Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1680 (18.10.1923)
- Date
- 1923-10-18
- Page
- Seite 5 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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MW, DonnerStäg k o ' V w gegen FUSSLEIDEN jeder Art Kostenlose Vorführung durch den aus London eingetroffenen Fachmann M3 Freitag, 19. und Samstag, 20. Oktober im Schuhwarenhaus „SAWOY“ II., Taborstrasse Nr. 4 (Hotei Continental) Sie Streiks. Lemberg, 14. Oktober. (Tel. fr. „Wr. Morgettzeitnng".) Gestern wurde hier Unter Teilnahme von 155 Delegierten eilte Tagung der Lokomotivführer eröffnet, die sehr stürmisch verlief. Die Versammlung beschloß für den Fäll, als die Negierung nicht bis zum 22. Oktober die wichtigsten Forderungen erfüllen sollte, den Streik zu proklamieren. Warschau, 16. Oktober. (Poln. Tel.-Ag.) Der Streik in P o l n i s ch - O b e r s ch l e s i e it ist fast gänzlich b ecndet. In der Mehrzahl der Betriebe und Bergwerke murde die Arbeit wieder anfgettMinelt, der Verkehr auf den Eisenbahnen ist wieder normal. kMoflonskatastrophe und antisemitische Hetze. Warschau, 16. Oktober. (Tel. der '„Wr. Morgenzeitung") Die Explosionskatastrophe in der Warschauer Zitadelle beschäftigt die gesamte Presse. Während die antisemitische Presse durchwegs die K o m m u niste u und Juden des Attentats beschuldigt, veröffentlicht ein Teil dev linken Presse Interviews mit militärischen Fachmännern, in denen nachgewiesen wird, dass die Explosion infolge der chemischen Auflösung verschiedener Munitionsstofse erfolgt sei. Das offizielle Organ des Kricgsministerittms „Polska Zbrojno" stellt fest, daß die Explosion lediglich durch einen Zufall erfolgt sei; „Knrjer Polski" teilt mit, daß der französische Major Olwain, ein Mitglied der französischen Militärmission, noch am 19. August dem Artillericdepartement eiucu schriftlichen Bericht zngestellt habe, in dem er warnte, das System der Aufbewahrung der Artilleriemunition zn ändern, weil Polen in den nächsten Monaten der Schauplatz einer schrecklichen Katastrophe werden könnte. Die Warnungen des französischen Majors fanden jedoch kein Gehör. Der von der Regierung veröffentlichte Aufruf, der u. a. den Satz enthält: „Polen werde mit dem inneren Feind abrechnen," hat in der hiesigen Bevölkerung eine geradezu panikartige Stimmung hervorgerufen. Die linke Presse ivirft dev Regierung vor, daß sie unnötigerweise eine Verwirrung in die Bevölkerung trage. Dieser Aufruf werde auch auf das Ausland den schlechtesten Eindruck machen. Die Regierung wolle scheinbar dieses Attentat für ihre Zwecke ausnützen, um, wie der „Robvtnik" bemerkt, die schwere Sitnation, in der sich gegenwärtig der Staat befindet, zn verschleiern. Unter dein Eindruck dieses Aufrufes haben die Rvzwoj- O rg a n i s a t i o n e n eine v e r st ä r k t e I n d e n h e tz e begonnen. In mehreren Kaffeehäusern haben nationatdenwkra» lische Studenten jüdische Gäste überfallen und hinansgeivorfen. In ganz Warschau waren benn ruhigen de Gerüchte über bevorstehende Judenustruhen verbreitet. Erst über verschiedene Interventionen pflog das Innenministerium mit dem Hauptkommando der Polizei Beratungen über die zu treffenden Maßnahmen zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Das antiseinittsche Hauptorgan „Gazeta Warszawska" verlangt die sofortige Einführung einer Diktatur. Der Sejm hätte der Reglmmg die weitestgehenden Vollmachten zu erteilen, um ihr die Möglichkeit zu