Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1676 (14.10.1923)
- Date
- 1923-10-14
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Morgerrzettnrrg. Nx. EN Seite IV Men, Sonntag De utsches BolkStheaterr SamStag den 20. d. .mdet die Uraufführung von Leo F e l d S Komödie „D a s???^Lu^kel1e Gitter« statt. Hans Marr tritt in dieser Vorstellung fein Engagement an. — MS eine der nächsten Neuherten wird Paul W e r t h e i m e r S Schauspiel „M e ns ch e n v o n heute« -rrr Urauffiihrung vorbereitet. Hans Marr wird die Hauptrolle spielen. K am m e r s p i e l e r Morgen beginnt der Vorverkauf zu dem am 27. d. stattfindenden einmaligen Gastspiel der Mitglieder der C o me d i e F r a n e a i s e. Zur Aufführung gelangt r „A im e r von Paul G e r a l d y in der Pariser Originaloesetzung. — Heute geht im Rahmen der Nachtvorstellung „@{n rerzender Mensch« mit Arnold K o r f f als Gast in Szene. ... Neues Wiener Stadttheater: Montag findet die 36. Aufführung des Melodrams „Die wunderlichen Geschichten d e S K a p e l l m e i st e r S Kreisler statt. TbeateranderWien: Dienstag 250. Aufführung der Oskar StrauSschen Operette „Der letzte Walzer«. Der Komponist OSkcrr Straus, welcher aus Berlin einge- ^roffen ist, wird diese Festvorstellung persönlich leiten. Apollotheaterr Heute gelangt sowohl in der Nachmittag?-- als auch in der Abendvorstellung „D o r t n e u»d derZufall« zur Aufführunr. Gerichtssaal. Geldentwertung und BerzSgerungsschadru. Vox dom Oberlandesgerichte wurde vor kurzem die Berufung sverhandlumg über eine Klage durchführt, die der Kaufmann Leopold Sch. gegen den Wiener Bankverein bereits vor längerer Zeit angestrengt hatte. Ter Kaufmann Leopold >Sch. hatrc an: 25. Juli 1920 den: Wiener Bankverein einen Scheck ans 2000 holländische Gulden übergeben. der auf eine Amsterdamer Bank ge,zogen war. Es wurde vereinbart, daß die Bank die Holländischen Gulden in österreichischen Kronen zum Kurse von 63,50 nach Eingang zu bezahlen habe. Obwohl die Amsterdamer Bank dem Wiener Bankverein schon am 7. August 1929 den Betrag gut schrieb, verständigte diese den Kaufmann erst am 13. S'p'-r'n-ber und stellte ihm den Benag zum oereinöarten Krrrse zur Verfügung, trotzdem der Kurs inzwischen beträchtlich gestiegen war. Ter Kaufmann lehnte die Annahme des Be.ragcs mit dcr Begründung ab, daß er schon am 15. August das Geschaisr storniert habe. Der Bankverein wendete ein, daß er schon am 7. August vom Eingänge verständigt wurde, die Ban! aber diese Gn - schrisi „unter üblichem Vorbehalte" -durchführte. Sie war daher wicht verpflichtet, den Betrag früher auszuzahlcm Tas Handelsgericht verurteilte den Bankverein lediglich zur Bezahlung von 188.000 K. und wies das Mehrbegehreu mit der Begründung ab, daß nach den bestehenden Gesehen dcr Kläger den durch die Geldentwertung entstandemn Schaden nicht verlangen könne, wenn auch ein schuldhafter Verzug vorliege. In dem nunmehr schriftlich herabgelaugten Urteil des O b e r l a n d e s g er i ch t e s sagt dieses. es habe keinen Anlaß, sich mit der Frage zu hefafsen. vb die Bollzugsanweisung verfaguugsmäßsg sei oder nicht, weil die erste Instanz in ihrer Entscheidung diese Bollzugsanweffung nicht angewendet habe. Der Kläger könne auch nicht holländische Gulden zurückverlangen weil es sich hier um