Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1659 (27.9.1923)
- Date
- 1923-09-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980740--16249-3003145- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
J - c. / iai. iüüv MN, 2J0MtOr$Klfl Wiener Morgenzeitung. 27. September 102H Sette 8 Ae Lohnkmpse. In einer ganzen Unzahl von Gewerhen werden nun seif einigen Tagen Lohnkämpse geführt, die zum Teil bereits zur Anwendung gewerkschaftlicher Kampfmittel geführt haben. In den Theatern stehen die BühnenangefeÄllten in passiver Resistenz, tut Schneidergewerbe wird gestreikt, ebenso in den nichtmaschinetllen Betrieben der Schnhbranchc, die Bankbeamten, die Chauffeuresind mit Forderungen an die Unternehmer herangetrcten. So ausgedehnte Lohnbewegungen sind gewiß keine zufällige Erscheinung, und auch das zeitliche Zusammentreffen aller dieser Kämpfe ist kein Zufall. In der Tat gibt die Preiskurve der lebenswichtigsten Bedarfsartikeln in den letzten Wochen, eine deutliche Antwort auf die Frage nach der Ursache der jetzigen Lohnbewegungen.!Ans einer gestern erschienenen offiziellen Statistik geht hervor. daß im September die Kosten des Ernäürnn^süttswandes allein um 1.3 Prozent h ö h e r sind als inti Bormonat. (Wofür eine Aendernng der Verbrauchsg r n n d l a g e die teilweise Ursache sein soll, so daß die wirkliche Verteuerung nur fünf Prozent betragen würde.) Tatsächlich ist auf den Lebensmittelnrärkten ein stetiges A n lv a ch s e n der T e u e r u n g zn konstatieren, das sich besonders auf Fleisch, Fett, Gemüse nsw. bezieht. In den letzten Wochen ist auch das Brot um nicht weniger alA 310 Kronen teurer geworden. Die Teuerungswelle erstreckt sich aber nicht bloß auf die Lebensmittelmärktc, sondern sie hat auch die Bekleidnngs und Schuhbranche, ergriffen, und es ist nicht z„ vergessen, daß sich inzwischen auch der K o h l e n p r c i s wesentlich erhöht hat. Me diese Erscheinungen, die oft ihre Ursache in über- »näßigen Z w i schc nh an dle. r gew i nne n haben, mußten zu ausgedehnten Lohnbewegungen führen. Es ist zu befürchten, daß die sich gegenwärtig abspte'Lrnden Lohnkämpfc, die der Ansgangckpunkt neuer Preiserhöhungen in den betroffenen Geiverbcir sein werden, nur die Vorläufer von n e rl c u L o h n k ä nt pfen sind, und daß nufer Wirt-. schaMches Leben in der nächsten Zeit durch die Lohnbewegungen weitere Erschütterungen erfahren wird. Die Passive Resistenz der Bühnenangestellten wird verschärft. Im Lohnkampsak der Bühucnangeftellten ist seit gestern eine weitere' Verschärfung eingetrcten. Die inoffiziellen Verhandlungen, die zwischen den streitenden Parteien geführt wurden, haben zu 'keinem Ergebnis geführt. Bisher bezog sich die Bewegung cmf drei Punkte: Keine Uebcrstund c n, A n f l a s s n n g c n der Nachtvorstellungen und g e n a n c st e Einhaltung des Ko llcktivver träges. Seit gestern inittags wurde die passive Resistenz verschärft. I n folg' dstffer Verschärfung stellten die Bühnenarbeiter rm Bnrgcrtheater mittags die Arbeit ein, so daß die Premiere der Operette. „Mädi" verschoben werden mußte. Durch das Verhalten das technischen Personals wurde die Probenarbeit stark behindert, und die Aus s ch a ltnng des elektrischen Lichtes sowie das Herablas scn. des eisernen Vorhangs «nachte die Fortsetzung der Probe überhaupt unmöglich. Dev Schnciderstreik. Im Saale zu«n „Grünen Tor" hielten vorgestern die Hcrrenkundcttschtteidermeister eine Versammlung ab, in