Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1675 (13.10.1923)
- Date
- 1923-10-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980756--16414-3003326- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
*rcm * Men, MNNSWg Wiener Morgenzeiturrg. 13. Oktober 1983 Nr. 1676 Wählerversammlungea. Heute Samstag. t. Bez., Johan nesgasse, Kaufmännischer Verein, halb 8 Uhr abends. Redner: Oberbaurat Ing. 'Stricker, die Gemeinderäte Dr. Schwarz- Hiller, Dr. Pollak-Parnau und Dr. Dosider Friedmann. 8. V-tz., Praterstraße 60, Cafe Rerchshof (Theadersaal), halb 8 Uhr abends. Redner: Gemeinderat Dr. Plaschkes, Bezirksrat Hossmann* und Oberbauvat Ing. Stricker. S. Bez., Prater 113, Restaurantum Einsiedler", 4 Uhr nachmittags. Redner: Dr. Siegfried Spitzer, Brenner und Dr. Löwenherz. 8. Bez., Krummbaumgasse 8, Ausspeisung, halb 8 Uhr abends. Redner: A. Schwertfinger, Dr. Jolles und Dr. Felix.?. Bez., Prater st raße 60, Cafe Reichshof. Frauen Persammlung. 5 Uhr. Redner: Gemeindevat Dr. Schwarz-Hiller, Ingenieur R. Stricker, Gemeindevat Dr. Plaschkes. ff. Bez., Große Schiffgasse 84, „Emeth weschalom", halb 4 Uhr nachmittags. Redner: Dr. Waldmann und Redakteur Racker. 9. Bez., Herminengasse 8, „Chassidi m", halb 4 Uhr nachmi-ttags. Redner: Dr. Tartakower und Prof. Rath. 9. Bez., Schiffamtsgasse 6, ,L)seh Chesed", halb 4 Uhr nachmittags. Redner: Dr. Steinberg und Nebenzahl. % Bez., Schiffamisgasse 20, ,M a ch s i k e Hadath", halb 4 Uhr. nachmittags. Redner: Dr. Rybaegewski und Meier Henisch. 9, Bez., Hollandstraße 2, ,^8iwiath.Chen", halb 4 Uhr nachmittags. Redner: Dr. Pordes und Nebenzahk. ck. Bez., .Obere Viaduktgvsse, ,L)seh Tow", HÄb 8 Uhr abends. Redner: Baurat Dr. Defris, Dr. Waldman« und Dr. Salo Lemberger. V. Bez., Mariahilferstraße 124, Restaurant Reiß, halb 8 Uhr abends. Redner: Baurat Dr. D e f r i s, MaMs Fischer, Sekretär Fleischer und Dr» Bernhardt. 9. Bez., Derggasse 88, Cafe Metropol, 6 Uhr aibend-, Frauenversammlung. Redner: Gemeinderat Dr. Pollak-Parnau, Dr. Löwen- Herz und Frau Erna Pattal. 13. Bez., A m P l a tz 6, Restaurant „W e i ß e r E n g e l", halb 8 Uhr ahends. Redner: Gomeinderat Dr. E h r- Ixch, Sekve^tär Fleischer und.Rebenzahl. 20. Bez., Denisgasse 33, Toynbee-Hakle, halb 7 Uhr abends. Redner: Dr. Löwenherz, Dr. E. Felix, Bezirks rat Dickstein. Sonntag den 14. Oktober. 1. Bez^ Rothgasse, Olympia-Saal, 10 Uhr vormittags. Redner: Gemeinderat Dr. Schwarz-. Hiller, Gemeindevat Dr. Pollak-Parnau, Gemeinderat Dr. Plaschkes, Dr. Desider Friedmann, Sekretär'Fleischer und Dr. Schwarzmann. 2. Bez., Ausstellungsstraße 96, Rostauvatian . Gabriel „zum Radfahrer", 10.Uhr vormittags. . Redner: Dr. Schwarz-Hiller, $>t. Waldmann und Ing. Stricker. . - 2. Bez., Floßgasse 9 (1. Stock), „Sandzer", halb ' 6 Uhr abends. Redner: Redakteur Racker und.] Dr. RybaezewSki. 7. Bez., Mariahilferstraße 56, Restaurant „G r ü n e r B a u m", halb 10 Uhr vormittags. Redner: GemoinÄerat Dr. Pollak-Parnau, MaickuS Fischer, Baurat Dr. DefriS und Dr. Immer* glück. 8. Bez., Albertgasse 48, Restaurant Schützenhaus (Festsaal), halb 10 Uhr vormittags. Redner: Oberbaurat Ing. Stricker, Dr. Löwenherz und Sekretär Fleischer. 9. Bez., Porzellangasse 17, Heimat-Kino, 10 Uhr vormittags. Redner: Hofrat Unid.-Prof. Dr. Ehr mann, Univ.