Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1671 (9.10.1923)
- Date
- 1923-10-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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«ch'r Wim, DienNag Wiener MorgenzeitunA. 9. Oktober 1923 rrtvechsels abgewendet. England läßt sich überhaupt nicht van Sympathien und Antipathien zu einem deutscher: Kanzler, sondern ausschließlich von den Interessen der englischen Wcltpolitik leiten. (Lebhafte Zustimnuurg.) Der Sprecher der Deutsche«;.BM.partei',' .Dr. Scholz, führte ans: Das Aiufgeben des passiven Widerstandes ist nicht gloichbedeutend nüt Kapitulation. Wtx danken 6er Regierung für die Enchschlosstnhcit und das Verant<tvovtn>vMefühl, womit sie die unhabbaren Zustände vor ^dom völligen Zusammenbruch beendet har. Ab>g. Koch (Demokrat) erklärt, in der auswärtigen Politik habe der Reichskanzler das bewiesen, was Bismarck Ziv'leouragc nannte. Das Ausgeben.'.des passiven Widerstandes sei' geboten gewesen, da das Instrument unbrauchbar, geworden war. Der Finairzrrrinister über die finanziellen Aufgaben. , . Köln, 8. Oktober. Rchchssinänzministtr Dr. 'Luther lehrte in einer Unterredung mit dem Berliner Vertreter der ,Kölnischen Zeitung" über die nächsten Aufgabe!: der * Reichsvogiernng oitf finanziellem Gebiete unter anderem aus: Im Bordergnmde steht die Schaffung eines wertbeständigen Zahlungsmittels, für die ausgearberiete Vorschläge "bereits verbiegen. Dazu kommen zahlrei che Steu erfragen, die im Fluß sind, wobei es nicht nur darauf ankommt, daß die Einnahmen des Reiches auf jeden Fall die Ausgaben decken muffen, sondern auch darauf, daß die Steuern so beschaffen seien, daß man sie einfach verwalten kann. Von besonderer Wichtigert ist die Beseitigung des gegenwärtigen Zustandes, wonach Länder und Gemeinden nur «noch als Kostgänger desMeiches leben. Eine endgültige Heilwng ist freilich erst dann möglich, wenn einmal die durch den unglücklichen Ausgang des Krieges Deutschland auferlegten Leistimgen auf ein erträgliches Maß zurückgefichrt find. Poirreares Reparationsplan. Paris, 8. Oktober. In informierten Kreisen wird damuf Angewiesen, daß Poincare mit dem im Gelbbuch veröffentlichten Reparationsplan, vost dem er gestern sprach, den Brief an die Botschafter in London uwd Brüssel vom 10. Juni, enthalten im vorletzten Gelbbuche, gemeint hat. In diesem Briefe wird betont, daß Deutschland entsprechende Zeit gelassen werben müsse, um sM Budget ins Gleichgewicht zu bringe«. Dsutschkand ve.rfüge aber über eine. Reihe von Einnahvts g ueilen, die sofort realisierbar feien «Rd daher unverzWich den Alliierten als Grundlage der Zahlungen und Äs SichersMung der auGMehmenden Anleihen Äbergebsn werden müßten: 1. DieEise.nbührremaUsdpmlinken Rheiw- «fe r, die doyzert unter 'Äevallrierter Zeitung stehen, sollen einer Gesellschaft übergeben werden, an der Frankreich, Belgien und England sowie Rheinlande selbst beteiligt waren» 2. Be st int wie Kohlend erg Werke imRuhvgebiet Men vom Reich übernommen und gleichfalls einer interalliierten Gesellschaft, HrMch jener der Eisenbahnen, übergeben werden. 3. Die N a t u r a l l e i st u n g e n sind in einem noch festFusetzenden Uurfange wieder aufzunehmen. 4. Die inGold oder G o l d w er t e i ng e h obeuen Zolle sind zu übergeben. 