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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-21 · Heft 1683 (21.10.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1683 (21.10.1923)
Date
1923-10-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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teftift t ' Men. Sonniäg MMtärregime in Sachsen. Dresden» 20. Oktober. Das WehrkreiÄmmna-uLo teilt mit: Heute nachmittags wurde dem Mmisterpräsiidenten Dr. Zeigit c r ein Schreiben des Konmmndanten Geueval Müller überreicht, m dem es unter anderem heißt: Die Roichsvegienuny hat dem KommandaniM den Austvag gegeben. im F r e U staat Sachsen mit den zur Dorsügmlg stehenden und zur Verstärkung zur VevfAgurvg gestellten Machtmitteln verfassungsmäßige und geordnete Verhältnisse wrede rherzustel len und aufrechtzuechMen. Die Gründe für das Eingreifen der Reichswehr werden vor diesem der Bevölkerung bekanntgegeben werden. Der General hofft, daß es dem Ministerpräsidenten gelingen wird, die bei den kommunistischen Mitgliedern der Regierung offensichtlich vorhandenen Bestrebungen, die sich gegen die Grundlagen der Reich-Verfassung zu wenden drohen, in den richtigen Schranken zn halten. Streik der Bergarbeiter in Mitteldeutschland. Halle, 20. Oktober. Der Verstand der Bergarbeiter Deutschlands, Bezirksleitung Halle, richtet au die Bergarbeiter Mitteldeutschlands einen Aufmf zunt Eintritt in den Streik, ivcil die den nntteldeutschen Bergarbeitern durch den gestrigen Schiedsspruch ^gebilligte Lohnerhöhung von 300 Prozent und die Entscheidung über die geforderte Umänderuug der Lohntabelle mrannehmstar seien. Die Notftandsarbeiten sollen rntter aller: Umständen verrichtet werden. Kommurristenvevhaftungen in Stuttgaxt. Stuttgart/ 20. Oktober. Aus Gründen der öffentlichen Sicherheit hat sich der Vehrkreiskommandant veranlaßt gesehen, eine größere Anzahl konnnnnvsttschrr Agitatoren im Verlaufe der letzten Nacht in Schutzhaft zu nehmen. Dazu wird mitgeteilt: In der Kommunistischen Partei war in den letzten Tagen eine besondere Regsamkeit zu beobachten. Die eingehenden Nachrichten ließen erkennen, daß die Kommunisten einen Generalstreik zu inszenieren und Sabotageakte aller Art vorzubcreiten suchten. Diplomatischer Schritt Deutschlands im Auslande wegen der Reparationskohle. Berlin, 20. Oktober. Wie die „Bossische Zeitung" berichtet, hat die Reichsregierung heute die diplomatischen Vertreter in den europäischen Ländern und in Washington beauftragt, um in der Frage der Bezahlung der Reparationskohle möglichst schnell eine Lösung herbeizuführen, einen Schritt in dieser Frage zu tun und die auswärtigen Regierungen auf die finanziellen und sozialpolitischen Schwierigkeiten Deutschlands noch einmal cnrfmerksaru zu machen. Beamtenabdau. Berlin, 20. Oktober. Im Reichsfinanzmiu i > terimu ist der Entwurf einer Verordnung über den Beamtenabb a u fertiggestellt worden. Bon der Gesamtzahl der am 1. d. im Dienst befindlichen Reichsbeamten sollen mindestens 2o Prozent ausscheiden. Kürzung der Gehälter für Auslandsbeamte. Berlin, 20. Oktober. Nachdeur der Reichspräsident mit Rücksicht aus die Finanzlage des Reiches bis auf weiteres aus die Hälfte der ihm znstehenden Auswarrdsgelder verzichtet hat, hat nunmehr auch das Auswärtige Amt mit sofortiger Wirkung einschneidende Kürzungen und geißeln lassen mußte, die erstein, die den Fuß auf, seinen Nacken setzten, als er an des Tempels Schwelle, lag — waren die lieben Anderwandten. Er hat dikü Gcsichtszüge seiner Peiniger.vor Augen und er schreibt in dieser letzten Epistel vor dem freiwilligen Dode: „ED könnte kein