Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-10-02 · Heft 1664 (2.10.1923) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1664 (2.10.1923)
Date
1923-10-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980745--16303-3003204
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Ca 1 Mit Revolver und Gummischleuder. Ile HÄenkenrler ln Spillen«. Nach einer kleinen Panse, in welcher es schien, als oft tiff politischen Leben Wiens endlich die so sehr ersehnte Ruhe eingetrcten sei, sind am Samstag der Gummiknüppel und der Revolver wieder in Aktion getreten, und wieder hat ein Arbeiter unter den Schüssen der Hakcukreuzler sein. Leber« eingebüßt. Es ist der dritte in der Reihe der Arbciterrnyrde, die die Hakeukrenzler irr Oesterreich auf dem Gewissen haben. Unerwartet erschien eine Rotte von Bewafsireten am Samstag in dein Dorf Spillern bei Korneribnrg und als die aus den Besuch der Sturmtruppler mit dem Hakenkreuz nicht vorbereitete Bevölkerung ihrem Unwillen über den Einsall Ausdruck gab, geschah d.as Unglück. Allerdings wollen die Hakcukreuzler in gewohnter Weise die Sache als einen Akt der Notwehr darstellen, «nd versuchen, die Tatsachen dahin zu verdrehen, daß sie — immer sind die Revolver- und Gunimiknüppelhelden die Angegriffenen — auch diesmal die reinsten Unschuldslämmer waren, die sich gegen reißende Wolfe zu roehren hatten. soweit sich der Tatbestand nach den Aussagen von Zeugen und aus den behördlichen Erhebungen Überblicken läßt, hat es sich in Spillern um einen wohlvorbereiteten Nachefeldzug der Hakcukreuzler gegen die sozialdemokratischen. Arbeiter gehandelt. Die sogenannte Wahlbesprechung war nichts anderes als ein Borwand für die von den Stzifterner Gesiunungsgenossen der Nationalsozialisten in Szene gesetzte Mordaktiou. Für die „friedlichen" Absichten der österreichischen .Hitler-Gardisten spricht es jedenfalls, daß sie mit Revolver, K n i ck m e s s e r n, K n ü P p e l n, Totschlägern und Gumtnischleudern wohl ausgerüstet waren. Bor rnehrereu Wochen hielten die Nationalsozialisten, deren eifrigster Agitator in Spillern der Adjunkt H o h lfelder war, eine Bersannnlung ab, bei der es zwischen« ihnen und den Sozialisten zu scharfen Auseinandersetzungen kam. Damals hatten die Hakenkreuzler bereits gedroht, „es den Arbeitern zu zeigen". Am Samstag haben sie ihre Absicht ausgeführt. Alle Augenzeugen geben übereinstimmend au, daß sich zur Zeit des Vorfalles nur vereinzelte Sozialdemokraten auf der Straße befunden hatten, und daß es haupt-- sächlich Kinder und Frauen waren, die sich am Tatort aufhielten. Geschossen haben, wie aus den Geschoßsvuren je st gestellt wurde. nur die Hakenkrenzler. Natürlich will keiner von den verhafteten Burschen geschossen haben. Es sei aus den Häusern, geschosssen wordendie Arbeiter hätten die armen Haken kreuz träger verfolgt, -und sogar Automobils mik Scheinwerfern (wahrscheinlich auch Tanks) hätten die Sozialdemokraten verwendet. Alle diese und ähnliche läppische Erzählungen veröffentlichten die Nationalsozialisten in einer Darstellung, die selbst Lei ganz naiven Lesern höchstens ein Achselzucken bewirken wird. Die Erhebungen tverden sowohl von der Gendarmerie in Körnen bürg wie auch von der Wiener Polizei geführt. Bisher hat nur eitler der Burschen, der 21jährige Privatbeamte Leopold. Koscher, gestanden, einen Schuß abgegeben zu haben. Die übrigen Verhafteten, 26 an der Zahl, sind durchwegs h a lbwüchsige P u r.s chen von knapp. 