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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-21 · Heft 1683 (21.10.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1683 (21.10.1923)
Date
1923-10-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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/. : 1 .fii-; ui - ■■ ♦; v ,■ '•J - Sette L Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung. A. Oktober IM Ade. E Bar hat der WWe Wähler heute zu tun? Ne WM ist geheim. — Niemand kann den Wähler kontrahieren. — 6t wähle wen er will und kann daher alle Lrohungen und Sinschllchterungen rurüilweisen. Sr braucht niemandem seinen Stimmzettel zu zeige« l Jeder jüdische Wähler und jede jüdische Wählerin sehe sofort in der m seinem Wohnhaus angeschlagenen Kund, machrmg des Magistrats nach, in welchem Wahllokal und bei welcher Kommission er zur Stilmmnabgabe eingeteilt ist (AmtSlokal,, Schule)! Heute ist Wahltag! Die Stimmenabgabe findet' von 7 Uhr früh bis o Uhr nachmittags statt. Cs «npfichlt sich, möglichst zeitlich wählen zu gehen, woil erfahrungsgemäß in den Mittagsstunden ein großer Andrang in den Wahllokalen herrscht. Die Wähler erhalten keine amtlichen Wahllegitimationen und haben sich vor der Wahlkommission durch PersonÄdokmnente a-uszuwslsen. Za diesem Zweck bereite man die hierzu notwendigen Dokumente vor! AIS Urkunden oder amtliche Bescheinigungen zum Erweis dor Identität komme« in Betracht: Geburts- und Trauscheine, der Heimatschein, Staatsbürgerschaftserklärung, Anstellungsdeikrete, Pässe und amtliche Legitimationen jeder Art, Arbeitsbücher, Dienstbotenbüchvr, Dienstkarten, Jagdkarten, Eisenbahn- und Tramwaypermanenzkarten, Gewerbescheine, Lizenzen, Diplome, Jmmatrikvlaiionsscheine und Meld« ngsbüchvr einer Hochschule, Hoch- und Mittelschul- Zeugnisse, militärische Dokumente und derglkorchen, iiibechaupt alle unter Beidruck eines Amtsstempels ausgesertigten Urkunden, die den Personenstand des Wählers erkennen lassen. Bon der WahlVehörde. Mit einem oder mehreren dieser Dokumente versehen, ' tritt der WWer vor die Wahlbehorde, deren Sitz er aus dem Etlichen Anschlag in feinem Wohnhaus erfährt, nennt seinen Namen, bezeichnet seine Wohnung Md. legt eine Urkunde oder «e-tne der oben angeführten amtlichen Beschoinvgungen vor, auS der feine Identität ersichtlich ist. Hat. der Wähler sich entsprechend aüsgewiesen, so erhält er von dem DahAeiter das undurchsichtige leere Wahlkuvert. Cr hat sich hierauf in die Wahlzelle zu begeben und logt nun den Stimmzettel -er Jüdischen Wahlgemeinschaft in das Kuvert. Obwohl am Sonntag die Abgeordneten -um Nationalvat, dve neuen Gemomderäte und die Bezirksvertretungen für olle Bezirke zu wählen sind, wird bei dieser Wahl nur ein Stimmzettel abgegeben. De'r Stimmzettel der Jüdischen Wahlgemeinschaft wird allen jüdischen Wähler« rechtzeitig zugestelli werden. Sollte ein jüdischer Wähler oder eine jüdische Wählerin keinen solchen Stimmzettel erhalte« haben, so begebe man sich in das nächstgelegene Agitatlonslokal der Jüdischen Wahlgemeinschast und behebe einen Stimmzettel! Der Wähler oder die Wählerin kann auch von der Wahlbehörde einen leeren Stimmzettel verlangen. Mit diesem begibt man sich wie oben in die Wahlzelle und schreibt so- 'wohl in die Rubrik „Stimmzettel für die Wahl zum Nationalrat" als .auch in die Rubrik „Stimmzettel für die Wahl zum Gemeinderat und Bezirks Vertretung": Jüdische Wahlgemeinschast. Zusätze, wie zum Beispiel die eigene Unterschrift oder witzig sein sollende Bemerkungen