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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-21 · Heft 1683 (21.10.1923) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1683 (21.10.1923)
Date
1923-10-21
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Serie 8 91, Oktober 1933 Wien, Sonntag Wiener Morgenzettun«. Är.l«S Aber alle diese Streichungen hätten nicht genügt. Auch der BeschUrß des Waatk Hachinnch, in diesem Jahre im Jerusalemer Lehrerseminar keine erste Klasse zu eröffnen, sollte das Budget erleichtern. Noch innner aber blieb ein Defizit v o n 5000 P f u u d. Da entschloß sich die Lehrerschaft zu einer Tat großer Selbstaufopferung. Die Lehrer nahmen die Deckung des Defizits auf sich, indem sie sämtlich auf ein Monatsgehalt für das kü nftige Iahr v e rzi ch teten. Die Größe dieses Opfers wird man um so ine.hr würdigen, wenn man erfahrt, daß jetzt am Begum des Schililjahres die Lehrer noch für drei Monate dos vergangenen Jahres kein Gehalt bekommen haben. Die Folge der Schließung bestehender Schulen ist na- Erlich, daß ein großer Teil der Absolventen der drei bestehenden Lehrerseminare — des Kindergärtnerinn enseminars in Tel-Äwiw, des Lehrerseminars und der orthodoxen Lehrerbildungsanstalt des Misrachi in Jerusalem keine Beschäftigung im Lande gefunden haben. Eine größere Anzahl absolvierter Seminaristen ist übrigens dieser Tage von hier nach Bulgarien abgegangen, wo sie in hebräischen Schulen der Zionistischen Organisation Bulgariens angestellt wurden. Dies ist einmal eine erfreuliche Abwanderung aus Palästina, Venn es ist zu hoffen, daß diese in der Atmosphäre des lebenden -Hebräisch erzogenen Lchre.r dort fruchtbar wirken werden. Budapester Moral. Dir Nachfolger Josef Kitz*. In dem kürzlich in der „Wiener Morgenzeitung" unter dem Titel „Die Budapester Mora!" erschienenen Aufsatz wurde unter anderem auch die Geschichte des Nachrufes erzählt, den der Nachfolger des einst so gefeierten jüdischen Dichters Ungarns, Josef K i ß, in der Kisfaludi-Gesellschaft Dr. Alexander Sit seinem großen Vorgänger gehalten hat. 5k. Sik nannte den jüdischen Dichter einen entwurzelten Juden, der im Ungartum nicht Boden zu fassen vermocht hat. Nun stellt es sich heraus, daß dieser Dr. Alexander Sik, ein junger Piarist, der selbst Gedichte macht und Joses Kiß sein Judentum vorwirst, selbst noch gar nicht so lange auf seine eigene, nichtjüdische Vergangenheit zurückzublicken vermag, denn Herr Dr. Sik stammt selbst von jüdischen Eltern, die sich noch gut jüdisch-deutsch Schick nannten und schrieben, und der Vater dieses jungen Piaristen war der Abkömmling einer bekannten Rabüinerfamilie. Die Taufe des Elternpaares unseres auf die reinrassige Zugehörigkeit zum magyarischen Stamm so bedachten Dr. Alexander Sik hat seinerzeit nicht geringes Aufsehen erregt. Im übrigen weiß „Egyenlöseg" auf Grund einwandfreier Mitteilung zu berichten, daß der jüngere Bruder! des Piaristen-Poeten, Dr. Endre Sik, der in russische» Kriegsgesangenschast geraten war, es ablehnte, in feinet ungarische Heimat zurückzukehren, dort heiratete und heute in Sowjetrußland eine einflußreiche Position innc hat. Er ist unter anderem auch der Leiter eines der wichtigsten Sotvjetorgane, in dem er ständig gegen die Horch y-Realtion m Ungarn in der heftigsten Weise kämpft. Mischer Gemeindekongreß in Budapest. Aus Budapest wird uns berichtet: Ueber Initiative des Präsidenten der Budapester fortschrittlichen Kultusgemeinde, 5k. Alexander Lederer, findet am 81. Oktober in Budapest ein Kongreß der jüdischen Neologen- und Statusqno-Gemeinden statt. Das Aktionskomitee, deren Mitglieder die Einladung unterfertigt haben, besteht außer dem Präsidenten der Pester Neologen-Gemeinde aus folgenden führenden Persönlichkeiten des ungarischen Judentums: Moritz M eze i, Präsident der Israelitischen Landeskanzlei, Dr. Wilhelm V a z s o n y i, Abgeordneter, Hoftat