2 0 Iah re n. Nur der Häuptling der Barrde, Johann Strobe l,. - airgeblich Mitglied der Ostara,, ist 37 Jahre alt. In Spillern -hat sich infolge der Vorfälle der Bevölkerung große'Erregung bemächtigt. Noch am Sonntag, abends fand eine Protestversammlung der Sozialdemokraten statt. Es wurde der Antrag gestellt, am Montag frühin den Streik zu treten und die Arbeit nicht-früher aufzunehmen^ ehe nicht alle in der Harmerschen Fabrik und Oekonomie beschäftigten. Hakenkreuzler entlassen seien. Für gestern waren alle Vertrauensleute des Stocke rauer Bezirkes Lu einer großen Konferenz einbnufen^ Die Bürgermeister von Stockerau und Spillern habeusür diese Orte das TraoLn des Hakenkreuzes verboten. Verbotene Monarchistenversammlung. Die Kaisertreue Bolkspartei beabsichtigte vorgestern, in Kornenburg eine Wählerversammlung abzuhalten. Mit Rücksicht aus die durch den samstägigen blutigen Konflikt in Spillern hervorgerufene Erregung der Bevölkerung verbot die Bezirkshauptmannschäft die Versammlung. Ein zweiter Zusammenstoß zwischen Frontkämpfern und Sozialdemokraten. .Vorgestern. kam es . auch in Wien zu einem Lnsammchstoß zwisckwn Frontkämpfern und Sozialdemokraten. Nach Schluß ^der völkischen Kundüebunu auf dem Heldenplatz und auf der Ringstraße zur eine Gruppe von Frontkämpfern durch die Leopold st ad t' heim. Zm Cafe du Nord in der Heine st raste saßen mehrere Sozialdemokraten, die ihren Unmut über den Zua.laut zum Ausdruck brachten. Es« kam zu gegenseitigen Beschimpfungen.- Als ein Handgemenge drohte, schritt Sicherheitswache ein und trennte die Gruppen. Die Frontkämpfer setzten dann, ihren Marsch fort und begaben! sich in ein als. christlich soziales Lokal bekanntes Gasthaus in der S.t a h t gu t g a.s s e-. Dorthin zogen auch Sozialdemokraten, nahmen vor dem Eingang Aufstellung und blockierten ihn förmlich. Es schritt ein größeres Aufgebot von Sicherheitswache ein und zerstreute die Ansammlung vor dem Gasthause. Bei dieser Gelegenheit wurden sechs Personen wegen Widersetzlichkeit und Nichtfolgeleistung arretiert. rn' zionistisches Landeskomitee. 'Morgen, 6 Uhr, dringender außerordentlicher Parkeir a t. Ort: 2. Wez., Taborstraße 20a. Ter Antobasverkehr in der Fnneren Stadt. Ab Montag den 8. Oktober. Gestern abends berichtete Viz-ebürgermeister Emmerking lau Gemeiinderatsaus-schuß für die städtischen UnternehmuuHsn über die Einführung eines probeweisen Tagesverkehrs mit Autobussen in der Inneren Stadt. Es wird eine Versuchslinie vom S ch o t t e n t o r über den S t e s a n s p l a tz zur S ch w e d e n b r ü ck e geführt. Der Zcrtabstand ans dieser Linie muß naturgemäß dem im Laufe -des Tages stark schwankenden Berkehrs- -bedürsnis an-gepaßt werden. Vorgenommene Zählungen ergaben, daß in -den Früh- und Abendstunden, nämlich von 8 bis 11 Uhr und von 3 bis 6 Uhr, das Verkehrsbedürfnis größer ist als in den Mittagsftttn-den von 11 bis 3 Uhr. Es wird daher an Arbeitstagen etwas vor 8 Uhr früh der Antobusvrrkehr ab Schottentor aufgeno-mmen werden und bis gegen 8 Uhr abends geführt. Der Zeitabstand wird je nach der Tageszeit zwei oder drei Minuten betragen und auf der Teilstrecke Schottentor—Stefansplatz werden zwischen 8 und 9 Uhr vormittags in der Zeit >beS stärkeren Verkehrs so viele Wage«: -ein-gefcho'beu, daß ein . Eineiflhalbrninutenverkehr erv/icht wird. Um die Betriebskosten möglichst niedrig zu halten, wird dieser Pvolbe'betrieb versuchsweise nur mit einem Bediennngsmann durchgeführt. Es übernimmt also der Fahrer auch -die Funktion des Schaffners. Nur während des stärksten Verkehrs werden an den besonders fregnentierten .Haltestellen am Stefans-Platz und an den Endstellen auch Schaffner die Tätigkeit des Fahrers derart unterstützen, daß sie Fahrscheine verkaufen. Es hat -daher dort der Bedieuungsircann nur die Kontrolle der Fahrscheine vorzunehmen. Die Fahrscheine werden nicht wie bei der Straßenbahn