Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1660 (28.9.1923)
- Date
- 1923-09-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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nrmv %mt dorf-ülhren wird. 'Jb» Vorm'schmack ftjib es -also scholl }?.#.nt wir fect Ringstraße eine Grat-isvorstellung. Die Straßenbahn kvnnte zeidwei-lig -nicht fahren, Me Autos Wöben 'stohen — Wien hat wieder eil,mal „a Gaudi gehabt" ... * Die Salztorbrücke abgesperrt. Da an, Lr-agwerk und au der Fahvbalhn der Scvlzlorbrücke (ehmnckls S-tephani-e-BriicKe) größere I-nistandhattlmasarbeiterl vorgoilommen tvorden «tüssen, kann sie von, 38. ld. bis Ende. November voll F u h r w e r k e n . utcht benützt werden, Für Fußgänger ist die Brücke zu gäng 'l"i ch. * Die Besichtigung des Lainzer Tiergartens. Die Generaldircr.ti.on des K-riegsboschädigtenfouds teilt mit, «daß der Lainzer Tiergarten <nu Sonntag den 80. «b. zum letzten Male 'ill diesem Jaln-e der öfsenbl-ichen Besichtigung zugänglich ist. * Samstag-Nachmittagsarbeit im Detailhandel. Mit 1. .Oktober hört «die für die Dieustuchmer im Detailhandel, exklusive «des Leibeusinittelkleilchallddels, ill Wien bestehende G-egünstignilg betreffend den Anspruch auf «den freien Samsta gllachmittag, bezrehungsweife zwei Ersatzruliestunden in der kommenden Woche, auf. Es ist sonach ab 1. Oktober im Detailhandel au SamStagnachmittageil in gleicher Weise zu arbeiten wie an %cn übrigen Werktagen. * Privatstundenhonorar. Der Pflichtverbaud oste welch i- -scher Mitt-elschullchrer hat mit Rücksicht auf die fortschreitende Teuerung die Mindestlhouorare für Privatstundcu auf 40.000, lbe.^hullgÄvei«se 50.000 K. ('in der Wohnullg -des Schülers) erhöht. * Bortragstournee Josef Grob. Auf Einladung mehrerer Mischer Körperschaften begibt sich 'dar bekannte jüdische «Schriftsteller Josef Grob llach Palen und Rumänien, um eine Bo'- tiragstournoe zu 'absolvieren. Josef Grob, der als Borleser sehr beliebt ist. wird eigene Schriften zmn Börding brnrgen. * Bundeslehranstalt für orientalische Sprachen. An der .Oesterreich ischen Biiirdeslehranstallt für orientalische Sprachen, 7. Bezirk, Kandlgasse 30, werden in A b en dkur f e n zweimal wöchentlich je zwei Stunlden folgellde Sprachen gelehrt: Mbauisch, Arabisch, Bulgarisch, Neugriechisch, Pwsisch, Rumänisch, Russisch, Serbokroatisch, Spanisch und 'Türkisch. Das Schulgeld beträgt,halbjährig 60.000 K. Der Untenöcht beginnt M«i tte Okt o b er. Einschreibungeu ltinimt 'der Direktor Regicrungsrat Dr. Friedrich Lad ei («Dgl. 36.14^) tätlich vormittags und abends zwischen 6 mti> 7 Uhr vor. ÄusMnfte auch schriftlich (Antwortkarte) oder telephonisch. * Organisation der Wiener Presse. In den Räumbichkenen der Organisation, 1. Bez., Elifabothstraße 9, 'Stiege rechts, 1. Stock, findet am 2. Lktober von 9 Uhr vorillittags bis 0 Uhr nachmittags ein Verkauf von S t r i ckn n d Wirkwaren, wie Seiden- und Wollkostüme, Solden.trÄot- Ileider, Krawatten. Handschiche -usw., zu besonders günst'.g«.u i'Preiseu für Mitglieder und deren Angehörige statt. * Nennte