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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-02 · Heft 1664 (2.10.1923) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1664 (2.10.1923)
Date
1923-10-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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«öTßitcK Morgenzertung. S: Owder l\m Nr. 1661 » «rm. 27rens«g Nachfolgende Nötigt» bis zu der Rubrik „Vereine" find entgeltlich.) * Tanzinslitul «ermann Braun. 14. Dez.. Aelndorfgasse 42. * Die geSnöerle Telephonnummer der Rennweger Garage. G. m. b. H., 3. Bez., Rennweg 05 a, lautet lmniuefir 74*40*7. Berefae, BortrSge «ad Versammlungen. Die Z i o n i st i s ch e B e z i r l S s e k t i o n 2 a u dsiratze eröffnet demnächst hebräische Sprachkurse. Zunächst ti^ff Aftt €3ht4*& (TV» fw? .. u. » .. 1..3 O...i.-.. __?. _ liaj-e ^juuir, o. -<:oweiiga>ie schreibungen vorgenommen toerdcn. Vereinigte hebräische Schulen. Die Schulen, ■2. Bez., Große Mohrcinzasse 16, nnd 20. Be;., Othmargassc 16, sind wieder eröffnet. Das Schulgeld ist minimal. Anmoldungen für Kinder und für Erwachsene, für Anfänger ltitb Fortgeschrittene täglich von 5 bis 7 Uhr abends, Sonntag von 9 bis 12 Uhr vormittags. Zion. Sektion Z wische n b r n ck e n. Mittwoch, 7 Uhr abends, in Mosers Gasthaus, 20. Be;., Dresduerstraße 51. S i m ch a i Thora-Feier. Festrede: Gemcinderat Herr Tr. Plaschkes. Kunstkräftc von der Freien Jüdischen Bühne. und morgen um 8 Uhr früh Hakafoth von der Jüdischen Volksbioliothck Zion, Ahnwath-Zion und anderen veranstaltet. Hitachdnth. Donnerstag den 4. d.. halb 6 Uhr, Waad- Sitzung, 2. Bez., Mockengasse 80. C h u g I w r i, 2 0. B e z.. Karl M e i ß l - S t r a ß c 5. Heute, 3 Uhr, Mitgliederznsammenknnft. Vorlesung: - Herr Kühn, aus eigenen Schriften, dann Besprechung wegen des .Hebräertages. Gäste willkommen. — 'Am 15. Oktober beginnen Stenographiekurs wird eröffnet. Zionistische Kulturgruppe. 20. Bez., Karl Moißl-Straße 5. Simchat Thora um 9 Uhr früh, Mmjan bei Kollegen Fi der er, 20. Bez.. Trauufelsgasse 7, Tür 17. Donnerstag, halb 8 Uhr, Ausschußsitzung. , . T a l m u d - T h o r a - L ch u l e der israelitischen Kutusgemeinde. Die Einschreibungen für den Unterricht der Talmud-Thora- und Bibel-Schule, 2. Bez., Ferdinandstrabe 23, werden an. folgenden Tagen im Beth Hamidrasch- Lokale, 2. Bez., Ferdinandstraße 23. stattfindcu: M on t a g den 8. d. und D i e ns t ag den 9. d., jedesmal von 5 bis 6 Uhr nachmittags; Sonntag den 11. d. von 11 bis 12 Uhr vormittags. lUanic. Heute. 5 Uhr (Grober Saal): Nanuk der EÄimo. Halb 6 Uhr (Kleiner Saal) H. H a l m. Professor der Universität Irkutsk (Ostasien): Rußland. 1. Halb 6 Uhr (Klubsaal) Dr. Josef Z nt h: Einführung in das Gitarrenspiel. 6. 6 Uhr (Klubssaal) Direktor Pius Fürst: Das Pflanzenleben der Umgebung Wiens. 5. Halb 8 Uhr (Großer Saal): Das Singspiel. Die Hochzeit bei Laterne/nschein. Die Nürnberger Puppe Halb 8 Uhr (Kleiner Saal) Karl Feßler: Der Hochkönig. Halb 8 Uhr (Klubsaal) Tr. Jckstf Zuth-. Lwd und Gitarre. 5. 8 Uhr (Kleiner Saal) Dr. Reinhold Lorenz: Deutsche Frauen in der Ansklärnngszeit und in der Romantik. 6 7 Uhr (Mikroskopiersaal) Universitätsassistent Dr. Alfred Limb erg er- Die Kultur der Kleinlebewesen. 