Franz Szekely, gewesener Präsident der Knttusgemeinde in Budapest, Dr. Simon H e v e s i, Präsideut des Rabbinerverbandes, ferner den Abgeordneten Paul S a n d o r undl Dr. Bela Fabian sowie dem Chefredakteur des „Egyenlöseg", Dr. Ludwig S z a b o l z s i. Den wichtigsten Programmpunkt des Kongresses bildet die Gründung ocs Landesverbandes der ungarischen jüdischen Kultus gemein den. Die bisher eingelaufenen Zustimmungserklärungen lassen darauf schließen, daß der Kongreß tatsächlich von sämtlichen in Betracht kommenden Kultnsgemeinden, welche nicht der orthodoxen Landeskanzlei unterstellt sind, beschickt werden wird. Infektionskrankheiten kn Men. Ein mllitärischer Tagesbefehl. Die Heeresverwaltung hat vor kurzem, wie die „Wiener Nachrichten" Mitteilen, den folgenden Tagesbefehl herausgegeben: „In den letzten Wochen wird das gehäufte Auftreten von infektiösen Krankheiten in der Bevölkerung Wiens und Niederösterreichs beobachtet. So wurden in Wien in der Zeit vom 16. bis 29. S.promber 47 Fälle von Typhus und 14 Fälle von N u h r, in Niederösterreich in der Woche vom 30. Sep» lenrbrr bis 6. Oktober 10 Fälle von Typhus und 8 Ruhrsällc mit zwei Todesfällen, beziehungsweise einem Todesfall konstatiert, und zwar Typhus je 1 Fall in Wrener-Ncustadt, Götzendorf und Oberlanzendorf (Bezirk Bruck a. d. Leitha), Krems und Spitz (Bezirk Krems), Fallbach und Loosdorf (Bezirk Mistelbach), Schwarzenbach (Bezirk St. Pölten), Klosterneuburg und drei Fälle in Neunkirchen. Ruhr 6 Fälle in Mauer (Bezirk Amstetten). Ein Teil der Wiener Fälle wird auf eine gemeinfam eJnfektionsquelle zurückgeführt. Dem Auftreten von Darnterkraukungen ist daher erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden und der Genuß roher htnabgekoHter) Milch und frischen, nicht abgewajchmen, e jüdische Minoritätsfrage in Polen An Bericht in der Londoner Anglo Fewish Affociatio«. AuS London meldet I. C. B.: In einer unter dem Vorsitz von d'Avigdor Goldshmid abgehaltenen Präsivialsitzung der Anglo Jewifh Association erstattete Herr Lueien Wolf einen Bericht über die Lage der Juden in Polen. Die von der polnischen Regierung beabsichtigte Abänderung des Gesetzes über die Minoritäten hätte die Wirkung, daß früheren Abmachungen paralysiert und die dem Völkerbund gegebenen Garantien zunichte gemacht würden. Der Völkerbund rat hat diese Maßnahme nverurteilt. Eine vom Joint Foreign Committee und der Alliance I s r a e I i t e in der NumeruS clausus-Frage an die polnische Regierung gerichtete Eingabe, habe diese in einem Schreiben an den B ö lkerbund dahin beantwortet, daß fremden Organisationen das Recht abgeisprochen wird, sich in Minoritatsfragen an den Völkerbund zu wenden. Die polnische Regierung weigere sich, jene Zuschriften anzuerkennen, da die genannten Körperschaften nicht das Recht hätten, sich in Polens innere Angelegenheiten einzmnischen. Die Antwort deS G e. neralse.kretariats deS Völkerbundes betont, daß unter den oAvaltenden Umständen die Frage ohne Berücksichtigung des polnischen Standpunktes behandelt werden müsse. Die Petitionen der jüdischen Körperschaften wurden an die Mitglieder des Völkerbundes weite.rgegeben und dem „Dreierkomitee" zur Prüfung unterbreitet, welches erklärt hat, es bvstche für die Minor'üäwnvechte keine unmittelbare Gefahr und es sei daher vorläufig nicht notig, Schritte zu unternehmen, da die polnische Regierung den Gesetzentwurf über den Numerus clausus zurückgestellt hat; die Angelegenheit lverde jedoch w le.d e r a u fg e li o nt m e n iverden, sobald der Gesetzentwurf denr Sejm vorgelegt würde. Ein weiterer Bericht behandelte die Evakuierung der jüdischen Flüchtlinge in Beßarabien. Die Festnahme von 4000 Juden durch die rumänischen Militärbehörden am Jom K i p u r hat einen Protest des Joint Foreign Commiitees an die rumänische Regierung und das Obe.rkommissariat des Völkerbundes hervorgerusen, worauf