österreichische Klassenlotterie. Die Erneuerungsfrist zur fünften Klasse endet am Abend des 1. Oktober 1923. §Bis zu diesem Tage können jene Spieler, welche, an den Ziehungen der fünften Klasse tcilnchmcn wollen, die Erneuerungslose der fünften Klasse' unter Zahlung der einfachen Klasseiieinlage und Vorweisung der Lose der vierten Klasse bei jener Geschäftsstelle beziehen, bei der sie die Lose der vierten Klasse gekauft haben. Die Ziehungen der fünften Klasse, dir um 8 Uhr früh beginnen, werden au 10 Tagen in der Zeit vom 8. Oktober big 7. November 1938 im Ziehungssaale, Wien. 3. Bez., Marxergasse I, ebenerdig abgehalten. * Haushaltrmgsfchule der Stadt Wien. Mit 1. Juli 1623 ba: die Gemeinde die' bis. dahin in einem städtischen Objekt von einem Privatverrin betriebene Haushaltungssch ,r I c übernvanncn. Die Schule soll bedeutend erweitert und auf neue Grundlagen gestellt werden. Die Anstalt wird in zn>er Teile gegliedert. Der erste Teil umfaßt ein Internat für zwölf Mädchen, in dem der Nachwuchs für das gelernte K üchenpersonal der städtischen Humanitätsanstalten hcrangezogen werden soll. Der zweite Teil, besteht aneiner H a n s w i r l s ch a s t 8 s ch n t e, in der die rein prattischen Erfordernisse eines einfachen Hanshaltes gelehrt werden. Daran schließt sich aber auch eine -H a ii s h a l t u n g s-. schule, in der die zur Herstellung einer preis-würdigen Kost und zur Führung einer größeren Haus- oder Gastwirtschaft notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten (Köchinnen, Wirtschafterinne». Gast wirt innen) vermittelt werden sollen. Dazu kommen noch Spezialiurse für Kochen, Schneiderei und Näherei, allenfalls auch Kurse für Krankenkost und Einscden von Obst. Voraussetzung für alle Bewerberinnen ist das erreichte 11. Lebcnsiahr und die Vollendung der Volksschule. In die Hauswirtschaft-? und Haushaltuugsschulc, können, je 30 Schülerinnen, in den zwei Vormittagskochknrsen 82, in den zwei Abciidkochkursen 40. in den Abendschncidereiknrs 20,. in , den zwei Abendiveißnähkurfen 40 Schülerinnen ausgenonnnen ' werden. Das Schulgeld für die Hanswirtschaftöschule wurde mit 1 0 0.0 0 0 Kronen in o n a t l i ch bemessen, das der Hausdaltiiiigsschule mit m o n a t l i ch 1 3 0.0 0 0 K r o n c n. Das Entgelt für die Kurse regelt sich nach deren Daiier. * Die Ausgrabungen in Palästina. Aus London wird uns gemeldet: Der Palästina Exploration Fund bereitet die Ausgrabungen in der Da vid- Stadt vor. Mit dem ansougenden Winter wird Professor Macalister' anr Nordrand des O p h c «i - Berges beginnen. während «die Pal i-.\ st r n e ,3 c m i i fi E xp l o r a t ion Society un Zen tr u m des Bergos arberrsn wird. _ __ (Rachfo/gendc Notizen bis zu der Rubrik -.Vereine" sind entgeltlich.) * Tanzinftitnk Kermann Braun, 14. Bez., Reinnorfgasfe 42. Bereink, Vorird'se und Versammtvngen. B a r G i o r a. Alle Bar-Gioroner treffen sich heute um llhr^im Ease Eily. . T e ch u i > ch c s Ri u s e u m. Morgen Samstag um 3 Uhr nachmittags Führuiigavortrag von Dr. Ing. F. Sedlaeek: „Har.zgewinnlliig und -Berarbeitiiug." Sonntag den 30. d. um 10 Uhr vormiiiags im großen Hörsaal Filmvorführung: „Wie ein Filiu^ enlste!