Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1657 (25.9.1923)
- Date
- 1923-09-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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9tr. 1657 Men, Dienstag " Wiener Morgenzeitung. 25. Septsrnder 1823 Seite 8 M «Eenmeetiag der Hakoah. Saal des magistrMen BezffKstraites 11 --------------- Währingerstrasse 48, 2. Stock .. Morgen Mittwoch den 26. Septembefi 8 Uhr abends Bericht über den XIQ9. Zionsstei»kongreß c5er j Delegierten | Dr. Isidor Schallt Sr. JöKob (deiner i - .»»>-11111 11 ■ i 11 ♦ Sie BöilerbimdversamOlmig. Gegenseitige Hilfeleistung bei Angriistkriegeu. Genf, 24. September. In der heM vormittags abgeyattenen Völ k e r b u ndve r sam m l ittf 0 wurde das Protokoll über die S ch i e d s g e r i ch t s 1I ß 11 f c I i u H a nde'lsverirägen angenommen. London «Holland) legte eine R c s o l n t i o n vor, worin der Rat ersucht wird, eine befrieÄlMn>de Lösung des ostkarelischen Problems zu erstreben. Dir P'-rsamiulnug n-ast.n die Resolution an und ging hierauf zum Bericht der juristisch'n Koimn-ission über die Interpretation des Artikels ' 0 des Paktes (gegenseitige Hilfe wn Falle eines Angriffskrieges) über. Rouin (Belgien) legte die interppetaiilve Resolution vor, die die Tragweite dieses vMmvstr-dtenem Artikels genau Prä; i sier-t. Genf, 24. Septontber. (Tel.-Komp.) Die eiste Komarission des Völkerbundes beschäftigte sich unter dem Vorsitz von Motta mit dem Reglement für die Wahl der nicht ständigen Mitglieder im Völkerbundrate. Die diesmalige Wahl der „ich: ständigen Mitglieder dürfte das Ausscheiden Chinas nnd Spaniens aus dein Böft kevbundrate bringen, da sich der Rat infi->ge der Ablehnung des vorgeschlagenen dreijährigen Turnus der Mitarbeit des belgischen Mitgliedes nicht berauben will. Die Polnische Kandidatur, die derjenigen der Tschccho-- Slowakei Konkurrenz macht, soll zurückgezogen werden. Genf, 34. September. (Tel.-Komp.) Donnerstag gelangen d-e Gutachten des ständigen internatiotrolen Gerichtshofes über die denlschen Kolonisten in Polen vor den Völker'bundrat. Beide Gutachten des Gerichtshofes sind, W>e bekannt, zu ungunsten Polens ausgefallen. Man ist null gespannt auf die Entscheidung deS Rates, der kaum etwas anderes tun kann, als sich den GnlachVen des von: Völkerbund eingesetzten urternationalen Gerichtshofes anzuschließen. Genf, St. September. (Tel.-Komp.) Die ö. Kommission verwies heut« nachmittags folgende Fragen an die ständige DMf«rbundkommifsion für internationale Listige Arbeit: 1. Schaffung einer internationalen Miversität. 2. G-Utigkeit gewisser Dokumente der sekundären Schul» bildimg und der höheren Schulbildung irt allen Völkerbund» staaten. Berichteustadter für die Wc.rfammluE -ist Palacies (Spanien). Der norwegische Delegierte Nansen ^berichtete über das Hrlfswerk für die griechischen Flüchtlinge. Jas Programm der britische« Neichskonferenz. London, 24. September. (Tel.-Kdnrp.) dtach englischen Blättermeldungen wird die britishe Neichskonferenz, die am 8. Oktober eröffnet wird, folgende Fragen behandeln: 1. Navale, militärische und avicftische Verteidigung deö englischen Reiches. 2. Tie Außenpolitik Englands, besonders mit bezug auf die Reparationsnnd Sichcrheitsfragen. ' 3. Regelung verschiedener Verkehrsfragen für die Verbindungen zu Wasser, zu' Land nnd in dek Luft. 4. Arbeitslosigkeit und Enttvicklullg der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den einzelnen Teilen Großbritanniens, Fragen des Schutzzolles und der Auswanderung. Set Mord von Fanina - Klntrache der Mnnefe». Rom, 24. September. In Paris wurde heute der erste Verübt der Kitterftrchungskommission in J-anina an die Botschasrerkonserenz überreicht, die ihn morgen verhandeln wird. Wie