Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1676 (14.10.1923)
- Date
- 1923-10-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Ute. 1676 Stcn, Donn tag Wiener Morgenzeitung. 14. Oltober 1923 SeA« S $ I ZüdisGe Wablgemeinecbaft 9. Bezirk Heute Sonntag den!4. x/210 Uhr vorm., findet im Heimat-Kino- IX., Porzellangasse 17, ein statt LMLL Pollak-PamM, Kultusvorsteher Tr Zchalit, RL° Zgmr Glück, r Zakob Weiner. Mmann.Af »>'Königstein Gemeinderat Dr. Plaschkes te* jüdischen Tozialdemok raten Zn bagat-ellisieren suche. Herr Austerlitz von der „Arbciter'/eilung" hat den Kamps der jüdischen. Hochschüler uni .ihr Recht an «der Universität mit bloßen antisemitelnden Hohn begleitet; aber man darf nicht übersehen, daß aus dm Radaustudenten die Richter und Beamten des Staates hervorgchcn. Die Zeiiten d.s unparteiischen Rechtes in Oesterreich scheinen vorüber;u sein, die Richter und Behörden schützen die Hakenkv.uzler, und ähnlich liegen die Dinge im Steuer wesen. Die Steuerzahler sind in Straf,eukatastcr eingeteilt, daneben aber gibt es noch Brauchen referate, wo jene hineinkommen, denen man besondere „Aufmerksamkeit" schenken wolle, und hi r läßt man die Steuerbeamten auf die Juden Tof, die eine merkwürdige „Vvrzngsbehandlnng" erfahren. Es ist Zeit, daß sich alle Juden zusammentnn, um der iantisemitischen Gefahr eutgegenzn treten, und die Jüdische Wcchlgew.einschaft hat auch die Ausgabe, zu verhüten, daß sich bei den Juten eine doppelte Moral oinnist.', e'ne sür's bürgerliche und eine für's politische Leben. Dnu auch im po ilischen darf mau wie im bürgerlichen Leben nicht dorthin gehe:,, wo man verachtet wird oder wo man seine natürlichen jüdischen I nstinkte unterdrücken muß, um sich behaupten zu können, wie es die jüdischen Sozialdemokraten bei antisemitischen Angriffen im Parlament getan haben. Unsere Wahlgemeinschaft vergrößert keineswegs die Kluft Mischen Inden und Nichtjnden;!nt Gegenteil, sie ist der einzige Weg, um die Inden bündnissähig zu machen, weil man sich bei einem ehrlichen Bekenntnis gegenseitig viel leichter verständigen kann als wenn Mer unehrliche Mischmasch bestehen bleibt, den wir wir bei den Czernin- Demokraten und ihren Mischen Nachläufern finden. Die Auffordenmg des Redners an die Versammlung, am 21. Oktober jüdisch zu stimmen, wurde mit allgemeiner stürr-üsher Zustimmung aufgenommen. * Oester» fand eine ganze Reihe, von jüdischen Wähnrver-; fammlvngen statt, die wir aus Gründen des Raumes nicht genaue» registrieren können. Alle Versammlungen wiesen einen wahre» Massenbesuch aus und brachten der jüdischen Sache neue Sympathien. Besonders imposant war die Versammkmg i« der jüdischen Toynbee-Halle in der Brigittenau, wo Dr. Felix, Bezirksrat Dickstein und Doktor Löwenherz unter stürmischem Beifall sprachen, der sich nach der Rede de§ Letztgenannten zu einer l■ ificrt;n Kundgebung gestaltete. Sozialdemokraten «ad Fndeufrage. Man schreibt uns: Im Alten Rathaus sprach dieser Tage Dr. Otto Bauer vor Aerzten und Anwälten, doch wußte er lvcnig oder gar nichts zu sagen, was die Angehörigen dieser Stände interessieren konnte. Nach feiner Rede wurde Dr. Bauer durch Herrn Dr. Jakob Kohn, dem Gründer d-er wirtschaftlichen Organisation der niederösterreichischen Rechtsanwälte, befragt, wie die Sozialdemokratische Partei den traurigen Verhältnissen im Anwaltsstande abzuhelfen gedenke. Dr. Bauer antwortete mit der Offenbarung, den