Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1665 (3.10.1923)
- Date
- 1923-10-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, Mittwoch ffiHettc* Morgen-eUmrg. Unaufgeklörte „Zwischenfälle". Wegen Reinerer Zwischenfälle und Raufexzesie in der (Gemeinde St. Martin bei Klagenfurt fand, wie amtlich mihgeteilt wird, am Sonntag in Weidrnannsdorf bei Klagenfurt eine Aktton angeblich bewaffneter Arbeiter gegen Hekmatschutz- Angehörige staft. Die diesbezüglichen Erhebungen sind noch nicht abgeschlossen. . : Im Zusammeirhang mit diesen Vorfällen kam es g estern nachtL in WeidmannLdorf neuerdings zu Zusammenstößen zwischen Gruppen von Heimatschutz-Mihglledern und Arbeitern, wobei . zwei Personen durch Schüsse verletzt wurden. Die Ordnüng wurde durch die Gendarmerie in kurzer Zeit wieder hergestellt. Auch in diesem Falle sind Erhebungen im Zuge und die Schuldtragenden werden den Gerichten überantwortet werden. Zur Klärung der Vorfiille und zur Hintanhaltung ihrer Wiederholung fanden gestern nachmittags bei drr Kärntner Landesregierung unter dem Vorsitz des Landeshauptmannes und seiner beiden Stellvertreter Besprechungen zwischen Vertretern des Heimatfchutzes^ 'und der Arbeiterschaft statt. Sie hatten das Ergebnis, daß von beiden Seiten versprochen wurde, einer Wiederholung derartiger Vorfälle vorzubeugen. Das Begräkmir des Ssikrs. SpAern, 2. Oktober. (Originalbericht der „Wiener Morgenzertun'g"-) Unter sehr großer Beteiligung der verfcheedmsien fozialvemokratischen Organisationen aus Spillern und Korneubuvg und Deputationen aus Wien fanheute das Leichenbegängnis des am Samstag von den Hakenkreuzlern ermordeten Arbeiters Franz Kovarik statt, das sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung gegen das Unwesen der haken k reu zlerische n Mord buben gestaltete. Namens der Sozialdemokvatrschen Partei hiejlt Abg. P ö l z e r euien Nachruf. Der Aufmarsch, an dem sich ungefähr 10.000 Pe rsoren beteÄigten, verlief in vollkommenster Ordnung "nd Ruhe. In Stmkeraü darf kein Hakenkreuz getragen werden. Der Bürgermeister von Stockerau, Rösch, hat gestern Üa5 Tragen von Ha ke »kreuze n im Bezirk Stoüerau, zu dem auch Spillern gehört, verboten. Der Bürgermeister stützt sich hierbei auf den § 26 der G-'meindeovdnung, der sich auf die A u f r e ch te r h a ltung der Ruhe und Ordnung im GemeinVogebiet; bezieht. Die Wachmannschaft im Bezirke ist beauftragt, jeden zu verhafte n, der mit dem Hakenkreuz angetroffen wird. Die BevAkenrng wurde mittels Plakate von den getroffenen Maßnechmen in Kenntnis gefetzt. Tagesbericht. Zionistischer Partekrat. Heule, 6. Uhr, dringender außerordentlicher ParkEkrat. Ort: 2. Bez., Taborstraße 20a. Die Lohnbewegungen. Leendignng der passive« Resistenz in den Theatern. Die Differenzen zwischen den Schauspielern und den Direktoren sind noch nicht beigelegt. Wir haben gestern durch Ziffermnateriak belegt, wie berechtigt die Lohnforderungen der Bühmnangcftelüen sind. Durch Vermittlung des Regierungsvertreters Dr. RenKn ist es nun im Laufe des gestrigen Nachmittags gelungen, die Aufhebung der passiven Resistenz seiten s. der Bühn erlange st eilten zu erwirken. Dadurch ist die Möglichkeit neuer Verhandlungen zwischen Direktoren und Bühnenangehörigen gegeben. Diese Verhandlungen werden hoffenttich für die Büchnenangestellien Mnstig verlaufen. Beilegung des Streiks in