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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-19 · Heft 1652 (19.9.1923) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1652 (19.9.1923)
Date
1923-09-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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19. GWmVer 1023 Wiener Mhrgenzeirung «wt t» sjotett, »rkkkwvly * Der Schlaf der Insekten. Es ist allgemein bekannte Tatsache, daß ein großer Teil der Tierwelt ebenso gut wie der Mensch des regelmäßigen Schlafes bedarf. Dieses' Bedürfnis findet sich durchaus nicht nur bei höheren Tieren; man hat vielmehr auch an Fischen typische Schlafstellungen beobachtet. Bor allem aber gelang eist neuerdings die höchst interessante Entdeckung, daß auch Infekten regelrecht zu schlafen vermögen. Nach dem Bericht des in Südamerika lebenden deutschen Forschers Fiebrig schlafen die Insekten fast ausschließlich bei Nacht oder an triiben, rednerischen Tagen, wogegen sie an klaren, sonnigen Tagen mental§ schlafend angetrossen werden konnten, ausgenommen natürlich die nachtfliegcnden Arten, die ^den Tag ruhend in ihren Verstecken zuzubringen pflegen. Am interessantesten sind die zahlreichen verschiedenen und zum Teil sehr seltsamen Schlafstellungen der einzelnen Jnsektcnarten. Gewöhnlich beißen sich die Tiere an irgendeinem Stengel fest, so daß der Körper frei in der Lust hängt, wobei Beine und Flügel dem Körper entweder fest cmliegen, sehr häufig aber auch ihrerseits ganz sonderbare Stellungen zeigen können. Eine ganz typische Stellung nehmen z. B. gewisse Wespen an, die, mit den Kiefern an einein Stengel festgebissen, den Rücken nach unten, den Hinterleib dagegen rechtwinkelig nach dem Rücken zu legen, so daß der Körper mit dein Stengel einen Dinkel von ungefähr 60 Grad bildet. Manche Formen klammern sich mtch mit den Beinen an, wie denn überhaupt in bezug auf die Schlasstellungen alle erdenklichen Variationen .zu beobachten sind. Als Schlafstätten wählen die Insekten' am liebsten ausgetrocknete blätterlose Pflanzenteile. Es soll ziemlich schwer sein, die Tiere aus ihrem Schlaf zu wecken, wogegen sic beim Aufgang der Sonne rasch von selbst erwachen. Mit Hilfe einer örtlichen künstlichen Verdunklung soll es übrigens leicht gelingen, Insekten „eiuzuschläfern", ein Versuch, der speziellen Zuchtmaterial ohne Mühe auszuführen sein dürfte. Zu erwähnen ist noch, daß der Schlaf der Insekten mit dem bekannten Sichtotstellen nichts gemein hat und eine ganz verschiedene Erscheinung darstellt. sSiachsolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) * Temziustttnk Seemann Braun» 14. Dez.» Rein- 4orfgasse 42. * All« Hauafrauen rufen im Chor: .. Tie beste Seife ist Kagor." Ziese Teppichpreise rffenert nur das Teppichhaus Weitzner, 6. Bez., Mariahilfersrraße 105. Teppich für Villa- und Landwohnung 190 K., Sveisezimmertevpiche, Perserart 590 K., Bettvorleger 15 K., Clothsteppdecken 175 K., .Laufteppiche 18 K., Flanelldecken 45 K., Wandteppiche 29 K., Betigarnituren hübsch gestickt 190 K., Leinentischbecken 65 K. Qualitäten. Preise in Tausendern. Vereine, Bortröge und Versammlungen. Leopoldstädter Bolksheim, 2. Bez., Zirkus- /tasse 48. Heute Mittwoch Beginn folgender Kurse: 7 bis 8 Uhr: Iso Braute Schweide, Italienisch i für Anfänger; Josef ine Spitzer, Englisch 3 für Vorgeschrittene; Barta Franz, Tschechisch 1 für Anfänger. 