Anwälten könne n u r die Hebung von Handel mtb Industrie helfen. Dr. Bauer sollte cs einmal mit solchem Hinweis bei Arbeitern und Angestellten versuchen! Bor diesen heißt cs freilich imnrer: Ihr müßt eure Lebcusnotwendigkeiten bekommen, Unbekümmert darum, auf wen die Lasten übcrwälzt werden. Ueberraschcnd klang bei dem sozialdcmokratischeir Parteiführer auch das Wort, man lebe nicht bloß von Brot. Wenn andere von Idealen sprechen, dann ist der Spott über „Ideologien" gleich bei der Hand. Auch sonst hatte Dr. Bauer seineil melancholischen Tag: Seine Ausführungen über die «Sanierung waren wie ein verspätetes Chotosi nach Jomkipnr. Lag ihni vielleicht der Ausspruch seines Parteigenossen Hilferding in den Gliedern? Zweifelt auch er au der Zukunft seiner 'Partei? In die äußeren Bezirke ist diese Stimmung noch nicht gedrungen; in der in Döbling von Sozialdemokraten einbernfenen jüdischen Wählerversammlung waren die Herrerl Gerncinderat Schmid und Vorsteher Seleskovicz noch ziemlich resch. Herr Skhnlid meinte, wenn cs mit den Inden nicht mehr ginge, da könnte man ja a r i s ch wcrdeil imb das Wörtchen „national" cinflicken und die „Nationalsozialdemokratische Partei" wäre aus dem Wasser. .Herr Seleskovicz anerkannte die Geldhilfe der reichen Juden für soziale Aktioilen im Bezirk Döblirrg, doch auch er leistete sich die Drohung: „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns!" Unser Kandidat Dr. Jakob Kohn erinnerte beide Borredner an das Wort des seligeil Heine: Grüße mich nicht unter den Linden; wenn wir 51t Hause sind, dann wird sich alles finden. Nur llnterschriftfAschung. Die Sozialdemokraten haben, wie berichtet, vor ein paar Tagen im 2. Bezirk ein Flugblatt verbreitet, welches für die Sozialdeiilokraten und gegen, die Jüdische Wahlgemeinschaft Stimmung pl machen versucht. Das Flugblatt trug etwa zwei Drrtzend Unterschriften jüdischer Wähler des 2. Bezirkes. Unter anderen enthielt cs auch den Namen Josef G oldst c i n, Vorstandsmitglied des „Osseh Chesed", 2. Bez., Schiffamtsgassc 5. Wie urls nun, mitgeteilt wird, existiert ein Borstandsulitglied des „Osseh Chesed"' Josef G 0 l d st e i n überhaupt nicht. Vorstandsmitglied dieses Bereincs ist wohl ein Herr Israel (holdstein, der diesen Aufruf jedoch nicht u il 1 e r s ch r r e b e n und erst ans der „Wiener Moraenzeitimg" erfahren hat, das; mit seinem N' a m c il Ri i ß b r a u ch g e t r tt t> c lt w 0 rdc n i st. 14- Oktober, 10 Uhr ymifCr VMkMW vormittags, Restaurant Gabriel, „Zum Radfahrer", II., Prater Nr. 186 MaffenmAmMmg Redner: Dr. Waldmann Dr. Freund / Ing. Stricker Sefteneich. . Dr. Benesch in Wien. Gestern früh ist hier aus Prag der tschecho-slowakische Außenminister Dr. Benesch einigeiwffen und im Palais Cumberland als Gast des tschecho-stowakischen, Gesandten Dr. Krofta albglefticgeu. Außenminister Dr. Benesch ist mittags mit dein Ovieutexpveßzng in die, Schweiz weitörgereist, von wo er sich mit dem Präsidentell M a s a r h k 4rund.HKychon begibt. Der Wiener Aufeni- - halt des Dv.' Benesch hatte ausschließlich privaten Charakter und«, es.entfiel. darum auch jede.,BMgnung mit den hiesigen offiziellen Persönlichkeiten Tschecho-SlswM. Die Prager Hakenkrenz-Mdenten. Prag, 13. Oktober. Der akademische S e n a t der deutschen Universität befaßte sich heute »tit der Eingabe der dentschnationalen Studentenschaft nub beschloß, nachstehende Kundmachung an die Hörer Z'.i richten: Die