und ähnliches, sind zu unterlassen, da sonst die Stimme für ungültig erklärt wird. Nach dem Verlassen der Wahlzelle übergibt man das Wahlkuvert geschlossen dem Wahlleiter, der es in die Uvne legt. Damit hat der jüdische Wähler und die jüdische Wählerin ihre Wahlpflicht erfüllt. Stimmzettel der Mische« Wahlgemeinschast. Stimmzettel sind in folgenden Lokalen zu haben: 1. Bezirk: Cafs Atlashof, Wiefingerstraße 11. — (5 cif6 de France, Schottenriug 3. Cafe Residenz, Franz Josefs-Kai. 2. Bezirk: Auitta Müller, Untere Augartenstraße 35. — Gasthaus Baron, Große Schiffgaffe 13. — Machsike Hadath, Schiffamtsgaffe 20. — CafL Salztorbrücke, Hollandstraße 4. — Jüdischer Nationalrat, TaLorstraße 20a. — Cüfä Blau, Rotensterngaffe 17. — Cafö Reif, Taborftraße 43. — Cafe Reichsbof, Praterstraße 60. — Cafe Piffl (Neuhauser), Franzensbrückenstraße 1. — Cafe, Wolfgang Schmälzlgasse 10. — Cafe Wiukler, Stuwerstraße 1. — Gasthaus „Zum Radfahrer", AuSstellungsstraße 83. — Volksbibliothek Zion. Glockengasse 30. 3. Bezirk: Zentrale: Cafe Ilion, Ldwenyasse 39. — Restauration Littuumn, Radetzkystraße 21. - I. A. V. Makkabäa. ReiSner- Aaße 23. — Jüdische Schlofferwerkstätte. Apvstelgasse 39. — Taubstummeninstitut, Juchgasse 22. — Tempelverein, Erdherastraße 15. 4. Bezirk: Norbert Hochstimm. Schikanedergasse 11. — Blau-Wrißheim, Margaretenstraße 7. 5. Bezirk: Ignaz Kurz, -Vogelsanggasse 41. 6. Bezirk: Menoray, Amerlingstraße 19, Hoffnege. — Cafv Weft- «inster, Mariahilferstraße 57. — Cafs Meißnerhos, Kasernengaffe 1. 7. Bezirk: Restauration Reiß, Mariahilferstraße 124. — Restauration Zttahof, Mariahilferstraße 88s. — Cafe Neubau, Westbahn-' straße 60. — Cafe Mariahilf, Mariahilferstraße. — Casö Neubauhof, Neubaugaffe 64. 8. Bezirk: Vereinsheim, Bennoplatz 1. — Cafö Schlosselhof, Alserstraße 15. 9» Bezirk: Lokal l- Cafä Metropol, Berggasse 33. — Lokal II: Makkabi. Liechiensteinstraße 20. — Lokal III: CafS „zum roten Löwen, Roten Löwengaffe 7. — Lokal IV: Jvria-Bude, Glasergaffe 4s. — Lokal V: Sekretariat, Müllnergasse 21. — Auskünfte beim Wrhlleiter Oberrechnungsrat Weiner, Servitengasse 13, Tür 19 und Berggasse 33, Wahlgemeinschaft. 10. Bezirk: Zionistische Bezirkssektion, Favorite,lstraße 130. 12., 14., 15. Bezirk: VerbandSheün, Herklotzgaffe 21. 13. Bezirk: Ccrse ^renzl, Hütteldorferstraße 117, Ecke Reinlgasfe. — Flachgasse 3, Heim der Jüdischen Tischgesellschaft Breitensee. 16. Bezirk: Cafe Dubinsky, Thaliastraße 22. 17. Bezirk: Turnverein Makkabi, RStzergasse S/11. 18. Bezirk: Wchrmger Brauhaus, Gentzgaffe 62. — Gersihoscr Wiruerhaus vormals Wolf- Gerswoserstraße. . _ 19. Bezirk: AdvokaturSkanzlei Dr. Jakob Kohn, Döblinger Hauptstraße 36, Tel. 94.293. — Restauration Zögernitz (Kegelbahn), > DK nger Hauptstraße. — Gastwirtschaft „B o n d e r h e i d", Döblinger Hauptstraße 23. SV. Bezirk:., ( f ,, Karl Meißl-Straße 1. — Karl Meißl-Stratze Y. - Denisgaffe 33 (Toynbeehalle). — Cafö Magnet, Gaußvlatz 2,— Volksküche, Kluckygafle 7. ' Achtung! Mische Wühler! Die Agitationslokale gemacht! sind durch Aufschriften kenntlich Jüdische Wühler und Wählerinnen! Gegenüber einem gestern in mehreren Tageszeit»»- gen veröffentlichten Aufrufe teilt die Union der densichösterreichischerr Juden mit, daß die Delegiertenversammlung als oberstes Organ dieser Organisation am 17. September d. I. mit überwiegender Mehrheit beschlossen hat, sich mit der Zionistischen Organisation Oesterreichs zur Jüdischen Wahlgemeinschaft zusämmenzuschließen. Wenn nun die Herren Karl Fröhlich, Anton Stein, Bernhard