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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-27 · Heft 1659 (27.9.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1659 (27.9.1923)
Date
1923-09-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1659 Wien, Donnerstag Wiener MornenzeiLung. 27. September 1923 Sette 8 $zm Donnerstag 7,8 Uhr Ms. ins Aestammit Sternbach. XX. ZSgerstt. 2 Redner: Sr. SSwenherz Sr. Waldmmur Wähler! Erscheinet in Massen! Zesterreich. Eine Aenbernng in der FndeMerechmng. In den soeben erschienenen offiziellen „Statistischen Nachrichten" ioirb auf die trotz der Stabilisierung unserer Währung eingetvetene Verteuerung verschiedener Lebensmittel und der Kohle verwiesen, welche 'bei den Berechnungen über den Ernährumgsaufwand unter der Voraussetzung eines völlig unverändert beibehaltenen B erb rau chs sehe mas zu einer Steigerung von drei Prozent geführt haben. Nunmehr wird angekündigt, daß „angesichts der immer mehr zu ihrem Norlnabstand zurückkehrenden Verbrauchs- und Marktder- Mtnisse" bei der Berechnung des Index ein geändertes Verfahren Platz greisen wird. Da mit der Stabilität unserer Währung, im Gegensatz zur früheren Zeit immerhin auch eine gewisse Beruhigung auf den Warenmärkten eingetreten sei und sich die Löhne in weitern Uni fange bereits von der starren Anpassung an geringfügige Jndexschwankuugen emanzipiert haben, erscheine es gerechtfertigt, daß eine für das praktische Leben bestimmte Berechnung des Nahrungsaufwandes mit den Gewohnheiten dieses Lebens in Einklang gebracht wird. Das bisher verwendete Verbmuchsschema wurde einer gründlichen Durchsicht unterzogen, di>e wesentlichsten Aenderungen -bestehen darin, daß die Q u o t e n f ü r d i e Fettsorten, Milch und Eier, erhöht, dagegen die für Brot, Reis und H ü l s e n s r ü ch t e v e r in i n d e r t wurden, um eine zweckmäßige Verteilung der Kohlenhydrate, Fett mud Eiweiß, zu erlangen. Auch die Verbrauchsmengen an Heizmaterial wurden den gegenwärtigen Verhältnissen besser angepaßt, da seit der Aushebung der Rationierung die Kohle für Koch- und Holzzwecke eine weit größere Nolle spielt als das Holz. Im September erscheinen die Kosten des E rit ähruugsauswaud es um 13 Proz c n t h ö h e r. Da diese Erhöhung zum überwiegenden Teile nicht auf den Tcuernngsprozeß, sondern auf die geänderte Verbmuchsgrundlage zurückzuführen ist, wurde die Steigerung gegenüber den: Vormonat diesmal auch derart berechnet, daß einerseits für den Vormonat bereits die neue Verbmuchsgrundlage vorausgesetzt, andererseits auch das für den Monat August angcwendete Schema unverändert beibchalten wird. Unter der crsteren Voraussetzung, welche den Zwecken einer der Geldentwertung folgenden Lohnbemessung und der neuen Verbmuchsgrundlage Rechnung trägt, beziffert sich die Steigerung im September mit fünf Prozent, genau 4,9 Prozent. Die„Mgebmtsn" HM 8«nZeOrSW«tte». Eine aus b-cn Herren Direktor Sch i d l, Ncgiernngsrat Dr. Groß manu und Agrar.-Jng. Kapfenberger bestehende Abordnung sprach Dienstag bei Herrn Bundespräsidentcn Harnisch vor, und entwickelte ein großzügiges Projekt, wonach abgcbaute öffentliche Angestellte nach Absolvierung eines Fachkurses dazu verwendet werden .soillen, durch Errichtung von Stationen für landwirtschaftliche Kleinmaschinen, durch Vertrieb mtb Gewinnung von Saatgut sowie Futtersämcreien, durch Erzeugung und Verkauf von Kraftflltternlitteln ans inländischeil Bodenproduktcn, durch Errichtung von Dorsmettkereien, wonach öffentliche Angestellte in die Lage versetzt lvürden, sich neue Exisienzmöglichkciten zu verschaffen. Der Bundespräsident begrüßte