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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-07 · Heft 1669 (7.10.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1669 (7.10.1923)
Date
1923-10-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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mm MM» fsa *»a« g Wien. Tvnnwg Wiener Morgenzeitung. 7. Oktober 1983 .Nr. 16601 nicht mehr jüdische Mitläufer haben. Die Partei der Demokraten hat noch mt Juni versucht, die Unterstützung ' der ^Union österreichischer Juden" zu gewinnen. Herr S. K o h n sprach im Namen der strenggläubigen Inden seine Bereitwilligkeit aus, die Einheitsliste zu unterstützen. Gemeinderat Dr. P l a s ch k e s wendetsich in seinen Ausführungen gegen die Juden, die christlichsozial wählen, für die das alte Wort passe, nur die allergrößten Kälber wählen ihren Metzger selber. Er forderte den Baumeister Melcher auf, seinem gegebenen Worte gemäß nicht gegen die jüdische Einheitsliste mit dem tvegen seines Antisemitismus aus dem Verein der Architekten ausgeschlossenen Oberbaurat Bauer zu kandidieren. Redner schloß mit der Frage, wie der jüdisch« Wähler am Wahltag zu wählen habe, worauf aus der Menge einstimmig der Ruf: „Jüdisch" erscholl. Nach der mit minutenlangem Beifall aufgenommenen Rede Dr. Plaschkes schilderte Dr. Georg Weiner die Wichtigkeit der Wahrung jüdischer Jnteresien in der Bezirks- Vertretung . und gab seiner Ueberzcugung Ausdruck, daß die jüdische Einheit in Oesterreich auch nach den Wahlen erhalten bleiben müsse. Die ReWmmen. Eim wichtige Aenderuug des Wahlgesetzes für den Nationalrat mriß immer wieder in Erinnerung gerufen werden; sie betrifft die ReststimrnenmanÄate. Bei den letzten Wahlen wurden 168 Mandate im ersten Ermittlungsverfahren vergeben, die ReWmmen aus dem ganzen Bundesgebiet wurden gesammelt und wertere 15 Mandate aus die Reststimmenlisten der Parteien anfgetellt. Nach der neuen Wahlordnung werden die Neststinmren nun nicht mehr im ganzen Bundesgebiet auf einer Reichsliste gesammelt, sondern in vier Wahlkroisvevbänden. Eigene Reststimmen Mandate sind im Gesetz nicht vorgesehen, sie ergeben sich jedoch aus einer Aenderung des Ermittlungsverfahrens in den Wahlkreisen. Die Wahlzahl, das heißt die Zahl, welche anzeigt, wieviel Stimmen für die Erlangung eines Mandats in einem Wahlkreise erforderlich sind, wird in der Weise errechnet, daß die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen durch die um eins vermehrte Zahl der vom Wahlkreis zu vergebenden Mandate dividiert wird. Bei diesem Verfahren werden nur in den seltensten Fällen sämtliche Mandate vergeben. Die erübrigten Mandate und die nicht ausgebrauchten ReWmmen werden nun aus allen Bezirken desselben WahKreisverbandes gesammelt und im zwei len Ermittlungsverfahren nach dem d'Hondtschen Proporzsystem aufgeteilt. Der Wahlkreisvevbaüd Wien.vergibt zum Beispiel insgesamt 45 Mandate in ^Wahlkreisen. Nach -den Ziffern des Jahves 1920 würden aber nur 37 Mandate -beim ersten ErmM« lungsvevsahren ausgeteilt.werden, während neun für das zweite Dkruiinium übrig blieben. Di« Gwßdeutschen setzen beispielsweise in Wien alle ihre. Hoffnungen auf das zlopire Crpkittluugsverfahren, da sie beim -ersten Skrutirnum? a u mein Mandat in Wien erlangen können. Schon.diese