Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-10-21 · Heft 1683 (21.10.1923) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1683 (21.10.1923)
Date
1923-10-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980765--16518-3003439
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 1683 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung. 21. Oktober 1923 Seite 7, C.BOJ WIEN Orig. Parlier Modelle in Kostümen, Strassen- und Abendkleidern, Mänteln und Pelzen. I.f KÄRNTNERSTRASSE NR. 34 Eingang Maysedergasae 2. * Der Diamantemhandel wurde für Amsterdam von mchr Büdeutnng M der Äb-evs-vsiische Wavenhcmdel zu der Ziert, da fo Südafvikka die rissigen Diamant-enselder erschlossen wurden, MN deren Besitz später der Burenkrieg entbrannte, der eigentlich M der letzte holländisch-englische Krieg a-uzuschen ist, der, vüe alle früheren, v«m Holland verloren wurde. Ader Amsterdam ist noch heute ein Zentrum des DMnantonwclch>andels, Wenn auch der riesige Mllionenstvom, der der Stadt an der Amsdell durch >ihn Kusloß, jetzt stark. verebbt ist. Mer noch heute ist Ne Stadt mit ihren stillen gcheimnisvollen Grachten der Ovt, wo das Mystsrmm jener Kohlenstoffkristalle zu welt- Mnsipannendem, aber ebenso wie die Grachten eigen-artig-stillem Handelsgetriebe wurde. UingeschWen halben die Steine, die für die Menschheit so viel bedeuten, das Aussehen von kleinen Kieseln. Unscheinbar, trüb und formlos hältst du ihrer ein Hänschen in der Hand, das erst seiner Vollendung zum Edelstein harrt. Auch sie geschieht in Amsterdam; dort werden ans den milchigen Kieseln jene wundervoll wasserhellen, in tausend kleinen Sonnen ftrnfelndm WMidersteine. Jahrhundertealt ist das Amsterdamer DiamaMschlsistrgewerlle. Die Meisten Diamantschleifer sind Juden. Wieder mutz etwas hervorgehobon werden: Das Schleifen der kleinsten Diamanten wird selten von Juden besorgt; sie sind zu nervös dazu, behauptet der junge Beamte in der gvötzten Diamantschleiferei Amsterdams, der mir einige sachliche AufkläMNgen gibt (in seinen Musestunden ist Herr Pinkhoss Schriftsteller und zählt, wie man mir sagt, zu den wertvollsten jungen Begabungen in der holländischen Literatur, wozu übrigens in Paranthese bemerkt sei, datz viele holländische Schriftsteller es mit ihrem Talent für vereinbar finden, sogenannte bürgerliche Berufe auszu-üben, woher es auch kommen mag, datz in Holland weniger, aber besser und ehrlicher geschrieben wird). Jetzt gibt es. wenig zu tun in den Amsterdamer Diamantschleifevsien. Die größte von ihnen (sie gehört zehn Brüdern und ist kein Fabviksgebäude, sondern ein Palast. mit lustigen großen Räumen, komfortablen Badezimmern und WaschgelegslKeiten, modernen Aufzügen und einem soll ^prunkvollen Chefzimmer) beschäftigt heute stM wie sonst 900 nur 600 Arbeiter. Fast alle haben den Zug scharf kombinierender Beobachtung in den Gesichtern, den man so hänfilg bei Feinmechanikern, Uhrmachern, Goldwribertevn und Schachspielern findet. Merkwürdig das freundschaftliche Vevhälituis zwischen ihnen und den Unternehmern in der Fabrik, die ich sah; die Chefs des Haus’es werden von den meisten Arbeitern beim Vornamen angösprochen und tun das Gleiche den Arbeitern gegenüber. Dabei muß aber bemerkt werden, daß die Diamant» orbeiterorganisation eine der besten gewerkschaftlichen Orga-- «isationen in ganz Holland und wahrscheinlich auch in der ganzen Wellt ist und die sozialen Interessen ihrer Mitglieder mit EntschiedeqchM zu wahren versteht. Die gwtze Erinnerung in der Geschichte der A a s ch e r« scheu Diamantschlsiferei ist, daß der berühmte Eullinan» Diamant dort geschlissen wurde, den Transvaal, als es sine englische Kolonie wurde, der Königin Großbritanniens zum Geschenk machte. Eine Nachbildung des rohen Steines wird «och jetzt im Chchjimmer aufbewahrt: ein etwa faustgroßer Kiesel; eine senkrechte Spaltfläche an einer Seite deutet daraus hin, datz der Stein ursprünglich noch viel größer gewesen fein mutz uNd daß die Diamantfellder Südafrikas, auf denen der kostbare Fund gemacht wurde, noch einen gleichen Zwillingskvistall bergen, der noch nicht ans Acht kam und noch nicht von Menschenhand zu der alle Bcgierenden und Leiden schäften weckenden tausendfach facettierten Reinheit und Rundheit geformt wurde. Gin Arbeiter hat den Eullinan geschlissen, der auch heute noch in der Aascherschen Schleiferei arbeitet: ein untersetzter, breitschultriger Jude mit ruhigem, scharf geschnittenem Gesicht, bescheiden und dabei ein wenig selbstbewußt. Hochqualifizierte Diamantschleiftr, denen man so heikle Arbeiten, wie das Schleifen eines Eullinan, anvertrauen kann, beziehen «inen Wochenlohn von etwa 300 Gulden (es sei bemerkt, daß ein Monatsöinikommeu in der gleichen Höhe in Amsterdam bescheidene, aber reichlich auskömmliche Lebensweise ermöglicht.), der Miudostlohn beträgt 60 Gulden. Das Spalten, Sagen, Schleifen und Reinigen der Diam-anten ist eine Arbeit, die jahrelang Lernzeit erfordert. Die Geheimnisse der geschliffenen Oktaederftächen eines der reinsten Urstoffe der Erde, sie werden durch die ruhige Hand gefammelter, aus chre Arbeit konzentrierter Menschm erhellt, die — und das ist das Menschlichste an ihnen — Wunder schaffen, ohrve sie alZ Werte zu begehren; die darum einem Ideal nahe . sind, das keine soziale Theorie noch in Betracht gezogen hat: der Freude an der Schönheit der Arbeit. S. S. umems clausus-Krawalle in Wien. Sie MMchen drohen mtt „Abwehrnmbnahmen". mindestens einmal wird, die Wiener Universität zum Kriegsschauplatz. Die deutschvölkische Studentenschaft führt Krieg gegen jenen Teil der Hörerschaft, der ehrlichen Willen zum Lernen besitzt und der.bestrebt ist, die Universität wirklich zu einer Stätte der Wissenschaft zu machen. Während einst die Wiener Universität der Boden war, auf dem der Freiheitsgedanke erstand, ist sie jetzt der Herd einer Agitation für alles, was finster ist: Unfreiheit, Bedrückung, mittelaltetlicher Geist und Gestern hat der übliche „Universitätswirbel" für dieses Semester begonnen. Eine Massenversammlung in der Aula war der Auftakt. Die deutschvölkischen Hochschüler hielten es für unbedingt nötig, ihre Prager Gesinnungsgenossen ihrer Sympathie zu versichern in dem sogenannten Kampfe, den die Prager Hakenkreuzter gegen z w e i j ü d i s ch e Dozenten führen, die bei den letzten Wählen als Konrmumsten gewählt wurden. Buntbemützte Hirnlotsigkeit glaubte es sich schuldig zu sein, in dieser „Kultuvangolegeirheit" ein Wort mitzureden. Selbstverständlich war die ganze Sympathiekundgebung fiir Prag nur der Vorwand, um wieder einmal über den Numerus clausus an der Wiener Hochschule, zu sprechen und gegen jüdische Gelehrte zu hetzen. Zunächst waren die rassenreinen Jünger der Wissenschaft mit dem Dekan der medizinischen Fakultät Professor Dr. Fisch nicht einverstanden. Die verschiedener: Redner führten dar über Klage, daß die Professoren die Studentenschaft in Stiche gelassen haben. Trotz der Versicherungen der Univer sttätsbehörden anläßlich des deutschen Hochschultages sei wieder e.in „R a s s e n s r e m d e r" Dekan der medizi nt schen Fakultät , geworden. Es zeige vom Tiefstand der deut schen Wissenschaft, daß sich niemand von den deutscher Professoren gefunden habe, der dieses Ehrenamt annehnrer wollte". Es ereignet sich wieder, datz e.in Jude primo loco sü eine Kanzel vorgeschlagen wurde, wie der „Herr Kappel machet. Man müsse jetzt zu anderen Mittel: greisen. Da die Professoren die deutsche Studentenschaft in Stiche lassen, werde die Studentenschaft selbst zu Abwehrmaßnahmen schreiten Es werde vielleicht notwendig sein, die Vorlesungen Kappelmachers zu verhindern. Zum Schlüsse sprach noch irgend ein „bemooste' Haup?