dieses Projekt auf das lebhafteste und stellte in Aussicht, sich mit den diesfalls in Betracht komluendeu staatlichen Stellen und Körperschaften ins Einvernehmen zu setzen. Er betonte, daß auch die öfter-' reichische Industrie Anlaß hätte, dieses Projekt nach Kräften zu fördert:, und gab feiner Ueberzeu.gung Ausdruck, daß bei Zusammen-fasseu aller in Betracht kommenden Kräfte tu'cht bloß im Interesse der Abgebauteu, foitbcmt auch im Interesse der gesamten Volkswirtschaft ans diesem Gebiete Bedenteirdes geleistet werden, könnte. Der Schutzverbanb tvird sich bereits in. den ttächstan Taget: mit dem Minister für Land- und Forstivirtschaft, mit bent Generalanwalt der landwirtschaftlichen Genossenschaften und den ür Betracht kommenden Industriellen wegen raschester Durchfilhrung des Projektes iit Verbindung setzen. Schlich m NatiMalrat Der Nationalrat hat gestern seine letzte Sitzung abgchaltvn. Die Wahlbewegung färbte kaum auf die Verhandl.mgon des Hauses ab, die Abgeordn'üen befleißigten sich sogar eines vecht wohlanständigen .Betragens und sparten ihre Lull.genkra.ft sichtlich für die Versammlungsk ampagne auf, die nun in verstärktem Maße einsetzen wind. Es herrschte eine Stimmung des Abschiednehmens, da von den 185 Nationalräten 18 infolge der Vormunde rmrg der Mandatszahl nicht mehr im neuen Haufe erscheimen weiden; man sah diele, die, von ihren Parteien iou Stiche gelassen, den: künftigen Nationalrat nicht mehr angchöven wenden. Präsident Dr. W e i s kir ch n e r, auch einer der von seiner eigenell Partei: A b g e b a u t e n, ervff'Nete die Sitzung, gab aber bald den Voüsitz an den Präsidenten Sei tz ab, dem am Schluß dann auch die Aufgabe znfiel, der scheidenden Volksvertretung die Mbschieidsnüde zu halten. Er vermied es hierbei, einen Rückblick auf die Arbeiten des Naiionailrates zu werfen, weil er des Genfer Werkes hätte gedenken ntüssen, das seine Partei so scharf bekämpft hatte. Honte, wo durch die außerordentlichen Vollmachten, die die Regierung int Händen hat, die Rechte des Nationalrates sehr beschnitten sind, mag es unangebrach' erscheimen, Betrachtungen anzustellen, ob der Nationalrat nicht selbst daran schuld war, daß es zu einer so weitgehenden Einschränkung seiner Besugn-isse und zttr Etablierung der Fremdenkontrolle kommen mußte. Wenn man die Leistungen einer Volksvertretung nach der Stückzahl der von ihr geschaffenen Gosche mißt, so würde das scheidende Haus nicht schlecht wegkormnen, allerdings war alles, bis aus die Genfer Gesetze, Stückwerk. Das Haus fand zu dm großem, die Welt bewogetrden Fragen keine rechte Einstellung, in allen Kultttrsrag-on l-at es versagt, das Banausentum von Provinzadvokatcit, Gewerkschaftssekretärin, von Bauern, deren geistiger Horizont nicht weiter als die Gemarkung ihres Heimatdorfes reicht, und schließlich od.-ste Parteipolitik waren vorherrschend. Charakteristisch dafür waren alle Gelegenheiten, bei denen im Nationalrat jüdische Fragen angeschnitten wurden. Eine Einstellung zur grvßett nationaljüd'scheu Bewegung hatte keine der Parteien. Boi den drei erklärt antisemitischen Parteien wirkte das bloße Wort „Jude" 'immer wie ein schmutziger Witz bei -Cfincan Herrenabend, während sich die R a s s e j u d e n auf den Bänken der Sozialdemokraten immer vor der Erörterung jüdischer Dinge verlegen drückten und ihre arischen Parteigenossen wiederholt noch die judenfresserischen Exzesse eines Jerzabek und Zeidler zu übertrumpfen such ton. Das österreichische Judentunt hat keine Ursache, dem scheidenden Nationalrat Tränen nachznweinen. Während seiner dreijährigen Fnnktionsdauer setzte diese Körperschaft einen