Buchwald, Richard Teweles und Paul Herschl dieser Wahlgemeinschaft unter Hervorhebung ihrer Funktion im Vorstande der Union entgegentreten, so muß betont tverden, daß für die Union nur deren Präsident Dr. Jakob Ornstein verbindliche Erklärungen abzugeben berechtigt ist. Wir stellen überdies fest, daß die Herren Anton Stein, Bernhard Buchwald und Paul Herschl gar nicht Mitglieder des Zentralvorstandes, sondern lediglich einer Bezirkssektion der Union deutschösterveich sicher Juden sind. Jüdische Wähler und Wählerinneus Wählet daher am morgigen Tage unbeirrt und geschlossen die Liste de, Jüdischen Wahlgemeinschaft! Union deutschösterreichischer Juden: Dr. Jakob Ornstein, Siegfried Fleische r, Präsident. Sekretär. Dr. Jakob Kohn, lebhaft begrüßt, besprach! di« kultu«k> len und wirtschaftlichen Pflichten ' der Sozialdemokrat^ welche die von ihr propagierte Diktatur deS Praltz tariats vorläufig nur gegenüber der Gesamtjnbew heit beansprucht. -Bankier Kronstein anerkarmte dü ethische Berechtigung der Jüdischen Wahlgv meinschaft mit dem Wünsche, daß von dieser die politb sche Klugheit nicht außer Betracht gelassen werde. Die Redner Hofrat Dr. Werner und Dr. Tartakower geißelt« . den Hochmut und die Unduldsamkeit.der sozialdemokratü scheu Führer unter dem Beifall der glänzend besuchte» &tt» sammluug, welche den Schlußappell deS Vorsitzenden, Her» Eduard Rechnitzer, mit Begeisterung aufnahm. Bon gegnerischer Seite wird behauptet, daß die von der Jüdische» Wahlgemeinschaft zur Verteilung gelangenden und ben^MMsW» ..Mgeschickte» Stimmzettel ungültig seren, weil sie nicht daA Latum des Wahltages enthalten. Diese Behauptung ist ein böswilliges Wahlmanöver! Die Stimmzettel der Jüdischen Wahlgemeinschast e n t s P r e ch e n allen gesetzlichen Vorschriften k Lasset Euch d a h e r n i ch t i r r e f ü h r e n und benützet nur den Stimmzettel der Jüdischen Wahlgenreinschaftk Ae Wahikartmwä-ler. Die mit Wahlkarten versehenen Wähler können ihr Wahlrecht nur bei der in jedem Bezirk hierzu bestimmten Ortswahlüehörde ausüben. Diese Wahlbchörden haben ihren Sitz in den Amtshäu s e r n der einzelnen Ge-- rneindebezirke. Jene Ortswahlbehörde, zu der das Wohnhaus des Wahlkartenwählers gehört, ist abgesehen von den besonderen Bestimmungen für Mitglieder der Wahlbehörden und Wahlzeugen zur Abfertigung eines solchen Wählers nicht berechtigt. Löblins für die Mische Wahlgemeinschast. In Preyers Gasthaus fand Dontlerstag die letzte jüdische Wählerversammlung in Döbling statt. Professor Dr. S t e i it führte iit fesselnder Rede alle Gründe an, welche es zur jüdischen Pflicht inachert, die Wahl des verläßlichsten jüdischen Sachwalters Stricker zu sichern. fin Wahlmanöver. Pogromdrohungen. — Maßregel« der Polizei. Vorgestern und gestern waren in Wien sensationell» Gerüchte über Pogromvovbereitungen der rechtSrMkale» Kampfverbände verbreitet. Danach sollte der heutig, Wahltag auch der Tag sein, an welchem die Pogrom!» sten in Wien an ihren jüdischen Mitbürgern blutige Rach, nehnren wollen. Cs war selbstverständlich, daß eine dev artige Nachricht in allen Kreisen der Wiener Bevölkerung Beunruhigung hervorrief. Den Gerüchten lag folgender Tatbestand zugnurde: Bei einem Hakenkreuzler, der m eine Rauferei mit Sozialdemokraten verwickelt wmde, fand die Polizei nebst einer Liste von Adressen den folgenden Brief: Frontkämpfervereinigung Stoßtruppe „Ostära." Bund schwarz-gelber Legitimisten Nationalsoziale Hakenkreuzvereinigung Streng vertrauliche Sofort vernichten. Herr Kamerad! Der 21. Oktober