/.." „Elektrische Schnellzugslokomotivc'tt." „Die Wiener Straßenbahn-." Erläilterilng von Kustos N. Boroevic. Mitnvocii den 3. Oktober um l0 Uhr vormittags Filmvorsühruiig für die Wiener Schule»: „Rundgang dmch eine moderiie Ntaschineufabrik." „Glühlainpenerzciigung." \t e o pold;t ädte r B o l k s h e i m, 2. Be>z., Zirbusgasse l8. Heute: 7 Uhr: Franzöftsch 1, Französisch 2. 8 Uhr: Französisch 3. U r a n i n. Heute: G r o ß e r Saal: 5 Uhr: Namrk der Eskimo. Halb 8 Uhr: Univ.-Prof. Dr. Luciau Scherman (Rtüncheu): Im Stromgebiet des Irrawäddi. Kleiner Saal: Halb 0 tlhr: Dr. Aliee Ä e h n d o r f f - S t a u b e r: Hygiene und Pflege der Haut und Haare. 2. Halb 8 Uhr: Dr. Karl S ch ü tz: Hygiene des Bergsteigens. K u r s s a a l; Hat'b 7 Uhr: Univ.-Prof. Hosrat Anton L ampa: Die Grundlegung des modernen Weltbildes durch Kopernikus, .Keppler, Galilei. Hilgheus und Newton. 8 Uhr: Hvfrat Ing. Josef Löwy: Grundlagen der Starkstromtechnik. 1. Kkubsaal: 0 Uhr: Univ.-Lektor Ferd. Matras: Sprechkurs 3. Halb 8 Uhr: Probleme der Philosophie. 2. Tv A"iö,ä W o T f: Die Im Materialität der Seele" Wiener Morgenzeitung. 26. Septenrber 1923 Bette 5 WrenGpPilxfnocSen Wefkstäfle HiiaHcA Wto’ntngep {fiafcta. nserMoJelie *tdcv;Ko4utoe,M&ntcf zevßt* \ RikMaipuß üpernttng.l' <)Jr Iv.ii iiild Kabel bürg den Tr. Ernsins spielen. Am .Abend desselben Tages um halb 8 Uhr wird „Familie Schi mek' niit Dr. Rudolf Tyrolt als Zawadil wiederholt. L u st s p i e l t h e a t c r. Morgen Samstag und Sonntag dem 30. d., halb 4 Uhr nachmittags, finden KindervorftellungFn statt. Zur AuMhnmg gelangt morgen „Rotk ä p p ch e n" und Sonntag „yl s ch e n b r ö d e l". Halb 8 Uhr abends geht an beiden Tagen „H e r r s ch a f t li ch e r Di c ne r gesucht" in Szene. ,{Yn dce JM cn a i ssatu e B ii hu c ist die nächste Erstaussührung das englisckw Drama „Karneval" von.Herdings und Lang, ein modernes Eifersuchtsdrama, das in Loirdon, wo es seine Erstausführung erlebte, mit großem Erfolg ein« Saison lang gespielt wurde. In der Wiener Aufführung treten in den Hauptrollen Älaria .Karsten, Oskar Beregi uns iröilhelm Heim, der in dieser Rolle sein Engagement äntritt, ans. Bühne und Anft. Abschiedsabend der Düse. Rette Wiener Biihne. Elconora Düse hat gestern in dem schwermütigen i tal ien U scheu Stück „Di e verschlo ssene Tür" ihr Wiener Gastspiel beendet. Nach dem letzteir Mt wurden immer nette herrliche Blnntettspenden aus die Bühne getragen, und die große '.Künstlerin, die gestern wieder tigfste Wirikimg erzielte, wurde vom Piiblikum mit großer Herzlichkeit gefeiert. Sichllich ergriffen, erschien Eleonora Ditse immer wieder vor der Rampe und dankte in ihrer hohcitsvollen, unvergleichlichen Art für die begeisterten Ovationen, denen erst das Herablassen des eisernen Vorhanges ein Ziel setzte. „Ae deutsche« Kleinftiidter." (Vorstellung des Durgtheaters im Atadennetheater.) „Ein Wucherer, der ein kleines Kapitcrl durch große Ziitsen verhundertfacht