einen Verkauf von fremden Valuten handelt,. die.,den.Bestimmungen des. Handelsgesetzbuches nntcrliegen, so daß ein Rücktritt vom Vertrage nicht erfolgen kann, sobald die Marc, die 2000 holländische Gulden, bereits über geben waren. , Hingegen gab das Oberlandesgericht dem Begehren auf Ersatz des Valutaschadens Folge, indem es das erftrichcerliche Urteil aufhob und den Fall zur neuerlichen Verhandlung an den Erstrichter zurückvcrwies. Eine Klage Kuno Hohniggs. Tas Strafbezirksgcrichc 1 hatte gestern über eine Ehrenbeleidigungsklage zu verhandeln, die der Monarchist Kuno Hoynigg gegen den Bezirk sh cmp'- mann außer Dienst Otto D ahmen angestrengt hatte. Nach Inhalt der Klage soll der Beschuldigte in einer am 18. August von der Partei österreichischer Monarchisten einberufenen Mählerversammlnng auf den Zwischenruf „Und Hoynigg?" d:e Aeußernng gemacht haben: „Bon diesem Herrn spreche ich überhauvr nicht, denn es würden Sachen an das Tageslicht kommen, die eines anständigen Menschen u n d e: nes m o u a r ch i st i s che n Parteiführers unwürdig sind." Der Angeklagte Tahmen erklärie gestern vor Gericht, daß er eine solche Aeußernng, wie sie in der Klage inkriminierr ist. nicht gemacht habe. Kuno Hoyuftr ici. ckbzjwar er nicht eingeladen war. in der Versammlung erschienen und er sAngeklagter) habe gleich die Empfindung gchäbt. daß die Anwesenheit Hoyniggs zu Unannehmlichkeiten führen könnte. Ue'ber Befragen des Klagevertreters, ob zwischen ihm und Hoynigg persönliche Differenzen bestehen, erklärte der Angeklagte: „Herr Hoynigg ist mir persönlich gang egal." Tie Zeugenaussagen, widersprachen sich, so daß ver Richter auf Antrag der Verteidigung die Verhandlung vertagte. Salon Schindler. Am 18. d. sinder unter dem Vorsitze des Hcgrates Tr. Schneeweiß als Einzelrichter die Hauptverhandlung gegen die Inhaberin des Salons „Schindler" in der Gumpendorferstraße. Frau Rosa Schindler, und gegen jene weiteren vier Damen statt, welche wegen des Verdachtes der Veranstaltung lesbischer Orgien für zahlungskräftige Tanren und valutastarke Ausländer und überdies wegen Kuppelei, vom Sichrrhcusbureau verhaftet und dem Lanoesgcrichr eingeliefert wurden. Unter diesen Dan teil befinden sich bekanntlich eine Sängerin, die Beamtin eines hiesigen Staatsamtes und eine Artistin. Die Verteidigung Regt in den Händen von Dr. Alfred Kramer. Dr. Reiner und Dr. Cornell, die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Bartck. Damenboxkampf im Gerichtssaal. Die Frau .Katharina Gattinger hatte die Frau Rosa Maier beleidigt. Da die Frau Maier in diesem Punkte sehr empfindlich ist, klagte sie ihre Gegnerin tlnd gestern wurde über die Ehrenveleidigungsklage vor dem Bezirksrichter verhandelt. Nach Verkündigung des Urteils wurde das Tribunal zur Szene. Es trat nämlich die Tochter der Frau Gattinger auif die Prozeßgegnerin ihrer Mutter zu und versetzte, ihr eine kräftige Ohrfeige. Auch die Frau Maier stammt schließlich aus einem Bezirk, wo man ziemlich schlagfertig ist und es dauerte nicht lange, so war ein regelrechter Damen box kampf in: Gang, bei welchem man sich allerdings weniger um die sportlichen Regeln kümmerte, als vielmehr darum, der Gegnerin "möglichst viele Haare auszureißen und das Gesicht zu zerkratzen. Ringrichter /bei dieser improvisierten sportlichen