2. Bühne und Kunst. Bolksoyer. Irn Gegensatz zur Sraatsoper, in der die längst fällige Reprise der „Afrikaners" immer wieder hinansgeschoben wird, äst die Vvlksoper e-ine überaus eifrige Pflegestätw der Meyerbvsrschen Oper. Leider Mt ihrer Bühne die groß?, Tiefe, die zur Entsaltnug der Meyerbeierschen Llufzüge gehört, und ihren Solisten mangelt das zu Meyer'beers Theatralik erforderliche große Gesangsvi>riilosentnm. Speziell die ^Hugenotten" verlangen Stars, die ans den starken Esfek: ansgehen, und nicht nur wohlgebildete, aber wenig charakteristische Sänger, wie sie die Volksoper besitzt. So gelang denn auch die Neueinstudierung der „Hu g e n o t t e n" am besten im Orchester, das von Direktor Weingartner, dem geborenen Orchestervirtuosen mit dem ausgeprägten Sinn für das Meherbeersche Pathos, geführt wurde. Bon den Solisten war Herr Rittersheim als Raoul ganz ansehnlich, freilich ermüdend durch seine ständige Erregtheit ohne schärfere Kontraste, Herr List als Maroell schleuderte mit Wucht sein Piff, Paff, Puff von sich und Herr Brand sang mit odlur Wärme den Revers. Von den Damen erfüllte Frau Rantzau ihr.» Valentine mit 'dramatischem Leben, während Frau Friedl-Böhm mit ihrem starren Gesangsmechanismus und Frau Gcrö mit ihrer ungepflegten Koloratur weniger befricaigtcn. Eine -Fehlbesetzung war der St. Bris 'des Herrn Banaler, eine unfreiwillig komische Figur! flb. Ae Lase der TchauWeler. Zn einer massenhaft besuchten Versammlung der Bühnenangehörigen aller Kategorien, welche Sonntag in der Volkshalle des Rathauses stattfand, schilderten der Vorsitzende des Bühnenvereins, Tlhanspicler Stärk, und Sekretär Eisler die noch immer traurigen E i n k o m men ve rhä ltnisfe der Schauspieler. Achtzig Prozent aller Wiener Schauspieler haben ein Monatseinkommen, welches den Betrag von 1,480.000 Kronen nicht erreicht. Nach allen Abzügen bleiben ihnen kaum 38.000 K. täglich zunr Leben übrig. Sekretär Eisler macht Mitteilungen, die tatsächlich in die breiteste Oeffentlichkeit dringen müssen. Es bekommen: Ein Regisseur mit Spielverpflichtung monatlich 2,454.000 K., ein Regisseur ohne Spielverpflichtung 1,894.000 K., ein Hilfsregisseur 1,400.000 K., dann gibt es Schauspielermonatsbezüge von 2,454.000 K., 1,580.000 Kronen und bei der überwiegenden BLehvheit der Schauspieler und Sänger 1,375.000 K. Der Inspizient wird mit 1,414.000 Kronen, der Chorsänger mit 1,386.000 Ä., der Tageskassier mit 840.000 K., der Abendkassier mit Pacing Sekretär mit 1.772.000 K monatlich beEltz. Mtteil«men aus dem Publikum. „Egallti“ Spezlalmieder fGr starke Damen Gummi-imdTrikot-Hiiftformer Miedersalon CScille Bader-Steiner Atelier für feine Massarbeit ll(M Radeiakystrasse 10 2, H2, L, M Strassenbahn Prima Schafwollstoffe fiir Herren und Damen, nur Qunlltätywnrc, für Anzüge. Winterrocke, Datncnmäntel, Kostüme etc. Raglanstoffa von K 100.000 aufwärts. Kleine Xtegrie, datier PRSISK. Tuchhandlung Arthur Bass I», SleincSelgssse Nr. 3. -,J Rudolf Goidskeiy 2. Bezirk, Taborslratze Ar. S4 liefert noch immer nur v o r n e li m e Herreugarderoben nach Maß und aus initgebrachten Stoffen. Tel. 45-6-29 Gegr. 1866 - STAUBMÄNTEL OVERALL-ANZÜGE Bcrufsklciderfabrik Grossbapd IM1. BuTsgasse 81 Jel. 34-0*25 Es wurde eilte Resolution beschlossen, in welcher gegen die die Tatsachen entstellende Behauptung der Theatcrdirektoren, daß die Löhne der Bühnenangestcllten die Friedensparität erreicht haben, p r o t e ft i e r t wird und für den Fall fortgesetzter Unnachgiebigkeit der Thcaterdirektoren die schärfsten gewerkschaftlichen Kampfmittel angedroht werden. Mur Lheaterimternrhrmmg 8MWonis. Reinhardt in der Josefstadt. Das Projekt Max Reinhardts, der bisher Pächter des Josefstädter Theaters gewesen isst, bekommt eine neue Form. Es ist gelungen, eine Wiener Schau s p i e l h a u s A.