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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-21 · Heft 1653 (21.9.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1653 (21.9.1923)
Date
1923-09-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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21. September 1923. Nr. 1653 Wien, Freitag Die Gemeindewahlen. 31* Große Erfolge der jüdischen Listen * Aus Preßbnrg wird uns gemeldet: Die Liste der Vereinigten jüdischen Parteien hat in der ganzen Slowakei große Erfolge zu verzeichnen. So gewannen sie außer den bereits gemeldeten Sitzen im Preßburger Bezirk 4 Sitze, in Presov 6, in Groß-Suranh 4, in Trenesen-Teplitz 4, in Trenesen 7, Kesmark 6, Pisthan 6, Sillein 5, Micha lovce 11, Nenha usel 4, Rimaszombat und Leut schau je 8, in Vrutky und Iglo je 2 Sitze. Sehr erfreulich sind die Erfolge der jüdischen Liste in Karpathorußland: In die Landgemeinden der Provinz entsendet die jüdische Liste 87 Vertreter. In Munkaes gewann die Jüdische Einheitspartei 16, eine separate jüdische Liste 2 Sitze, in U z h o r o d 9, in G r o ß - Sedljus 11 Sitze und in BeregszaSz 4 Sitze. Ungarn. Die „erwachenden" LtrabenrSnber. Budapest, 20. September. (Tel. der „Wiener Morgenzektnng".) In der Nacht auf Dienstag wurden in den Straßen der inneren Stadt wieder Passanten überfallen. Mitglieder der „Erwachenden" in ungarischen Ofsiziersnniformen trieben sich bewaffnet in den Straßen herum. In mehreren Fällen kam es auch zu Mißhandlungen der Passanten und zu Schießereien. Der Sekretär der Finmcmer ungarisch-italienischen Handelskammer Geza Tersztyanszky, der nachts in einem Einspänner nach Hatise fuhr, wurde von drei Männern überfallen, die ihm zuriefen: „Halt, Jude, heraus aus dem Wagen oder wir schießen!" Er sah, daß einer der drei Wegelagerer, ein hoch gewachsener, schlanker Herr in schwarzer Hose, mit schwarzer Ofsizierskappe, einen Revolver hervorzog und direkt auf ihn anlegte. Tersztyanszky, ein Neffe des verstorbenen Generalobersten Tersztyanszky, sprang aus dem Wagen und stellte sich — wie er erzählt — einem „Herrn" mit dre i Sternen mit den Worten vor: „Ich bin Geza Tersztyanszky, kein Jude, und kann dies, wenn Sie es wünschen, auch beweisen!" Tersztyanszky wurde jedoch von den Rowdys arg mißhandelt und dann gezwungen, seinen Wagen zu besteigen und nach Hause zu fahren. Tersztyanszky erstattete die Anzeige und gab dabei an, daß die Rowdys in Uniform auch andere Passanten belästigt batten. AugenauswkschÄeien. Budapest, 20. SepteorL-rr. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Gestern wurde eine im VeveinSlokal der Erwachenden Ungarn «bgchcvltonL Versammlung polizeilich ausgelöst, Werl der Vorsitzende die unter dem Verdachte unerlaubter A nwerbungen behördlich verfolgten Mitglieder des Vereins begrüßte, was von dem diensthabenden Beamten als Verherrlichung eines Verbrechens bezeichnet wurde. Aeberfiille auf Juden. Warschau, 19. September. (Tel. der „Wr. Movgenjcitunß".) In den letzten Tagen ereigneten sich int Sächsischen Garten neuerliche Ueberfälle auf jüdische Passanten. Jüdische Männer wurden mit Knütteln geprügelt, den jüdischen Frauen dagegen wurden die Kleider mit Farbe beschmutzt. Bei den letzten lleberfällen wurden mehrere Personen verletzt. Ein sozialdsMokratischer