Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1655 (23.9.1923)
- Date
- 1923-09-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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re. Mdn, Svimiag JPCenJ, JVildprelmarkt 4 % &x >ort *JVL&d.Gl&'S Gn gros ßtobes, Jl&stumes, JUanteaux* Shagonms et trourrures iTelefon C5373. Vorführung der neuesten Sliodellkollektion 01 CB0JK0 WIEN Orig. Pariser Modelle in Kostümen, Strassen- und Abendkleidern, Mänteln und Pelzen. I., KÄ RN? NIERSTRASSE NR. 34 Eingang Maysedergasse 2. Ausländer Exporteure kaufen am vorteilhaftesten H Bl dl erstklassiger Qualität und Ausführung bei Regmann, ßammimäntelfabrik, Wien OT Ili., Beatrixgasse 26 Tel. 585 III., Heumarkt 7 Die Riiuuumg Korfus begonnen. Paris, W. September. Die Blätter melden aus Athen nach englischer Quelle, daß die Italiener gestern mit der Räumung Korfus begonnen haben. Wiener Morgenzeitung. Zer Jude als Philanthrop Bon Herbert Hoover. Der bekannte amerikanische Ernährungskommissär für die europäischen Kriegsländer und hervorragende Staatsmann Herbert Hoover erließ im Wege der „o ewis h Lrib u n e" anläßlich des jüdischen Reuqahrsfestes die folgende Botschaft: „Während der neun Jahre, in denen ich an den großen amerikanischen Hilfsmaßnahrnen für Europa aktiv teilnahin, stand ich in enger Verbindung mit verschiedenen jüdischen Organisationen, die an dieser Hilfsarbei: engagiert waren. Ich hatte häufig Anlaß, die außerordentliche Generosität und Freigebigkeit der amerikanischen Inden in ihrer Beteiligung an Wohltätigkeitsakten hevvorzuhcben und besonders zu "betonen. In der Tat haben ihre freiwilligen Beitragsleistungen jene aller anderen amerikanischen Gruppen übertroffen und wiesen Beiträge von den kärglichsten Sparpfennigen .des ävmsten Arbeiters bis zu den reichlichsten Zuwendungen der in glücklichen Verhältnissen lebenden Persönlichkeiten aus. Während der akutesten Zeit des Notstandes in Europa hatte cs sich als notwendig erwiesen, behufs Sicherstellung der Höchstleistungen in der Rettung bedrohter Löben und der Vorbeugung künftigen Leides innerhalb der Leistungsfähigkeit unserer Hilfsquellen die engste Kooperation in der Verwaltung der amerikanischen Hilfsmaßnahmen herzustellen. Diese Zusammenarbeit wurde vom Joint Distribution Committee (Vereinigtes jüdisches Hilfskomitee) mit beispiellosem Weitblick und unerreichter Zweckdienlichkeit geleistet. Während die größeren freiwilligen jüdischen Fonds in der Hauptsache für die eigenen Religionsgenossen bedacht waren, haben die amerikanischen Juden in königlicher Weise zu den allgemeinen Hilfsfonds beigetragen, rmv selbst in der Verwaltung ihrer eigenen Spezialfonds die tveitherzige Politik der Kooperation in der Hilseleistung an alle Leidenden überhaupt befolgt, lind tatsächlich wurden Hunderttausende von Nichtjuden von ihrer Fürsorge in gleicher Weise mit den Juden bedacht. Diese weitherzige Philanthropie hat in vielen Ländern Osteuropas einen so tiefen Eindruck gemacht, daß man sich dort der Judenverfolgungen schämte, die in der Zeit des größten Chaos in vielen Städten zum Ausdruck kamen. Aber nicht nur im Ausschütten von Geldmitteln haben sich die Juden so außerordentlich generös gezeigt, sondern auch in dem Ausmaße der persönlichen H i l f s d i c n sie. Ich diente zusammen mit den,Vertretern der jüdischen Gruppen in gemeinsamer Kraftanstrengung. In meinem eigenen Stab für dieses Werk hatte ich viele jüdische Männer und Frauen, denn wir linderten auch viel jüdisches Leid mit den Mitteln anderer allgemeiner Fonds. Die Dienste, die diese Männer und Frauen aus so vollem Herzen, so lverktätig und mit solcher persönlicher Sellbstausopfernng geleistet haben, können mit Worten nicht gewürdigt werden. Die wahre Würdigung und Dankbarkeit für alle jene, die ihre Mittel und ihre Dienstleistungen hergabeu. kommen ans den Herzen der Millionen, denen lie dienten und nützten. In der gesamten Geschichte de r Ph i l an t h r o.p i e gibt es kein glanzvolleres Kapitel als dasjenige, welches von dem Werk der amerikanischen Juden während der letzten neun Jahre geschrieben werden könnte. Tagesbericht. Kolnidre bei de« Karaite«. Der transfordanifche Aufstand. Aus London wird gemeldet' lieber die Aufstands» Bewegung in Transjordanien ist im Kolonialmmisterium ein Bericht des Oberkommis fürs vonPalästina cingelangt, welcher