Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1652 (19.9.1923)
- Date
- 1923-09-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Veite S Wien, Mittwoch Frankreich bleibt hart. Paris, 18. September. Der „Jntransigeant" schreibt: MÄaruln soll man es leugnen? F ra n kre i ch wird keinen Schritt weiter e n tg egenkommen, weil es in der Lage ist, durchzuhalten. Deutschland, aber wird sich unterwerfen müssen. Frankreich, das die Beute in der Hand halt, hat Zeit. Offenbar, scheint man es in Berlin jetzt plötzlich sehr eilig zu haben, mit^ dem Ruhrkonflrkt zu Ende zu kommen. Die Währungskrise drückt unerträglich auf Deutschland, der passive Widerstand an der Ruhr ist nicht mehr durchguha-Iten. Im Rheinland macht der SeparatiSmus.von Deutschland besorgniserregende Fortschritte dank dem wirtschaftlichen Zusammenbruch und den politischen Treibereien im besetzten Gebiet. Der gierung steht es frei, die Krise nicht weiter verschärfen zu lasten, bis sie unhaltbar geworden ist. Bon Frankreich hat sie nichts HU erwarten" Wiener Morgenzeitung. 19. September 1923 9fe.I166ft Oesterreich. Sie Verhandlungen mit Polen haben begonnen. Warschau, 18. September. Heute begannen um 10 Uhr vormittags im Ministerium des Aeußern unter dem Vorsitz des Mnrsters des Aeußern Dr. Scyda in Anwesenheit des Handelsminstter Szidlowski mit den Vertretern der österreichischen Regierung die Verhandlungen, die um 12 Uhr im Ministerratspräsidium fortgesetzt wurden. Die Verhandlungen haben einen durchaus befriedigenden Fortgang genommen. Um halb 2 Uhr fand beim Präsidenten der Republik Wojcicchowski zu Ehren des Bundeskanzlers Doktor Seipel und des Ministers des Aeußern Dr. Grünberger sowie ihrer Begleitung ein Frühstück statt, an dem Kardinal K a k o w s k i, Ministerpräsident Witos, Minister des Aeußern S e y d a, Senatspräsident T r a m p c z y n s k i, der Direktor des politischen Departements Kozmirski. der Chef des Protokolls Grc/f Przezdziecki, der polnische Gesandte in Wien Dr. L a s o c k i und der österreichische Gesandte in Warschau Post teilnahmen. Nachmittags fand die Besichtigung des altberühmten historischen Sobieski-Schlasses statt. Sodann empfingen Bundeskanzler Dr. Seipel und Minister des Aeußern Dr. Grünberger in den Amtsränmen der österreichischen Gesandtschaft die Vertreter der polnischen Presse. Der Bundeskanzler hielt hierbei eine Ansprache, in der er die Ziele der österreichischen Politik im allgemeinen und der Warschauer Reise im besonderen darlegte. Mit besonderer Befriedigung unterstrich der Bundeskanzler den warben Empfang, der den Vertretern der österreichischen Republik in Polen zuteil geworden sei, und gab der sicheren Erwartung Ausdruck, daß die in diesen Tagen eingeleiteten Verhandlungen in kürzester Zeit zum Abschluß gelangen werden. Die Ausführungen des' Bundeskanzlers ergänzte Minist.'r des Aeußern Dr. Grünberger durch sachliche Bemerkungen über den Ausbau der gegenseitigen Handelsbeziehungen. Der österreichische Gesandte Post veranstaltete um 8 Uhr abends zu Ehren des Bundeskanzlers Dr. Seipel und des Ministers des Aeußern Dr. Grünberger sowie ihrer Begleitung ein Diner, zu dem Einladungen an den Erzbischof Kakowski und an sämtliche Mitglieder des polnischen Kabinetts ergangen waren. Jüdische Mahler und Wählerinnen reklamiert Euer Wahlrecht! Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, die am 1. Jänner 1923 das 20. Lebensjahr erreicht haben, sind wahlberechtigt.