Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-10-09 · Heft 1671 (9.10.1923) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1671 (9.10.1923)
Date
1923-10-09
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980752--16374-3003282
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

n Stert, Dienstag Film und Kino. „Lev Zunge Medardus." Nach der Premiere des „Jungen Medardus" im Bnrgtheater siel ein Wort als Kritik über dieses Werk, das m\ allen Seiten gierig anfgefangen und wiederholt wurde; dieses Wort lautete: „Kinostiickl" Es war dieses Wort bestimmt keine Schmeichelei für den Dichter, der sich erst langsam sein Publikunt für diese Tragödie, die das Wicnertum in a l l e n Schattierungen widerspiegelt, erkämpfen ,nutzte, es verwies den Dichter ltnd sein Werk in Praterschanbttdeit, wohin sich sicherlich kein Besucher der BuGtheaterS verirrte — und es bezeichnete auch das dainalige Mßtranrn gegen das Kino. Nach rund anderthalb Jahrzehnten zeigte es sich nun, daß dieses abfällige Wort nngtwvllw und unbewußte, Prvplwzeiung war: die Uraufführung des Junge u Medardus fand Freitag auf den Profektionsfläche des Kmos statt und vereinte einen Großteil jener ungebetenen Kritiker von dieser Bnrgtiheatrrpremiere wieder, die heute kaum weniger gespannte Erwartung zeigfen als vor anderthalb DczttNtien. Ein Zeichen der Anerkennung: nicht nltr für Artur Schttätzler und sein Werk, sondern aitch für den Fortschritt des Films in Kunst und Technik. Vajda hat den jungen Medardus für den MmV-be/- avbei-tet. Es war gewiß keine leichte Arbeit unb cs war anHein verantwortungsretches Vorgehen gegen anerkannte Literatur, daden Filmautor das Bühnenstück zerreißen, vieles Schöne und Gute streichen, Neues von problematischer Güte einfügen und den Aufbau ans das rein Visuelle durchführen ließ. K e rresz, der Regisseur, hat daun das Buch mit seiner Individualität durchsetzt lmb den nngehettren Aufwand entfaltet, den das Drehbuch erheischte. Es entstand ein Werk, dem man das Attribut „imposant" unbedingt zuerkennen muß. Vielleicht hätten ein anderer Dramaturg nnd ein anderer Regisseur durch intensivere Verinnerlichung den Geist Schnitzlers besser erfaßt, wäre dann der Film dem Stück ähnlicher geworden, wäre auch die wienerische Note ausgeprägter getvesen, aber unbedingt nicht wirksamer für die Schaulust der breiten Massen, ein Gesichtspunkt, der im Film unbedingt zu berücksichtigen ist. Außerdem muß man Kerresz die Anerkennung zollen, daß er in künstlerischer Beziehung lüer bedeutend mehr bietet als beispielsweise in „Sodom und Gomorrha". Durchwegs Gutes, häufig auch ganz Ausgezeichnetes zeigt das Spiel feines sorgfältig ausgewählten Ensembles. Barkony als Medardus ist vicllcich der Figur Schnitzlers nicht gerecht geworden, doch verkörpert er ausgezeichnet den Typ, den ihm Dramaturg und Regisseur vorzeichneten. Er versteht es, sein angenehmes Exterieur überall günstig zu placieren und dabei Innerlichkeit ahnen zu lassen, die vielleicht manchmal, wie an der Leiche seiner Schwester, ungewollte Exaltation zeugt. Eine ausgezeichnete Partnerin hat er in Agnes d'Est h er» die allerdings in einem späteren Film überragenderes Können, zeigte als hier. Aber ntan glaubt ihr