Asse dümmere Bewegungen oder lachhaftere Gebärden zeigen, als die Gesichter der Menschen." Dnd Ekel vor dem Leben muß ihm überkommen haben, da er zu Papier bvachw: „Keiner sage, daß sie mich nkchtgochrt haben. Als fte mich gepeitscht hatten, trauerten sie und streichelten mein Haupt..." * Hat Uriel Aeosta aus Ekel vor dem Leben zur Pistole gegriffen? Diese! Schrift zeigt, daß ihn wohl sei^ kraftvoller Forscherdrang trotz alledem an das Lebens gebunden hätte. Aeosta, konnte, durfte nicht mehr leben, weil er sich selbst untreu gLwordein war. Die erschütterndst« Stelle seiner Schrift ist jenes leidenschaftliche Bskerrutnis der Reue, daß er den Weg nach Canossa betreten) hatte. i ■ „Wenn es fön schön gilt, für die Heimat bis zum Tode zu kämpfen, weil sie etwas ist, waE zu uns gehört, warum sollte eS nicht schön sein, für die eigene Ehoei, die ganz unser ist, und ohne die wir nicht recht lebepj können, es sei denn, wir wollten uns wie ein schmutziges Schweim im dreckigen Kot des Gewinnes wälzen." Dies aber, dies allein rechtfertigt den Selbstmord) des edlen Kämpfers. Er mußte Schluß machen, weil er sich selbst verlassen und sich dem Unecht gebeugt hatten Für diese Schrift aber wollen wir ihm Mt dHij Worten danken, die Herder für daS „Exemplar humanae Vitae" AcostaS fand: ' - „Dank der Menschheit sch allen Denen, die so unerträgliche Lasten und Fesseln, die jede unziemende Beschimpfung, jede kränkende Verfolgung;bte Menschew Menschen von göttlichen oder menschlichem' Rechts wegen, ungescheuet, ja pflichtmäßig und frohlockend anihaten, in ihr wahres Licht stellten." ,; 'tto AbeleS. I M«n«r MorgeitieUimS. 21l. OktoberlgW Nr. M Re Bestattung der Lpfer der ßrvloflouL' katastrophe. der Gehälter der ANLlandsbeamten angeordnet. Mt ganz ^wenigen Ausnahmen sind die Gehälter des Gescmdtschaftspersonals in der ganzen Welt durchschnittlich um 10 Prozent, zum Teil auch um höhere Sätze herabgemindert worden. Die Gehälter der Gesandten erfahren eine 12prozentige, die der Botschafter eine 15prozentige Kürzung. Rotzvach wieder aktiv. München, 20. Oktober. Bei einer von der Mteilung Roßbach der Nationalsozialistischen Partei abgehaltenen Feier wandte sich Oberleutnant Roßbach in einer kurzen Ansprache an den Kampfgeist der Jugend und führte u. a. aus, das ganze Reich warte jetzt auf einen Fort. Daß er von Norden komme, dazu fehlen die Voraussetzungen. Im weiteren Verlaufe der Feier ergriff auch H i t l e r das Wort. Sesterreich. SefterreWsch-tschecho-sloloMche Derhandluuge«. Prag, 20. Oktober. (Tel. der „Wiener Marge nzeirtung") Sektionsches Dr. W l a s s a ck vom Finanzministerium begcck sich heute nach Wien, um dort die in Rom begonnenen Verhandlungen bezüglich der Eisenbahnerpensiionen zu beenden. Tschecho-Elowalei. Masartzk in BrSffel. Brüssel, 2v. Oktober. Präsident MasarHk und Außennrinister Tw. Benesch sind um 11 Uhr vormittags hier eingetroffen und vom König und dem Prinzen Leopold im Bahnhof herzlichst begrüßt worden. Präsident Mafaryk legte am Grabe des unbekannten Soldaten üinen Kräng nieder. Ungarn. Sitte neue WohnMgsverordnung. ZSVfache Zinserhöhnng. Budapest, 20. Oktober. Tie noch vor dem 1. November d. I. zu veröffentliche nide neue Wohnungsverordnulig wird eine 360-fache Erhöhung der Friedenswohnungs-> zinse und eine 900fache Erhöhung der Zinse für Geschäftslokale dorischen. Die Opposition der illationalversammlung, die in der letzten Sitzung des Tvuerungs. ausschussts die Annahme einer Resolution durchsetzte, die sich gegen jede Erhöhung der Zinse vor dem Mai des nächsten Jahres ausfpricht, beabfichttgt, wie die Blätter melden, die Einberufung der ^Mwärtig auf unbestimmte Zeit ve^ tagten NcttionaldersammRng zu fordern, um gegen die neu e Wohnungsvcrordnung zu protestieren. Polen. Ler Ausruf der Regieruus. Warschau, 19. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeituug".) Im Zusarmnenihang mit dem Aufmf der Regiermtg wurden bei mehreren jüdischen professionellen Verbänden in Warschau Hausdurchsuchungen vorgenommen und einige Personen verhaftet; . die Namen sind un-bekannt. Der Aufruf scheint also bei den Verwalttingsbehörden die Auslegung gefunden zu haben, «welche die Regierung durch ihren Innenminister zuvückweist. Wegen dieses Aufrufes hat der Jüdische Klub eine dringliche Interpellation an die Regierung gerichtet, weil sie durch den Ausdruck Innerer Feind" einen Verdacht gegen die ganze jüdische. Bevölkerung zn lenken beabsichtigte. In der Interpellation wird auch darauf Angewiesen, daß die Regierung in keiner Weise gegen die Pressehetze eingeschritten sei, welche, im Zusammenhang mit dein Regierungsaufruf von der rechtsstehenden Presse gegen die Juden unternommen wurde. Skstloyouslataftrophe und Zudenhetze. Aus Warschau meldet I. C. B.: Die Explo-stonSkatastrophe in der Warschauer Zitadelle wird von den Rozwo j - Elementen zu einer antijüdischen Hetze ausgenützt. Die Rozjwoj-Zeitungen machen Anspielungen, daß es sich um einen polenfeindlichen Anschlag handelt, an welchem „Juden und Deutsche" beteiligt seien. Unter Führung von RoFwoj-Agitatoren drangen Banden in Cafes und Konditoreien deS jüdischen Viertels ein und trieben die Gäste unter dem Rufe: „Man schlachtet die Polen und die Juden «unterhalten sich," auf die Gasse hinaus. Die Katastrophe in der Warschauer Zitadelle hat auch jüdische Opfer gefordter. In das Mische Spital wurden der 26jährige Lemberger Kaufmann Moses Kupserstein und ein Jude unbekannten Namens verwundet eingeliefert. In das Ojazdower Spital wurden 24 Soldaten, darunter folgende Juden, schwer verwundet, eingeliefevt: Josef T u ch n e r, PüÄas 8 ipa e z, Levn SPinndrath, Fischel Deimann, Israel Romanowitsch, Josef Schneider, Elias Anbow. Zur Unterstützung der Opfer der Warschauer Katastrophe hat Ver jüdische kauftttännische Verein einen Aufruf zur Spendensammlung erlassen;^.7'Heich am ersten Tage liefen größere Betrüge ein. Die jüdische Ochausprelertruppe des Theaters Zentral hat 25 Pwzent der EinMhmen dem Hilftwerk zur Verfügung gestellt. Ein« Hetzpredigt des Geistliche«. Warschau, 20. Oktober. (Tel. st. „Wr. Morgelizeitung". Das Leichenbegängnis der Opfer der letzten Expb-sion ge> staltete sich zu einer imposanten Kundgebung, an det Vertreter der Regierung, des Parlaments, des ÄnatS uns vieler Körperschaften teilnahmen. Ms sich der LeichenFus in Bewegung setzen wollte, betrat der Geistliche Wo jeza! die Kirchentveppe und verlas eine Trauerte, die all eine Hetzpredigt ge.gen den inner.en Feind be trachtet werden kann. Das gesamte Volk sei Lnrrch das letzß Unglück in Trauer versetzt worden. ES sei klar, daß nock immer, verbrecherische Hände vorhanden sind, die der Staat vernichten wollen. Die. Verzwefflung des Volkei wegen des letzten Attentats fei unbefchreMch, weil der ge» Heime Feind noch immer da fei, unld es sei nicht ausg«. schlossen, daß er vielleicht in diesem Moment unter de« ve.rsam'mel'ten Trauergästen weile, ,^vo er nach, neuen Mt> teln trachtet, um uns einen noch größeren Schllüg zu dersetzen". Die Rede hat einen äußerst Peinlichen Eindruc! hervorgerufen, weil der Geistliche einen, recht unpassender Zeitpunkt zur Verhetzung der Massen gegen die Jude« getvahlt hat. Die Bestattu«ng des jüdischen Soldqten Katz der ebenfalls ein Opfer