Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1687 (25.10.1923)
- Date
- 1923-10-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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TfCf. «JOT >:t, AMvnevstUtz tttfien» Movgenzenustg. 25. OkEr 192? ss«°v Sesterreich. #•: 3m Lage. Bundeskanzler Dr. Seipel hatte in den letzten Tagen mit dom Führer der Gro-ßdeutschen Dr. Dinghofer, dem Obmanne des Landbundes Dr. S ch ö nbauer und dem Landeshauptmann von Steiermark Dr. Rintelen eingehende Aussprachen über das Ergebnis der Neuwahlen und den damit in Zusammenhang stehenden Fragen. Die Parteien warten zunächst ab, bis die Zuteilung der Reststimmenmandate entschieden ist. Die Verhandlungen betreffend die Konstituierung des Nationalrates werden erst in der zweiten Novembcrwoche einsetzen, da abgewartet werden muß, welche Beschlüsse der Christlichsoziale Klub faßt. Das Uebereinkonunen, das seinerzeit zwischen den Christlichsozialen, den Großdeutschen und dem Landbunde getroffen wurde, b e st e h t heute nicht mehr. Die Christlichsozialen müssen sich nun zunächst darüber klar werden, ob sie mit den Großdeutschen und dein Landbunde wieder die Regierungsmehrheit bilden wollen oder ob sie eine andere Konstellation vorziehen. Es müssen ferner die Bedingungen festgesetzt werben, unter welchen die drei genannten Parteien wiederum einen Koalitionspakt abschließen. 8ir gusammenkunkt Ssiyel-Ztresemmm. Die Zusammenkunft des Bundeskanzlers Doktor Seipel mit dem Reichskanzler Dr. S t r e s e in a n n, die wegen der Verhältnisse in Deutschland verschoben werden mußte, dürfte, wie wir erfahren, in der nächsten Woche 'tattfinden. Mo Bauer Mer das WahlresMat. In einer Versammlung im Drehersaal besprach vorgestern Abg. Dr. Otto Bauer den Wahlkampf und erklärte zur innerpolitischen Situation, Dr. Seipel werde sich wieder auf die geeinten bürgerlichen Parteien stützen. Er werde aber nicht mehr die Sozialdemokraten so wie bisher mit hochmütiger Mißachtung behandeln können. Das werde sich die Partei, die nun zwei Fünftel des Nationalrates darstelle, nicht gefallen lassen. Es gebe jetzt nur eine Regierung mit einer sehr starken Kontrolle, mit einer sehr wi'i?- samen Opposition der Sozialdemokraten. Am Mieterschutz, an den. sozialpolitischen Errungenschaften werde nichts geändert werden können. Die Wehrmacht werde nicht zu einem Werkzeug der Reaktion gemacht werden können. Die Alters- und Invalidenversicherung wird jetzt nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden. Der neue Nationalrat wird am 20. November zur Konstituierung zusammentreten. Die Ermittlungen der Hauptwahlbehörde sind noch immer nicht abgeschlossen. Sie kommende« Verhandlungen mit den Bunderangestellten. Der Vesoldun.gsansschuß atttb «Keichsverbanbes Vs.r öffentlich AiM stellten hat sich in seinen letzten Sitzungen in eingehender Weise mit der Frage der zukünftigen Gestaltung der Bcsoldungspolitik befaßt. Der Hanptansschuß hat den Beschluß gefaßt, von der Negierung die eheste Vorlage eines Gesetzes zu verlangen, welches eine A ufbesser u n g der Bezüge für sämtliche AngestMenkategorien nach Item Maßstabe des Zurückbleibens hinter der Friedensentlohnnn'.; und unter einer starken Betonung des Leistu ngsprinz dps normiert. Die' Gtesetzesvorlage wäre im neuen Nationalrat nach seiner Konstituiermig zur dringlichen Verabschiedung