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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-14 · Heft 1676 (14.10.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1676 (14.10.1923)
Date
1923-10-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite § Wien, Sonnig Wtzener Morgenzeituns« " WVMWW 14. Oktober 1923 Nr. 1676 Mische ««,eme>nWst. Wühlerversammlungen. ke« unter sich die Kurse bestimmen irndvß mfolgedessen von einer offiziellen Streichung der Mark schon deswegen nicht die Rede sein kann, weil bei diesem Privatverkehr kei n offizielleL Organ vorhanden ist, das diese Streichung vornehmen konnte. Sirettafsung des Oberleutnants Rotzvach. B e r l t n, 13. Oktober. (Tel. d. „Wr. MorgenMrng".) Der Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik hat heute tziih de« in Untersuchungshaft befindlichen bekannten VAkijchen Terroristenführer Oberleutnant Rotzbach steigelassen. Dieser Entschluß hat in hiesigen Kreisen großes Aufsehen hervorgerufen, zumal die näheren Umstände dieser Entscheidung unbekannt sind. Neuer Brotpreis. Berlin, 13. Oktober. Im .Hinblick auf 'das Aufhören der st östliche n Brotbewirtschaftung veröffentlicht der Verband der Bäckermeister eine Miltellmtg, wonach die Bäcker und Brotfabriken Großberlins vom 16. d. an ein einheitliches B r o t Än Gewichte von 4 Pfund Herstellen. Es wird' 480 Millionen Mark kosten. Die. ReichAregievung hat mit Rücksicht auf die am 15. d. endigende Markenbrotvers-orgwng beschlossen, den Wirtschckftlich schwächeren Kreisen der Bevölkerung besondere Geldunterstützungen zu gewähren. Es wird geplündert! Kreuznach, 13. Oktober. Heute kam es zu größeren Mrsschreitungen von Arbeitslosen. Sechs große Geschäftshäuser wurden geplündert. Die französischen Besetzungsbehörden halben über den Ort den Belagerungszustand verhängt. Düsseldorf, 13. Oktober. Gestern, in den späten Abendstunden, wurden mehrere Lebensmittelgeschäfte nach Einschlagen der Fensterscheiben geplündert. Die Polizei erwies sich als zu schwach, um den Ausschreitungen Einhalt gebieten zu können. Düsseldorf, 13. Oktober. Nach den g e st r i g e n Plünderungen in dem Westviertel sah man allenthalben Leute mit Schuhen, Kleidungsstücken und Lebensmitteln dadonlausen. Das war das Signal zu Plünderungen in anderen Stadtteilen. Die Waren wurden sackweise fovtgeschleppt. Die Polizei, di« dem Tresiben gegenüber zunächst machtlos war, mutzte ihre TäKKeit darauf beschränken^ an einzelnen geplünderten Geschäften Posten aufzustellen, um eine völlige Ausplünderung zu verhüten. HeMe wurde in der Ellerstrahe eine L ebenZmittelhandluLg vollständig ausgeraubt. Was nicht mitgenommen werden konnte, wurde aus die Straße geworfen. Verschiedene andere Geschäfte wurden in ähnlicher Werse hevgenammen. Am Worringer-Platz wandten sich einige Geschäftsleute an französische Patrouillen um Hilfe, worauf von den Franzosen einige Personen abgefühvt wurden. Höchst, 13. Oktober. Vor dem Rathaus kam eJ gestern qu Arbeitslosendemonstrationen. Am Eingänge des Raitzhauses mußte ein starker Polizeiposten ausgestellt werden. Die Polizisten, die mit Meinen 'beworfen wurden, machten von der Waffe Gebrauch und gaben Schüsse ab, durch die ein Arbeiter getötet, drei schwer und mehrere leichtverletzt wurden. In der Stadt kam es auch zu Plünderungen. Die Straßen zwischen