Antisemit. Aus Lemberg wird uns geschr.iebe.n: Vor einigen Tagen fand in Przcmysl eine Versammlung statt, in der der Führer der polnischen Sozialdemokraten Abgeordncter M o r a c z e w s k i über die Ursachen der Teuerung sprach. Im Verlaufe seines Referates berührte der Redner die I n d e n f r a g e und erklärte folgendes: „Viele von euch hassen die. Juden. In derselben Zeit verbrüdert sich aber die gegenwärtige Reglernngsmchrheit mit den Inden, die dc.n Warschauer Bövsen'kömg in den Sejm geschickt haben, nur ihre Interessen zu verteidigen. Juden, die während der Wahlen in Aufrufen zum Kampfe mit den C h r i st e n (!) aufgefordert haben, haben eigene Abgeordnete in den Sejm 'entsandt, damit die Juden stark und mächtig werden auf Kosten der arbeitenden Klassen." Ta diese Sätze von beit versammelten Arbeitern mit eisigem Stillschweigen zur Kenntnis genommen wurden, unterbrach der Redner die weiteren Ausführungen, da er .keine Zustimmung bei den Versammelten fand. Es ist interessant, daß eilt Führer der Sozialdemokratie eine Rede hielt, wie sie eilt Nationaldentokrat und Judenhetzer nicht besser gehalten hätte. Abgesehen von den lügenhaften Angabelt ist die Rode eilt würdiges Dokument der judenhetzevischelt Strömung innerhalb der polnischen Sozialdemokratie. Ans Brody wird uns geschrieben: Wie bekannt, ist die jüdische Bevölkerung Brodys schon seit Monaten dadurch in Erregung gesetzt, daß durch die Agitation der Hetzorganisation Rozwoj an dem dem Joel Christ ianoPoller gehörigen Hause am Ringplatz eine Enteignung der darin wohnenden Geschäftsleute und Mieter durchgeführt werden soll mit der Wiener Morgenzeitung. Hk MWe Wühler und Werten reklamiert Euer Wahlrecht! Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, die am 1. Jänner 1923 das 20. Lebensjahr erHücht haben, sind wahlberechtigt/ In der Hausliste, welche in jedem Hausflur angebracht sein muß, sind die bereits in die Wählerlisten Aufgenommenen ersichtlich. Wahlberechtigte, welche in dieser HauÄdste nicht enthalten sind, melden sich unter Mitbringung ihrer. und ihrer Angehörigen Do- ' knmente (Heimatschein, Geburtsschein, Meldeschein, Paß, Arbeitsbuch usw.) in einem der Reklmmtionslokale: 1. Bez., Wiesingerstraße 11, 2. Bez., Tavorstraße 1 („Wiener Morgenzeitung^, 2. Bez., Taborstratze 20 a, 2. Bez., Zirkusgasse 33, 2. Bez., Prater, Stuwerstratze 1 (Cafe Winkler), 3. Bez., Löwengasse 39 (Cafe Ilion), von 4 bis 7 Uhr nachmittags, 9. Bez., Liechtensteinstratze Nr. 11, Zionist. Bez.-Sektion, täglich von 6 bis 8 Uhr abends für den 9., 18. und 19. Bezirk, 20. Bez., Karl Meitzlstraße 6. Täglich von 9 bis 12 und von 2 bis 6 Uhr. Sonntag von 9 bis 12 Uhr. Die W a h l l i st e n liegen im Lokale, 1. B e z., W i e s i n g e r st r a tz e 11, täglich bis 9 Uhr abends zur Einsicht auf. Begründung, daß sich in dem Hanse eine Kapelle bcfinde und daher Juden nicht, wohnen dürfen. Da das Gesetz für eine solche Zwangsenteignung auf Grund religiöser Hetze keine Handhabe gibt, versuchen es die Rozwoj-Leute mit Drangsalierungen der in dem Hause wohnhaften jüdischen Mieter. Am letzten Sonntag wurde über Einberufung des Rozwoj in und vor der bei dem Hanse befindlichen Kapelle eine große Versammlung von Leuten aus der Sladt und Umgebung abgehalten. Von verdächtigem Gesindel provoziert, erzwang