Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1680 (18.10.1923)
- Date
- 1923-10-18
- Page
- Seite 4 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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’ioieit, Lonnerslag tm> aber wir sind ein» wirklich liberale „a sem i tische Partei", was zu deutsch eine ju den lose Partei heißt. Hicher geht der Schwindel nimmer. Der Graf mit seinen« Wttschr» KlmdteatenaafPuL will sich nicht mit der ftutenftofle belasten. Dieser „Asemitismus" soll dem edlen Grafen die Hintertrir öffnen, durch die « allenfalls bei besserer Konjunktur, als sie unmittelbar'vor der Aufstellung der Kandidaten in der Thristlichsozialen Partei bestand/ zu seinen geliebten christlich-- sogialen GesiirmmgSgenossen hinüber schlüpfen kann. Was geschieht aber dann mit seinen politischen Greisen, den Melcher, UsarSky e Uttel quanti? Sefterreich. Sie neue Lrglmisatiou der Bundesdahnen. Von einem Eisenbahnfachmann. Die im Jahre 1896 aufgelöste, das heißt, in das neugoschafsenc Eisenbahnministerium ttberführte Generaldirektion der österreichischen. Bundesbahnen hat am 1. Oktober ihr? Auferstehung gefeiert. Der Unterschied zwischen einst und jetzt ist ebenso kraß als betrübend; damals ein wohlgeordnetes, sich immerhin verzinsendes, wenn auch nicht rentierendes Unternehmen von achtunggebietender Ausdehnung, heute ein insolventer ’ Betrieb von meist zerstückelten Linien. Die Agenden der Staatshoheit betreffend das Eisenbahnwesen fallen mit dem gleichen Tage wieder vollständig in die Kompetenz ueS Ministeriums für Handel und Berkehr. Eine weitgehende Neuerung muß darin erhlickt werden, daß allen Dienststellen der neuen Unternehmung „Oesterreichifche Bundesbahnen" der Charakter einer staatlichen Behörde oder eines Amtes ausdrücklich abgesprochen wird, was bei der Post, der Tabakun& Salzfabrikation oder der Staatsdruckerei bis jetzt bekanntlich nicht für notwendig befunden wurde. Dieses Novum wird ganz erhebliche Konsequenzen zeitigen; die Beamtenschaft wird wesentlich umlernen und sich in die Rolle von Geschäftsleuten statt Amtspersonen hineinfmden muffen. Es wird dies nicht immer leicht sein, sowohl der höhere Bureaukrat in der Generaldirektion als der simple Borstand einer kleinen Station wird von seinem Piedestal hevabsteigen und sich als das fühlen müssen, was er in WiEchkeit ist, Angestellter eines Großtransportunternehmens. Der gesetzliche Schutz, den die öffentlichen Beamten von Berkehrsanstallen genießen und der sich auch bisher auf gewisse Organe .der Privatbahnen erstreckte, kann selbstredend auch nicht den Exekutivbeamten der Bnndesbeamten entzogen werden, welche gegebenen Falles auch bahnpolizeiliche Funktionen auszuüben haben. Jedoch find die Statümsleitungen keine Aemter mehr, die Direktionen — Generalwie Provinzdirektton — keine Behörde. Das Publikum wird im Berkehr mit der Bcchn keine gestempelte „Eingaben" zu machen haben, sondern einfach Urschriften schreiben, die Verwaltungsstellen der Bahn werden nicht mehr mit „Erlassen", -sondern mit Ge-schästÄriefen antworten. - ES versteht sich von selbst, daß die Ueberleitu-ng der Verwaltung aus dem Dienstbereich des MinLterirnns in jene der GeneraDirektton sich nicht in einem Augenblick vollziehen kann, zumal die letztere erst neu zu errichten war. Deru 1. Oktober hat somit mehr symbolische als praktische Bedeutung; die Auswirkungen der Neuordnungen werden erst allmählich in Erscheinung treten können. Das Hauptziel btt Reform, Beseitigung des würgenden Defizits (an das Abwersen einer Rente wagt wohl der hoffnungsfrsudigste Optimist nicht zu dewten), dürfte wohl nicht sobald, wenn