8 bis 9 Uhr: Iso Brante Schweide, Iranenisch 2 für Vorgeschrittene; Barta Franz. Tschechisch 2 für Vorgeschrittene. Einschreibungen und Programme täglich von 6 bis 9 Uhr abends in den Kanzleien. Urania. Heute: Großer Saal: 5 Uhr: König Dachstein. Halb 8 Uhr: Dr I. Bergauer: Vortragsabend. — Kleiner Saal: Halb 5 Uhr: Privatdozent Dr. Rudolf Alkers: Nervosimt und Nervenkrankheiten. (1.) Halb 8 Uhr: Geheimrat Unrverrätsprosessor Dr. Friedrich Meinecke: Deutschland ttnd das Weltstaatensystem vor dem Kriege. — Kurssaal: Halb 7 Uhr: Dr. Ing. Ludwig Woks: Herstellung und Dermendnng optischen Glases. 8 Uhr: Universitätsprofessoor Doktor Wilhelm Bauer: Grundlagen der Geschichtswissenschaft. (2.) — Klubsaal: 7 Uhr: Universitätslektor Ferd. Marias: B, rnagskunst. (3.) Halb 8 Uhr: Gisela Krück: Die Erreichung Z under Tonbildung. (3.) Bühne und Kunst. Gastspiel Aeonora Suse. Ter Direktion der Robert-Bühnen ist es Ölungen, Frau Eleonora Düse zu bewegen, vor ihrer amerikanischen Tournee noch an einem dritten Abend in der Neuen Wiener Bühne auszutreten. Dieses letzte Gastspiel der Frau Düse findet am Donnerstag den 27. d. statt. Die Künstlerin spielt an diesem Abend die Rolle der Bianca in Marco Pragas Komödie „La porta ch i u s a" (Die verschlossene Türe). Volksoper. Eine Lohengrin-Aufführrmg, die in den Haupt- Partien mit Gästen besetzt war. das heimische Ensemble war durch Herrn L i st als mächtigen König und Frau S a l i n g e r als eindrucksvolle Qrtrud sehr gut vertreten. Frau Marie Schneider-Plaut als Elsa achtet auf richtige Aussendung ihrer sympathischen blonden Stimme und auf korrekte Einsätze, über den poetischen Gehalt der Rolle soll man sie nie befragen. Auch Herr Anton Ludwig als- Lohengrin sieht in Helm und Panzer recht kleinbürgerlich aus, doch seinem metallischen, an Erich Schmedes gemahnenden Tenor glaubt man gerne, daß er aus Glanz und Wonne herkommt. Herr Max k t i e n e r ist als Telramund ganz verläßlich, aus seinem gut fundierten Bariton spricht freilich mehr äußere Erregtheit als innere Dämonie. Im Orchester sorgte Dr. Kaiser für die nötige Gralsweihe, der Ehor versagte wie gewöhnlich, ein altes Klagelied, das immer wieder angestimmt werden muß. flb. Apollotheater. Die erste Nachmittagsvorstellung des neu cröffneten Operettentheaters brachte eine Einstudierung der nach Motiven von Josef Strauß eingerichteten Mt-Wiener Operette „Frühlingsluft". Obwohl vorwiegend die zweite Garnitur des Theaters aufgeboten war, gab es doch ein recht lebendiges, wienerisch sideles Zuq'ammenspiel. Die Damen Steinschneider, Macha und Siebner, die Herren Behler, Dombrowsky und Schulz waren alle in bester Laune, am meisten unterhielt man sich aber über die köstliche Figur des Herrn Sachs als Kellner Nazi. Auch Herr Walters als Lebeareis und Fräulein Frauner als Hanni erzielten lebhaften Beifall. Else Lehmann spielt heute Mittwoch zum letzten Male in aer 'Neuen Wiener Buhne die Rolle der Frau John in den „Rattert". Die Künstlerin hat ihr erfolgreiches Gastspiel um einige Tage verlängert und spielt noch Donnerstag in der Neuen Wiener Bichne und Freitag i« der Renaissancebühne die Rolle der Waschfrau Wolffen in Gerhart Hauptntanns Komödie ,/Der Biberpelz". Oberinspizient Schreiber als Jubilar. Der Oberinspizient des 'Deutschen Volkstheaters, Karl Schreiber, begeht am 21. d. sein 45jähriges Berufsjubiläum. Er ist der älteste Inwftrenl u«d M Ls der beste und tüchtig^» UmAmmmmm im Mitteilungen ans