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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-19 · Heft 1681 (19.10.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1681 (19.10.1923)
Date
1923-10-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1681 .. " Wi<m, ftrcftoß glevung .'b-emt gräflichen Bischof die Ausstellung eines Passes verweigerte, ' beziehungsweise die Angelegenheit immer hinauSschob in 'der Annahnre, das; der Vatikan inztvischen sich für die Ernemmug des Ministers Joses Bass zum KaMnal-Erzbischof von Erlau entscheiden werde. Bischof Graf MiLes erschloß sich daher, ohne Reiseipaß im Flugzeug nach Rom zu reisen, wo es ihm auch schließlich gelang, den Papst fitt die Ernennung des Bischofs von Fünskirchen Grasen Zichy für das Erlauer Erzbistum zu gewinnen. Schon vor drei Monaten wurde die ungarische Regierung von dieser Ernennung in Kenntnis gesetzt. Aber Horthy und seine Regierung ließen nicht locker, sie übten auf Üten Grasen Zichy die Pression aus. die Würde nicht anzunehmen. Die römische Kurie besteht jedoch daraus, daß der von ihr ernannte Kardinal-Erzbischof unverzüglich seinen Sitz einnchmc. Dieses seltsame Intrigenspiel ist durch römische Zeitungsmeldungen nunmehr auch in Ungarn bekannt geworden, und in den ungarischen politischen Kreisen, ist man jetzt gespannt, wie sich Horthy und bechlen aus dieser heiklen Affäre ziehen werden. Polen. Der einheitlich? Mische Klub. Warschau, 18. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Innerhalb des Indischen Klubs ist es nach einer gründlichen politischen Debatte zu einer inneren Konsolidierung gekommen. Die bereits veröffentlichte Resolution des Klubs enthält die Richtlinien der jüdischen Politik in der nächsten Zeit, die von sämtlichen im Jüdischen Klub vertretenen Parteien gebilligt wurden. Demnächst wird auch ein neues Präsidium gewählt werden. Zwischen den jiidischen Gruppierungen, die im jüdischen Nationalrat vertreten sind, werden seit längerer Zeit Verhandlungen geführt, um eine Reorganisation des Nationalrates durchzuführen, der auf eine breitere Ovgamsationsbasis gestellt werden soll. Kein Ultimatum Rußlands an Polen. Die polnische Gesandtschaft teilt mit: In einigen Aussclndszeitungen erschien eine Nachricht über eine ultimative Forderung der russischen Regierung betreffend den Durchmarsch vussischen Militärs über polnisches Gebiet zfvecks Hilfeleistung für die Kommunisten Deutschlands. Die polnische Gesandtschaft in Wien ist ermächtigt, diese Nachricht als vollständig unwahr in aller Form zu dementieren. Sie Warschauer krvlofionskatastrovhe - kein politisches Verbrechen. Aus Warschau meldet man uns: Obzwar sämtliche militärische Fachleute erklärt haben, daß die folgenschwere Explosion in Warschau durch Zufall entstanden und jeder Sabotageakt ausgeschlossen sei, behaupten die Regierungstreise noch immer, daß die Explosion das Werk eines politischen Berbve.chens sei. In diesem Sinne wird auch die Untersuchung geführt. Wie uns. aus Lemberg gemeldet wird, haben sowohl dort wie in Strhj, Vary s il a w und Drohobycz umfangreiche Hausdurchsuchungen bei Kommunisten und politisch verdächtigen Personen stattgeifurvden, wobei zahlreiche Verhaftungen vorgenommen wurden, darunter auch solche von rechten Poale-Zionisten. Das Lokal der Kommunisten in Lemberg wurde behördlich geschlossen. Bei der Verhaftung der Poale-Zionisten scheint es sich um einen gewissen lieber gifer der unteren Behörden zu handeln, der allerdings auf den beunruhigenden