s eilt guter Wirtschafter, der mit kveuigem attsreichi; ein geschickter Fraucrtschucidcr, der das nämliche Kleid nach jeder koechselndeit Mode umgestaltet. Er macht schneller ein Lustspiel als die Welt den St oft dazu. Er ist leichter zu übcrtrefsen als zu ersetzen." — Mso wird Kotze b u c von seinem berühmten Zeitgenossen Börrte charakterisiert. Gestern erkannte man bei der Wiederbegegnung mit den „Deutschen Kiteinstädterik", daß hundert spätere Behandlungen des Themas „Krähivinkel", sanfte ttnd bissige, harntlvs fröhliche ttnd blutig satirische, nur Variationen dieses Lustspiels sind, das die Leute aus Krähwinkel hernimmt, bat beschränkten, aufgeblasenen Philister, feine. Feigheit und Rechthaberei, seine. Titclsucht und eingebildete Würde, seinen Tyranueugeist daheim, seine Kriecherei draußen im Leben, vor allcnt aber die Verlogenheit seiner Gcsellschastsbeziehnngen. Man verglich den Großpapa Kotzebue mit den Enkelkinderit Thoma, Sternheim und Kaiser utid ntußte gerechter-, weise feststellcu, daß er vor seinen Nachfahren zwei Qualitäten voraus hat: Gemüt und Behagen. Und ist auch die „Aufniachung" übechol-t — Börnes Feststellung ist zutwffend, daß der alte Herr leichter zu übertreffcn als zu ersetzen ist. Die Aufsühruilg im Akademietheater ist ein Kabinettstück, seiner, geliasseu-hcitcrcr Lustspielkunst. Ganz besonders die Herren Straßui, Majerhofer und Haenft sc r m a n ii, die Damen Witt und D e v r i e n t - R e i n-- h o l d iviißteii warme Heiterkeit ins Haus zu tragen, und Anna S 'idle r, herzhaft und lieblich, war die Freude des Abend?. O. A. Apollo-Theater. Oskar Straus' Operette „Die t ö r i ch t e I u n g f r a u" erzielte, gestern bei der 25. Anssilhrung dank ihrer witzigen Musik, der veizvollen Inszenierung und ausge-zeichnetcn Besetzung einen stürmischen Jnbiläumserfolg. Die Philharmoniker wieder in Wien. Gestern früh um 8 Uhr trafen die Philharmoniker mit einer Verspätung von zwei Tagen, die durch Seesturm verursacht war, von ihrer südamerikauischen Tournee wieder in Wien ein. Etwa zweihundert Personen hatten sich zum Empfang der Matsiker auf dem Perron cingefnnden, wobei es auffiel, daß niemand von der Staalsopcr an dem Empfang teilnahm. Nicht alle, die am 26. Juni mit frohen Hoffnungen die Reise nach Südamerika angetreten hatten, waren gestern wiedergekehrt. Drei Mitglieder des Orchesters, der Geiger Karl K n o l l, der Klarinettist Prof. Franz Behrends und der Kontrabassist 'Eduard Madensky, sind während der Reise gestorben. Die geschäftlichen Erfolge erreichten nicht die Höhe der vorjährigen. Die Konzertes die voriges Jahr stets ansverkanft waren, hatten auf dieser Tournee geringeren Zuspruch. was vielleicht darauf zilrückzuführen sein dürfte, daß die Eintrittspreise zu hoch angesetzt wurden. Hingegen war der künstlerische Erfolg der Reise ein glänzender. Richard 3 t r n n ß wurde begeistert gefeiert. A«s de« Lheatera. Im Burgtheater gelangt morgen Samstag zu erhöhten Preisen das Lustspiel „D i c f ii u f Fra»k - fuxtet:" von Karl Rößler zur Aufführung. Anfang 7 Uhr. Im A k a d e m i c t h e a t e r wird morgen Samstag zu erhöhten Preisen das Lustspiel „Die deutschen Kleinstädter" von August v. Kotzebnc aufgeft'chrt. Anfang halb 8 Uhr. Volksoper. Morgen Samstag gelangen nach mehr-'' jichriger Panse unter der Leitung Direktor Felix Weingartners „Die Hugenotten" neu evustudiert zur Aufführung.