welcher über die bisherigen Verhartdlungelt mit der ftreifenben GehDenschüft berichtet wurde. Die Versammlung beschloß, als äußerstes Zugeständnis, zu dem bereits bewilligteir 10 Prozent Lohnzuschlag plus 3 Prozent Inder noch 6 Prozent zu bewilligen. Dieses Zugeständnis würbe sich nur ans bestimmte. Tarifklassen beziehen. Dev Lohnkampf in dev Schuhbranche. Ta in den Handbetrieben der Schuhbranche bisher keine Einigilng erzielt Iverden konnte, sind die Arbeiter von drei Betrieben dieser Kategorie bereits in den A >« sst a n d getreten. Die Forderungen dev Chauffeure abgelehnt. Die Genossenschaft der Lohnfuhrwerker Hot in einer dtusschußsitznng die von den Chauffeurelt erhobenen Lohnforderungen e i n st i m tu i g a b g e l e h n t. Ter Ausschuß ging von dent Standpunkte aus. daß die Ersütlnirg der Lohnforderungen eine Erhöhung der Fahrtaxen zur Folge haben müßte, was unter den gegenwärtigen Umständen, eine Abnahme der Fahrgäste nach sich ziehen würde. Die Fordernttgeit der Chatrffeure waren bis gestern, befristet. Heute findet in der Bolkshalle des Rathauses eine Bersamtniliing der Chauffeure statt, in welcher über einett eventuellen Streik entschieden iverhcn soll. Lohnvcrharrdlungen in den Gemeinschaftsküchen. Die Personale der Gcmeittschastsküchen de«: Wok, Schwarzwald uttd Mitella sind bereits im vorigen Mottat mit Lohnansprüchett hervorgetrcten. Die VerhaMnngen, die ljcht in ein cntscheidetches Stadium getreten sind, haben zit keinem Resultat geführt. Die Angestellten lehnten die Angebote der Dircktiottetr ab, reduzierten aber.glleichzeitig ihre Forderungen. Es dürfte zu einer gütl ichen Einigung kommen. Die Bewegung unter den Bankbeamten. Tie Bankbeamten haben gestern die von der Vollversamtnluna genehmigten Forderungen dein Bankenvcrband übermittelt. Frau Feriha - Ehrenmitglied der Staatroper. Während der gestrigen Vorstellung ttt der Staatsoper — mait gab „Tose a" mit Fratt Jeritzr in der» Hauptrolle — wurde der Künstlerin das Diplom als lr f) r e n n: i r a f ie b der St aats oper überreicht. Diese Auszeichnung «vurde der berühmten Sängerin wohl mit Rücksicht auf die alißerordenffitehen Erfolge zuteil, welche sie in Amerika und jüngst erst in Paris erzielt hat. Freilich erinnert mau sich anläßlich dieser Ehrung, daß Frau Jeritza, deren We'ltrnhm in Wie«« begründet nmrbc, in dieser Stadt nur sehr selten zu hören ist, und daß gerade jenes Kunstinstitut, welches sie mit der höchsteit Auszeichnung bedettkt, eben jetzt wieder seine Primadoitna in das TMarland beurlauben muß. Frau Jeritza trat gestern vor ihrer Abreise nach Ncw-Bork bas letzte Mal in Wien ans und ivnrde ganz außerordentlich gefeiert. Ae Gttomversorgung Wiens. Eine Feier in .Kienberg beim Anschlag eines neuen Stollens. Alts Kicnberg (Kaming wird gcnteldet: In Ergänzung des Bauprogram'ms der Gemeinde Wien zur Sicherung' der Stromversorgung der Stadt ohne Inspruchnahme ausländischer Kohle wurde in Gauting ent netter, ungefähr acht Kilometer langer Stollen angeschlagen, wodurch nun atlch die Energie der zweiten Wiener Hochquellettleitttng Müschen L tt tt z ntid K i e tt b crg - Gattting für die Strotncrzcugttng nutzbar gemacht wird. An der Frier des Stollenanschlages nahmen Bürgermeistcr R e tt tu a n tt sowie die beiden Bizcbürgermetsier sowie viele Stadtuitb Oicntciubcvätc, ferner Vertreter der Bundesländer Oberösterreich unb Steiermark teil. Gemcinderat Professor F r ä u k c l begrüßte als Vizepräsident