* Irr der .Hausliste, welche in jedem Hausflur angebracht sein muß, sind die bereits in die Wählerlisten Aufgenonimenen ersichtlich. Wahlberechtigte, tvelche in dieser Hausliste nicht enthalten sind, melden sich unter Mitöringung ihrer und ihrer Angehörigen Dokumente (Heimatschein, Geburtsschein, Meldeschein, Paß, Arbeitsbuch usw.) in einem der Reklamationrlokale: 1. Bez., Wiesingerstratze 11, 2. Bez., Taborstraßc 1 Wiener Morgenzeitung"), 2. Bez., Taborstratze 20 a, 2. Bez., Zirkusgaste 33, 2. Bez., Prater, Stuwerstraße 1 (Cafe Winkler), 3. Bez., Löwengaste 39 (Cafe Ilion), von 4 bis 7 Uhr nachmittags, 9. Bez., Liechtenstemstratze Nr. 11, Zionist. Bez.-Sektion, täglich von 6 bis 8 Uhr abends für den 9., 18. und 19. Bezirk, 20. Bez., Karl Meitzlstratze 5. Beklamatio» kostenlos! Täglich von 9 bis 12 und von 2 bis 6 Uhr. Sonntag von 9 bis 12 Uhr. > Die W a h l l i st e n liegen inr Lokale, 1. B e Wiesingerstraße 11, täglich bis 9 Uhr abends zur Einsicht auf. .. ... . %a MtM in MM. Sic Beilegung des italienisch-griechischen Konflittes. Genf, 18. September. In. der heutigen Sitzung des Bölkerbundrates vertrat S a l a n d r a die Stellungnahme der italienischen Regierung in der Frage der Kompetenz des Völkerbundes im italienisch-griechischen Konflikt. Er hob hervor, daß er seinen Ausführungen eine mehr historische Bedeutung beilege, da ja die Angelegenheit erledigt sei. Gegenüber Branting bestritt er, daß Italien mit der Besetzung Korfus den V ö l k e r b u n d p a k t verletzt habe. Die Besetzung sei ein ' radikales Druckmittel gewesen. Vom ersten Tag' an habe Italien betont, daß es sich um eine vorübergehende Maßnahme handle. Es gebe keinen Paragraphen in dem Pakte, der eine solche. Maßnahme verbiete. Deswegen sei auch der Völkerbund nicht kompetent gewesen. Gegenüber Lord Robert Cecil stellte Sal a n d r a fest, daß ein Eingreifen des Völkerbundes schon deswegen nichts notwendig gewesen sei, weil ja der Streitfall auf diplomatischem Wege seine Erledigung gefunden habe. Zum Schlüsse erklärte S v l a n d r a, daß er eine in allgemeiner Form gehaltene Aussprache über die Kompetenz des Rates nicht a b l c h n e, nur dürfe sie auf keinen konkreten Fall zugeschnitten sein. Branting erklärte, daß er die A n f s a s jung Salandras über die Besetzung Korstls ni cht• teilen könne. Was vor dem Bestehen des Paktes erlaubt gewesen sei, könne mit dem Inkrafttreten des Völkerbundpaktes nicht mehr ohne weiteres gebilligt werden. Die öffentliche Meinungder Welt w e r d e nur s ch w e r v e r st e h e n können, daß sogenannte friedliche Represtalien, wie.die Besetzung Korfus, harmloser Natur seien und dem Geiste des Paktes entsprechen. Lord Robert Cecil erklärte, er werde auf die wichtigsten Ausführungen Salandras in der Tonne r s t ä g s i tz u n g dös Rates noch zurückkommen. Prüfung der Jaworina-Streitfrage. Genf, 18. September. Der Völkerbundrat ist zusammengetretew,; um Hie St reitfrage zwischen P o len und der T s ch e ch o - S l o w a k e i wegen des Iäworina-Gebietes einer vorläufigen- Prüfung zu unterziehen. Die Arbeit der Kommissionen. Genf, 18. September. Die Arbeiten in den vers ch i e d e.n e n K o m m i; f i o n c n werden eifrig st Die Gemeinderatswahlen. . Die „Arbeiterzeitung" veröffentlichte gestern die sozialdemokratischen Kandidaten für die Gemeinderatswahlen. Bon den bisherigen sozialdemokratischen Gemeinderäten kandidieren mit Rücksicht auf die Verminderung der Mandatszahl ans 120 eine größere Anzahl nicht mehr, darunter meist solche,"di? auch Nationalratsmandate anstreben, wie beispielsweise die Abgeordneten