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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-09 · Heft 1671 (9.10.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1671 (9.10.1923)
Date
1923-10-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. ien. Men, DietrSkag Wienev Morgenzeitung. 9. Oktober 1923 Sorte L der an Gott glaubt, zu vernichten suchen. Die Hauptrcde hielt dann der bekannte Hetzbischof Pr och as,ka, die in einem Kampfruf gegen den Liberalismus als den Erzfeind der Menschheit ausklang. Nach Bischof Prochaska . sind, alle sozialen Einrichtungen, tvie Gvatismilch, Säuglingsschutz, Kulturverbreitung, Humanismus nichts anderes als von, den Liberaler: geworfene Fallstricke zur Niederringung der katholischen Kirche. "Bon diesen Liberalen und Humanisten müsse das öffentliche Leben gesäubert werden. Daruvary Wer die Genfer Verhandlungen. Budapest, 8. Oktober. Mrmst-er des Aeußern Daru- Vary, der von den Genfer BechaMurvgen zumckgekchrt ist, erklärte einen: Vertreter deS Ung. TelegraPhen-ÄorrespoNdenz- Bureaus gegenüber, daß mit dem tschecho-slowakischeu Minister des Aeußern die zwischen den beiden Staaten schwebenden Fragen eingehend erörtert und die Grundsätze festgÄegt worden seien, nach welchen diese Fragen in einer für beide Staaten annehmbaren Weise geregelt und ein korrektes nachbarliches Verhältnis geschaffen werden können. Auch mit dem jugoslawischen Minister des Aeußern sowie mit dein runränisch en Vertreter sei die Vereinbarmrg getroffen worden, daß hauptsächlich die A bschließung von Handelsverträgen aivgestrebt werden solle. Es sei zu hoffen, daß die Besprechungen innerhalb der kürzesten Zeit wieder aufgen-ommen werden können. Polen. Segen de» Finanzminister. Warschau, 7. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Im der letzten Sitzung der Bubgetkoinmiffron sprach Abgeordneter Dr. Rosmarin über das eigentümliche Verhalten des FinanMnrrsters der gegenwärtigen katastrophalen Finanzlage des Staates gegenüber. Die wirtschaftlichen Verhältnisse gestalten sich von Tag zu Tag ärger. Der Sturz der polnischen Valuta sei geradezu katastrophal. Die Teuerung wachst ins Ungeheure uind der Finanzminister erachte es gar nicht für notwendig, im der Budgetkommissiom zu erscheinen, um mit ihr zusammen über die finanzielle Situation zu beraten. Dieses Vorgehen muffe Redner als leichtsinnig und unverantwortlich bezeichnen. Die- Verantwortung für die gegenwärtige Situation -trage einzig der Finanzminister. Während die Nationaldemokraten versuchten, dem Abg. Rosmarin zu antworten und erklärten, daß die gegenwärtige Situation nicht tragisch sei, griff der Vertreter der Sozialdemokraten Dr. D i a m a n d in schärfster Weise den Finanzminister an. Sozialdemokratie «ad Minoritäteaproblem. Aus Warschau wird unS gemeldet: Der fozialdemro'kvatische „R o b o t tt i k" veröffentlicht den Text der Re-- solutiomen, die die Parteileitung dem nächsten Landeskongreß vorlegen wird. Unter den Resolutionen befindet sich eiüc, welche die Minoritätsfrage betrifft. In dieser wird festgestellt, daß in der Nationalitätenfrage, die eine der wichtigsten Angelegercheiten des polnischen Staatswesens fei, bisher verschiedene Kabinette, die nationalistischen Einflüssen erlegen waren, den nationalen Minderheiten gegenüber eine Politik «der Unterdrückungen geführt haben. Das gegenwärtige Kabinett, welches der offizielle Vertreter der nationalistischen Ideologie sei, habe den Zustand noch verschärft, indem es durch seine Po-, l-itik die nationalistischen Strömungen innerhalb der nationalen Minderheiten a u f r e i z e, wodurch die