Veranstaltung warw Bezirksrichter Tr. K ö l l n e r. Die Boxerinnen hörten jedoch auf feine Einwendung n nicht, sondern sie waren in ihre lebhafte Auseinandersetzung so „vertieft", daß ein Gerichtsdiener herbeigerufen werden m>^;te, um dem Kampfe ein Ende zu machen. Der Bcftr'sricüter nahm dann auch gleich die PreisverteÄung vor und feine der kampflustigen Damen klare Siegerin «*» .", c:h'"!wn beide sofort 21 Stunden Arrest. Volkswirt. Gestempelte Krone — 0.0079 Centimes. Auszahlung Me« - - 0.00783/, SenHmes. In Zürich notierte 13/10. 12710. die östeneichische Krone . . . . . . 0.0078*/* 0.007878 die österr. gestempelte Krone . . . . 0.0079 0.0079 die tschechische Krone .... . . . 16.65 16.70 die Mark ......... gestrichen Holland. 219.40 Netv-Nork.. . . . . 567.- 558.- ßottbon »,»»»,«»,» . . . 25.29 25.40 Patts.. . 33.96 Mailand.. . . . ... 28.40 25.50 Belgrad.. . . . . 6.55 , 6.55 Bukarest . . . 2.60 2.60 Sofia.. . . . 5.45 5.45 Budapest ....... . . . 0.0307 0.0307 Warschau . .. 0.0006 -er Reg der Fuflatio«. Eine merkwürdige Nachricht machte in dieser Woche durch alle Blätter die Runde. Der englische Arbeitsminister hat eine' Rede gehalten, in der er erklärte, daß England mm mehr vou seiner bisherigen Teflationspolitik aWlrhren und Mir Jnflationspolitik rückkehren wolle. Diese Bemerkung, von einem offiziellen Organ der englischen Regierung gemacht, bat überall ungeheures Aufsehen erregt. Bisher wurde sic nicht offiziell dementiert. So dürfte etwas daran sein. England hat sofort nach dem Kriege als erster Staat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, seine Währung wieder auf das Friedensniveau zu heben. Sukzessive aber zielsicher wurde die Zahl der englischen Banknoten verringert und eine zielbowußte Teste: wnspviitik betrieben. Diese Bemühungen waren nicht ohne schwere Erschütterungen der englischen Wirtschaft unternommen worden. Ein nie geahnter Steuerdruck belastete die ge.sc.mtc Wirtschaft. Die Industrie machte eine Krise nach dcr 1 anderen durch. Durch langfristige Exportkredite wurde versucht, der Stagnation des englischen Handels äbzuhelfcn. Endlich wurde tatsächlich erreicht, daß das englische Pfund wieder das Golk Niveau erreichte. Jetzt mit einem Male, nachdem diese Mafuchmen dft Be:r.n:dernng aller Wir:schaftskreise Europas erreicht hoben, erklärt plötzlich ein englisches Regierungsorgan,, daß dieser Deslationszuftand nicht befriedige und will wieder zur Inflation zurückkehren. Ernmiiert. schwerwiegende Momente sein, die hier milspielen, daß das sonst in Wirstchastsftchcn streng konservative England sich zu dieser Sinnesänderung entschlossen hat. Die wichtigste Ursache ist wohl die chronische W i r t s ch a f t skrifte Englands. Die Zahl der Arbeitslosen will sich nicht vermindern. Die Produktion klagt weiter über den Mangel an Absatz ihrer Prrduktc. Ter Handel kann die großen Stenern n'cht aufb inzeu niw eine Insolvenz löst die andere ah. Man A von l'cl.rierwtci <n t'nzelrcr Bamäftfter. Mißstimmung , lagert seit drei Jahren auf der City. Man suchte den.Hauptgrund in den ungeklärwn wirtschaftlichen Verhältnissen Mitteleuropas, namentlich im Ruhrkonflikt und in dem ungelösten Reparalionsproblem. Ter Premier Baldwin hat nicht aus eigener Initiative in diesen Reparationskonflikt einzugreifen versuch:. Tie Wirischaf'snot Englands hot ihn dazu veranlaßt. Doch diese Brmähnng-.n haben nicht viel Erfolg, gehabt. Die Krise laste: weiter. Ta <iuschli.