gelocht, sondern durch Abveißen einer Ecke markiert. Um den Bediermugsmann von der- Geldgebavung mögsbichst zu entlasten, lverden -die Fahrscheine, die für die Straßenbahn und für -den Antoibuß gelten, nur im Vorverkauf zu fünf und zehn Stück ausgegeben. Der Tarif wurde wie folgt fesög-ssetzt: Für einen Stra ße n'bahnfahrschein ein Zuschlag von 706 K. rm Vorverkauf. Für eine Teilstrecke am Autobuß 1000 K., wenn die Kart« 'beim Bedienungswann gelost wird, und 900 K. im- Vorverkauf. Für zwei Teilstrecken am Autobus 2000 K., -wenn die Karte beim Bediemlugsmann gelöst wird und 1800 K. im Vorverkauf. Es betragen also die Fahrpreise für Fährten auf der Straßenbahn und -dem Autobus bn Benützung des Früh fahr's che in es 1800 Kronen, des Tagesfahrscheines 2360 K., des H i nu n d R ü ck f a h r s ch e i n e s 3856 K., der W ochen'karte 19.900 K., d^r Kinderkarte 800 K. und der Sch üle rkarte 1060 K. Eine Netzkarte für beide Befördsrungs-nWel kostet für einen Monat 255.000 Krön e n, eine Halb fahr starte 1,275.000 K., Stveckenkarten, diefür zwei Teilstrecken der Straßenbahn gelten, 117.000 K., für fünf Teilstrecken 167.060 K. und für mehr als fünf Teilstrecken 185,000 K. Bei der Fahrt in der Früh von der (Garage in -der Pernerstorfergasse und abends von -der Stadt in die Garage können die Autobusse gleichfalls benützt werden. Bei diese« Fährte«-gilt die Strecke von der Gavage bis zur Oper als eine Teilstrecke und die Linie von der Oper bis. zum, Stefansplatz oder zum Schottentor oder Schwedenplatz ebenfalls als eine Teilstrecke. Der Verkehr wird am Montag -den 9. Oktober 1623 ausgenymmett. . Tas Seffentlichleitsrecht des Mischen Realgymnasium». Ter Blind«sn>mi/t«r sür Unterricht hat init Ertast vom 6. September 1623, Zahl 11.692-1, das. den drei unteren Klassen des Jüdischen Realgymnasiums für das Schuljahr 1921-1922 verliehene O.essentlichkeitsrecht auf die 4. Klasse und aus das Schuljahr 1922-1923 erstreckt. Me Halbvrrlolmng. Sie ist, wenigstens für die Kreise der Gebildeten, «im' ganz neue Errungenschaft, Latest fasston 1923. Erzählte einem früher eine .jüdisch«.Mutter^ daß ihve Lochte» Braut sei, so klang neben der Genügtuung auch immer eine gewisse Beruhigung mit — um das Schicks« dieses Kindes brauchte man nicht weiter zu so-vg-en, es war bestimmt. Es gab lange und kurze Wartezeiten, es gad offizielle und heimliche' - Verlobungen (Georg Herrmann hat die letzten einmal reizend gekennzeichnet), und es kam wohl auch mitunter vor, daß das lose geschlungene Band aufgelöst wurde und man sich „zerlobte". Aberso lange die Verlobung zu Recht bestand, war ihr Inhalt die klare und zweifellose Absicht, eine.Ehe einzuge'hen und den Lebensbund zu schließen. Auch das ist jetzt anders geworden. Man verlobt sich jetzt durchaus nicht immer, um zu heiraten, sondern!' eher zum Zweck allgemeiner Sympathiekundgebung. Er-« lauben glückliche Zufälle das Heiraten — ümso besser. Vs schadet nichts. Zunächst verlobt man sich. Und wenn jetzt die fragliche zukünftige Schwiegermutter von dem! Ereignis berichtet, dairn sagt sie einschränkend: „Verlobt ist ja heutzutage noch gar Nichts." Da ist erst noch die Frage der „Existenzmägttchkett? zu lösen. Vorläufig ist ja der junge Mcmn noch durchaus nicht so weit, eincht Hausstand gründen zu' können, es besteht auch keinerlei Aussicht, daß er in absehbarer Zeit so weit gelangt, aber schließlich - vielleicht hilft ein glücklicher Zufall. Dänn kommt noch das schwierigste aller Probleme, die Wohnungsbeschaffung, auch Möhel müssen, wenn auch in bescheidenem Ausmaß, , besorgt'werden, Wäsche, Hausgerät. ES wird, bei allen Einschränkungen, von denen man sich vor 1914 nichts träumen ließ, ein