Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1669 (7.10.1923)
- Date
- 1923-10-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1869_ Wien, Sonnig 1 rr77Tr""’ ' Wiener Morgenzeituirg. Misch- «lchlg-mmschch. Wählerversammlungen. Heute Sonntag. T. Bez., Metropol-Theater (Vergnügttugspavk), halb 10 Uhr vormittags, Massenversammlung. Redner: Gememderat Dr. Schwarz-Hille r, Dr. I o l l e s, Gemeinderat Dr. Plaschkes und Overbaurat S t r i ck e r. G. Bez., L i l i c n b r u u n g a s s e 18, „G e m i l a t C h esed", halb 6 Uhr nachmittags. Redner: Bezirksrat P l a s ch k c s tttib Herr Schwcrtfinge r. I. Bez., Floßgasse 0, „O hel Jakob", halb 0 Uhr nachmittags.. Redner: Schulrat Torczh n e r und Herr Nebenzah l. Montag den Oktober. % Bez., Malzgasse. E! isabethbei m, halb 8 Uhr abends. Redner: l^emeiuderat Dr. Plaschkes, Ing. Rob. Stricker, T r. L ö w c u h e r z, öe* msinderat Dr. Ehrlich. 9. Bez., Währingerstraße 67, Restaurant Pohl, halb 8 Uhr abends. Redner: Dr. Pollak-Parnau, S. Fleischer, Sekretär der Union, und Prokurist Salo S ch m e r l e r. 80. Bez., Gaußplatz 7, C a s c „N e p t u n". Redner: Herr Salo S ch nr erler, Dr. Plaschkes, Ingenieur Stricker und Dr. S ch w a r z - H i l l e r. Dienstag den 9. Oktober. 8. Bqz., AusstelIungsstraße 86, Restauration Gabriel „zum Radfahrer", halb 8 Uhr abends. Redner: Dr. Plaschkes, Dr. Körner und Karl Fuchs. S. Bez., Glockengasse 30, Bolksbibliothek „Zion", halb 8 Uhr abends. Redner: Dr. Gelber und Julius Lölvy. t. Bez., Große Schifsgasse 3, Hotel Barschak, halb 8 Uhr abends. Redner: die Herren Neben zahl, Ehrlich rmd Dr. Plaschkes. 8. Bez., Praterstraße 60, Cafe „Orient", halb 8 Uhr abends. Redner: die Herren Nebenzahl, Ehrlich, Pros. Avdur Freud und Dr. S chwarz- Hlller. «. Dez.. Löwenaasse 39. Cafe Ilion, halb 8 Uhr «bWdS. Redner: Hofrat Dr. Riesenfeld, Gemeinderat Dr. S ch wa r z-H i l l c r, Oberbau rat Rob. Stricker. 8. Bez., Alserstraße 15. Cafe Schlösselhof, halb 8 Uhr abends. Redner: Dr. Desider Friedm a n n, Gemeinderat Dr. Bruno Pollak- P a r n a u, Sekretär Siegfried Fleische r. 9. Bez., Seegasse 20, Restaurant, halb 8 Uhr abends. Redner: Dr. S ch a l i t, Paul Frischauer, A. Schwertfinger, Dr. Löwenherz. Mittwoch den 16. Oktober. 2. Bez., Taborstraße 8, Restaurant Central, halb 8 Uhr abends. Redner: Dr. Löwen her z, Doktor Waldmann, Dr. I o l l e s und Dr. Körne r. 7. Bez.,H ermanngasse 34-38, Saa l der Bezirksvertretung, halb 8 Uhr abends. Redner: Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Markus Fischer, Sekretär Siegfried Fleischer, Doktor I m m erglück und Dr. S. D e f r i s. 9. Bez., Sch warzspanier st raße 15, Restaurant Hütter. Redner: Gemeinde rat Dr. Pollak- Parnau, Dr. Schalit, G.. Weiner und A. Schwertfinger. Donnerstag den 11. Oktober. 3. Bez.. RadetzkV st raße 21. Restaurant Littm a n n. halb 8 Ubr abends. Redner: Gemeinderat Dr. Plaschkes, Dr. Desider Friedmann, Dr. Jakob Ornstein, Hofrat Dr. Rresenfeld. 