nationalistischen und klerikalen Tendenzen unter den Ukrainern und Wsißvuffen, die „hakatistischen" unter den Deutschen und der Zionismus (!) bei den Juden unterstützt werden. Man müsse den nationalen Minderheiten die vollkommene Freiheit ihrer nationalen und kulturellen Entwicklung sichevstellen. Es sei Pflicht des polnischen Sozialismus, diese Forderung zu unterstützen. Es sei auch notwendig, daß die polnische Sozialdemokratie mit der ukrainischen, tveißruffischen, jüdischen und deutschen Demokratie Hand in Hand gehe. Diese Resolution bedeutet eine:: Wendepunkt in der Nationalitätenpolitik der polnischen Sozialdenrokvatie und es scheint nunmehr, daß die. Sozialdemokraten auch die Forderung der jüdischen Minderheit zu berücksichtigen gedenken. Es ist dies ein Beweis, daß die Sozialdemokraten in der Behandlung der Judcnfmge sich nicht mehr vom ihren jüdischen. Führern D i a m a n d, L i e b e r m a n n und Konsorten dveinreden lassen wollen. Auflaffung zweier Ministerien. Warschau, 8. Oktober. Der Ministerrat hatbeschlossen, «ic Ministerien für Gesundh eit und für Post n nd T e l e g r a p h zu liqu idieren. Die Agenden dieser Ministerien sollen dem Ministerium des Innern und den: H andels m i n i st e r >r u m übertragen werden. RumMien. Morgen Milkwoch» 10. Oktober» 7 Ahr aben-S, in den Reichshallen 1. Bezirk» Dorolheergaffe Große Zugendversammlung: „Ae Wische Jugend nach dem XUI. Kongreß". 10354 Redner: Herr Dr. Otto A b e l e S. Herr Ing. Fedor Ackermann, zweiter Obmann des jüdischen Touristenverbandes, Vertreter des jüdischen Zugenduerbandes, der Jugendreftrent des Zionistischen LandeSkomiteeS, der Ebalurreferent des Zionistischen LandeSkomiteeS. Wiedereröffnung der UniverfitAe«. I. C. B. meldet: An allen Universitäten und Hochschulen des Larwes ist der Studienbetrieb ohne Zwischenfälle wieder ausgenommen worden. Aufschub der Fliichtlinarausweisnngen. Aus Berlin 'meldet I. C. B.: Wie dem Vereinigten Komitee für jüdische Auswanderrrng aus Bukarest mitgeteilt wird, ist der von der rumänischen Regierung festgesetzte Termin für die Ausweisung der ukrainischen Flüchtlinge aus Rumänien und Beßarabien bis Ende November aufgeschoben worden. In jüdischen Kreisen hoff: man, daß es gelingen wird, diese Frist bis Ende Dezember verlängert zu erhalten. Die rumänische Regierung hat die Bedingung gestellt, daß jeden Monat mindestens 3 000 Flüchtlinge das Land verlassen, und die jüdischen Organisationen haben sich bereit erklärt, die Verantwortung für die Erfüllung dieser Bedingung zu übernehmen, wozu sie jedoch größerer Geldmittel bedürfen, die man vom Auslande zu erhalten hofft. PMstma. (Sine Delegation der valöstinenfischen Araber kür Fndien. Eine Delegation der p a l ä st i n e n s i s ch e n Araber hat sich nach Indien begeben, mit dem Ziele, unter den mohammedanischen Gläubigen Indiens für die Restaurierung der Omar-Moschee in Jerusalem einen Geldfonds aufzubringen. Sir Herbert Samuel hat der Delegation einen Empfehlungsbrief an den Vizekönig von Indien, Lord Reading, mitgegeben." (I. C. B.) Ae arabische» Führer bei Sir Herbett Samuel. Jerusalem, 7. Oktober. (I. C. B.) Der Vorsitzende der palästinensisch-arabischen Delegation, Musa Kasim Pascha, und das Mitglied derselben, Wadia Efendi Bustani, haben den Oberkommissär von Palästina, Sir Herbert Samuel, im Regierungsgebäude besucht. Bei der Unterredung wären auch der Zivilftkretär von Palästina, Sir Gilbert Clayton, sowie der Gouverneur von Jerusalem, Mr. Ronald Storr, anwesend. Es wird behauptet, daß der Besuch einen nichtpolitischen Charakter getragen hat. gndenwordplakate in Bukarest. Bukarest, 7. Oktober. (I. C. B.) Auf Befehl der Staatsanwaltschaft wurde der Führer der antisemitischen Bauerndeputation aus der Bukowina, Prof. Calilin aus Kimpolung, unter der Beschuldigung verhaftet, der Urheber der an den Boulevards angebrachten Kundgebung zu sein, in welcher mit der Ermordung der Juden gedroht wird. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Wie verlautet, hat sich der letzte Ministerrat mit dieser Angelegenheit befaßt. Mudschau. An Prozeß der polnischen Industriellen gegen Deutschland. Ende November d. I. findet in Paris eine Session des Internationalen Gerichtshofes statt, im Verlaufe welcher auch der Prozeß verhandelt werden soll, den der Bund polnischer Textilindustrieller gegen den Deutschen Staat angestrengt hat. Die polnischen Textilindustriellen fordern von der deutschen Regierung eine Entschädigung für die während der Okkupationszeit in den Jahren 1914 bis 1918 requirierten und beschlagnahmten Waren und beziffern die Entschädigungssumme mit 30 Millionen Dollar. Die Vertretung der Industriellen wurde einem be kannten Pariser Advokaten übertragen. Der Präsident des Internationalen Gerichtshofes weilte dieser Tage in W a r s ch a u uitb Lodz, um das Prozeßmaterial an Ort und Stelle zu studieren. Eine neue Zusammenkunft der Staatsmänner Belgrad, 7. Oktober. Wie die „Novosti" berichten, wird anfangs des bevorstchendcu Winters in Belgrad eine Zusammenkunft der Repräsentanten der kleinen Entente stattsinden, wobei internationale wichtige Fragen behandelt werden. Ae Reorganisation des Faszismus. Rom, 8. Oktober. Der große Rat der Faszistenpartei wird'an: 12. Oktober eine Umgestaltung der Partei- Hierarchie vornehmen. Nach Zeitungsmeldungen wird der große Rat auch reorganisiert tverden, veMeibt aber auch weiters das gemeinsame Organ der Regierung und der Partei. An Stelle des gegenwärtigen Exekutivausschusses tritt ein administratives Sekretariat und ein aus fünf Mitgliedern bestehendes p o l it i sch e s Direktorin nt, das unter dem unmittölbaren Einfluß Mussolinis stehen wird. Seiner Bestätigung wer den alle Beschlüsse unterworfen werden. Tagesbericht. Die Massenversammlung der Hakoah. Die Hakoab veranstaltete am Sonmag um 10 Uhr vormittags in dem großen Saal des CentvcüMnos in der Taborstriß? eine Massenversammlung, die eine imrosante Demonstralwn für den jüdischen Sport war. Unter den Anwesenden bemerkt? man viele Eltern, die mit ihren Kindern gekommen waren, um aus dem Munde der berufenen Führer sich die Gewißheit zu beschaffen, daß die Erziehung der Jugend in guten Händen liegt. Ms Dr. Felix die Einleitnngsvede begann, war kein Plätzchen im geräumigen Saal unbesetzt. Im Anschluß an die Ausführungen des Herrn Dr.-Felix sprach Ing. Ackermann über den Ausbau deS Hakoah-Platzes. Er schilderte die großen Schwierigkeiten, die der jüdische Verein zu überwinden hatte, bis er endlich sein eigenes Heim in der Krieau eröffnen konnte. Die Führer der Hakoah wandten sich an die politischen Parteien, die programmatisch zur Toleranz verpflichtet wären, doch gerade diese entpuppten sich als große Judensreffer. Die ganze Hoffnung der Hakoah ruhte nun aus den j ü d ich e n Mandataren, die die in sie gesetzten Erwartungen in glänzendster Weise erfüllten. Ing. Ackermann betonte, daß es in erster Linie ein Verdienst des Gemeindevates Doktor Plaschkes sei, wenn die Hakoah in der Krieau nun ihren Sportplatz besitze. Der weiteren Ausgestaltung des Sportplatzes stellen sich wieder schwere Hindernisse in den Weg. Wir sind uns bereits heute klar, daß diese Schwierigkeiten nur dann beseitigt werden können, wenn uns wieder