verlautet, haben die Delegierten mit Ausnahme des italienisweu erklärt, daß die griechischen Behörden alle Maßnahmen getroffen haben, um die Mörder zu ergreifen, während bas Votum des italienischen Delegierten die Griechen der Nachlässigkeit in den Nachforschungen beschuldigt. Die Delegierten sind mit Ausnahme des italienischen der Meinung, daß der Mord auf Privatrache und nicht aus politische Gründe zurückzu führen sei, und zwar aus pie Blutrache von '! n ge h örigen der Alban e s e n, die während des Nominandos des Generals Tellini in Vctlona zum Tode vcrurwilr worden waren. Die Italiener rSurnen Kors«. Rom, 24. September. „Giornale d'Italia" meldet: Der Kreuzer ,-San Maroo" ist von Tarent nach Korfu abgegaugeu, in» die dortigen Besatzung Struppen ausHu nehmen, die am ■.'7. d. die Insel räumen sollen. Sonntag vormittags fand im großen Saale des Hotel Continental ein Massenmeeting der H a k o ah statt, das einen überaus starken Besuch aufzuweisen hatte. Der große Saal war bis auf das letzte Plätzchen besetzt, an den Seiten standen die Menschen in dichten Reihen bis an die Wände und viele, die etwas später kamen, mußten wieder umkchren. Die Versammlung wurde von Dr. Eugen Felix eröffnet, der darauf hinwies, daß die Hakoah in ganz hervorragender Weife geeignet sei, alle Kräfte des Judentums Zu vereinigen. In diesem Sinne würden auch bei der Versammlung Redner aus bisher gegnerischen Lagern zu Worte kommen, um den Eindruck widerzugeben, den die Hakoah und ihre Erfolge in allen jüdischen Kreisen her-vorgerufen haben. Als erster Redner sprach Dr. I. H. .Körner, der Präsident der Hakoah. Er führte in schlichten, einfachen Worten aus, daß die Hakoah die Verwirklichung des Gedankens vom Muskeljudentum sei. Derjenige, der die Anregung zur Gründung der Hakoah gab, war der unvergeßliche Wolfsohn. Unermeßlich waren die Schwierigkeiten auf dein Wege von dem kleinen, unansehnlichen, verlachten Fußballklub bis zur heutigen Hakoah, die den stolzen Traum aller kontinentalen Sportvereinigungen als erste -erfüllt hat, nämlich im Mutterlande des Sports, in England, englischen Fußballklubs entgegenzutreten. Dr. Körner schilderte den Leidensweg der Hakoah unb vergaß auch jener Männer nicht, die als Finanzkonutec der Hakoah durch ihre Opferwilligkeit das Wettspiel gegen Wcstham United in Wien unt) das Rückspiel in London ermöglichten, der Herren Brüder Herbst, Dr. Felix, Dr. Buxbaum, Baltaxe, Schön, Meisels, Dr. RvftMatt, Mahner, u. a. Redner schilderte den Empfang aus der Reise und in London selbst, die Zeugnis davon gaben, daß die Reise der Hakoah überall mit Spannung verfolgt wurde. Eine der ersten Persönlichkeiten, die Dr. Körner in London aussuchte, war Mister Co wen, einer der ältesten Freunde Herzls und ersten Zionisten Englands. Merkwürdigerweise zeigte dieser nicht jenen Enthusiasmus für den Mischen -Sportgedanlen, den man überall auf kontinentalem Boden antraf. Die Gründung einer Londoner Hakoah schien Mister Cowen nicht gut möglich. Ebenso äußerte sich Mr. Wall, Generalsekretär der englischen Fußball-Association. Das Spiel der Hakoah gegen Westham genügte aber, um beide Herren zu begeisterten Anhängern der Hakoah umzustimmen und für den Gedanken einer englischen Hakoah empfänglich zu machen. So können wir hoffen, schloß Dr. Körner, daß demnächst auch in England eine Hakoah entstehen und daß aus der Iewish Achletic Assaciation jene Hakoah entsteht, die alle Kräfte des Judentums zu vereinigen bestimmt ist. Langa »haltender Beifall nnterbrach den Redner öfter? und am Schlüsse seiner Rede konnte Dr. Körner sich nn.r durch eiliges Verschwinden den Beifallskundgebungen entziehen. Poinrare fordert bedingungslose Kapitulation. Diesmal hat der französische Ministerpräsident