die Prinzessin Valois gerne, die sie hier verkörpert. Ihre kühle Schönheit läßt in jeder leidenschaftlichen Bewegung das hohe Frauentum und das ravissente Weibtum durchleuchten, das den iveiblichen Valois ebenso wie ungeheure Energie zu eigen war. Ist es nun eigenes Studium. durch eigene Gestaltungskraft zum Ausdruck gebracht, oder der Einfluß des Regisseurs —, diese Figur reicht an Vollendung heran. Ausgezeichnet sind auch die Figuren des alten Valois und der Mutter zum Ausdruck gebracht. T a n t o 8 Napoleon zeigt zum ersten Male diese Figur im Film von erfreulicher Porträtähnlichkeit: auch sein ^iel. istMl, Mnn er auch in den Schlußszenen die Größe' vermissen laßt, die der Korse in dieser Situation Irtrft der Cchauspielgabe feiner südlichen Herkunft, unbedingt oeboten hätte. Ein Meisterstück ist der Marquis Valois On'n o S, der in seiner trockenen Darstellung jede seiner Szenen zu einen: Erlebnis macht, und ausgezeichnet ist auch der Marschall Rapp Engen Neu seid S. Fräulein Hornik nnd Karel Lamac bringen daS unglückliche Liebespaar naturgetreu und wirklich ergreifend. Es nimmt einen, wunder, daß man diese junge Künstlerin bis jetzt noch nicht im Film sah. Humor brachten in liebenswürdiger Weise Joses König und Franz. G l a w a t s ch in. die erüsis Handlung. Ein vollkommenes Meisterwerk in jeder Hinsicht ist die Photographie Uzickys uuö Borjadys. Etwa», AehNlnhes an Klarheit nnd Plastik wurde wohl noch nie in Wien erzeugt. Jede Ueberblendung ist ein kleines Wunderwerk unb die Nachtaufnahmen übertreffen alles bisher Dagewesene. / Das Geheimnis bet Gcheift» 8d) er mantt trn F ilm. — In erster Linie Wannis. Aber es muß gleich anfangs erwähn.t werden, daß sich so ziemlich alle mit Anstand aus der Affäre gezogen haben. Eigentlich sagen, sagen, kann einem der Film nicht viel, aber dafür plaudert er recht antüsant, die Zeit vergeht, ohne hiß man es merk:, und damit hat der Film vielleicht seinen Zweck erfüllt, und man weiß auch schließlich, wer Schermann ist, und hat Respekt vor der Grapholome bekommen, über deren Wesen man ab:r nicht viel «usgr-klärter wird. Rosa Wachtel bringt ein Buch, das teilweise um den Wundermann herumgeht und in das n auch manchmal ein bißchen gewalttätig hineingekeilt wird, und man merkt der Autorin an, sie hätte lieber eine andere Figur in diesem Film als den kleinen, rundlichen. breitschultrigen Herrn, der trotz seiner übernatürlichen Fähigkeiten io erden.schwer am Boden wurzelt, daß er die sonst recht ausgiebige Wnntajie der Autorin in Fesseln schlägt. Kurz beschrieben, passieren in einer Familie so verschiedene Sachen, die eigentlich nicht passieren sollten, weil die Familie hochanständig und höchst achtbar ist. Einmal verirrt sich beinahe die Frau, daraus strauchelt der Mann Revanche mit einer Zirkusreiterin, unb weil diese Person wirklich nicht in das Milien paßt, verliebt sich nach schnell ein junger Schwager des Ehepaares in sie. Aber Schermann ist da, und die Frau kehrt zurück, der junge Manu verübt, keinen Selbstmord und die „Person" bekommt einen Scheck (unb ist auch zufrieden. Nebenbei weriden auch schnell ein paar Leute vor dem Tod gerettet, bi? nicht zur Familie gehören. Das ^zanze ist am besten mit einem guten