-G. zu gründen, der unter Führung Kamillo Castiglionis die Mäzene dieses Projekts angehören. Die Gesellschaft hat das Gebäude des Theaters in der Josefstadt käuflich erworben und Max Reinhardt auf die Dauer von zehn Jahren mit einer Option auf weitere zehn Jahre überlassen. Zugleich ist die persönliche Leitung Max Reinhardts für dieses Theater gesichert. Max Reinhardt hat Paul H a r t m a n n und Hermann R omiberg (diesen ab 1. März 1924) als Gründer an das Josefstädter-Theater verpflichtet. Ferner wurden der Schauspieler Luis Rainer und der Regisseur Josef Danegger (als Vortrgasmeister) engagiert. Ans den Theatern. Opcrnthcater: Ueber Einladung der Direktion des Operntheaters werden die vereinigten Chore der Sixtinischen Kapelle unter Leitung des Monsignore Casimiri Sonntag den 7. d. amt halb 1 Uhr mittags ein Konzert geben. Es gelangen Kirchenchöre vom 15. Jahrhundert bis zur heutigen Zeit zur Aufführung. Kartenverkauf an ider Bnndcstheaterkasse, 1. Bez., Bräunerstraße 14. In der Vorstellung „Salome", Mittwoch den 8. d., fingt Fräulein Paalen die HerodiaS. Bürgt he ater. Mittwoch zu erhöhten Preisen Shakespeares Drama „König Richard der Zweite". Im Akademietheater (als Vorstellung des Burgtheaters) wird -morgen Kotzebues „Die deutschen Kl einstädter" gegeben. Anfang halb 8 Uhr. Volksoper: Heule Gastspiel Karl Burians als Tannhäuser. Venns — Fräulein Reich-Dörich a. G. Die Partie der Elisabeth singt zum ersten Male Fräulein Ursuleac. Dirigent: Herr Dr. Kaiser. Beginn 7 Uhr. Morgen „Cavalleria r n st i c a n a" und ,/D e r B a f a z z o". Deutsches Volkstheater. Infolge des großen Erfolges den das Ehrenmitglied Dr. Rudolf T y r o l t in dem Schwank „F a m i l i e S ch i m e k" errang, wurde der Spielplan dahin geändert, daß dieses Stück für Donnerstag den 4. und Freitag den 5. b. angesetzt, wurde. Morgen (Mittwoch) spielt ^Dr. Rudolf Tvrolt den Briefträger Klemm in dem Volksstück „L o l o s Vater" von L'Arronge. Raimund-Theater. Heute und Freitag gelangt als lustiger Abend Shakespeares „Komödie der Jr'rung c it" und Nestroys „Zeitvertrei b" zur Wtederholnng. Mittwoch und Donnerstag letzte Aufführung des Wiener Stückes „Der liebe Augustin" mit Anton Edthofer. Samstag „Die Weber" in der Inszenierung durch Karlheinz Martin. — Leopoldine Konstantin beginnt Donnerstag den 11. d. als Emilia Marth ihr Gastspiel in der Komödie „Die Sa ch e M a k r o p n l o s" von Karl Capek, die hier zur deutschen Uraufführung gelangt. Maria O r s k a, die sich bekanntlich scheiden läßt, aus Berlin nach Paris übersiedelt und den Lustspieldichter V erneuil, einen Enkel der Sarah Bernhardt, heiratet, wird demnächst aus der französischen Bühne anstreten. Es ist bemerkenswert, daß Vernenil zu diesem Vchnse bei Poincare Audienz nehmen mußte um die Spielerlanbnis für die Schanspielerin in der sranzösischcn Hauptstadt zu erlangen. „Frühlings Erwachen" und die Zensur. Der Thcaterausschuß der guten Stadt Oldenburg fand Wedekinds „Frühlings Erwachen" für unsittlich und untersagte die Aitfführung in