Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1651 (18.9.1923)
- Date
- 1923-09-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1651 Wiener Morgenzeitimg 18. September 1923. Seite 5 Wien, Dienstag Grund ferner Beobachtung des Entwicklungsganges der japanischen Katastrophe zmn SclMsse, daß inan es in diesem Falle nicht mit einer bloßen vulkanischen Tätigkeit der Stoffe int Erdinncru, sondern mit neuen Erscheinungen in der Entwicklimg unserer Erdrinde zn tun habe. Die letzten Beobachtungen zahlreicher Geologen beweisen, daß letztens an gewissen Punkten der Erdkugel Z n s a m m c ns ch' v u in p f nun g e n der E r d r i n d e vorgivkoMmen seien. Diese heute wenig bekannte geologische Erscheinung trete in -letzter 'Zeit in einem ziemlich schnellen Tempo zutage und die schrecklichen Folgen dieser Erscheinung, die sich setzt Japan gezeigt haben, würden sich noch des öfteren an verschiedenen Punkten >der Erkugel, unabhängig von deren Nähe oder Entfernung von den Vulkanen, wiederholen. * Senator Dr, Ringel ln Wien. Seit einigen Tagen mrilt hier der polnische Senator Dr. Michael Ringel, der letztens als Vertreter der jüdischen Minderheit in Polen an der Interparlamentarischen Union m Kopenhagen teilgenommen hat. . ' * Zionistische Organisation. Heine: Landesbomiteefitzung, 6 Uhr, 2. Bez., Taborstraße 20 a.. Parteirat imr 8 Uhr ebendaselbst, * Von: Keren Kajemeth l'Jsrael (Jüdischer Nationalfonds). Inhaber der Nationalfonds-Büchsen itt allen Bezirken, bei denen längere Zeit keine Leerung vorgenommen wurde, werde:: ersucht, ihre Advessen dem Bureau, 2. Bez., ZirkusgMe 33 Tel. 45-606, mittellen zu wollen, damit die regelmäßige Leerung ihrer Büchsen durchgoftrhrt werde. Die Leerung der NationalsonLZbüchsen im 9. Bezirk findet in der Woche vom 27. Sev- ■ tember bis 3. Oktober statt. Me Inhaber von Wichsen des ß&xtn Kajemeth, der Büchsen in den letzten drei Monaten nicht ■ ackert winden, werden ersucht, dies unverzüglich der Nationalsondskommission Alsergrund, 9. Bez., Liechiensteiustraße 11-13, oder der Zentrale, 2. Bez., Zirku'sMe 33, bekanntzuaeben. — Luchoth für das neue jüdische Jahr sind in derselben Ausstattung wie in: Vorjahre vom .Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds herausgegooen worden und sind in unserem Bureau zum Preise von 1000 K. erhältlich. Der Kalender enthält außerdenr eine U-ebersicht über die Leistungen des Jüdischen Nationalfonds «in Palästina sowie die wichtigsten Daten der zionistischen Bewegung seit Hcrzl. Er ist reich illustriert und enthält eine Karte Palästinas mit allen Siedlungen des Nationalsonds. — „Ha o lam": Abonnenten des „Haolam". die trotz Mahnung nüt den Zahlungen des Abonnements «im Rückstände sind, werden das Blatt nicht mehr zugeschickt bekommen. * Professor Dr. Moritz Heiller gestorben. Samstag ist der llniv-ersitätsprofcssor. Dr. Moritz Heitler im 76. Lebensjahre infolge eines Herzleidens verschieden. Jahrzehntelang wirkte der Verstorbene erfolgreich als Lehrer der physikalischen Diagnostik innerer Krankheiten und war als hervorragender Kenner der .Herzkrankheiten bekannt. Zahlreich sind seine wissenschaftlichen Arbeiten. In der Meinung, materiell versorgt zu sein, zog er sich vor etwa zehn Jahren mit einem kleinen Vermögen zurück. Die allgemeinen wirtschaftlichen BerhältnUe versetzten ihn in eine