Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1658 (26.9.1923)
- Date
- 1923-09-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Geile S Wie«. Mittwoch Wiener Morgenz§ftrmg. 26. September 1923 D. 7M Londoner Whisky-Firmen. Sie empfangt ganz,e Schiffsladungen von Whisky, die sie w' die Grenze, der amerikanischen Territorialgewässer bringt, von wo ans die Schmuggler ihre Arbeit aufnehmen, um das Geschäft zum vorteichaften Abschluß zn dringen. Sie begnügt sich aber nicht.mit dem handwerksmäßigen Teil dieses Handels und mit dem Handelsgeschäft allein, sie ist vielmehr -bemüht, das Wesen ihres Handelszweiges zu ergründen, und war zum Ztvecke eingehender Studien auf weiten Reisen. In London hat Cleopatra kürzlich' ihren Firmen ein Memorandum unterbreitet, in dem sie darlegte, daß die .Insel, auf der sie lobt, nicht den besten Handelsplatz für die bisherigen Geschäfte bildet, und machte einen anderen Platz namhaft, von wo aus der Schmuggel nach Zlmerika einen weit größeren Erfolg derspricht. - Jedenfalls hat sie den Titel „Königin" verdient, da es ihr geglückt ist, sich zur Herrin de« Schmirggkergesindrls zu machen. Sie hat vor diesen Leuten keine Angst. Einst erfuhr sie, daß ein Schmuggler ihren Whisky und ihre Person abfällig iflß Gerede zog. Sie suchte ihn drei Tage lang und fand ihn bei einem Friseur. Sie stellte ihn zuerst wegen dem Whisky zur Rede und erklärte ihm, daß ihre Marke die beste fei.- Zum zweiten Teil der Verleumdung, der ihre Person betraf, nahm sie ihren Revolver zu Hilfe und bedrohte 'den Schmuggler, der es vorzog, eingestlst wie er war. das Weite zu suchen,. __ Sie Kinderarbeit in den Bereinigten Staaten. Eine der furchtbarsten Erscheinungen im sozialen Leben der Vereinftsteti! Staaten ist die unerhörte Ausbeutung der Kinderarbeit, die oft geradezu grauenhafte Formen annimmt. -Mit dem Bestreben noch Verbilligung der Arbeitskraft geht eine immer stärkere Ansnlitzung -der Kinderarbeit Hand in Hand und führt 51t einer geradezu entsetzlichen Verelendung der Kinder in physischer, -moralischer und kultureller Beziehung. Volle 25 Jahre führen Personen der amerikanischen Oeffentlichkeit- und soziale Fürsorgeovganisationett einen vergeh l i che n Kampf gegen die Kinderarbeit, der jedoch durch die Widerstände aus dem Kreise der an dam Fortbestand der Kinderversklavung interessierten Schichten bisher ergebnislos geblieben ist. Zweimal hat bereits der Kongreß der Bereinigten Staaten ein Gesetz beschlossen, -das die Kinderarbeit verbietet, aber jedesmal wurde von den Nutznießern det Kinderarbeit und den ihnen dienstbaren Organen der Gesetzgebung und Verwaltung das Inkrafttreten des Gesetzes verhindert, mit der Begründung, daß es gegen die Verfassung verstoße, da cs die verfassungsmäßig gewährleisteten Individualrechte des Bürgers „schmälern" würde. Nun hat abermals eine starke Propaganda für die gesetzliche Einführung eines Verbotes der Kinderarbeit eingesetzt, wobei auch die angeblichen staatsgrundg-esetzlichen Hindernisse durch ein A-meNdeurent zinst Verfassungsdekret aus dom Wege geräumt werden sollen. Ten letzten Kongreßfitzu ngen lagen nicht weniger als 17 Anträge zu dieser Frage vor; sie wurden vorläufig znrückgrftellt, da die Anhänger der Kinderarbeit ihre Behandlung durch Einbringung politischer Anträge, welche