zahlungsfähigkeit Deutschlands zerstört hätten. Das Rnhrgebiet sei kein Aktivum mehr, sondern nur ein Passiv um, und man werde sehen, daß Reparationen nicht von einenr zerstückeltem und rmniertcm Lande geleistet werden können Ein Plmr Smnts. Der Berichterstatter des „Daily Telegraph" erklärt, zweifellos werde die große Konferenz, an die General S m nt s denke, sich n o ch m i t an d eren S eit en d es Versailler Vertrages befassen, als mit der gesamten Entschädigungssumme. Die von General Smuts dargelegte Auffassung würde auf eine ziemlich umfassende Revision und Neuregelung der m- -fprünglichen Friedensbedingungen durch Verhandlungen hindeuten, jedenfalls mit Bezug auf finanzielle u n st wirtschaftliche Fragen. Alle Signatar «ächte ttüirden voraussichtlich zur Teilnahme ein geladen werden und es würde ihnen moralisch und legal freistehen, gemeinsam oder einzeln an diesen Arbeiten leilzunehmen. Re Rtzuug des AloniMcheu AÜlonslWritees m London. Die fiir den 25. d. anbernumte Sitzung des Zionistiskhei: Aktionskomitees eröffnet erst heute ihre Beratnngen. Aus Wien find Oberrabbiner Dr. Chajes als Präsident des A. K. sowie dessen Vizepräsident Ing. R. Stricker nach London abgereist. Auf der Tagesordnung der Beratung stehen, wie uns ans' London berichtet wird, die folgenden Punkte: Bericht über die politische Lage, Wahl einer politischen Kommission im Sinne des Kongreßbeschlusses, die Bildung der J ewifh Agency, Budget- und Finanzfragen, Bericht des Wirtschastsbeirates und des Keren Hajessod-Direktoriums über die finanziellen Grundlagen de§ Palästinabudgets. Krapp «ms vem Sesiiugnis beurlaubt. Köln, 25. Oktober. Wie die ,KÄinische BolkszeftungE aus Essen meldet, sind Krupp v. Bohlen und die drei in Düsseldorf rm Gefängnis befindlichen Kruppschelr Direktoren zur Erledigung drmgen'der Geschäfte auf sieben Tagebaus der Haft -nach Essen beurlaubt worden. Man glaubt, daß dies die Einleitung Z>r ihrer endgültigen Freilassung fern dürfte. Ae griechische Aufftandsbewegung »iedsrgeschlagen. Athen, 25. Oktober. (Te!l. der „Wr. Morgeilzeitnng".) Die von Mataxas geleitete Ausstandsbeweguilg gegMdie griechische Regierung ist vollständig niedergesch'ag.'-l worden. Die letzten Rebelleil haben sich heute ergebe'.!; die Führer, unter ihnen auch Metaxas, sind gefliichüt. Damit herrscht im Lande wieder vollständige Rutje. Ae Teuerung ln Frankreich. Paris, 25. Oktober. Der gestrige Kabinettsrat nntw dem Vorsitz Poincares befasste sich mit dem Pwblrm der fortgesetzt wachsenden Teucrmlg. Eine Reihe uou Ministern wurde beauftragt, diese Frage zu .prüfen und die notwendigen Maßnahmen vorznschlagen. Es wurde eine Söilderkommission emgesetzt, der Juuenmiuistc^ Mailnonry, Haildelsminister Dior, Alkervanminister Cheron und der' Minister für Hygiene, Strauß, ange^ hören. Den Vorsitz führt m Vertretung Poiil-- '? 5>")i.',- minist er C o l r a t.

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