Oldenburg. Der Intendant des Theaters erhob energischen Protest und das Pnblikunr des Oldenburger Lanbestheaters stellte sich an seine Seite. Die maßgebenden Verbände des ganzen Landes, insbesondere Angestellte, Eisenbahner und Arbeiter, drohen mit dem B o h k o t t, wenn Wcdekinds berühmtes Werk nicht freigegeben wird. zuschristen an die Redaktion sowie unverlangt einlangenden Manuskripten wolle man stets Rückporto beilegen» öa sonst eine Beant-- Wartung» be-iehungsvretse Rücksendung nicht eriolgen ' Sann- „S ch n ee f l ö ck ch e n", die bereits vierzig Jahre alt Oper des russischen Komponisten Nimslij Korsakow, he dieser Tage an der großen Volksoper in Berlin ihre deutsch Uraufführung erlebt. Der Stoff ist älteste Romantik in dra matisch unbeholfener Form. Aber in den Liedern, Chören un Tänzen hat der russische Tondichter sein Bestes gegeben. Es st anzuttehmen, daß bei der Armut an Operimovitäten „Schnee flöckchen" von Berlin ans die deutsche Opernbühue erobert wird. Deutsch-russisches Theater, „Der golden, Hahn", das atlabendlich in den Kamm er spielen auf tritt, nimmt zu den erfolgreichen Darbietungen des ersten Pro grammS heute folgende Neuheiten ans: „Dr. Universitalis" „Der Marquis nnd die Marquise", „Russische Bäuerinnen" „Dir schwarzen Husaren", „Galopp", „tziene mimische Szenen" Die R e n a i s s a n c -e b ü h n t bleibt heute Dienstag der 2. d. infolge der Vbrbereitung zu der am Mittwoch stattfindendcn Premiere von „C a r n e v a l" geschlossen. An der e n e n Wiener B ü h n e muß infolge der passiven Resistenz die Erstanfführmtg des Dramas „W. U. R/ von Karel Capek (die ursprünglich für nächsten Freitag angesetzt war) autf Montag den 8 d. verschoben werden. Marie Eis, Karl Goetz und Ernst Stahl-Nachbaur :rcten in der .Hauptrollen ans. Gerichtssaal. Das zertrümmerte Drnkmalmodell. Bor dem Oberlandesgerichtsrat Dr. Sieber, Strafbezirksgericht 1, halte sich gestern der dlrchitekt Otto Aushanser wegen Uebertretimg der boshaften Sachbeschädigung, begangen angeblich durch Zertrümmerung des von Professor Ernst Lichtblau hergestellteu Denkmalentwnrses für A u 8 l a u d s h i l f e, zu verantworten. Der Anklage liegt nach den polizeilichen Erhebungen folgender Sachverhalt zugrunde: Im Künftlerhanse war im Mittelgange des ersten Stockwerkes am 29. Juni das vont Bildhauer Lichtblau enttvorsene Modell dieses Denkmals „Dank an das Ausland" zur Besichtigung ausgestellt. Der Entwurf stellte einen Marterpfahl mit einer zusammenbrechenden Frau dar. Bor dem Denkmalentwnrf waren damals etwa 50 Personen anwesend, von denen eine große Anzahl eine abfällige Kritik an dem Entwürfe übte und ihrem Unwillen durch Zurufe Ausdruck verlieh. Die Leute sagten: „Das ist eure Kulturschande!" Eine Pietätlosigkeit gegen Tote!" — „Die Frauensperson stellt eine Fratze dar." — „Da unten ist ein Sarkophag!" Der beschuldigte Ausiianser gab dem Modell einen Stoß, so daß cs an dt« Mauer ansiel, aber nicht umfiel. Ein Mann nahm das Modell mit beiden Händen nnd warf es zu Boden, so daß es in Trümmer ging. Dabei sollen die anderen Personen laut Beifall geklatscht haben. In der gestrigen Verhandlung schilderte der Angeklagte den Vorgang im wesentlichen so, wie er ihn seinerzeitbei der Polizei angegeben hatte. Er habe dem Modell nur einen Stoß gegeben, durch welchen es aber nicht beschädigt worden sei, sondern sich nur mit der