5. Me Taxe von 26 Prozent trifft die aus dem Verkauf bestimmter Exportartikel eingenommenen Devisen, doch nur soweit Produkte der gvatzett Syndikate in Frage kämmen. Die Mark unter dem Sowjetrnbell Berlin, -8. Oktober. Me deutsche Mark ist, to«rat man den Kurs der New-DoÄer Börse vom Samstag in Anvechnuny 'bringt, jetzt unter den Sowjetrubel gesunken. Me deutsche Parität des New-Aorker Kurses betrug am Samsitag über 900 Millionen Mavk für den Dollar, während nach dem letzten Mosiamr Kursbericht von Freitag dort der Dollar mit 890 Millionen Rubel gezahlt wurde. Die deutsche Mark ist mithin jetzt die schlechteste Währung geworden. Neue Grnndlinren einer englifcheu Reichspolitik. London, 8. Okwber. (Walfs.) Der diplomatische Berichterstatter des ,MÄy Telegraph" schreibt, durch den ans de: Reichskonferenz zu erwartenden Meimingsanstawsch werdr es, wie man hoffe, möglich sei«, die Grundlinien einer einheitlichen Re'.chspolitik mit Bezug auf die HaupttinieN der europäischen Frage festzusetzen, und zwar derart, daß das brit'sche Reich m der Lage sein werde, mit einer entscheidenden Stimme zu sprechen, möge nun Poincare auf das Angebot Lord Enrzons, daß jeder neue französische Plan für eine Regelung der Reparationen in freundschaftlichstem Geiste erwogen werde, antworten oder, falls Poincare es unterließe, einen Plan zu unterbreiten, diese, Unterlassung zu einer JnitiativL von britischer Seite führen. Die „Times" geben der ZuvetsichK AuSdruÄ, daß die britische Reichsbonsevenz, wenn sie beschließe, daß es ihre Aufgabe sei, im richtigen Augenblick zu führen und nicht zu folgen, imstande sein werde, einen konkreten Plan für die RcgeNrng der Reparxltionsfraye vortzulegen. Weitere Verhandlungen. Berlin, 8. Oktober. Wie bic „Zei^ erfährt, besteht die Absicht, die Verhandlungen, die v<n: Vertretern der rheinischwestfälischen' IMrswst nA Generäl DegoMe ausgenommen worden sind, wefterKlvfüihven. In dieser Woche sollen ans. deutscher Seite die. parlatneniarrfchen -BerKMr hti besetztes Geibiete sowie 'die Vertreter der dortststn Wirtschaft an 'den ^Berban'dbungen teil nehmen.. WWerveffammlmgen. Heute Dienstag. 2. Bez., Äusstellungsssraße 86,-'. Restaurativn Gabriel Radfahre r", hakh .0 Uhr abends. Redner: Dr. P l a s ch k e s, Dr. Korner und Karl F u ch s. 2. Bez.,' Glockengasse ' 30,. Volksbibliother „Z i o n", halb 8 Uhr abends. Redner: Dr. Gelber und. Julius Low V ... 2. Bez., Große Schifsgasse 3, Hotel Barschak, halb 8 Uhr abends/ Redner: die Herren Nebenzahl, Ehrl i ch und'Dr. Plaschckes. S.^Brz., Präterstraße 60, Läse „Orient", halb 8 Uhr abends. Redner: die Herren Nebenzahl, Ehrlich, Prof. Arten: Freud und Dr. Schw a r z- Hiller. 3. Bez., Löwengaffe 39, Cafe Jlion, halb 8 Uhr abends. Redner: Hosvat Dr. Riesenfeld, Gemeinverat Dr. Schwarz-Hiller, Obevbanvat Rob. Stricker. 3. Bez., Alserstraße 15, Cafe Schlössel-hos, halb 8 Uhr abends. Redner: Pr. Desider Friedmann, Gemeinderat Dr. Bruno, Ppllak- Parnau, Sekretär Siegfried Fleischer. 9. Bgz., Seegasse LO, Restaurant, -halb 8 Uhr abertds. Redner:. Dr. Schasit, Paul Frisch- . auer, A. Schwertfing^r, Dr. Löwenherz. Mittwoch den IO. Oktovee. (Me für Mittwoch anbergumt gewesene Versammlung im Restaurant Central, 2.- Bez., findet nicht statt.) ' 2. Bez., Praterstraße 68, Cafe Reichshos. Red- - ner: Dr. Körner, Dr. Schwa r z -Hill er, Ingenieur R. Stricker und Sekretär Fleischer. 2. Bez., Große Sperlgasse 37, Restaurant „Golde n e r S te r n", halb 8 Uhr abends. Redner: Artur Freud, Aron Schwertftnger und Dr. Eugen Felix. 2. Bez., Heinestraße 2, Cafe-Nizza, halb 8 Uhr abends. Redner: David Nebenzahl, Dr. Israel Wald mann und Dr. Eugen Felix. 7. Bez., Her manngasse34-38,SaalV.er Bezirksv i r t r e t4i ng, halb 8 Uhr abends. " Redner: Qberbauvat Ing. Robert Stricker, Markus Fischer, 9. 