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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-13 · Heft 1675 (13.10.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1675 (13.10.1923)
Date
1923-10-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sie Beziehungen mit der Zfirtel. Konstantinopel, 11. Oktober. Der SsterwichWe Ge< sttndte ht Sofia, Kral, ist hier eingetrofsen, um Besprechungen über die Wiederaufnahme der diplomatischen und konsularischen sowie handelspolitischen Beziehungen zwischen Oesterrwich und der Dinker zu Pflegen. Ungarn. Auslaubskoutroüe? Budapest, 12. Oktober. (Tel. d. ,Mr. Morgenze'lktng".) £tt Ministerpräsident ist derzeit, wie, die Regierungspresse meldet, mit den Vorbereitungen zum Empfang der Völkerbumdskomlnission vollauf beschäftigt. Daneben arbeitet Bethlen unter Zuziehung von Fachexperlen an einem Elaborat, das sich mit einer grundlegenden Reorganisation der innerpolitischen Zustände befaßt. Aus einem halbamtlichen Demewi wird bekannt, daß der Rassenschützler Tibor Eckhardt bei einem Bankett der G ö mLö s - G ruPpe eine Erklärung abgegeben hat, daß die nach Budapest kommende Völkerbundkommission mit der Regierung in konkrete Verhandlungenüber die politische Kontrolle eintreten wird, über die Graf Bethlen in Genf -bereits der kleinen Entente gegenüber gewisse Zusagen gemacht habe. Das halbamtliche Dementi ist schon in einer derart merkwürdigen Form gehalten, daß sie das Meritum dieser Angelegenheit nicht verneint, sondern nur -die Form abzuschwächen versucht. Was plane« die Faszistea! Budapest, 12. LNober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitmig".) Int ungarischen Faszistenlager hat sich nach längeren Verhandlungen zwischen den einzelnen Gruppen eins Einheitsfront herausgvblldet, die, -wie eine Stephan Friedrich nahestehende Persönlichkeit mitteilt, für jeden Donnerstag eine ,Mktion" plant. Maßnahmen zur Verhinderuag des Zollschwindels «ach Sefterreich. Budapest, IS. Oktober. (Del. der ,Miener Morgenzeiinng") Zur Verhinderung der Zollhinterziehungen und des Schmuggels aus Ungarn nachO« st erreich hat die StaatseiseNbahndirektion im Einverständnis mit der Polizei nunmehr angeordnet, daß auf den Schnellzügen nach Dien die Passagiere nach ihren Reisezielen gesondert fahren muffen, d. h. daß die ins A u s l a n d reisenden Paffagiere separate Waggons zugeiwiesen erhalten. Die nur nach Stationen des Inlands reffenden Paffagiere dürfen den Kveffewagen nicht benütze«. Polen. ReglemngrerMnmgen Wer die wirtschaftliche Lage. Warschau, 11. Oktober. (Polnische Nachrichten.) Knapp vor Eröffnung der Sejmsessron brachten alle Linksparteien eine scharfe Interpellation an die Regierung ein. Die Anfrage schildert die politische, und namentlich die wirtschaftliche Situation in den schwärzeisten Farben und macht das Kabinett Witos für die katastrophale Lage -im Staate verantwortlich. 'Die Interpellation schließt mit der Aufforderung an den Kabin-ettschef, dom Sejm über die Situation Aufklärungen zu gehen. Der Ministerpräsident Witos antwortete, daß für den Zustand in Polen nicht das jetzig« Kabinett verantwortlich gemacht werden könne. Die Ursachen seren in der „Vergangenheit zu suchen. Der Finanzminister werde über die wirtschaftliche <Ätuation in Polen Aufschlüsse erteilen. Finanzminister Kucharski hat im Sejm noch nicht gesprochen. Seine Erkläruingen über di« Finanzpläne der Regierung in einigen PacksiNubS lauteten sehr zuversichtlich, sowohl hinsichtlich der Durchführungsmvglichkeit als auch des Erfolges. Sin 8xpose Seydas. Warschau. 