Notlage, die Kollegen und Menschenfreunde zn mildern bestrebt waren. Das Leichenbegängnis findet heute Dienstag um halb N Uhr vormittags ans dem neuen israelitischen Friedhof (Zeutralsricdhof, 3. Tor) statt. * Hcimfiihrung von Kricgerleichrn ans Italien. Die nächste Gruppciiexpcdition des Oest-erreichischen Schwarzen v c u z c s geht anfangs Oktober nach Italien ab. Aninetviingcn werden bis 25. d. im Generalsekretariat, Wien, 1. Bez., Herrcngassc 21. entgegen ge nommen. * Von der jüdischen Welthilsskonserenz. Das bekannte Mitglied der Exekutive der Jüdischen WeMilsskonfereuz, Herr W. Latzky, begibt sich nach Südamerika, um in Argentinien, Brasilien und Chile in den jüdischen Gemeinden und jüdischen Kolonien die Idee der WeUhilfskonseren',, der Solidarität der Inden im gegenseitigen Wohltmi und Helfen zn propa- >'irren und die oft bewährte Opfersrendigkeit der südameriianischen Futen für das große, besonders das russische Hiisswerk der Indischen Wellhiffskonseienz neu wachzurnsen. * Die gewerkschastliche Gruppe der Sprach- und Privatlchrer will eine stärke Organisation bilden, die. ohne Partei- 'unterschied alle Sprach- und Privatlehrer umfassen soll und die Durchsetzung folgender Forderungen anstreibt: 1. .Festsetzung eines Mindesthonorars. 2. Bezahlung der Feiertage, und Ferien.' 3., Kündigungsfrist, 4 Krankenfüi-sorge. Eine Massenversammlung aller Sprach, und Privatlelirer findet Sonntag den 23. V. nin 10 Uhr vormittags im Cafe Landimann statt. Kulturarbeit des Vereines Jüdische Schule sür Mähren. Der Verein Füdi'che Schule sür Mähren stellt allen indischen Gemeinden und Vereinen in der Tschecho-Slowakei und insbesondere in Mähren, die einen oder mehrere Vorträge über Fragen jüdischer Erziehungs- oder Kulturarbeit der anstaben wollen, Redner zur Verfügung. Zwecks Informationen ieglicher Art inende man sich an -as Sekretariat des Vereines, Brünn, Sla'othof 2. * Eine jiidlsche Erzichungskonferenz in Berkin. Fm Znsammenbang mit der Delegiertcntagnng des jüdischen Frauenbundes in Deutschland wird Mischen dem 8. und 10. Oktober 'in B c r l i n die indische Erziehnngskonfercn; stattsindeu. Im Anschluß daran wird am 10. Oktober auch eine Frauenjagung der Lagen stattsindeu. (I.- C. B.) Wieder ein jüdisches Städtchen abgebrannt. Das Städtchen Chodoez im Gouvernement Kali sch wurde von 'einer verheerenden Feuersb r n n st hcimgesucht. 1 3 -1, m e i st s n d i s ch e H ä n s e r sielen den Flammen znm Opfer. Die Rot der obdachlosen Familien ist unbeschreiblich. * Wie Harding de» Zollbeamten belog. Als Cleinenccan gelegentlich seiner Vortragsreise in den Vereinigten Staaten weilte, hielt <r es auch für seine.Pflicht, dein Präsidenten Harding seine Aufwartung zu machen. um ihm sür das liebenswürdige En i gegen kommen . der ainerikani scheu Behörden seinen Dank abznstatten. wobei er iiisbesondere über, die Zollbeamten mit Worten höchsten Lobes aussprach. Da.wehrte aber Harding mit den Worten ab: „Sachte, sachte, sagest Sie nicht zu -viel des Guten von unseren Zollbeamten, verehrter Herr Cleinenceau. Ihretwegen bin ich einmal m meinem Leben notgedrungen znm Lügner geworden. Es war kurz vor dem Kriege, ich hatte, ein paar Ferieuwocheu in Europa verlebt und verwahrte. als ich die Rückreise autrat, in meinem Koffer eine Prachtausgabe der Gesamtwevkc. von.Dickens und eine H >a a r l