Frankfurt und Höchst werden stit gestern schärfer überwacht. Generalstreik in Braunschweig. Berlin, 13. Oktober. In Blankenburg (Braunschweig) und 'den umliegenden Bezirken ist der Ge neraIn re ik ausgebrochen. Die Arbeiter fordern Goldlöhne. Tie Wiederaufnahme der Arbeit im Ruhrgebiet. Berlin, 13. Oktober. Der Relchsverkehrsnrimster hat öl* rm beisetzten Gebiet anwesende Personal der zur- 'j-U nicht nn Betriebe der deutschen Verwaltung stehenden B a h n st r e ä e. n ausgrsovdert, sich am 17. d. zur Aufnahme des Dienstes bei der Regie zu melden und den geforccrisn Diensteid zu leisten, nachdem der Leiter der Regie öffentlich erklärt hat, daß die eidliche Verpflichtung der s! Eistnbahmr nur beruflichen Charakter labe. Demütige Impotenz! . ^rrdon, 13. Oktober. Asquith erklärte in einer in Perth, seit dem Waffenstillstand fei mau von .einet wirtschaftlichen Wiederherstellung Europas nie weiter entfernt gewesen als setzt. Die Regelungder Reparationen und der interalliierten Schulden sei durch daszweckloseRuhraöenteuer verhindert worden. Es schein«, daß Großbritannien aufgehört habe, zu den Großmächten zu Uhlen. Habe Großbritannien überhaupt noch eine auswär-;• Politik? Es habe den Anschein, als wollte die britische rat mg auf ihren Lorbeeren ausruhen und mit ver- -llcn Armen abwarten, ob die französische Regierung Neues Vorschläge. Wie könne England da hoffen, / -te der Welt zu gelten oder gar Respekt ernzuflößen? .'ölkerbrmdsatzungen könnten mit Fug und Recht im .'vfien eines Museums aufbewahrt werden als Denk-; für Unfähigkeit und IbnaufvichtigleÄ. Die Politik der en Regierung scheine eine Politik dem!' ''er Jm- Heute Sonntag. . 1. Bez., Rothgasse, Olympia-Saal, 10 Uhr vormittags. Redner: Gemeinderat Dr. Schwa r z- Hiller, Gettivinderat Dr. Pollak-Parnau, Gemeinderat Dr. Plnsch U s, Dr. Desider Friedm a n n, Sekretär Fleischer und Dr. Schwär zm a n n. 2. Bez., Ausstellungsstraße 86, Restauration Gabriel „zum Radfahrer", 10 Uhr vormittags. Redner: Dr. Schwarz-Hiller, Dr.' Waldmann und Ing. Stricker. 2. Bez.. Floßgasse 9 (1. Stock), „S a n d z e r", halb 6 Uhr abends. Redner: Redakteur Racker und Dr. Rhbaezewski. 7. Bez., Mariahilferskraßo 66, Restaurant „G r ü n e r B a u m", halb 10 Uhr vormittags. Redner: Gemeinderat Dr. Pollak-Parnau, Markus Fischer, Baurat Dr. Def 7 i 8 um-d Dr. Immerg l ü ck. 8. Bez., Albertgasse 43, Restaurant Schützenhaus (Festsaal), halb 10 Uhi vormittags. Redner: Obe.vbaurat Ing. Stricker, Dr. Löwenherz und Sekretär Fleischer. 9. Bez., Porzellan gasse 17, Heimat-Kino, 10 Uhr vormittags. Redner: Hofrat Univ.-Prof. Dr. E h r m a n n. Univ.-Prof. Dr. K ö n i g st e i n, Genuinderat Dr. Pollak-Parnau, Dr. Schalit, Kulturvorsteher Ignaz G l ü ck, Dr. Jakob Weiner und Gemeinderat Dr. P l a s ch k e s. 20. Bez., Gaußplatz, Cafe Magnet, 9 Uhr vormittags. Redner: A. Schwertfinger, Gemeinderat Dr. Plaschkes und Nebenzahl. Montag den 15. Oktober. 7. Bez., Mariahilferstraße. Restaurant Opoc z y n s k i (Zita-Hof), halb 8 Uhr abends. Redner: Dr. Ehrlich, Bauest Dr. D e f r i s. Aloritz Kohn und Leopold Bernhardt. 19. Bez., Döblinger Hauptstraße, Kasino Zögernitz, halb 8 Uhr abends. Redner: Oberbaurat Ing. Stricket, Dr. I. H. Körner und Dr. I. Kohn. 20. Bez., Kluckygasse 7, Speiselokal, halb 8 Up abends. Redner: Oberbaurat Ing.