in seinen Sonntagsansprachen den Rekord geschlagen, indem er ihrer nicht weniger als drei hielt. Am wichtigsten ist die Rede Poincares im Priester Walde, aus welcher hervovFeht, daß Deutschland wie -immer mit seinen Maßnahmen zu spät kommt. Heute ist es nicht nrehr möglich, die Kapitulation -im Ruhrgebiet an Bedingungen zu knüpfen. Dies hat Herr Porncave sehr sachlich, aber auch sehr deutlich dargelegt. Er weist darauf hin, daß der Versuch, düstere Bilder von einer n a t i o n a l i st i s ch e n oder b o l s ch e w -i k i s ch e n Revolution in Deutschland hervorzurufen, die französische Politik nicht erschrecken könne. Deutschlands Ddänn-er und Taktik hätten Wohl gewechselt und es habe sich mehr Geschicklichkeit und, wie er hoffe, mehr Aufrichtigkeit gezeigt, jedoch n o ch immer k e i it V c r st änduis für den französischen Standpunkt. Poincare legte weiter dar, daß der R>ubrwidcrstand zusamnrenbrechen werden nrüsse, selbst ivenn die deutsche Negierung ihn noch länger als nur ernige Wochen finanzierelr könnte; deren er en'tspreche nicht rnehr dem Willen der Bevölkerung. Derttschlan'd müsse anfhöven, Bedingungen zu stellen, denn F r a n k r e i ch nehme keine B ed i ngn nge n an. Die AbrWnng zm Zse. New-Aork, 24. Sk-pteruber. (Molff.) Die Regierung gibt bekannt, daß 21 Schlachtschiffe rr n d K r e u z e r entsprechend dem Washingtoner Marineabkommen auf Abbruch v e r k a u f t rverderr sollen. 8i»ben»f«ng des Kdisch-smerilmiilche« Kongresses »och New-Hork. Ans Rew-Pork meldet I. E. B.: Ter jüdisch-a-rnerst kanische Kongreß wird auf Anregrrng Israel Zangw i 110 in New - 8) ork abgehalt-err werden, rricht, wie zuerst beabsichtigt, in Boston. Zangwill begründet seine Anvegurrg darrrii, daß „die Stadt mit der größten jüdischen Bevölkerung auch die geeignete Stätte für einen jüdischen Kongreß ist". Das vorbereiterrde Konntee hat scharr mit den Arbeiten für den Kongreß begonnen. Die Sitzungen iverdcn am 14. Oktober irn New-Dorker Ho-el (y'v.MUobere eröffnet werden. Nach ihm sprach Herr Fleischer, Sekretär der östev reichisch-israelitrschen Union. Er entbot in kurzen Wörter: de Hakoah den Gruß und Glückwunsch zu ihrem großen Erfolge den sie für das ganze Judentum errungen haben. Hierauf kam, von stürmischem Beifall begrüßt. Gemeinde rat Dr. Plaschkes zu Worte. „Der Jude, begann Dr. Plaschkes, war öi-hcr nr« Objekt der Verachtung und der Mißhandlung, der Verspottun« und der Unterdrückung. Die Hakoah war es, die aus dcn schroäch' lichen Judenjungen junge Juden machte, geeignet zuiu Kanrp rem ihre Rechte. Wie auf allen übrigen Gebieten, so ging e den Inden auch aus dem Gebiete des Sports. Ihr Beginncr wurde verhö'hnt und bekrittelt, aber diesmal iv-ar der Er salso groß, daß alles Nörgeln nicht vermochte, ihn herabzu sehen. Ein junges, starkes Judentum a b e. brauchen wir. Denn noch kann in Oesterreich wenigsten von einer Gleichberechtigung der Inden die Rede sein Wenn auch unser Bundeskanzler Seipel die Frage einejüdischen Journalisten, wie es den Juden in Oesterreuh gehdurch seinen getauften Sektionsches Dr. Schüller dalriu b-?> antworten ließ, daß er über die Frage erstaunt sei, »ub davon einer Judensroge in Oesterreich gar nicht die Rede sei» könne, so beweist schon die Tatsache, daß Herr Dr. SchüUesich taufen lassen mußte, um Sektionsch-cf zu werdnda^ scheinbar doch eine Judenfra-ge in Oesterreich b.'steh!. Ei' Land, in dem die Hakenkreuz l e r P l a k a t e offen z> Mord und Totschlag ausfordern, in dem auch die Sozial demokraten die jüdischen Bürger zu Tausenden an. Oesterreich vertreiben, ihnen das He i m a t 8 r e ch i in Wiel verweigern nnd wo jede Staatsanstellnng eirres Inder unmöglich sei, ist kein Land, in dem es keine Judeufrage gibt Redner habe