o ck e d e s D i ch i c r 3,' die ich beide in London erstanden hatte. Bei mc-iner Ankunst in New-?)vrk sollte ich auf dem Zollamt eine große Summe als Zoll für die Locke erlegen. Ich erklärte, daß es sich um die Locke eines Dichters handle: aber das nützte nichts, die Beamten erwiderten mir, daß es sich um einen „Toilettten,gegenständ" handle, der in die Kategorie der Perücken geihöre und deshalb -unter die Luxusgegenstände Mitteilungen nur dem Publikum. Weisse Tempel-Ornate in schönster Auslührang vorrätig und nach Mass beim Spezialisten RUDOLF G0LDSTE1H Wien.II. Taborstr. 54. Tel.45-6-29 Zivil- und Uniformschneidcr Gegr. 1866 zu rechnen sei. Ich sollte un-bedingt 10 Dollar, bezahlen. Nicht einmal der HinlveiS. daß es sich um die Haare des berühmten Dickens handelte, machte Eindruck. Vergebens machte -ich sie weiterhin darauf aus-merksam, daß Dickens vor hundert Jahren geboren sei, und daß das Gesetz -ausdrücklich alle Gegenstände, die älter als fünfzig Jahre seien, von der Bezahlung eines Einsuhrzolles befreie. „Das mag sein," antwortete mir der Chef des Zollamtes, „aber die Haare sind .ja vollständig weist; sic sind also ersichtlich Dickens abgeschni'ttLN -worden, als er schon sehr ält war, können demnach nicht fünfzig Jahre alt sein." In dieser Verlegenheit blieb mir nichts weiter als eine Notlüge übrig. „Ja, Wissen Sie denn gar nicht," erklärte ich dem Zollinspektor, „daß Dickens Albino war und deshalb von Geburt an Weiße Haare hatte?" Das wirkte endlich so überzeugend, daß man die Locke ohne Zollzahlung srei-gab. * Das höchste Hotel der Welt und zugleich eines der großartigsten, die es überhaupt gibt, wird setzt in der Nähe des Gipfels der Jungfrau errichtet werden. Die Grundmauern werden ans den Felsen des JungframJoches herausgchanen. fön kurzer Fußpfad, der durch einen Tunnel geht, wird von der Jungfrau-Bahn zn diesem Gebäude geführt werden. In dem Hotel aus der Jungfrau wird alles elektrisch betrieben, Kochen. Heizen, Reinigen, Beleuchtung und natürlich Telegraph und Telephon Btan wird also in dieser Region des ewigen -Schnees imstande sein, durch drahtlose Telephonie ein Konzert zu hören, das von der Sendestation einer Großstadt verbreitet wird. Das Hotel wird in den Berg hineingehaut, dessen Felsen Rückwand und Seitenwände des Gebäudes bilden. Man wird von dem Hotel die großartigste Aussicht über die Riesenerhebungen des Berner Oberlandes genießen und über das zweite Schneefeld des Aletsch-Gletschers hin die Alpinisten beobachten können, die mit ihren Führern angeseilt zu, der Kockkordiahütte hinter dem Schreckhorn oder zu der Kleinen Bergli-Hütte emporkraxlen. * Menschliche Amphibien. Die seltsamste Mnschenrasse, die es heute noch aus der Erde gibt, ist ein Stamm von „Aniphibieu" oder „Fischmenschcn", der „El Molo" genannt wird und wüsten iSümpse an den Usern des Rudolf-«Lecs in der Lonsa-Kolome in Afrika bchvohnt. Diese Leute sind.die einzigen bisher bekannien Menschen, die zugleich im Wasser und ans dem Lande leben. Die Wilden verbringen -ihre Tage damit, in dem Wasser des Rudols-Secs zu schüvimmen oder ans gebrechlichen Flößen hernmzusahren, die sie sich aus Palmeublättern erbaut haben. Fische sind säst ihre cint;ig.e Nahrung, und sie können diesen Speisezettel höchstens dadurch abwechslungsreicher gestalten, daß sie ab und zn ein Flußpferd mit dem Speer erlegen. 