Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-09-18 · Heft 1651 (18.9.1923) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1651 (18.9.1923)
Date
1923-09-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980732--16162-3003050
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Gotte 6 Wien, Dienstag in den Ohrläppchen weit angemessener. Sehr angenehm das Bühnenbild, von Remigius Äeyling entworfen. O. A. „Ueer ©tint"! (Zur Neuinszenierung im Deutschen Volkstheater.) Es ist sehr fraglich, ob man Ibsens dramatische Dichtung über das Wesen Norwegens überhaupt außerhalb der Grenzen des Nordlandes spielen soll. Sie ist zu speziell, denn sie ist, um mehr zn sein, zn wenig Dichtung, 31t sehr Erklärung, Analyse, Zergrübelung. Es gibt in einer Reihe junger Literaturen derlei Gebilde; etwa Wyspianskis „Hochzeit" oder Perez' „Die Nacht auf dem alten Markt". Noch kein nichtnordisches Thcaterpublikum ist bei „Peer Gynt" warnt geworden. Es geht höchstens mit dem Spiel der Prospekte und Maschinen mit. Da manchmal auch bis zu Aufführungsserieu. Das innerliche Mitgchen aber wird vor allem dadurch erschwert, daß kein deutscher Schauspieler den Peer Gynt blutvoll wiedergcben kann (in Parenthese: ob's ein Nordischer vermag, weiß ich nichtl. Selbst Kahßler, der feinste Empfinder, nicht Gestalter deutscher Schauspielkunst, rang mit heißem, aber vergeblichem Bcmüh'n um Beseelung der Figur Gynts. Aber eine Peer Gynt-Aufführung, in tvelcher man den Peer Gynt ruhig übersehen kann, ist dem Deutschen Volkstheater Vorbehalten geblieben, das nun — ans welchem Grunde, ist unerfindlich — in kurzer Frist zum zweiten Male sich an diesem Ibsen-Koloß versucht. Und — wie gleich bei aller Anerkennung der schon oben gekennzeichneten Tücke des Objektes konstatiert sei — mit untauglichen szenischen und schauspielerischen Mitteln. Verzeihung — einer Schauspielerin würde durch solche Pauschalbegutachtung bitteres Unrecht geschehen und darum sei gleich ihrer mit inniger Dankbarkeit gedacht: cs ttt Hedwig Keller, deren Solveig einfache, reine Menschlichkeit atmet und gar nichts von dem ach so peinlichen Erdenrest der Bühnenschwere an sich hat. Aber ohne Peer Gynt geht der „Peer Gynt" denn doch nicht. Was Herr Klitsch in dieser Rolle dort oben onf der Bühne sprach, war völlig belanglos. Es wurde nur ärgerlich, als er die einzige Szene, in welcher Ibsen (eines der wenigen Male in seinem langen Schassen) beinahe zum wirklichen Dichter wurde, nämlich Aases Sterbeszene, völlig „entdichtete". Aase war — nicht Ilka Grüning. Wenn Ilka Grüning von ihrem Sohn auf das Dach gesetzt wurde und um Hilfe rief, so spürte man, daß sie hilflos auf dein Dache festsaß und ängstlich nach Hilfe ansspähte; jvar selbst versucht, ihr zrc Hilfe zu eilen; wäre es wohl mttf) gewesen, wenn sie ans der Platten Erde gesessen wäre und cjerufcit hätte, sie wolle vom Dach herunter. Diesmal sah man, daß eine Dame vom Regisseur auf einen erhöhten Punkt postiert worden war und auf ihr Stichwort wartete, um den Platz zu verlassen. Womit der fundamentale Unterschied zwischen dem echten Schauspieler und dem Bühnenmitglied gegeben erscheint. Daß die Regie nicht schon daraus die zwingende Notwendigkeit ersah, die Rolle umznbesetzen, beweist ihre Unzulänglichkeit. au. Szenenbild zu sehen war, machte keinen Eindruck. Ausztmehmeu ist das Bild der Trollszene. Schade, daß sie durch den Dovre-Atten ins Reich der Langweile hinabgezogen wurde. Die Beleuchtungen spielten, wie neuestens so