Rumänien dem genannten Komitee mitterltc, diese Maßnahmen seien ohne Bissen der Regierung geschehen, die verhafteten Juden seien auf freien Fuß gesetzt und die Ausweifungsfrist b i s Ende des Jahres verlängert worden. Bezüglich der allgenteinen Lage in Rumänien weist der Bericht auf die infolge der hemmungslosen antisemitischen Agitation kritisch gowovikne Lage hin. Die, .Haltung der Regierung sei jedoch korrekt. Was die Lage in den übrigen Ländern anlangt, so soll nach gewissen Berichten in Lugano (Schweiz) ein antisemitisches Propagandabureau eingerichtet ivovden fern, das auch in anderen Ländern, nament« lich in Polen und Rumänien, Vertretungen hat. Präsident Wojciechowski gegen die Unter» drückung der Minoritäten. Warschau, 18. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Der Staatspräsident Wojciechowski erklärte in einer Rede, die er anläßlich eines Bchnches in Grob« o hielt, daß Polen sich früher stets durch Toleranz und Schutz der Schwachen ausgezeichnet habe. Polen besitze ebne demokratische westliche Kultur.. Niemand könne Polen in ben Ostgebieten einen größeren Schade» bringen als jene, die die Methode der früheren Unterdrücker Polens befolgen. Wer mitdieser, Metihoden arbeite, bringe Polen Schande, und alle dies« Personen müßten sich vom öffentlichen Leben und von ihrer Amtstätigkeit zurückzichen, da Polen solche Personen nicht dulden könne. Der Präsident könne versichern, daß all das, 'was. m der Berfassmtg enthalten ist, nicht am Papier bleiben werde. (Welcher Widerspruch zwischen diesen Erklärungen und den RegiernugSmethoden des gegenwärtigen Kabinetts?) Die Stellung des Jüdischen. Klubs zur Regievung. Warschau, 19.. Oktober. (Tel. der „Wiener Mo rgen« zeitung") In der Sejmdebatte über das Expose des Ministerpräsidenten nahm im Namen des Jüdischen Klubs Deputierter Dr. Reich das Wort und sprach sich scharf gegen die Politik der Regierung aus, welche er für die schlechte finanzielle Lage deS Staates schon destticgeu verantwortlich macht, weil sie das für Polen wirtschaftlich so wertvolle jüdische Element als schädlich bezeichnet. Redner beschäftigte sich auch mit der NumeruS clausus-Frage und bezeichnete die gegenwärtige inner- Politik der Regierung als eine Provokation der jüdischen Bevölkerung. Er besprach sodann die Verpflichtungen, welche Polen im Minderheitsvertra.ge eingegangen ist, und verlangte volle Berücksichtigung der Bestimmungen der Verfassung und des Minderheitsvertrages, welche die Rechte der Judett sicherstellen. Bei der Abstimmung über das Vertrauensvotum der Regierung, welche bekanntlich nur eine Majorität von 17 Stimmen erreichen konnte, stimmte der Jüdische Klub geschlossen gegen die Regierung. In der Budgctkommission erklärte im Namen des Jüdischen Klubs Abg. Frostig bei der Debatte, daß der Jüdische Klub nicht für das Budgetprovisorium einer Regierung stimmen könne, welche sich mit der g e h ä s s i g e n Hetze gegen die jüdische Bevölkerung durch die Duldungdieser Hetze identifiziere. Sämtliche ÄinkspaHteien des Sejm sprachen sich in dieser Debatte gegen die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Regierung aus. r besonders im Straßenhandel durch Staub und Schmutz verunreinigten Obstes zu vermeiden und größte Reinlichkeit, namentlich der Hände vor dem Essen, zu beobachten. Ae Uebergabe der Stadtbahn an die Gemeinde. AiU Montag den 22, d., um 11 Uhr vormittags, foe« ginnen im Ministerium für Handel und Verkehr die Verhandlungen über die Pachtung der Stadtbahn durch die Gsmentde Wien. Die Gemeinde ist durch Bizebürgerntetster E m m e x l i n g, Finanzreferent Breitner, Direktor Ingenieur Spängler sowie einige juridische und technische Obepbeamte vertreten. Bessere und billigere Ngarette«. Eim frohe Botschaft an die Raucher: Der Leiter der österreichischen Tabakregie Sekttonschef Dr. Dorret verspricht, daß die Rauchmaterialien, besonders die