Ton der Regiernngskuindgebung zurückzu führen sein dürfte. Ein Rachklaug zur Revision des Schapira- Prozeffes. Der Ploeker Stadtpräsident gemaßregelt. Aus Warschau meldet I. C. B.: Im Revisionsprozeß betreffs der Erschießung des Rabbiners S cha- P i r a hat, wie gemeldet, der Präsident des Plocker Stadtrates Kucharski günstig ausgesagt und darauf hingewiesen, - daß inährend der bolschewikischen Invasion die jüdische Bevölkerung nicht weniger als die polnische zu leiden hatte. Nach einer fociöcit erlassenen Verordnung wurde der P-locker Stadtrat aufgelöst und Kucharski seiner Funktion enthoben. In politischen Kreisen sieht man darin eine Maßregelung für das Verhalten des Stadtpräsidenten Kucharski im Schapim-Prozeß. Rumimieu. AusnahmrprLfnngen an dm rnmSnischen Universitäten. Die rumänische Regierung hat, wie bereits gemeldet, mit Beginn des heurigen Studienjahres die Einrichtung getroffen, daß sich die Hochschulkandidaten einer Aufnahmsprüfung zu unterziehen haben. Diese infolge der nationalisttsch-ant'ise'Mitlschen Hetze geschaffene Institution verzögert jedoch den Beginn des. Universitäts- Letriebes, da sich verschiedene Fakultäten und einzelne Professoren geweigert haben, diese Prüfungen vorzunehmen. Wie die Siebenbürger Blätter melden, haben, sich zur Aufnahmspvüfung an der Klausenburger Universität bisher 97 Kandidaten gemeldet. Hiervon waren 47 Christen, 50 Juden. Bon den Christen sind 2. von den Jmdeu 47 durchgefalleL. _Wiener Morgenzeitung._ Tagesbericht. MWe Kriegsgefangene in Rnßiavd. Nach verschiedenen aus Rußland in Polen einlangenden Nachrichten befinden sich noch tausende Juden aus Polen, zum größten Teile Familienväter, in r u s s i s ch c r K r i e g s g e f a n g e n s ch a f t. Die Lage dieser Gefangenen ist sehr s ch l e ch t. Aus ihren Briefen geht hervor, daß die polnischen Repatriierungskoimilissionen in Rußland hauptsächlich nichtjüdische Kriegsgefangene berücksichtigen, ivährend die Juden auf die Zukunft vertröstet werden. Deren Verzweiflung ist um.so größer, als sie um das Schicksal ihrer Familien in Sorge sind. Alle bisher in Warschau unternommenen Interventionen blieben ohne Erfolg. (I. C. B.) Horthy-Bärsianer. Budapest, 18. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Heute wurde an der Börse der Versuch gemacht, 1000 Stück gefälschte Aktien einer hiesigen Ziegelfabrik in Verkehr zu bringen. Verdächtig erscheint der Börsenkommissionär Stephan F o d o r, der bei der Einvernahme augab, diese Aktien von einem Wiener namens Otto Kraus in Kost genommen zu haben. Fodor wurde der Polizei überstellt, die über seine Jnhaftfetzung entscheiden wird. Mische Kulturarbeit in Budapest. Aus Budapest wird uns berichtet: Der Bericht, der vor einigen Tagen in der Direktionssitzung des ungarischen israelitischen L a n d e s v e r e i n e s über das Arbeitsprogramm in der soeben eröffneten Saison erstattet wurde, zeigt, welch tiefe Wirkung der antisem-itischo Kurs auch auf das innere soziale Leben der Juden in Ungarn bisher ausgeübt hat. Die bedeutendste Institution dieses Vereines ist die Mensa academica judaica, iu welcher in diesem Semester nahezu 600 Hochschüler unentgeltlich verköstigt werden. Die Mensa erlegt auch die Jnskriptions- und Prüfungstaxen für ihre Schützlinge ltub versieht sie mit Lchrb eh elfen aller Art. Für den Winter ist eine große Schuh- und. Wäscheaktion in Aussicht genommen. Im Schoße dieses jüdischen Kulturvereines ist ein Verein der Kunstfreunde tätig, welcher soeben seine Schulen und