in seinem Wirken als Ge-meiuderat sich oft und ob die Frage vorlegen müssen, wer heute eigentlich der größer- Ailtiscmit sei: Die Ehristlichsozialen oder die Sozialdemokraten Wenn man die Wahlplakate, mit welchen die Sozialde-mokrater heute Wien Wevschwemnven, betrachtet, wenn man die Bank direktoren alle mit Indennasen und dicken Bäuchen in der gealle mit großen Judennasen und dicken Bäuchen in der ge hässigsten Weise als Juden dargrstellt sehe, könne man wirklich schwer zwischen antisemitischen rr n d sozial demokratischen W a h l p l a k a t e n n n t e r s ch r l o e ir So war es ein Gebot der Stunde, daß endlich die j n d i s -b - r Parteien, alles Trennende vergessend, sü-- di' kommenden Wahlen eine E i rr H e r t s f r o n r a e s ch a s; e» H a b e n. Der Präsident der Hakoah Dr. Körner müsse an? di> Liste der Gemeinderatsrandidaten kommen und die Haknabuer die noch immer ihre Pflicht erfüllit haben, rm'irden auch diesmal ihre Schuldigkeit tun. Das erwarten die vereinig.->n iüoi schen Parteien von der Hakoah. (Stürmischer Beiiall.l m Die HMe. Im wirren Durcheinander stürmen die Gedanken m\ Erinnerungen auf mich ein, tvenn das Fest der Hütte naht Ich denke an die Kinderjahre, da wir das Larrb aus dem herbstlichen Walde kindlicki-lustig nach Hause trugen, um damit die Hütte, die der Vater zinunerte, zu bedachen. Ich denke an die Mutter und an die Tchtvestertir, die fceu billigen Schmuck für die kahlen Wände der Hütte bereiteten. Und ir merirer Erinnerurrg steigt die heitere Sorglosigkeit aus, mil der wir unsere Vtahlzeiten in der Hütte eirurahmen. Nur ab und zu glitt über das Gesicht des Vaters eine leichte Wolke, rvenir draußen der Lärm der Straße durch den Hof her erndrang. Ist es feuchtfröhlicher Gesang einiger Nachtschwärmer oder das Johlen eurer Menge, rvelche die Hütte das Symbol der jüdischen Unstetheit, stürmen möchte? Demi vor tvenigerr Wochen erst hatte es in unserer Stadt einem wirklichen Sturm auf die jüdischen .Häuser gcgeberr. In iuh serer Stadt und in anderen Städtezr, und auch die Törstrj wurden nicht verschont. Damals hatten^ wir Inder: meiner Heimatstadt den feiMicherr Sturm abgeschlagen. Wir Kinder die gelveint hatten, als wir das Kriegsgeschrei einer zum Wahnsinn getrieberren christlichen Bolksmasse hörten, ließen nun unserer Fröhlichkeit in der kleinen, geschmückten Hütte? die Zügel schießen, als der Vater den Segenssprnch irr singendem Tone vorsprach, welcher rms ^Gvtt loben ließ, der geboten hat, irr der Hütte zu sitzen. Das ist Judenlos, das' ist die jüdische Seele. Ich denke an andere Hütten, an die Hütten, dic rricht mit Laub bedeckt sind, an bie Hütten der Brüder und- Schwestern, die jetzt dort wohnen, wohin uns alle die Sehnsucht zieht, auf dem Boden unserer Vergangenheit, im Larrbe unserer Zukunft, und in Zelten unter fteiem Himmel non den Mühen aufreibender Tagesarbeit für kurze Stunden aus-' ruhen. Ich denke an die Chaluzrm, die sich ihre Hütten bauen und in den Krankheit verbreitenden Sümpfen ihr Leben weiherl für den Aufbau des Landes unseres Rechts und unserer Hofstrung. Auch sie tverden das Fest der Hütte feiern, auch sie, die Arbeiter, die ehemaligen. Medizirrerz Juristen und Studenterr, tverden auf geheiligtem Boderv Gott loben dafür, daß er ihnen das Glück beschieden hat/ wenn, auch irr Hütten wohnend, Bioniere des Aufbarres vorö Erez Israel zu sem, urü> auch diese Juden in Hüttegr. ,hor-s chen und lauschen ans jedes Geräusch in der Nähe chrer Lagesbmcht. ^ocrr WXHLE Wintersaison: Damen- und Herrenwäsche, BettklSIßfl’ und Hauswäsche. Strickwaren, Teppichen, Vor- {iniin hängen etc. nur da* bekannt verlässliche u, billig- «iM L iSdilffmann II., TaborstraBe 48 Telephon 47-1 »79 En gros En dntaU 1 775591 809^^065