der „Wag" die Festgäste, wobei er eilten kurzen Ueberblick über die Entwicklung des Wiener Wasserkraftwesens gab, /und sodann den Bürgermeister Reumann ersuchte, das. Zeichen zur ersten Sprengung des Stollens zn geben. Bürgermeister Renmann führte n. a. ans, cs gelinge, Stück ans Stück die weitansgreifenden Pläne zur Beschaffung elektrischer Energie für die Stadt Wien und das Wiener Becken in die Tat nmzufetzen. Ter Bürgermeister gedachte der schwierigen Vorarbeiten für dieses Werk, und verwies auf den Ausbau der Opponitzer Kraftwerke, die ' in einem Jahre 12.000 Pferdckräfte nach Wien entsenden. Ans eigener Kraft habe die Bevölkerung Wiens die Mittel aufgebracht, um sich freizumacheu von der Abhängigkeit von ausländischer Kohle. Während der Rede des Bürgermeisters erfolgte die erste Sprengung des Stollens. Fleischverteuerung. Die Austvärtsbewegung der Preise ans den letzten Märkten itt St. Marx bewirkte Preissteigerungen, die bereits gestertt im Großhandel und im Tetailverkanf zum' Ausdrucke kamen. Im Tetailverkanf tvnrden die. Preise für Rindfleisch um 2000 Kronen hsnaufgesetzt, auch Fett war erheblich teurer. Auf den Obstmärkten waren die Zufuhren voit Zwetschken heimischer Herkunft besonders groß. Das Killogramm stellte sich durchschnittlich ans 1800 bis 2200 Kronen. Das Angebot an (Stent und Butter ist cmhMend gut. Trotzdem bleiben die Preise ungerechtfertigt hoch. Für Eier zahlte man auf dem Na sch markt im Detailverkehr bis 18 00 Kronen pro Stück. Ter Absatz vcKzieht sich teils tvegen der Hoheit Preise, teils wegen des bevorstehenden Monatsendes ans den meisten Marktgebieten sehr schleppend. WSnueres Wetter. Die Wetterlage hat sich gebessert. Gestern blieb es in ganz Oesterreich vorwiegend heiter, nur Wien hatte mittags vorübergehende stärkere Bewölkung. Es war um einige Grade wärmer als vorgestern (Innsbruck 19 Grad, Wien 18 Grad). Das Wetter dürfte einige Tage trocken und mäßig bewölkt bleiben, hu Gebirge mit stärkerer Neigung zn Morgcnnebeln, i» Tatebenen mit niederer Wolkendecke. Voraussage: Trocken, mäßige Bewölkung, etwas wärmer. Mitteilungen nur dem Publikum. L. & C. HARDTMÜTH’3 KOHINOOR-BLEISTIFTE MEPHISTO-KOPIERSTIFTE ANERKANNT UNERREICHTE FABRIKATE ZU HABEN IN ALLEN BESSEREN PAPIERHANDLUNGEN ncs AUTO - stäubmäntel] OVERALL-ANZÜGE i Berufsklciderfabrik ßrrassfoapd I Ull.Burugasse8l.Tel. 34-0-25 > nAX RUDOLF AEISELS WIEN, I., JUfcENFLflTZ 6 TELEFHON 65-4-56 UCBEKNIMMT SÄMTLICHE' BANK- U. BÖRbtHTRflNSflKTIOHtrN ZUR K UL fl H T E 5TC- M DURCMKlHRUNG ABSCHIED! Am Sonntag den 7. Oktober 1. J. verlasse ich dauernd Wien, um mir in Amerika eine neue Heimat zu suchen. Durch dringende Geschäfte verhindert, mich von meinen vielen Freunden zu verabschieden, rufe ich auf diesem Wege allen ein herzliches Lebewohl zu. Auf WictTcrsclicn i» Erez Israel! David Horowitz II. Tandelmarktgasse 11. * Das Jubiläum Wladimir^Temkins. Aus Berlin wird uns geschrieben: Am 23. September fand im hiesigen * Unfall des Dramaturgen Glücksmann. Dienstag abends ist dem Dramaturgen des Deutschen Volkstheaters, Schriftsteller Heinrich G l ü ck s ttt a u tt, der erst vor 10 Monaten von einem Kraftwagen niedergestoßcn worden war und schwere Verletzungen erlitten hatte, neuerdings ein Unfall zugestoßen. der jedoch glücklicher verlief. Vor der Rotenturmstraße kam Herr Glücksmann beim Abspringen von der elektrischen Straßenbahn zu Fall, wobei er sich Kontusionen an Stirn und Nase, an der linken