6. Bsz.. Königseaaasse 10. Saal des Verba n d s h e i m s, halb 8 Uhr alben^s. Redner: Doktor Jakob Engel, Qberbaurat Stricker, Baurat Dr. S. Defris, Sekretär S. Fleischer und Markus Fr scher. Samstag den 13. Oktober. 7. Bez., Mariahilserstratze 124, Restaurant Reiß, halb 8 Uhr abends. Redner: Gsmeinderat Dr. P l a f chkes, Dr. A. Immerglück, Dr, Ing, Desris und Markus Fischeri Die Wahlbewegung. Sk Mische« Versammlungen ln der Brigitten««. Wir wir gestern mitterlten, haben die Gemeinderäte Pokornh und Mihal als Vertreter der sozialdemokratischen Bezirksorganisation des 20. Bezirkes in einer Aussprache mit dem Gemeinderat Dr. Plaschkes erklärt, daß sie die am Donnerstag abends erfolgte Störung einrr jüdischen Versammlung durch Mitglieder des republikanischen Schutzbundes mißbilligen. Den gleichen Standpunkt nahmen gestern die sozialdemokratischen Bezirkssunktionäre der Brigittenau bei einer wiederholten Konferenz mit Dr. Plaschkes ein. Es ist von sozialdemokratischen Seite alle Vorsorge getroffen, nur einem ähnlichen Zwischenfall in Zukunft vorzubeugen. He»te S«n»t«z, den 7. Sltober«« 1/210 ttfji mmiW im Metropol-Theater, 11., Vergnügungspark Mische RcheWersmnmwug «Referenten: Dr. Falles, Ir. Plaschkes, Iottor Schwarz-Siller, F«g. Rob. Stricker Sine Massenversammlung im ffenttal-Saale. Im großen Saale des Restaurants Central, Tabor« straßc, wurde gestern abends eine Wählerdersammlung der Jüdischen Wahlgemeinschaft abgchalten, die einen derartigen Massenbesuch aufwies, daß Hunderte Personen keinen Einlaß mehr fanden. Ms erster Redner besprach Gemeinderat Dr. Plaschkes, stürmisch begrüßt, die Leistling der jüdischen Gemeiuderatsmandatare, welche stets die jüdischen Interessen mutig verfochten und jeden Angriff abgewehrt haben. Wir anerkennen den deutschen Charakter Wiens, aber nicht die deutschnationale Hebe. Wir haben es abgestellt, daß in öffentlichen Konkurrenzen die „deutsche Nationalität" gefordert wird, aber unter dem sozialdemokratischen Regime ist die Zahl der j ü d i s ch e n K o m nt u n a l b e a m t e n n o ch g e r: nger als unter den Christlichsozialen. Unsere Position wird von den nichtsüdischen Sozialdemokraten viel mehr gewürdigt als von den jüdischen, die sich nicht gente zu erkennen geben. Wie notwendig jüdische Mandatare seien, beweise unter anderem der Urystand, daß. d« DriZglichkeitSantrag gegen die Förderung der Hakenkreuzler durch den JMlstriellenverband nur die drei Unterschriften der jüdischen Mandatare trug, weil die Sozialdemokraten nicht m i 11« n wollten nnd sich erst bet der Begründung der Dringlichkeit entischließen mußten, für diese einzutreten. Redner bespricht die antisemitische Praxis Sever 8, die Heimatsrechts« Praxis des Stadtrates Richter, der jüdische Proletarier verhöhnt habe, und schließt mit der Aufforderung, geschlossen für die jüdische Liste zu stimmen. ljStüvmischer Beifall.) Gemeinderat Dr. Schwarz-Hiller besprach zunächst die Vorgänge in der Kriegszeit und die gewaltigen Kriegsopfer des Judentums. Jetzt suche man die Schuld einzelner zu verwischen und das Judentum für den Krieg verantwortlich zu machen. Diese antisemitische Bewegung habe