besagt: Seit einiger Zeit verursachte die Haltung des Sultans von A d w a n e s der Regierung des Emirs Abdullah, des Sohnes des Königs der Hodschas, große Schwierigkeiten. In letzter Zeit wurde die Haltung des Sultans noch drohender und aut 15. September richtete die Regierung ein Ultimatum an ihn, in welchem er aufgesordert wurde, sich innerhalb 48 Stunden zu unterlverfen, wenn nicht, würden Regierungstruppen gegen ihn Vorgehen. Schon anderen Tages zerstörte der Sultan die Straßen und zerschnitt die Telephon-und Telegraphendrähte. Daraus ordnete die Regierung Truppen nach Transjordanien ab, welche den Rebellen eine empfindliche Schlappe beibrachten. Auf der Walstatt blieben ein Häuptling und 30 Rebellen, während die Regulären leine Berluße zu beklagen haben. Man nimmt an, daß diese Züchtigung dazu dienen werde, den Sultan wieder der Botmäßigkeit znzuführen. (Eine gewisse Presse hat den Aufstand mit der zionistischen Politik in Zusaimnenhang zu bringen gesucht, obgleich in Transjordanien überhaupt keine Juden leben.) In Wilna wohnen bekanntlich einige Dutzend kavaitischer Familien (die größte Karaitensiedlung im litauischen Gebiet befindet sich in Trock). In Wilna haben die Karaiten auch eine „Kenessa,", wie sie ihre Synagoge nennen. P. Kahn gibt in einem Wilnaer Blatt eine Schilderung des Kolnidre-GotteSdienstes in der karaitischen Kenessa, die beachtenswerte Streiflichter auf die religiösen Bräuche dieser von den „Rabbamm" so scharf geschiedenen jüdischen Gruppe wirft, welche heute eigentlich bereits dem Aussterben nahe ist. Er erzählt: Dirf Karaiten feiern den Jomkipur auch am 10. Tischri; diesen Tag fällt aber gewöhnlich nicht mit dem des übrigen jüdi-< schen Kalenders zusammen. Dies hat seinen Grund darin, daß im Karaiten-Kalender nicht das Prinzip des Talmuds angenommen ist, nach welchem der erste Tag des Rosch-Haschana nie auf einen Mittwoch, Freitag oder Sonntag fallen darf. Infolgedessen fallen dann auch die anderen Festtage nicht mit den rabbanitischen zusammen. In diesem Jahre feierten die Karaiten den Jomkipur! am Freitag, also einen Tag nach dem Jomkipur der übrigen Juden. Ich folgte der Einladung eines mir bekannten jungen Karaiten, eines Studenten, am Erew-Jomkipur die Kenessa zu besuchen. Sie liegt in einer Vorstadt von« Wilna wo es viele Sommervilben gibt, die aber jetzt ii4 Herbst verlassen dastehen und die öde, unbeleuchtete Vorstadt noch öder machen. Es war bereits stockdunkel, als ich zur Kenessa kam, die ich in der Finsternis nur mit Mühe fand. Die neue Kenessa, welche die Wilnaer Karaitengemeinde jetzt erbaut, ist noch nicht fertiggestellt, und es wird noch in der alten gebetet, einen: kleiiuelu Häus-» chen, das geradezu einer Dorfhütte ähnlich sieht. Als ich hinkam, waren die Fensterladen geschlossen und nur da und dort schimmerte schwaches Licht durch einen Spalt, und aus dem Innern des Häuschens tönte leise wohlbekannter Singsang. Der amerikanische Ku Klar Klan. Aus New-Aork wird gemeldet, daß das scharfe Vorgehen des Gouverneurs des Staates Oklahoma gegen den Ku Klux Klan nicht durchweg Unterstützung in der Öffentlichkeit findet, da befürchtet wird, daß sich daraus eine B u u d e s i n t e rv e n t i on ergeben könne. Die Mehrheit der Legislaiurbehörde von Oklahoma, wie auch die gesamte Presse, haben sich gegen Äie Maßnahmen des Gouverneurs ausgesprochen und gegen die Beschickung der persönlichen Freiheit protestiert. Außerdem stelle die Bekämpfung des Klans in dieser Form eine Begünstigung einer anderen .Geheimg e s e l l s ch a f t, des „invisible Empire", dar, die ausschließlich gegen den Ku Klux Klan gegründet worden sei und gellau mit den gleichen ungesetzlichen Gewaltmitteln und Drohungen arbeite wie jener. Der Gouverneur taerbc im Regierungsgebäude von einem starken Truppenaufgebot bewacht, da befürchtet wird, daß seine Gegner versuchen, sich seiner Person zu bemächtigen. In einem kleinen Vorraum waren alle Wände mit Männer- und Frauenüberkleidern behängen, die von einem polnischen Diener behütet wurden. Der Betvaum selbst ist ein mittelgroßes, sehr niedriges Zimmer mit drei Fon^ stern in der Länge und zweien in der Breite; der Frauenraum befindet sich ebenfalls in diesem Zimmer. Die Frauen verrichten ihre Andacht in einem etwa ein Drittel des Zimmers umfassenden Teil hinter dem Männerraum. Die Kenessa war mit