der Herrenmaßschneiderei. Gestern früh wurde auch m dm etwa 1500 Betrieben, deren Meister dem Verbände der Herrenkmldenischneidermerster Wiens angehören lwrtfb welche bisher die Forderungen der Arbeiterschaft nicht bewilligt hatten, die Arbeit sowohl von den Gehilfen als auch von den Stüänicistern nach vierzehntägiger Streikdauer wieder ausgenommen. Der Chauffeur streik. Der Streik der Chauffeure bei den drei großen Autotaximrternehmungen dauert unverändert fort, da die Unternehmer die Forderungen nicht bewAigi und auch alle Verhau d l u n g e n a b g e l e h n t halben. Ullgefähr 800 Chauffeure sind entschlossen, den Lohnkampf bis zur Erfüllung rhrcr Forderungen durchzuführen. Drohender Streik in der gesamten Konfektionsindustrie. Die Stückmeister der gesamten Konfektionsindustrie Wiens drängen auf den Abschluß ihrer seit Juli währenden Lohnbewegung. Sie fordern eine 100prozentige Erhöhung der derzeitigen Stücklöhne.' Die Stückmeister verständ'gten ihre Organisation, den Reichsverband der Schneidermeister Oesterreichs, daß sie die Arbeit niederlegen würden, wenn nicht in der laufenden Woche eine Entscheidung in de.m Loihnstreit erfolge. Meuterei. Zwei Infanteristen des Bundesheeres standen gestern wegen Meuterei vor dem Richter. Meuterei ist ein schweres Verbrechen, das in der alten Habsburgevarmee mit schwerem, langjährigem'Kerker, im Kriege sogar mit dem Tode ^bestraft wurde. Mt dem Umsturz verschwand nebst vielen anderen -Herrlichkeiten der Monarchie auch die alte Armee mit ihrem Kadavergehorsam, mit ihrem Drill und mjt all den Ansichten, die für die neue Zeit ihre Geltung,verloren Hütten, Und das war Mt so. Oesterreich ward «in kleims armes Maatswesen, das mentandem mehr gesähvlich werden ^nnte, und für das sich von jelbjt alle kriegerischen und militärischen Aspirationen verboten. Aus dem, was von der k. u. k. Arnrse übrig geblieben war, entistand das österreichische Bundesheer, in das nielmand mehr gepreßt werden könnte und mit einem unter der Kerkevdrohung erzwungenen Eid au Wichten gebunden wurde, die ihm in der Seele zuwider waren - Die Bürger dieses Staates, die; Zeit ihres Lebens für die Erhaltung des .Heeres und der Foltte, dem Instrument machtgieriger Wahn.sinnspolitiker, hatten .Stvpery zahlen müsien, waren mit d^r Neuovdnuinig Vor Mnye im Grunde genommen einverstanden. Rur die gewesenen Offiziere konnten sich nicht damit befreunden, daß Ver Mann mit einem Schlage aus einem willenlosen Werkzeug ihrer Willkür zum derckenden Menschen gemacht wurde, daß er nicht mehr einfach „das Schwein, der Hund" war, den man anband und -mit Arrest bestraft«, wenn der Herr Hauptmann schlecht gefrühstückt hatte. Es war ein schwerer Schlag für die alte k. u. k. Offiziersschneidigkeit, daß die Soldaten durch ihre Soldatenräte und Vertrauensmänner über ihr Schicksal mitbestimmen -irrsten rrnd daß aus der glorreichen Armee einfach eine Gewerkschaft geworden war, in der das Soldatsem ebenso als Arbeit angesehen wurde -wie ei'Uxt die Arbeit an der Drehbank oder am Webstuhl. Das war ettvas, was das enge Qsfiziershirn nicht begreifen konnte und bis hsu-te noch nicht erfaßt hat. So kam es, daß fort dem Bestehen des Bundesheeres die Gerichte wiederholt über sogenannte „Meuterer" zu urteilen -hatten und daß auch gestern wieder zwei Angehörige der Wehrmacht unter dieser Anklage standen. Herr Vauooin, der „SoldatLNvater", ist eben bestrebt, den „Herrctt Offizieren" neben dem so lange entbehrten Säbel, den silt>ernen und golderren Aehsejlfpangen und ähnlichen Attributen ihrer Stellmrg, auch die Macht wieder zu geben, die sie c'.nst — wo sind V» Zeiten — hatttn. ,Forschen und werterdienen!" Das soll nach und wach die Devise des österreichischen Bundeshqeres werden. Wer sich gegen die politischen Ansichten des Herrn Hauptmanns Laudenbach ausspricht, ist ein Meuterer. Denn der Herr Haupinrann weiß cs sehr wühl, was seinen Soldaten frommt, e r bestimmt die Bücher, die six lesen dürfen. Und wenn den Leuten die LeiMre „Die Weisen von Z i on", Vre der .Häuptling für die geistige Fortbildung des Mannes ttefteit de>m Exem/rerreglement für besonders geeMet hält, nicht gefällt, so sind sie Meuterer. Denn für die Laudenbachs hat der Manu keiin anderes Recht ÄS — kuschen und dienen ... g. Trüber, regnerischer Wetter. Gestern vormittags hat die Bewölkung in Oesterreich nachgelassen. Die Mittagstemperaturen waren in ganz Mitteleuropa tiefer als vorgestern. Voraussage: vorwiegend trüb, zeitweise reg n erisch, kühl, leibhafte westl'che Winde. * Fürsorge für erholungsbedürftige Angestellte. Das Gremium der Wiener Kaufmannschaft hat, wie wir erfahren» den Betrieb seines Gsuesungsheims in Gießhübl derart erweitert, daß durch d'efes die Geisundung und Echolung für einen überaus weiten Kreis von Angestellten für die nächste. Zukunft gesichert ist. Dieser Belrich ist ausschließlich als Wohlfahrtsunternohmen gedacht «nid die lediglich als Spesenbeitxag berechnete Auscnthattsgedühr derart niedrig, daß nun selbst di« ärnchen AngGcllten sich eine Echoluna in diesem «enÄmrasdetm gönnen könnet 3. Oktober 1923 _? ■ ghvfW Mitteilungen aus dem Publlüt«. Möbelfabrik J. Spira Feine Will, III, Mll»>IN»IUI 1~3 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Kart Schweighofergasse alter Art, für Damen u. Herren, in eigener Werkstitte feinet atttgeffibrt zu billigen Elnführungsprelsan "M> A.Teitler, II., Schmelzgat se6 Moderafeta-nngen prompt tud dlMg! Gestern, Dienstag den 2. Oktober, ist während de- Betens tu» 'Polnischen Tempel, II.» Leopoldsgafse, einem Angestellten seiv schwarzer Regenschirm in Verlust geraten. RedlicherFlnder wird ersucht: denselben beim Schalter der „Wiener Morgenzeitung* ahzugebev * Dr. Josef T. Bloch. Das Leichenbegängnis des verstorbenen ehemaligen RcichsratSabgeordneten und. Herausgebers der ,L)esterrieichischen Wochen-schrift" Dr. Josef S. Bil och findet Dan-nerstag den 4. d. um 11 Uhr vormittags am Zentraifviedhaf, 3. Tor, statt. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine^ sind entgeltlich.) * Tanztnftitnt Kermann Brann, 14. Bez^ Aei«- borfgasse 42. * Alle Hausfrauen rufe» i« Lh»r r „ Die beste Seife ist Kagor." Vereine. Vorträge und Bersammlnnge». Iugendre-ferat. Donnerstag, 7 Uhr abends, S. Bez, Taborstraße 20 a. Sitzung der Vertreter der J-ugendgruPpen. Jahresberichte der Jugendgrupgen und Verein« mttbrmgen. — Handelsvertreter - Zusammenkünfte des RrichSschutzbundes der Handelsvertreter in Oesterreich vom 6. d. an allwöchentlich, halb 3 Uhr nachmittags, im Handelsmuseum. 9. Bezirk. Berggafse Nr. 1b. — B e rsammlnng der Bukowinaer Sonntag. 