12. Oktober. In der heutigen Sitzung des Außenausschuffes des Sejm hielt Außen-mimster Seyda ein Expose über die wichtigsten Fragen der Außenpolitik. Einleitend erklärte der Minister, daß Deutschland mit seinem finanziellen, sozialen und Potttffch-en Chaos der gegenwärtigen europäischen Lage das Gepräge gibt. Polen, erklärte der Minister, muß mit Rücksicht auf die gespannte internationale Lage mit allen seinen friedlich gesinnten Nachbarn die besten Beziehungen aufrechterhalten. Die polnisch-rumänische Zusammenarbeit ist naturgemäß und selbstverständlich. Das Bestreben nach Besserung der Beziehungen zwischen Polen und der Tschecho-Slowakei muß ein Gebot der politischen Vernunft für beide Teile sein. Der Minister besprach sodann eingehend die Balkansragen und die Verhältnisse «in Osteuropa. Nach dt'm Expose entwickle sich eine lebhaft« Debatte, in welcher die Vertreter aller parlamentarische Parteien das Wort ergriffen. Die Redner befaßten sich hauptsächlich mit der Anerkennung der Sowjetföderation durch Polen, ferner mit der I a w o r i n a-F rage und mit der Angelegenheit des Numerus e l a u s u s. Sie Finanzexperten. Warschau, 11. Oktober. Am 7. d. ist hier (wie von der „Wiener Movgenyvitmig" bereits berichtet) Mister H ilton Young, der ehemalige englische UnterstaatsfekreSr und Mitglied des .Kabinetts Lloyd George eingetro-fßm. In seiner Begleitung ist auch der ehemalige Vizegouverneur Wßh> SSttisKr». i \ r _Evießiee MvrgetßAeiturttz. der Bank von England, Herr Tro tter, in Warschau eingelangt. Am. folgenden Ärge ist auch der Leiter .der Abteilung für ausläMschd Zltrlcihen im englischen Schatzkanzleramt, Herr Nixson, eingetroffen.' Auch der französische Senator Be rang er weilt, wie. bekannt, gegenwärtigen Warschau, nm dis wirtschaftlichen Verhältnisse Polens zu studieren. Senator. BerWger war vorher in Rumänien und Jugoslawien. BerangerS Besuch steht-im Znsawnwnhang mit der Angelegenheit der alt-- ländischen Kredit« für Polen. PrSventivzensnr? Waischmi, 1s. Okt»L». (Tel. d. „Wr. RrrMiPÄllNs".) In einer Pressekonferertz sprach Ilrnenminister Kiernik über seine Pläne zur Verbesserung der staatlichen Perwalttuig. Er hat die Absicht, die Verwaltung durch ein« gute Organisation der Behörden und «inen guten Beamtenstab zu verbessern. Der Minister kündigte auch eine ganze Reihe von Gesctzcsprojekten an, die er dem Sejm vorlegen werde. Diese betreffen das Versammlungs- und Vereinsrecht, den PersonalvermögertSstand uüd die Staatssprache. InsbesoMre solle eine Reorganisierung der Staatspolizei durchgeführt werden. Die Autonomie der Moiwodschafttzn wüste eingeschränkt und die Schulverwaltung ihrer Kompetenz entzogen werben. Eine Aenderung des Paßgesetzes soll darauf abzielen, daß die Zeitungen der Zensur noch vor der Kolportage und Expedition vorgelegt lvnden. Die gegenwärtigen Forderungen der Beamtenschaft könnten nicht erftillt werden, weil ihre Erfüllung das Budget mit neuen Ausgaben von sechs Billionen polnischen Mark 'belasten würde. Ausfuhrverbot für Getreide. Warschau, 12. Oktober. Das M-inistermm des Innern httt eine Verordnung erlassen, mit der die Ausfuhr von Getreide, Kartoffeln und Feit bis zur gönzlich'n Deckung des inländischen Bedarfes bedingungslos verboten wird. Der oberschlestfche Generalstreil. Königshütte, 12. Oktober. Das Personal des hiesigen Post- und Telegraphenamtes hat aus unbekannten Gründen den Streik vorübergehend unterbrochen. Infolgedessen konnte über die Lage folgendes in Erfahrung gebracht werden: Auf allen Gruben und Hütten Polnisch- Oberschlesiens wird heute in vollem Umfange weiter gestreikt. Der Bahn-, Postu nd Telegraph« live rkehr steht still. Die unteren Justiz beamten haben sich der Ausstandsbewegung angeschlossen. Ebenso haben die Straßenbahnen den Betrieb eingestellt; nur die Elektrizitäts werks von Chorzow arbeiten, da für den Fall Ver Stilllegung des Werkes die militärische Besetzung augedroht worden war. Neben der Beilegung der gegenwärtigen Lohn, disseren