Werkstättenfür Malerei, Bildhauerkunst, Graphik und Steinmetzhandwerk eröffnet hat- Die. Malerschule wird von Adolf Fenyes und Julius Blatter, die Bildhauer¬ und Ste.inmetzwerkstätten von Aladar Garbo8 und die .Werkstätte für Graphik von Stephan Zador geleitet. Während des Winters werden in . Budapest und in der Provinz unentgeltlich etwa 300 öffentliche wissenschaftliche Borträge gehalten, wissenschaftliche und Sprachkurse gegründet werden. Die öffentliche Bibliothek und Lesehalle des Kultur- Vereines hat sich in letzter Zeit außerordentlich entwickelt.' Die jüdische Jugendbibliothek Menorah stand den jüdischen Studenten auch während der Sommermonate zur Ber-- fügung. Eine besondere Abteilung des Landeskulturvereines befaßt sich mit der Unterbringung erholungsbedürftiger, jüdi- Die Genevaldirektion der Bundesbahnen hat also doch endlich eingesehen, daß man sich über eine Bolksnotwendigkeit nicht einfach hinwegsetzen könne, auch wenn es zufällig Wahlintevessen einer Partei erfordert hätten. Die Stadtbahnfrage ist erledigt und wenn der Generaldirektor der Bundesbahnen in einem Brief an den Bürgermeister erklärt, er könne die Verantwortung nicht auf sich nehmen, das Projekt der Gemeinde zu vereiteln, so hat er damit gewiß das richtige Empfinden gehabt. Denn die Verantwortung, ein Unternehmen, das in so hervorragendem Maße allgemeinen Interessen - der Gesamtbevölkerung dient, zu zerstören, darf auch ein gryßdeutscher Minister nicht auf sich nehmen. Daß tatsächlich die Absicht bestand, aus nichtigen Ursachen und kleinlichen Wahlinteressen das Stadtbahnprojekt der Gemeinde zu sabotieren, geht aus dem Briefe an die Gemeinde Wien bcutlidj hervor. Denn hätte es sich ernstlich um ein neues, besseres Projekt der Bundesbahnverwaltung gehandelt, dann hätte diese nicht so lange zögern dürfen, ihren Plan bekanntzunmchen. Das Stadtbahnprojekt ist fiir Wien so wichtig, daß es unter keinen Umständen Gegenstand nichtigen Parteigezänkes werden durfte, und welche Partei immer der Wiener Bevölkerung die Wiederaufnahme des Stadtbahnbetriebes bringt, hätte Herrn Dr. S ch ü r f f und allen jenen, die bisher den Berkehr auf der Stadtbahn zu erneuern unfähig waren, im Interesse der Wiener recht sein müsse::. Der Generaldirektor der Oesterveichischen Bundesbahnen, Ing. Siegmund, hat an den Bürgermeister der Stadt Wien an: 18. d. folgendes Schreiben gerichtet: ,Aie Gemeinde Wien hat die Kommission für die Wiener Berhersanlagen ersucht, ihr den Bahnkörper der Oberen und Unteren W i e n t a l l i n i e, der Donaukanal- und Gürtellinie der Stadtbahn samt der: zugehörigen Betriebsanlagen zun: Zwecke der Einführung eines elektrischen schnellbahnähnlichen Betriebes im Rahmen der Wiener städtischen Straßenbahnen zu überlassen. Die Oosterre.ichi-schen BuiiN'sb'l.. vgelegte, auf elektrischem Tramwayv.'vkehr beruhende Nra» 19. Oktober 1923 Gelte 5 gegen FUSSLEIDEN jeder Art Kostenlose Vorführung durch den aus London eingetroffenen Fachmann 893 heute Freitag, 19. u. morgen Samstag, 20. d. im Schuhwarenhaus' „SAVOY“ II., Taborstrasse Nr. 4 (Hotel Continental' scher Schüler in Ferienheimen und Sowmersrischen. Im letzten Sommer winden mehr als 1000 Kinder ai!