oin>;nbringen und cs wären alle evgreifbaren budgetären Mittel zur Bedeckung des Erfordernisses für eine derartige Regulierung derart zeitgerecht sicherznstellen, daß sic mit N ü ckwirknng auf den 1. November d. I. in Kraft txctcu kann. Lschecho-Slolvakei. Briifident Masarhk skr die ermH'Ksche Zusammenarbeit. London, 23. Oktober. (Reuter.) Vor seiner Abreise nach Oxford empfing Präsident Masarhk heute etwa zwanzig Pressevertreter, vor denen er erklärte, daß sein Besuch unter gegen FUSSLEIDEN jeder Art 893 Kostenlose Vorführung durch den aus London eingetroffenen Fachmann heute Donnerstag, 28. u. morgen Freitag, 28. Oktober im' „Salamander“ XX., Wallensteinstrasse Nr. 14 Rumänien. Mefredaktenr Rosenthal ansgezeichuet. Aus Bukarest wird uns gemeldet': Der Chefredakteur des „Adeverul", Rvsenthal, der, wie berichtet, das Opfer eines Faszistenattentates wurde und dessen Zustand noch immer äußerst kritisch ist, er hielt vom König eine hohe Auszeichnung. Ecwurde ihm für seine während des Krieges erworbenen Verdienste die Kriegsmedaille erster Klasse verliehen. Die Auszeichnung wurde dem zwischen Tod und Leben schwebenden Publizisten unter besonderen Feierlichkeiten überreicht. Palästina. WSW Zionistische Berirkrsektion Sroholdstadt. Keute Donnerstag den 25. 8 Uhr abends» im Cafiö Fetzer» 2. Lez.» Praterstratze 8» Bortrag Sr. PlaWes: „Wlag zu den Wahles lichen würde, aber bisher habe er ihn niemand vorgelegt, weil er abwarte, wie fick die Dinge entwickeln werden. Betreffs Deut s ch l a u d eMärte der Präsident, er glaube n i ch 1, daß die Gefahr eines v o l l k o m menen Zerfalles bestehe. Bayern und Sachsen waren immer mehr oder weniger unabhängig und vergrößern gegenwärtig nur ihre Unabhängigkeit, weil Berlin schwach werde. Ir. Venesch' politische BedeMng. London, 24. Oktober. (Wolfs.) Minister des Aenßern Lord.Curzon erklärte gestern bei einem zu Ehren des Präsidenten Masarhk von der britischen Regierung gegebenen Essen, niemand in Europa -,übe gegenwärtig einen b edeutenden Einfluß ans die auswärtigen Angelegenheiten aus als der Minister des Aenßern des t s ch e ch o - s l o w a k i sch e n Staates, der der wirkliche Gründer der kleinen Entente sei. Die Haltung der britischen Regierung gegenüber der Tschecho-Slowake» sei eine solche der tiefsten Sympathie und großer Bewunderung. Präsident Masarhk erklärte in seiner Antwort, es hoffe, daß die Entente, wie sie vor und während des Krieges organisiert worden sei, bestehen bleibe. Ser französische Kredit. Prag» 24. Oktober. (Tel.-Komp.) Die offiziöse „Ceskoslowenska Republika" erfährt aus amtlicher Quelle, daß der französische Kredit von 5 0 0 Millionen Franken, welcher der T s ch e ch o - S l o w a k e i, Polen und Rumänien gewährt wurde, nicht dem tschecho-slowakischen Staat, sonndern der Privatindustrie, allerdings unter dem Protektorat der Negierungen, eingeränmt ist. Der Kredit soll den ftanzösischen Handelskreisen die U n t e r b r i n g u n g v o n W a r e n in den Ländern der kleinen Entente ermöglichen. ZiMslMen. anderem den Zweck habe, seinem Wunsche Ausdruck zu geben, daß die Entente müf recht erhalten .bleibe und daß sic nach dem Kriege ebenso wie während des Krieges erfolgreich für die VerwiMchu-nig ihrer großen Ziele arbeiten möge. In Osteuropa, wo sich so diese kleine Nationen befinden, werde am meisten das Bedürfnis