in der Kongreßt-agesordnung den Vorrang haben, versperrten. Demnächst soll aber die Frage der Kinderarbeit ii]t Kongreß ausführlich behandelt w-erden. Freilich — sollte das Verbot der Kinderarbeit im Kongreß durchdringen, so ist noch ein weiter Weg bis zum Inkrafttreten eitles solchen Ostfttzes znrückznlegen, da auch diesmal die an der Kinderarbeit interessierten Kreise nichts unversucht lassen dürften, um ftine Durchführung zu veveiteln. Erhöhte Pflichten. Lin Ausruf der österreichische« Keren Hajessod-Kommissiorr. - Der Aufbau des jüdischen Palästina ist im Zuge. Din Hingabe, der Opfermut, die Erfolge der jüdischen Pioniere haben die Bewunderung der kühlsten und skeptischesten Besucher der Kolonien heworgevust-n- Die große Sorge der Palästina-Freunde ist und bleibt die gringe, die erschrecklich geringe Anteilnahme der Judenschaft außerhalb Palästinas an diesem heroischen Werke der Errettung und Erneuerung. Die dorr unten geben das Herzblut her. Hier bleiben die Taschen zugeknöpft. Aber immerhin konnte man im letzten Jahne, mit bestimmten stetig wachsenden freiwilligenden Steuer Feldern von Inden für Erez-Isra-el rechnen. Nicht das geringste Partikelchen dieser Budgetbeträge war cu behrlich, und niemand dachte daran, daß sich diese ohnehin verzweifeltkleine Summe dauernd verringern könnte. Dieser Fall i st aber jetzt d n r ch d i e tv c risch a f t l i ch e Lahmlegung Deutschlands leider c i n getret en. Die deutschen Inden, zionistische und nichtzionistische, letztere unter Führung Direktor Wassermanns, haben Vorbildliches an systematischer, zielbcwußter, zäher Werbearbeit für den Palästina-Grundfonds, den .Keren Hajessvd, seit der Gründung dieses zentralen Finanzinftitnts für das jüdische Palästina geleistet — und jetzt stehen sie vor dem unüberwindbaren Hindernis des Zusammenbruches der deutschen Mark. In Oesterreich hingegen, mit seinen mehr als 300.000 Inden, mit feiner kulturell hochstehenden und in bestimmten Schichten recht begüterten Judenschast, beginnt erst in den jüngsten Monaten die Erkenntnis zu dämmern, daß die materielle Förderung des neuen jüdischen Palästina mehr als Menschenpflicht, mehr als „Prestigefrage", eine Frage der Selbsterhaltung ist. Bei einiger Anstrengung, bei einigem Opfermut könnten die österreichischen Juden jetzt wenigstens das leisten, was die Aenderung der Wirtschaftslage Deutschlands unbedingt von ihnen heischt: den Ausfall wett zn machen, der ohne Verschulden der reichsdeutschen Judemchast in den nächsten Monaten eintreten mutz Mitteilungen müdem Publikum. ik J. Spira Feine . °>-> Wi«,111. SIlMMSSt 1~3 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse Modernisierungen prompt und billig? 369 II, Schmelxg. 6 Pelzmoden-Werkstätte A, Teitler ERKLÄRUNG!!| Um eventuellen!rr(liniern vQriubeugen, teilen wjr mit. <U*8 wie mit der I Firnm „Beatrix", W6lie» und 8eläe«-«»i»rlk» %. 