Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1678 (16.10.1923)
- Date
- 1923-10-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Dienstag 6dte 4 Wiener Morgenzeitrmg. 16. Oktober 1928 Nr. 1678 Das PalSMa-Mandat und seine AusMmng. Las Mandat am 29. September in Kraft getreten. ^ttSpartei, der sogar gegen et« Mttglted deS Kabinetts gerichtete Besudelungsfeldzug wegen angeblicher Bestechung stehe beispiellos in der Geschichte des politischen Lebens Ungarns da. Die Angelegenheit sei vor das Gericht verwiesen worden. Die Ehre anständiger Menschen dürfe nicht durch unlautere politische Kniffe angetastet werden. Man mache der Regierung zum Vorwurf, daß sie das christlichnationale Programm im Stiche gelassen habe, weil sie nicht mit den Wölfen zu heulen und „Kreuziget die Juden" zu rufen geneigt sei. Die Regierung, sagte der Ministerpräsident, war mit dieser Politik in der Vergangenheit niemals einverstanden und wird sie auch künftighin nicht billigen. Christlicher Handel, christliches Wirtschaftsleben läßt sich nicht durch gesetzgeberische Verfügungen oder polizeiliche Mittel, sondern nur durch Organisierung der christlichen Kräfte schaffen. Die eigentliche Ursache des Niederganges der Krone liege darin, daß Ungarn vom europäischen Kredit ausgeschlosien gewesen sei. Der FriedenSverlrag von Trianon habe die Inanspruchnahme eines Kredites unmöglich gemacht und Ungarn gezwungen, zur Bezahlung der Einfuhrartikel eigenes Geld aufzuwenden. ES gibt, sagte der Ministerpräsident, zweierlei Heilmittel: Steigerung der Produktion und Auslandskredite. Megpau wird ungarisch. Budapest, 15. Oktober. (Tel.-Kvmp.) Wie „Magyar- Orszag" aus Gvoßwardein meidet, wurde von der Grenz« berichtigengskcmrmission die Stadt Kötegyan Ungarn zugesprochen. Die Uebergabedieser Stadt, die sich derzeit in rumänischen Händen befindet, wird in einigen Wochen stattfmden. Am 23. Oktober finden in Großwardein ungarisch-rumänische Verhandlungen Wer. den gemeinsamen Bahnverkehr statt. Es sollen unter anderem ne.ue Bahnanschlüsse zwischen diesen beiden Ländern vereinbart werden. _ Polen. Sie Anleiheverhandlnngen. Paris, 14. Oktober. (I. C. B.) In den Pariser jüdischen Kreisen wird eine Zusammenkunft des New-Dorker Bankiers Otto Kahn, Vertreter der Firma Kuhn, Loeb u. Co., mit dem polnischen Finanzm inist-er diel besprochen. Wie bereits berichtet wurde, harten schon früher Vertreter der polnischen Regmrung sine Zusammenkunst mit Bankier Otto Kahn während besten Anwesenheit in Paris. Es wurden in Verbindung mit dieser Zusammenkunft Gerüchte verbreitet, daß Mr. *Kahn den polnischen Vertretern erklärt hätte, die Firma Kuhn, Loeb u. Eo., würde sich nur unter der Bedingung an einer polnischen Anleihe betmligen, daß die Lage der Juden in Polen verbessert wird Soweit der I. C. B.-Vertreter die Tatsachen überprüfen konnte, entsprechen diese Gerüchte nicht der Wirklichkeit, während der Unterhandlungen wurde die Mische Frage nicht berührt. Ser Streft in Sberschleften. Warschau, 18. Okwber. (P. T.-A.) Die durch den Ausstand in Oberschlesien geschaffene Lage hat sich infolge der kommunistischen Agitation verschärft.. Der Post- und Telegraphendienst wurde in vollem Umfang wieder ausgenommen. Der Eisenbahnverkehr entwickelte sich am Sonntag beinahe normal, doch scheint die Stimmung unter den Eisenbahnern geteilt zu sein. Die Ausständigen gründeten einen neuen Eisenbahnerverband, der nach außen hin nicht als kommunistische Organisation auftritt, dessen Postulats aber mit jenen der Kommunisten identisch sind. Die Industrie- und Metallarbeiter scheinen in ihrer Mehrzahl unter kommunistischem Einfluß zu stehen. Sie verlangen eine 240prozentige Lohnerhöhung und drohen mit Sabotageakten. Die Kommunisten versuchen, der rein wirtschaftlichen Bewegung einen Politischen Stempel aufzudrücken und Wirren hervorzurufen. Die Ordnung wurde bis jetzt nicht gestört. Die Behörden haben alle Maßnahmen zur Aufrechterhattung der Ruhe getroffen. Nutze kn Polen. Warschau, 18. Oktober. (P. T.