Eldersch, Forstner und Skarei und die Frauen Freundlich, Popp und Seidl. Bürgermeister Reumann ist Listensührer in Favoriten, der präsumtive Bürgermeister Seitz Listenführer in Floridsdorf. Im ersten Bezirk, der bisher keinen sozialdemokratischen Vertreter besaß, kandidieren die Sozialdemokraten den Arzt Dr. Josef Fried jung. Im zweiten Bezirk ist Vizebürgermeister Emmerling Listenführer, auf der Landstraße den Bundesrat Müller, am Alsergrund den Stadtrat Pros. Dr. Tandler und in der Brigittenau den Stadtrat B r e i t n e r. Einem Uebereinkommen mit den tschechischen Sozialdemokraten entsprechend, die diesmal auf die Aufstellung eigener Kandidaturen verzichtet haben, erscheint auf der sozialdemokratischen Liste im 10., 17. und 21. Bezirk je ein tschechischer Sozialdemokrat als Wahlwerber. Bisher hatten die tschechischen Sozialdemokraten acht Vertreter im Gemeinderat. Bürgermeister Reumann wird nach seinem Rücktritt vom Amt vom Wiener Landtag in den B u n d e s r a t entsendet werden. dtto Bauer über die Sanierung. In einer sozialdomokr-atischon Wäihlevver-saut-nrlung in Mariahi-lf sprach Montag Abgeordneter Otto Bauer über das Problem der österreichischen Sanierung. Nach einer offiziellen Statistik habe int Monat I u n i ein Schlosser in Amsterdam wöchentlich 1,012.000 K., in London 987.000 K., in Zürich 940.000 K., m Wien dagegen 380.000 K. verdient. Man sollte nun meinen, daß unsere Industrie, die ihren Arbeitern nur ein Drittel der We-l-tmarM-öhne zahle, außerordentlich konkurr-e-nzfähig sein müßte. D'qe Wirklichkeit lehrt uns das Gegenteil., Es gibt gegenwärtig nach der amtlichen Statistik in Oesterreich 80.000 Arbei-tÄose, davon 56.000 in Wien allein, und dazu kommt die noch viel größere Zähl der Kurzarbeiter. Ein Land, in dem die Menschen so furchtbar billig qrbeide-st iünd das trotzdem aus drin M.'ltmarkt nicht konkurrenzfalsig sei, .müsse krank sein und bedürfe; einer Sanierung. Oesterreich .janieren, kann nichts ander:.'s'bedeuten-, als. diu dxr. U-ryst-ellung uustrer Volkswirtschaft 'auf .'diu neuen fortgesetzt. Bor nächsten Freita-g wird k e i n e B o l l v e r s a m m l u n g des Bundes mehr abgehältcit werden. Der F r e i t a g s i tz u n g sieht inan schoir jetzt mit großer Spannung entgegen, da man von ihr eine wichtige Aussprache über den italienisch-griechischen Konsl'kr erwartet. Bereits honte sind 40 Redner vorgemerkt. Antrag auf Regelung, der Reparationsfrage. Genf, 18. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) In der zweiten Kommission des Völkerbundes für die technische Organisation wurde heute anläßlich der Aussprache über den Bericht des ständigen Finanzkomitees des Völkerbuttdes auch die Re Para tions frage gestreift. Unter Bezugnahme auf die Worte des Präsidenten des Bölkerbundrates, des Japaners I s ch i i; bei der Eröffnung der vierten Völkerbundversammlung stellte der südafrikanische Delegierte, Sir Henri S t r a k o s ch, beit Antrag, der Versammlung eine Resolution vorzulegen, in der erklärt wird, daß die R e p a r a t i o n s f r a g e f ü r a l l e, f ü r d i e g e s a nt t e i n t e r n a t i o n a l e Politik wie auch für die Tätigkeit des Völkerbundes eine drückende Last sei, und daß sie hoffe, die Frage baldigst geregelt zu sehen. Der japanische Delegierte A t a t e i hatte bereits vor Stellung des Antrages erklärt, er glaube Eirund zur Annahme zu haben, daß diese Grundlage zur Lösung der Reparationsftage bald gesunden sein werde. Der dänische Vertreter unterstützte den Antrag Strakosch', wogegen