auch in jene Parteien Eingang geifunden, welche die demokratischen Freiheit schützen sollten, so daß ihnen ihre jüdischen Parteigänger zur Last geworden seien. Wenn die „bürgerliche Einheitsfront" der Hakenkreuzler mit den „demokratischen" Juden nicht zustande gekommen sei, so seien nicht diese Juden daran schuld! Aus der Erkenntnis der antisemitischen Gefahr hat sich in der Wiener Judenschaft die allgemeine Einigung vollzogen. Wenn es möglich ist, daß in dieser aufgewühlten Zeit ein sogenannter freiheitlicher Vertreter sagen konnte, daß die Schieber und Bolschewiken in der überwiegenden Mehrheit Juden seien, so haben wir daraus erkannt, daß wir die Vertretung jüdischer Interessen nicht anderen Leuten anvertrauen können. „Nur ein Jude wird in der Lage sein, mit jener Kraft für seine Volksgenossen zu sprechen, die not tut." Diese sogenannte demokratische Republik ist noch so undemokratisch, daß sie eine Wahlordnung geschaffen hat, welche auf die Herrschaft zweier großer Parteien zngeschnitten ist; darauf aber wird die jüd i s che Ges chlossenh -eit die Antwort gebet: müssen. Wenn alle jüdischen Wiener ihre Pflicht tun, dann werden wir Erfolg haben! Die Jüdische Wahlgemeinschaft hat aber noch eine andere Bedeutung: in der jüdischen Geschichte sehen wir, daß es oft die Uneinigkeit war, die dem Feinde Gelegenheit gab, Bresche ins Judentum zu schlagen. Diese Uneinigkeit wollen wir aus der Welt schassen! In einer Frage sind wir eines Sinnes, ob wir jüdischnational sind oder nicht: das ist die z i o n i st i s ch e Frage, und unsere Einigkeit wollen wir in Zusammenhang bringen mit der Jewish Agency, welche das gesamt» Judentum der Welt vereinigen soll. Redner wendet sich gegen die Behauptung, als ob er ein Vertreter des Kapitals oder der Großbourgeoisie sei; er habe erst letztens öffentlich ausgesprochen, daß das Wiener Bürgertum den Kamps der Entrechteten nicht 7. Oktober 1923 Seite 8 Schuhel MODELLHAUS Julius Krupnik VII., Kaiserstrasse 111—115 VORNEHME KLEIDER KOSTÜME HXNTEL PELZE | 383 Wegen Umbau und Raummangels nur noch kurze Zeit nie wiederkehrend; billige Preise! verstanden habe. Was die Stellung der Juden zum Staate anlange, so haben diese im Kriege die größten Opfer an Gut und Mut gebracht und werden weiter Opfer bringen für den Wiederaufbau, um herzust-ellen, was andere zerstört haben. Aber dabei fordern wir die volle Gleichberechtigung! Mit einem Appell, am 21. Oktober geschlossen für die jüdische Liste zu stimmen und der antisemitischen Front die Front des geeinigten Judentums entgogenzustellen, schloß Redner unter lautem Beifall seine Ausffchrungen. Dr. Löwenherz unterzog die B ürg'e rli ch -dem okratisch e Partei einer scharfen Kritik. Charakteristisch für sie sei das von ihrem Kandidaten Melkus ausgesprochene Bedauern, daß es nicht zwischen ihr und i>en Antisemiten zur Einigung gekommen sei! Die Juden, welche das Programm des „Untertauchens" verkündet haben, wie Ballin, Rathenau, Harden, haben Schiffbvuch erlitten, nur eine Politik des offenen jüdischen Bekenntnisses kann der