Tatsache zeigt die Notwendigkeit, daß die jüdische Wählerschaft, unbekümmert darum, ob in dem einen oder dem anderen Wahlkreise die Bewerbung jüdischer Kandidaten aussichisreich erscheinen mag oder nicht, sich vollzählig bei den Urnen einfinden muß; denn durch die Sammiung der Neststtmmen aus den Wahlkreisen für den ganzen Wahlkrcisverband Wien steigen die Auss i ch t e n, Leim zweiten Ermittlungsvcrfahr cu M a n datc zu erhalte n. Bon interessierter Seite;mtr>: wiederholt schon ausgesprengt, daß die Wahlzi;;eru d:esmal stir di: kleinen Parteien unerreichbar hoch morden wirroen. Dies trifft nicht zu. Im ersten Wiener Wahlkreis wird zum Beispiel die Mahlzahl nicht einmal 17.000 sein und die für ein Mandat im zweiten Ermittlungsverfahren - notwendige Stimmenanzahl dürfte schwerlich 17.000 stark über steigen. Wenn also die jüdische Wähler zcha st - ihre Pflicht tur un-d einhellig ihre Stimmen auf die Listen der jüdischen Wahlge-mein schaff vereinigt, so ist nicht nur ein Mchches Nationalratsnrandat im ersten Dahlgang sich e r, sondern es werden auch noch weitere jüdische Nationalratssitze beim zweiten Ermittlungsverfahren erobert werden. Polen. Zer Numerus clausus der Tat. Lemberg, 6. Oktober. (I. C. B.) Der Rektor der Oemberger Universität empfing eine Delegation der assimilatorischen akademischen Gesellschaft „Zjednoszem'e" und erklärte ihr, die Fakultäten hätten vom Unterrichtsmi-nister Glom binski vollständige Autonomie mit Bezug auf die Aufnahme neuer Hörer erhalten. Bet deit Aufnahme neuer Hörer werden gewesene Soldaten der Pott nischen Armee bevorzugt werden. Rach diesert Immen diejenigen, die eine öffentliche Arbeit zum Borte.! deS Staates geleistet haben, endlich solche Kandidaten, die eine Mittelschule mit polnischer Unterrichtssprache absolviert haben. Wie verlautet, bestehen an den Universi-, täten in Lemberg und Posen bereits Beschrärtt k.ungen in der Aufnahme neuer Hörer. An der Posenev Universität ist in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Instituten der Numerus clausus bereits eingeführt worden. An der Krak auer Universität besteht der Numerus clausus in der me di zinischeu Abteilung. Die weiteren Fakultäten haben noch lerne Beschlüsse gefaßt. Laut „Nzeezpospolita" soll auch schon an Aasländer III., Beatrixgasse 26 Tel. 585 III., Heumarkt 7 erstklassiger Qualität und Ausführung bei CBOJKO Orig. Pariser Modelle in Kostümen, Strassen- und Abendkleidern, Mänteln und Pelzen. Ut KVRNTNERSTRASSE NR. 34 Eingang Maysedergasae 8. WIEN der Lemb erger juridischen Fakultät der Numerus clausus bestehen. kinberusung der Zionistischen Landeskonferenz Kr Sstgalizien. Der ostgalizische Zionistische Parieirat beschloß, die diesjährige Landeskonferenz für den 28. und 29. Oktober einzuberufen. Bei diesem Anlasse soll unter anderem auch das Verhältnis der allgemein Zionistischen Organisation zn den Übrigen Föderationen (Misrachi und Hitachduth) einer neuerlichen Revision unterzogen werden und eventuell durch Schaffung einer interparteiischen Zentralstelle dev Weg zu einer gemeinsamen Palästina-Arbeit mit Ausschaltung der LandeSpolitik geebnet werden. Die Delsgiertenwahlen werden auf Grund der Parteisteuerlisten vöygenommea werden. Neuer Revistonsgesuch im Prozeß Schapira. «.qch.», 5. Oktober. <J. E. B.) M« der