'Nach den Berichten eines englischen Reisenden, der kürzlich bei diesem Volke weilte, trinken die Molo-Leutemindestens jede Stunde am Tage, denn -wenn sie länger ohne Wasser bleiben, so -beginnen ihre Lippen auMspringen und zu bluten. Man behauptet, daß sie sterben, wenn sie drei Stunden ohne Wasser bleiben.müssen. Das Wasser des Sees enthält Soda und schmeck: dem Europäer abscheulich. Ter Sodagehalt nimmt beständig zu, und man ist der Ansicht, daß diese übergroße Menge von Soda, das die Anrpl)ib'ien-Menschen seit Generationen zn sich acnonunen haben und noch nehmen, eine Degeneration der Rasse verursacht hat. * Ladenschltts; im Lebensmittelllcinhan>del. Das Gremiuiu^der Wiener Kanfmannschast teilt mit, daß in Wien ab 10. Sepie m b e v. die Lebens-mit!eldetailgeschäs!e statt wie bisher um 3 Uhr, um 7 Uhr abends zn schließen haben. * Graiis-Sprachknrse. Um die italienische, englische, scanzosiiühe Sprache in popu'.ärer Form zu fuliiircUen Zwecken zu verbreiten, eröffnet HochschnUcltor Professor Alfonso Vitvlo am 20. d. Sonderlurse in seiner Sprachschule. Erste .Vorlesung am 21. d. JtaUenisch seden Montag.und Donnerstag von 5 bis 7 111)1'. Englisch Dienstag und Freitag von 5, bis 7 Uhr. Französisch Mittwoch und Samstag von 0 bis 8 Uhr. Schuellkurse in allen drei Sprachen jeden Samstag von?> bis 0 Uhr. Einschreibungen und Auskünfte im Sekretaviat der Sprach,schule Bitolo, Wien. 1. Bez., Kärntnerstraße 17, von 9 bis 12 ltitb von 3 bis 0 Uhr. * Selitbeschuldigung im Irrsinn? Gestern vormittags erschien im Polizeikommissariat Prater ein völl-ig unbekannter Manu und erklärte, dem Jonrnalbeamten, er habe seine Frau, ermordet. Tann brach er in Tränen aus und cs war nicht mehr möglich, von ihm venil'mftige dlntworten ans die Frage über seine Person und über den angeblichen Aiord zn erlangen. Nach der Untersuchung durch den Amtsarzt wurde der etwa 35 bis 10 Jahre alte, mittelgroße Mann, der dunkelblondes Haar mit ebensolchen spitzen -Schnurbart und blaue Augen hat, seinem Dialekt nach ein Wiener zu 'ein scheint, aus die psychiatrische Station übevsührt. * Nene Straßenbahnlinien. Samstag den 25. d. werden die beiden neuen Straßenbahnlinien in die Frendcnan und nach S t rn:ber sd o r f vollständig fertiggestellt sein. Die beiden Linien werden an diesem Tage eröffnet und sofort nach der Erösfunngssahrt dem allgemeinen Verkehr übergeben. Die Züge der Straßenbahnlinie C. die jetzt nur in der Alserstraßc bis zur Langegasse verkehren, werden von heute (Dienstag) an über die. Öttakringerstraße bis in den Straßenbähnhof H e r n a l s geführt. Durch diche Verlängerung der Linie E wird auch die ganztägige Führung der L t-itfcc 4 4 übers süffig, lvcshalb die Züge diciser Linie nur mehr in der Zeit des stärksten Verkehrs geführt lvcrdcn. * Ein Flughafen in Mauer. Seit längerer Zeit sind Be- .ftrebnngen im Gange, um in Ma-ner einen Flughafen zn errichteii. Sonntag hat mm. der erste Flug von Aspern nach Mauer stattgefunden, mn vor einer.behördlichen Kommission die Eignung des für den Flughafen bestimmten Terrains begutachten zu lassen. Das Gelände wurde als geeignet befunden. Bon Mauer aus beabsichtigt die österreichische Lnftverkehrsgcjsellschaft „Austria" einen Flugverkehr imierhälb und außerhalb Oesterreichs durchzuftihren. * Bahnamtliche Versteigerung sämtlicher bis 