-Prof. Dr. Königste i n, Gemeinderat Dr. Pollak-Parnau, Dr. Schalit, -Kultusvorsteher Ignaz Glück, Dr. Jakob Weiner nnd Gemeinderat Dr. P l a s ch k e S. 20. Bez., Gaußplatz, Cafe Magnet, 9 Uhr vormittags. Redner: A. Schwertfinger, Gemeinderat Dr. Plaschkes und Neben zahl. ' " ' ] * Sämlliche Spre.ngelleiter versammeln sich Montag Präzise 7 Uhr abends im Hau Pt lokal, Wien, 1. Bez., Wie fingerst raße 11. Ae WahlbevegMg. Neble Antwort an die „Arbeiterzeitung Gon Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes. , In ein«« Artikel „Eine Antwort an Dr. Plaschkes And di« MovgenMung", stellt die „Arbeiterzeitung" Behauptungen auf, welche durchaus unwahr sind. Ich muß tmmnehr, um die Wahrheit an den Tag zu bringen uitfc «chzuweife», daß sozialdemokratische Mandatare gegebene Versprechungen nicht enthalten, folgendes feststellen: Bon der Verjauunlungsstörung im Cafe Halpern am Gauß-Platz in der Brigittenau habe ich durch einen Bericht des Herrn Stricker Donnerstag den 4. Oktober 1828, halb 12 Uhr nachts, erfahren; ich erklärte sofort, daß ich diese unerhörte Tat am nächsten Tag, Freitag, im Gemeinderate Ssfentl ich zur Sprache bringen «erde. Um einen genauen Bericht zu erlangen, setzte ich mich mit dem Vorsitzenden der Versammlung, Herrn Rudolf Klunrcrk, in Verbindung, welcher mir erklärte, es sei zunächst ein jüdischer Sozialdemokrat namens Schar gl, dann der Bezirksrat Selz er im Saale erschienen; kurz' darauf seien 35 bis 30 uniformierte und bewaffnete Mitglieder des republikanischen Schutzbundes im Gänsemarsch' ins Lokal marschiert, denen eine Reihe nichtuniformiertev Sozialdemokraten der Brigittenauer Sektion 5 folgten. Die „Gäste" hätten um den Referententtsch herum in drohender Haltung Aufstellung genommen, Oberbaurat Stricker an seinem Referat gehindert uMr durchgesetzt, daß Bezirksrat Selzer zu einer eineinhalbstündigen Rede voll wüster Beschimpfungen das Wort ergreifen konnte, auf welche Stricker nur kurz erwidern durfte. Diese Information hatte ich auf einem Zeitungsblatt stenographisch ausgenommen und brachte sie im Gemeinde-; rat zunächst den Herren Gemeinderäten B e r m a n n und E ldersch vor, welche sich mit dem Gemeinderat P Likör ny als Obmann der sozialdemokratischen Organisation des 20. Bezirkes m Verbindung setzten, weil ste verhindern wollten, daß ich die Sache öffentlich in der Gemeinderatssitzung bespreche. Ich wurde daraufhin zu einer Unterreduttg mit Gemeinderat Pokorny gebeten, an welcher außer den Herren El der.sch und Bermann auch Gemeinderat Blum teilnahm. Herr Pokorny zeigte sich in der Sache informiert und gab mir die Hand mit dem Versprechen, die sozialdemokratische Bezirksleitung Brigittenau' werde Maßnahmen treffen, daß künftighinunsere Versammlungen vollkommen ruhig und ohne jede Störnna t:-c mau werde.Selzer entsprechend. helM« » Während dieses Gespräches erschien Herr Gemeinderat Mihal im Saale, Pokorny informierte ihn, worauf Herr Mihal erklärte, er kenne die Sache schon, sämtliche erschienenen 'Mitglieder des republikanischen Schutzbundes seien Stammgäste des Cafe Halpern und hingekommen,’ um sich dort einen Kaffee zu kaufen. , Ich erklärte spsort diese Darstellung als einen lächerlichen „Dreh", brach die Unterredung ab, meldete mich zum Wort und setzte mich auf meinen Platz. Die Herren von der Brigittenau verhandelten nun längere Zeit untereinander. Plötzlich kam Herr Pokorny zu mir und bat mich um eine' neuerliche Unterredung. Als Vorbedingung dieser Rücksprache verlangte ich, daß. Herr Mihal seine Behauptung, die Störer -seien harmlose Kaffeehausgäste gewesen, zurückziehe; Herr Mihal tat dies auch. Pokorny