zen verlangen die AusstüMgen nunmehr die Aufstellung einer Indexziffer für alle künftigen Lohn- und Gehaltszahlungen. Die Polnische Regierung bemüht sich um die Beilegung des Konflikts. Kattowitz, 12. Oktober. Der Streik der Eisenbahn- und Postangestellten im polnischen Teile Oberschlesiens dauert unvermindert an. Die Post- und Tclegraphenämter funktionieren nur teilweise und sind vom Militär besetzt. Desgleichen sind alle Elsenbahnstationcn vom MMtär besetzt. Mt Hilfe der Eisenbahntruppen gelang es, eine spävliche Zugsverbindung zwischen Oberschlesien und den übrigen Teilen Polens hsrzuftellen. Eine Gruppe von streikenden Eisenbahnern hat gestern in der Station Szopieniee den Expreßzug Warschau — Mienangehalten, der erst nach einer Intervention der Polizei abgeilassen werden konnte. Alle öffentlichen Gebäude in Kattowitz und anderen Ortschaften sind dom Militär besetzt. In der Stadt herrscht ein empftndicher Mangel an Lebensmitteln. Mit Rücksicht darauf, daß Ne Kommunisten die Streiklage für ihre Zwecke mißbrauchen wollten, haben die Behörden die Verhaftung von zwei der gefährlichsten Kommunistenfühver angeordnet. Eine aus 30.000 streikenden Arbeitern bestehende Menge zog vor Vas Gebäude der Woiwodschaft und verlangte die Freilassung der Agitatoren. Nach Freilassung derselben zerstreute sich die Menge. Im Falle der Wiederholung der Unruhen soll in den Stwkkgebieten -der Ausnahmszustand verhängt werden. Der erst gestern liquidierte Streik in der Berg- und Hüttenindustrie ist neuerlich aus gebrochen. Rumänien. ki« Faszistenattentat. Bukarest, 13. Oktober. Am Mittwoch abends ivnrde auf dem Wege zu seiner Wohnung der Direktor der hiesigen Blätter „Adeverul" und Dimineata", Rosenthal, vom. fasz-istischen Advokaten Bacalogu überfallen und ernstlich am Kopf verletzt. Der Attentäter befand sich unter denl Schutz einer Gruppe Mitschuldiger, welche den intervenierenden Polizeiagenten attackierte. Bacalogu gelang es, nach vollbrachter Tat zu entfliehen. Er wurde aber später ausgeforscht und verhaftet. Beim Verhör erklärte er, daß die Veranlassung seines Angriffes auf Rosenthäl ein beleidigendes Schreiben über seine Schwester, eine begeisterte Anhängerin der faszistischen Botvegung, sei, welches im „Adevernl" veröffentlicht worden ist. Die Blätter verurteilen ausnahmslos dieses Attentat. Die rumänische Presseassoziation verlangt außerdem von der Regierung Maßnahmen zum Schutze der persönlichen Sicherheit und Freiheit aller Journalisten, da vor diesem Falle schon einige andere unbequeme Journalisten überlallen worden sind. Im Zusammenhang mit dein Attentat lä. LLwdvr ivLä Wib auf den Direktor Rosenthal sind honte von der Polizei zahlreiche Hausdurchsuchungen btzi Anhängern des Faszismus durchgeführt und wehr«« verhaftet worden. Die Faszisten haben angeblich mit der Berschwö. rung der anti s« mi t i s ch en Studenten nichts gemein, aber ihr Führer hat eine, eigene Tevvoraktion beabsichtigt. Rosenthäl sollte angeblich schon vor längerer Z«it -wogen seiner antinationalen und ant-idynastischtzn TätiMt bes»itigt tvevden. zusannneullkbett ktalkeukscher und rumSuischek FarMen. Bukarest, 11. Oktober. (I. C. P.) ,Mrpora" berichtet über die rege Tätigkeit italienischer FaSzisten in RuMnien, die ihr eigenes Blatt „Nuova Italia" in Bukarest Herausgaben. Dies« Bewegung strebt eine e ng e.r.v Zusammenarbeit zwischen italienischen und rumänischen FaSzisten an und wird vom italienischer! Gesandten tatkräftig unterstützt. Die BEndungspevsvn ist die Sch'wester des kürzlich verhafteten rumänischen Faszistenobersten Ba-aloglu. Die Hauptpunkte des genreinsamen TätigkeitspvogvanNns sind gegenseitige wirtschaftliche Unterstützung, Unterhaltung eines Kurierdienstes und einer gegenseitigen Vertretung sowie eine tatkräftige panlaieinische Propaganda. PalSMa. ras Gesetz über die Staatsbürgerschaft. Jerusalem, 11. Oktober. Der hiasige I. C. B.