Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1652 (19.9.1923)
- Date
- 1923-09-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Mittw o ch Wiener Morgenzettung. 19. September 1923 Nr. 1« M uugarische för* Zollo^ziere S. M. Horchy. Budapest, 16. September. (Tel. der „Wiener Movgcn- ^rtung".) Bor dem Militärgericht von Balassa Gyavnrat fand heute ein Prozeß gegen den Oberstleutnant K i sfaludh sowie die Hanptleute Gagger und Perneue r der ungarischen Zollwache statt. Oberstleutnant Kisfalndv hat als Militärkommandant des Balafsa- Gharmarer Gvenzabschnittes in diesem Frühjahr eigenmächtig angeordnet, das; Leim Grenz Übertritt jedermann e i n i g e tschechische Kronen zu entrichten habe. Diese Taxe wurde auch von den Grenzsoldaten unbarmherzig emgetrieben. Das Geld behielt der Oberstleutnant. Damit nicht genug, betrog er auch beim Geldwechseln die Reisenden. Das Militärgericht erkannt: den Oberstleutnant des Verbrechens des Mißbrauches der Amtsgewalt schuldig und verurteilte ihn zu v i: r M o n a t e n schweren Kerkers nebst D egradatiou. .Hauptmann Gagger wurde $t zwei Monaten, .Hauptmann Pernauer zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Erpresser und Gendarmen. Budapest, 18. September. (Tel. der ,,Wiener Morgen- Mung".) Di: jüdischen K a n f l e u t e der Stadt K i s k o r e s erhalten seit Wochen fortgesetzt Droh- „Freiheit" Lriefe, mit der Auffovdtzmng, große Beträge, oftmals M i l l io n e n, abzuliefern, da sie sonst ermordet ivürden. Die Gendarmerie veranlaßt« nun -einen Kaufmann, den geforderten Betrag von einer Million an der von den Erpressern Lezeichneten Stelle rnederznlegeu. Der Kaufmann tat es, doch war das Verhallen bet Gendarmen ein derartiges, daß es den Gaunern gelang, mit der Beute gu entkommen. Der respektlose Cousin des Ministers. Budapest, 18. September. (Tel. der ,Miener Morgenzeitung".) Erst vor kurzem enthüllten die Zeitungen eine Panama-Affäre des Grafen Eugen Klebelsbe rg, eines Cousins des Untervichtsilmnisters Klebelsberg, der. größere Mengen Gau Lieber unter falscher Deklaration aus dem Lande schmuggeln wollte. .Heute wurde die Anzeige gegen Eugen Klebelsberg wegen eines anderen Schwindels erstattet. Der respektlose Cousin hat nämlich mit mehreren vorbestraften Ehremnänern einen sogenannten „Budapester Wegweiser" gegründet. Kaufleute und Industrielle wurden im Namen des Ministers Klebelsberg telephonisch angerusen und ausgefordert, ftir den „Wegweiser" Inserate auszugeben. Außer -dem Grafen wurden sämtliche Teilnehmer des ,Mattes" von der Polizei in Verwahrungshaft genommen. 'aaam Sie BesteiMng des Munt kvereft. Jahrzehntelang waren die Erreichung des Nordpoles wie des Südpoles unserer Erdkugel und die wissen-* schaftliche Ausschließung der Arktis und Antarktis di« großen Ziele der kühnsten Forscher. Das Heldentum derj Cook, Peary, Scott, Amundsen und Shackleton erfüllte! die gebildete Welt mit Spannung und Bewunderung. EiH neues Ael und heldenhaftes Abenteuer bot sich den Pio-i nieren des menschlichen Geistes in der Ersteigung de«! höchsten Erhebung unserer Erdoberfläche, des Mounts Everest im Himalaya, der ebenso wegen der deckt menschlichen Kraft gezogenen Grenzen wie wegein dev strengen Abgeschlossenheit, der um den Berg herum lebend den BLÄr^chaften die längste Zseit als unerreichbar und ««Lezwingbar galt. Von den Ebenen Indiens schauten Engländer fehvrsuchtsvoll auf die tausend Bergspitzen, die sich in locken^ der Ferne zum Himmel erhoben^ welcher der höchste! Berg unter ihnen war und wie hoch er war, tkrnnte^ lange Zeit nicht mit Sicherheit festgestellt werdsn. Als! die Vennesfungen ergeben hatten, daß die höchste Spitze' des