> Budapest in solche Erholungsstätten gebracht. Sehr ersrig reiche Arbeit leistet auch das L e h r l i it g s h e i m des jiidi schon Kultervereiues. Eine eigene Sektion MtiiU sich mit der Förderung jüdischer Künstler und Schriftsteller und eo gelang dem Direktorium des Kulturvereines, einen?: o n d s zn schassen, dessen Erträgnissse für die Herausgabe von Werken jüdischer Schriftsteller und Gelehrier verwendet wird. Durch die Gründung eines Landesverbond-eo der jüdischen Frcvncnvereine hat der Landesknlttirverein eine ständige Verbindung und Zusammenarbeit aller indischen Frauenvereine des Landes hcrbeigeführt. Die jüngste Schür fnng des Knltnrvcremcs ist die ü r z t l i ch c A in b u f a it fiir die Schützlinge der Mensa academica. Diese Ambition,', soll, wie bereits in diesem Blatte berichtet wurde, mit Knlse der 400-Millionen-Kronen-Spcttde des Hofrates Aladar K a sz a b zit einer . jüdischen S tu de n te n v o l i '! - i k ausgebaut werden. Tragischer Selbstmord zweier Shaluzim h Haifa. Unter ungewöhnlich tragischen Umständen haben vor kurzem zwei Chaluzim in Haifa ihr Leben gelassen. Der Arbeiter Weinstein spielte mit einem Revolver, aus dem sich plötzlich eiir Schuß entlud, der seinen Kamerad«: Roth er verletzte. In der Annahme, daß sein Freund tödlich getroffen sei/ richtete Weinstein die. Waffe gegen sich und tötete sich durch einen Schuß in die Scbläse Der bloß verletzte Roth er ergriff hierauf den der Hand seines toten Kameraden entfallenetr Revolver imd beging Selbstmord. Die beiden unter so tragischen Uinst'indei. ums Leben Gekommenen waren beliebte, jüdische Arbeiter, welche für die nächste Zeit die Ankunft ihrer AngK'öriae!: in Palästina erwarteten. (I. C. B.) «BWmaiSataecv« jekt von dem Gesichtspunkte geprüft, ob dasselbe ihre Interessen nicht schädige. Eine eingehende Prüfung bat ergeben, daß das Projekt der Gemeinde Wien nicht die vollkommenste Lösung des für die Stadt so wichtigen BeÄchrsprMems darstellt, daß vielmehr eine solche Lösung nur bei der Einführung des e I e k irischen Vollbahnbetriebes zu erwarten ist, welcher auch gesteigerten Verkehrsausprüchen genügen .kann, eine namhafte größere Reisegeschwindigkeit.zuläßt und vor allem die Möglichkeit eines direkten Ucbergangsverkehres auf die .Hauptb'a'hnstreckerr bietet. Da aber die Gemeinde Wien erklärt, daß sie nicht in der Lage sei, auf das Studium des Vollbahnprojektes und eine eventuelle Anwendung desselben einzngehen nud das von der Gemeinde vorgelegte Projekt immerhin eine wesentliche Verbesserung der derzeitigen Situation ermöglicht, vermögen die Oesterreichischen Bundesbahnen nicht die Verantwortung -ans sich zu nehmen, wegen Beharrens aus einer besseren Lösung des Problems die von der Gemeinde Wien vorgeschlageue Lösung zn vereiteln, und geben hiermit die E r k l ä r u u g ab, daß sie von ihrem Standpunkt der Verpachtung der S t a ü t b a h n l i n i e n an die G e in e r n d e W i e n z u st i m nt e u, sofern über die Details des Pachtvertrages, insbesondere über die. Dauer desselben, ein Eitwernehmen erzielt wird. Die Oefterreichischen Bundesbahnen sind bereit, die Verhandlungen sofort aufzunehmen und dieselben raschest zu Ende zu führen." Unnüttelbar nach dem Enrpfang dieses Schreibens hat Bürgermeister Reu in a n u sich an die Generaldirektion der Oesterreichischen Bundesbahnen gewendet und dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Verhandlungen bereits morgen begonnen werden mögen. Ueber Ersuchen der Generaldirektion wurde der Beginn dieser Verhandlungen auf Montag den 22. d. festgesetzt. Die Gemeinde hofft, daß die Verhandlungen rasch beendet sein werden und ein günstiges Ergebnis anfweisen Me Stadtbahn wird doch elektrisch. Zustimmung der BuudesluchndireMon zum Proiett der Gemeinde.

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