Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1687 (25.10.1923)
- Date
- 1923-10-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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elfte« Wien. Donnerstag Wiener Morgenzeitung. 25. OftoLe» 19SS ' -M.- M Damen Leffler und Rutsch? o, der Herren Gallus und Mar? ho ff kaum aufkommen konnte. Nach Bruckner wurde Gold mark gefeiert. Es galt, durch ein Festkonzert die Mittel zur Errichtung eines Grabsteines anfzubr-ingen, übrigens eine beschämende Tatsache für die Mener Musiksteundc, daß dem berühmten Opernkompvnisten, dom prunkvollen Melodiker und glänzenden Koloristen bis heute noch kein Grabstein gesetzt ist. Richard Specht würdigte den Tondichter in einer mehr geistvollen als sachlichen Gedenkrede, durch die Mitwirkung von Direktor Schalk, Alfred Grünfeld, Rose-Quariett und Berta Kturi n a erhielt das Konzert erhöhten Glanz, und die frischen Melodien der „Ländlichen Hochzeit" und des K'liavierqnartetts bewiesen, das Goldmark eifrigerer Pflege wert wäre. Seine noch lebendige Musik wird leider ebenso vernachlässigt wie sein Grab'. flb. Liederabend Myro Glaß. Ter iiuuye Sänger absolvierte ein abwechslungsreiches Programm, das durch neuere Gesänge von Roskin und Engel an Interesse gewann. Die Tiefe seines Baritons ist klingend, die Höhe noch schwer und brüchig, der Bortrag stark naturalistisch. Allzufvei war die Wiedergabe der Schubert-Lieder, die mitunter vom Original geradezu abwich. Der Sänger, der durchwegs in hebräischer Sprache saug, erntete lebhaften Beifall. Der mitwirkende Geiger Mischa Stievelband handhabte sein Instrument mit ansehnlicher Geläufigkeit und geringer Tonkultnr. Aus dr« Theatern. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr abends, „König Richard derZweite". A k a d e m i e't h e a t e r. Morgen, halb 8 Uhr abends, „Die Schmetterlingsschlacht". Kammerspiele. Heute entfällt die Nachtvorstellung von „C o m t e s s e Mi z z i" und „Schöne Seele n", da Frau Albach-Retch von der Direktion des Burgtheaters nur für eine Vorstellung preigegeben worden 'ist. Die Uraufführung von „Alraune findet morgen im Rahmen der Nachtvorstellung statt. Beginn 10 Uhr abends. Volk 8 oper. Morgen geht „D i e B o h e m e" in Szene. Deutsches Volkstheater. Morgen, halb 7 llhr abends, gelangt Ibsens „P e e r G y n t" zur Aufführung. — Für Sonntag, halb 3 Uhr nachmittags, wurde der Schwank „Großstadtluft" mit Dr. Rudolf Tyrolt als Dr. Crusins angesetzt. R e n a i s s a n c e b ü h n e. Niddy Impekoven wird drei neue Tanzabende geben, die diesmal mit teilweise gerudertem Programm, unter anderem „Der gefangene Loge l" und das „Wiegenlied" von Brahms, in den ersten Novembertagen stattfinden. Gerichtssaal. Sin hochadeliger Lebenslauf. Vor einem Schöffensenat des Landesgerichtes 2 stand der gewesene Prinz Alexander von Hohenlohe-Oehringen wegen Betruges. Die Vergangenheit des Angeklagten ist eine außerordentlich bewegte. Schon im Jahre 1895 verzichtete er auf seinen Titel nnd begnügte sich mit dem bescheideneren Namen eines Freiherrn v. G a b e l st e i n. Das Leben, welches der Herr Gabelstein führte, war das in seinen Kreisen — er war aktiver Offizier — übliche: Verschwenden und Schuldeninachen waren seine