Kniescheibe und der linken Hand znzog. * Armes, jüdisches Mädchen, von ihrem Vorführer verlassen. welches, selbst krank, ihren notleidenden Eltern zur Last fällt, bittet in ihrer Verzlveiflung edle Herzen, sich ihres kleinen Kindes, zu erbarmen, für welches sie unmöglich sorgen kann. Jede Art' von Unterstützung ist willkommen, auch wäre sie bereit, das Kind an Kindcsstatt äbzugeben. Wir sind gerne bereit. Spenden und Zuschriften entgegenzunehtnen und ihrer Bestimmuug zuzuführeu und empfehlen die Bittstellerin wärmstens. welcher den Jubilar in einer Ansprache begrüßte und dessen zionistische und allgemein jüdische Tätigkeit würdigte. Hierauf teilte namens der Gesellschaft „O r t" Herr Bramson mit, daß die Gesellschaft beschlossen habe, auf den Namen Temkins eine neue Berufsschule in Beßarabien zu gründen. Eine Reihe von Vertretern verschiedener indischer Körperschaften begrüßte den Jubilar, die Festrede hielt Jabot insky, unter dessen Vorsitz hierauf ein Festbankett stattfand. * Verschleiß von Regalia-Media-Zigarren in .Kleinpackung. Die im Tvezialtarise der österreichischen Tabakregte angeführte Zigarrensortc „Regalia-Media" gelangt demnächst in einer Kleinpackung zn fünf Stück zum Preise von 14.000 Kronen für eine Packung in Verschleiß. * Großseuer in Badgastein. Aus Bad gaste in wird gemeldet: T'.e bekannte Iauseustation am Ende der Kaiser Wilhelm- , Promenade, die Restauration „zum grünen Baum", geriet in Brand. Das Feuer erfaßte auch ein Anwesen, das tnitsamt dem Wobnnngsgebände, dem Wirtschaftshofe, den Stallungen und den Stadeln bis auf den Grund niederbrannte. Auch das benachbarte Anwesen wurde von den Flammen^ ergriffen. * Eine englisch-hebräische Klassikervublikation. In den nächsten Tagen soll der erste Band der jüdischen Klassikerserie der I e w i s h P n b l i c a t i o n Society in Amerika erscheinen, welcher eine Auswahl dev religiösen Poesie von Jbn Gabirol in englischen Versen von Israel ZangMill bringt. , Ter englischen llebersctzung soll der vokalisierte hebräische Text beigefügt sein. Im ganzen ist die Herausgabe von 25 Bänden jüdischer Klassiker geplant. Die Herstellungskosten sind durch einen Fottds gedeckt, welchen der verstorbene Jakob Schiff gegründet hat. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) Zeder Wahle im eigene« Znterefse bei Einläufen das Warenhaus Brüder Tchiffmann. Infolge Vergrößerung der Geschäftsräume gelangen im Kaufhaus B r ü d e r S ch i r f m a n tt, 2. B e z., T a b o rn r a ß e 48, Waschwaren, Damen- und Herrenwäsche, ferner Leiuenwaren, Bettwäsche, Negenmäntcl sowie original englische Stoffe für Damen und Herren in enormer Auswahl zu unerreicht billigen Preisen zum Verkauf. . Nachstehend einige Beispiele: 8.500 St. » ' Chiffon. „ „ 12.000 K. 8.800 „ - „ Streifgradl. 14.000 „ Bettzcuge. „ „ 12.000 K. 0.800 „ Bettücher, 140 Zentimeter breit ir t 10.800 „ Matratzengradl. 28.000 ,. Blaudruck . .. 0.800 „ Etamine in alten Farben . . . 7.900 „ Damenhemden. . 25.000 K. 19.800 .. Damengarnitnren (dreiteilig) . . 98.000 „ Seidenjumper .. 59.000 „ Kretonhemden (für Herren) . . .. . 29.800 „ Unterhosen. *•••«• t 18.000 Covercoats. Englische Schafwollstoffe. . . . .... .... . 45.000 .. Regenmäntel. 125.000 „ Zur Saison I Reiche Auswahl neuester Pelzmodelle in sfimfil. Pelzarten — Pariser u.Wiener Qeschmack vereint - erzeugt nur in eigenen Werkstätten, unter pers. Leitung des bestrenommierten Inhabers der Firma II Mr$M9-11 iur Jotas. H