Mount Everest sich bis zu 8840 Meter erhob: und um 300 Meter höher war, als irgend ein anderer! Berg der Erde (der zweithöchste ist der Gipfel des Karcr^ korum in Kutralasien, 8620 Meter), da wurde in England .die Bezwingung dieses Bergriesen ein Nationaler Hochgedanke und zugleich zum ehrgeizigen Zsiele der gewandtesten und kühnsten Bergsteiger. Noch bis in die jüngste IKt war dieses Unternehmen unmöglich, denn! der Mount Everest liegt zwischen dem Bergland Nepal! und dem Hochland Tibet und kein Reisender durfte dieses heilige Gebiet betreten. Darum konnte bis vor zwe? Jahren kein Europäer sich rühtznon, dem Berge auch nuv auf 60 Kilometer nahe gekommen zu sein, und die ganze! Umgebung des Berges war völlig unbekannt; bloß seine Spitze grüßte in die Ferne. l Während der letzten Jahre gelang es aber, freundliche Beziehungen zu dem Be-rgvolke der Tibetaner Herzustetten. Der Dalai Lama von Lhasa gab einer englischen Expedition die Erlaubnis, Tibet zu betreten und über das dortige Hochplateau vom Norden her! zum Mount Everest zu ziehen. Die Geographische Gesellschaft in London und der Englische Alpenklub waren es, welch: die Mount Everests Erpedition im Jahre 1921 unter dem Kommando des Obersten Howard - B u r h ausrüsteten; von dieser wurden die Zugänge zu dem Bergevermessen und aufgenommen und der gangbarste Weg ausfindig gemacht. ' Auf Grund dieser Ergebnisse wurde im Jahre 1922 eine viel größere Erpedition mit General Bruce als» e/ührcr ausgesandt, um nun den Berg zu bezwingen. Die Erpedition schlug den Höhenrekord von 7450 Meter,' den vor vielen Jahren der Herzog der Abruzzen ini Karakorum in Autralasien erreicht hatte. Sie erklomm auch zweimal eine bisher nie erstiegene Höhe von 8220 Meter. Vorher war freilich haarklein bewiesen worden, daß der menschliche Körper in noch höheren Lätzen, als sie schon bisher erreicht worden waren, die Anstrengung des Klettern aus physiologischen Gründen unter keinen Umstünden ertragen könnte. Es war als unumstößliche Tatsache hingestellt worden, daß die Luft in diesen Höhen-- lagen wegen ihrer starken Verdünnung für den Menschen! überhaupt nicht atembar sei, und daß ein Mensch dort ohne künstliche Zufuhr von Sauerstoff nicht leben könnte. Der Erfolg der kühnen Kletterer hat aber alle diese» bewiesen, daß es mutigen und kräftigen Menschen möglich! ist, bei wohlberechnetem Verhalten auch in diese Höhen vorzudringen und selbst in dieser verdünnten Luft große! Anstrengungen auf sich zu nehmen; sie haben auch gezeigt, daß die künstliche Zufuhr von Sauerstoff wohl bei! richtiger Anwendung von Nutzen ist, daß es aber nicht unmöglich ist, den Gipfel des >Berges ohne diese Beihilfe zu erklettern. Den höchsten Gipfel hat die Expedition freilich nicht bezwungen und der Erfolg war also Lein vollständiger. Sie erreichte aber zweimal glänzende Erfolge, indem di« Kletterer bis zu einer Höhe von 8220 Meter, das ist bis zu etwa 600 Meter unter dem Gipfel vordrangen. Dort wurden sie beide Male durch äußerst ungünstiges Wetter abgeschlagen. Sie haben aber den unumstößlichen! Beweis erbracht, daß der Bergriefe unter günstigeren Umständen bezwungen werden kann und niemand zweifelt mehr daran, daß er auch über kurz oder lang bezwungen werden wird. Die nächste Expedition ist für das kommende Fahr geplant. Wie bei allen wissenschaftlichen Expedittonen derj Neuzeit, machte auch diesmal eine k inematographische Kantera die Reise mit. Vom Waggondache der kleinen Bergbahn in Sikkin, der am weitesten gegen Tibet vorgeschobenen Provinz Indiens, wurden die tropischen Urwälder der südlichen Hänge des Himalaya-Gebirges, di« voll von Tigern und wilden Elephanten