10'. ^SykretLv-Sieg>fvied Fbeis cher, Dr. Imnrerglück undDr. S. Defris. Bez., Schwarzspaniersiraße 16, Restaurant H ü H e r. Redner: Gemeinderat Dr. P oll g k- P a r n a u, Dr. S ch a l i t, G. Weiner und A. Schwertf tnger. ' Bez., Fav or ilen ftraß e 87, Rosen sä halb . . 8 Uhr abends. Rahner: Gymemderat Dr. P lasch ke s, Sekretär Fleischer und Dr. Löwenherz. DonneoStag den 1^. Oktober. 2. Bez., Hollandstraße 2, Ca^e ^alztorbrücke, halb 8 Uhr abends. Redner: Dr. Körner, GelneindcratDr. Schwarz-Hiller, A. Schwertfinger. 2. Bez., Schiffamtsgaffe 20, Machsike Hadath. Redner: Dr. Wal-mann, A. PinkaS und Nebenzahl. 2. Bez., TaÜarftraße 49, Cafe Reif, halb 8 Uhr abends. Redner: Gemeinderat Dr. P l a s ch f e s, Doktor Lemberger und Qbevbauvat Stricker. 3. Bez., Radetzkystraße 21, Restaurant Littmann, halb 8 Uhr abends. RÄnrer: Gemoinderat Dr. P l a s chkeS, Dr. Desider Friedman«, Dr. Jakob Ornstein und Hofvat Dr. Riesenfeld. 6. Bez., K ö nig s eg g as s e 10, S a a l d e s B e r b a n d 8heims, Wb 6 Uhr abends. Redner: Dr. Jakvb Engel, Oberibaurat Stricker, Baurat Dr. S. Defris, Se'kvelär S. Fleischer und Markus Fischer. SmnStag den 13. Oktober. 7. Bez., Mariahilsersiraße. 124, Reftaurant Reiß, halb 8 Uhr abends. Redner: Gemoluberat Dr. P1 a f chk«s, Dr. % IlüttrgIücf, Dr. Ing. Defri§ und MaMs Fischer. 13. Bez,, Am Platz 5, Restaurant „Weißcr Cngel^. RMNer: Dr. Löwenherz, GemeiMM Dr. Ehr- H4ch, SekEr Flgischer und O. Goldschmidt. Sonntag den 14. Oktobee. 8ez., Rothgasse, Olympia-Saal: Redner Ganwin-dörat Dr. Schwarz-HU! er, GsrnevMrat Dr. PolM*Pvrnan, GanwindemtDt. Plaschk$8,Dr. DHderFriedmannMd Dr. S chwarzntöit«. ■ ■■ ' -i- '.u- 1. Ae HandrM>ertragsderhaM««sek. die im Wie M Korrespondenz Hevwei erfährt, sftcht Wiederaufnahme der Handelsvertragsvsvhandlnngen österreichischen Regierung in der nächsten Zeit bevor. Gegen Ende dieses Monates werden die schon seit langem sorgfältig vovbeveiteten Verhandlungen mit der Tschech o- Slowakei und vielleicht auch bei der Ängsten Belgrader Entrevue vereinbarten Verhandlungen mit Jugoslawien ausgenommen werden. Mit Belgien ist bekanntlich vorläufig ein Abkommen wegen Gewährung der Meisibegünstigut^ getroffen worden. Spezielle Besprechungen mit diesem Lande sind in Aussicht genvamwn. Die Handelsvertragsverhandlungen mit England und Amerika sind beveits so weit gediehe«, daß mit Änam nahen Abschluß gerechnet werden kann. Ueber den besonders günstigen Stand der Handels- und Verkehrsbesprechungett mit Polen hat vor einigen Tagen der österreichische Gesandte in Warschau, Herr Post, gegenüber dem Vertreter der führenden Warschauer Zeitung „Rzeczpospolita" folgende bemerkenswerte Aeußerungen getan: „Die Resultate der Realpolitik, wie auch die äußersten Bemühungen, das wirtschaftliche Zusammenwirken Polens und Oesterreichs möglichst auszudehnen, wurden gleich nach der von der polnischen Regierung in liberalster Weise vorgenornmenen Aenderung der gesamten Export- und ImporOeschräMngen sichtbar, und zwar in der Beschränkung der Zahl der Prvhibitionswarett Mf ein Minimum und in der Unterzeichnung des Haydelsverträges. Ich führe hier nur einige Z i f'f e r n an, die die größte Bedeutung der Han>deksbeziehungen und das Verständnis, das sie polttischetfeits gefunden haben, dartun. Das Jahr 1922 konnten wir düMm überstehett, weil uns Polen große Mengen Kartoffeln und Kohle lieferte. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß im Ichre 1922 Polen die Ausfuhrerlauivnis für 30.000 Waggons Nahrungsmittel erteilt hat. Außerdem war die Einfuhr polnischer Kohle nach Oesterreich sehr, bedeutend. Was das erste Halbjahr,1928 betrifft, so habe ich folgende Ziffern vor mit: Üesteiweich bezog von Polen Kohle im Werte von 37,300.000 Goldkronen, Petroleum im Werte von 4,W.000 Goldkronen mtd Textilwaren aus Lodz im Werte von 2,300.000 Goldkronen. Die Ziffern bedeuten, daß Polen als Exportland nach Oesterreich an erste Stelle rückte." In den nächsten Tagen wird die direkte Verbind duütz der polnischen Staatsbahnen mit den sranzöstschen, schweizerischen und italienischen Eisenbahnnetzen via Men hergestellt werden. Außevdem, sagte der Gesandte, hat die > Awv^eHeit des 'HäNdelsministers Dr. Schür s'f Mld der Vertreter der.österreichischen Jtchustrie eine neue, höchst Moderne Art V0): Verhandlungen inauguriert. Die Verhandkulgctl wurden nämlich nicht nur in Anwesenheit der ^'iüellen fmtfoni mtrfi in ^pvtrewr der PAvatindustrie gsstyrt, wodurch deren Vorschläge sofort in dm Vertrag MfgeWwMen werden konnten. Ferner ist'die EMchtuntz einer dt Leiten Telephon verL in düng Wsrschäv^Wien in aüer-t nächster Zeit btzschlüffen worden. Der Minnngsüustatffch zwischen den Vertretern der polnischen und der östrrrdichischen Regwvuntz hatte als weiteres Ergebnis die AnknüMUg zahlreicher. Handel Beziehungen. Im Frühjahr wevdm wahrscheinlich während der Wretwr Messt die polnischen Industriellen ihre öfter, reichischen Kollegen besuchen. Dom m»«äri?chen ÜaMs-Katholikenkosgrsft. Budapest. 7. Oktober. (Tel. b& „Wiener Morgenzeitung" ) Im Rahmendes hier tagenden Landes-Kacholikentages fand eine Festsitzung der kacholischen StubeNtew statt, an der der Episkopat mit dem Kardinsl-Fürstprimnsi Dr. Csernoch tellnahm. Wpstiicher Protomstar Doktor Wolkenberg hielt eine Ansprache an die Studenten, die die Kreise der faszistischen Rasstttschützlet arg verstimmt hat. Er rief die Jugend zum Kampst gegen die Destruk^ tion auf, möge diese von links oder von rechts, von südi^ scher oder christlicher Seite drohen. Die größte Gefahr st' doch, die der Jugend drohe, komme von der Mte der - politischen Abenteurer. Die Jugend Müsse deshalb rechtzeitig er» kennen, daß einzelne sie als Sprungbrett benützen, daß Wenteurer aus dev Leichtgläubigkeit der Jugend Kapital Wagen und ihren Kamps darch solche Verführung beschmutzen. Das wichtigste sei daher zunächst, die^ Jugend in dieser Richtutig auszuklären «ich vor solcher Abenteurerpolitik rechtzeitig zu bewahren. Diese Rede hat um so größeres Mssthen erregt, als sie in osstnem Gegensatz steht zu den Redeir, die in der öfstnklichen Eröfftmngssitzrmg des KätholikeUtages von den führenden Persönlichkeiten der mrgarläMfchen Kütholiken gehalten wurden. Schon die erste Rede des Päpstlichen Nuntius S ch ioppa Mb. den Takt zu den intransigenteu Hetzreden, dev nachfolgenden Redner an. Der Runtiui» sagte unter anderein, daß der könstssioMle Friede, den die Katholiken wünschen, nicht dLn Glauüensinbifstrentismus zur Folge haben dürfe, der jedoch eimreten müsst, wefm man zuläßt, daß er beb den Zerenlouten zutage trete, bei denen' in bedauerticheinj^ Mischmasch nach der heiligen Neffe und dem Segen des katholischen Geistlichen die Rede und dev Segetr des pwte" stantischen' Pastors und darauf her GichMg des Ta.lmnd^ und der Segen des RaMners der Gynagoge' folgen, w dem MlNtMMach her Bürgermeister dön Mdapest, der in einer Anspielung 'uüf die Jude« diese Äs eine Hürde von Vaterlands- und nationslosen geldgierigen Elementen liinstellte, die nicht an Gott glauben, und ieden,