Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1652 (19.9.1923)
- Date
- 1923-09-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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vcc. lxm Wvm, Mttkwoch lese gehässige Bemerkung aus und der italienische Gesandte mußte wiederholt im Außcnamt vorstellig werden und erklären,, daß dieses Verhalten des Handelsministers das Eintreten der' italienischen Regierung für Oesterreich mit Rücksicht ans die Stimmung im Laude in Frage stelle. Kraft mußte dann wiederholte Erklärungen seiner Loyalität für Italien abgeben und kam schließlich noch ziemlich glimpflich mit einer Kopfrvaschung durch den Bundeskanzler weg. Aus Anlaß der Zusammenlegung der Ministerien konnte Kraft endlich c.us dem Kabinett ausgeschifft werden, nachdem er der Regierung nicht wenig Verlegenheiten bereitet hatte. Irr der Sonntagsnummer der „Grazer Tagespost" schreibt er nun in einem Leitauffatz,. der die LombardierbarkLU der Schatzscheinanleche verlangt, wörtlich: „Im Jahre 1924 wird der ausländische Kredit erschöpft sein und eine Menge von Industriellen und Banken lauert schon darauf, daß der Staat gezwungen sein wird, um seine Ausgaben zu decken, Noten drucke): zu lassen, die keine:: Gegenwert haben als Schatzwechsel. Es« ist unwahrscheinlich, daß an: Ende der Saniernngsperiode das Buoget sich aus gleicht und daß das Ausland neuerdings Kredite gibt, es wird daher der Finanzminister an das Inland um neue Anleihen herantretcn müssen." Da der Prospekt der Postsparkasse 'die Lombardicrfähiakeit der Dollarschatzscheinanleihe in dem Prospekt zugcsagt, aber die bclchnbaren Jnterimsscheine noch nicht ausgcgeben sind, wirft der gewesen Minister dem Finanzan:t unaufrichtige Kreditpolitik vor und erklärt schließlich, „künftig werde sich bei der Zeichnung einer Staatsanleihe wohl jeder hüten, bun Versprechungen auf den Reklameprospekteu Glauben und Vertrauen zu schenke Herr Kraft, der als Mitglied des Saniernnasininisteriums die Behauptung aufstellt, '-aß das Budget Ende 1924 noch nicht im Gleichgewicht sein wird, greift damit das ganze Sänkerungswerk an seiner Wurzel an, denn die Beseitigung des Defizits ist das Hauptziel des ganzen Genfer Abkommens. Der gewesene Saniernn'zsmimster treibt also bewußt Wasser auf die Mühlen der Gegner des Genfer Abkommens. Es wird notwendig sein, daß von autoritativer Stelle diese Behauptung 'des Herrn Kraft entkräftet wird, weil sie sonst bei allen, die auf das Scheitern der Genfer Aktion spekulieren, nur crinutigend wirken würde. Die Gemeindewahleu. Die jüdischen Mandate. Mecho-Slowakel Brünn, 18. September. (Tel. der „Sßietter Morgen- KSrlung".) Bei den Gemeindewahlen in Mähren haben, soweit bekannt, die Jüdischnationalen in folgenden Orten Mandate erhalte«: Olmütz 1 (753 Stimmen, früher 690) P r e re« 1. In Schlesien: Tf ch e chis ch - T es chen 1, Fried eck 1, Od erbe rg-Bahnhof 2. Prag, 18. September, (Tel. der „Wr. Morgenzeitnug".) In Prag erhalten die JüÄrfchnationalen 3, in Tu r n bei Teplitz 9, in Leitmer: tz 1 Mandat. Der Erfolg der jüdischen Einheitsliste in der Slowakei. Preßburg, 18. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Hier haben die Jüdischnationalen vier Mandate (bisher drei) ervnngen. Ihre Stimmenanzahl betrug 3423. In Kaschan erhielten die nationalen Juden 910, die demokratischen 686 Stimmen. Aus Preßburg wird mrs weiters gemeldet: Nach den bisher vorliegenden Nachrichten hat die jüdische Liste auch in der übrigen Slowakei gut abgeschnitten. So errang die jüdische Einheitsliste in Brbove 3 Mandate, in S t u p a v a 4, in N o v e M e st o n. B. 9, in Ho'l i c 4, in Jablonica 1 Mandat. In Ka s cha u errang die jüdische Einheitsliste 2, die demokratische Partei 1 Mandat. Bor der Beendigung des KMemrbeiterftreiks. Prag, 18. September. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung.") Im Minister-ium für. öffentliche Arbeiten wurden heute nachmittags zwischen den Arbeiterdelegierten und den Grubenbesitzern der einzelnen Kohlenreviere unter Vorsitz des Sektionschefs Fischer die Verhandlungen fortgesetzt. Die Vertreter der Reviere Brüx und Fälkenau traten nachmittags um 3 Uhr zu einer Konferenz zusammen, während die Vertreter des Ostrauer Reviers voraussichtlich morgen eine Beratung abhalten werden. In eingeweihten Kreisen wird die Aussicht für eine baldige Beilegung des Konfliktes ziemlich optimistisch beurteilt, da sowohl auf seiten der Arbeiterschaft als auch bei den Unternehmern der ernsthafte Wunsch besteht, raschest zu einer Verständigung und zur Beendigung des Konfliktes zu gelangen. Polen. Haller «ad öikorski kehren zur Armee znrftft. Warschau, 18. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) General Josef Haller soll in den nächsten Tagen wiederum als Generalinspektor der gesamten Armee in den aktiven Militärdienst trete::. General Haller wurde bei den letzten Wahlen als nationa'ldemokratischer Kandidat in den Sejm gewählt. Wie verlautet, soll auch der gewesene Ministerpräsident, General Sikorski, der nach seiner Demission aus dem aktiven Militärdienst austreten' wollte, abermals reaktiviert lvevden. Wiener Morgenzeitung. MODELLHAUS Julius Krupnik VH., Kaiserstrasse III — 115 VORNEHME KLEIDER KOtTUME MANTEL P E LZ E 332 Sra Wegen Umbau und Raummangels nur noch k! : /.e Zeit nie wieder kehrend billige Preise! Die Ankihesrage. Warschau, 18. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Finanzminister Kucharski ist nach London abgereist, um mit dem dortigen Finanzministerium und der Londoner Morgan-Gruppe über die Gewährung einer Anleihe an Polen zu verhandeln. Ebenso soll der Finanzminister mit dem Finanzsachverständigen oung über die von ihm einzuleitenden Arbeiten zur Sanierung der polnischen Finanzen verhandeln. Eine Mahnung zur Ttaaisteeue. 'Aus Warschau wird uns geschrieben: Anläßlich des Besuches des Staatspräsidenten Wojciechowski in K a z i m i e r z erschienen zu seiner Begrüßung Vertreter der jüdischen Gemeinde. Die jüdische Deputation wurde erst nach langen Vorverhandlungen mit dem Festkomitee zugelassen. Beim Erscheinei: des Präsidenten wurde er vom Vertreter der jüdischen Deputation, Herrn 2 ö w e n st e i n, in polnischer Sprache begrüßt, worauf der Präsident mit dem Satze antwortete: „S e i d nur treue Hürge r." Herr Löwenstein antwortete hierauf: „Wir waren und sind treue Bürger." Als dann der Präsident die.altertümlichen Sehenswürdigkeiten besichtigte und programmgemäß die alte jüdische Synagoge besichtigen wollte, wurde nach Schluß des Rundganges der jüdischen Deputation, die vor der Synagoge stundenlang wartete, eine Meldung übermittelt, daß der Präsident keine Zeit mehr habe, die Synagoge zu besuchen. Begreiflicherweise 'hat dieses Vorgehen auf die jüdische Bevölkerung 'den peinlichsten Eindruck gemacht, insbesondere die Mahnung an die jüdische Bevölkerung, die Staatstreue zu bewahren. . Glombinskis Numerus klansns-Propaganda. Aus Lemberg wird uns gemeldet: In einem Interview