Feuilleton über Schermann zu vergleichen, das mir bemerkenswerter Gewandtheit in den Film übersetzt wurde. Diese Geivandlhest gaht von dem Regisseur I. W. Brior aus. Vielleicht fehlt ibnr noch etwas Routine, ober dieser Fehler ist so gering, daß man ihn gern über sie Vorzüge der Jnszeniernn-g vergißt. Diese ist durchaus originell, klebt nicht an dem Gebräuchlichen unb zeigt ein kraftvolles Talent, das ganz. bestimmt seinen Weg machen unb finden wird. Es falle-n einem hin .zahlreiche ausgezeichnete Regiedetails aus, die alle ans wirkliches und geschmackvolles Können yiMveisen, so zum Beispiel ein Absturz von einem Gipset, der nur im Schatte,: zu sehen ist und viel wirkmgsvoller ist, als wenn er wirklich au-fgenommen worden wäre. Das Ehepaar, von Eavmen Ca r t ei l i er i und Eugen Nenyeld dargestellt, erinnert an den Ringstraßenkorso am Sormtaq vormittags. Liebe, nette Leute, die elegant, aber nicht be-dsuhsnd sind. Dieser Typ ist von den beiden ausgezeichnet dargestellt. Den lieben Kerl, der Ehen, 'die auf sokider Blchis rächen, so ein bißchen wacklig tünchen kann, spielt Mbttt Kersten mit seiner zum Ehebruch überzeugenden Äi»b«MrmrbiKe:t durchaus glaubhaft, und Erika Gläßner «M ZtirkuZreiterin bringt mit ihrem hinreißenden Temperament reichlich Leben und Aufregung in. das Ganze. Benno Wiener Morgenzettrm-. 'm l) H, stellt sehr lieb und nett den jungen Burschen aus guter Familie dar. der sich mit naiver Gltzpawz die Hörrwt abstößt. Recht nett ist arrch Beier in vdrModenen Ä Rollen, und eine sehr nute Type stellte Dr. Grohmann ins Spiel. Und Schermann — er lvar als Schauspieler viel besser, als man eigentlicb erwartet lw-tie. Er spielte sich selbst 'durchaus lebenswahr, nü'd Mehr wollte n:an ja auch von ihm nicht. Sehr gut lvar auch die Pl,otvgmphie Ludwig Schachekä und die Fliegeranftmynten von Mbits V. Peim. Resümiert mau. so findet man. der Film ist doch'gut. t Der nächste Fällst MdyUs. S. M. Gold hu, deö' Schöpfer von „Ost und West", beginnt in zwei bis drei Wochen mit den Vorarbeiten zu seinem neuen Film, der vön ihm und Eugen Preiß versaßt würde. Dieser Film wick im spanischen Milien spielen. Rach der Fertigstellung dieses Werkes veklbsichtigt er, nach Amerika -zu fahren, :UY dort nut Mali P i k o n nnd Inkob Kali ch eineü FiltN in demselben Genre wie „Off und West" au drehen, ick dem Frau Mkvtt , eitle DVMlrölltz spielen soll» deren eine Figur eine HvsenrM ist. hkach diesem Film will Mr. Goldyn sich ein halbes Jahr studienhalber in Kalifornien anfhnltrn und dann wieder nach Wwn zurückkehren. Brrlehuntz des Autdrenrechts. Die bekannte Filmäükörin. Ida Ienbach bittet cktts. bekanttftugevtzn, daß der Film „Fiat lux" gegen ihre Esitwilligung und gegen ihren .Kontrakt von der Produktionsfirma abweichend vom Sttiet geändert wurde. Tie Schriftstellerin wird die Firma diesbezüglich gerichtlich belangen. . Geckchtssaal. 