Heiser in den jüdischen Mandataren er st ehe n. Wir benötigen dringend Wortführer in den politischen Behörden, um uns entwickeln zu können. Der 21. Oktober ist nun der Tag, an dem wir unser Geschick bestimmen können. Wenn die Hakoahner am Tage der Wahl in jeder Beziehung ihre Pflicht tun, dann ist der Atffschwun-g des größten jüdischen Sportvereins gewährleistet. Herr Fold es führte dann im Anschluß darauif aus, daß die Palästina-Reise der Hakoah bereits gesichert sei. und ging ans Details dieser Unternehmung über. Die Hakoah wirb übrigens in den nächsten Tagen einen Prospekt Herausgebern Bon stürmischem Beifall begrüßt, bestieg nun Präsidetrt Dr. Körner die Rednertribüne. In überaus launiger Weift wies er darauf hm, in welchem Maße wir auf allen Seiten von Feinden umgeben sind. Ms die Hakoah in Floridsdorf ein Grundstück zur Erbauung ihres Sportplatzes erhalten sollte, da hielten die sozialdcmokratffchen Bezirksräte eine Versammlung ab, in der sestgestellt wurde, daß gerade auf diesem Grundstück das Luftreservoir des 21. Gemeindebezirkes lastet. Ms unsere Anlage in der Krieau sertiggestellt war, da fand es die Gemeinde Wien für richtig, die zu legende Straßenbahnlinie mitten durch unseren Platz zu führen. Daß dieser Anschlag nicht verwirklicht werden konnte, ist einzig und allein dem Gemeinderat Dr. Plaschkes zu danken. Es wäre müsffg, daraus hinznwetftn, daß unsere Fechter und Turner ein wahres Nomadenleben führen, da man ihnen in den Schulen die Ueberlassung der Turnsäle verweigert. Es tväre müssig, darauf hinzuweiftn, daß oben nur die jüdische Hakoah dieses Schicksal trifft. ,Wir planen, uns ein großes, schönes Klubheim auf dem 'Sportplatz Krieau zu errichten, das allen Saalsportlern die Betätigu-ngsntöglichke-it gibt. Wir müssen erkennen, daß wir von keiner Seite Hilfe zu erwarten haben. Unser Recht könne:: wir nur mit Hilp. der politischen Behörden erlangen, weshalb wir den Wahltag nicht vorübcrgehen lassen dürfen, ohm uns den Einfluß auf dft politischen Behörden zu sichern. In: Namen der Zionistischen Parte: begrüßte Doktor Löwen Herz die Versammlung. Die südischen Sportler beweisen, daß sie nicht den Weg, den ihnen ihre Eltern o'vü: ’'u haben, beschreiten wolle::. Sie haben zum Judentum zurückgefunden, zu dom sie sich frei und stolz bekennen. Unser größter jüdi, scher Sportverein unternimmt in Kürze eine Reise nach Palästina. Die zahlreichen Teilnehmer schlagen also förmlich eine Brücke zwischen Erez Israel und dem Galuth. Der Hakoah. bw schon so viel für das Judentum geleistet hat, gebührt das Verdienst, daß sich alle bewußten Juden Wiens in der Wahlgemeinschaft für den 21. Oktober zusammen^ gefunden haben. Die Treue, die wir uns da geschworen, soll auch über den Wahltag hinaus b e st e h e n bleiben, damit wir Zeugnis davon ablegen, daß wir leben und daß wir gewillt sind, auch in Hinkunft ein Gan'.-'s zu bilden. Patteitag der Zionistischen Landesverbandes in Sesterreich. Der diesjährige Parteitag wird für Sonntag den 11. und Montag den 12. November einberuftn. Nach § 6 unserer Statuten lind alle Mitglieder, die das 18. Lebensjahr vollendet, für das laufende Jahr den Schekel und die Parteisteuer entrichiet haben,, aktiv wahlberechtigt. Das passive Wahlrecht ist an die Vollendung des 20. Lebensjahres gebunden. Jeder WKHLE für den Einkauf von Stoffen für die Herbst- und WJntersaison: Damen- und Herrenwäsche, Bett- und Hauswäsche, Strickwaren, Teppichen, Vorhängen etc. nur das bekannt verlässliche u, billige chiffmann . Taborstraße 48 Telenhon 47-1-73 En gros En detail

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