^ mit einem Vollbart. Er führte aus, er sei bereits vor 23 Jahren für den Numerus clausus singe treten. Eine unter Heilvufen beschlossene Resolution ar den Unterrichtsminister sordert d:e Einsüh rung des verschärften Numerus clausus. - Nun hat Herr Seipel das Wort. Zacke«, Mittel usw. in feiNstei Ausführung Telephon 17-0-8° - Me«, 8. Bez., ZofefftüdterftraKe S1 M« immer (Von unserem Jerusalemer Korrespondenten.) Wer einen Einblick gewinnen will in den Eifer, mit welchem andere Völker und Religionen um ihren Einfluß in Palästina ringen, und in das Intrigenspiel, von dem dieses Wettrennen begleitet wird, der vertieft sich ein wenig in die Frage der palästinensischen Universität. Vor ungefähr einem Jahre tauchte in Jerusalem der Plan einer palästinensischen Landesuniversität ans. Die Initiative ging vom English College aus, einer unter Aufsicht des' englischen Bischofs stehenden Mittelschule, die zum größten Teil von Arabern besucht wird. Die Schule wollte vor allem für ihre Absolventen die Möglichkeit zur Fortsetzung ihrer Studien in Palästina sichern. In dem vorbereitenden Komitee der Universität saßen Engländer, Araber und Juden, , und es schwMen. bereits Verhandlungen mit oncheimischen jüdischen Gelehrten, denen Lehrstühle angeboten wurden. Die Inden verhielten sich kühl, 'da sie von dem Plane eine Bedrohung der künftigen hebräischen Universität erwarteten, die Araber, welche anfänglich freundlicher gewesen waren, schwenkten äb, als im arabischen Lager 'bei* antienglische Wind zu wehen begann. So wunderte der Universitätsplan ad acta. Aber ein Resultat blieb bestechen: das English College, das bis dahin nur Mittelschule gewesen war, erweiterte seinen Studienplan derart, daß es seine Zöglinge zur Ablegung jener Prüfung vorbereitete, mit welcher in England die Studenten ihre dreijähriger: Universitätsstudien abschließen. Nunmehr veröffentlicht die höchste katholiche Behörde des Landes das Programw einer U n i v e r s i t e > triareale PaIestinienne. Daß die neue „Universttät" einen sranzösifchen Namen hat, ist charakteristisch. Charakteristisch auch, daß die „Universität", deren Unterrilchtssprache arabisch und englisch sein wird, bisher nur einen französischen Prospekt veröffentlicht hat. Man sieht, welcher: Einflüssen die Universität ausgefttzt sein wird und >daß hinter der neuen pädagogischen Gründung politische und religiöse Motive stecken: das katholische Patriarchat kämpft mit dem protestantisch orientieren English College. Das eine Jnstint unterbietet >vas andere. Der Pensionspreis im Internat der neuen Universität beträgt 30 Pfund jährlich, im English College 50 Pfund. Zweifellos wird die. Universität des Patriarchats aus den Penisionspreis auszahlen müssen, um ihre Spesen zu bestreiten. Mau will eben Schüler gewinnen. Die neue ,/Universität" -beginnt mit einen: dreijährigen Vorbereituugs'kurs. Das Programm ist ein richtiges levantinisches Sammelsurium. Sonderbarerweise fungiert als /besondere Abteilung der Universität ,/Architektur und Handelsknnde" als ein Gebiet, in welchem Handelsrecht, NationalökoMMie, Buchsührnmg und Zeichnen gelehrt wird. Die Katholiken verfügen in Jerusalem über Gelehrte von Weltruf, aber keiner VA: ihnen figuriert m der Liste der Unilversitätsproftssoren. Die neue Schule ist ausdrücklich für Araber bestimmt. Der Rektor muß ein Araber von Sprache und Nationalität sein. Auch Englisch wird von einem Araber unterrichtet. Ein besonderer Anhang des Prospekts betont, daß nicht nur die arabisch^ Jugend, sondern die ganze palästinensischen Bevölkernng die Wohltaten -des Instituts genießen 'solle. Das Patriarchat errichtet besondere A'berrdschulen für Handelslunde mit dreijähriger Dauer. Jede Woche, werden im großen Saale der Schule populäre Vorlesungen über Kunst, Wissenschaft und Religion stattfinden, Orig, franz. Velour . . •. . 