I. C. B/- Vertreter erfährt, hat der Rechtsvertreter dex Familie des in Plozk erschossenen Rabbiners Chaim Schapirm Rechtsanwalt Hartglas, beschlossen, gegen das Urteil des Plozker Kriegsgerichtes, < welches ’ das Todesurteil des 1; Feldgerichtes gegen Rabbinet Schapira bestätigt hat, beim Obersten Gericht Re vi s i o n e'mzulegen. Die Linke» fordern die Verringerung der Armee. Warschau, 6. Oktober. (Tel. der „Wiener Movgenzeitung".) In der letzten Sitzung der Seinttommission für j militärische Angelegenheiten haben die Vertreter der linken Parteien in schärfster Weise den KregÄninisteo Szep tyeki angegriffen und seine Demission verlangt. In derselben Sitzung wurde auch die Forderung auf 31 e* dukt ion des Armee stände s mit Hinblick auf die schwere finanzielle Situation des Staates gestellt. Garung unter der Beamtenschaft in Polen. Aus Warschau wird uns gemeldet: Die buchstäblich von Stunde zu Stunde überhand nehmende Preissteigerung der täglichen Bedarfsartikel, der die Steigerung des Dollarkurses im Laufe der letzten drei Tage auf nahezu 700.000 polnische Mark entspricht, hat ganz besonders unter den Fcstbesoldeten im ganzen Layde eine begreifliche Panik hervorgcrufen. Die scharfe Antwort, die Ministerpräsident W i t o s letzthin einer Delegation erteilte, die ihn auf dic verzweifelte Lage der Beamtenschaft angesichts des herannahenden Winters verwies, trägt nicht dazu bei, die Aufregung zu mildern. Die Regierung droht mit scharfen Maßregeln gegen die Führer der Beamtenorganisationen für den Fall irgend welcher Versuche, den normalen Gang deS Dienstes zu stören. Die ursprünglich von der Hauptstadt ausgegangene Bewegung beginnt auch auf Kleinpolcn überzugreifen. Ungarn. Wirtschaft-Verhandlungen. Budapest, 6. Oktober. (Tel. d. „Wr. Movgenzeitung".) Der Evnährunysm'inister B ud ist in Begleitung einiger Sachverständiger in die Schweiz abgereist, um in Bern die Verhandlungen mit der Schweiger Regierung fortzusützen. Es handelt sich diesmal namentlich um den Weinexport und ven Zuchtviehimport. Weiters verlautet, daß die Verhandlungen zwischen Ungarn und Jugoslawien in 14 Tagen beginnen werden. Entgegen den bisherigen Dispositionen dürfte Budapest der Verhandlungsplatz sein. Auch die Wirtischaffsverhaudlungen mit Polen wurden durch Entsendung eines ungarischen Ministerialselretärs nach Warschau wieder in di« Wege geleitet. Es sollen namenrflch Textilwaren gegen ungarischen Wein ansgetauscht werden. Rumövien. Beginn der Rüchtlingsabschievnng kn Beßarabien. Aus Bukarest meldet I. C. B.r Die Behörden habe» mit der gewaltsamen Evakuierung der russischen und ukrainischen Flüchtlinge begonnen. „Aurora" meldet, tag die Behörden bei dieser Maßnahme mit äußerster Brutnli« tät lwovgehen. Es scheint, schreibt „Aurora", daß ein-elu-t Beamte sich aus der Rot der jüdischen Flüchölinge eim neue Einnahmsquelle geschaffen haben. Die Resgievunz müsse auf diese Beamten ihr Hauptaugenmerk lsnkvln. Litauen. Nene Taten der Faszisten. Kowiro, 5. Oktober. (I. C. B) Ungeachtet der strew gen Anordnungen des Innenministers gegen faszist-isch* Exzesse häufen sich U e b e rf alle auf jüdische Passanten in den Straßen Kownos. In Ponie wasch haben die dortigen FaSzisten die Stadtfhnagoge und das Gebäude der jüdischen Arbeiterbank in Brand gesteckt. Palästina. Eine