sind, ausgenommen. Das Leben und Treiben der Expeditton, Pi« Einwohner des Landes, die schönen Bauten des Tibet, die dorttgen Klöster, Tempelfeste, die gigantische Szenerie des Mount Everest, der wie ein Feind mit einem Hauptquartier, drei Etappenlagern und Vorposten angegangen wurde, dies alles wurde im Film festgehalten. Ein kinematographischer Rekord waren die in einer Höhe von 7000 Metern gemachten Aufnahmen. Dem Captain Noel, der nur als Photograph und nicht als Kletterer mit^ genommen worden war, sich als solchen auch gar nicht ausgab, gelang es, von dieser Höhe aus mit einer kinematographischen Teleskopkamera die Unternehmung dev Kletterer bis zu einer Höhe von 7780 Metern im lebenden Bilde festzuhalten. — Der Erlös für diesen Film dient zur Ausrüstung der nächstjährigen Expedition. Internationaler LusammenschW des MW Ander. In Bern wurde gestern unter dem Vovsitz des Pro sidenten des schweizerischen Gewerbeverban'des, National rates S ch u nt h, die Vorkonferenz für den im Jahve 1921 abzuhaltenden internationalen Mittelstaudskongreß eröffnet Die Präsenzliste epgab die Anweserchett von 80 Delegiertet aus 18 Ländern. Zur grundsätzlichen Frage der SchaffttNj eines -internationalen Mittelstandbundes äußerten sist die Vertreter Oesterreichs Lenhardt und Dr. Kobatsch, dei Tschecho-Slowakei, Englands, Italiens, Belgiens, Bul garielts, Deutschlands, Ungarns, LiechtelPeins und Hollands und persönlich Brion (Straßburg) und Ta i l lebet (Paris). Verschiedene Vertreter teilten mit, das in ihren Ländern bereits Landesverbände des Mittelstandel gegründet oder in Vorbereitttng sind. Allgemein wurde de» Gedanke des internattonalen Zusammenschlusses des Mittel stan-des begrüßt, der das Rückgrat und das Herz des dewo kratrschen Äaatswesens sei. MsenbahimngM fo Triest. In Triest ereignete sich auf -dein Bahnhof ein Zusand merlstoß, indem ein Personenzug infolge Versagens der Brenrse gegen die Sperrblöcke stieß, wodurch mehrere Wag. gons entgleisten. Hierbei wurden 27 Personen verletzt Religionsbwerei. Es ist bekannt, in wie boderrlos beschränkter und niedrig« Weise die jüdischen Kommunisten in Rußland den sogenannter ,Kampf" gegen die jüdische Religion führen. Wes Geistes Kiiü die „Religionskämpfer" sind, hat, wie wir vor kurzem berichte: haben, ein russischer Kommunist auseinandergesetzt, der di« völlige Unbildung und Verrohung dieser „kommunistische» Jugend" darlegte. Der Ehrgeiz dieser „Blüte" der jüdische» Jugend Rußlands scheint nun die Mischen Kommunisten Wiens (es gibt - tatsächlich eine Mandel solcher unreifer Bürschchen hier) nicht ruhen zu lassen. Die „In dis ch -kommun i st i s ch e Partei" in Wien beruft nämlich für heut« abeilds, wobei ausdrücklich hinzugesetzt wird „Erew Jomkipur" eine Versammlung ein. Die „Chawerim" werden aufgefordert, „in Massen" zu erscheinen; die sei „proletarisch« P f l i ch t". Die Bürschchen verdienen sicher nicht, daß man sich mit ihren aus Unreife und Beschränktheit geborenen Frechheiten befasse; aber es muß vermerkt werden, daß dies der erste Fall ist, wo versucht wird, die unzivilisierten Methoden des bolschewikischen „Religionskampfes" nach dem noch immer als einigermaßen gesittet anzusprecheirden Europa zu trogen. Wie immer man sich zu religiösen Dingen stellen mag — es muß' Empörung erwecken, wenn man eine solche Büberei merkt, die mit der das Judentum so lange erhaltenden und ungeheure Kulturwertc bergenden Tradition Spott treibt. Dabei wird der Spott von Burschen getrieben, die, jedes Kulturinhaltes bar, von Broschürenwellanschauung leben. Sie^. werden freilich hier kein Glück mit ihrem „Religionskampf" haben, da ja der ^Jude im Westen doch vor Huligans, und seien es auch jüdische, wenn was meist anzunehmen ist — Prügel nichts fruchten sollreu/ sich anderweitig schützen kann. Aber vermerkt muß doch werden, daß die Verbohrtheit geistiger Unreife schneller die Gren^» geöffnet bekommt als das Kulturgut der Menschheit. Rew-Zorl ohne Leitung. Wie eine Reuter-Depesche aus New-Hork berichtet, sind geistern früh die großen Morgonblätter nicht erschienen, da die Drucker plötzlich infolge Lohnstreitigkeiten in den A u s st a n d getreten sind. 2408 Menschen in Kalifornien obdachlos. Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus aus Berkeley in Kalifornien sind durch den bereits gemeldeten Brand im ganzer: 60 0 Häuser zerstört worden. Der Schade beläuft jub auf 10 Millionen Dollar. 2400 M e-n scheu sind obdachlos geworden. Erdbeben in Malta. Gestern früh wurde, wie arrs London berichtet wird, irr Malta ein st a r l •: r Erdstoß verspürt. Es wurde kein ernster Schade au gerichtet. Unter der Bevölkerung ist eine Panik ausgebrochen. krbeben in Kalifornien. Eureka (Kalifornien), 17. September. (Reuter.) Hier ist ein Erdstoß verspürt worden. Berkeley (Kalifornien), 17. September. (Reuter.) Eine gewaltige Feuersbrunst hat mehrere hundert Häuser, darunter einen großen Teil dcp Universität, zerstört. Durch die Anwendung von Dynamit fönte das Uebergreiftz». d-rs Brandes auk Betrogene Auswanderer. Eine Anzahl von slowakischen Landlenten, die nach Amerika auszuwandevn gedachten, Wunde von einer Bande von Betrügern nach W i e n gelockt. Die Bande hatte ihnen große Beträge für SchiffZkarten, Pässe, Bisa usw. eittlockt und so die Leut« um ihre ganzen M ittel gebracht. Zu diefern Zwecke organisierten die Betrüger in Wien für einige Stunden ein förmliches A u s w a n ö e r u ngsbnreau. Das Manöver begarrn bereits i-m August .dieses Jahres. Zn dieser Zeit veranlaßte der Hilfsarbeiter Josef Szakalas zusammen mit seinem Freurrde-, idem Gemischttvarenhändler Anton Zi n tn'l, itat B 'rsicher»rngsbeamten K o l e k, der damals in 'der Slowakei iveilte, slowakische Landlenite sur Reise nach Amerika zu animieren. Koler brachte den beiden und einem eleganten Manne, der ihm als Sekretär der Hamburg-A-mevika-Linie vorgestellt wurde, sieben S l o w a k e n. Diesen wurde eingeredet, daß man sie „schwarz" nach Amerika befördern werde. Alle n o t lv e n d i g e in D o k rr m e n t e würden beschafft. Jeder der Answanderuingslnstigen mußte 83 2 6 t s ch c ch i s ch e Krone n orMchten. All dies ging in einem mit allerhand Landkarten gezierten Bureau -in der Paniglgasse vor sich. Die Leute erhielten Pässe mit Bisen und Schiffskarten .n>nd wurden nnt einem Agenten namens B r a u n zur Franz Josefs-Bähn geschickt. Braun tvollte angeblich mit den Slowaken bis nach -.Hamburg sa-hreir. Er ließ sie jedoch schon im Franz Josefs-Bahnhof im Stich und Vers ch w a n d. lieber Anzeige eines Ver-, -wandten, au -den sich einer der Betrogenetr nur Hilfe-gewandt hatte, -leitete die -Polizei Erhebungen ein und stellte fest, 'daß die Bande aus den bereits evwähnten Szakalas und Z i n t u l a, ferner dem Fleischharter Josef Steine r» dem berüchtigten Paßsälscher Anton Frank, -der auch die falschen Pässe für die Auswanderer khevstellte, dem beschäfti-! gungslosen Agenten Artur Wolfi nger, ider den Reisen begleiter Braun spielte, sowie -dem bereits vovbestraften Kaffeesieder Karl Britz bestand. Britz hatte unter falschen Vorspiegelungen einer Geschäftsfrau in der Paniglgasse^ ein Zimmer abgeschwindelt. Sämtliche Betrüger bis aufeinen wurden verhaftet. Man fand -bei ihnen -Abdrücke! von allerhand Älmtsstainpig'licn, darunter auch eine Stanv»/ Piglie der israelitischen Kultttsgen^inL.*ü