Hauptbeschäftigung. Darin allerdings brachte er es zu solcher Fertigkeit, daß er von seiner Familie unter Kuratel gestellt wurde. Dies hinderte aber Herrn Gabelstein durchaus nicht, seine Lebensweise fortzusetzen, und da die Familie für die Schulden nicht aufkommen wollte, mußte er den bunten Rock ausziehen. Als der Krieg kam, trat er wieder in den Heeresverband ein und wußte es sich natürlich zu richten, daß sein seinen Gläubigern so kostbares Leben nicht an der Front nutzlos feindlichen Kugeln ausgejeht wurde. Der Krieg aber hatte noch einen anderen Vorteil für ihn: Die Kuratel wurde aufgehoben. Als aber sein Treiben seiner Familie wieder zu bunt wurde, wurde im Jahre 1922 abermals die Entmündigung über ihn ausgesprochen. Das Schuldenmachen gieng natürlich flott weiter und mehrere Male war der hochgeborne Herr nahe daran, mit dem Strafgesetz in Konflikt zu geraten. Seine Gläubiger vertröstete er immer mit einer bevorstehenden Millionenheirat. Unter verschiedenen Vorspiegelungen pumpte er auch bei armen Leuten Geld. In dieser Hinsicht hatte Herr Gabelstein durchaus keine Standesvorurteile. Es lag ihm auch gar nichts daran, öfter sein sogenanntes Ehrenwort zu geben, und noch viel weniger machte er sich daraus, es zu brechen. Zeugen nennen den Herrn Gabelstein ohne jedwede Beschönigung einen Hochstapler, der nur von Schwindeleien lebt. Nach dem Umsturz beglückte der „Prinz" Wien mit seiner hohen Gegenwart. Hier wollte er die Prinzessin Luise von Ko bürg anpumpen, was ihm jedoch mißlang. Da er nichts anderes gelernt hatte, als das „edle Waffenhandwerk", so war er zu jeder Arbeit unfähig, wozu noch seine Trunksucht kam. Im Jänner 1921 verzichtete die Wiener Polizei auf die weitere Ehre des Besuches des Herrn Gabelstein und schaffte ihn ab. Endlich im Herbst 1921 fand sich eine Frau, der es verlockend erschien, Baronin Gabelstein zu werden. Für diese besondere Auszeichnung bezahlte sie 500-000 K., die der freiherrliche Gatte selbstverständlich dazu verwendete, um sein gewohntes Leben wieder zu beginnen. Da dieser immerhin ansehnliche Betrag für die noblen Passionen nicht genügte, so tat Herr Gabelstein, das was er immer getan hatte: er machte Schulden. Und im Herbst 1922 stand er wieder vis-a-vis de rien. Da hatte er abermals die Möglichkeit, seinen Namen zu verkaufen. Mt eineer Inländerin zerschlug sich das Geschäft und so reiste er nach B u k a r e st. um dort zu heiraten. Auch der Ertrag dieser Transaktion gieng den Weg all der Summen, die zeitlebens durch die Hände Gabelsteins gelaufen waren. Da plante er eine zweite Reise nach Rumänien, wozu ihm die Mitangeklagten Ignaz Kallina und Karl Kozisek die Mittel verschaffen sollten. Sie machten ihn mit einem gewissen Max Bock bekannt, dem sie sagten, der Prinz werde durch die Heirat mit einer reichen Rumänin bald das notwendige Geld haben. An diesen Besprechungen beteiligten sich auch Eduard Ster kl und Franz Kreuzel, der dem „Prinzen" 20 Millionen und Kallina 5 Millionen gab. Um dies« Summe erklärten sich die beiden nach der Anklage ge- »Gdigt. Die Verhandlung wird erst morgen zu Ende geführt. Mitteilungen aus dem Publikum. JBer Akad. Verein JUd. Mediziner ln Wien teilt allen Bekannten und Freunden mit, dass ihr verdienstvoller und von allen Mitgliedern hochgeschätzte Obmann Wilhelm Bettelheim am Freitag den 26. Oktober um ty4l Uhr mittags zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert wird. 7807 Der Ausschuss. Damen-Westen den schönsten Fmben K. 125.000 1 Svortwesien mit Streifen in modernster AnSfiihrnng 1049 I M. 