31. Mai 1923 bei den Gepäcksansbolvahrungsstiellen Westbahnhof unbchobenen Gcpäcksstücke, Ivie 5kleider, Wäsche. Stöcke, Schirme, Koffer, Reisekörbe, sowie vo-n unanbringlichcn Gütern, und zwar ein Kinoumformer mit Drehstrommotor, eine Büfetteinrichtimg, 14 Gattersägeblätter, eine Kiste Feuerzepge, ein elcikvischer Holzluster mit zwei hölzernen Stehlampen, ein Faß Sliwowitz, leere Ovstfässer, Körbe, Kisten, Milchkannen, ein gebrauchtes Fahrrad und dergleichen, 10 Uhr, liebegschnßmagazin Wien-Westbahnhof. Zutritt fiir jedermann. * Der stille Gesellschafter. Der 34jährige Kaufmattn Leo, Deutsch, Wien, Landongasse 15. wohnhaft, wurde auf Grün, der Betrngsanzeige eines Agvamer Kaufniannes verhaftet. E war in das Agramer Mafchinengefchäft des Kausmaunes ali sti l l e r G e s e l l s ch a f t e r eingetreten und brachte Maschinei nn Schätzungswerte von mehr als 200.000 Dinar (zirka 15( Millionen Kronen) als Sacheinlage ein. Run stellte sich heraus daß biidjc Maschinen nicht Eigentum des Deutsch, sind, lieber dies wird er von dem Agramer Kaufnianu beschuldigt, ihn durch betrügerisches Vorgehen einen Schaden von zirka 2ü0.30( Dinar zugefügt zn haben. Lluch der Wohnungsgebcr dct Deutsch hat gegen 'ihn eine Strafanzeige erstattet,' da ihn Deutsch einen Teil seiner Möbel unberechtigt verkauft haben soll. Er wurde dem Landesgerichte eiugeliefert :|: Autounsall. Gester» mittags ist ein Privatanto -in bei Herreugasse mit einem Bierwagen zusammengestoßen. Jnfolg. des heftigen Anpralles wurden die Insassen des Kraftwagens die 25jährige Pvivate Irma S trvh.n, Nnßdorfcrstraße 1, inu der 30jährige Rcstan-rateur Johann Bondy. Kärntnerring 8 Wohnhaft, erheblich verletzt und mußten sich bei der Rettnnasgejsellschaft verbinden lassen. Die Erhebungen sind eingeleilei * Schreckensszene vor dem Löwenkäfig., Bei der letzten Bor stellnng in: Zirkus Zentral im Prater hat sich Sonntag ein höchst anfregende Szene abgespielt. Bor der Vorführung dei Raubtiere wollte die Artistin Emma Ko hu (Dolly Kuhn), eii> 18jähriges Mädchen, die die Produktion ankündigende Nnnime, anbringen. Dabc>i mußte sie nahe am Transportkcifig der Raubtieve, in dem sich zwei Löwen befanden, vorbeikommen. Au-: llnachtsamkeit streifte sie das Gitter, und einer der Löwen ris sie mit einem Schlage seiner Pranke zu Boden. Die Artistin erlitt einige Kratzwunden am Körper; in ihrer Todesangst ric; sie um Hilfe. Ihr Schreien wurde im Publikum, bcin der Vorfall deshalb nnbemerlt gMieben war. da er sich hinter dem Vorhang im Vormum abgespielt hatte, gehört und der Zirkus gäste bemächtigte sich Unruhe. Die Ranbtiernnmmer konnte ohne Zwischenfall zu Ende geführt werden.^ Die Strasamtshandluug wurde cingeleitet, da die vorgeschriedenen Vorsichts, maßregeln nicht vollkommen angcwendet worden, sind. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) * Tanzinstitut Äermann Braun» 14. Bez.» Aeiw öorfgafse 42. Schulnachrichten. * Kan-elsfchule Deutsch» 9. Bez., Hörlgasse 12. nächste neunlvöchige Bank- und Handelsknrs fiir Juristen, Techniker, Abiturienten usw. beginnt am 1. Oktober. Anmeldungen und Prospekte täglich im Sekretariat. Vereine, Borträge and Versammlungen. Leopold st ä d t e r Volk s h -e i m, 2. Bez., Zirkus-- gaffe 48. Heute Beginn folgender Kurse: 7 bis 8 Uhr: Agnes Fuchs, Französisch (1) für Anfänger; Josesine Spitzer, Frau-, zösisch (2) sür Vorgeschrittene. 