6.. Il|. Linke I Bahngasse 9, die das Ausgleichsverfahren angemeldet hat, in gar I kairtar Baaiehung wsd»r ateher» noch standen« Wir haben I dieser Firma nur Fabriksrilume in dem uns gehörenden flanse veraltetet Baatrixbad G.m.b.H., J.Bureztyn Es ist keine Zeit zu veriiercn und es gibt bei den setzt schon konsolidierten W > r t s ch a f t s v e r h ä l tn i s j e n Oe st c r vr i ch 8 ke ine E n t sch n ld i gnii g m e h r- Es wäre unsäglich traurig, tvenn die österreichsche Judenschast nicht schon in der nächsten Zeit ein Vielfaches ihrer D 13he riß cii L e i st n n g e n für den Palästina-Aufbau anfbringt. . Die österreichiche Keren Hajessod-Kommission wendet sich mit diesen Zeilen an alle diejenigen, die bereits regelmäßige Leistungen dem Aufbautverk zuführen und die Errichtung der jüdischen Heimstätte zu ihrer eigenensSache gemacht haben. Sie mögen daran denken, daß ein Unglücksfall die ohnehin geringen Eingänge für den Keren Hajessod aus den europäischen Ländern verringert hat und dafür sorgen, daß sich durch ihre Werbearbeit die Anzahl der Keren Hajesfod-Zeichner Oesterreichs schon in den allernächsten Wochen verdoppelt. fftn Hakenkreuzlerzwlft. Die „Deiltschösterrcichischc Tageszeitung" veröffentlicht folgende, einigermaßen mysteriös klingende Erklärung des Geschäftsführeuden des Nationalverbandes deutscher Offiziere in Wien, Oberst Legat: „Um wiederholten, in der letzten Zeit an die Geschäftsstelle gerichteten Anfragen zu begegnen, erkläre ich, daß unser Führer, Exzellenz Krauß, nie Präsident des Nationalverbandes dentschösterreichischcr Unteroffiziere,, Soldaten und Gleichgesinnter, sondern nur dessen Ehrenmitglied war. Am 10. d. legte er diese Stelle nie.der," Aus dieser lakonischen Mitteilung lassen sich mancherlei. Schlüsse auf die Umtriebe der reichsdeutschen H akc n freuzler v cr b ände ziehen, die in der letzten Zeit auch nach Oesterreich herüberspielen. General Krauß hatte bereits im’ Vorjahre einen schweren Konflikt mit L n d eil d y r f f, der anläßlich seines Besuches in Kärnten auf den Nationalverband deutscher Offiziexe ijt Wien dahin eiiizuwirken trachtete, daß die nationalen Kampfverbände in Oesterreich sich auch mit den .ö st er reich ische n Leg iti misten verbinden mögen. General Krauß, der sich nach dem Umsturz iu großdeulschem, aber antihabsburgischem Sinne betätigt hatte, trat Ludendorff sehr scharf entgegen. Nunmehr, da L n d e n d o r f f und seine Kampfverbände im Reiche sich zum bewaffneten Vormarsch a u f V e r l i n anschicken, wobei sie Oesterreich als Reservestellnng im deutschen Bürgerkrieg betrachten, haben sie auch die deutschnationalen Kampfverbände für sich gewonnen und der Führung Ludendorffs unterstellt. Daraus hat General Kr auß die Konsequenzen gezogen und ist aus dem Nationälverband der deutschen Offiziere ausgetreten. _ Erhöhung der Fettpreise. Zwetschken und Trauben billiger. Die Erhöhungen auf dem Lebendviehmarkte in St. Marx hatten bis gestern keine Veränderung bei Rindfleischpreisc int Groß- oder Kleinhandel zur Folge. Sehr unangenehm macht sich dagegen das Steigen der FettPreise um 3000 K. Pro Kilogramm bemerkbar, das gestern zu konstatieren war und mit dem angeblichen Mangel an Fettstoffen motiviert wird. Der Marktvcrkehr hielt sich in den engsten Grenzen. Die Fleischankünfte in der Großmarkthalle sind anhaltend günstig. Auf den G r ü n w a r e n m ä r k t e n war die Beschickung überall ausreichend, der Verkehr lebhaft. Geringere Nachfrage bestand heute nach Gemüse, das im Preise ziemlich tut verändert blieb. Infolge großer Zufuhren von Zwetschken ans Niederöfterreich.erfuhren die Preise einen weiteren Druck, so daß bereits von 1800 K. auswärts das Kilogramm zn haben