1T99.00Ö Orig. engl. Doubld, 160cm breit K 95.000 ■ Orig, engl. Anzug, 160 cm breit K 68.000 die von Lichtbildern 'begleitet sein--werden, und zu dem: das Publikum umsonst Zutritt haben wird. Der Prospek vergißt nicht Gesang und Musik, Theater und Kiuemato graphen. Man höre weiter: „. . . Um dem Volke unmittelbar zu Hilft zu kom> inen und immer besser feine Bedürfnisse kennen zu feiern und seine edlen Bestrebungen zu fördern, eröfft:et das Wer! des Kardinals Ferrari in Jerusalem ein große/ Bolksftkretaviat, wo konrpetente und versierte Männer den Publikum für Rechtsfragen, Wohnungssuche, Pässe, Ar beitsstellen usw. zur Verfügung stehen wevden. Und all» diese Auskünfte werden absolut gratis sein. Um das Angenehme mit dem Nützlichen zu vevbinden, halben wir Fuß ballspiele und Turnhallen eingerichtet. Das leseeisrig» Publikum der - Stadt wird auch einen Lesesväl vorsinden wo neben einer reichen Bibliothek Revuen und Journal' der ganzen Welt im Ue-berfluß vorhanden sein wevden. Ir diesem Saale wird auch ein Büfett eingerichtet sein . . / Es ist traurig, daß die Urteilslosigkeit eines Primi tiveren Volkes in dieser Weise mißbraucht wird. Am Sonntag nach Simchath-Thova sind unsere Schule: wieder eröffnet worden. Der Eröffnung gingen schwere Ver Handlungen der Lehrerschaft voraus Der Kongreß hat be kanntlich n-icht das volle. Budget bewilligt, welches de' Waad Hachinuch zur Erhaltung. seiner Schulen borge, schlagen hatte. So mußte das Jahr mit Kürzung er und Streichungen beginnen -und statt unsere Tätig, keit immer mehr auZzudehnen, Müssen wir sie, der Not de' Zeit gehorchend, einschvä-nken. Der Waad Hachinuch -beschloß zunächst die Einstellung des Budgets „für die hebräische Schule in Damaskus Ein folgenschwerer und Politisch kaum zu billigender Entschluß. Hunderte von 9Nvdchen wurden in dieser Schul» hebräisch erzogen. Man weiß, daß während des Krieges zur Zc.it der gewaltsamen Evakuatidn von Tel-Awiw, Damaskus sehr diele palästinensische Flüchtlinge ausnahm Damals wurde der Beschluß gefaßt, die Tätigkeit u-nserer Schulbchördendorthin auszudehnen. Jetzt, wo das Geld knapp geworden ist, nwinen viele, die Erhaltung der kleinsten Schule in Palästina sei wichtiger als die Arbeit in den Nachbarländern und sei es auch in der uns nächsten großen Stadt, in Damaskus. Das ist natürlich ein falscher Standpunkt, denn wir n:üssen danach streben, um das kleine Palästina herum eii: Hin te rland für un sere Ei nwander n n g zu schaffen und das kann nicht geschehen, wenn die eingeborene Judenschaft. solcher Orte wie Darnaskus arab isiert oder sranzösisiertwird und für unsere Bestrebungen kein Verständnis hat. Dem Maad Hachinuch blieb schließlich keine Wahl. Er 'hängt ganz und gar von den Eingängen des K e r e n H a j e s s o d ab und muß sich nach der Decke strecken. Eine zweite nicht minder bedauerliche und vie>l schwerer entschuldbare Budgetstreichung ist die Schließung einiger jemenitischer Kindergärten in den judäischen Kolonien. Man muß wissen, was für die jemenitischen Kinder der Kindergarten für eine besondere Bedeutung hat. Vater und Mutter arbeiten außerhalb des Hauses vom Morgen bis zun: Abend, die kleinen Kinder bleiben der Obhut der älteren Geschwister anvertraut. Außerden: brechen die jemenitischen Kinder ihre Schulzeit bald ab, denn sie gehen in sehr jungem Mer in Dienst. Da bcdcmtet die Schließung eines Kindergartens eine nicht unerhebliche Gefahr. Die Arbeiterorganisation hat beschlossen, die größten Anstrengungen zu machen, um die geschlossenen Kindergärten M.HreMge ne Rechnung sortzuführen. II.IsvvMr.Ns 1. Adlers;;*;’; %

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.