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Bei der Konfrontation der Zeugin mit AxM erklärte dieser, er habe der Zeugin niemals solche Aufträge erteilt. Auch die Schwester der Zeugin, Friederike Loncar, ' die ebenfalls im Atlantis bedienstet war, belastet Aczel. Nach Abschluß des Beweisverfahrens verurteilte der Gerichtshof den Angeklagten Max Aczel zu f ü n f z e h n M o n a t e n, Alois Fuchshuber zu sechs Monaten schweren Kerkers.,Gegen Aczel wucke überdies die Lau des.verweisung ausgesprochen. Er wurde sofort in Haft gesetzt. Die Angeklagten Rudolf F r e i w i r t h und Pinkas F e r be t wurden freige sprachen, da ihre Mitwirkung an den Fälschungen der Bücher in der Verhandlung nicht erwiesen Wecken konnte. Wie immer die Billigsten! Orig, franz. Velour.K 99.000 Orig. engl. Double, 150cm breit K 95.000 Orig, engl. Anzug, 150 cm breit K <58.000 Volkswirt. Seftemvrlle Krone --- 0.0079 Centimes. Auszahlung Wien ---- 0.0078'/. Seutlm«. In Zürich notierte 21/10. 28./10, die österreichische Krone. . 0.0078*/« 0.0078V« die österr. gestempelte Krone . . . 0.0079 0.0079 die tschechische Krone.. . 16.60 10.577, die Mark.. , . . gestrichen gestrichen Holland . 218.- 218.50 New-Uork. 1. CO SottbOtt •••*«•«*••• . 25.23 25.21 Paris . 82.55 32.25 «Nailand , 24.95 24.85 Belgrad. 6.77'/, 6.87»/, Bukarest ... . . . , , 2.65 2.67 Sofia .......... 5.35 T.Hn Budapest.. . . . , 0.0305 ■105 Warschau.. . 0.0005 .05 Große Verluste Wiener Vanle« infolge der Marksturzes. Heute wurde an der Wiener Börse von mehreren Seiten die Nachricht gebracht, daß die Wiener Großbanken infolge der Gestaltung der Verhältnisse in Deutschland sehr schwere Verluste erlitten habe n. Diese Verluste sollen viele Milliarden beitragen. Eine der wichtigsten Ursachen der Verluste ist der vor zwei Wochen gefaßte Beschluß der deutschen Banken der B a l o r i s i e r u n g sämtlicher Debetsaldi. Trotzdem die österreichischen Banken gegen diesen Beschluß mannigfache Einwendungen erhoben haben und dagegen Sturm gelaufen sind, ja sogar die Wiener Devrsenzentrale mobvlrsiert haben, konnten sie nichts a u s r i ch t e n. Der Vertreter der Devisenzentrale ist wohl mit schönen Worten in Berlin vertröstet wollen, doch fiel es den deutschen Banken nicht ein, zugunsten der Wiener Großbanken ihren Standpunkt aufzugeben. Außerdem sollen auch die Wiener Banken aus ihren Beteiligungen an einer Reihe von deutschen Unternehmungen horrende Verluste erleiden. Wohl verlautete, daß der Wiener Bankenverbaud mannigfache Interventionen in Deutschland versucht habe, doch genießt dieser Bankenverband in Deutschlaick so geringes Ansehen, daß selbst seine Einflußnahme nichts ausrichten konnte. Clearlngknrse 1er Österreichischen Hatlonamank vom 24. Oktober 1928. Devisen (Schecks und Aus- 7Kurs vom 23. Okt. Zahlungen) Sf 0eId Ware Qe,d WaM Amsterdam 1. 