dem Publikum. ' k. W. SPRITZER Besitzer des Grand-Restaurant „National“ II., Taborstrasse 18 dankt herzlichst kür die ihm anlässlich des Jahreswechsels zahlreich zugekommenen Glückwünsche und entbietet seinen verehrten Gästen sowie allen Freunden und Bekannten die herzlichsten Glückwünsche zum Versöhnungstage rDiö rmin Familie Bernhard Jäger entbietet allen Verwandten, Freunden und Bekannten die besten Glückwünsche zum Versöhnungstage nnita naw irr: Rudolf Goldstein und Familie Wien, II., Novaragasse 32/41 entbieten allen Verwandten, Geschäftsfreunden und Bekannten zum Versöhnungstage mia rrcrnn iv: Möbelfabrik J. Spira Feine M.!»!.. 1—3 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse L. & C. HARDTMUTH’S KOH-I-NOQR-BLEISTIFTE MEPHISTO-KOPIERSTIFTE ANERKANNT UNERREICHTE FABRIKATE ZU HABEN IN ALLEN BESSEREN PAPIERHANDLUNGEN mmmmmmmmmammmmmmmmmmmmmmmmnmmmm seinem Fache. Durch dreißig Jahre, von 1681 bis 1S11. war er am Burgtheater engaglert. Auf eigenes Ansuchen wurde er 1911 pensioniert. Dann hat er bis 1919 als Oberinspizient an der Volksbühne gewirkt und ist 1AS einem Ruf an das Deutsche Volkstheater gefolgt, an dem er noch tätig ist. Schreiber hat bis jetzt 655 Mücke inspiziert, 585 Rollen seDst gespielt, 108 Stücke in Szene gesetzt und war an 12.944 Abenden beschäftigt. Er ist bei Direktoren, Schauspielern mtb im Publikum gleich beliebt. . Die Lohnforderungen der Bühnenangehörige». Die Schauspieler und sonstigen Bühnenangehörigen haben neuerdings angemessene Erhöhungen ihrer Bezüge gefordert. Man weiß, daß sie schlecht bezahlt und daß ihre Ansprüche begründet sind. Aber den Theatern geht es schlecht und die Direktoren erklären sich außerstande, nachzugeben. Eine Sitzung des Verbandes der Theaterdirektoren. die vorgestern nach. Schluß der Abendvorstellungen begann und bis in die Morgenstunden währte, faßte in diesem Sinne Beschlüsse, welche die Situation verschärften. — Nun sind die Direktoren mit den Schauspielern zu gemeinsamer Beratung zusammengetreten. Wie wir erfahren, ist auf einen Ausgleich zu hoffen. Di« Arbeitsgemeinschaft hatte dem Direktorenverband» wie dieser mitteilt, für gestern nachmittags die Aufklärung von Mißverständniffen zugesagt, die sich aus dem Text der Forderungen ergeben hätten. Die Aufklärung bestand darin, daß die allgemein geforderten Erhöhungen nicht über 21,8 Prozent der Augustgage stehen, zu denen jedoch dre Sonderforderungen hinzukommen, die sich in einem Falle bis zum Satze von 50 Prozent steigern. Auf diese Erklärung hin wurde von seiten der Direktoren die vollständige Unmöglichkeit konstatiert, zurzeit in eine Erhöhung zu willigen; es wunde jedoch vorgeschlagen, die Verhandlungen im Oktober neu aufzunehmen, da es möglich sei, daß bis dahin eine Besserung der geschäftlichen Situation eintreten könne. Als die Frage der Angestellten, ob sofortige Aufbesserungen der Bezüge möglich seien, negativ beantwortet wurde, brachen die Angestellten die Verhandlungen ab. Frftvorstellung. Am 21. d. findet zu Ehre« des Präsidenten der Metropolitan Opera in New-Zork im Theater an der Wien, halb 11 Uhr nachts, eine Festvorstellung statt. Zur Aufführung gelangt „Die lustige Witwe" unter persönlicher Leitung des Komponisten Franz Lehar. MW Günther und Hubert Marischka haben die Hauptrollen übernommen. Kammersänger Richard Tauber hat soeben aus Genf telegraphisch seine Mitwirkung zu dieser Festvorstellung zugesagt. Die