oft im Polkstheater, eine große Rolle. Keine gute. Neberwältigend verfehlt das hellviolette Licht, in dem Aase starb. Die Irrenhansszene wirkte kölnisch. Diesmal war Herr G ö tz fehl am Ort. Lichtpunkte: die penetrante Eindringlichkeit, mit welcher Hans Rodenberg den fremden Passagier sprach, und das sehr fein parodistische Element, das Rl.r Thiele in ihren Anitratanz legte. Alles in allem: eine „Peer Gynt"-Aufführung bei der es zweifelhaft ist, ob es eine war. Ties mußte einmal ausführlich erörtert werden, um festzustellen, daß das Deutsche Volkstheater sich nicht an problematische Aufgaben machen sollte, so lange noch nicht der Beweis gegeben ist, daß es den normalen völlig gewachsen ist . ' S. S. Sleonore Hufe in Wien. Eleonore Düse ist in Begleitung ihrer Gesellschafterin, Fräulein Wertheimstein, bereits Samstag früh inkognito in Wien eingetroffen. Die Künstlerin, die anffallend ftisch und jugendlich aussieht, blieb bis nun zurückgezogen, lehnte alle Einladungen Wiener Freunde mit Hinweis auf ihre Ermüdung ab und empfing auch keine Besuche. Das Ensemble, mit ivelchem sie ihr zweiabendliches Gastspiel an der Neuen Wiener Bühne absolvieren wird, langte gestern ans Mailand in Wien an. und hat gestern nachmittags in der Hotelwohnnng der ru'i'.silerin die erste Probe abgehalten. Die Wiener Staatsoper in Genf. Miturß.eo-d'i.iliche'm Erfolge f>at die Wiener Stacn^iper in Gens, in welcher Stadl bekanntlich zurzeit 'der Völkerbund tagt, einige Vorstellungen gegeben. Alle Abende waren ausverkauft, selbst aus Paris kamen Kunstfreunde. Deut Ensemble.wurden große Ovationen bereitet. Die Aufführung des „Don Juan", an welcher die Herren Duhan, Ierger, Markhoff, Tauber und Mayer sowie die Damen Mihacsek und Schumann mltwirkten. erregte das Entzücken des Publikums. Wiener Kammeroper. Im Raimund-Theater beginnt di« neue Spielzeit der Wiener Kammeroper unter der Leitung des Direktors der Kunststelle für öffentliche Angestellte Karl Wanscha mit 23. d.; somit werden jeden Sonn- und Feiertag nachmittags die Vorstellungen der .Kammeroper in diesem Theater stattfinden. Die musikalische Leitung Legt wieder in beit Händen des Direktors Karl A u d c r i e t h. Als erste Oper gelangt „Mignon" mit Frau .Cugenie Besalla in der Titelrolle zur Aufführung. Die Vorstellungen beginnen präzise halb 3 Uhr. Der Hagenbund wjrd int Laufe dieses Monats eine Ausstellung von Werken der größten und bedeutendsten slowakischen KüMnpereiLtMM ,Man«s" eMsnen. Wiener Morgenzeitrmg. Die Wilnaer Truppe in London. Aus London wird uns berichtet: Die Wilnaer Truppe ist bereits in London eingctroffen, um im dortigen Pavilloncheater ein Gastspiel zn eröffnen. Dein Ensemble gehören nebst den in London bereits bekannten Herren Schnejur, Pelazo, ASro, Frau Alonis und den anderen Mitgliedern di« berühntte Darstellerin von Mütterrollen Frau N 0 e m i sowie Herr N a chbusch und Frau Walter an. Das Gastspiel der Wilnaer beginnt am 20. September mit der Aufführung von S. An— skis „Tag Mid Nacht". Ans den Theatern. B u r g t h e a t e r. Mittwoch gelangt Nestrohs „E inen I u x w i l l c r s i ch m a ch e n" zur Aufführung. Anfang 7 Uhr. Als Vorstellung des Burgtheaters im Akademiethcater wird Mittwoch die Komödie „Der Kreis" von S. Maughanr gegeben. Anfang halb 8 Uhr. V 0 l k s 0 p e r. Heute „Madame Butterfly". Morgen Mittwoch „Die lustigen Weiber vou Windsor". Deutsches Volkstheater. Heute spielt Fräulein Hochwald zum ersten Male die Vivian in Jeromes Legende „Der