ßt sich m'n England zu ganz anderen Maßnahmen. Wählend in Trut'chlend die Folgen der Inflation sich hmr.cv fcf revet fühlbar machen und cs ans dem Jnflatienschaos keinen Ancwez finden kann, währeiid bisher die Inflation As solche als Gesamnl.sach.' dcr Wireschaftskrankh:it dcr mcisten Wirtschaftsgebiete Mitteleuropas angogsben wurde, versucht jetzt England dennoch, z.c diesem so verpönten Mittel der Inflation zu greifen. Die Not der eigene^ Wirtschaft hat diesen Entschluß hervcrgecnscn. Zunächst sollen 100 Millionen Pfund Sterling dem Verkehr neu zugeführt werden. Schon daraus wird ein gewisser Truck auf die Pfundwährung erhofft. Dazu soll eine größere.Summe von Schätznoten herausgegebe-n werden, welche als Vorschuß für die Rchstoffbestellung der englischen Industrie gewährt wird. Klan sieht, worauf es hinausgeht. Auf diese Weise soll für den enatilschen Export die bekaunle I u s l a t i o n s p r ä m i e geschaffen tvevden. Es ist dies die Exportpräinie, dfe seinerzeit Ocsterreich starken Absatz ermöglichte und den Dumpiugpro,)ch Deutschlands verursachte, welcher zu Gegonmaßnahmen Englands und seiner Dominien und Frankreichs führte. Selbstverständlich denk, England nicht im aerinaslcu an eine zügellose Inflation, wie sie in den Ländern mit sortwahreiü» sinkender Währung Platz greift. Es soll mehr eine geregelt«, in bestimmten Grenzen gehaltene I n f l a t i -o n bewerkstelligt werden, welche.nur die Prodnktionsfähigkeit der Industrie und ihre Absatzmöglichkeit vergrößert. Esnäßt sich theoretisch -dagegen o-niämpsrn, ob diese Maßnahnve wirklich den erhofften Erfolg bringen kann. Tatsächlich sind die Jnslativnswirkungen nur so lauge zu spüren, als sich nicht das Wirtschaftsleben der veränderten Geldmcidge angepaßt hat. Cs fragt sich auch, ob sich das englische Parlament zu dieser jeder Tradition widersprechenden Maßnahnl« entschließen wird. Doch als Gedanke ist er mehr als charakteristisch. Vor einigen Monaten wurde an dieser Stelle erklärt, daß die Zukunft der Wirtschaft nicht den hohen, sondern den Zwergwährungen gehöre. Es wrrrde' nachgewiesen, wie dieser Prozeß der Zwerggestattung der Währung allmählich von Osten nach Westen vordriM. Daß er auch im Westen Platz zu greifen beginnt, zeigt die Denkart manches EngländerswEs bilden sich neide Währungsbegrissc heraus, die von den bisherigen ganz verschieden sind. Die Nochkricgs'.virtschast beginnt neue Gedanie.tr über den Geldumlauf und seine Gestaltung herauszukristallisiereil. De»- G.-dankengan.'. EnglaiKs ist dcr Beweis dafür. -q. 11 Pftofot 1923_ Set Ausweis dtt SeftetteWsche« RatiouMM. Zunahme deS Barschatzes. — Abnahme des Banknotemnnlcmfes. * Der letzte Ausweis der Oesterreichischen NationaManik vom 7. d. zeigt n eilt erlich eine äußerst günsti ge Gestaltung der österreichischen Geldumlaussiverhältmsse. Der Bmckn>otemmÄautf hat gegenüber der Vorwoche um fünf Mill'iardm abgenonrmsn und beträgt im ganzen 6220 Millionen. Hingegen hat der Darschatz eine neuerliche Vermehrung um 36 MiMavden erfahren und beträgt nunmehr 3836 Milliarden Kranen. Damit sind die österreichischen Banknoten weiterhin mit zirka 54 Prozent bar