ersuchte mich! ititiiV meine Wortmeldung streichen zu lassen und gab' mir neuerdings unter Handschlag -die Erklärung, daß unsere Versammlungen künftighin nicht gestört werden. Ich verlangte hierüber die Herausgabe einer schriftlichen Erklärung, welche ich aufsetzte und gemeinsam mit Herrn Gemeinderat Mihal redigierte, indem ich Aenderungen, die er wünschte, vornahm. Diese Erklärung habe ich der „Wiener Morgenzeitung"-übermittelt. Am nächsten Tag (Samstag) erfuhr ich, daß Bezirks- Vorsteher Janecek dem Sekretär unsere Bezirkssektion Brigittenau erklärt habe, unsere Versammlungen tverden weiter gestört werden, die Erklärung sei Bluff. Da. ich dies nach den Zusagen der beiden Gemeinderätc» Pokorny und Mihal unmöglich glauben konnte, rief ich nachmittags in Gegenwart einer Ohrenzeugin Gemeinderat Mihal telephonisch an, der mir ausdrücklich bestätigte, es bleibe bei der getroffenen Vereinbarung, es habe sich nichts geändert, er gslaube nicht, daß Janecek etwas anderes gesagt HM. . - ' ' Daß Herr Janecek recht hatte und nicht die Herren Pokorny und Mihajl, ergab sich bei den späteren Versammlungen, welche tatsächlich wieder gestört wurden und deren Sprengung nur mit Mühe verhindert werden könnte. Damit aber die Oeffentlichkeit erfährt, wie sich die Sache in Wahrheit verhält, erwähne ich auf Grund nachträglicher Erhebungen: - Da4 Erscheinen der „Gäste" im Cafe Halpern war ein p l a n m ä ß i g e r S P r e N g u n g s v e r s u ch. Der Unterführer Sch o b loch kommandierte hierzu/ wie Ohren» und Augenzeugen bestätigen, 35 Manrr des republikanischen Sch.ützbmches, indem, er. aus. jeder. Reiße seiner Ml. Empfang des Abg. Dr. Deutsch ausgerückten Gruppe ein LiS zwei Mann als „Gäste" ins Kaffeehaus schickte. Ohrenzeugen werden auch bestätigen, daß Armenrat Eltbogen mit dem Vorstoß Selzers und SchoblochS einverstanden war und telephonisch anordniete, trotz der in he« „Wiener Morgenzeitung" abgedruckten Erklärung müßten die jüdischer: Versammlungen von Sozialdemokraten weiters besucht und daselbst die'Wählerschaft „aufgeklärt" werden'. Wegen dieses Vorgehens zur Rede gestellt, erklärte der Herr Armenrat, er sei niemand Rechenschaft schuldig. Dieser Auftrag Ellbogens wird in der Brigittenau desolgt. Jede jüdische Versammlung wird gestört und die „Aufklärungspersuche" sichren zum wüstesten Radau. Die Herren Pokorny und Mihal aber stehen da mit ihrem Wort. Indes, sie dürfen sich, trösten, sie stehen mit ihrem, Worte nicht allein da. Gemeinderat B e r nt a ft rt, Bezirks- Vorsteher Verdiezower und Dr. Trebi t sch sind ihre Lei densgenossen. Auch diese Herren haben uns für die Leopoldstadt Zusagen wegen ungestörter Versammlungen gemacht und der Erfolg heißt: Eindringen bewaffneter Schutzbündler, Entsendung junger und alter Genossen, welche planmäßig stören! Die Sozialdemokratische Partei wird das bedauern Nach dem Wahlkampf sehen wir uns wieder! Der Wiener. Gemeinderat und die europäische Presse werben sich miß diesen Dingen befassen. Darauf gebe ich. mein Wort und ich werde es halten, falls ich nicht früher den Knüppeln deS, republikanischen Schutzbundes in einer jüdischen Versamm-, lung zum Opfer falle. .