-Stricker, Gerne indevat Dr. Plaschkes, Gemeinderat Doktor Schwarz-Hiller und Dr. Felix. Dienstag den 16. Oktober:« 2. Bez., Krummbaumgasse, Volksküche, haK 8 Uhr abends. Redner: Josef Boxenbaum, Bezirksrat Hoff mann, Dr. Löwenherz. 2. Bez., Große Mohrengasse, Cafe Blau, halb 8 Uhr abends. Redner: Gemeinderat Dr. Plaschkes, Gustav Lö wh und Gemeinderat Dr. I. Ehrlich. 2. Bez., Prater st raße 176, Restaurant Bayer, halb 8 Uhr abends. Redner: Gemeinderat Dr. Schwarz- Hiller, H. Schwertfinger und Gemeinderat Dr. Plaschkes. 2. Bez., Schiffamtsgasse 20, Machfike Hadath, halb 8 Uhr abends. Redner: Dir. Spiegler, Doktor Waldmann und Nebenzahl. 3. Bez., Ungargasse57, Cafe S krummerer,halb 8 Uhr abends. Redner: Gemeinderat K)r. Pollak- Parnau, Hofrat Dr. Riesenfeld, Doktor Krasny und Dr. Klaber. 7. Bez., Neubaugasse 16, Restaurant Hubmann, halb 8 Uhr abends. Redner: Dr. Kantor, Dr. D. Friedman,u, Markus Fischer, Dr. Defris und Sekretär Fleischer. 10. Bez., Favoriten st raße 71, Ei chensäle,-halb 8 Uhr abends. Redner: .Herr Nebenzahl, Doktor Ascher und Dr. I. H. Körner. 16. Bez., Neulerche nfelüer st raße 14, Restaurant Blaue Flasche, haW 8 Uhr abends. Redner: Ing- Stricker, Sekretär Fleischer, LvoiPoD Sitzmann und Gemeinderat Dv. Schwarz- Hiller. 18. Bez., Gentzgaßse 62, AlteS Währinge» Brauhaus, halb 8 Uhr abends. Redner: Dr. Di<d» mant, Dr. Felix, Ing. Stricker und Dr. I. Ornsteiu. Die Wahlbewemmg. Aurftellmlg tum Wahlkarten in Wien. Nach der Nationalratswahlordnung können gewisse Wählerkategorien bei einer anderen Ortswahlbehörde ihre Stimme abgeben als bei der, in deren Lifte sie eingetragen sind. Sie benötigen hiezu aber eine W a h l k a r 1 e. Es handelt sich dabei um folgende Personen: 1. Wähler, die am Wahltage während der Wahlstunden in Ausübung eines öffentlichen Dienstes oder Auftrages sich außerhalb des Wahlort esaufhalten müssen, in dessen Wählerverzeichnis sie eingetragen sind. Hieher gehören insbesondere Mitglieder der Wahlbehörden, Eisenbahn- und Postbedienstete, öffentliche Beamte, Wehrmann er und Sichechcitsorgane. 2. Wahlzeugen. 3. Wähler, die ihren ordentlichen Wohnsitz nach Abschluß des Reklamationsverfahrens verlegt haben. -1. Wähler, die sich am Wahltage als Patienten oder Bedien stete in einer Heil- oder Pflegeanstalt befinden. Tie Mitglieder der Wahlbehörden sowie die Wahlzeugen sind nicht bemüßigt, sich Wahlkarlen zu lösen, weil ihnen die Möglichkeit offen steht, bei der Ortswahlbehörde, in deren Li sie sie eingetragen sind, ihre Stimme abzugeben. Das Begehren um Ausstellung einer Wahlkarte ist beim Bezirksamts des Wohnsitzes vorzubringen und mit einem Heimatsdokumente zu belegen. Ueberdies sind die obigen Voraussetzungen der Ausstellung einer Wahlkarte zu belegen, wobei im Punkt 1 die Bestätigung einer Dienstbehörde, im Punkt 2 der vom Kreiswahlleiter ausgestellte Eintrittsschein und im Punkt 3 die behördliche Bestätigung der Wohnsitzverlegung und im Punkt 4 die Bestätigung der Anstaltsleitung beiznbringen sind. Die Wahlkarten können erst am zweit nächsten Tage noch der Anmeldung beim Bezirksamte behoben werden. Mit Rücksicht auf die notwendige Verpackung der Wählerlisten ist die Ausstellung einer Wahlkarte ab Freitag den 19. d. mittags nicht mehr möglich. A« die Vertrauensmänner de» Wahl« fprengels S. Die Vertrauensmänner des Wahlspvengels 