gedeckt. Interesse verdient der Umstand, daß dar Wechselportefenille uni 80 Milliarden Angenommen hat und nunmehr 960 Mllrarden beträgt. Diese Zunahme deS Wechselpovtefertilles zeigt, daß die Nationalbank den GeldmarLtbednrfuissen abzuhelfen versucht hat und mehr Geld im Kreditweae der Wirtschaft zur Verfügung gestellt hat. Der Wiener Geldmarkt. Geld war gestern reichlich zu einem halben Prozent pro Woche angeboten. Demgemäß gestaltet-: sich dcr Verkauf der Prolongation überaus leicht. Der gestrige Privatverkehr. Nach dem glatten Verlaus der Prolongation schritt die Spekulation zu Deckungskäufen, voivnohmlich in Wipine-M'ien, die gegenüber^ ihrem letzten Schlußkurs eine wesentlich erhöhte Kurstaxation aufwiesen, zumal auch Deckungen für einen Baissefpekullanten stattfinden. Stiaicrtsbahn sind für Budapester Rechnung gesucht worden. Man vermutet, diaß die in Budapest bestehende, weit verzwoigte Kontermine langsam den Rüchzu>a an tritt /und Vorsicht i>g ..Dl Deckungskäu'sen übergeht. .Bon dein übrigen Kulisscpapi'.'iren sind die führenden Bankwertc gteichfalls rege bego'hr-t worden. Die im Schranken geihandülten Holz- und Bautverte verzcickmeten heute durchwegs höhere Mlrstaxen, wobei es infolge Materlaümangels zu keinen Abschlüssen kommen konnte. Der Scheck- und Sparkassenverkehr beim Postsparkassenamt. Akit Rücksicht auf die gegenwärtigen Geldverhältnisse und im Interesse der Erleichterung des Zahlmrgsdienstes hat das Postsparkassenamt seine Kontoinhaber eingeladen, mittels Schecks nur auf volle Hunderter von Kronen lautende Beträge vorzuschreiben und auf die gleiche Abrundung der Beträge auch in den Fakturen Bedacht zu nehmen, welche von' den Schuldnern durch Einzahlung aus Erlagscheine beglichen werden sollen. Da sich schon jetzt viele Kontoinhaber danach halten und eine Anpassung an diesen Vorgang seitercs des größten Teiles der Kontoinhaber zu erwarten ist, wird in absehbarer Zeit die Gebarung mit durch 100 teilbare Kronenbeträgen obligatorisch vorgeschrieben werden. Das Gleiche git auch für Einlagen im Sparverkehr. Weiters hat das Postsparkassenamt die Kontoinhaber ersucht, die Antveisung von Beträgen unter 1000 K. nuttels Schecks zu vermeiden, weil die mit der Durchführung solcher. Zahlunger: verbundenen Material- und Arbeitskosten mit solchen Beträgen in keinem Verhältrüs stehen. Eine Weihnachtsverkaufshalle im Wiener Messepalast. Im großen Saale des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft fand gestern eine massenhaft besuchte Plenarsitzung deS Gremialrates der Kaufleute Wiens, insbesondere der D.etaillisten, statt, um zu einem Dringlichkeilsantrag Stellung zu nehmen, der von einer Reihe von Kaufleuten eingebracht wurde. Nach diesem Antrag soll die Wiener Messe A.-G. die Llbsicht haben, noch vor Weihnachten in den Räumen des Messepalastes einen großzügrgen Wcihnachtsverkauf aller möglicher: Erzeugnisse zu veranlassen. Die Messe A.