28 Iahte .Kerker. NcklimvzwaMq Jahre fang ist der Lcderagen: Josef P. mit st Met Maatttn berheiratet. Man kann nickt behaupten, daß es eine durchaus harmonisch^ 6)emrtw'chaft war. die "Zwischkü beiden bcstaud. Und um in seinem ehelichen Mißgeschick Trost zu finden, fyYit sich Herr P. ittehr an aUßerehslichen Fwuben. Dies nahm ihm die holde Gattin-übel und gestern standen P. und die Hausgehilfin Anna K. wegen Ehebruchs vor den: Bezirksgericht. Die Verhandlung ging -unter stürmischer Heiterkeit vor sich. Richter: Sind Sie schon vorbestraft? Angeklagter (mit lauter Stimme): Jawohl, Httr Richter. Ick Hab' 26 Jahre LandeSg e dch t g'habt. Richter: Ja. um Gottes Willen, was haben Sie -Ätn verbrochen? Augekl. (mit ausgestrecktem Arm aujs seine Gattin bcutcuö); 28 Jahre Hab ich mit dieser,Person. geWt. M mehr wie 28 Jahre Kerker'. Sie hat ri:ich n:ißhandelt und mich znn: Schluß hin ansgeworfen ans unserer Wohnung. Sie ist boshaft und schlecht zu r!l>r getveseil. Ich bin spazieren ge- ' gäysien in: Freien Md Hab mir den Äaum ausgesucht, an den ich mich auDäNgen soll, ^ich Hab mir eine andere genomnren, soll sie sich auch einen anderem nehrnei:. Fvau Marie: Hebt Richter! Im den Ä8 Jahren Hab ich ihm zehn Kinder geboren, ein schönes Landesgericht. Er hat -mich imnrer nur 'Maut, immer war er beivffen. er ist ein JndividiuM! Die Zwcftbcschnldigte, AttstU K., gab ntt, Frau P. habe ihre- Er l a u b n i s nnd ihre Einwilligung gegeben, daß iP. mit ihr znscmtmenlebe. Richter (zu den beiden Angeklagten): Hüben Sie ein Verhäftnis Mit einander gehabt. Ängekl.: Was heißt Verhältnis, wir haben doch zusammen gelebt. Richter: ftnd Sie Fräulein, bekem'-en Sie sich schuldig? Angeklagte: Ich bekenne mich nicht schuldig. Richter: Haben Sie mit H. ' intim verkehrt? Angeklagte Jawohl, das war doch natürlich, s c l b st v e-r st ä u d l i ch., Der Richter hält den beiden Angeklagten dem bezüglichen Gesetzcsparagraphen vor. Auge- Ilagtcr (ganz' aufgeregt): In solche Verhältnisse hat 'sich das Gesetz nicht hi n e inz!tm :sch en. Die beiden 'Angeklagten werde:: zu je einer Woche Arrest verurteilt. Der Richter warnt st:, das intime Verhältnis sortznsehen, woraus P. bcnierkl: Ich stlai'.be schon jetzt sagen zu können, daß ich dasselbe fortsetzen werde. Beide Angeklagte berufen. Das ist der Zauber der Montur. Vor den: Strafbezirksaericht 1 stand gestern wieder einer jener Offiziere vom alten Schlag, die es nicht verwstrden -können, daß der Umsturz, der Zusnmmenbrnch des Habsburger Regimes ilch.'r nnnntschränkten Macht und HetDlichkeit ein deftnitives Ende bereitet hat. Der Herr Hanptmann Josef Jironczer lebt offenbar weiter in jenen herrlichen Zetten fort, da der Soldat ein Schwein und ein Hund war. der nur ein einziges Recht hatte: das Maul halten. Der Tatbestand der Ehrcnbeleidigungskla-ge, die -der Wehrmann Franz Hndic.zek gegen den schneidigen Hanpmann einpebracht hatte, war folgender: Der Hudicze'k stand eines Tages Posten und gab seiner Bewunderung für zwei vorübergrheUde Damen in etwas zu volkstümlich gehaltenen Worten' Ausdruck. Die Damen beschwerten sich dein: Hauptmann, der dev Mann rufen ließ und ihm in Gegenwart der Frau sagte:.