d. I., der Wahltag, soll der Tag de: Vergeltung werden. Dank der genialen Idee unseres hochverehrten Bundes» kanzlers, dank seiner Energie, i\t es gelungen, sämtliche bürgerlichen Parteien zu einer Einheitsfront zu vereinigen, und ist es jetzt schon außer Zweifel, daß es uns gelingen wird, die internationale Sozialdemokratie, deren Führ« Juden sind, diese infame Beschützerin des Judentums, se vernichtend zu schlagen, daß sie sowohl die Herrschaft im Rathause als auch in der Nationalversammlung vttliert. Der 21. Oktober ist Wahltag, aber auch Zahltag. An diesem Abend wollen wir ein Siegessest feiern, wie es seil den Tagen des alten Rußland nicht mehr gefeiert wurde. An diesem Abend wollen wir an diesen sogenamrien jüdischen' Mitbürgern Rache nehnien für alles das, was wir währendes Krieges und nach dem Kriege durch sie erlitten haben. v Die Sozialdemokratie wird durch ihre Niederlage aller' Voraussicht nach an diesem Abend so zermürbt, seindäß sie nicht in der Lage sein wird, so wie int Jahre 1919 als Judenschutztruppe zu fungieren und die Inden vor unserer- Rache zu schützen. Herr Kamerad! Am Tage vor der Wahl, werden Ihnen in dem bekannten Lokal all«' für den Wahltag, beziehungsweise Abend, nach der Wahl bezüglichen Anweisungen erteilt und es werden Ihnen die Häuser bekanntgegeben, in welchen Sie mit Ihrer' Stoßtruppe zu arbeiten haben. Die ganze. Aktion muß in.zwei Stunden erledigt sein. Veranlassen Sie, Herr Kamerad, daß alle Ihnen zugewiesenen Leute rechtzeitig am Platze sind. Der Vollzugsausschuß. . Die Polizei hat, wie wir erfahren, alle erforderlichen Niaßnahnwn getroffen, um am Wahltage alle Ausschreitungen zu verhindern. Die in der Adreßliste angegebenen Personen wurden sofort in Haft genommen und verhört. Es stellte sich dabei heraus, daß die Verhafteten mit der Angelegeilheit nichts 31t tun hatten. Darauf wurden sie wieder in Freiheit gesetz. Die ganze Aufmachung des Schreibens, das angeblich von der Ostara, den: Bllnd schwarz-gelber Legitimisten und der Nationalsozialen Hakeilkreuzvereinigung (!) ausgeht, trägt den Stempel der Unwahrscheinlichkeit an sich und die Möglichkeit, daß es sich mehr um ein Wahl Manöver handle, ist viel wahrscheinlicher. Der Zweck der ganzen Aktion dürste der geweseil sein, die jüdischen Wähler von der Wahl äbzuhalten. Es haben tu Wien verschiedene Parteien ein großes Interesse daran, die Stimmenabgabe für die Jüdische Wahlgemeinschast zu verhindern. Da sie es auf geradem Wege nicht vernrögen, so versuchen sie es auf andere Weife. Da die Sicherheitsbehörde von der Sache Kenntnis besitzt und erklärt hat, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, so liegt kein Grund zu irgend, einer Befürchtung vor. Die jüdische Bevölkerung wird sich nicht äbhältei» lassen, durch die Abgabe ihrer Stünmen für die Jüdische Wahlgemeinschaft allen Pogromisten und solchen, die mit ihimr sympathisieren oder sich ihrer bedienen, die gebührende Antwort geben. Die Polizeidirektton verlautbart: Die in einem Nachmittagsblatte veröffentlichten Nachrichten über einen Pogromplan der Ostara entbehren nach den eingehendst gepflogenen Erhebungen der Polizeidirektion je de r Gru ndl a ge. Allem Anschein nach handelt eS sich um ein plumpes Wahl.manöv er oder um den Versuch, die Redaktionen einiger Tagesblätter i r r e z u f ü h r e u. Die Nachförschungerr der Polizeidirektion bewegen sich nunmehr auch in der Richtung, festzustellen, welche Personen an dieser straßpsetzlich zu . ..1.

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