-G. selbst erklärt, daß ste diese mit einem Detailverkauf verbundene große Weihnachtsausstellung nicht selbst durchführe, sondern zu diesem Zrvecke nur die Räumlichkeiten im Messepalast an eine eigene speziell zu diesem Zweck ins Leben gerufene Gesellschaft überlassen habe. Die Verlesung dieses Dringlichkeitsarrtrages rief in der Versammlung einen wahren Sturm der Entrüstung hervor und die sich daran knüpfende Debatte nahm einen überaus bewegten Verlauf. Als erster Redner sprach Kommerzialrat Josef Pohl, der die ungeheure Schädigung des Kausmannsstandes und des heimischen Gewerbes durch derlei Veranstaltungen betonte. Wenn Grossisten und Erzeuger ihre Waren selbst verkaufeli, was bleibt dann noch für den Kaufmann übrig? Gerade die heurigen Weihnachten könnten der Kaufmannschaft die Möglichkeit bieten, sich von der seit Rkouaten andauernden geschäftlichen Stagnation etwas zu erholen, mm kommt nran tvieders mit einer solchen eiaentümlichen Veranstaltung, die geeignet ist, der Kaufmannschaft die Berdienstmögltchkeit nahezu völlig zu unterbinden. (Rufe: „Das' ist ein Skandal!") Nach einer sehr ervegten Debatte ivurde durch einstinnnigen: Beschluß das Präsidium. beauftragt, alle nur möglichen Mittel anzuwenden, um eine derartige schwere Schädigung des Kmismannstandes zu verhindern. Der Prager Großindustrielle Leon Bondh gestorben. In Prag ist am Freitag der Vizepräsident der Prager Handelskammer, Großindustrieller Leon Bondy, im 64. Lebenssahrc gestorben. Nach Erwerbung des Ingemeurdiploms und nach Ab - solvierung der Montanistischen Hochschule in Leoben trat er in «die väterliche Fabrik in Bnbna ein» war Mitbegründer der Eisenwerke in Zeniea in Bosnien und wurde vor mehr als 20 Jahren Teilhaber der Eisenfirma Bondh, die nach dem Umsturz in die Ferra A.-G. nmgewandelt wurde. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag in seinem Wirken in der Prager Handelskammer, der er seit dem Jahre 1902 angehörte. Später wurde, er zum Vizepräsidenten der Handelskammer gewählt, welche'Stelle er bis zu seinem Tode einnahn:. Nach den: Umsturz wurde er Präsident des Wirtschaftsbeirates und dcr Ltußenhandelskommission. Bondy hatte sich vor einigen Tagen einer Operation unterzogen. Es trat eine Lungenentzündung ein, der er erlegen ist. - Insolvenzen Budapester Bankfirmcn. Aus Budapest wird gemeldet: Bei der Oberstadthauptmaunschaft wurde gesteri: gegen die Bankkonunissionsfirma Roth u. Co., die auf den: Iozsef-ter eta'liert ist, eine Strafanzeige wegen Defraudation von 500 Millionen Kronen erstattet. Als Anzeiger fungiert ein gewisser Pa>:l Farago, der Äs stiller Konlpagnon bei der Firma gewirkt und gegen Provision für die Firma Geschäfte abgeschlossen haben soll. Man sprach schon vor einigen Tagen von Schwierigkeiten dieser Firma, doch läßt sich noch nicht erkennen, wiemel der eveniume.Schaden sein kann. Paul Farago hat für die Firma Roth u. Co., deren Inhaber Hermann Roth und Geza Kormos sind, Geschäfte gemacht und sollte, wie er in seiner Anzeige sagt, hiefur 20 Prozent Provision erhalten, d:e ihm aber angeblich nicht ausgezahlt wurden. Die Chefs der Firma Roth u. Co. geben dagegen an, daß Farago bei ihnen große Mengen von Aktien gekauft und hiesür das Kostgeld nicht bezahlt habe. Bei der Oberstadthauptmaunschaft wurde in dieser Sache iwch keine Entscheidung getroffen, weil die Firma Roth dem Paul Farago einen Ausgleichsantrag gestellt hat. Der eine Chef, Gezä Kormos, wurde henw verhört. Hermann Roth hält sich in Paris auf. — Eii:e große Zahl von Anzeigen ist gestern gegen die Firma Gebrüder Garai, Nt'lykorona-utca 22, eingelaufen. Diese Firma war bekanntlict im Vorjahre insolvent gewordc::, '.eev>v.,f da? Geschäft