* Gemeinderat Dr. Plaschkes hat gestern an die „Arbeiterzeitung" die folgende Berichtigung gesendet: An Herrn Friedrich Austerlitz, Chefredakteur der „Arbeiterzeitung", in Wien, 5. Bez., Rechte Wienzeile 97. Im Sinne des Preßgesetzes fordere ich Sie auf, nachstehende Berichtigung Ihres Artikels „Eine Antwort an Dr. Plaschkes und die Morgenzeitung"', welcher in Ihrer Ausgabe vom 11. Oktober 1983, Nr. 279, enthalten ist. auszunehmert: 1. Es ist unfvahr, daß ich derjenige war, der unlüdjtc Behauptungen aufstellte, und sich auf Gewährsmänner stützte, die an der Versammlung nicht teilgenommen hatten. Wahr vielmehr ist, daß ich der Verfassung des beanständeten Versammlungsberichtes ferne stshe und mich in meinen privaten Berichten an die Mandatare der Sozialdemokratischen Partei aus die einwandfreien, wahrheitsgemäßen Informationen des Herrn Rudolf Klumak, deS Vorsitzenden i der Versammlung, utth des Herrn Oberbaurates Stricker, des Referenten, berief. 2. ES ist weiters unwahr, daß ich mich auf die Berichtzeugen Njmhäuser und Dickstein berief, wahr vielmehr; ist, daß ich den Mandataren der Sozialdemokratischeit > Partei nahe legte, mit diesen als den Leitern der Zionistischen Bezirkssektton Brigittenau tvegeu der Versammlungsstörungen zu verhandelft. 3. Es ist unwahr, daß es mir gelang, von Mandataren der Sozialdemokratischen Partei durch, täuschende Mitteilungen eine Erklärung zu erhalten. Wahr vielmehr ist, daß Gemeinderat Mihal, welcher an der Redigierung der Erttärung teilnahm, schoft vor Rücksprache mit mir den Sachverhalt kannte, und daß mein Bericht noch viel zu meßvoll war. eine Monftrrversymmluus der Mariahilfer Süden. Einen imposanten Ausn'.arsch der jüdischen Wähler sah Donnerstag daS B e r b a n d 6 h e i m in der KönigSeggasje. Ter Riesensaal und die Galerien waren von mehr als liVO Mrnschen besetzt. Die Reihe der Redner erössnete Knliusvorsteher Doktor . Jükob Enge l mit der Erllär.fng. d'.e anlis.wtitisch.-n schimpsungen an oer Hochschule für Bi'dcnkultur und der wach send« Judenhaß allerorts, der;um Beispiel in den blut' rüttstigen Reden ungarischer Politiker juttt Ausdruck kommt, habe auch jette Juden in die Schr.-ut'.'n gt-rufen, die sich bisher um Politik'nicht kümmerten. D.'.r Schlachtruf: Ter Jude wird verbrannt! muß beantwortet werden. Wir lassen uns nicht verbrennen! (Lebhafte.Zustimm:tng.) Ten Skeptikern, welche - nteiuen, die Jüdische Wahlgemeinschaft Wirts nichts nützen, muß geantwortet werden mit. dem alten Spruch: Schütz' dich selbst, dattn schützt dich Gott! Falsch ist cs auch, daß eine Schwalbe leinen Sommer mache! Ein einziger jüdischer Abgeorou.'icr kann das Schlimmste von uns wenden. (Beifall.) Universitätsprofessor Hofrat De. S. Ehr mann führte ans: Als Mitunterfertiger des Wahlaufrufes der Jüdischen Wahlgemeinschaft muß ich betonen, daß die gemischte Vtiu er.- Jüdischen Wahlgemeinschaft das Ergebnis eines Kompromiffe» ist, bei dem beide Teile prinztdirlle fragen, zu bereit Entscheidung die heutige schwere Zeit nicht geeignet ist, zur'ickzitstellen. Ob die Inden als jüdische Nationalität o''er als Deutsche jüdischen Glaubens betrachtrt werden sollen, kann mau angesichts der durch das Wachsen des Antisemitismus drohendnt Gefahr als unwesentlich betrachten. Wenn man die Parteien des Nationalrates Revue passieren läßt, merkt man.!.' gendes: Die Christlichsoziale Partei tragt schon in zelle den Antisemitusmus, ider nur zeitweilig aus politischen Rücksichten-zurückgestellt wird. Ein-Jude, .cr heute christltchsüzial wählt, verschreibt sich aüs vier^ Jahre allen MMchkeiten des Antisemitismus. Für dir G r o tz d e u l j cd e n ist der Antisemitismus der wichtigste ProgrümiNpuukt, der nicht einmal im Wahlkampf ausgeschaltet wird. Wenn Großdeutsche