Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1679 (17.10.1923)
- Date
- 1923-10-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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tk. 18W Wk-n, MM«P Wiener Morgenzettunft, 17. TMVtt ISA «W» Oie Sozialdemokratie und die Juden. Die oben- und untenstehenden Zeichnungen sind Originaltreue Wiedergaben sozialdemokf|fltf8oh«1 Wah3gslakate9 die an allen Ecken und Enden Wiens kleben. Hohn und Verhetzung, wie sie giftiger und bösartiger von Radauantisemiten nicht erdacht werden können. Um chpistSicfoe Stimmen zu fangen* appellieren die Sozialdemokraten an die niedrigsten antisemitischen Snstinkts. Sie prägen in die Seelen der Wähler und der Jugend blutrünstigen Hass und wilde Verachtung für lange Zeit, weit über die Wahlen hinaus. Anderseits fordern die Sozialdemokraten die Stimmen de&. ludest l Jüdische Wähler und WlhierinnenJ Weist diese schamlose Zumutung zurück! Wahret die SelbsteclilÄg! Wahrst jüdische Ehre und jüdisches Recht! Wählet am 21. Oktober in allen Wiener Bezirken die Liste der „Jüdischen Wahlgemeitr’fsafi!“ ----1 mm mm vom Studium feru zuHalten und von den in Oesterreich geborenen, nach Oesterreich zuständigen Juden dürft nuir eine dem ZaHlenvcrHältnis der Juden zur Gesamtbevölkerung entsprechende Anzahl an den österreichischen Hochschulen inskribiert werden. Der Christlichsvziale Kuns chak suchte seinen Vorredner noch zu übertrumpfen. er verlangte die Ausweisung der Ostjuden und erklärte: ,FVir könnten die Inden vor die Wahl «stellen: Entweder freiwillig auszuwandern oder aber in Konzentrationslager ge st eckt zu w e rde n." Stri ck er'trat diesen Hetzereien der antisemitischen Meute in einer mutigen Rede entgegen. Das .Haus mußte in tiefer Stille anhören, daß die Jüden denselben Weg zu ihrer Verteidigung gehen werden, Len die Politiker des österreichischen Zwergstaates mit heißem Bemühen suchen. Er zerpflückte die verlogenen Ausreden von dem Kampfe gegen die Ostjuden. ,Menn uns," sagte er, ,/unser Recht verweigert wird, dann stehe ich nicht an, zu sagen, daß für uns der deutsch nationale Hochschulausschuß oder das Rektorat der Wiener Universität nicht die letzten Instanzen sind, wo wir das Recht für unser Volk, u n s e r M e n s ch e n r e ch t, suchen. Nein, dann appellieren wir an die g e s i t t e t e Menschheit. Glauben Sie nicht, daß der Friedensvertrag ein Buch ist, "dessen Lektüre und besten Benützung nur dem deutschen Volke gestattet ist. Ich möchte.Sie auch bitten, nicht zu gjlauben, daß, wie ehedem, die Behandlung der Mischen Frage eine interne Sache der betreffenden Länder und Völker ist. lieber dieses Stadium sind wir glücklich hinaus. Nein, wir Juden sind ein 14 Millionen- Volk. Die Lvbensnotwendigkeiten des jüdischen Volkes sind vom Obersten Rat autoritär anerkannt worden. Wir werden, wenn keine Abhilfe geschaffen wird, zur Selbsthilfe greifen und das höchste Forum der Kulturwelt, das Gewissen des Völkerbundes, anruftn." Wenn bis heute der Numerus clausus an den österreichischen Hochschulen nicht zur Tatsache geworden, und w-un. «s gelungen iistz, die zahlveiHey judengegmrischen 8 « « L JO 1 *£> üt L § T« fl ss Stimmzettel für den Nationalrat Wirrte LkWgemeinrchatt Jüdische Wahlgemeinschaft i p «rqpWMsm» «rmMllnmhvr 1 yun 8HI88 s lUtatnrnqi» «iqg