Fremde". Die für morgen angesetzte Aufführung von Ibsens „Peer Gynt" beginnt um halb 7 Uhr. Da der Darsteller der Titelrolle Herr Klitsch eine längere Gastspielreise antritt, werden weitere Aufführungen erst nach seiner Rückkehr stattfinden. Montag den 24. d. seht das Gastspiel des Ehrenmitgliedes Dr. Rudolf T v r 0 l t in Anzengrubers Wiener Bolksstück „Das vierte Gebot" ein. In den Kammerspielcu wurde das Gastspiel des Deutsch-russischen Theaters „Der goldene Hahn" des großen Erfolges wegen bis Ende des Monats verlängert. Die Vorstellungen finden täglich im Rahmen der Nachtvorstellungen (Beginn 10 Uhr) statt. Gerichtssaal. Das Abreißer» turn Hetzplakaten. Einige junge Veivte wurden des Nachts Wer Bernaderung durch den Kaufmann Rudolf Kvmmerner von einem Wachmann angehalten, da -sie von einer Plakatsäule zwei Hakenkrstchlerplakate Abgerissen hatten. Drei der Beanständeten, und zwar der Student Fritz Schischa und die Prrvatbeamten Franz Satory mtfo Hermann Schwerer, hatten sich nun gestern beim Straf-begirksgericht 1 wegen -Uckbertretung der boshaften Sachbeschädigung zu verantworten. Sie waren ohne weiteres des Tatsächlichen geständig und brachten tzn ihrer Rechtfertigung vor, daß sie Wer den Inhalt der Plakate, die heftige Ausfälle gegen die Sozialdemokratische Partei enthielten und in denen weiters zu Mord und Totschlag gegen die Inden aufgesordert wurde, derart empört tvareu, daß sie, einer momentanen Aufwallung nachgebend, die Plakate hcruntergerisfen und vernichtet hätten. Der Richter Landesgerichtßrat Tr. Arie hielt den Angeklagten vor. daß Plakate, deren Affichiernng von der Staatsgewalt (die ja gegen Hakenkrenzlevplakate sehr nachsichtig, ist! Die Red.) erlaubt tvird, mögen sie von welcher Partei immer ausgehen, nicht beschädigt werden dürfen. Er verurteilte die Angeklagten unter Anwendung äußerster Milde zu einer Geldstrafe von je 20.000 Kronen, eventuell zu je zwölf St-unden Arrest, jedoch nur bedingt unter Emränmuitg einer einjährigen Bewährungsfrist. Als besonders mildernd wurde bei der Strafbemessung die im konkreten 'Falle ans einem men-schlichen Gefühl leicht begreifliche und b e rcchtigt c A n r v c a u n g der Airg.-tlagl-'n 01; vm*mmen. Der HülenlreufleraMvalt. AuS Haiitburg wird -uns berichtet: Eine von h akc nk reuzle ri sch eu Braut len der Donau-Regittierungskoanmission geführte Gruppe veranstaltete zu Beginn des heurigen Iahrrs eine Hetze gegen die sozialdemokratische Äemeinderatsmehrheit in Deutsch«Menburg, die .zu einer Reihe von Ehre 1 ibrle idi gu nasp rozesien, vor dem Bezirksgericht Hamburg führte, wobei Dr. Leopold Mildschuh der Anwalt der Hakenkreuzler war. Bei einer , dieser Bechandlungrit hatte nun Dr. Mildschuh zu dvnt als Zeugen geführten sozialdemokratischen Gemeinderat Windholz gesagt: „Ihre Aussage ist verfärbt". Ms nun im weiteren Verlaufe die von den Hakenkreuzlern als zu hoch beanständeten Kommisisionsgebühren desselben Gemeinderates, und Mar 50.000 -und 60XX)0 K. für je eine Tagsatzuna nach Wien, zur Erörte- ' -rung gelangten, sagte Dr. Mldschuh zu dem Gemernderat: „Au Hause ißt man Erdäpfel und aufGemeindr-kosten Schnitzel!" Der Gemeinderat erhob wegen dieser Aeußeruugen vor dein Bezirksgericht Hamburg die Ehrenbeleidigungsklage, über welche der Ha ken.krLWlerctnwa.lt zu einer Geldstrafe von 500.000 K. und zur Tragung -der Kosten verurteilt wurde. In der Begründung hob der Richter hervor, daß hier zweifellos ein Uobergriff und eine Ueberschreitung der Rechte und Pflichten