sich die Menge den Eintritt in den Hoframn des Hauses, um dort ein Kreuz auszustellen. Es wurde ein regelrechter/S türm auf das Haus unternommen. Anführer war der Bezirkshaupt mann sie Übertreter Kuczynski. Die jüdischen Inhaber der Geschäfte und der Wohnungen des Hauses, welche sich den Anftürmenden entgegenstellten, wurden gewaltsam sortgedrängt und geprügelt. Der Besitzer des Hauses Joel Christianopoller und sein Sohn wurden schwer verwundet, die jüdischen Geschäftsinhaber aus ihren Läden hinausgeworfen und die Läden geplündert. Es kam auch mehrfach zu Schlägereien in den Straßen. Die Behörden verhielten sich völlig passiv, erst auf Veranlassung des Stationskommandanten rückte eine Kompagnie Militär aus, welche die Ruhe wieder herstelltc Das Wische Mertel in Alt-Sambor ab- Seite 3 Rundschau. Lösung der Rümmer Frage. Rom, 20. September. Die Blätter berichten!, daß die Lösung des Fiume-Konfliktes unmittelbar bevorstehe. Ter „Messaggero" meldet, daß gestern aus Bel gTüd eine amtliche Persönlichkeit nach Rom abgereist sei, MN dem jugoslawischen Gesandten genaue Instruktionen und Mussolini einen Brief von Paste zu verbringen. Die Diktatur i« Spanien. Madrid. 20. September. (Tel.-Komp.) Das Direktorium hielt gestern unter dem Vorsitz des Königs einen Milt ist e r r a t. General Primo de Rivera stellte dem König die Mitglieder des Direktoriums vor und gab ein Expose über ein Regierungsprogramm. Beim Ausgang des Ministerrates erklärte. Rivera, daß die Regierung .beschlossen habe, gegen die Verbreiter falscher Meldungen ein summarisches Verfahren zu eröffnen. Durch ein königliches Dekret wird die Schaffung vok Bürgergarden in allen Provinzen und in den afrikanischen Besitzungen verfügt. , Der Präsident des Oberstelt Zivilgerichtshofes hat sein Amt niedergelegt. Das Militärdirektorium hat jegliches Hasardspiel verboten. Die griechische Sühne. Athen, 19. September. (Havas.) In Anwesenheit der Regierung und des diplomatischen Chors fand in der Kathedrale von Athen .der feierliche Trauergott es dienst für die Mitglieder deritalienischen Mission statt. Im gleichen Zeitpunkte wurden die im Phaleron einfahrenden alliierten Geschwader durch 2t Kanonenschüsse vom griechischen Geschwader begrüßt. Nach bcm Trauergottesdieust erwiesen die alliierten Geschwader bei ihrer Abfahrt der griechischen Floate den Salut. Dublin, 19. September. (Reuter.) Die Eröffnungssitzung des irischen Parlaments fand ohne Zwischenfall statt. 44 republikanische Abgeordnete, von denen sich 33 im Gefängnis befinden, waren nicht anwesend, da sie sich weigerten, den Huldigungseid zu leisten. Cosgreve wurde wieder zimt Präsidenten des Freistaates gewählt. Wilson kandidiert wieder? Berlin, 20. 'September. (Tel.-Komp.) Wie die „Denksche Allgemeine Zeitung" über Paris meldet, habe der frühere Präsident Wilson seine K a n d i d a t u r als demokratischer Präsidentschaftskandidat wieder ausgestellt/ Sowohl in Washington wie in Paris habe die Nachricht von der Kandidatur des 67jährigen Wilson als eine Sensation gewirkt. Der lettische Generaikonsui in Berlin. Aus Riga wird uns berichtet: Wie die offizielle Zei-■ tung Lettlands meldet, wurde zum lettischen Generalkonsul in Berlin der Jude Hermann ernannt. Diese Ernennung erfolgte über Aufforderung der jüdischen Abgeordneten, die von der Regierung die Ernennung eiA.es Juden auf einen verantwortlichen diplomatischen Posten Lettlands verlangt haben. Der neue japanische Außenminister. London, 20. September. Das Reutersche Bureau mell "k aus Tokio, daß Baron I j u i n zum Minister des Aeußsrn nannt worden ist. Aus Lemherg wird gemeldet: Durch einen großen Brand ist das jüdische Viertel der Stadt Alt-Sa mbor vernichtet worden. 