deutschvölkischen Studenten haben am 24. Seoiember eine Eingabe an den akademischen Senat gerichtet, die in Form un) Inhalt den akademischen Senat nötigt, seine schärf st e M i s; b i l l igung zum Ausdruck zu bringen. Sachlich zu dieser Eingabe Stellung zu nehmen, erübrigt sich schon deshalb, weil sie im Hinblick ans spätere Eingaben der Studentengruppe als gegenstandslos zu betrachten ist. Er erklärt nur gegenüber den in dieser Eingabe enthaltenen Drohungen sowie auch gegenüber den Versuchen der freien Bereinigung sozialistischer Akademiker der deutschen Hochschule in Prag, durch beit Hinweis auf die Möglichk.'it des Eingreifens anßerakademischer Kreise aus die Entscheidung akademischer Behörden einwirken zu wollen, daß er alle derartigen Drohungen und Berschüchter>ingsversuche ans das entschiedenste zurückweist und entschlossen ist, jede Störit ng des Univ ers i t ä t s b e t r i e b e §, von welch?r Seite sie auch immer kommen mag, auch mit den schärfsten Mitteln zu verhindern In Eingaben der dentschvöllischen Studentenschaft und der in der L e s eu n b Redchallc vereinigten den ts ch e n Studenten s ch a f t (das ist die Vorciniguirg der Assimilanten, die natürlich stolz darauf ist, den Völkischen nachlansen zu dünsen. Die Red.) geben di.se beiden studeutischell Gruppen dem akademischen Senat ihre scharfe Verurteilung des Verhaltens der Herren Professor Dr. Oskar F i s ch e r und Privatdozent Dr. Hugo H e ch t gelegentlich der letzter! Gemeindewahlen Ailsdvuck. Der akademische Senat muß im Hinblick auf seine Zuständigkeit g r u n d s ä tz l i ch ablehnerr, sich irgendwie, wenn auch nur in der Form einer Kritik, mit der Partei stellung oder der politischen Betätigung der Hochschuklchrer zu befassen. Allerdings erwartet er aber von jedem Mitglieder des Lehrkörpers, daß es die Rechte und Interessen des deutschen Volkes in der tschechoslowakischen Republik, mit denen die Rechte lt.nb Interessen der deutschen Universität untrennbar verbunden -sind, tatkräftig wahrt und jedenfalls alles vermeidet, was diesen Rechten und Interessen nachteilig fein könnte. In einer Eingabe der deutschvölkischen Studentenschvst legt diese gegen die Berufung eines Professors an die Prager deutsche Universität Verwahrung ein. Der akademische Senat lehnt es äb, diese unberechtigte Verwahrung zur Kenntnis zu nehmen. Das von mehreren Studentengruppen gestellte Berlangeu nach Anerkennung des Mitbestimmungsrechtes der deutschen Studentenschaft in den sie berührenden Universitätsfragen anerkennt der akademische Senat, so -weit es sich um etwa jenes Ausmaß dieses Rechtes handelt, das im Deutschen Reich bereits derzeit gilt, als durchaus berechtigt. Der akademische Senat wird daher unverzüglich mit, s ä m t l i che n Studenten schaftsgruppen in Verhandlung treten, um die Voraussetzung für die Anerkennung solcher Rechte, die vor allem in der Bildung einer berechtigten Vertretung der gefaulten deutschen Stndentellschaft besteht, eilte Fühlungnahme mit der deutschen Studentenschaft zu schaffen. Prozeß gegen de« Mörder Daskaloss». Prag, 13. Oktober. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung") Die Prager Staatsanwaltschaft hat gegen den bulgarischen Studenten Athanas N i k 0 l 0 w die Klage wogen Verbrechens des M e uchelm0 rd e s erhoben. Nik0 l0w ist der Mörder des gewesenen bulgarischen Ministers und Gesandten in Prag D a s k a l 0 f f. Ungarn. Längere Vertagung der Nationalversammlung. Budapest, 13. Oktober. Die Natio nalversamml u n g hält Montag eine Sitzung ab, in der, wie verlautet, eine mehrwöchige Vertagung beschlossen werden soll, da während der bevorstehenden Verhandlungen des Finanzausschusses des Völkerbundes über die Gewährung einer Ausländsanleihe all Ungarn, die in Budapest stattfinden sollen, eine Ruhepallse in der Politik beabsichtigt wird. Freispruch einer Terroristen. Budapest, 13. Oktober. „Az Est" meldet aus Szabadra: Der hiesige Gerichtshof hat den Chauffeur Bela Balla, der angeklagt war, den Auftrag zur Ermordung der Könige von Rumänien und Serbien übernommen und überdies an dem Attentat im Budapest er Elisabeth st ädter Kasino teilgenommen zu haben, frergesprochen, da keinerlei Beweise für seine Schuld Vorlagen. Berhaftung mehrerer Börsianer. Budapest, 13. Oktober. Die Polizei hat heute die Inhaber der Börsenkommissionsfirma Gebrüder Garai, R oi s z n e r -und K ack m a n, wegen, verschiedener M a l v e ratione« in Präventivhaft genommen, Pole«. Ei» Mischer Dringlichkeitsanttag gegen de» Nnmerns liansns. Warschau, 13. Oktober. (Del. d. ,Mr. Morgenzeituing".) In der letzten Sejmsitzung brachten «die Mischen Abgeordneten Dr. R e r ch, H a r t g l a s, Dr. T h 0 n und Genossen einen Dringlichkeitsantrag in Anigelegenhelt der Verordnung des Untervlchts'Minlsters Glomb-inskr auf Einführullg des Numerus c l a u f u s an «den Hochschulert eru. In dem Antrag wird erklärt, daß Untervichtsminister G l 0 nt b i n s k i sich eine Pflichtverletzung zuschilbden kommen ließ; ferner -wird eine Ergänzung der Bcrisassllng beantragt, wonach Beschvanku-ngen -nicht nach natio na lerr oder konfessionellen Gesichtspunkten eingeführt werden dürfen. General Haller in Rew-Pork. New-Aork, 10. Oktober. (I. C. B.) Der polnische. Gene ralstabsches General Haller ist in New-Jork ei'ngetroffen, um für polnische nationale Zwecke zu sammeln. In einem Gespräch mit >dem I. C. B.-»Vertreter erklärte General Halter, er Wte nie an der Orga.niisievllng der P 0 g r 0 m e. auf Juden teilgenommen. Ueiberhaupt hätten die Polnischelt Soldaten keine Pogrome begangen, es sei telm, daß sie b e t r u u l e n gewesen wären. Dann freilich seien sie für ihre Taten nicht verantwortlich zu nlachen Der Abtransport der jüdischen Flüchtlinge. Der Auszug der jüdischen Flüchtlinge ans Polen hat neuerdings eingesetzt. Dieser Tage haben wieder 7 00 Flüchtlinge Warschau verlassen, um sich nach A m e r i k a zu begeben. Es handelt sich um die Kategorie derjenigen Flüchtlinge, deren Aufenthalt in Polen seinerzeit bis Ende Okto'ber dieses Ja«hres verlängert -worden ist. (I. C. B.) Bereinlgnng der jüdischen und polnischen Schneidergewert» schäften. Die Zentralkommiss-ion -der Warschauer Schneidergehilfen hat eine Konferenz einberufen, an welcher Vertreter der jüdischen und polnischen Schneidergewerkschaft teil nahmen. Nach einer längeren Diskussion wurde «der Zusammenschluß beider Gewerk sch a f t e n zu einem einheitlichen Verband beschlossen. (I. C. B.) Rabbiner und Militärdienst. Ans Marschau wich uns gemeldet: Die Seiimkoimniss-ion für m-iliitärische Angelegentkvkir WSHLE und Wintersaison: Damen- und Herrenwäsche, Bett* und Hauswäsche. Stückwaren. Teppichen, Vorhängen etc. nur das bekannt verlässl-dic u. billige llfarai baiis [Schiffmann II., Taborstraße 48 Te’enhcn 47-1*79 E* En cäetall . 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