eines Anwaltes vovliege und daß die Beleidigungen mutwillig und ungerechtfertigt erfolgt seien. Die WachiuspektorSgattln als Rassenforscherin. Vor -dein Strafbezivksgcricht 1 trat gestern die Private Klara Bicklcs als Klägerin gegen die Wachiuspeiktorsgattin Leopoldine Huber auf. Nach Inhalt der Klage soll die Beschuldigte im Verlause einer Ylusetuandersetzung dcr Klägerin gugerufen haben: „Gehen Sie nach Polen zurück. Sie jüdisches Gesindel!" Bor Gericht erklärte gestern die Angeklagte. daß sie der Klägerin bloß zugernfen habe: „Gehen Sie nach Polen zurück!" Den Ausdruck „Gesindel" habe sie nickt gebraucht. Während die von der Klägerin als Zeugin geführte Hausbesorgerin bestätigte, den Ausdruck „Gesind« 1" aus dem Munde der Angeklagten gehört zu haben, erklärte eine andere Zeugin, die von der Verteidigung geführt war, daß die Beschuldigte nur dcr Klägerin zugerufen habe: „Sie ijüdische Rasse!" Der Magevertreter hob in seinem Strafantrag tyertoov, daß der Ausdruck „Rasse" in diesem Falle gleichbedeutend fei mit dam Ausdruck „Geisindel" und daß der vou der Angeklagten zugegeben e Au rief: „Gehen Sie nach Polen zurück" ztveifellos eine VerspMung der Klägerin beinhalte. Der Verteidiger der Beklagten führte aus. daß der Ausdruck „Rasse" keineswegs eine Beleidigung involviere, denn bei der letzten Volkszählung sei jedermann verpflichtet gewesen, anzugeben. welcher Rasse er augehöre. Der Anruf: „Gehen Sie nach Polen" sei gewiß keine Beleidigung. Der Richter Ober-, 'landesgerichtsrat Dr. Sieber sprach die Angeklagte mit der Begründung frei, daß .der Auruf: „Gehen Sie nach Polen zurück" eine unhöfliche, aber keineswegs beleidigende Redewendung sei. weiters daß in der Mage lediglich der Ausdruck .Gesindel", den -das Gericht nicht als erwiesen angenom.v">" 'acibe. nicht a'ftfi* der Ausdruck „Ralla" mkrimWie-rt tei. 18. September 1923 Nr. IM Volkswirt. Sestempelte Krone — V.0V?»'/« 8e«ti«rs. Buszahluug Me» --- IMS'/, klenttmr«. Zn Zürich notierte 17./9, 16./9. die österreichische Krone. 0.0079»/, 0.0079'/, die österr. gestempelte Krone .... 0.0079V, 0.0079'/, die tschechische Krone ....... 10.97*/, 16.93'/, die Mark ... 0.0000084 0.0008048 Holland. A21.78 231.26 9ieto*g)or! *•»•« «65.26 668.- London 26.68 28.67 Paris. 82.75 . 33:06 Mailand. 24.85 24.95 Belgrad 6.- 6.10 Bnkareft 2.60 2.62 Sofia . 5.45 5.56 Budapest.. 0.08'/, 0.03 0.0020 0.0021 Re «oraussehung einer WSHrunsrregriM» in Sefterrrkch. In der neuesten Nummer der ,Mittoiliungen. des Vsrbaudes österreichischer Banken und Bankiers" bespricht dcr GeneraldirMor der Oesterreichischen Nationalbank Dr. Viktor Brauneis die Boraussetzungen einer Währuugsricgelnng in Oesterreich. Er fichrt aus, Äaß die Regelung der Währung das En ziel und die Krönung der g«k-en SanierunySaktion sein soll. Eine sehr wichtige Voraussetzung dafür ist sicherlich die Gesundung der Staatsfrnanzen und die Wiederherstellung des Staaiskricdits. Von einer Gesundung der Staatsfinanzen wird erst gesprochen werden können, werm Oesterreich in der Zage sein wird, aus eigener Kraft jenen Kredit im Inland oder Ausland zu ftnden, dessen es bedarf, um di« Mittel für eine eigentliche produktive Wirtschaftspolitik zu wüdmen. Es läßt sich heute noch nicht bestimmen, in welcher Zeit das Ziel erreicht sein wird. Eine weitere wichtige Dorattssetzttng für die Juanspvuchnahnte des desimtiven Währungsproblems ist die Frage der Bedeckung der Währung. Bei Beginn der Tätigkeit der Orsterreichischen Nationalbank war