überhaupt, erreicht werden. Denn die Ursachen des Betriebsabganges liegen zum kleinsten Teil in den Mängeln der Organisation, sondern auf anderen Gebieten, welche sich aber der Jngerenz der Verwaltung entziehen. Es siiÄ dies in erster Reihe die weit über der Parität sichenden Kohlen- (und Material-) Preise, die allgemein lähmende Stagnation, welche einen großen Teil des Fahrparks zur Untätigkeit zwingt, endlich sind es die den Dierrsthemmenden und verteuernden Einflüsse von außen wie von innen. Der erste Schritt dieser neuen Unternehmung „Oesterreichische Bundesbahnen" war ein Aufruf an das Publikum, in welchem die Berwaltungskommission die Mitwirkung aller Kreise der Bevölkerung anspricht. Es ist nicht recht ersichtlich, worin diese bestehen soll, da sich doch schwerlich ein Patriot finden wird, der lediglich, um das Defizit zu senken, eine Reise antreten oder Frachten befördern lasten wird. Eher dürfte der Sinn dieser Manifestation darin gelegen sein, das Publikum aus die gleichzeitig angekündigte Notwendigkeit von Einschränkungen aufmerksam zu machen, Einschränkungen, welche unbedingt gemacht werden müssen und in der jetzigen Wintersahrordnung sinnfällig zum Ausdruck gekommen sind. Eine Reduktion unseres allzu üppigen und der Frequenz nicht mehr angepaßten Sommerverkehrs war unumgänglich, da wir uns den Luxus, halbleere Züge zu führen, nicht langer leisten können. Einer gleichzeitig kundgegebenen Dienstesa-nweisung ist die schon früher bekannt gewordene Zusaimnensetzung der Berwaltungskommission, an deren Spitze Dr. Georg Günther steht, zu entnehmen; diese Kommission, welche ungefähr jene Furcktionen auszuüben haben wird, die den: Verwaltungsrat eines Privatunternehmens zukommen, stellt das Verbindungsglied zwischen Ministerium und Generaldirektion vor. Letztere selbst umfaßt acht Abteilungen Direktionen. Zum Vorstand wurde der bisherige Bundesbahnprasident von Innsbruck, Ingenieur Siegmund, bestellt. Vorderhand sind die alten Bundesbahn- (Provinz-) Direktionen mit unverändertem Wirkungskreis belasten, Wiener Mornenzeitung. « s iqi uunaaBBBBa an «aaaaaaaar Infolge Umbaues der GeschSftSrttume Großer 18. Oktober 1988 Nr. 1680 von Mäntel Kostüme Kleider Blusen r« tief herabgesetzten Preisen nach Original Pariser Modellen . im Konfektionshaus - Leopold Ascher S Bruder Vü. Manabilferstratze 5« doch ist die Vereinigung gewisser Agenden in der Generaldirektion in Aussicht genommen. Außer verschiedenen innerdienstlichen Angelegenheiten gehört zu den Agenden, welche in Wien zentralisiert werden sollen, auch die' Dienste güterüesch affung. Da die Bundesbahn Großkonsuimnt in fast allen Bedarfsartikeln, wie Kohte, Eisen, Holz, Baumaterial, Textilwaren usw., ist, erscheint dieser Dienstzweig für die Industrie und die Geschäftswelt von eminenter Wichtigkeit; es muß gleich gesagt werden, daß abzuwarten sein wird, ob die Zentralisierung einen Fortschritt bedeutet. Schon das Wort „Zentralisierung" hat einen fatalen Beigeschmack, es erinnert an die erfreulicherweise der Vergangenheit angehörenden Zentralen, deren Anhänger genug waren. Der Heimfall diverser aus der Staatshoheit entspringender, bisher im übertragenen Wirkungskreis von den Direkttonen besorgter Angelegenheiten an das Ministerium wurde schon erwähnt. Hierzu ist noch zu bemerken, daß diese Anordnung zumindest in einer Angelegenheit eine wesentliche und kostspielige Erschwernis darstält; bei zahlreichen Amtshandlungen, politischen Begehungen, bei denen bis jetzt ein Direkttonsorgan als Delegierter des Ministeriums intervenierte, wird künftig ein Herr aus Wien amtteren müssen, was beispielsweise in Tirol oder