nach einer internationalen Autorität gefühlt. Auf die Frage, ob diese internationale Aulorität der Völkerbund older eine Gruppe von G r o ß in ä ch t e n sein solle, erwiderte der Präsident, daß beides notwendig sei. Europa sei durch den K r -i e g znm Teil demoralisiert worden; deshalb habe der Präsident schon in Paris die Ansicht ausgesprochen, daß cr glücklich wäre, wenn die Entente ihre Arbeiten auch nach dem Kriege fortsehen könnte. Die Tschecho-Slowakei halte zum Völkerbund, aber dieser habe bisher nicht die notwendige Autorität und müsse deshalb von der Entente unterstützt werden. Die Entente der Großmächte sei notwendig, weil, wenn sich die großen Staaten zusammenschweißen, dasselbe auch die kleinen tun. Weiter erklärte der Präsident. M a sa r y k, er habe einen V o r s ch I a g, der das europäische Zusammenarbeiten verwirk- Ser Vertrag mit Rnmönien. Belgrad, 24. Oktober. Nach einer. amtlichen Mitteilung wurde der zwischen dem Königreiche S. H. S. und Rumänien am 7. Juni 1921 abgeschlossene B ü n d n i s v e r t r a g e rneuert und seine Gültigkeit auf drei Jahre erstreckt. Nach dem Wortlaut des Vertrages verpflichten sich die vertragschließenden Staaten, im Falle .eines nicht hcransgefvrdericti Angriffes seitens U n g,a r n s oder Bulgariens oder beider Staaten einander in der Verteidigung bcizustehen. Polen. Die Regierungsmehrhrit — SS Stimmen. Warschau, 28. Oktober. (P. T.-A.) In der heutigen Sitzung des Sejm wurde nach längerer Debatte das Budgetprovisorium für die zweite Hälfte des Jahres mit 197 gegen 177 Stimmen votiert. Verstaatlichung privater Mittelschulen. Aus Warschau wird uns gemeldet: Die Unterrichtskommission des Sejm beschäftigte sich in ihrer Sitzung mit der lieber nähme der privaten M i t t e l s ch u l e n d u r ch den Staat. Eine lebhafte Debatte riefen die ersten Punkte des Entwurfes hervor, die besagen, daß die Verfassung die Regierung nicht verpflichte, für sämtliche Minderheiten Mittelschulen zu gründen, lieber Antrag des jüdischen Abgeordneten ' Wygodski wurde diese Bestimmung gestrichen. Abgeordneter Wygodski schlug ein Amendement vor, wonach dis Uebernahme von Mittelschulen durch den Staat lediglich gemäß den Interessen der Bevölkerung zu erfolgen habe, deren Interessen mit denen des Staates identisch seien, wogegen Abgeordneter Pater Lntoslawski erklärte, daß die Schulen der Minderheiten staatsfeindliche Tendenzen verfolgen. Das Technikum in Haifa wird im FrWahr eröffnet. Aus London wird uns geschrieben: Das Kuratorium des Haifa er Technikums, das gemäß einem Beschluß des 12. Kongresses auf Initiative der Zionistischen Exekutive in London gebildet wurde, hat beschlossen, das Institut im April 1924 zu eröffnen. Das Institut soll in erster Linie der Ausbildung technischer Kräfte mittleren und niederen Grades dienen und so geschulte Kräfte für den technischen Aufbau des Landes vorbereiten. Im nächsten Frühjahr soll zunächst die Abteilung für Hochbau eröffnet werden, in den nächsten Jahren werden die AbterlunHen für Tiefbau, Maschinenbau und Elektrotechnik folgen. Die Unterrichtssprache wird in allen Abteilungen hebräisch fein. Zur Vorbereitung für die Hauptkurse wird die in Haifa bestehende, mit dem Technikum verbundene Real s ch u l e dienen, welche in den letzten Jahren einen erfreulichen Aufschwung genommen hat und demnächst durch die