neue Partei der gemMgte« arabischen Mmentr. Jerusalem, 5. Ott. (I. C. B.) Soeben ist die Konzentration der gemäjchgten Elemente der arabischen Bevölkerung zu einer neuen politischen Partei vollzogen worden. Die Partei veröffentlicht ihr Programm, in welchem sie ihre Bereitwilligkeit erklärt, mit der Regierung von Palästina selbst dann zusammen zu arbeiten, wenn auch nicht alle Forderungen» der Partei von der Regierung anerkamit werden. Die Partei lehnt die Balsour-Deklaration sowie die gegenwärtige Verfassung von Palästina ab, erstrebt eine neue Verfassung und die Errichtung einer nationalen gesetzgebenden Körperschaft, fordert die Abschaffung des „Uschur" (Naturalsteuer in Höhe eines Zehntels von Getreide, Früchten und Gemüsen) und die Einführung de- Schulzwanges. __ Rundscha«. Revolution in Portugal. Rom, 6. Oktober. Dir Blatter berichte» anS Madrid, daß in Nordportugal eine Revolution ausgebrochen, das Kriegsrecht prvklam i e r t und ein Eisenbahner st reik ocklart worden sei. Die Rvolutio« gehe von der konservative» Opposition aus und richte sich gegen den Präsidenten Gomez, der heute die Regierung übernommen hat. In Lissabon seien einige Bomben geworfen Word«». Die Verbindungen seien unterbrochen. Amerika und die interalliierten Schulden. Washington, 5. Oktober. Der Präsident der Vereinigten amerikanischen Bankiers hat angekündigt, daß er eine Kampagne für die Erlassung der i n t c r a l l i i e r t e n Schulden ein« leiten wolle. Im Weißen Hause wird hierzu erklärt, die Finauzverwaltung sei nach wie vor gegen jedwede Erlassung dieser Schulden, sie beabsichtige i-ndeffen keineswegs, die Schuldner zu drängen oder die Rolle eines unzugänglichen Gläubigers zu spielen. Die Frage bleibe also weiter von den Verhandlungen über die Zahlungstermine und die Zinsen jener Schulden abhängig. Tie militaristische MM. Konstantinopel, 6. Oktober. Durch eine Proklamation werden die Altersklassen 1914 bis 1918 für drei Jahre einberus: n. Diese Maßnahme erstreckt sich auch auf das Gebiet von Ko n sta n ti n op el. Die christlichen Staatsangehörigen werden sich durch Zahlung einer Steuer von 300 türkischen Pfund jährlich befreien können. Auf der Brücke von Galata. London, 6. Oktober. Das Neutersche Bureau meldet aus Konstantinopel: Die Zollabgaben auf der Brücke von Galata, die der türkischen Nationalbank als Sicherheit f ü r e i -n e A n l e i h e verpfändet worden waren, sind gestern von der Polizeibehörde beschlagnahmt worden. Die Behörde behauptet, daß die Zahlung für den S:ptembcr bereits vollzogen sei. Lloyd George in Amerika. New-?)ork, 6. Oktober. (Tel. t‘. „Wr. Morgenzeitung".) Lloyd George ist gestern vor mittags in Begleitung von Frau und Tochter in Ncw-'Aovk angekoinmen. Ei wurde von du: Netv-Dooker Behörden offiziell empfangen uind von einer großen Menischeumenge, die ihn erwartete, mit Jubel begrüßt. Im Hasen ertönten alle Schisfssirener als Millkomnrengruß. Die Straßen, die das Auto ans dom Wege zum Rathaus durchfuhr, waren reich beflaggt. Im Rathaus fand der offizielle Empfang statt. Hochfeine Stoffreste für Anzüge, Modehosen, Winterröcke, Kleider, Kostüme und Mäntel infolge kleiner Regien am hi Hissten hei EBBT Kann & Fried Vi.. Linke Wien- «i!lc 4".I'ofc

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