Vorarlberg ebenso einfach als billig ist. Dagegen muß es als Fortschritt begrüßt werden, daß die bisherige ungesunde Zwitterstellung des Ministeriums, in eigener Sache die letzte entscheidende Instanz zu sein, aus der Welt geschaffen wurde. Die vermögensrechtlichc Uebergabe des ganzen Netzes samt allen Betriebsmitteln, Anlagen, Baulichkeiten und Vorräten, Forderungen und Schulden in die treuhändige Verwaltung der neuen Unternehmung erfolgt auf Grund einer nach den Regeln der doppelten Buchhaltung aufzustellenden Schlußbilänz. Die Unternehmung ist verhalten, sobald als möglich, spätestens nach einem halb Jahre, eine Eröffnungsbilanz vorzulegen. Es ist nicht recht klar, welchen Zweck diese abermalige Bilanzierung verfolgt, da ste von der Schlußbilanz sich um so weniger unterscheiden wird, je mehr der Stichtag der zweiten Bilanz sich dem 1.- Oktober nähert. Als Betriebskapital wird der Betrag von 200 Milliarden gewidmet, der sich wohl als zu klein ergeben wird und der den Kaffenbeständen am 1. Oktober zu entnehmen ist. Falls diese Beträge die genannte Summe nicht erreichen, ist die Unternehmung ermächtigt, von den ihr in treuhändige Verwaltung übergebenen beweglichen Sachen Bestände bis zur Ergänzung des Mdmungsbetrages in ihr Eigentum zu übernehmen. Die Veräußerung von unbeweglichen Bundeseigentum bleibt aber wie bisher den bisherigen Vorschrisen Zustimmung der Nationalversammlung — unterworfen, durch welche Klausel die Fiktion eines Privatbetriebes gestört erscheint. Hand in Hand mit der Kreierung der Genevaldirektton erfolgt die Schaffung der Sektion 7 für die staatshoheitlichen und auffichtsbehövdlichen Angelegenheiten des Verkehrswesens im Bundesminlsterium für Handel und Verkehr. Es ist somit auch in diesem Punkt der Zustand vor 1896 wieder hergestellt. Mch damals war das HandelSministerium die oberste Hoheiisstelle in Eisenbahnangelegenheiten gewesen. Befremdend ist die Errichtung einer eigenen Abteilung für Angelegenheiten der Privatbahnen, ferner der Südbahn parallel mit einer eigenen Abteilung für allgemeine Verwaltung der österreichischen Bundesbahnen. Da diese'ja von der neuen Generaldirektion zu besorgen ist, scheint doch ein Unterschied zwischen Privat- und Bundesbahnen gemacht zu werden, und es ist sehr zu befürchten, daß das Ministerium sich auch, weiter als oberste Verwaltungsstelle der Bundesbahnen gerieren und einen größeren Einfluß ausüben wird, als der Verfasser des Bundesbahngesetzes beabsichtigt hatte. Für diese Vermutung spricht auch die sehr reichliche Persdmldotierung der neuen Sektion;- welche relativ viel größer ist' als jene der Generaldivektion. Daß sich das Personal der neuen Sektion ebenso wie der Gsneraldjrektion ausschließlich aus jenem des- Sestandenett Eisenbahnchinistdriums zusammensetzt, dersteht sich von selbst; was die Generaldirektion aMlangt, wäre wohl zu wünschen gewesen, daß die angesttebte und versprochene Kommerzialisierung auch in dm Auswahl der führende«'Persönlichkeiten zum Ausdruck gekommen wäre, Ob mit der neuen Firmataftl auch ein neuer Geist in den Prachtbau am Stubenring eiugezogen ist, wird sich ja bald weisen müssen. Es darf nicht bezweifelt werden, daß die aus verantwortungsvolle Posten gestellten Männer der Vevwaltungskolnmiffion ebenso wie die Angestellten in der Direk« tton wie aus der Strecke ihr Möglichstes tun werden, um die ersehnte Gesundung der Bundesbahnen und damit auch unseres Staatsherbeizuführen. Die Schwierigkeiten dieser Riesenaufgabe sind jedoch derart, daß es völlig verfehlt wäre, die Hoffnungen zu überspannen, und man wird gut tun, sich der Worte des Bundeskanzlers Dr. Seipel zu