geben, für die Sicherung der Ruhe im Staate Sorge zu treffen. In ähnlichem Sinne sprach auch der nattonaldemokratisM Leader Abgeordnete Koziekä auf einein Meeting. Interessant ist, daß in der letzten Sejmsitzung der Führer der Nationalen Arbeiterpartei, Abg. Popiel, in schärfster Weise den von der Regierung erlassenen Aufruf kritisierte. Zn bemerken ist, daß die Nationale Arbeiterpartei noch vor wenigen Tagen der Rcgicrnngs- Majorität angehört hat. Die Beisetzung der Opfer. Warschau, 17. Oktober. Die Beisetzung der Opfer der Explosion in der Zitadelle hat honte in Anwesenheit dev Präsidenten des Sejm uiib des' Senats, der Minister, der Vertreter der Behörden sowie einer ungeheuren Menschenmenge stattgofnudeu. JWscherGrundbesihundBodenyarzellierungen Warschau, 16. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Der jüdische Abgeordnete Dr. So mm erst ein besprach in der KonMtiffiH für die Agrar'vestrm die Behanfrlung de.r jüdischerr Bevölkerung bei der Praxis der Bodenpür^ellierung. Die jüdischen Besitzungen, die selbst Nach dem Gutachten der Behörden glänzend bewirtschaftet werden, sind sosort parzellrert worden. Selbst jüdische Kleinwirte, die nicht in die Kategorie Wiener Morgenzeitung. der P.itzelliernlsgen fallen, werden Von den Parzelliernnasämteru ans die Liste der zu eniciguenden Grundstücke gesetzt. Die^ Regierung 'müsse, diese Praktiken sofort einstellen und man nrüsse bei der Beratung des gegenwärtig in Verhandlung stchendeu Gesetzesprojekts Vorsorge treffen, um diesem antikonstitutionellen Vorgehen der Parze.lliernngs-. ämter einen Riegel vorznschioben. Bandenunwesen anderpolnisch-bolschewikischen Grenze. Leiuberg, 14. Obober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Im Laufe der letzten Zeit inacht sich das Bandenunwesen an der polnisch-bolschewikischen Grenze wieder empfindlich fühlbar, obzwar die militärischen und zivilen Grenzbchördeir keine Mittel unversucht lassen, nm das Ueibcl einzudämmen. Die Rädelsführer sind meist Einheimische, welche an unbewachten Stellen die Grenze überschreiten und an der Spitze bolschewikischcr Banden zurückkehren, um damc Gutshöfe, Eisenbahnzüge, Gendarmcrieposten und dergleichen zn überfallen. Besonders zahlreich haben sich diese, Banden im Pinsker Gebiet eingenistet. Im Gebiet von Rowno gelang es der Grenzpolizei, letzthin eine sehr gefährliche Bande unschädlich zu machen. Die parallel der Reichsgrenze verlaufende Eisenbahnlinie ZdMnnow— Rowno—Sarny—Baranowice ist ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. __ Rundschau. Einberufung des zionistischen Mionskomitee». London, 17. Oktober. (Tel. d. „Wr. Müvgenzeitüng".) Die Zionistische Exekutive hat das Aktionskomitee für den 25. Oktober nach London einberufen. Gegenstand der Beratung ist vornehmlich der vom Oberkommissär von Palästina Sir Herbert Samuel gemachte Vorschlag aus Bildung eitler arabischen Agency. Die Realisierung dieses Planes ist an die Zustimmung der Zionistischen Organisation gebunden. Surzon und ßedl. DrMissronskränkheiten? Wie ans Von fron berichtet wird, muß Lord Robert C e c 11 auf ärztlichen Rat wegen Usberarbe.itUng mehrere Wochen der Ruhe pflegen und Lord Cnrzon ans demselben Grunde für einige Zeit vollkommen auf seine politische Tätigkeit verzichten. Der Außenminister wird sich noch in dieser Woche auf den Kontinent begeben. Wer ihn vertreten wird, ist noch nicht bekanntgegeben worden. Man geht wicht «fehl, wenn man frie plötzliche