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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-26 · Heft 1658 (26.9.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1658 (26.9.1923)
Date
1923-09-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette 8 Men, Mittwoch Wiener Morgenzeitung. ~~r 86. September 1923 Nr. 1658 Nützet die Zeit aus und reklamieret euer Wahlrecht! antwortung zu tragen und -aß er, wenn diese Imransigciiz Frankreichs fortdaucre, mit seinem Kabinett demissionieren müßte. Alan spricht davon, daß in diesem Falle ein M i n i st e r i n m N oskc wahrscheinlich wäre, das ans starken Männern gebildet werden würde und dessen Hauptaufgabe zunächst darin bestünde, die innerpolitische Gefahr zu m e i st e r n und zu beseitigen. Nicht Bodenmark — sondern Nenmark. Berlin, 24. September. Der Entwirrf zur Errichtung ,iner W ä h r n n g s b a n k, der vor kurzem von der Presse veröffentlicht worden ist, hat, wie der „Vorwärts" meldet, .'ine Reihe vor: A e u d c r u n g e n erfahren, die von so c i nschncidender Bedeutung seien, daß mit einer wesentlich anderen Struktur der neuen Notenbank zu rechnen sei. Die Bezeichnung für die neue Geldeinheit werde nicht „Bodenmark" sondern „Neumark" sein. Billionen-Beschlagnahme. Düsseldorf, 34. September. (Havas.) Die Zollorgane von Bracke! haben aus einem Lastwagen 11 8.6 6 0 MiIliard e n Mark beschlagnahmt, die für die Reichsbank in Dortmund bestimmt waren. Berlin, 25. September. Nach einer Mel-ung ans dem Ruhrgebiet haben die Franzosen in Langendreer zwei Billionen und die Belgier bei der Dortmunder Union 126 Billionen Mark konfisziert. Ueber B o ch u m wurden wegen angeblicher Sabotagerkte an Telephonleitu ngeir Straßensperre und andere Sanktionen bis zum 29. d. verhängt. Gelsenkirchen, 25. September. Hier sind heute 400 Milliarden Mark beschlagnahmt worden. Stürmische Auseinandersetzung zwischen Baldwin «nd Cnrzon. Berlin, 25. September. Wie die „Zeit" ans London meldet, sei die Unterredung Zwischen Lord Cnrzon und Baldwin über die Pariser Besprechungen scheinbar ziemlich st ü r m i s ch verlaufen. Man behauptet, das Cnrzon darüber sehr erregt gewesen sei, daß der Premierminister in Fragen der äußeren Politik die Initiative ergriffen habe. Die Auffassung des Ministers des Aeußern finde bei einem großen Teil des Kabinetts Unterstützung. Zer Smuheherd in Bulgarien. Die Nachrichten von schweren inneren Verwicklungen in Bulgarien, welche einander stündlich überstürzen, sind sicherlich in der Form, wie sie hierher gelangen, übertrieben. Ter Sturm der Aufständischen auf Plewna und die anderen Alarmmeldnngen dieser Art müssen sicher aus ein richtiges. Maß reduziert rverven. Auch die Nachricht von eitfent Generalstreik von Eisenbahn, Post und Telegraph ist bereits dementiert. Aber die Regierung Zankow, welche formell ihre Demission gegeben hat, läßt doch. in ihren eifrigen Bemühungen, die Außenwelt über die Lage in Bulgarien zu beruhigen, deutlich durchblicken, daß die Unruhe im L ande sor t b est eht, und daß trotz aller sicherlich sehr energischen Maßnahmen zur Unterdrückung der Unruhen immer wieder da und dort in begrenzten Bezirken die Brandherde aufslackern. Die ossizicllen beruhigenden und auch die aus fremden Duellen stammenden Alarmnachrichten sprechen immer von komm u n i st i s ch c u Bcwegn n g e n. In Wahrheit aber handelt es sich in Bulgarien um eine seit dem letzten Umsturz fortwährend gärende Unruhe der Landbevölkerung, welche zunl Teil wohl agrarkommunistischcn Charakter tragen mag und auch durch kommunistische Agitation aus der Stadl verstärkt wird, aber im Grunde die Reaktion der die übergroße Mehrheit bildenden bäuerlichen Bevölkerung