Hängeleuchtern und Kerzen hell beleuchtet. Alle Bänke waren besetzt; unter den Betern H etwa 50 an der Zahl in verschiedenen Lebensaltern gab es sehr wenig Kinder. Mein Eintritt erweckte allgemeine Aufmerksamkeit. Das Gebet hatte bereits begonnen. Mein karaitischer Freund reichte mir ein großes, dickes Gebetbuch und schlug die Stelle aus, welche ge-! rpde gebetet wurde. Auf dem Vorsatzblatt des Buches las ich, daß es in den Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts in Guslowa, Gouvernement Eupatoria (Krim) gedruckt worden war. Ich hatte mich nicht sehr verspätet, der Gottesdienst hatte erst begonnen. Das Kolnidregebet wird bei den Karaiten nicht gesagt. Ueberhaupt sind die Gebete in dem Machsor, den ich bekommen habe, ganz! andere sls die der Rabbaniten. Ihr Stil ist ein schweres Pijutstil; nur einige Gebete, wie die dreizehn Glaubens-' artikeln, waren mir bekannt. Der Chasan, ein alter Karäer, stand hart arn Ororv Hakodesch und sprach die Gebete laut. Er war schwarz: gekleidet, ohne Tallis, auf dem Kopf einen rundlichen, steifen schwarzen Hut mit einem weißen, flachen Deckels Er dehnte die Worte der Gebete mit melancholischer Meto* die. Die hebräischen Gebete werden in sephardischer Aussprache gesagt. Manche Pijutim wurden von einzelnen Betern aus der Gemeinde gesungen, denen diese AufgabÄ als besondere Auszeichnung zugewiesen wird. UeberdieS wurden einige der wichtigeren Gebetstellen von der Gemeinde in den tatarischen Dialekt übersetzt, welchen die Karaiten als ihre Muttersprache an sehen. Diese Ueber-i setzung, die beim Gottesdienst gesungen wurde, fand ich im Gebetbuch in einer Beilage mit hebräischen! Lettern gedruckt. In der Kenessa war es sehr heiß; bei den Beters war eine gewisse festlich gehobene Stimmung zu bemerken, die jedoch weitaus nicht die Inbrunst und Wärme desi jüdischen Gebetes an den Festtagen erreichte. Etwas! Blasses, Eindrucksloses lag in diesem Beten. Einige Males wurden die Knie zur Erde gebeugt, die Mädchen knietchr in christlicher Art. Der Gottesdienst dauerte sehr lange. Er endete mit dem Ausruf „Chasak", dann wandte sich! der Chasan in tatarischer Sprache an die Gemeinde und! teilte ihr mit, daß der Gottesdienst am nächsten Tag uni 7 Uhr morgens beginnen werde. Mein karaitischer Freund erzählte mir auch, daß die Karaiten den ganzen Jomkipurtag fastend in der Kenessa verbringen; früher sei es auch Sitte gewesen, am Ausgang des Jomkipur nach der! Mahlzeit einen Gesellschastsabend zu veranstalten, bei welchem gewöhnlich Verlobungen geschlossen wurden. Dieser Brauch hat jetzt aufgehört, da Heiraten bei den Karaiten sehr selten geworden sind. Nach der gung des Gottesdienstes küßten die Männer den Fraueri die Hand: und begrüßten sie mit „Moed Schalom!" Eine internationale Answandernngskonserem. Die von der italienischen Regierung angeregte und n ä ch st e s I a h r in R o m zusammenkommende Auswanderungskonferenz weift ein umfassendes, technisches Arbeits- Programm zur Prüfung aller Auswanderungs- und Einwan.derungsfragen auf, die international geregelt werden sollen. Sie umgeht die Fragen, die ausschließlich die innere Gesetzgebung eines Staates angchen, und wird die Möglichkeit von Vereinbarungen für das Zusammenwirken der verschiedenen Dienste des Ein- und Auswandernngstnrkehres und für die besseve Befriedigung der gegenseitigen Bedürfnisse in Erlvägung ziehen. Ihrem Programm gemäß wird die Konferenz für die raschere Abwicklung ihrer Arbeiten folgende Abteilungen bilden- Beförderung der Auswanderer, Gesundheitspflege und Santtätsdienste, Zusammenwirken der Ein- und Auswanderungsdi-enste der verschiedenen Länder, B e i st a n d fiir die Auswanderer in den EiNschiffungtzhäfeu und für die Einwanderer in den Landungsplätzen mit besonderer Unterstützung der Frauen und Kinder, Festsetzung der geeigneten Mittel für die Anpassung der Einwanderung an die Bedürfnisse der Länder nach Arbeitskräften durch Berichterstattung über die A r b e i t § m ä t! t e, Stellenvermittlung und Kolonisierungsunternehmen, Entwicklung der Fürsorgetätigkeit unter den Ausgewanderten, Aufstellung der Grundsätze für die Einwandernngsverträge. — Die Teilnahme der wichtigsten Ein- und Auswanderungsstaaten ist -bereits gesichert. h««wh*vmwi ZurSaHon! Rcttehc' Auswahl neuester ^eixmoeSeiJe in säantl. 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