Veranstaltung liegt in den Händen von Fritz Wreede. Die Rotter-Biihnen zieren nnr kurze Zeit den Redoutensaal. Die Ueberlassung des Redoutensaales an die Berliner Ro t t e r -B üh nen ist, wie amtlich mitgeterlt wird, auf jene kurze Zeitspanne beschränkt, in der es den Bundestheatern, insbesondere der Oper, nicht möglich ist, den Saal für den eigenen Betrieb auSzunützen. Die Ueoevlassung erfolgte unter der Voraussetzung, daß es sich um ernste künstlerische Darbietungen handeln solle, die durchaus dem besonderen Charakter des Raumes angepaßt sind. Chat uoir. Kleinkunstbühne. Durch diesen Untertitel ist die Note des „Chat uoir" gekennzeichnet. In bunter Abwechslung sorgt eine Reihe Künstler fine rege Unterhaltung. Nicht die Quantität, sondern die Qualität des Programms soll hervorzuschriste» a« die Redaktion sowie unverlangt emlangenden Manuskripten wolle man stets Rüchpvrte beilege«, da sonst eine Beanl- «ortnug» beziehungsweise Rücksendung nicht ersolgen kann. Nr. llMS gchoben werden. Da ist vor allem Theo Körner. Ein Künstle^ wie es in dieser Art keinen zweiten gibt. Ein geistreicher Plauderer. der auch ohne Zotet: das Puhlikum züm Lachen zwingtt Er ist gleichzeitig Schriftsteller und Konwonist, und manches seiner kleinen Merkchen bedeutet ein Erlebnis. Ihm kongenial die Humoristen Brüder Hoppe, die, wenn, auch manchmal zu drastisch, doch ungemein Wunsch sind. Neben Körner debütiert ein zweiter Gast aus Berlin: Hans Ströhm, der mitseinen aktuellen gesprochenen Foxtrotts sehr eigenartig wirkt. Die leichtgeschürzte Muse hat in Gonda Monty-Berebelh und der Interpretin des Komponisten Strecker. Lilly Buresch, gute Vertreter. Ein kleiner, lustiger Einakter, ein vornehmes Tanzduo (Olly und Henry Urge) sowie eine weitere Reihe netter Nummern gehen dem erwähnten Programm voraus. (Entgeltlich.) Ernst Toller, der Autor der auch in Wien erfolgreich aufgeführten „Maschinenstürmer" und des Dramas „Masse Mensch", hat ein neues Stück vollendet, das sich „Der Deutsche Hinke mann" betitelt. Das Drama gelangt heute am Leipziger Men Theater zur Uraufführung. — Toller büßt bekanntlich als politischer „Sträfling" eine mehrjährige Festungshaft ab. Ein neues Wunderkind. Ein Knabe, der mit acht Jahren Lieder, Sonaten und sogar Fugen komponiert hat, erregt in England Aufsehen. Es ist Anthony Eavey Lewis, der Sohn eines Majors aus Salisbury. Der Knabe zeigte schon mit drei Jahren Begabung fiir Musik. Sobald er die Notenschrift erlernt hatte, fing er an. zu komponieren und bedeckte, während er auf dem Fußboden lag, ganze Seiten Notenpapiers mi' Noten, die sich als harmonische Musikstücke erwiesen. Aus de« Matern. Burgtheater: Morgen» 7 Uhr, »Siel Lärm um nichts". Akademietheater: Morgen, halb 8 Uhr, „Tageszeiten der Liebe". Volksoper: Heute „SHc lustigen Weiber von Windsor". Morgen „Louise". Wiener Komödienhaus: Die Premiere der Novität ,D ie Ballkönigi n", Buch von Ienbach und Gatti. Musik von Karl Stigler, findet Freitag den 21. d., 7 Uhr abends, statt. Im Neuen Wiener Stadttheater findet am 21. d. die Erstaufführung des phantastischen Melodrams „D ie wunderlichen Geschichten des K a p e l l m e i st e r s Kreisler" nach E. T. H. Hoffmanns Leben und Erzählungen von C. Meinhard und Rudolf Bernauer in einem Vorspiel und drei Teilen <42 Bilder), Musik von E. N. v. R c zniczek, statt. Gerichtssaal. Der Apostel von Sttalring. Wie bekannt, ist letzten Donnerstag in S a u e r