der Explosion ist, hat unter zahl, reicher Beteiligung der Judenschaft und militärischer Vertreter stattgefunden. Warschau, 20. Oktober. (Tel. d. ,>Wr. Movgeyzeituing"^ Das demokratische Organ ,^urjer Polski" wurdi wegen eines LeitartÄÄs, der gegen den letzten Aufruf der Regierung schärffte Stellung nimmt, beschlagnahmt Wie Ihr Korrespondent aus zuverlässiger Qmlle erfährt, hat der englische Finanzexperte Hilton Aounz sich abfällig über den Ausruf der Regierung geäußert und seiner Meinung Aufdruck gegeben, daß die Regierung felLfl mit dem Aufmf Verwirrung he.rvormft. Mr. Joung erklärte, daß es rnr gegenwärtigen Moment unangebvachi wäre, der Regierung weitere DollnMchten zu erteilen, do er ein Kopieren der „Stresemann-Regiemng" nur abraten ' Wune. i Der Untersuchungsrichter erklärte rnchvertzn Abgoord, neten, unter denen sich auch der jüdische Abgeordnete Rosm a r i n befand, e>r habe festgestellt, daß die Explosion nur durch einen uuglückli chen Zufal.I hevvorgemfen wurde. Das Zentralkontttee der professionellen Vereinigungen hat den Beschluß gefaßt, einen politischen Generalst r e i k zu proklamieren. Der Termin ist derzeit noch nicht bestimmt ivorden. . Das Organ der herrschenden Majorität, ,/Gazeta Warszawska", schreibt: „Polens Desovganifiemng ist dvs Ziel der j ü.d.i scheu W e-l tpol i i ik, die ganze Landsknechtsarmeen im Innern unseres LanVes foruriert und feindliche Armeen mr unseren Grenzen sammelt. Es ist deuÄich genug verständlich, warum Vertreter der jüdischen Sejmftaktion sich an den Jnnenminffter und den Regierungskomnüssar gewendet haben, um dkq Aufnwrksamkeit auf die große Mögilichkeit von Judenpogromen dringend hinzulenken. Sowohl aus Warschau als auch aus der Provinz kommen» Meldungen, daß die jüdische Bevölkerung jetzt äußerst bange Tage durchlebt rmd sich hier und da bereits mit Flüchtgedanken trägt. PMftiua. Keine palWnensischen Mrgerrechte au an» «indische Süden. Vor kurzer Zeit wandte sich die Zionisttsche Orgcmisation von Schanghai an die Regierung Palästinas mit dem Ersuchen, palästinensische Bürge-rschastszertiftkate für eine Reihe Schanghaier Inden auszustellen. Vor kurzem erhielt die Orgairisatton ein Antwortschreiben des Zivil, sekretärs der Palästina-Regierung, Sir Gilbert C'l ay t on, in welchem ausgefiihrt wird, die Verordnung über die Bürgerrechte in Palästina sei noch nicht in Kraft getreftn; aber auch nach deren Inkrafttreten würden paWinensische Bürgerrechte nur den in Pa l ä st i n a a n s ä s s i g e n I n d e n, nicht aber Juden im Ausland gewährt tverden können. (I. C. B.) Die Einwanderung im September. Wie der Jorusakenier I. C. B.-Korrespondent erfährt, sind im Monat Septenrber 643, im Augrest 658 Personen in Palästma envgewandert. Palästina ans der britischeil Reichsausstellung. Aus London meldet man uns: Der Sekretär des „Economic Board" von Palästina Unterzeichnete soeben einen Vertrag mit dem Rat der britischen Reichsausstellung über die Teilnahme Palästinas an dieser Ausstellung. Diese» findet bekanntlich im nächsten Jahre statt. Eine italienische Hauserbaugesellschast in Haifa. Die italienische Gesellschaft Gambino u. Co., die soeben den Dan von elf Häusern in der Haifaer Siedlung ,^8eth Galim" beendet hat, verhandelt mit einer anderen jüdischen Haifaer Siedlung. wegeil eines Häusevbaues. Die Gesellschaft ist ba'fci.t, die Hälfte der Baukosten für zchn Jahre zu kreditiere». (F. C. B.) MnffoNni — Ehrendoktor. Rom, 20. Ok-toiber. Die Umvevsität Bologna hat dm» Mimsterpräsidenten Mussolini das Ehre uidöt: s v n t der Jurisprudenz verliehen

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