6 werden nochmals dringend darauf aufmerksam gemacht, daß die uns zur Agitation zur Verfügung stehende Zeit sehr kurz bemessen ist. Sie werden ersucht, sich ehebaldigst im Agitationslokal, Cafe Salztorbrücke, Hollandstraße 4, in der Zeit von 8 Uhr früh bis 10 Uhr abends zwecks Auskunftserteilung und eventueller Mitarbeit einzufindrn. Sprengelleitung 6. Alle jüdisch-e. u).ii ^: .it:;noen und Vereine werden dringendst ersucht, sich für die Wahlarbeit im Cafe Atlashof, 1. Bez., Wiesingerstraße (Souterrain), zur Verfügung zu stellen. - Präsidium des Zionistisch-akademischen Landesverbandes. 8die Versammlung in der Innern Stadt. Der Niederösterreichische Gewerbeverem in de« Fußstapfen deS Urban-Jnvustriellenverbandes. — Me antisemitische Verseuchung Oesterreichs. In einer überaus stark besuchten Versammlung, .die grstern abends i>m Kaufmännischen Verein in der Johannesgasst stattfand, euiiwickstte Gemeinlderat Dr. Pollak- Parnau daß Pvogvanun der Jüdischen Wahlgememschaft. Der Referent anall)sier:e sodann die Bezeichnung „büvgerlicher Jorffchvitt", der auf die Czern in-Gruppe zusammengeschrumpft sei, die ebenso fortschrittlich sei wie ihr Führer, der Feudalgraf, der bei den Christlichsozialen hospitiere und seinen Antisemitismus wiedecholt do>Al-men>tier.t habe. Die sogenannte „Seipel-Sanierung" sei nur infolge der jüdischen produktiven Arbeit in Wien mWich geworden und la>gen nicht die Christlichsozialen mit den SoziMemokraten im Kampfe, müßte jener Umstand anerkannt imd die Juden anders behandelt werden als bisher. Wenn einzelne jüdische Bankdirektoren glauben, sie müßten christlichsozial wählen, weil sie der Regiwung Geld borgen, so sei dies eine Lumperei und eine Prostitution des Judentums. Andererseits können Juden nicht für die Sozialdemokraten stimmen, die in der Jlldenfrage völlig versagt haben. Aber Jüdischnationale können auch als Untevnchmer nicht als Scharfmacher gegen die Arbeiter auftreten, wie die Urban und Konsorten vom Jndustriellemverband, dafür sorge schon der veredelnde Einfluß der Idee vom aufrechten Indent um. Auch der Niederösterreichische Gewerbeverein, in d-cnr 00 bis 70 Prozent Juden sind, will in die Fußstapfen des Haupt Verbandes der Industrie treten, dies bewoist eine dort Freitag abgchaltene Versammlung, in der Christlichsoziale ihr Programm entwickeln durften. Dies fei ein wahrer S k a n d a l, der durch ein zum Schluß äbgchaltenes Bmdcr-mvhl mit den christlichsozialen „Größen" a la H e i n l und P a r t i k stille würdige Krönung geifunden habe. Jeder Mlsv^'chte Jude muß sich gegen Wiir-elosigkrit im eigenen Lager wrlLi'U und an der Renriguug der Atmosphäre Mitwirken. Unsere eigene Vertretung muß die Sozialdemokraten an ihre Pflicht auch gegenüber den Juden mahnen und fette Juden unmöglich -machen, die beglückt sind, sich an die Rockschöße des antistmitisch-re-aktionäreu Czern in und seiner Gefolgsleute wie Prof. Hoffmeister von der Hochschule für Bodenkultur klamm'c.rn zu können. (Stürmischer Beifall.) Hierauf etvlwickelte, ettthufi-astisch ausgenommen,. Ing. R. Stricker-die Eutstchungsgeschichte der jüdischen Wahl-^ Plattform und besprach das a nt i se nti tis che Treiben in Oekterreich, welches man auf gewisser Seite und auf selten ■»CT»aiBaro«a«iTOisMtrmn^

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