Vermögen verschlingen, und muß als zweifelhaft bezeichnet werden, ob die Summe aufzubringen ist. Ab-er.. darüber zerbricht man sich vor-, läufig noch nicht den Kopf. So weit hält man ja noch lange nicht. Eine Verlobung — wer wird da gleich ans! Heiraten denken. Diese Form der lösen Verbindung hat map frühes nur im Volke gekannt und dafür bei uns den, sehe be^ zeichnenden Ausdruck ,,miteinander geh«:." gewählt. Dep FriseuvgMlse „ging" mit der Marievom 21er-Haus, -worauf ihm die Verpflichtung erwuchs, seine Auser« wählte ins Kino, ins Gasthaus, in den. Prater zu führen, -und ihr zu derr üblichen- Gelegenheiten Blu-rm, bunte Ansichtskarten oder kleine Geschenke zu senden. Weiter« Verpflichtungen übernahm der Mann nicht unbedingt, da ja auch das „Gehen" keineswegs immer mit engvvsnj Beziehungen gleichbedeutend war. Natürlich heirateten dis Leutchen auch öfter, die sahvelang miteinander »^egan- L-en" waren, aber, wenn pS nicht geschah, sokosnsntsn!^ mand etwas Böses daran'finden. ... Nun ist diese Form der Beziehungen auch von den . Gebildeten ausgenommen' worden. Jedes Bnreauftäulein, jede Bankbeamte, jede Stenotypistin zwischen achtzehn! und vierzig hat «inen. Bräutigam. Es ist ja. damit keines^ Wegs gesagt, daß sie heiraten wird, wenigstens, nicht, daß sie just diesen heiraten wird. Aber sie ist verlobt. Man denkt sich nicht allzu viel dabei, wenn man das> Band knüpft, denkt auch nicht unbedingt ans Heiraten. Jedenfalls hat man einen Kavalier für Skitouren, Bergsport, Schwimmen, und wie die anderen seelischen Notwendigkeiten heißen. Und die Mutter sagt entschuldigend, wenn man ihr von den Schwierigkeiten spricht, die «ineü Eheschließung entgegenstehenr „Ach ja,' sie ist doch nur verlobt ..K. Mu Sine Brandkatastrophe in Bulgarien. Sofia, 1. Oktober. (Bul-g. Del.-Tlg.) In der Stadt Ur-ätzd brach gestern durch e-'men uuglücklich-.'-n Zufall «in großer Brayd aus, -dem 260 Gebäude,, -darunter -die Filialen der Nationalbank und der Agrarbank, zunr Opfer fielen. Den aus Sofia «ingetr-affenen HiffSma-n-uschasten gelang es, deir Brand zu lokalifieren. Der Mat-evia-lschM ist sehr groß, dagroß-t Merrgrn lanidwjrtschästlicher Produkte Vechvaunten. Bei den, Brande fiud auch Menschen ums,Leben gekommen, doch konnte die Zahl -der Opfer -noch nicht fest-gestellt werden, Me Lebensmittelmiirtte. In der Großmarkthalle waren gestern starke Fleisch - zusuhrem. zu verzeichnen^ die beinahe 70.000 Kilogranim erreichten, darunter etwa .die Hälfte Riudfleilsch. Die Kanshewegung war bei dein äußerst schtvacheu. Moutagsverkchr sehr gerinn. Die Preise, blieben zunächst-unverändert, doch ist bei Andaucr der guten Beschickung mit einer Preisreduktiou zu rechnen. ' . . , Das Avrgebot auf den Gemüsemärkteir lyar infolge der. gutm Zufuhren genügend- Ans dem Naschiuarkt herrschte leb- Hafter Verkehr. Die Mkünfte cm Obst, Kartoffeln, Butter u»id Eiern tvarcu ziemlich groß.. T-i^e Preise haben keine Aenderung erfahren. ■ Wettersturz in Mt. Der amtlich-e W-etievberscht besagt: Das schöne Wetter» das sich in ganz Okste-xraich durchgrsetzt hgk, wird nur dop 'kurzer Dauer fein.Böhmen und Mitt-e-l-deutschlant stieg diie Teniperätur über 26 Grad. I« Mest-e-nxöpa fällt wseper 1 «ine kjihl'e, westliche StrönlUli-g ech, Voraussage: Trübung. 5 c i 1 w -eise -R * g c n, T >c m p. e r a t n r a h n a h -m e, lchhaste Westliche und / ' . ' urSaiionl elclie Auswahl neucstetf s»eü«moci^lie Kn säniti. olzarten - Parlier u, Wiener Geschmack vereint -- erzeugt nur In eigenen Werkvtätten. unter per*. Leitung des bestreriornnHejEten Inhabers der Firma «j» i 'im »pw fif;“ .2-8 2^278527 377

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.