-A.) Die Untersuchung in Sachen der am SamStag erfolgten Explosion wird energisch weitergeführt. Die von den ausländischen Blätter gebrachte Nachricht über den Ausbruch von Unruhen entbehrt jeder Grundlage. In ganz Polen herrscht Ruhe. Sine antisemitische Mischung. Warschau, 11 Oktober. (Del. d. ,Mr. MorgenKsitung".) tftt Äer letzten Zeit veröffentlichte die polnische antisemitische Presse die Nachricht, daß wahrend der letzten Tagung des Völkerbundes in Genf Vertreter 'der nationalen Minderheiten ein Memorandum über die Unterdrückung der natwnalen Minderheiten in Polen eingebmcht haben. Unter anderem wurde behauptet, daß dieses Memorandum auch von Vertretern der polnischen Judenheit unterfertigt wurde. Der gegenwärtig in Genf weilende Korrespondent des Warschauer „Nasz Przeglad" meldet mm seinem Blatte, daß ihmvonderpoln is che n Delegation beim Völker bunderklärtwur de, daß di« in der Polnisch-antisemitischen Presse mitgeteilte Denkschrift der Juden an den Völkerbund ein Falsifikat sei. Bei der gegenwärtigen Session des Völkerbundes wurde jüdischerseits kam Me-wovandmn überreicht. An der Konferenz der Minderheiten in Gens habe kein Jude teilgenommen und in dem von dieser Konferenz publizierten Mem'orandum ist auch Jerusalem, 12. Oktober. (I. C. B.) Der Ober, kommistär von Palästina Sir Herbert Samuel hat vom Generalsekretär des Völkerbundes die offizielle Mit« teilung erhallen, daß das Palästina.Mandat am €9. September voll in Kraft getreten ist. Eine arabische Agency. - London, 14. Oktober. (Del. d. ,Mr. Morgenzeitung".) Wie „Daily Expreß" meldet, hat der palä. stinensischc Oberkommissär Sir Herbert Samuel eine Anzahl arabischer Notaveln für den 11. d. zu sich ge. laden, um ihn«« die neuen, auf die Rechte der Araber bezüglichen Pläne bekannt zu geben. Der Oberkommissar habe den Arabern die Schaffung einer arabischen Agency nach dem Muster der Jewish Agency vorgeschlagen. Die Einberufung des Zionistischen Aktionskomitees bevorstehend. ' London, 14. Oktober. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitung".) Die Zionistisch« E r e k u t i v e gibt bekannt: Betreffs des Vorschlages der Errichtung einer aravi. schen Ageneh in Palästina ist eine den Mitteilungen Sir Herbert Samuels an die Araber in Palästina ähnliche Mitteilung der Zionistischen Exekutive in London zugekommen. In dieser Mitteilung wird erklärt, daß solche neue Maßnahmen nur dann in Kraft treten würden, wenn die englische Regierung die Z u. stimmung beider Parteien erhielte. Die Zionistische Exekutive beabsichtigt, das Aktionskomitee einzubernsen, welches z« dieser Frage Stellung nehmen soll. Die arabische Exekutive lehnt ab. Aus Jerusalem meldet I. C. B.: Sir Herbert Samuel hat 30 arabische Notabeln, welche die arabische Bevölkerung aller Teile Palästinas repräsentieren, zu sich geladen, um ihnen die Bildung einer arabischen Agency vorznschlagen. Eine Versammlung der arabischen Notabeln hat beschlossen, die Einladung anzunehmen. Der Inhalt des Vorschlages des Oberkommissärs wurde in einer Sitzung der arabischen Exekutive mitgeteilt. Es wurde beschlossen, den Vorschlag a-bzulehnen. Ser PalWna-Bericht an die britische Relchr- . konferenz. Aus London meldet