erinnern, welcher mit dankenswerter Offenheit erklärteres wäre dtes der letzte Rettungsversuch. Und so wird man vielleicht nicht fehl gehen, die jetzige Neuordnung nur als Vorstufe der endgültigen Entstaatlichung zu betrachten. Tschecho-Slowakei. Ile Steife der Präsidenten Masaryk. London, 17. Oktober. (Tel. -. ,Mr. Movgenzoitung".) Der Präsident her tschechy-st-owakischen Republik Professor Masaryk wich in Begleitung des Außenministers Dr. Benesch Sonntag aus Paris in London eintreffen und dort bis Mittwoch verweisen. Er wich während seiner Anwesenheit vom König smipsaugen werden. _ Ungarn. Verhandlungen mit Den Nachbarstaaten. Budapest, 17. Oktober. Unter dem Vorsitz des M» msters des Aeußern DaruVary hat heute nachmittags eine Konferenz stattgefunden, an der die Minister des Innern, der Justiz, der Finanzen und des Handels teilgenommen haben. Es wurde die Materie der mit der Tschecho-Slowakei, Jugoslawien und Rumänien zu führenden Verhandlungen erörtert und die Grundprinzipien sestgestellt, nach denen diese Verhandlungen zu führen seien. Die im Vorjahre in Prag begonnenen, jedoch nicht abgeschlossenen Verhandlungen werden am 28. d. in Budg post wieder ausgenommen werden. Sie Anleihe. Paris, 17. Oktober. (Havas.) Die Reparätionstorn* miffion hat heute vormittags die Vorschläge der Sektion Ungarn betreffend di« Ungarn zu gewährende Anleihe geprüft. Die Reparationskommission hat nach Anhörung des Berichtes des tschecho-slowokischen Gesandten in Paris Osusky einstimmig die Vorschläge ihrer Sektion hinsichtlich der ungarischen Anleihe angenommen. In der Entschließung 'heißt es unter anderem: Ta die Rep-avationskommission grundsätzlich geneigt ist, späterhin die Aufhebung der Vorzugspsan-dvechte aus geivisse Güter und Hilfsquellen Ungarns in Erwägung zu pichen, um mit Unterstützung des Völkerbundes den finanziellen Wiederaufbau Ungarns zu ennöglichen, fordert sie den Völkerbund, auf, e-inveniehMch mit den interessierten' Ländern zu diesem Zweck vinen Plan austzuavbeiten und designiert Herrn Pounlios, als Vertreter des Finanzdienstes der Repavationskormnission mit dem Sekretariat des Völkerbundes zusammentzuarhsiten, sobald dieses an die vorbereitenden Studien schreiten wird. Dieser Plan ivüvde eine vom Völkerbund ausgeübte Kontrolle beinhalten, zu der jene Staaten, die Ungarn die Anleihe gewähren, mittelst eines Komitees mit hemngezogm würden, dessen Mitglieder von der ReparattonÄommiffion ernant iverden sollen. Es versteht sich, daß, obwohl für die erste Anleihe die Priorität für die Bedürfnisse Ungarns in Betracht gezogen werden kann, das Abkomm e n nicht die Eventualität gusschliehen sollte, daß das Erträgnis einer weiteren Anleihe ganz oder teilweise für die W i e d e r g u t m a ch nagen bestimmt werden könnte. GUTE ANZDßSTGFFE K 66.500, 89.600 und 08,000, Kleider- und KostOmcbeviots K 89.600 Und K 49 600, ftUe i rei e Wolle« FlanellharchentB K 18.980 und köinoJejU** Arr/.'if'/'io'pbdr K 08.000 in der Polen. Sin Vertrauensvotum für die Regierung. Warschau» 17. Oktober. In der. heutigen PlenarsitzungdesSejm ist der Antrag der Mehrheit, worin der Negierung das Vertrauen ausgedrückt wird, mit 2 0 8 gegenlOI S t i m m e n a n g e n o rn ur e n worden. Außerordentliche Vollmachten für die Regierung. Warschau, 17. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die offiziöse „Gazeta Warszawste" fordert in einem Leitartikel die Erteilung von erweiterten Vollmachten an die Regierung zur Durchführung der wote wendigen SanierungSmaßnahmen nach dentschenr Muster, womit eine Vertagung des Sejm auf unbestimmte Zeit verbunden sein soll. Vl.,Wlndmt!fitm aaste Nr. 8