8 bis 9 Uhr: Josesine Spitzer, Französisch (3) für Vorgeschrittene. Einschreibungen und Auskünfte täglich von 6 bis 9 Uhr abends in den Kanzleien. Urania. Heute, Großer Saal, 5 Uhr: Vom Baum zur Zeitung. Halb 8 Ühr: Das Singspiel. Der Hochzeitsbraten. Die Zanbergeige. Tie Maienkönigin. — Kleiner Saal, halb 6 Uhr: Tr. E. W. Braun: Meißner Porzellan. Halb 8 Uhr: Hosrat Univ.-Prof. Dr. Anton Lampa: Das moderne Weltbild und die physikalische Theorie. — Knrssaäl, 6 Uhr: Direktor Pius Fürst: Das Pflanzenleben der Umgebung Wiens (3.) — 8 Uhr: Dr. Reinhold Lorenz: Deutsche Frauen in der Auf-, klärnngszeit und in der Romantik. (4.) — Klubsaal, halb 0 Uhr: Dr. Josef Zuth: Einführung in das Gitarrenspiel..(8.) — .Halb 8 Uhr: Dr. Joses Z nt h: Lied und Gitarre. (3.) Jüdische Schulnachrichten. Der Unterricht in den vereinigten hebräischen S ch >i l e n, 2. Bez., Große Mohrengasse 16-22, sowie in der hebräischen Schule, 20. Bez., Othmargasse 46, hat bereits begonnen. Weitere Einschreibungen sür Anfänger und Borge schrittene, Kinder und Erwachsene täglich von 4 bis 7 Uhr nnchmittags, an Sonntagen von 9 bis 12 Uhr vormittags, an den genannten Orten. Vühne und Kunst. Mademietheater. „Tageszeiten der Liebe," Lustspiel von Dario Niccodemi. Ein dreiteiliger Dialog, der artig und flott beginnt. Liebe auf den ersten Blick. Er verfolgt sie im Morgengrauen bis in den Garten ihres Haltses. Zunächst ist 'Entstörung über seine Frechheit zu überwinden, dann geiviniit er ihre Neigung. Die Mitteilung von einem bevorstehenden Pistolenduell freilich ist hierbei ausschlaggebend. >Tat's der Autor ans Unvermögen, seinem Geschöpf so viel männliche Kraft eiuznblascn, daß er durch seine Persönlichkeit crobernngstüchtig ward oder tat er es, weil eine stürmische Licbeserklärnng vor einer Schießerei (etwa: „Verzeihung, Gnädige, ich nnlß gleich wieder fort. Nichts von Bedentnng. Bloß ein dreimaliger Kugelwcchsel" . . das Herz der Heldinnen artiger rosenroter Lustspiele unfehlbar erobert? Nehmen wir wohlwollend das letztere an. Trotzdem ist, wie gesagt, dieser erste Akt frisch und angenehm. Was sich von den beiden folgenden, mit ihren Eifersuchtsszenen, Briefaffären, belanglosen Zänkereien und Versöhnungen bis zur bräutlichen Umarmung mit obligatem Mondschein und Klavierbegleitung beileibe nicht behaupten läßt. Die Stimmen von Vater, Mutter und Schwesterchen hinter der Szene, sind ein guter Einfäll, der aber nur bei einein besseren Stücke willkommen wäre. Hier aber ist das Eingreifen unsichtbar bleibender Personen bloß das fatale Mittel, den Dialog forlzuspinncn. . Gerechtfertigt ist die. Aufführung durch Frau Rost A l b a ch - R e t t y. Die Künstlerin steht turmhoch über der Figur, die ihr anvertrant ist. Uebcrraschend, was ihr Prickelnder Humor aus dieser Anna des Herrn Niecodemi zu machen weiß. Ihr Gegenspieler, Herr Fred Hennings, ein.neuer Mann, ist elegant nnd lebendig. Aber die rassigen Temperantentsansbrüchc des zweiten Aktes stehen ihm nicht zu Gesicht. Sie wären einem süditalienischen Liebhaber mit schwarzem Wollhaar und tüchtigen Ringen Reiche Auswahl neuester Pelzmodelle in säntfl. Pelsarfien - Pariser u.Wiener Geschmack verein! erzeug! nur in eigenen Werkstätten, unter pers Weitung des bestrenommierten Inhabers Ger Firma ür Saison! Heizhaus Pi-er 11