^ — Wie schön berichtet, wird Kammersänger Karl Brtrian rrächste Woche in der Volksover in zwei seiner berühmtesten Rollen austreten, und zwar am 2. Oktober als Tannhäuser und am 6. -Oktober als Tristan. Deutsches Volk8the,ater. Ehrenmitcstied Doktvr Rudolf T Y r o l t wird Sonntag den 80. d. um 3 Uhr nqchmjtlaas iu dem Schwank .Großstadtluft" von-Blchp."». Serichtssaal. Dar Urteil Uber die Giftmischer. l Erst vor 1 Uhr nachts konnte gestern das Urteil in dem Plwzeß gegen die Giftmövder gefällt werden, welche den Hausbesorger Sebastian Lindner mit Zyankali aus dem Wege 'geräumt -hatten. Das Verdikt lautete: Wilhelm Schön ist des räuberischen M c itch e>lm o rdes e : nst i ntm I g schuldig befunden worden. Ebenso lautete die Beautwortuug der Hauptfrage auf räuberischen Meuchelmord lfür Katharina Schön, doch bejahte die Jury auch die Zusatzfrage aus u n w i d e rstehlich-en Zwang mit zwölf Stimmen, so daß ein? Freisprechung dieser Angeklagien erfolgen mußte. Die Hauptfrage aus Mord wurde bei Helene Kassie und Ferdinand Hagemeier verneint und die Eventnalsrage ans entfernte Mitschuld am Verbrechen des Mordes für die Kassie mit zwölif Stimmen, für Hagemcier mit elf Stimmen bejaht. Hofrat Dr. Ramsaner verkündete hieraus das Urteil, indem er K a t h a r i n a Schön s r e i s p r a ch, W i l h e l in Schön zu lebenslängliche m schweren verschärften Kerker, Ferdinand Hagemcier und Helene Kassie zu je acht Jahren schweren Kerkers, verschärft mit einem Fasttag viertel,jährig, verurteilte. Frontkämpfcrbelustignngen. Am 3. Juli d. Z. mar in Wien Froutkämpfertaa. Vor der Karlskirche wurde die ueuc Fr o ui kä mpserf ah n c geweiht, und die Windjacken- und - E-tahlhelmbuben ibcfitiertcn zur besonderen Ehre dieses Ereignisses im k. k. Paradeschritt vor ihren Führern. Nachdem sie genug geiveiht hatten, .zogen die Anhänger der inrlitärischeu Herrlichkeit teil nach Hause, teils in verschiedene Gasthäuser, ■ tvo sie, mit beispielsweise int „Weingarts", zur Ehre des großen Tages beträchtlichen Skandal verursachten. Eine Gruppe der .Bannerweiher geriet auf der Elektrischen mit mehreren in Zivil gekleideten Straßenbahnschaffneril in Konflikt, idc-sstn Nachspiel gestern vor dem Bezirksgericht stattfand. Die Angehörigen der Jugendgruppe der Frotttkämpfcrvcreinigurtg (wie alt mögen die drei Jünglinge wohl sein?), die Brüder Karl und Rudolf -Potz (sic!) und Johann Hochmuth, die das Abzeicheil ihrer Bereimgnng trugen, wurden von den Straßeubahuschafsueru Kloß und Tammerler aufgefordert, die Abzeichen zu eisernen. 