Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1676 (14.10.1923)
- Date
- 1923-10-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980757--16427-3003340- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 2× ep/1000826
OCR text
QRQt| VOKfflBQ .1-^- MMw MoAgenzettuns» 14. Oktober 1923 chsiten Vsri-et letztens über «die ,Fvaae der Befvomng der Geistlichm vom Militärdienst. Der jüdische Abg. Dr. Feldmon« «rmnerte daran, daß die Rabbiner in Polen in ' dieser Beqiebuna weit schlechter acftellt sind als die Geistlich«^ anderer Konfessionen. Während diese auch dann vom MMärdienst befreit sind, wenn sie keine religiösen Funktionen .auSüben. werden von dorr Rabbinern nur solche berücksichtigt, die bereits im Amte bestätigt sind. Es haben sich sogar Fälle ereignet, daß selbst seit Jahren tätige Rabbiner von der Re- 'gierung, nicht bestätigt worden. Mbg. Feld mann stellte einen diesbezüglichen Antrag mit einem Amendement, daß auch iüdische Religionslehrer mirlrtävische Erleichterungen genießen sollen. Der Vertreter der Regierung sprach sich gegen den Antrag aus. Nach einer längeren Debatte beschloß die Kommission den Antrag bezüglich der Rabbiner einer Unterkommission zu überweisen, dagegen lehnte sie das Amendement betreffs der ReligionAehrer ab. Rumänien. »Biege« oder brechen!" KSnkg Ferdinand über die Universitätsskandale. (Bon unserem Bukarester Korrespondenten.) Bor einigen Tagen besuchte König Ferdinand die kandwirtschaftliche Ausstellung in Jassy und hielt aus diesem Anlasse eine Rode, die von der gesamten Presse des Inlandes vielfach besprochen wurde. Besondcrs lebhaft wurde die -Bemerkung des Monarchen bezüglich der Universitäten disputiert. Man war bisher eine solche Sprache nicht gewöhnt. So scharf und so entschieden trat noch niemand bei uns zu Lande gegen die Ruhestörer an den Universitäten auf. Der König wünschte aus vollem Herzen, daß endlich einmal der ruhige Betrieb auf den Universitäten beginne und schloß seine diesbezügliche. Bemerkung mit den Worten: Liegen oder brechen!" Zu den anwesenden Professoren der Jastyer Universität sagte der Monarch: „Die chaotischen Universitätsvorhältnisse schaden nicht nur im Inland, sondern schaden uns auch im Ausland. Wir brauchen Harmonie aus den Universitäten. Die . Agitationen müssen aufhören. Es dürfen keine Kämpfe zwischen den Elementen desselben Volkes stattfinden." Die Rede machte einen tiefen Eindruck. Es steht f'st, daß der König die antisemitisch - c uz ist i s che Studentenbewegung verdammt, daß der Ministerpräsident Bratianu sie nicht mag und dennoch kann man von einem regelmäßigen ungestörten Hochschulbetrieb nicht reden. Es fragt sich, wer an diesen Vorkommnissen d« Hauptschuld trägt. Wenn der Souverän des Staates, wenn der Premierminister gegen diese terroristische Bewegung ist, so haben sie doch genug Mittel und Wege, um diesen n-itionabantisemitschen Faszismus zu unterdrücken. Es muß endlich einmal den Worten auch die Tat folgen. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß im Kabinett Bratianu eine starke Meinungsverschiedenheit bezüglich deS rumänischen Faszismus und des Antisemitismus herrscht. Es ist bekannt, daß der Unterrichtsminister Aghelescu diese Dewrrung an den Universitäten toleriert und daß -seine strengen Maßnahmen nur u nt er dem Dru cke des Premierministers erfolgten. In den letzten Tagen hatte es sich gewitzt, daß der Unterrichtsmin'ister andere Wege sucht, um den Numerus clausus einzufü'hren. So hat er verfügt, daß alle Absolventen der Mittelschulen bä ihrer Jnskribierung an den Universitäten eine A u f n ah m s p r üfu ng machen müssen. Dadurch gewinnen die Professoren