jüdischen Sache dienen! Redner weist auf die Tätigkeit der zionistischen Führer Weizmann nnd Sokolow hin, die von den katholischen Mächten das Palästina-Mandat erlangen konnten. (Stürmischer Beifall.) Auch alle anderen Bersanrmlnngen, so im jüdischen Veremsheim, Herklotzgasse, wo Stricker nnd Doktor Friedmann sprachen, im Cafe Industrie, Porzellan- ,gaffe. (Redner: Gsmeinderat Dr. Pollak-Parua^ Dr. Ornstein, Dr. Schwarz-Hiller und DMor Plaschkes), R sstauvant E h r l i ch h o f, KlofterNsuburgerstraße (Nebenzahl, Dr. Waldmann) sowie die Versammlungen in den Bethäusern hatten einen vollen Erfolg auffzuweifen und wiesen einen wahren Massenbesuch auf. Die Reden wurden allenthalben mit größter Begeisterung ausgenommen. Maffenversammlung im Alsergmnd. Die für gestern abends in das Cafe Industrie einbernfene jüdische Wähleroersammlung wies einen derartigen Massenbesuch aus, daß gegen 8 Uhr das Lokal von der Polizei gesperrt werden mußte, da der Saal bereits überfüllt war. Gsmeinderat Dr. Bruno P o l l a k - P a r n a u setzte sich als erster Redner mit den kandidierenden Parteien auseinander. Es gibt jüdische Wähler, sagte er, die in Anerkennung der zweifellos verdienstvollen Tätigkeit des Bundeskanzlers Seipel um das Sanierungswev! vergessen, daß Dr. Seipel nur das Mshängeschild zu der Arbeit, die wesentlich auch von Inden, wie Dr. Rosenlberg und Sektionschef Schwarzwald, geleistet wurde, ist, und andererseits das antisemitische Programm nur zeitweilig suspendierte, Herrn Jerzabek an die Ketten legend. Aber auch die Sozialdemokratie vergißt es niemals, das so populäre Antisemiteln zu benützen, wenn es sich um taktische Erfolge handelt. Bon sozialdemokratischer Seite nannte man uns ja Hakennäster, und man bekundete bei jeder Gelegenheit eine Gehässigkeit, die dem besten Antisemiten zur Ehre gereicht hätte. Die Sozialdemokraten brauchen eine jüdische Gouvernante, die ihre reaktionären AnwaMungen verhindert. In Wien gibt es mehr als hunderttausend jüdische Wähler, und wir müßten mindestens sechs Mandate im Nationalrat erhalten, wenn nicht die reaktionäre Wahltaktik der Sozialdemokraten nnd Ehristlichsozialen uns in unseren staatsbürgerlichen Rechten schmälern würde. Darum muß unsere Parole lauten: Juden, wählt nur Inden! (Stürmischer Beifall.) Dr. Ornstein führte sodann aus: ChrisMchsozial zu wählen, sei bei einem Juden Äs Prostitution zu betrachten. Da es trotzdeitt solche Gesinnungslumpen geben soll, muß man sie der öffentlichen Verachtung preisgeben. Nicht viel besser ist es um die sozialdemokratisch wählenden Juden bestellt. Die Plakate dieser Partei und ihr Matt beschimpfen das Judentum und wecken ebenso niedrige Instinkte der Massen wie die gleichen Propagandamittel der Hakenkrenzler. Bei diesen Wählen dürfen die Sozialdemokraten JEDER WÜKHLE für den Einkauf von Stoffen für die Herbst- und Wintersaison: Damen- und Herrenwäsche, Bett- und Hauswäsche, Strickwaren, Teppichen, Vorhängen etc nur aas bekannt verlässliche u, billige rSchifhnann II., TaborstraBe 48 Telephon 47-1-79 En gros En detail I