'Schließlich wurden die drei Frontkam-pserjünglinge vom dleii-sthabeuden Schaffner aus dem Wagen gewiesen. Als sie lbald daraus einen anderen Wagen besteigen wollten, versuchieu Kloß und Tammerler, ebenfolls auf diese-m Wagen anfzujpriugen. Dabei wollte Johann Hochmuth ihnen den Eintritt in -den Wagen gewaltsam verwehren. Hochmuth versuchte, -den auf dem Trittbrett stehenden Kloß hinabzustoßen und versetzte ihm 'dabei einen Schlag. Kloß wurde eine Strecke weit nach ge schleift. Gestern stand Johann Hochmiuh wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit unter «Zlnllage. Da die einveriwmmenen Zeugen nicht genügten, um den Sachverhalt klarzustellen, wurde die Verhandlung nach vier Stunden zwecks Vorladung von weiteren Zeugen vertag t. Zehn Millionen Kronen Geldstrafe wegen einer Ehrenbeleidigung. Nominell dürfte dies wohl die höchste Strafe sein, die in Geld lvegen einer Ghrcnbeleidigung gegen einen Beschuldigten vom Bezirksgerichte verhängt worden ist. Die Be schuldigte', die sich ge-stern vor dem Bezirksgerichte Fünfhaus -wegen Gjreirbeleidignng des Rechtsanwaltes Dr. Valentin Teirich zu verantworten hatte, ist die Molkerei- und Hausbesitzerin Anna Brunn müller. Dr. Teirich führt nämlich als Anwalt einer gewissen Frau We l $ i f einen Prozeß gegen das Ehepaar Brunnmüller auf Ungültigkeitserklärung eines Hauskaufes, da sich Frau Wcizik als Verkäusevin benachteiligt erachtete. Dr. Teirich schrieb an Frau Brunnmütter einen 'Brief, in welchem -er Ausgl-vichsvorschläge machte und darauf hinwies, daß Frau Wetzik, eine einfache Frau, weitgehendes Entgegenkommen seitens der Brnnmnüller verdiene. Mit 'diesem' Brief begab sich die Beschuldigte zu Frau Welzik und sagte zu dieser: „D u h a st eine n s ch ö ,t e u Idioten als Vertreter." Frau Welzik hiuterbrachl.' die Aeußcrung dem Dr. Teirich, der nun gegen Frau Bruuumüller die Ehrenbeleidigungsklage erhob. Die Beschuldigie stellte -bei der heutigen VerhaMnng entschieden in Abrede, die inkrimiuierte Acußerung getan zu haben. Es liege ein Mißverständnis vor, denn sie habe gesagt: „Er stellt dich ('damit. war Frau Welzik gemeint) als beschränkt hin." Eine Nichte der Fra-u Welzik, die sich damals in der Küche ausgehälten hat, gab, als Zeugin einvernommen, an, die inkrim i n i c r t c A e u ß e r u n g gehört zu haben. RechtsaMoalr Dr. -Teirich war zur Verhandlung nicht cvschienen. Sein Vcr- . treter erklärte sich bereit, falls Frau Brunmn-üller eine entsprechende Ehrenerklärung abgebe. die Klage zuvück-- zitiziehen. Der Richter redete der Beschuldigten eindriuglichst zu, diesen' Vorschlag auzunchmcn. Frau Brunnmüller wies diesen Vorschlag zurück mtt der Begründung, sie habe den Dr. Teirich nicht beleidigt -und habe daher keinen Aulaß zu einer Entschuldigung. Der Richter verurteilte die Beschuldigte zu einer Geldstrafe von 10 Millionen Krone u mit der Begr-ündmlg, das durchgeführte Beweisverfahren habe die Schuld erwiesen. Als erschwerend wurde angenomuten, dast die Beleidigung einen Rechtsanwalt in Ausübung fernes Berufes betraf, ferner der Umstand, daß sie es abgelehnt hat, sich z» entschuldigen, bezw. ihr Unrecht einzusehen. Die Verurteilte hat gegen Schuld und Strafe berufen, der Kläger Punkt,' .Strafe, da keine Arrestcht-r»£e veiLÄiH worden ist.