eine Handhabe, um den Numerus clausus aus Umwegen einzuführen. Gegen diese Uaaeset?l'.chkeiten haben die führenden Professoren der B u k a r c st e r und Czernowitzcr Universität entschrcdenen Protest eingelegt Tie Dekane der juridischen Fakultät bezsichnetcn' diese Verordnung als eitlen Nonsus und kümmerten sich bei der Inskription nicht um die Venstigung. Immerhin r't dieser Erlaß mch: ausgehoben. und gibt den Universitäten eine Handhabe, den Numerus clausus in die Praxis umzufeken. Diese Ungesetzlichkeiten riefen eine tiefe Gärung in akademischen Kreisen hervor unb mochten auch in, ganzen Lande einen großen Eindruck. Man steht heute vor inneren Krisen an den rumänischen Hochschule:,. Es soll noch hervorgehoben werden, daß die Mehrzahl der Universitätsprofessoren sich ablehnend argenüder den Numerus clausus verhält und sich um die Erlässe des Unterrichtsmruisters nur wenig kümmert. Dieser Tage tritt der Ministerrat zusammen und es ist mit Sicherheit anzunchmen, daß es dabei zu einer Kabinettsbildung kommen wird. Unter dm Ministern, welche Bratianu Preisgeben will, befindet sich auch der Unterrichtsminister Anghe lesen. Geht er einmal, dann haben die Cuzrsten eine starke Stütz, verloren und des Königs Wort wird dann gehört werden. Es urunw schon arg zu gegangen sein, wenn der Monarch sich zu ..Vicgen oder brechen!" Hai bewegen lassen! Dar Farzifte«loW!?r»li. Bukarest, 18. Oktober. (Del. der „Wiener iNur^enzeitung".) D 'e Angelegenheit der f a s z i st i s ch e n Verschwörung nimmt, wie die „Agence Lux" meldet, immer größerenUmf 2 ng an. Es wurden zahlreiche Hausdurchsuchungen vorgenommen, die eine Reihe neuer Verhaftungen zur Folge hatten. Aus den Vorgefundenen Dokumenten ist ein Einvernehmen der Verschwörer mit ausländischen Ge he imgesell schäften feftzustellen. „Weverul" zufolge erscheinen hervorragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens durch die Untersuchung schwer kompromittiert. Auch mehrere Damen der Bukarester Gesellschaft wurden in H a ft g e n 0 m men. Die Führer der Verschwörung Eodreanu und M0tza halben ein volles Geständnis abgelegt. Infolge Umbaues der Geschäftsräume Grotzer » 1 von; Mäntel : Kostüme : Kleiber : Blusen ■ }«tief herabgesetzte« Preise« ■ nach Original Pariser Modellen : im Konfektionshaus \ Leopold Ascher S Bruder \ Vll.Mariahilserftraße 50 Litauen. Schule und «ationale MinorMe«. Köwno, 12. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die Unterrichtskommissi-on des Schm hat in ihrer letzten Sitzung in drei Lesungen eine neue Textierung des § 44 des Schulgesetzes beschlossen, welcher die Zusammensetzung der BildungÄommistiori in den einzelnen Kreisstädten behandelt. Während der bisherige Text die Zusammenstellung nach der prozentuellen Stänke der Bevölkerung vorsieht, werden nach dem neuen Text die Schulkommissionen nur ein Drittel ihrer Mitglieder aus den Kreisen der nationalen Minderheiten zählen können. In der Sitzung der Sejmkmumissionen haben di« Vertreter der nationalen Minderheiten gegen die allzu schnelle Vornahme der drei Lchungen Protest erhoben und erklärt, daß eine Annahme d'ches Textes im Widerspruch zur Verfassung.steche. Der Kommission gehört, wie bereits vor längerer Zeit gemeldet wurde, kein Vertreter des Jüdischen'Klubs an. Aus diesem Grunde mußten die Vertreter der übrigen nationalen Minderheiten dichelbe Erklärung auch im Namen der jüdischen Minderheiten abgeben. Außerdem haben sämtliche Minderheiten eine Deputation zum Ministerpräsidenten entsendet, welcher als Vertreter des Jüdischen Klubs Abg. Dr. R 0 b i n s 0 h n ang-chörte. Die Deputation protestierte gegen dft' Beschlußfassung