mit einem Mitarbeiter des nationaldemokratischen Hetzorgans „S l o w o p o l s k i e" erklärte Unterrichtsminister Glomb inski, daß er für die Einführung 'des N u m e r u s c l a u s u s an sämtlichen V o l k s-, Mitte l- und Hoch schulen eintrete. Was die Volks- und Mittelschulen anlange, so sei dort der Ibumerus clausus bereits durch Gesetze eingeführt, indem an diesen Schulen nur so viel Schüler ausgenommen werden können, als freie Plätze vorhanden sind. An den Hochschulen sei der Numerus clausus im Sinne einer Verordnung aus dem Jahre 1920 (über die wir bereits inehrmals berichteten) zulässig. Es sei klar, daß 'bet Staat das Recht habe, zu verlangen, 'daß die Jugend jener Nationalität des Staates vor allem zu berücksichtigen sei, die die „Grundlage des Staates" bilde. Er habe nichts dagegen, daß die Minderheiten eigene private Lehranstalten gründen. Der Kampf gegen den Numerus clausus sei von jenen Elementen, die Polen in den Augen des Auslandes „b es ch m utze n" wollen, bereits vor das Form:: des Völkerbundes gezerrt worden. Er sei jedoch überzeugt, daß das Ausland bei richtiger Information seinen Standpunkt billigere werde. ' (Es gehört viel Naivität dazu, daran zu glauben, daß das Ausland das külturwidrige Vorgehen Glombinskis billigen wird. Es ist noch die Frage, ob es nicht die Nationaldenwkraten sind, die durch ihre hetzerische Tätigkeit.dem Namen Polens im Ausland schaden.) Feuersbrunft in Rozniatow. Aus Lemberg schreibt man uns: Das Städtchen R o z n iatow wurde von einer verheerende:: Feuersbrunst heilngcsucht. lieber 20 Häuiscr sind gänzlich niedergebrannt. 35 jüdische Familien sind obdachlos geworden. In Lemberg wurde bereits eine große Hilfsaktion zur Linderung der Not dieser Opfer eingeleitet. Rundschau. Der Aufftand in Dransiordanien. Jerusalem, 17. September. (Havas.) Die Melduirg, daß die Stämme AdW an und Belkan gestern das Lager 19. September 1923 Seite 8 de 8. E m: r s A b d>u lla h übe r fa l le n haben, be- ■ stätigt sich. Die Angreifer erlitten schwere Verluste. London, 18. Sepieniber. Das Rentersche Bureau meldet aus Jerusalem, daß Aufständische die Stadt Amman am Sonntag umzingelt und die Telephon- und die Telegraphenleirungen unterbrochen hatten. Nach scharfen Kämpfen wurden sie unter Zurücklassung von 82 Toten z u r ü ckg ef ch l a g e n. Sie flüchteten in südlicher Richtung. Eine weiteve Meldung aus Jerusalem besagt, das; der Aufstand in Transjordanien durch die Truppen Abdullahs unterdrückt worden sei. zwischen Hohenzollern und Wittelrbncher». Innerhalb der bayrischen Monarchisten und Haken» kveuzlcr ist eine heftige Fehde entbrannt. Die Hohenzollern-Leutc sind mit den Wittelsbacher-Anhängern hart aneinandergeraten und der Kanrpf richtet sich besonders gegen Luden Vor ff. So schreibt der „Miesbacher Anzeiger" im Leitartikel „Großdeutsch oder Preußisch-Ludeudorff in Balgern?" unter anderen: folgendes: „Schon seit geraumer Zeit sind wir in Sorge darüber, daß die längst erwiesene mangelnde Eignung Lndendorffs für das politische Leben zu einer schweren inneren Krise wird führen müssen . . . Als Herr Ludendorff ’ die Nerven verloren hatte, im Juli und August des Jahres 1918, weil er nämlich die Nation mit einem Kasernenhof verwechselt hatte, da hat er uns etwas hinterlassen, das er jetzt recht häufig als den Zustand seiner neuen Heimat Bayern bezeichnet, nämlich einen Sau stal l. Herr Lndendorff ist auch erst nach Schweden und dann bald darauf nach Bayern gegangen, weil er