war. Besonders groß war auch das Angebot an italienischen Weintrauben, so daß sich ein R ü ck g a n g der Preise benierkbar machte. Im Großhandel waren Trauben von 5000 bis 7500 K. aufwärts pro Kilogramm zn haben. Eier und Butter sind in hinreichenden Mengen vorrätig, die Preist blieben u n v c r ä n d e r t hoch. Wiirmer und trocken. (Gestern morgens war cs vielfach klar, im Gebirge mit Bodennebel. Tagsüber bewölkte sich der Himmel im Westen Oesterreichs. Im Osten und Süden blieb cS heiter. Die Temperatur, die morgens meist unter 5 Grad, stellenweise auf 1 Grad sank, stieg mittags nicht über 16 Grad. Voraussage: Allgemein trockenes, mäßig bewölktes, warmes Wetter. * Familienngchpicht. Rechtsanwalt Dr.... Isidor -M a rguliies 'hat sich mit Frau IM L i v N, Wl- Drucker, vormähtt. . 'ch ■: v «.;.«■ "" * AerMche NnMcht. Med. Dr. Aaml Beer ist von seinetn Urlaub znrückgekehr) und ordiniert wieder ,%j., Ptzaterstvaße 25 a, vo n 3.VÄ 6 ilHr. Tel. 48.Ü66. * ZioniMsche Sektion und Mische Tischgesellschaft Landstraße. Heute. 8 Uhr abends, tm Cafe Ilion, 3. Bez., Ävwengasse 30, Gede n kab e nsd für Morris Roseufe 1 d. Portrag: Schriftsteller M. Groß. MPtaOonrnr FvM Mirjam Schnahel-Höfilsch. Gäste wWotnmetz. * Srüfsnnng der neuen Mraßenbtchnlinien ln die FrentzenW «nh nach Strvhsrsdorf. Am Scnnstgg den A. d. werden die Heiden neuen Stratzeübahnlinien in die Freu? d e n a n nutz tzach S t r e b c r sh o r f ^rMnet. * Bejha,Mer?iu Tkftlqth Jeilbumn km Brater. Endlich wird bas s»!t Jahre-n uns besWilgende BxMom der Grhaimng tzes ün Pstme iängsifertiggesteWn Demh-eks zur Tat wechktz. sicher dhe WkMiG JgterMtM W Wrsi>mchZmWicheß, des GroßinldMstwllen HejM iLsyipM Kammer, wird demnächst auf dem erwarben>?n BaMMide der Grundstein des neuen Gotteshauses gelegt werhon'. Wests EreigMs bMche den Mittelpunkt der Festrede des Pvofessors Nasche am Jom-Kippur auläßM des Gottesdienstes ifl der Filiale. Im Rahmen der Ia.m-K>ippur^idgcht stierte niau apch heu 60. Geburtstag estves dqr lApÜ-Mr des. T-eMat-h Jeschuvun, des Hervn Salanwn Deucker, lve'lcher durch Wte der Wahltätigkeit sein 60. Wiegewstst denkwürdig zu gestasten wüßte. , * Jnyglidenlostevst. Die Ortsgruppe L-ll des Landesverbandes Wien der Krstgsinvalid.'-n 'N-nd Kvisgslhmterblivbencn Oesterreichs veranstaltet «mit Bewilligung des Fin-ainnrmisterinins eine unter staatlicher Mssicht stchende Effekte n - L o -t t e r i ,e mit Gewlnsttn in Juwelen, Gold- und Sil der waren mit dem ersten Hanpttrefistr tm Werte von 60 M i l- Hone n K r o n e n, weitereit Hcku.pttwf.stvn von 20,000.000 K., 10.000.000 K., 6,000.000 K.. 3,000.000 K. ,md 2,000.000 K., webst 2000 Tresstru bis ftimi kleinsten Wert von 60.000 K. Sin Los kostet 1000 K. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) * Tanzinslitul Kermann Braun» 144 Dez.» Dein dorsgasie 42. * Alle.Hausfrauen rufen im Chor r „ Die beste Seife ist Kagor." * Jüdischer Hochschulausschutz» Wien, 9. Bez., Zimmer» mannplatz 8, gibt bekannt, daß seine Telephonnummer folgend geändert wurde: 25-2,28. Vereine, Borträge und Versammlungen. Zionistische B ezi r kssekt io n Leopold» sta d t. Heute Mittwoch um 8 Uhr abends, 2. Bez., Taborstraße 20 a, wichtige Ausschnßsitznng. Erscheinen aller Ausschnßmitglieder Pflicht. — Klub der jüdischnationalen Mandatare der Leopoldsta dt. Heute um 8 Uhr abends. 