Zigaretten, w naher Zukunft besser und — höre und staune — auch billiger werden sollen. Wie Sekttonschef Dorret eMärte, sei an guten und billigen Rauchwaren Mangel, weil das entspre.chenide Rohmaterial fehle. Die billigen Zigarettensorten wurden früher aus ungarischem Tabak heryestellt, doch komme dieser nicht mehr in Betracht, da der holläMfchr Tabak, der aus Java stammt, billiger ist. Es besteht die Absicht, wieder Sportzigaretten zu verfertigen, die trotz ihver Billigkeit die FviedensqMitat erreichen sollen. Diese Zigarettensovte soll bereits m der nächsten Zeit m .Verkehr gebracht werden. Eine Erhöhung der Preise der Rauchsorten ist nicht geplant. Antounfall zweier Abgeordneter. In der Nähe von Rotneu siedet hat sich gestern nachts ein schwerer Automdbllunfall ereignet, bei welchem Nationalrat Dr. Georg Sa i l e r und Bundes rat Raimund Sassik erheblich verletzt wurden. Bei der Heimkehr von einer Wählerversammlung im Bnvgeftland übersah der Lenker de- Automobils infolge der Dunkelheit bei Rotnsusiedel einen Bahnschranken und einen davor stehenden Wagen. Der Chauffeur bremste scharf, wodurch der Wagen ins Schleudern geriet und in den Straßengraben stürzte. Die Insassen wurden aus dem Wagen geschlendrrt, wobei die beiden Abgeordneten schwere Verletzungen erlitten. B« Streik der Markthelfer. Der Streik der Markthcklfer blieb auf den Naschmarkt l -änkt. Obwohl die bei den Händlern auf dem Naschmarkt beschäftigten Arbeiter gleichfalls die Arbeit niederlegten, wickelte sich der Marktverkehr ruhig ab Die Approvifionierung Wiens ist dmch diesen Streik vorläufig nicht im geringsten gefährdet. Die Händlerschaft des Naschmarttes hat beschlossen, falls die bei ihnen beschäftigten Arbeiter Montag nicht wieder die Arbeit ausnehmen, mit der Entlastung der Arbeiter vor zugehen. _ Re LebensmittelmSrkte. Die Märkte waren gestern durchwegs ausreichend beschickt. Für einige Gemüsearten sind sogar z-eichte Preisrückgänge ein. getreten. So ermäßigte» sich Kohlsprossen um 3000 bis 4000 K Pro Kilogramm. Kohlrüben um 6000 K., Karfiol um 10.000 K. Pro Nagel (30 Stück). Verteuert haben sich grüne Fisolerr um 3000 K. und Paradeiser um 1000 K. pro Kilogramm. Unter dem Drucke größerer Zufuhren auS Jugoslawien sind die Preise für Eier um 50 K. pro Stück zuruckgegange«. Die Butter preise blieben unverändert. Die tat Laufe der Woche eingetretenen Preisrückgänge für Fleisch im Großhandel kamett im Kleinhandel nicht voll zur Auswirkung. Die minderen Sorten von Kalbfleisch waren um 1000 bis 2000 K. billiger. Rindfleisch hat sich im Vergleiche zur Vorwoche um 1000 K. pro.Kilogramm verteuert. _ Regenwetter. Europa wird von warmen südwestlichen Winden überweht. In Oesterreich war eS gestern stark bewölkt. Zeitweise schien die Sonne.. In Wien regnete es unbedeutend Die Temperatur ist überall gestiegen und erreichte in Tirol 17 Grad, sonst meist 16 Grad, in Wien nur 12 Grad. Voraussage: Im allgemeinen herrschender Wettercharakter anhaltend, veränderlich, ziemlich reichliche Bewölkung. Unbedeutende Niederschläge nicht ausgeschlossen. Etwas kühler doch noch mild, schwache südliche Winde. * Das Neueste ist... Das Neueste ist nämlich Stockeran. Man hat seine landschafttichen und sonstigen Reize mit ungewöhnlicher Plötzlichkeit entdeckt und stiegt nur so dvauf. dar heißt, dqs Fliegett war hauplisächilich auf Seit« der Zuschauer. Ungunst des Wetters, der Zollrevision und andere Elementarkatastrophen hinderten die Flieger selbst, ihre volle Tätigkeitzu entfalten, und sie' mußten sich hauptsächlich damit befchäftigen, photographiert zu werdett. Was das Wetter anlbelangt, kann es nur als raffiniertes Pech bezeichnet werden,.daß Mitte? Oktober-kein FrÜWngShnnmel" Wer/dom WafchVerg und seine Gäfte lachte. Niemand konnte sich träumen lassen, daß um diese JahresM nicht UaieMMw hgriMn WogSHM fte Ry:

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