gegen die Agrarpolitik der Regierung Zankow und der Koalitton, auf welche sich diese stützt, darstellt. Diese ständige Unruhe wird wohl kaum durch eine N c uwahl der So br an je, von der sich die Regierung so viel erhofft, aus der Welt geschaffen werden, wenn nicht tatsächlich durch eine eindeutige Agrarpolitik den Wünschen der bäuerlichen Bevölkerung Rechnung getragen wird. Dies müßte geschehen, soll nicht aus den ständig glinrmenden Unruheherd in Bulgarien ein neuer Brand auf dem Balkan entstehen. So lveit sich die Situation überblicken und ans dem widerspruchsvollen Chaos verschieden gefärbter Meldungen ein klares Bild gewinnen läßt, hat die Regierung Zankow die Unruhen in Südbulgarien unterdrückt, ist auch im allgemeinen noch immer Herr der Lage, kann es aber nicht verhindern, daß selbst noch im Süden des Landes da und dort Unruhen lokaler Natur Vorkommen. Im Nordwesten und Norden hat die Bewegung an Stärke zugenommen. Die offizielle Telegraphenagentur spricht selbst von der Einrichtung kommunistischer L o k a l r e g i e r n n g e n an einigen Orten. So lange die Organisation der Unruhen nicht' gefestigt ist, kann von einer Revolution im Lande nicht gesprochen werden nnd die Regierung ist jeweils in der Lage, die Ordnung wieder herzustellen. Es ivar ihr auch möglich, die einige Stunden lang unterbrochene Eisenbahnverbindung zwischen Sofia und P h i l i p p o P e l bald wieder herzustellen. Beruhigend aber ist die Lage in Bulgarien noch immer nicht, da immer die Möglichkeit eines Zusammenschlusses der unruhgen Clenlente im Lande besteht, deren Losungen dem Instinkt der Landbevölkerung durchaus Zusagen. Mit teilweisen Umbildungen der Regierung ist nichts getan, um der Lage wirklich Herr zu werden. Demiffion des bulgarischen Kabinetts. Graz, 25. September. Die „Ta ge s p o st" meldet 'aus Belgrad: Wie aus Sofia berichtet wird, hat Ministerpräsident Zankow seine Demission überreicht. i Die Neklarnatioussrist für die Wahlen wird verlängert! Die Wiener Wählerlisten, die während der Abwesenheit eines großen Teiles der Wiener Bevölkerung angelegt wurden, haben vielfachen Anlaß zu Klagen geboten, daß Wahlberechtigte ausgelassen» Aichtwahlberechtigte, namentlich abgestrafte Verbrecher und nach Oesterreich nicht Zuständige dagegen ausgenommen ivurden. Um nun die Herstellung Liner einwandfreien Wählerliste zu ermöglichennahm gestern der Derfassungsausfchutz des Aallvnatrates eine Novelle zur Wahlordnung an» wodurch Sir Frist zur Einbringung von Reklamationen bis zum 2. Oktober verlängert wird. * Wahlberechtigte falle Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, die am 1. Jänner 1923 das 20. Lebensjahr erreicht haben), die in der SauSltste nicht angeführt sind, wollen sich unverzüglich unter Mitbringung ihrer und ihrer Angehörigen Dokumente (Seimatfchein» Geburtsschein» Meldeschein, Patz, Arbeitsbuch usw.) in einem der genannten Reklamationslolale einfinden. 1. Bez.» Wiesingerstratze 11» 2« Dez.» Taborslrotze 1 („Wiener Morgenzeilurrg")» 2. Dez.» Taborstratze 20a, 2. Bez.« Jirkusgasse 33» 2. Dez.» Prater» Stuwerttratze 1 (Case Winkler), S. Dez.» Löwengasse 39 (Casä Ilion), von 4 bis 7 Uhr nachmittags» S. Dez.» Liechtensteinstrahe 11, Zionistische Bezirksiektion» täglich von 6 bi« 8 Uhr abends tür Sen 9.» 