Eröffnung eines Internates eine bedeutende Erweiterung erfahren wird. In den nächsten Mm naten sollen bereits provisorische Kurse im Baufach -und verwandten Fächern errichtet werden. In den letzten Monaten ist »bereits mit dem Ankauf von Instrumenten begonnen worden, ebenso haben Gönner des Instituts wertvolle Instrumente und Inventar gestiftet. Das Kuratorium rechnet diesbezüglich auf die tatkräftigste Unterstützung der Zionisten aller Länder. Das Kuratorium des Instituts setzt sich gegenwärtig aus den folgenden Herren zusammen: Sir Alfred Mond, Vorsitzender; Dr. Chaim Weizmann. Dr. Georg H a l p e r n, Doktor B. Feiwe l, Dr. E d e r, I. Cowen und Dr. S o l o w e jtschik als Vertreter der Zionistischen Exekutive, ferner den Herren d'Awigdor Goldfmith, Präsident der Anglo Jewish Association und Mitglied des Verwaltungsrates der Jca, Oberst Salamon, ehemaliger Leiter des Handels- und Induftriedcpartements der englischen Regierung in Palästina, und Artur Bloch. . Mudschau Dom Völkerbund. Genf, 24. Oktober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der Generalsekretär des Völkerbundes hat sich ans Einladung der r u in änischeu Regierung nach Bukarest begeben, um dort gewisse Völker b u n d f r agen zu besprechen. Ans bei: Rückreise wird er, einer Einladung der ungarischen Regierung entsprechend, sich einige Tage in Budapest aufhalten. Seine Reise steht in keiniem Zusammenhang mit der geplanten ungarischen Ausländsanleihe. Am 22. nnd 28. d. hat m Genf die Kommission für di. Aufteilung der Ausgaben des Völkerbundes get agt. Sie hat beschlossen, einigen Staaten, auf denen der ihnen znfallende Anteil an den Ausgaben des Völkerbundes besonders schwer lastet, einen Nachlaß zu gewähren. So hat sie den Anteil Rumäniens an den Ausgaben um zwei Einheiten, jenen G r i e ch e n l a n d s, U n g a r n s und Portugals um je eine Einheit herabgesetzt. Der internationale Handelsverkehr. Genf, 24. Oktober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die in-ternatir^ nale Konferenz für die Verei-nheitlichung derIZollfo r m alitäten hat gestern die Beratung des Art. 6 des Entwurfes einer intern-ationalen Konvention beendet.' In diesem Artikel wird es als wünschenswert bezeichnet, daß die Ein- und Ausfuhrbeschränkungen, die für den internationalen Handel ein ernstes Hindernis bilden, möglichst bald auf ein Minimum beschränkt werden. kinr Legitimistenkonferenz bei der Wlaiseri» Mn. Budapest, 24. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".') Graf Julius A n dr a s s y tritt dem „Az Eft" zufolge demnächst in Begleitung mehrerer LegitimistenMrer eine Reise nach L eg u m i t o, dem Aufenthaltsort der Exkönigin Zita, an, wo für den 19. November auch da3 Eintreffen des aus den Vereinigten Staaten heimkehrenden Grafen Albert A p p o n y i erwartet wird. Der Bischof von Steinamanger Graf Johann M i k e 1 sowie der gewesene Hofmarschall in Ungarn Graf Anton Szecsen werden gleichfalls an dieser Legitimistenkonferenz teib nehmen. Der „Az Est" schreibt der Begegnung der hervorragendster. Vertreter der legitimistischen Bewegung in Ungarn mit Königin Zita weitgehende politische Bedeutung zu und knüpft daran Kombinationen, die auch auf O e st e r r e i rf Bezug haben. Am besten u. billigsten Sie im iScniffmann il.. Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gros En datall 3« A-$599B