b r u n n der der staats- und verwaltungspolizeilichen Abteilung der Landesregierung im Burgenland als Vertragsbeamter zugeteilte Dr. Heinrich Meyer- Weidling unter der Anschuldigung des Betruges, bezw, Veruntreuung sowie der Falschmeldung verhaftet und nach Wien gerächt worden. Das Landesgericht Wien hat den Nil, da es sich um einen Betrag von 17.006 K. handelt, dem Bezirksgerichte Fünfhaus abgetreten, woselbst sich nunmehr der Angeklagte zu verantworten hatte. In der Anllageschrisi, begw. m der von der Polizei an die Staatsanwaltsckiafl berichteten Zuschrift heißt es: Bei der burgenländischen Landesregierung war bis anfangs dieses Monats ein angeblicher Dr. Heinrich Meper, der sich bald als Dr. jur. bald als ti^l. und ehemaliger Kirchenrechtslehrer ansgab, als Vertraasbeamter in Stellung. Genannter war als Heinrich ÜN e y e r, Dr. Juris und Theologieprofessor, am 21. August 1854 in Bevlin geboren und zuständig, evangelisch, verheiratet, in Sauerbrunn gemeldet. Im Juli 1923 brachte die burgenländische Regierung der Wiener Polizei zur Kenntnis, daß der angebliche Dr. Meyer mit einem Manne identisch sein soll, der vor Jahren (1912) in Wien unter dem Namen Dr. Walter Graudenz Betrügereien verübt habe. Die an der Hand eines Lichtbildes eingeleiteten Erhebungen ergaben, daß Dr. Meyer identisch ist mit dem SchriMeller Walter Ulrich Heinrich Graudenz. Er lebt mit Marche Weidling im gemeinsamen Haushalte, sie ist aber als seine Gattin gemeldet. Er ist vom Landesgericht« Berlin 1 im Jahre 1892 wegen Urkundenfälschung mit 8 Wochen Gefängnis und wegen Betruges mit einem Jahr Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Rechte auf ein Jahr vorbestraft. Die Geschädigten heißen u. a. und wurde « von ihnen auch erkannt: Augustme Zvgernitz, Julie Seböck, Gastwirtin, Elise Hufnagel, Private, und Josef Zeidnick, Schuhmacher. Dr. Meyer hat feine Identität nach anfänglichem Leugnen mit dem kurvendierten und vorbestraften Graudenz zugegeben und eingestanden, daß er sich falsch gemeldet und sich den Doktortttel fälschlich beigelegt hat. Bei der nur kurz dauernden Verhandlung gab er jedoch an, daß er berechtigt sei, den Doktortitel zu führen. Was die Betrügereien, bezw. Veruntreuungen an'belangt, so werden dieselben darin erblickt, daß er bei Herausgabe des Werkes „Niedevösterreich in Wort und Bild" (von dem ein Heft dem Me berliegt), verschiedenen Personen, unter anderen auch den vier genannten Personen, Kautionen und Einlagen in betrügerischer Weise entlockt hat und dann spurlos verschwunden ist. Das war im Jahre 1912, seit dieser Zeit wird er gesucht. Er erklärte sich dem Richter gegenüber nicht schuldig, denn es handle sich bei allen gegen ihn erhobenen Fakten lediglich um zivilrechtliche Forderungen. Er werde alles bis aus den letzten Heller bezahlen. Der Richter vertagte die BerhaMung, um 12 Zeugen vorzuladen, .und verhängte über den AngeAagten die ordentliche^ Untersuchungshaft, wogegen dieser erklärte, die Beschwerde gegen diesen richterlichen Beschluß zu ergreifen. Ueber die Person des Angeklagten wäre noch zu bemerLen, daß er jahrelang in Ottakring gelebt und ein Buch unter dem Titel „Ottakring und Umgebung" herausgegeben hat. In Ottakring, insbesondere in Altottakrmg, erfreute er sich einerungemein großen Beliebtheit und Verehrung; man nannte chu den ^!l.pofte1 von Ott-akrivH", mm, .»IIT, IT.1%

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