I. C. B.: In der britischen Reichskonferenz berichtete der Koloniemninister Herzog vonDevonshire über die Lage in 'den Kolonien sowie in den Schutz- und Mandatsgebieten des britischen Reiches. Herzog von Devonshrve brachte zunächst in Erinnerung, daß die Hanptsovge der britischen Politik im nahen Osten, wie sie vom früheren und vom gegenwärtigen englischen Kabinett verstanden wird, die Kürzung der Ausgaben in Mesopotamien und Palästina war. Als Ergebnis dieser Politik sieht der diesjährige Etat 8,548.000 englische Pfund Ausgaben in den erwähnten zwei Ländern vor, gegen 26,695.364 englische Pfund, die im Jahre 1921-22 a-usgegeben worden sind. Die Lage in Palästina hat sich seit Juni 1921, als Mr. Churchill seinen Bericht an die Reichskonferenz erstattet hat, bedeutend gebessert. Die Garnison im Lande ist erheblich herabgesetzt und die Ausgaben sind entsprechend verminderte worden. Die englische Schätzkasse hat im Budgetjahr 1922-23 2,0 2 4.0 0 0 - englische Pfund für Palästina ausgegeben. Im Etat für das Jahr 1923-24 sind die Ausgaben für Palästina mit 1,500.000 englische Pfund eingestellt, auch halben wir uns zum Ziele gesetzt, die Summe für 1924-25 auf 1 Million englische Pfund fest z u setzen. Für die weiteren Jahr« halben wir noch keine Verpflichtungen übernommen, wir hoffen aber, daß die fortschreitende Verminderung 'der Ausgaben solange andauern wird, bis.unsere Ausgaben für diese Länder eine wirklich unbedeutende Stufe erreicht-haben werden. Unser Erfolg in dieser Richtung hängt aber von der ö k o n o m ischen Entwicklung des Landes ab, di« ihrerseits von der politischen Stabilität im Lande bedingt ist. Dabei wünschte ich die Feststellung machen zu können, daß in der politischen Lage des Landes in den letzten zlvei Jahren eine mente befinde sich bereits im Besitze des Warschauer Außenministeriums. Der Korrespondent fordert den Polnischen Vertreter be-im Völkerbund, S k i r m u n 1, auf, die Lügen der antisemitischen Presse offiziell zu dementieren. ' Litauen. Sie jüdischen Wahlen. Kowno, 14. Oktober. (I. C. B.) Noch immer liegen keine endgültigen Wahlresultade in den jüdisch e n N a« tronalrat Litauens vor. Es wurden bis jetzt in 148 Wahlbedeutende Besserung eingetveten ist. Nach einer Richtung hin trifft das heute auch zu. Seit den JafßEnruhen vom Frühjahr 1921 wurde der Frieden int Lande kein einziges Mal ernstlich gestört. Wir 'haben jetzt in Palästina eine leistungsfähige Gendarmerie, die rasch genug jeder Umtriebe, di« entstehen könnten, Herr werden wird. Dennoch ist das politische Unbehagen keinesfalls eine Sache der Vergangenheit. Die Lösung des jüdisch-arabischen Gegensatzes muß noch gefunden werde«. Englands Politik in Palästina beruht bekanntlich auq der Balfouv-DeKavation vom November 1917. Wir haben unser Bestes getan, um die beiden Teil« der Deklaration ehrlich zu erfüllen. Unser Oberkommissär, Sir Herbert Samuel, hat nicht nur administrative Fähigkeiten im höchsten Grade, sondern auch di« größt« U u p a t» teilichkeit bei der Behandlung der gegensätzlichen Interessen der PalastiM-Bevölkerung 'bewiesen. Selbst «in Jude, 'wurde er nie beschuldigt, den Juden eine ungerechtfertigte Gunst bezeugt zu hohe n. Im Gegenteil, sein hohes Gerechtigkeitsgefühl wird in allen Kreisen mit Anerkennung bewertet. Nichtsdestoweniger 'dauerte die Opposition gegen die sogenannt« zionistische Politik Englands weiter an. Sic beikam ihren höchsten Ausdruck im Mai 1921, als sich die Unruhen in Jaffa ereigneten. Gleich darauf im Juni 1921 veröffentlichte 'das frühere Kabinett die Definition dessen, was sie unter den Worten „nationales Heim" versteht; verfolgt« damit die Absicht, die arabisch«« Aengstlichkeiten zu beschwichtigen. Die arabischen Wortführer waren nicht befriedigt und haben beschlossen, «ine Delegation nach London zu entsenden, um ihr« Forderungen der Regierung zu unterbreiten. Di« Delegation verblieb fast ein Jahr in London. Es erwies sich jedoch, trotz -der langwierigen Verhandlungen, als u n m ö g l i ch, mit ihr zu einer Verständigung zu kommen. Daraufhin ist im Juni 1922 eine neue Regierungserklärung erlassen worden, die ein wichtiges Entgegenkommen gegenüber den: arabischen Standpunkt enthält. Die Erklärung wurde offiziell von den Zionisten angenommen, nicht aber von der arabischen Delegation, die nach der Veröffentlichung «dieser Erklärung nach Palästina zurückkehrte. Die neue Politik sah auch die Schaffung eines g e s e tz g e h e n d.e n Rates voraus, von dem ein Teil aus Wahlen hervovgähen sollte.. Infolge der von den Arabern geübten Wahlenthaltung wurde, keine genügende Anzahl Wahlmänner gewählt, woraufhin der Plan der Schaffung eines gesetzgebenden Rates s u s p e n d i c v t tuenden mußte. Die arabischen Politiker nahmen in Wirklichkeit eine Politik des Nichtzusammenarbeitens mit der Regierung an. Sie wurden -dazu von verschiedenen Kreisen in England und anderswo stark ermuntert. Wir werden selbstverständlich auch weiterhin u n* sere Verpflichtungen erfüllen, darüber kann kein Zweifel bestehen. Jedoch das gegenwärtige Unbehagen bringt zweifellos Schaden, und wir würden glücklich sein, die Lage ohne Verzug zu regeln. Dieser Frage wird unsere aktive Aufmerksamkeit gewidmet. Was Transjordanien anbetrifft, so gehört das Land zu 'dem Gebiet, aus das sich unser Palästina Mandat erstreckt. Jedoch findet in diesem Lande die z i o n i st i s ch e Politik keine A»Wendung. Im allgemeinen hat sich das Experiment als gut erwiesen, obwohl die Lage noch nicht ganz b e d c tt 11 u I o § ist. Frankreich und der transsordanische Aufstand. Jerusalem, 12. Oktober. (I. C. B.) Di« ambische Presse beschäftigt sich noch immer eingehend mit dem u n terdrückten Aufstand gegen den E m i r Abdullah in Transjordanien. Eine der angesehensten Zeitungen, „Mokattam", behauptet, daß bei dem Aufstand die französisch«. Regierung die .Hand im Spiele gehabt habe. - Dafür sprechen nach der Meinung der ambischen Zeitung folgende Gründe: Boi den Rebelten ist irr 40 Fällen militärische Ausrüstung ftstg-estellt worden; die Behörden haben «men Briefwechsel zwischen dem Führer der Aufständischen Sultan Ad Wan und d'sm fmugösifchen Vertreter ermittelt; endlich hat Sultan Adlvan Zuflucht in Syrien gefunden. dis,Resultate aus 85 Wahlstellen mit ungefähr 5000 Stimmen. Di« bisherigen Resultate sind folgende: Den ersten Platz nehmen di« allgemeinen Zionisten mit etwa 9000 Stimmen ein; di« misrach -ist i s ch c n Zionisten rangieren an zweiter Stell« mit 3500 Stimmen; in dritter Stelle kommt die Zionistisch« Arbeiterpartei Hitachduth mit 6000 Stimmen. Die Anhänger des Weltverbandes Zeir« Zion haben 4600 Stimmen auf sich vereinigt; die radikale:! Arbeiter brachten es ans 6000 Stimmen, die Handwerker auf über 8000 Stimmen, die Volkspartei auf 2000 Stimmen, die linke Poale Zion auf IM Stinuueu. Man rechnet mit etwa 20 zionistischen sowie 16 bis 19 miSrachischen Delegierten. Hitachduth und radikale Arbeiter Wie immer die Billinsten Orig, franz. Velour.li 99.000 Orig. engl. Doubl6,150cm breit K 93.000 Orig. engl. Anzue, 150 cm breit K 68.000!I. Taborstr.lTa . Adlergasse 5 keine Rede vonden Juden. Der Text dieser Dokustellen über 42.000 Stimmen zusammeugezählt. Es fehlen noch