-Ber«, trcter erfährt, daß nach der erreichten Verständigung zwischen Frankreich und Italien 'bezüglich, der italienischen Interessen in Syrien, wodurch das Palästina-Mandat in Kraft g«trcten ist, mmmehr in zwei Wochen die Beröffentlichung des Gesetzes über die Staatsbürgerschaft 'in Palästtna erfolgen soll. Der Gesetzeititwurf ist in London bereits fertiggestellt worden. Ebenso sollen demnächst di« Wahlen-in die Gemeindeverwaltungen von. Palästina stattfinden. (Die heute in Palästina geltenden Bsstinmnumgeu, die das Recht der palastmenisischen Staatsbürgerschaft regeln, tragen bekauntl-ich einen vorläufigen Chavakter. Me drejenigLn, die auf Grund dieser Besttmmungen als Bürger von Palästina anerkannt wurden, sind lediglich im Besitze provisorischer Zertifikate der Regierung von Palästina.) Rundschau. Ae Watzrhett über Me Pariser gusammeukunst. : Keine Einigung zwischen England «nL Frawweich? . London, 12. Oktober. Unter der Uvberfchvist: „Die Wahrheit über die Pariser Zufammenkmrftt' veröffentlicht die Wochenschrift „Speetator" eimn Artikel, in dem es heißt, die Zeit fei gekommen, die Wahrheit über die Pariser Zusammenkunft zu erfahren, um Mißverständnisse zu beseitigen. Alle müßten wissen, daß Baldwin, statt die britischen Noten zurückzuziehen, sie noch unterstrichen habe, indem er zeigte, wie, groß das Gewicht der öffentlichen Meinung ist, die hinter ihm stehe. Baldwin machte klar, daß er nicht den Wunsch ha-be, Volt neuem aus den R u h r st r e i t einzugehen, da in dieser Frage seine und der britischen Regierung Ansichten u nverändert'seien. Mes, was er zu tun wünsche, sei, erkennen zu lassen, wie sehr Ne. öffentlich« Meinung in England der Politik der französischen Regierung entgegengesetzt sei. Dies nicht zu erkennen, könnte zu den gesährlichstelr Täuschungen über die Haltung des britischen Volkeführen. Ae britische Reichskonferenz. Curzons Rede wird nicht veröffentlicht. London, 12. Oktober. (De>l.-Komp.) Die brit-ifckst NeichSkonfevenz hielt gestern zwei Sitzungen ab. Sie hörte eine Erklävmrg Lord Curzons über die durch den Mord von Ianina geschaffene polittsche Lage., ferner eine Rede Lord Robert Cecils über den Völkerbund. Daralif sprachen die Vertvoter der Dominions ihre Anstchtelr über den Völkerbund aus. Im allgenreinen herrschte die schauung vor, daß England >den Völkerbund tatkräftig n.nterstützen sollte. Es wurde beschlossen, die Rode Lord Cecils und die Rodelt der P r e m i e r nt inister der Doln-ittions zu veröffentlichen, nichk aber -die Rode Lord Curzons. Die wirtschaftliche Abteilung der Reichskonstvenz baschäftig-te sich gestern mit der Frage der Auswanderung de.r englischen Arbeitslosen in die Dominions. Marrnem'mister Amery hielt enre lange Rede, die aher n i ch t veröffentlicht wurde. Montag wird die wirtschaftliche Abteilung der Konferenz die Frage der Vorzugstarife 'behandeln. Die Dominions für die Unterstützung des Völkerbundes. London, 12. Oktober. Rach dem diplonlatischen Berichterstatter des „Daily Telegraph" haben die Debatten auf der R o i ch s k o n f c r e n z über den V ö l k e r b rr n d rrnd über Korfu zu einer B e r e i n b a r n u {j zwischen der britischen Regic vung und beit Delegierten der Dominions geführt. tvonach in Zukunft der B ö l k e r b u n d die volle Unterstützung der britischen Lander erhalten soll. Alle Staatsmänner der^ Dominwlls seien in gleicher Weise dafür, daß -das britische Reich kein« Anstrengn-ng lm-- terlassen sollte, um aus dem Völkerbund ein wirksames Werkzeug für die Pazifizierung Europas und die Per b i u d cum«! ü niti <ierKrie s c?,u mniT’ot.

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