„S i e ,Sch w e i n! I ch m ach c gegen Sie bic Strasanzei ge! Ab tretet:!" Das war kurz, militärisch und deutlich. Leider leben wir nicht mehr in den Zeiten, wo ein Ofsliier ungestraft zu einem Soldaten so sprechen durfte. Zum größten Leidwesen des Herrn Hauptmann Jironczek haben die Wehrmänner fetzt a n ch das Recht, zu Gericht zu gehen. Vor dem Richter bestritt der Häuptling die Aenßernng^ Zeugen bestätigen jedoch die Richtigkeit der Klage. Daraus verurteilte der Richter den Hauptmann zu 800.000 K. Geldstrafe, wogegen dieser die Bernsnug anmeldete. Eine versüngliche Frage. Der Pcivatbeamte Johann Paschn-er \m iiirliri) in später Nachtstunde nach einem Konflikt mit mehreren Studenten, die ans der Straße eine monarchistische Kundgebung veranstalteten, von einem Wachmann wegen Nichtsolgeleistung arretiert worden. Während der Eskorte «soll Paschner an den Wachmann die Frage gestellt haben: „Sind Sie Republikaner?" nnd dann im Zusammenhang mit dieser Frage sich geäußert habcm: „Ich pfeif' auf eine solche Republik!" Gegen Paschner wurde über Anzeige der Polizei wegen der an den Wachmann im Zusamnwn-Hang m:t der weiteren Bemerkung gerichteten Frage die Anklage wegen Wachebeleidiguug erl-oben. In der vor dem Landesgerichtsrat Dr. Fncksik stattgchabten Verhandlung erklärte der Angeklagte, daß er zur kritischen Zeit infolge des Konfliktes mit ven monarchistischen StUldenten, die unbehelligt ihres Weges gehen konnten, in großer Aufregung sich befunden habe und sich nicht erinnern könne, was er zum Wachmann gesagt habe. Nachdem sowohl dev Wachmann als auch ein in Begleitung des ÄnMagten damals sich befindlicher Bankbeamter die inkrimimerw Frage mit dem Nachsatz bestätigt^ hatten, vermckeilte der Richter den Beschuldigten zu einer Geldstrafe von 100.000 K., eveninell 24 Stunden Arrest, jedoch nur bedingt unter Einräumnilg einer chijahvmrn Bewährungsfrist. 9. Oktober 1908 ' Atz. 1071 Volkswirt? Gestempelte Krane 0.0079 keutime» «nsrahlung Men — 0.0078°/« «en«m«. In Zürich notierte 8./10. &./10. die österreichische Krone , . . . . . 0.0078°/, 0.0078% Me östeN. gestempelte Krone . . . . 0.0079 0.0070 die tschechische Krone » . » . 10.50 die Mark » . . o.ooooom Ö.OOÖÖ0Ö85 Holland . . . ‘U9.7B 219.75 . 559.- London . . . . 25:48 25.47 Pari- .* % » « ■% % » , . i si8M ■ MaiM.. . . . . . 26.40 25.20 Belgrad ......... . . . 6.55 6.45 Bukest.v. . . . . 2.57 2.07 ... 5:37 5.45 Budapest ........ ... m 0.03 Warschan ... . O.0Ö07 Ter Geldzins. Bon Dr. HelNtckch Gchtetder. Fühlt man pathetische Anwattbl,tilgen, so möchte mau sw zum Ansspruche nmwEtt: Der Zinsfuß ist der Schrittmacher d-er S a n ie r u it g. Die Sanierung will bekktnntlich gutes Geld beschaffen und gutes, gesundes Geld soll und MUß ltatürlich auch billig feilt; Gut und billig, im Gegensatz zu billig und schlecht, ist daher die Marime,' welche die Regeueriernng des Geldwesens beherrschen soll, und in diesem Sinne ist die cinleitcud gemachte Erkenntnis bervchtigt Und treffend. Die Sanierung muß aus einen: billigen Zinsfich daherkommen, wenn sie gelingen nnd die Krankheit der Währung, die auch den gesamten Wirtschaftskörper arg Hergeuommen hat, behoben werden soll. Deshalb wird c§ als eine empfindliche Störung der Rekonvaleszenz, deren sich das Land seit der Genfer Aktion sichtlich erfreute, beklagt, daß die Geld- Und Zinsderhältnisse fieberhaft vibrieren, eine drückende Geldbeengung cingetreten ist, die sich nnvermeiblich auch in der Teuernilg des Leihzinses äußert. Deshalb hat auch eine lebhafte Bewegung der Interessenten eingesetzt, die auf eine reichlichere Geldversorg NN g für die