18. und 19. Bezirk» 20. Bez.» Karl Meitzlstraße S. Reklamation kostenlos! Täglich von 9 bis 12 Ahr und von 2 bis S Uhr. Sonntag von 9 bis 12 Uhr. Die Wahllisten liegen im Lokale» 1. D e z.» Wiesingerstratze 11, täglich bis 9 Uhr abend« "zur Einsicht auf. Sesterreich. Die letzten Arbeiten des Naüonalratee. Tie Nationalratstagung geht ihrem Ende entgegen. Gestern wurde die Vereinbarung der Parteien über die noch zu erledigenden Vorlagen perfekt, und der Verabschiedung des Südbahnatkordö und des Gesetzes betreffend den unlauteren Wettbewerb stehen nun keine Hindernisse mehr entgegen, nachdem mittags auch über die Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung ein Kompromiß zustande gekonunen war. Dieses besagt im wesentlichen: Tie Krankenuntcrstützung wird durch Angliederung einer 17. Lohnklasse mit einem Krankengeld von 21.000 K. pro Tag ergänzt. Dadurch erhöht sich auch die Ar b e i tslos e n u u t c r st ü tz u n g von täglich 1 4.4 0 0 K. auf 16.8 0 0 K. Tie Versicherungsbeiträge wurden bis jetzt zu je 40 Prozent von Arbeitgebern mtb Arbeitnehmern, zu 14 Prozent vom Bunde und die restlichen 6 Prozent von den Gemeinden getragen. In Hinkunst wird der Bund zwei Prozent weniger zuschießen, während die Gemeinden diesen Ausfall übernehmen müssen, wenn die Zahl der Arbeitslosen in Oesterreich die Zahl 13.000 überschreitet. Dies ist gogellwärtig nicht der Fall. Der Ausschuß für soziale Verwaltung nahm gestern nach der Haussitzung die diesem Uebereinkommen entsprechenden Aenderungen des Krankenvcrsicherungsgesetzes vor. In Hinkunft werden auch abgobaute arbeitslose Wehr mann er nach Ablauf einer zwölfwöchigen Karenzfrist sowie aus der Kriegsgefangenschaft oder aus Invalidenheimen entlassene Invalide ohne Einhaltung einer Karenzfrist die Arbeitslosenunterstützung erhalten. Die Nationalratssitzung ivar nur von kurzer Dauer. Die ziemlich belanglosen Verhandluugsgegeuständc tourbeit ohne Debatte einstiminig angenommen, mtb zwar: Eine Ergänzung der Wahlordnung, die der Neueinteilung der Gerichtsbezirte Rechnung trägt, das S c ch z i g m i l l i a r d e n a n l e h e n des B u u b c & w oh n- und Siedlungsfo nds, das D e nkmansch u tz g e s e tz, womit Beschränkungen in der Verfügung über Gegenstände von geschichtlicher, künstlerischer oder kultureller Bedeutung statuiert werden, und schließlich noch die Uebernahme der Bund ^shaftung für die Verzinsung und Tilgung des 285 Milli o n e n a n l e h e n s der ö st e r r e i ch i s ch e n H e i lmittelstelle. Im Einlause befand sich unter anderem eine Anftage betreffend die Festsetzung einer Bau Verpflichtung für Besitzer größerer Vermögen. Der Südbahnakkord. Der Finanzausschuß hat gestern das Sübbahnab« kommen mit den Stimmen der Mehrheitspärteien angenommen, ferner eine hiermit zusamnrenhängende Vorlage über die Auflösung von Verträgen über die Vetriebssührung von Privatbahnen. Beide Gesetze werden noch' heute vom Nationalrat beschlossen Werdern Sie Handelrverhandiungen mit Polen. Gestern Nachmittags ist in Marschau unter Führung deS Bundesministers Schürff eine österreichische Handels- und Jndustviellenabordtluug eiugetroffen, die im Bahnhof vom polnischen Handels-minister sowie von: polnischen Postminister nnd dem polnischen Gesandten in Wien Grafen Lasocki, dem österreichischen Gesandten in Ä!arschau Post und Vertretern des Außentninisteviums st'wic des Handelsministeriums, ferner vom Personal der österreichischen Gesandtschaft begrüßt wurde. Burgenlündische Fragen. Das Finanzministerium hat, wie Minister Dr. K i e N» b ö ck gestern im Finanzausschuß mitteilte, dem Bundeskanzleramt 3 Milliarden Kronen zur Vergütung der durch die ungarischen Bandenüberfälle verursachten Privatschäden im Burgenland überwiesen. Weiter sollen Beträge von 446,15 Millionen und 1146,36 Millionen Kronen nach Maßgabe der Nottvendigkeit für denselben Zweck flüssig gemacht werden. Ersparungskommissär Dr. Hornik unterrichtete den Ausschuß über die Vorkehrungen zur U e b e r s i e d l u n g der Landesregierung nach E i s e n st a d t. Der größte Teil der BureauS der LandeSvqgieruttg werde in