Rückwand an die Mauer ge^ lehnt habe. Wer das Modell dann zertrümmert habe, könne er nicht sagen. Ueber das Motiv seines Vorgehens befragt, erklärt Aufhanser, daß er sich durch den Entwurf in seinen künstlerischen und patriotischen Empfindungen verletzt gefühlt habe. Insbesondere die dem Entwurf bcigefügte Legende habe ihn sehr geärgert. Darin heißt es unter anderem, daß das Denkmal deshalb vor der Kapuzmerkirche ansgesteltt werden solle, „weil diese Kirche seit Jahrhunderten die Grabstätte der häbsburgischen Dynastie ist, deren Politik letzte» Endes eine der Hanptursachen des /.Krieges war." Nach Einvernahme mehrerer Zeugen wurde das Beiveisversahrcn geschlossen, worauf der Staatsanwalt den Strafantrag stellte. Dr. Klemperer als Vertreter Pro fessor Lichtblans führte hieraus ans, daß nach der Znerkenittntfi des ersten Pveises gegen Professor Lichtblau eine heftige politische Kampagne geführt ivurde, wobei ihm int lunststlerisches Verhalten, Grabschändung und politilsches Strebertn-m vorgeworfen wurden. Es könnte vielleicht dem Professor Lichtblau nur der eine Vorwurf aeniacht werden, daß er künstlerisch das Verschulden der Habsburger an dem Kriege bereits als historische Tatsache hingestellt hat, obwohl diese Tatsache historisch noch nicht e r wiesen ist. Dr. Klemperer betonte, daß der Führer der Kampagne Oberbaurat Bauer ist, der durch die Kampagne sich dafür rochen wollte, daß er seinerzeit als Professor der Akademie abgesägk wurde. Oberbaurat Bauer, der bei den bevorstehenden Wahlen ein Kandidat der C ze r n i n - P a r t e i ist, habe mit der Kampagne eine persönliche Rache an seinem Nachfolger Professor Ber cndt, der Mitglied der Jury war,- ausüben wollen. Dr. Klemperer stellte den Antrag, den Angeklagten exemplarisch zu bestrafen, da seine Tat ein politisches Bubenstück sei. Der Richter sprach den Angeklaaten von der lieber' trctnng der boshaften Sachbeschädigung frei, weil das Beweisverfahren ergeben habe, daß der Angeklagte das Modell nicht beschädigt habe. Der bettelnde Sollizitator. Vor dem Stra-frichter des zirksgerichtes Fünfhans (Oberlandesgerichtsrat Dr. Rehoda) stand gestern ein 74jühriger, gebrechlicher Greis, der Sollizitator Infos Bellak, um sich wogen der Uebertrotung der Vagabondage, begangen durch Bettelns ans der Straße, zu verantworten. Bellak gab an, daß er bis zunr Ende des Vovsahres in Verdienst und Arbeit gestanden sei. Durch 28 Jahre war er Sollizitator bei dem Aiechtsaulvalt Dr. Gustav Stransky. Er habe gearbeitet, so lange es ging. Seine Tochter, -bei der er wohne, unterstütze ihn, so viel sie könne, er habe nock) drei Töchter, die auch zu seinem Lebensunterhalt -beitragen, aber all das reiche nicht. Er erzählte dem Richter, daß er, von der Versorgungsanstalt einen Tagesbetrag von 216 iK. be-ivhe. Der?(ngeklagte legte dem Richter ein Dokuntent vor. ein Belobuugsschreiben der Rechtöanwaltskaannier, in ivelchenr dem Angeklagten für seinen außerordentlichen Fleiß, seiner Pflichttreue und seinem Eifer im Dienste die besondere Anerkennung ausgesprochen wird. Richter: Es wäre besser, wenn Sie von Ihrer Bersorgungskasse mehr bekämen, denn mit einem Betrage von 316 K.- täglich kann nicht einmal ein geistiger Arbeiter leben. Der Richter fällte einen Freispruch. Gegründet wurddas Urteil mit unwiderstehlichem Zwang.

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