70 Häuser und zwei Synagogen wurden ein. Raub der Flammen. 150 Familien sind obdachlos. NumSuieu. Die antisemitische Propaganda. Aus Bukarest meldet I. C. B.: Der Innenminister General V a i t o i a n u empfing den Sekretär der Vereinigung der rmnänischm Juden Magder, der ihm eine Denkschrift über die antisemitischen Ausschreitungen in Jassy, Bar lad, Hufi, Bacau, Pitesti und Klausen bürg überreichte. Magder verlangte vom Minister Verfügungen an die Behörden, ihre Schuldigkeit zu tun. Die antisemitische Agitation könnte durch energische M a ß n a h m e n unterdrückt werden, aber die Lokalbehörden ermutigen durch ihre Duldsamkeit die Agitatoren Der Minister erwiderte, die Ursache dieser Agitation sei auch die unkluge Haltung einiger Blatter, di: die rumänische .Studentenschast augveisen. Er selbst werde ungerechterweise als Antisemit verschrien. Er werde Maßnah m e u gegen alle antisemitische Propaganda ergreifen. Was Bacau betrifft, habe er Befehl erteilt, daß keiner der Schuldigen geschont werde. | WerbetAbouueuteusSrdie I 1 „Wiener Morgenzeitrmg" 1 Tagesbericht. Die amerikanische kinwanderimssfrage. Das Gutachten eines jüdischen Experten. Aus New-Bork meldet I. C. B.: Der Redakteur der jüdischen Zeitung „Der Tog", Mr. Morris Weinberg, der sich im SCuftrage des amerikanischen Arbeitsministermms drei Monate lang in' Europa aufgchalten hat, um die E i nwanderungsfrage zu studieren, unterbreitete dem amerikanischen Arbeitsminister Mr. Davis einen ausführlichen Bericht über seine Studienreise. Mr. Weinberg stellt fest, daß von etwa 60.000 in Frank, reich lebenden Durchwanderern 15.000 bis 20.000 nach Amerika reisen möchten. Aus Italien wollen etwa 100.000 bis 110.000 Personen jährlich auswandern. In ÜSitit haben 10.000 Personen um die Einreiseerlaubnis in die Vereinigten Staaten angesucht. Eine viel größere Zahl, die auswandcrn möchte, wird durch Mangel an Mitteln zurückgehalten. Aus der Tschecho-Slowakei möchten viele Grubenarbeiter auswandern. Der größte Teil des Berichtes beschäftigt sich mit der Lage in Polen. Weinberg schreibt, daß etwa 5 0.0 00 Personen um die Einreiseerlaubnis nach Amerika angesucht haben; es seien aber mindestens noch 5 0.0 0 0 Personen, die gern auswandern möchten, und nur durch die Schwierigkeiten bei der Erlangung der Visa zurückgehalten werden. Bon den polnischen Auswanderern seien etwa die Hälfte Polen, von der anderen Hälfte seien etwa 70 Prozent Juden aus dem. verschiedenen Teilen des früheren russischen Reiches. Wenn! man die Umgebung dieser Menschen ändert, erhält man einen Typus von Menschen, der bereit ist, zu arbeiten, zu lernen,, sich allen Phasen des neuen Lebens anzupassen und sich diej für den amerikanischen Bürger wünschenswerten Eigenschaften (HU roßer «verkauf im Maren-Drii tiaus rScniffmann II., Taborstraße 48 Telephon 47-t«7Ö En gros En detail

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