Bedürfnisse des Platzes unter gemilderten Konditionen gerichtet ist, und fttglich» ba .frjf beteiligten Kreise sich um Abhilfe an die Staatsverwaltung ge'.ue.ndet haben, auch die BeachtttNg der Regierung und des Parlaments gefunden hat, selbstredend aber auch die wichtigsten Exponenten des Geldmarktes, die Ballten und die Börse, ünsehttüch berührt. . Maü darf sich ja vorstelle,i, daß ein Gcsundnngsprvzeß nach langem Siechtum, voll deill unser Wirtschaftslebel: betsallell war, lischt alis einen Hieb gelingt, daß immer wieder Zlvischenfkiffe Und Rückfälle nnftvcteu können, die die Gesundung arifhaltens sind sie aber solcher Art, daß sic rasch wieder vvrbeiziehkrt, öyß die Schwäche behebbar ist, batutt find solche Ilüterbrechüngeü lecllesivegs bedenklich. Sie silld nuange-nehm, aber nicht..gefährlich, und bei angemessener Therapie und hauptsächlich entsprechellder Diät ist das Wohl befinden bald wirdcr/hkrgestellt. Nllk MUß Man die ^Ursache des Unb.'hagells erkwOwll, uM es zit beseitigen,'Nnd dem - zrftolge ist Mit Üiecht uttd mit allem Eifer die llnterstichung der Verhältnisse dahin abgemessen, wieso cs denn WM ml, daß mit immer fühlbarerem Nachdruck der Mangel und die m a s; l o s e V e r t e u c r n n g des Leihkapitals hcreingebrochen ist. Biel hat nnziveifelhast dazu das Bestreben beigetragen, tiach der allzu heftigen Inflation ze einer Verebbung des Geldumlaufes zN gelangen, was durch die vom Süllierungsprogramme anbefohlene Und vvltt GelieralkoMNtissär streng bewachte E i n st e l l u ll g des neuen Unbedeckten Notendruckes bewirktwurde. Tie Schöpfung vermehrter Jnslationsinittel wurde mit einem heftigen Ruck gestopft und dem Markte svhil: der langgewohlltc und gierig aufgesogene Zufluß gesperrt. Gelb aber ist eine Ware; cs unterliegt wie diese dem ehernen Gesetz von Angebot und Lmclp srage und die NachfrageZst ganz unyerhältnisinäsftg aiigeschwollen, iveil — cs schadet nicht, mit der richtige!: Wahrnehmung heransznrücken und sie bekräftigt nur die Trefflichkeit der alten medizinischen Weisheit: Princip'üS obsta -—,'weil, sage ich, der Bedarf nach Geld — abgesehen von der Entwertung, Teuerung usw. — selbst (uit Zeichen der Stabilisierung potenziert wird durch daS nnnatürlich gesteigerte Erfordernis der m e i ft e u Einzelwirtschafte n. Ncan darf es ausfprecheik, düst ilt der überragenden Zahl der Fälle jede Einzelwirtschaft eiilei: Tnplizitätsbedarf hat, einen legitimen -und einen i lieg it im eit Geldbedarf: legitim für das reguläre Geschäft nnd Den normalen Berns, und illegitim für den Neibenbernf nnd das Nebeneiickommen, das in der Speknlntion, vor allem cm Aktien, gesucht und gesunden wird. Alles drangt nnd hastet zur Börse und diese Jagd nach dem Glück im Glücksspiele verschlingt ungeheure Geld summen,'die vielfach dem legitimen Bedarf abgernngeil und ihm entzogen werden. Wie große Geldmassen werden über dies, um eilte mühelose Frilktifiziernng im Borggeschnste selbst zu erzielen, ihrer eigentlichen nnd produktive:: Ver wendung entfremdet! So entströmt den Geldreservviren der zentralen Geldresetvoirc mehr Stoff, als ihnen znfließt. Dazu I Werdet MUmmtm fürMe | I „Wiener URovaenseitmifi" I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.