Dr. Waber Wühnbanvertzflichtnng für Bemsögenbefitzer. Eine Interpellation des Abgeordneten Dr. D a n n eüerg, die letzthin im Nationalrat eingebracht wurde, erinnert den Bundeskanzler Dr. Seipel daran, daß er wiederholt in letzter Zeit öffentlich die Aeußenrng getan hat, „daß Leute m 11 größeren Vermögen gezwungen w e t b c tt sollen, f ft r ihre n Wohn n n g s b edarf atts eigenen Mitteln zu sorgen, statt d e tt M i e t e r s ch n tz i tr A n s p r u ch z u n e h m e tr." Die Anfrage verweist atrf die gelegentlich der Beratung des Mietengesetzes votn Nationalrat beschlossene Resolution, in welcher die Negierung aufgefordert wurde, ehestens dent Nationalrat einen Gesetzentwurf vorznlcaen, der Privatpersonen, die,cin ein bestimmtes Maß übersteigendes Vertnögen besitzen und zttr Miete wohnet:, verpflichtet, binnen einer angemessenen Frist entweder für ihren eigenen Bedarf eine Wohnung neu herzustellen oder einen zur Herstellung einer solchen Wohnung ausreichenden Abstndungsbetrag zu leisten. „Da nun," heißt es weitem „in der letzten Zeit auch von Ihtren, Herr Bundeskanzler, der Standpunkt öffentlich vertreten wurde, den der Nationalrat schon am 7. Dezember 1922 durch seinen Beschluß bekräftigt hat, stellen lvir die Anfrage: Warum hat die Bundesregierung den Beschluß des Nationalrates mißachtet und den Gesetzentwurf nicht vorgelegt, der Persotten mit einem bestinnnten Vermögen eine Bauverpflichtnng auserlegt?" Die Bezüge der Bundcsangcstcllten am 1. Oktober. Am 1. Oktober gelangen für die BmtdesaMesir'llteu 165,4 Märzbezüge, 50.000 K. Haushaltungszuschuß mtd Frauauzulagc, 50.000 K. Kittderzttlage oder "Aushilfe, TöOO K. Aushilfe für Verwandte in auf- oder absteigonder Linie und je 6000 K. Km'dexzttschuß zutn ÄKensmittelabbatt zur Auszahlung. Die Abzüge betraget 1,5 Prozent Kratckenvevsicherunasbettrag und sechs' Märzbezüge für Pensionsbeitrag und Einkommensteuer, bezi'ehu'N'gsweise sieben Märzbezüge bä einem Einkommen von mehr als 2,060.000 K.. beziehungsweise acht Märzbezüge für Angestellte, die mit dreißig Dienstjchrcn vollen Pensionsanspr.uch haben. Das Hüsspersotml erhält 09,t Märzbezüge, der Abzug beträgt anderthalb Märzbezüge für Einkommensteuer. MiSP WWWD MWWV WWWLD €IM> nwrtfeeaafciyi | BsObLWomMMMrdie i I „Wiener Morgeuzeitmg" I in die Regierung ein, der zehntaufvnde Inden um ihre österre-ichische Staatsbürgerschaft brachte Die vom Nationalrat kontrollierte Verivattung wurde iiM'rner mehr von einem Geiste böser G-ehäss'gtieit gegen! alles Jüdische erfüllt und als vollends der Samerungskanzler Dr. Seipel das Wort von der bodenständigen- Bevölkerung prägte, zu deren Rettung er dm Weg nach Genf gemacht, da mußten die österreichischen Juden jii der Ueberzougung kommen, daß sie «in dem Haus, in dem sie nicht vertraten sind, niemals eine Stätte findet: werdet:, wo ihnen ihr Recht wird. Dies mag eine Lehre für die kommenden Wahlen sein, in denen das österreichische Judentum alle Kräfte wird anspannen müssen, um sich eine Vertretung im neuen Hause zu sichern. Die Nationalrat ssitzung selbst ging ohne Zwischenfall vor sich. Fast ohne Debatte wurden nicht weniger als sechzehn Gesetze erlli.digt, und zwar das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb, das Tanzlehrer ge setz, die Revision der Ovtsklasseneinterlung, die Erhöhung der Kranken-- und Arbaitslosendersichevung, die Btr-längerung der Reklamationsfrist für die Wahlen und das Südbahn Übereinkommen sowie zwei Gesetze, die Mit dem Südbahnakkord im Zusamntenhang stehen, nnd zwar das Gesetz rüber die Auflösung von Verträgen über die Beiriebsführung von Privatbahnet', und die Erweiiernng