Ruhebedürftigkeit Lord Eurzons mit einem bevorstehenden Wechsel im englischen Außenministerium in Zusammenhang bringt. Cnrzon lvar der energischeste Verfechter jener Politik, welche sich in der Ruhrfrage den französischen Maximalforderungen widevsetzte, wodurch es beinahe zum Bruch zwischen England unfr Frankreich gekommen wäre. Als die Verhandlungen zwischen Poineare und Baldwin einen Ausgleich der Gegensätze —> eigentlich Über den Kopf des Außenministers hinweg — anbahnten, war die Stellung Curzons bereits erschüttert und nun scheint frer französische Mmisterprästdmt Po ln care nach der im englischen! Weißbuch veröffentlichten und in Frankreich unliebsam vermerkten Offensivrede Cnrzcms feinen Willen ans EntfernuW des ihm nnbeyneinen Kompaziszenwn durchgesetzt zn haben. Lord Cecil hingegen scheint das Opfer der Rerb at n gen Wischen dem BöIkerbNnfrrat und de.r B o t s ch a s t e r k v n f e r e n z werden zn fallen, die sich durch die im griechisch-italienischen Konflikt entstandenen Kompetenzstreitigkeiten. ergäben. Die nachträglichen Entscheidungen der Boischvfterikonserentz, hanptsächlich über die Entschädigung Griechenlands an Italien, haben den Völkerbund nahezu desavouiert, was in einem großen Teil der englischen Presse mit Erbitterung vermerkt wurde. Die Schwäche,'des Völkerbundes in der griechischttalienlschm Frage scheint nun für Lord Cecil, dem entschiedöttsten Vertreter der Lösung dieser Frage durch den Völkerbund im englischen Kabinett, verhängnisvoll geworden zu sein. Mit dem Konflikt zwischen Völkerbund und Botschasterkonsereuz anläßlich>fres gricchisch-italiemschen Zwischenfalles hängt es auch zusammen, daß, wie aus Genf gemeldet ivird, die in: Dölkevbnnfrrate Vertretenen Regierungen B e l. g i e n s, Spaniens, Fra n k r e i ch s, Englan d s, I t a I i e n s, Iapa n s n>nd S ch w e d e n s ihre Vertreter für die JnristeNkommiffion bezeichnet haben, die framit beanstragt ist, die Jnterpr-etationsfragen zum Völkerbundpakt und andere. Fragen des Völkerrechtes, die dein VWer'bundrat anläßlich des griechischitÄlienischen Konflikts Vorgelegen sind, zu studieren.' Der Prozeß gegen dar Kabinett StambuMrÜ. Graz, 17. Oktober. D^ic „Tagespost" meldet aus Belgrad: Rach Berichten ans Sofia ist frer ehemalige Minister im Kabin-ett Stantbuliiski, Atanasow, zu Vier Jahre.it Kerkers und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Für den 5. November ist in Sofia der Prozeß gegen die übrigen Mitglieder des Kabinetts Stambnliiski anberautnt. . ' 18. Oktober 1923 Seite 8 Ztveiklassige Privat- Wien, IX. Hörigasse 12 öwöchiger Bankunt). , Stenographiefür Beamte. Lehrer und Hochschülcr. Beginn 17« (Oktober« (Täglich ausser Samstag und Sonntag 4—6 Uhr.) Mchiaer vmittass - Bank-und Handelskers. für Frauen und Mädchen. Beginn 6. IfoTember. Anmeldungen und Auskünfte täglich von 8—12 und W 8-5 Uhr. Prospekte. r,78 Fernruf 14-2-12. Unentgeltliche Stellenvermittlnng Tagesbericht. An Nachmittag im 8halu;-Heim. Bei den Palästina-Pionieren in Kahlenbergerdorf. Mit einem unwirschen Regensturm begann dieser Ausflug ins Chalnz-Heinr, mit Heller, foumger Freude endigte er. „Akademie mit Tanz" im Chalnz-Heim in Kahlenlberge.vdorf stand auf der Einladung. Man sah wefrer Balltoiletten noch Lackschuhe. Einer Tanzvergiui aung in Russenblllsen und Nagelschu'hen wohnten wir bei, fröhlicher und schöner als man sie je erlebt hat. Als wir von Men hiMüsfuhren, goß es in Ärömen und während der 'Fahrt