der llnterrichtskommissiön und erklärte, daß die .Annahme eines solchen Gesetzes iNe gal'und für die ' StckatSinteressen schädlich sei. Ministerpräsident Galwanauckas erklärt« sich vom politisch-moralischen Standpunkt gegen dieses. Gesetz und stellte Schritte in Aussicht, um den berechtigten Forderungen der nationalen Minderheiten entgegenzukommen. LettlMd. Die BelchrSntling der k»ltmeken Auimwmie für die Minderheiten in Lettland. Riga, 13. Oktober. (I. C. B.) Laut amtlicher Publikation wurde den Schuldepartenrents der nationalen Minderheiten das Recht entzogen, Rormalschnlen ohne Bestätigung foer lokalen Schulbehörde sowie mittlere und höhere Schulen ohne Bestätigung des Unterrichtsminifters zu erholten. Ferner wurde den Departements das Recht entzogen, die Dehner selbst zu bestätigen. Durch diese Verordnung wird der Einfluß der j ü d ischen Kulturautonomie bei der Zusammensetzung des Lehrkörpers an den jüdischen Schulen illusorisch gemacht. FasMenaatisemitismur in Lettlaud. In Riga und amderen lektischen Orten haben in der letzten Zeit wiederholt antisemitische Exzesse lettischer Faszisten sta.ttgefu>N'den. Vor einigen Tagen sprachen, wie I. C. B. meldet, die j üd i s ch e n Abgeordneten Lettlands beim Innenminister vor und verlangten ein strenges Eingvciifen der Regierung. Ter Minister hat auf adm-inistratidom Wege über den Redakteur einer antisemitischen Hetzzeitung, Karl Polis, wegen seiner die öffentliche Ordnung störenden antiWischen Hetze eine zweimonatige Haft verhängt. Palästina. Die 8rkra«slgenz der arabische; LLe«».L«. Jerusalem, 12. Oktober. (I. C. B.) Ein Verirrter des I. C. B. hat den Führer 'der vor kurzem aus London zurückgekehrten arabischen Delegation Musa Kasim Pascha über die Pläne der arabischen Nationalisten befragt: Musa Kasim Pascha erklärte: „Wir beharren aus unseren Folgerungen, daß in Palästina eine nationale konstitutionelle Regierung errichtet 'werde. Das ist der einzige Weg, den Frie-den im Lande zu erreichen. Wir werden nie auf diese Forderung verzichten, sondern sie unablässig wiederholen, bis sie eine endgültige Befriedigung finden wird. Wir können mit der Pal ästina-Negiei:ung nicht zusammen arbeite«. Wir werden unsere sämtlichen Forderungen d'wejkt gn daS Kabinett in London richten, eS sei denn, daß es sich um geringfügige lokale Angelegenheiten handelt. Hwer solche werden wir direkt mit den lokalen Behörde« verhandeln. Wiederaufbau einer historischen Brücke. Die Histadnrth Haowdim (Jüdische Arbeite roraanisation in PaMin-a) erhielt von der Regierung den Auftrag, dike während des Krieges zerstörte historische Brücke an der Grenze zwischen PoLastma und Syrien wieder aufzubauen. Die Histadruch erhält fürde« Aufbau 500 englische Pfund. Rundschau. England und Italien. (Bon unserem Londoner Berichterstatter.) Das Korifu-Mnternehrnen Mussolinis hat mit jmtew .Schlage dem feit einigen Jahren anhaltenden Gerede von der großen Freundschaft zwischen Italien und England ein Ende bereitet. Seit dem Weltkrieg, in dem ja Italien an der Seite Englands kämpfte und aus dem es vergrößert mit einer Bevölkerung von 40 Millionen Seelen hervorgegangen ist, hatte man in der Presse die Dichter .und Historiker herangezogen, um die Dauer und Tiefe der Freundschaft immer wieder zu betonen. Dazu kam es, daß Italien stvts rn den letzten Zeiten an der Seite Englands zu finden war, wenn es galt, im Gegensatz zu Poincave eine Meinung über die Beziehungen mit Deutschland zu äußern. Das Wort von he» „freundschaftlichsten Einvernehmen" ufw. war dabei auf-der Tagesordnung. -Um so überraschender kam es daher für die öffentliche Meinung Englands, als nach dem