9 Uhr vormittags, im großen Saale des Hotel Stephartt«, 2. Bez., Taborstraße. — Zionistische Bezirkssektion Landstraße. Demnächst werden hebräische Sprachkurse eröffnet. Zunächst ein Kurs für Erwachsene. Teilnehmer melden sich yeute^ 8 bis 10 Uhr abends, im Cafe Ilion, 8. ©eil., Löwengasse 39. — Jüdische Tischgesellschaft Landstraße. Heute, 8 Uhr abends, im Cafe Jliyn, 3. Bez.. Löwengasse 39,„.., Borttag Dr. I. Klaber: ,I!eue Wege der Jngenderziehung". " Gaste willkommen! ' ' Leopold st ädter Volksheim, 8. Bezirk, Zirkusgasse 48. Heute Beginn folgender Kurse: 7 Uhr: Historrsche Gesellschaftslehre. Geschlchbe Europas seit 1848. Geschichte der deutschen Sprache. Vergleichende Kunstbetrachtung. Allgemeine Krankheitslehr«, Italienisch 1, Englisch 3. Tschechisch 1. Raumlehre, Zeichnen und Malen. 8 Uhr: Lektüre von Rankes Werken, Musikgeschichte. Rassenkunde, allgemeine Vererbungslehre, Italienisch 2, Tschechisch 2. Urania. Heute, halb 3 Uhr (Großer Saal):' Schülervortrag: Die Nibelungen. Kinematogramme. 8 Uhr (Großer. Saal): König Dachstein. 5 Uhr (Kurssaal): Reg.-Rat Prof. Rudolf L arisch: Unterricht in ornamentaler Schrift, n. Halb tz Uhr (Kleiner Saal): Priv-Doz. Dr. Rudolf A l l e r s: Nervosität und Nervenkrankheiten, ll. 6 Uhr (Klubsaal): Univ- Lektor Ferd. M a t r a 8 r Vortragskunst. V. Halb 7 Uhr (Knrssaal): Oberstlt. Edmund G l a i s e-H o r st e n a u r Politische und militärische Geschichte des Weltkrieges. I. Halb 8 Uhr (Großer Saal): Humor in der Musik. Halb 8 Uhr (Kleiner Saal) r Prof. .Dr. P. A. V 8 l l m e ck e r Neapel. Hall 8 Uhr (Klubsaal); Gisela K r ü k l t Die Erreichung gesunder Tonbildung. V. 8 Uhr (Knrssaal): Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Baut» Grundlagen der Geschichtswissenschaft. IV. — U r a tt i a-B üch erst n b e von 8 bis 6 Uhr geöffnet, Uranravortröge über Segelflug. Anläßlich der Ersten österreichischen Segeibstugwoche, die in der Zeit vom 16. bis 21. d. abgehMen wird, firwen in der Urania am 10. und 16. d. AusklärungSvorträge mit Fllmvorifühvung statt. Am 10. d. spricht der ,hervorragende Frankfurter Metvoroli-oae Dr. Waller Georgäi, der be>i den Rhönftügsn der sportlichen Leitnu-g und dem Wetterdienste vorstehl, über „Das Problem des Segeffluges und seine ZiÄe". Baurat Ing. Richard Kahmayr wird am 16. d. über das Thema „Der motovloje Flug" sprechen. Beide Vorträge sinden im Großen Saale der Urania um halb 8 Uhr abends statt. Heute beginnt der Kartenvorverkauf für die Segelflugwoche im Sekretariat, 3. Bez., -Landstraße HalchKraße 1, trnd bei Kohlendorfer. 1. Bez.. 'Krugerstraße 3. Bühne und Kunst. Kleists „Penthesilea" im Aurglhroter. In der am Samstag den 6. d. im Burgcheater statt* findenden ersten Aufführung vow Kleists „Penthesilea" wird zum ersten Male die symphonische Dichtung „Penthesllea" vost Hn.go Wolf mit der Darstellung des BÜhnentverkes verbu.nden. Bo.r Beginn des ersten und driften Aktes werdet: die Hauptteile der Musik durch das der-- stärkte Burgcheaterorchester gespielt werden. Die Bühneneinrichtung, des Burgtheaters teilt die Kleistsche „Penthesilea", die vom Ächter in fortlaufender Szenenfolge geschrieben ist, in drei Akte und läßt die Verwandlungen auf zwei ^verschiedenen, niehrsach wechselnden Schauplätzen sich abspielen Hakenkreuztüm in der polnifchen Kmtft. AuS Wavschw 'wind uns berichtet: An ein«rm jüdischen KorWü sollten, agch, die pdnischeu Künstler'Parnel ürch PawliSzezew tMteynvew K->rz Vor Beawn des Konzerts erklärten die Genormten^daüüe