2. Bez., Taborstraße 20 a, d r i ngende A u 8 schu ßs itzun g. Erscheinen Pflichi. --- E l t e r n b n n d M e n o r a h. Heute erstor Klubabend in der diesjährigen Saison. Reichhaltiges Progvamnu Beginn 8 -Uhr abends int Klubheim, 6. Be^., Mariahilfevstraße W, Hotel Palast. Bon Mitgliedern eingeftrhrte Gäste willkommen. Leopoldstädter Volksheinr, 2. Zirkusgasst 48. Heute, 7 Uhr: Italienisch 1, Englisch 8, Tschechisch 1. 8 Uhr: Italienisch 2, Tschechisch 2. Urania. Heute: Großer Saal: Halb 3 Uhr: Schülervortrag: Eine Tonaureise. — Weintrauben. 6 Uhr: Shackletons Südpolexpedition. Halb 8 Uhr: DaS Singspiel. — Der Hochzeitsbraten. — Die Zanlberveige. — Die Maienkönigin. Kleiner Saal: Halb 6 Uhr: Priv.-Doz. Dr. Rudolf Allers: Nervosität und N-ervenkrancheiten. 2. Halb 8 Uhr: Prof. Dr. B. Schrie!e l(Batavia, Java): Die Strömungen rm einheimischen Geistesleben Niederländisch-Indiens. Kursfaal: 6 Uhr: Reg.-Rat' Pwf. Rud. La risch: sigserricht in ornamentaler Schrift. HM 7 Uhr: Oskar A! o rgenstern: Stand und Klasse als soziologisches Problem. 8 Uhr: Univ.-Pros. Dr. Wilhelm Bauer: Grundlagen der Geschichtswisseuschast. 3. Klnbsaal: Halb 6 Uhr: Univ.- Lektox Ferd. Riatras: Bortragskunst. 4. Halb 8 Uhr: Gesangspädagogin Gisela Krückl: Die Erreichung gesunder Tonbildnng. 4. _ Bühne und Kunst. Der zweite Suse-Abend. („Die Frau vom Meere.") Ibsens „Frau vom Meere" ist die zweite Gattin des Donor Aaugel. Sie ist bedeutend jünger als ihr Alaun. Mangel bangt gelegentlich, der Altersunterschied schließe ihre Gegenliebe aus, und er ist unglücklich, weil sie sich ihm seit geraunter Zeit versagt . . . Diese Frau, die täglich.bei jeder Witterung im Meer bader und sich nach den frischen kalten Wellen der ofsenen See sehnt, weil ihr das Fjordwasstr zu lau und crschlafsend ist, — diese Romantische, Herbe, Lebensvolle, Begehrenswerte spielt die vieruudsechzigjährige Eleonore Düse ungeschminkt, mit weißem Haar. Und bezwing: uns. ES ist natürlich nicht Ibsens Ettida „die Frau voui Meere'', welche die Düse spielt, sondern die Frau aus anderer, höherer, reinerer Sphäre, als es die Menschen ihrer irdischen Umgebung sind. „Die fremde Frau" gestaltet sie, die vcrehrungswürdiae. gütige, um-alles wissende Köin-gin, mit einer heimlichen schmerzhafleu Wunde in der Brust, um alle besorgt, dic -ihr -nähe kommen, alles begreifend, alles verzeihend — aber außerstande, zn sein, tuii: diese -anderen Wesen niederer Kategorie sind. Das ist die Tragik, die Eleonore Tuse mit verehrungswürdigem Adel und mit nnvergleichlicher Anmut an diesem Abend auf ihren schmalen fröstelnden Schultern trägt. Wie bangt sie um. ihren Gatte», wenn der Gute, Brav-, Verhärmte sich -nnfähig zeigt, sie zu verstehen. Und wie lächelt, sie mit nnbeschreiblicheni, überirdischem Lächeln, tvenn er sich für Augenblicke ans den Fesseln seines kleinen Meuschentmus löst. Nicht ihre Not, die keiner teilen kann, — seine Not ist das große Leid dieser Abgesandten aus einer anderen Welt. (Wie müßten die Verse aus ihrem Munde ninfipu, die Indras Tochter in Strindbergs „Tranmipiel" zu sprechen hat!) Höhepunkt: Ellidas Erinnerung an das tote Kind, das die Augen des „fremden Alannes" hatte. (Der „fremde Mann" ist di-e andere, höhere, ist Ellidas Well.) Unendliches Mi'nk de.- " - l