sich da sicherer fühlte als in dem größten aller Sauställe, in Berlin-Preußisch. Herr Ludendorff hat wohl erkennen können und' auch reichlich davon Gebrauch gernacht, daß er in dem Sanstall Bayern eine viel größere Bewegungsfreiheit, Schutz und Achtung genießen kann als in dem heutigen Preußen, und er hätte gar keine Veranlassung, preußisch-eifersüchtig auf Bayern zu sein . . . Ist dieser Deutsche zugleich Legitiinist, wie es Herr Lndendorff von sich behauptet, dann darf er nie vergessen, daß man in Bayern nur w i t t c l s b a ch i s ch, in Oesterreich nur habsburgisch und nur in Preußen h o h e n z o l l erisch eingestellt sein kann. Tie Hohenzollern sind keine deutsche Dynastie, sondern eine preußische, und der deutsche Kaisertitel, seit 1870, Herr Lndendorff, war eine BcZeichnung für den, der das Präsidium im Deutschen Bundesstaat führte und nur in: Kriege oberster Feldherr war." Baldwin in Paris. Paris, 18. September. Premierminister Baldwin wird abends hier eintreffen und morgen mit den: Ministerpräsidenten Poincare eine Besprechung haben. Die MMiirdiktatur in Spanien. De Rivera umschmeichelt Frankreich. Mtckrid, 18. September. Primo de Rivera erklärte Journalisten gegenüber, die Zensur sei nur eine vorübergehende Maßnahme. Er Habe eine Depesche des früheren Außenministers Alba, die an Frankreich gerichtet war und die behauptete, die Bewegung sei deutschfreundlich, anshalten lassen. Da er begeisterter Anhänger der Alliierten gewesen sei, erfülle ihn eine derartige Behauptung mit Entrüstung. Er werde jede Meinungsäußerung respektieren, aber keine separatistischen Zwischenfälle, ähnlich jenen vor: Ba r c e l o :r a, dulden. Er hoffe, die normale konstitutionelle Lage in einem Vierteljahr wieder herzustellen. In. den internationalen Fragen werde er die Beziehungen guter Freundschaft mit allen Ländern, namentlich aber mit Frankreich, auf* rechterhalten, dessen Interessen in Marokko die gleichen seien wie die Spaniens. Der indische Rationalkongreß. Annäherung zwischen Hindus und Mohammedanern. London, 18. September. Nach einer Meldung de8 Reuterschen Bureaus ans Delhi hat der dort tagende indische National ko ngreß einen Ausschuß aus Hindus und M o h a >m m e d a n e r n ernannt, der Vorschläge machen solle, wie die Beziehuuge n zwischen den Anhängern der bvahmanischen und der mohammedanischen Religion verbessert werden könnten. Ein neues Bekenntnis Lord Robert Ereil! zum Zionismus. Aus London wird uns geschrieben: Soeben ist eit Buch von I. -de Lader unter dem Titel: „Die Wahr« heit über M e s o p o t a m: c n, Palast: n a n n d S yrien" erschienen, zu dem Lord Roben Ce eil die Vorrede geschrieben hat. Er sagt darin unter andere:::: „Die zionistische Politik erscheint nur von vitaler Bedeutung für die Welt; eine Nation ohne eigenes Land ist eine A n om a l i e u n d A n o u: alte n schaff e u Schwier i gkeilen. Der arabische Staat hat gar keinen Grund zu klagen. Die A n e r k e:: n u u g d e r j ü d i s ch c n nationalen Heimstätte bedeutet eine der Bedii:g:u:gen, unter welchen der arabische Staat ins Leben gerufen wurde, natürlich unter der Bedingung, daß die Rechte der individuellen Araber voll geschützt sind. Ich bin daher ein überzeugter Z i o n i st." Das Buch enthält außer dieser Vorrede noch einer Nachtrag über Geschichte und Ziele des Zionismus. roßer’91 Sommer i FilSchiffmann II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 In am Eh detail >j?5S5PEf»r .. i.1 *-iiif«nrimiimiiiT^'-*-- *