im Omnibus von Klosterneuburg zum Ziele gab es einen förmlichen Wobkenbruch. Einige Häuflein fricvenden Elends, die Insassen des Gefährts. Aber da sang es ja! Jnngens unfr Mädchen aufder Straße, hell singend, bei strömendem Regen. — neue jüdische. Jugend! Mir drücken die Nasen an den Wagenscheiben platt und das Herschlägt höher. Donauivarte — das Chaluz-Heim. Steile Treppen, eine kalte Gärderöbe, aber schon nüNflattern uns ungezählte blau-weiße Wimpel unfr Fähnchen, aus Reisiggewinden wachsend. Treibt frag kühle Grün der Tanne Blüten int Kahlenbergerdorf? An de.r Kasse ein blondes Mädel i!m sliederfarbenen Kleid. Oder ist's schon eine ge-. setzte junge Dame? Mir scheinen alle jung rmd blühend zn sein, seit ich das Lied der jüdischen Kinder inr Regelt hörte. In fren Festsaal geht's, durch den Schlaffaal der Chaluzim. den Schläfsaal nrithohen Fenstern und den: weiten Blick über die Donau. Im freundlich geschmückten Festsaal eine improvisierte Bühne, darüber de.r Zionstern, ans dem ein gütigklares, ein uns heiliges Auge blickt: Theodor Herzl. ,Menn ihr wollt, ist es fein Märchen." Es i st kein Märchen mehr unfr sie werden ihn erhöhen, den neuen Jischüw, diese. Mädels und Buben in den blauen Blnfen, mit den edel geschnittenen' Raffegesichtern, und die vielen Gäste, die hierher kamen, ihren Chaluzim ein Fest zu bereiten. Der Tee summt im Sauwwar, Frauen und Mäfrcben ^bereiten einen Imbiß. Ein Glockenzeichen. Freundliche Worte des Willkommens, dann singen frie Kinder der Meuoräh hebräische Lieder. Da träumt sich mancher hinüber in ,>der Merrschheit heilige Landschaft". Dann geigt frer junge Gerschkowitz. die feine Künstlerin Lea W e. i n t r a u b - G r a f singt ohne Klavierbegleitung hingebungsvoll und' umjnbelt jüdische Volkslieder. Und der Chalnz, der jetzt hebräische Verse regidiert, nimmt "sich wie ein Standbilfr de.r Revolution ans. Dann der Höhepunkt: Chalnzim zeigen uns in lebenden Bildern, wie es einst war in der „Schul" beim schwachen Kerzenlicht, wo engbrüstige, frierende Jünger in der Schrift lesen und .da>nn fräs „Jetzt", das Pieniertnm in Palästina, mit harter Arbeit, Hellen Gesängen und lebensfro>hen Täntzeir. Dann wieder Worte. Der Referent des Landcskontitces dänkt den Klosternenbnvger Männerit und Frauen für frie VoLbe.reitnng dieses schönen Nachmittags. Er spricht leise und fest —- und doch schien mir aus jedem Wort ein Hilfernf zrt evklingen. „Dieses Haus darf nicht bloß ein „Asyl" für Chalnzim bleiben: Eine Schule muß es werden, frie sie mit allenr ansrüstet, was sie stir ihr opfermntiges und dornenvolles Pionie.rtnm iu Erez Israel benötigen!" Wer versloffenen Sonntag bei den Chalnzim war, kann nichts heißer wünschen, als daß unsere Juden — schon aus Dankbarkeit für diese herrliche Jugend — an dieser unbedingt nötigen Ausgestaltung fr es Heims durch reiche Geldspenden sich beteiligen. L. Gr. Leichtferttg und oberflächlich. ZobeltiH im „Neuen Wiener Journal". Unter der Ueberschrift „Zion" schreibt Fedor v. Z o» be.lt itz im „Neuen Wiener Journal" einen Aussatz über das auch irr unserem Blatte besprochene Palästina-Reisevuch der Autoren Nrtndt und Bermaniv. Ein Schttl* ZurSaitonI Reiche Auswahl neuester Pelzmodelle in säimäl. Pelzarten - Pariser u.Wiener Geschmack vereint - erzeugt nur In eigenen Werkstätten, unter pers. Leitung des bestrenommierten Inhabers der Firma Pelzhaus Pipersberg. II. S1.M1men9.2-6 UMBMSOMOnWHnMvJI 99959137 8823 0201010131160002010089