Janina-Mvrd, den die Londoner Presse zwar verurteilte, jedoch n'cht als genügenden Grund für die Besetzung Korfus ansah, in Italien ein Sturm der Entrüstung über das perfide Albi-on" wsbrach. Man hatte dort England sofort die Freundschaft gekündigt und ihm die traditionelle Liebe zu Griechenland zu-m Vorwurf gemacht. Die Stellungnahme Englands in Genf hat die Gemüter weiter aufgeregt und -so spricht man heute mit mehr Reserve über die gegenseitigen Beziehungen: In den Kreisen, die an der Freundschaft mit Italien sesthalten, beklagt man es, daß He-vr Mussolini in den letzte« zwölf Monaten einen extremen Nationalismus propagier.-, besten Ergebnis ein überwuchernder italienischer Imperialismus sein trnr-d und dessen momentane Folgen ein wütender Britenhaß in Italien ist. Dabei scheut man -nicht -mehr die große politische Frage, gleichsam die Basis aller dieser DiS« -kustionen, zu berühren. Es ist heute ganz Mar, daß di« emzitze Macht, die im Mittelme-er Engla-üds Prestige zu schmälern geneigt wäre, nur Italien fein kann. Englands Standpunkt ist dabei ein festgelegter. Großbritannien betrachtet daS Mittel-m-eer als ein« der Hauptstraßen des /Weltverkehrs und -verlangt die absolute Anwendung des Prinzips der Freiheit der M -ere. Das bedeutet für alle Fälle die- Ausschließung einer italienischen Beherrschung des M-ittelmeeres. Das bedeutet für alle Fälle die Ausschließung «insr itÄienifchLn Beherrschung des Mittelmoeres. Dies ist eines der Wichtigsten Probleme des britischen Reiches, und es ist zu erwarten, daß ihn die britische Re i ch s ko nferenz ihr dollste Aufmerksamkeit zuwenden wird. Denn das Mrtielmeer besitzt heute nicht nur seine Bedeutung für England, sondern auch für Australien, Ncuseeland, Südafrika und Indien. Keine Rsüot«tio« in PoMgal. Die portugiesische Gesandtschaft in Men tritt m8, daß sie von ihrer Negierung ein Telegramm des Inhaltes erhalten habe, daß die durch einige Nachrichtenbureaus verbreiteten Gerüchte über den Ausbruch einer Revolution in Portugal jeder Grundlage entbehren und daß sich der Amtsantritt des neuen Präsidenten vollkommen ungestört vollzogen habe. Der HrLfchar and der Mllerb«»Z. London, 13. Oktober. (I. C. B.) Wie „Daily Te^ l e g r 0 p h" nteldet, habe der Völkerbund die Aufnahme des Staates von Hodscha 's als M-itglied a b gelehnt, i'a sich -König H u s f e t n getveigert habe, den Vertrag von Versals!cs zll untcrzcichnen. Lenins Flacht zum Kayttalisams. London, 12. O-ktcber. (Wolfs.) Der Pariser Bericht» evstatter der „Rierning Post" meldet, Jnformationer:, die er in französischst Barlkkreisen erhalten habe und die von zuverlässigen! ritss-ischeu Quellen ergänzt wovden feien, ^besag-ten, daß bau Verhandlungen, die während der letzten drei Tage zwischen dem Direktor der Nlssischett Sowjetbant in Moskau, S ch c inma it n, und wichtigen Gruppen P ariser Bankiers im Gange feien, große Boderrtung beigentessen wcrdem nnisse. Schein mann habe bereits London und Vriissel -besucht und es ‘orvCauic, daß er nt-'.t Bankiers -und .Kapitalisten in beiden Staatert Beraiiln.w'- oepssogeu habe. r w rÜ bringen fttr den Hftrbst vorzügliche Herren- und Danienffbk I WM Stoffe modernster Art, infolge kleiner Rosien, VndT' «u den billiasten Preisen a^B| 4 Tote, 30 Verwundete. . Moskau wird gemeldet: Gestern-mittags ist in der Wassenhandlung Tichotnik -das Pulver- und Patronenlager durch Selb st c n t z ü n d u n g e x p 10diert. Der G e f ch ä s t s i n h a b e r u-nd drei Käufer wurden als Leich enaus den. Trünmiern geborgen. Vtehr als dreißig Hausbewohner und Straßenpassanten sind teilweise schwer verletzt w-or-den. VI.. Linke Wisn^ zeiie 40, im Hofe