der ehemaligen Mlitäroberrealschul'e sehr günstig untergebracht werden. Weiters habe Fürst Esterhazy vier Gebäude in Eisenstadt für die Zwecke der Landesregierung zur Verfügung gestellt, die zum allergrößten Teil für Beamteuwohnungen werden verwendet werden können. Ueberdies halte ein dortiger Industrieller ein Haus und unter gewissen Voraussetzungen zwei weitere Gebäude für diestlbeit Zwecke zur Verfügung, so daß für den Fall, als sich die Frage der Bedeckung der Kosten der Uebersiedlung und der Adaptierungen nicht allzu ungünstig gestalte, der etappen.weisen Verlegung der Landesregierung nach Eisenstadt kein Hindernis cntgegenstehe. Tschechoslowakei. Die Wahlen in die Prager Bezirkrverttetungen. Aus Prag wird gemeldet: Sonntag fanbeit die Wahlen in die Bezirksvertretuugen statt, deren Ergebnis nun vorliegt: In den Prager Bezirken 1 bis 7 erhielten die Nationaldenrokraten 93.000 Stinunen (13 Mandate), die tschechischen Sozialisten 33.000 Stimmen (8 Maildate), die Komimlnisten 13.000 Stinlineil (6 Mandate), die Sozialdenlokraten 9700 Stimmen: (4 Mandate), die Klerikalen 8900 Stimmen (3 Mandate), die Zionisten 5239 Stimmen (2 Mandate), die Deutschen 6379 Stimmen (3 Mandate). Ungarn. Die Abmachungen mit der Achecho-Slowakek. Die Stellungnahme der Parteien. Budapest, 25. September. (Tel. d. „Wr. Morgsnzütuug".) Die Blätter nehmen langsam Stellung zu den Vereinbarungen, ivclche zwischen Bethlou und dem tschecho-stowakischen Außenminister Dr. B e n e s ch in Genf als Vorbedingungen der kleinen Entente zur Zustimmung für -die. Ausländsanleihe getroffen wurden. Die christlich-nationalen Blätter beschränken sich vorläufig auf die Feststellung, daß die Vereinbarung Bestimmungen beinhaltet, welche aus dem Standpunkte der nationalen Ehre betrachtet einer sehr eingehenden Kritik bedürfen. Die rechtsradikale Presse stempelt die Vereinbarungen B echte ns zu einem Hochverrat. Die Sozialdetnokraten erklären, daß die Genfer Mitteilungen für die Partei e:ne Enttäuschung bereiten nnd daß man mit großer Skepsis der Anleihe entgegensehen müsse. Die öffentliche Meinung harre gespannt auf jene Garantien, Welche seitens 'der kleinen Entente als Sicherung für die Ausländsanleihe der ungarischen Regierung gestellt werden. Polen. Dmowskk - redivlvus? Warschau, 25. September. (Tel. der „Wr. Morgmzciumg".) Wie Ihr Korrespondent aus gut informierter Quelle erfährt, weilte hier letztens Roman Dmowski, der Leader der Rationaldemokrateu und Vertreter Polens auf der Pariser Fricdenskonfereuz, um mit Witos zu konferieren. Witos besprach mit ihn: die Frage einer evetttuellen Ernennung zum Außenminister. Witos ist in letzter Zeit mit der Tätigkeit deS jetzigen Außenministers Seyda, dem die letzthin erlittenen Niederlagen der polnischen Diplomatie in der Frage der deutschen Kolonisten und in Genf zugeschrieben werden, unzufrieden und möchte daher dieses Ministerium Dmowski anbieten. Wje verlautet, soll seine Ernennung bereits in den nächsten Tagen erfolgen, da auch Seydas Parteigenossen mit seiner Tätigkeit nicht übercinstimmeu. So veröffentlicht das natronaldemokratische Organ „Kurjer Warszawski" einen Artikel des Warschauer Unwersitätsprofessors Cybichowski übef die „Niederlage im Haag", in dem Seydas Außenpolitik aufs fchärffte bekämpft wird. Wieder der „jüdische Hochverrat". AuS Warschau melde* I. C. B-: In dem Städtchen Je s o w, Brzeziner Kreis, wurden einige Juden von der Polnischen Polizei unter der Beschuldigung verhaftet, daß sie dem deutschen Heer während der Okkupation Polens, also zu einer Zeit, da der polnische Staat nock nicht existierte, Dienste geleistet haben. Gegen die Berhgf

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