die damalige Banknotenjjirkulation einschließlich der sofort fälligen Verbindlich« leiten nrii rtlnd 27 Prozent bedeckt. Gegenwärtig beträgt die Deckung ungefähr 46,5 Prozent. Außerdem verfügt auch die Nat-ionakbank noch unter den Aktiven über getv'.sse Reservenbestände in ausländischen Aaht-nugsmittirltt. Es ist aller Voraussicht nach auch in den letzten Monaten des JahreS 1928 eine weitere sehr ans eh ul i che Kräftigung des Standes des österreichischen Noteui-nstiiut8 .zu gewärtigen, gleichzutig ist ein planmäßiger Abbau der D a r l -e h e n s s ch u l d des Bundes eingeleitet. Di« Position des Noten-iustit-uts ist schon heute eine starke und durch« •aus geeignet, möglichen Störungen der wirtschaftlichen Ent« wicklultg staudzuhalten. Wenn mau aber daran denkt, Währuttgsverhältnisse definitiv zu regeln, so ntuß man sich ein >Urtei!l über di.' künftige Gestattung der Handels« und Zahlungsbilanz zu bilden suchen. Die östcrreichische Handelsbilanz wies im Jahre 1922 ein Defizit von 5-10 M i 1 li 0 n e u Goldkronen auf. Die Ziffern weisen zwar im ersten Halbjahr 1022 eine gewisse nicht wesentliche Besserung auf. und es ist auch eine bekannte Tatsache, daß das Defi'it dcr Handelsbilanz durch sbatsstisch nicht erfaßte Exporte eine recht erhebliche Korrektur erfährt und daß speziell in den letzten Mortaten der Zustrom ausländischen Kapitals angewachsen ist. Wie groß müßte der Barschatz eines Noteninstituts sein, um dauernd dem Ansturm begegnen zu können, der sich aus einem so großen Iutportüberschuß ergeben muß? Der Kapitalszusluß aus dem Ausland ist gewiß außerordentlich zn biegrüßett und Oesterreich könnt« daraus unter gar keinen Umständen verzichten. WährungSpolidisch müssen wir uns aber davon hüten, diesen Kapitalszustrom als ein k 0 n st a n i e 2 A k t i v u m der Zahlungsbilanz gu betrachten. Wir müsse.« uns auch vor Augen halten, daß dieser KapitalSzustrom, insoweit er auf rein spekulative Beweggründe zurückzuführen ist, aufhören und in das Gegenteil Umschlagen kann und daß er auch zu in. anderen Teil, iitsolveit er nämlich auf di« Absicht baue rüder Veranlagung zurückzusühren ist, in den Zahluitgsbilauzeu künftiger Jahre durch Zinsen und Gewinnanszahinlngen Passivposten entstehen läßt. Die Betrachtung, Würdigung unb Abschätzunizgerade dieser Montente ist das heikelste Kapitel des Währungs- Problems. Me-nn wir uns nun über die hetttigcu Bcrltzrltnisse -auf diesem Gebiet ein Bild zu machen versuchen, so müssen wir bei objektiver Betrachtung zu dcut Schluß kout-meu, daß trotz der günstigen Ettlwiülttttg der Slaatsfittauzen und trotz der kräftigsn Posiitiou des Noierriustituts der Mo nt e n : noch nicht g e k 0 m nt e,t ist, >t m mit Sicherheit 0 n eiuie Wäh r.uug re ge ln n g schreiten zu können. Deshal>b lift auch bcrmakit eine Debatte über di« gesetzliche Relation und über das Umtaufchverhaliuis der künftigen Währuugseinl)eit zttr Papierkrone müssig und vor allem nicht zielführend; beide Fragen Wunen nur aus Basis der. int maßgebenden ZMptmkt goge'beneu Berhältnisse behandelt und erledigt werden. Die. Absicht dcr Mgierung, Münzen auszuprägen und auszngeben, steht mit einer künftigen Wahrungsregelung z,:- nächst in keinem Zusautnteichang, selbst dann nicht, wenn man daran denken sollte, für eine Münze im Werte von mehreren hundert oder mehreren tausend Papierkroncn einen neuen Namen festzusetzen. Di,? tvälirinrgsvp'it^ische Bedeutung einer Antgabe von Miit-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.