des Wirkungskreises des Wirtschaftskörpers der Bundesbahnen. Das erste soll die M3gglichkeit schossen, die Pachtverträge, wenn die vereinbarte Vrwgüttmg oder die Pachtrente mit dem erzielbaren Be< triebsergcbuis in einschneidcndcr Weise im Ggensatz steht, halbjährig zu kündigen. Durch das zweite Gesetz werden Vorbereit u n gen f ü r en c i: t) c n t it 11 'I e Hebern a h m e des Betriebes der S ü d b a h n durch den W i r tschastskörper österreichischer Bundesbahnen getroffen. Das Haus beschloß ferner die Erhöhung -der Taxen für die Erteilung von Apolhekerkouzessioncn, das Bohrsundgefetz, das F a m i l: e n g l ä u b i g e r g e s e tz tmd eine Novelle zum Pensionsgosetz, t:ach welchem P e u s i o nist e n Vorschüsse in der Höhe von sechs Monatsbezügen erhalten können. Mit der Schlußansprache des Präsidenten Seitz, der immerhin die Möglichkeit zugab, daß noch eine Sitzung des NationÄrates notwendig werden könnte, war die Wschiods-' Vorstellung des Nationalrates zu Ende. Morgen hält noch der- Hauptausschuß eine Sitzung ab, uni die Vergebung des K l o st e r n e u b n r g e r In d u st r: e w e r k e s an die Firma F u ch s - G m e i tt e r zu beschließen, und am Freitag tvird der Bund es rat die letztgesaßten Nationälratsbeschlüsse zu überprüfen haben. PglZY. Asr der Ankunst des Finnnzbersters. Warschau, 26. September. (Tel. b. „Wr. Morgen«, zeitung".) Im Ministerratspräsidinm fand eine Konferenz statt, in der die Vorbereitungen firr die Tä'tigkeit?Nr. A o u n g s besprochen wurden. Im F i n a n z m i n ift e r i u m wird bereits für ihn eir: Bureau organisiert Die Aationaldemokraten gegen die 8sdM FndMrie. Aus W a r s ch a u wird -uns gvnteldet: In der letzten Beratung ber N a t i o n a il d e m o k r a t e n wurde eine Kantpsansage an die Lodz er Industrie beschlossen, falls die Preise der Textilwaren nicht erntäßigt werden. Sollte dieser Kanrpf erfolglos -sein, beabsichtigen die Nationaldetn-okraten ün Sejnr ein Gesetzesproje'kt über die B e s ch l a g u a h m e sämtlicher -Fabriken einzubringen, weil die Lodzer Industrie nicht zum Nutzen der Bevölkerung arbeite und vom Staate große Mengen ausländischev Valuten beanspruche. PKlWMK. tollen kür a!e dterdstunck für cien Lin kaut von JiKR WÄHLE Wintersaison: Damen- und Herrenwäsche, Betttmd Hauswäsche, Strickwaren, Teppichen, Vorhängen etc nur das bekannt verlässliche u. billige RMehr der arabischen ZelegatioK. Aus Ierusalettt meldet I. C. B.: Die palästinensischarabische Delegation, die sich unter der Führung -von Husa Kazirtr Pascha in L o n d o n ausgehalten hat, soll Ende Septonrber nach Palästina zurückkehren. Die Delegation wird eine Darstellung 'der Lage veröffentlichett, tvclche die Fornr einer Proklamation an die arabische Bebödchrung tragen wird. Eine Warmmg an die arabischen Scheüh).? e l.-.-m» Mandant der palästiuensischen Truppen, Generalmajor Sick Hettrp T it d o r, hat eine Versamnilung der S ch e i ch s de« Distrikte von Jericho bis Verseba nach Jericho e i n b c r n f etr. Es waren etwa 30 Scheichs anwesend. General Tudor hielt eine arabische Ansprache an die Scheichs, und gab ihnen zu verstehen, daß er nicht zögern werde, ihnen gegenüber Kr ieg s meth o den anzuwenden, falls sie sich nicht friedlich verhalteit. Der entschiedene Ton der Rede des Generals Tudor machte einen starken Eindruck aus die Anwesenden. Die Veranlassutug zu dieser Versammluttg tvar die Haltung der Scheichs gegenüber der Gendarmerie und beut Behörden während der letzten Zeit. (I. C. B.) ie 43 Toiophon 47-1-V3 Ln g?os E« cSe'aSL wwsMWssm»' Schiffmann

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