1 holl. Gulden . Agram 1 Jug. Kronen . . , , Belgrad 1 Dinar ...... Berlin* 1 deutsche Reichsmark , Brüssel 1 belgische Francs . . Budapest 1 ungarische Kronen , Bukarest 1 Lei . .. ChrlsHanla 1 norweg. Kronen . Kopenhagen 1 dänische Kronor , London 1 Pfund Sterling . , , Madrid 1 Pesetas Mailand 1 Lire ....... New York 1 Dollar...... Paria 1 Francs.. Prag 1 tschecho-slow.Kronen , Sofia 1 Lewa .. Stockholm 1 schwedlscheKronor , Warschau** I polnische Mark. . Zürich 1 schweizerische Franca , 4 27650— 27750— 27650— 27750— 6 848— 852— 860— 864— 6 848— 852— 860.— 864— 8 1.05 1.25 0.012 0.014 4*/| 3524— 3536— 3494— 3506— 6 3.77 3.87 3.80, 3,90 8 329— 331— 339— 341— 8 10680,- 10720,— 10680,- 10720,- 5 12380,- 12420.- 12280.— 12320— 3 318700— 319700,—318200,— 319200,- 5V. 9330.- 9370.- 9330.- 9370— 8 3124,- 3136,- 3144.- 3156.- 4 70935.- 71185.- 70935,- 71185— 5 4107.- 4123,- 4042.- 4658— 5 21«/.- 2110.- 2107,- 2117— 7*/, 683.- 087.— 682— 686— 4'/. 18470— 18530— 18470— 18530— 6 170— 210—8 300— 400— 3 12635— 12685— 12625— 12675— Noten Amerlkan, Noten v. 5 Dollar aufw, . kleinere . . . Belgische Noten 100 Francs . , Bulgarische Noten zu 1000 Leva . » * wo 9 » » a kleinere. , , Dänische Noten 100 Kroner , Deutsche Noten zu 1000 Mark. , a a a 100 » » „ kleinere. . . . Engl. Noten von 5 Llvrest, aufw, „ , kleinere ..... Französische Noten 100 Francs . Holländische Noten 100 Qulden , Italienische Noten ▼. 100 Lire aufw, , kleinere ... Jugosl. Noten ungest. zu 1000 Dinar ■ aas 100 a / a a kleinere . , Norwegische Noten 100 Kroner . Polnische Noten v. 590 Mark aulw. a « kleinere.... Rumänische Noten zulO0Ou.500Lel kleinere . . . Ruse, Noten (Roman.) zu 500 Rubel ■ rs» 100 a . , a kleinere. . Schwedische Noten 100 Kronor . Schweizerische Noten 100 Francs. Spanische Noten 100 Pesetas . , Tachecho-slow. Not. v.lOOOaufw. . a kleinere . Ungar, Noten (neue Etn.) zu lOOOKr. . . zu 10.000 Kr. . . . a . kleinere. 70560— 70360— 70560— 70980— 70460— 70860— 70460— 70880— 3485— 3515— 3450— 3480— 661— 689— 660— 668— 641— «5— Ä- 648— 12170— 12250— 12130— 12210— 0.90 1.30 0.010 0.014 0.88 l.Ä 0.0095 0.0135 316900— 318590,— 316400— 318000— 316700— 318300— 316200— 31783Q— 4060— 4090— 3995— 4025— 27450— 27850— 27450— 27650— 8090— 3110— 3110— 3130— 3070— 3890— 3090— 3110— 837— •843.f 852— 858— 827— 8R— 842— 848— 10550— 10630— 10550— 10630— 180— 220— 300— 400— 160— 200— 250— 350— 323— 327— 333— 337— 303— 307— 313— 317— 18280— 18360— 18260— 18360*— 12520— 12600— 12510— 12590— 9210— 9290— 9210— 9290— 2082— 2098— 2089— 2105— 2077— 2093— 2084— 2100— 2.32 2.52 . 2.35 2.55 Ü27 ~2A1 Ü30 2*50 * Für 1 Million Mark, ** für 10.000 poln. Mark. 8 Spannungsänderung. Zwangsverkaufe eines tschechor-slowaüschen Spekulanten an der Wiener Börse. An der gestrigen Börse bildeten das Tagesgespräch die Zwangsverkäufe, welche auf Rechnung eines tschecho-slowakischen Großspekulanten Kirschner aus Brünn durchgeführt wurden. Er hatte in einer Reihe von schweren Papieren große Transaktionen vorgenommen, doch war die Deckung infolge der Kursverluste der letzten Tage so gering geworden, daß die Gläubbvger zu Zwangsvealisationen schreiten mußten. Dies bewirkte große Kursrückgänge in einer Reihe von schweren Papieren. II. Taborstr. 17 a I. Miersasse 5 üüümtti mmsm aamiimaaämmmaaaimBm 948901