der französische Delegierte sagte, die Worte Jschiis hätten vollkommen genügt, und es sei keine neue Anspielung in einer Resolution der Versammlung nötig. Strakosch bestand jedoch ans der Annahme seines Wunsches auf die Einbringung einer Resolution. Die Debatte über den Antrag Strakosch' wttrde dann auf m o r g e n v e r t a g t. Mn Kongreß der Frledeasgesellschaft. Basel, 18. September. (Schweiz. DepöschenaHenttur.) Hier wurde gestern unter dem Vorsitz von La Fontaine, Vizepräsidenten des belgischen Senates, die V o l b> versammlung der Friedensgesellschaft eröffnet. Es wurden verschiedene Kommissionen gebildet, so für-die Fragen der RuhrbesetzAng, des italienisch-griechischen Konfliktes, des Völkerbundes und im besonderen für die Frage, wie die öffentliche Meinung tu den verschiedenen Ländern für die Mitarbeit zur .Herbeiführung eines wirkliche n Friedens, der trotz der Friedensv-orträge zwischen -den Staaten noch nicht besteht, gewonnen werden kann. Die Tagung wich zwei Tage -dauern. ihres Jnla-ndsm-avktes raubten, zu fördern und zu unterstützen. Ist dies erst gelungen und die Volkswirtschaft gesundet,- dann ist rs keine Kunst, die St-a-atsfinanze>n zu sanieren; denn es gibt keine gesundon Staatsfinanzen bei kranker Volkswirtschaft. Die Krone sei stabilisiert, -weil wir Kredite, die das Defizit bedecken, haben, und sie wird so lauge nicht fallen, bis diese Kredite aufgagess-en sind,, das heißt bis Ende des nächsten Jahres. Dann fällt sie wieder, trenn \ioit inzwischen nicht ein Stück vorwärts gekommen sind aus dem Wege der wirklichen, der volkswirtschast-Rchen Sanierung. Die Möglichketit unserer um so dieil niedrigeren Löhne beruhe auf -dem Mieterschutz. Die Abschaffung des M-iet-erschntzcs bedeutet entweder -eine derartige Heräbdrückung des Lebens- Niveaus der Arbeiter, Aug-estellten und Beamten, daß sie buchstäblich verhungern müßten, oder sie bedeutet, daß die Löhne derart erhöht werden müßtet!, daß dann große Zweige unserer Industrie tatsächlich die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt wr-l-ieren müßten und neue Zehntausende Arbeitsloser aufs Pflaster fliegen würden. Es gibt auch noch andere Bedingungen der Sanierung. Eines der Dinge, die das neue -Parlament wird erledigen müssen, ist die Rio v i si o n des Zolltarifs, die bisher daran gescheitert fei, daß die Agrarier erklären, einen neuen Zolltarif so lange nicht znzulassen, bis nicht die Getreidezölke wieder eingeführt sind. Wir bezi-ehen dr-c-i Viertel des Getreides für Brot, Atehl und Viehsutter aus dem Ausland. Wenn wir darauf Zöll-e -legen, so würde das di-c-se-lbe Wirkung haben wie die An-shelucn-g des Miet-erschntzes. Der Staat ist nicht dann saniert, wenn er nur g-er-adc die Mittel hat, di-c Beamtengvhalte z-u bezahlen, sondern nur dann, wenn er auch die Mittol hat, den volkswirtschaf-tlicheu Unr-stellungsprozeß durch p r o d n k t i v e Jude st i t io n c n zu fördern. . An Angriff des WandelsmiaWers Kraft gegen die Saniernngs- und KredWolM. Der ehemalige großdeutsche Handelsminister Kraft, dessen publizistische Tätigkeit im Nebenamt sogar schon zu diplomatischen Affären Anlaß gab, hat anscheinend wieder das Bedürfnis, von sich reden zu machen. 9lls er noch Minister war, hatte er in der „Grazer Tagespost" eine -sehr ausfällige Bemerlnng gegen Italien, niedergeschrieben, gerade zu einer Ieit. als Oesterreich -'auf' das-Wohlwollen Italiens toegeu der -beim Völkerbund - eingeseiteteu' -Saniernngsaki-ion gäuz bespicders EovEn - wa^- Dre.' rmsasamssss-